Einträge mit dem Tag ‘Geschlechterklischees’


Frauen und Schuhe, äh, Technik

13. September 2011 von Anna-Sarah

In unserem Postfach fand sich kürzlich der Hinweis auf das österreichische Blog des Elektronikhandels Conrad. Unter der verheißungsvollen Überschrift “10 gute Gründe, warum Frauen bei Conrad einkaufen sollen” finden sich dort super Tipps für “alle Frauen dieser Welt” – die anscheinend vordringlich daran interessiert sind, mittels eigenartiger Techniken (“Einfach den hilflosen Blick aufsetzen, ihn um seine Meinung fragen”) Männer kennen zu lernen, wo sie gehen und stehen. Das “riesige Conrad Sortiment” wird deshalb auch erst an dritter Stelle angepriesen: nach dem “Flirtfaktor männliche Conrad Kunden” und dem “Flirtfaktor männliche Conrad Verkaufsberater”. Auch sonst wimmelt es in dem sicherlich mal wieder total witzig-augenzwinkernd gemeinten Artikel von Klischees, wie z.B. der Rat, im Zweifelsfall doch einfach Schuhe kaufen zu gehen… Besonders Spaß macht deshalb auch Grund Nr. 8:

Auch im 21. Jahrhundert ist es noch immer so, dass Frauen nicht ernst genommen werden – insbesondere auch im technischen Bereich. Anders bei Conrad: Hier sind technikaffine Kundinnen stets willkommen!

Kleiner Tipp: Wenn “weibliche Technik-Freaks bei Conrad erwünscht” sind, wäre es vielleicht ganz clever, ein bisschen sparsamer mit solchem Klischeequatsch zu hantieren und sich tatsächlich lieber auf “den technischen Bereich” zu konzentrieren… Im allerbesten Fall muss ich über diese Art der Werbung jedenfalls nicht schmunzeln, sondern einfach nur herzhaft gähnen. Ernst genommen werden fühlt sich irgendwie anders an.


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Facebookspeak und Recht feministisch untersucht – die Blogschau

3. September 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 123 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Die Missy hat eine neue Gastbloggerin. Maria Wersig (schon einmal in den WWW Girls vorgestellt) bloggt zu Recht und Geschlecht. Schon der erste Beitrag macht Lust auf mehr!

Unterwäsche, T-Shirt, Pulli … die Liste der Kleidungsstücke die wir täglich am Körper tragen ist lang. Grund genug, eine feministische Perspektive aufs Klamotten kaufen zu entwickeln. Mehr dazu auf post_gedanken.

Abtreibungen sind in Polen derzeit nur in wenigen Fällen wie nach eienr Vergewaltigung erlaubt. Die Forderung einer Bürger_inneninitiative nach einem Kompletverbot scheiterte jetzt knapp im Parlament. Ein Gegenvorschlag zur Liberalisierung des Gesetzes scheiterte ebenfalls, so dieStandard.at.

Luise Pusch hat sich nicht nur bei Facebook angemeldet – nun untersucht sie in ihrem Blog das „Facebookspeak“, bzw. die deutschen Übersetzungen auf Genderaspekte.

Letzte Woche berichteten wir von einem Beschwerdebrief an Kinderspielzeughersteller Jako-o. Inzwischen ist die Antwort angekommen, heißt es auf Manu bloggt. Die im Katalog vorhandene Gendersubversivität (Jungen rocken Showbühnen und belegen Brötchen!) hatte Moritz anscheinend nur nicht mitbekommen… Vor dem nächsten Katalog darf er dann den „Produktmanagern, Fotografen und Grafikern“ bei der Arbeit zusehen.

Um „Religion und Männlichkeiten in der Moderne. Neue interdisziplinäre und transnationale Forschungsperspektiven (18. bis 20. Jahrhundert)“ geht es in Jena vom 14. bis 16. September, so das ZtG Blog. Die Anmeldedeadline ist aber bereits der 6. September!

Die Wiener ARGE Dicke Weiber trifft sich wieder – am 9. September in der FZ-Bar.

Am 18. September behandelt der Münster-Tatort „Zwischen den Ohren“ das Thema Intersexualität. Die Kritiker_innen sind mittel bis stark begeistert, zwischengeschlecht.info bleibt erstmal gespannt.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Kurz verlinkt: Wal Mart, Lesben in den Medien und queerer Hip Hop

22. Juni 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 109 von 138 der Serie Kurz notiert

Die größte Sammelklage der USA ist gestoppt: Wal-Mart sollte wegen systematischer Diskriminierung von Frauen Schadenersatz zahlen. Der Oberste Gerichtshof wies die Klage wegen “Überdimensionierung” zurück, berichtet dieStandard.at. Bei der taz gibt es noch mehr Informationen.

Die sudanische Schriftstellerin Leila Aboulela stellt auf altmuslimah ihr neues Buch Lyrics Alley vor.

Feministing ärgert sich über die Quasi-Nachfolgerin von Sarah Palin, Michelle Bachman, die ebenfalls mit repressiven wie konservativen Forderungen glänzt. Passend dazu nimmt das Crunk Feminist Collective den falsch verstandenen Feminismus der beiden unter die Lupe.

Der Freitag stellt in einem Artikel aus dem Guardian Jill Abramson vor, die erste Chefredakteurin der New York Times. Ein Portrait, das leider stark in der Klischeekiste wühlt, wie ChefredakteurInnen auszusehen und was sie zu sagen haben.

Lina Ben Mhenni, Dozentin der Universität Tunis, gilt als eine der Schlüsselfiguren der tunesischen “Jasminrevolution”. In ihrem Erfahrungsbericht schildert die couragierte Bloggerin und Polit-Aktivistin die gegenwärtige Situation der Frauen in dem Maghrebstaat.

Dorothea ist 28 Jahre alt und lebt asexuell. Für fudder.de hat sie aufgeschrieben, welche Akzeptanzprobleme und Ausgrenzungen es mit sich bringt, sexuelle Interaktionen teilweise oder gänzlich aus Desinteresse abzulehnen.

The Mary Sue portraitiert acht Frauen, die ihren eigenen Actionfilm verdient hätten.

DieStandard.at berichtet über die Homosexuellen-Paraden in Kroatien und Österreich.

Die Kommunikationswissenschaftlerin Elke Amberg spricht mit der taz über die kaum vorhandene Präsenz von Lesben in den Medien, die Vorteile der Schwulen und die Reduktion auf Mutterrollen und gutes Aussehen.

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter hat ein Positionspapier zur Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik (PDF) veröffentlicht. Unter anderem soll das Ehegattensplitting abgeschafft sowie eine paritätische Aufteilung der Elternzeit verpflichtend eingeführt werden.

Colorlines stellen queere Rapper_innen vor.

Termine nach dem Klick! (weiterlesen …)


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Papa jagt am Familientag

6. Juni 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 46 von 54 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Die LVR Landesmuseum Bonn hat sich für seine Ausstellung „Elefantenreich“ was besonderes einfallen lassen. Letzten Donnerstag war Familientag unter dem Motto „Mit Papa zur Jagd“ – inklusive freiem Eintritt für Väter mit Kindern. Hallo Geschlechterklischees und Übersehen von Familien, die ohne traditionellen Vater auskommen. Im Bonner Hauptbahnhof war jemand davon ebenfalls weniger begeistert:

Werbeplakat für den Familientag der Ausstellung Elefantenreich im LVR Bonn. Im Schriftzug „Mit Papa zur Jad“ ist Papa durchgestrichen und Mama darüber geschrieben.


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Schreiben statt Schämen. Blogschau zum Wochenende

7. Mai 2011 von Nicole
Dieser Text ist Teil 109 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau


Franziska von franziskript möchte übers Stillen reden, und zwar auch mal über die negativen Seiten ohne Weichzeichner: Stilleinlagen, Stillorte und die Mode! Weibliches Schämen kommt von weiblicher Scham – oder umgekehrt, stellt Katrin Rönnicke fest. Über Scheidenpilze und Selbstbefriedigung sollten Frauen nicht sprechen, oder wenn doch, dann nur mit hochrotem Gesicht.

Eure Homophobie-Toleranz kotzt uns an, schreiben Frittenbude dem Chiemseereggaesummer ins Gästebuch und bleiben weg.

Mit einem Text zu Frauenquoten und Männerangst aus der ZEIT/Wirtschaftswoche der vergangenen Woche beschäftigen sich das Genderblog ebenso wie rechtundgeschlecht. Und bei Frau Lila lesen wir einen Gastbeitrag zweier grüner Männer zur Familien-/Frauen-/wasauchimmer-Politik im Hause Schröder.

Die Stadtpiratin macht sich Gedanken zum 1. Mai, zu Protesten, Krawallen und Berichterstattung.

Die Library Mistress weist auf einen Fragebogen der Wirtschaftsuni Wien hin. Es geht um ein Forschungsprojekt zur Bedeutung einer homosexuellen Orientierung von Unternehmer_innen.

So geht’s mit dem Glücklichsein, wissen die Frauenzeitschriften! Grafisch aufbereitet beim graphitti-blog. Und wer’s immer noch nicht begriffen hat, versteht vielleicht die Bilder von obi: Männer bauen auf und ziehen ein, Frauen ziehen groß und genießen. Changinglifestyle verdreht die Augen. (via puzzlestuecke.wordpress.com)

Wie immer gilt: Wir freuen uns über Hinweise auf interessante Blogs für unsere wöchentliche Umschau im Netz. Gerne hier in den Kommentaren, per Mail oder auch morgen beim Selbermach-Sonntag. Und jetzt ins Wochenende!


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Eine Replik auf „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“

20. April 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 51 von 58 der Serie Die Feministische Bibliothek

Gelber Buchtitel von: Warum Frauen glauben, sie könnten nicht einparken – und Männer ihnen Recht geben (der Titel ist in rot) darunter: Über Schwächen, die gar keine sind | darunter ein Comicbild von einem Mann am Steuer eines Wagens, mit einer blonden Frau im Pelzmantel als Beifahrerin Frauen können nicht einparken, Männer finden sogar ohne Karte noch ihr Auto in einer fremden Stadt wieder. Frauen orientieren sich an Gebäuden, Männer an Himmelsrichtungen – dass in diesen Klischees auch wissenschaftliche Wahrheit stecke, behaupteten besonders erfolgreich Barbara und Allen Pease. Zum Ärger der Psychologin Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl und der Neurobiologin Dr. Kirsten Jordan. Beide erforschen in ihrer täglichen Arbeit, wie Männer und Frauen Informationen verarbeiten, vor allem, wenn es um die Orientierung geht. Zusammen mit 15 weiteren Wissenschaftler_innen stellen sie in „Warum Frauen glauben, sie könnten nicht einparken – und Männer ihnen Recht geben“ die Ergebnisse ihrer Arbeit vor und setzen sich dezidiert mit den Thesen der Peases auseinander.

In den ersten Kapiteln geht es um Aufbau und Funktionsweise des Gehirns und damit einige populäre Weisheiten: Bei Frauen kommunizierten die beiden Gehirnhälften besser miteinander, Männern fehlte dagegen ein eigenes Sprachzentrum im Gehirn. Für die erste Annahme gibt es bis heute nur uneindeutige und widersprüchliche Ergebnisse, die zweite Annahme ist lange widerlegt: Auch Männer haben ein Gehirnareal für Sprachen.

Auch Untersuchungen zum Einfluss der Sexualhormone stellen sie vor. So korrespondierten Schwankungen im Monatszyklus mit Schwankungen in einigen Testergebnissen. Vom Hormonspiegel auf die Berufseignung oder -neigung zu schließen ist den Autor_innen zufolge aber ein Fehler. Je nach Zyklusphase erreichten die untersuchten Frauen bessere Ergebnisse in Tests, die sie auch ansonsten gut bewältigten, aber auch in Tests, in denen sonst Männer die besseren Leistungen zeigten. Auch Männer sind vor Leistungsänderungen übrigens nicht gefeit – und inzwischen ist klar, dass ihr Testosteronspiegel ebenfalls deutlich schwankt, von tages- bis jahreszeitlichen Veränderungen.

In den weiteren Kapiteln werden verschiedene Studien zur räumlichen Orientierung und der Fähigkeit, Gegenstände mental zu rotieren, erläutert. Ausgewählte Testaufgaben zum selbst testen und die grafisch aufbereiteten Ergebnisse erleichtern dabei das Nachvollziehen. Tatsächlich gibt es verschiedene Strategien im räumlichen Denken, die auch von Männern und Frauen verschieden häufig genutzt werden. Allerdings gibt es keine ausschließlich weiblichen oder männlichen Strategien, oft werden sie auch kombiniert – von beiden Geschlechtern.

Hinter den Ergebnissen steht immer noch die Frage „Nature or Nurture“ (naturgegeben oder anerzogen). Handelt es sich wirklich um Unterschiede weil Mann und Frau verschieden sind oder werden wir verschieden gemacht? Abschließend beantworten lässt sich die Frage nicht. So erkunden Jungen ihre Nachbarschaft genauer als Mädchen und trainieren entsprechend ihren Orientierungssinn; Mädchen dagegen bewegen sich seltener alleine und meist auf denselben Wegen. Ob sie damit natürlichen Begabungen folgen oder von ihren Eltern sozialisiert werden, ist bisher ungeklärt. Ein spannendes Indiz ergab sich aus einer anderen Studie. Dort wurde nach der Motivation teilzunehmen gefragt: Die Teilnehmerinnen meldeten sich öfter, weil sie sich schlecht einschätzten und ihre Fähigkeiten verbessern wollten. Die Teilnehmer gingen bereits davon aus, dass sie gut abschneiden würden. Am Ende schnitten fast alle Teilnehmer_innen gleich ab.

Insgesamt bietet das Buch fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse statt populärer Weisheiten, verständlich beschrieben und ein ausführliches Literaturverzeichnis mit Originalartikeln und Wissenschaftsbüchern zum Weiterlesen. Damit ist mensch für die nächste „aber Frauen können einfach nicht einparken“-Diskussion bestens gewappnet.

Erschienen bei dtv, 192 Seiten, 9,50 €

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Das Buch über diesen Link zu bestellen, unterstützt die Mädchenmannschaft.

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Gender Pay Gap: Zur geschlechtsspezifischen Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt

24. März 2011 von Nadine

Der Equal Pay Day 2011 findet in Deutschland dieses Jahr am 25. März statt. Er symbolisiert die Lohnschere zwischen den Geschlechtern, wonach alle erwerbstätigen Frauen fast drei Monate länger arbeiten müssten, um das Lohnniveau zu erreichen, welches alle erwerbstätigen Männer bereits zum 31. Dezember des Vorjahres erwirtschafteten. Gleichzeitig erinnert der Equal Pay Day an den sogenannten Gender Pay Gap, der in Deutschland 23 Prozent misst. Im europaweiten Vergleich gehört die Bundesrepublik damit zu den Schlusslichtern.

Um den Gender Pay Gap ranken sich viele Gerüchte, Ungereimtheiten und Ungenauigkeiten: Oft wird fälschlicherweise angenommen, Frauen verdienten für die gleiche Arbeit im Schnitt 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Bei der Zahl handelt es sich jedoch um eine kulminierte Größe, die sich aus mehreren Faktoren zusammensetzt und die geschlechtsspezifische Arbeitsmarktsegregation anhand des Lohnniveaus repräsentiert. Das bedeutet zunächst, dass der Lohnunterschied (Bruttostundenlohn) aller Erwerbstätigen – aufgeschlüsselt nach (binärem) Geschlecht – durchschnittlich 23 Prozent beträgt.

Ursächlich für diesen Unterschied sind vor allen Dingen strukturelle Ungleichheiten des Arbeitsmarktes, also institutionalisierte Verfahren und Praxen, die Frauen und Männer unterschiedlich betreffen. Diese sind einerseits auf die geschlechtliche Arbeitsteilung in Produktions- und Reproduktionsarbeit seit Beginn der Industrialisierung zurückzuführen. Andererseits basiert Entgeltungleichheit auf verschiedenen Vorannahmen über Geschlecht und damit verbundene Rollenzuweisungen und Bewertungen. Hinzu kommen Faktoren, die spezifisch für neoliberal-kapitalistisch organisierte Gesellschaften sind, die wiederum Männer und Frauen unterschiedlich tangieren und ökonomisch positionieren. Ein geringer Anteil des Gender Pay Gap ist auf unmittelbare sexistische und frauenfeindliche Diskriminierung zurückzuführen und tritt unabhängig neben den eben genannten Ursachen auf.

Weiterhin ist im Zusammenhang mit dem Gender Pay Gap von der Zahl 8 die Rede. Hierbei handelt es sich um den “bereinigten” Gap, also den durchschnittlichen Lohnunterschied von Männern und Frauen bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit, der etwa acht Prozent beträgt.

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Neues Quotenargument: weibliche Schönheit beflügelt den männlichen Konzernchef!

8. Februar 2011 von Nadine

Dass Feminist_innen und Aktivist_innen für soziale Gerechtigkeit auf nicht viel (zuweilen gar keine) Unterstützung der vermeintlichen Qualitätsmedien hoffen können, dürfte hinreichend bekannt sein. Auch zur Quotendebatte trug die selbsternannte vierte Gewalt im Staat nichts Neues oder Konstruktives bei. Während Zeit Online erst im Nachhinein an der peinlichen “Zickenzoff”-Überschrift (aka. drei Politikerinnen gehen ihrer Arbeit nach) herumdoktorte, schaffte es die Tagesschau, populistisch und plump Stimmung gegen Quotierungsregelungen zu machen. Die FAZ suhlte sich mal wieder in ihrem neoliberalen Duktus und fand doch tatsächlich heraus, dass staatliche Interventionen für mehr Chancengleichheit irgendwie gegen die Logik des freien Marktes seien (ach nee?!) und deshalb ungerecht. Gerechtigkeit ist also ungerecht. Hä?  Außerdem seien die Quotenuschis der Ursula von der Leyen eigentlich gar nicht richtig qualifiziert. Diskriminierung gegen männliche Leistungsträger! An dieser Stelle habe ich als Feministin logischerweise wenig Verständnis für die Belange einzelner Privilegierter.

Immer, wenn die Quotendebatte aufflammt, weil die EU Druck macht, Deutschland im internationalen Vergleich in Sachen Geschlechtergerechtigkeit peinlich weit hinten platziert ist, Frauenministerin Schröder auch mal was sagen will oder die Telekom sich als furchtbar progressiv inszeniert, schmeiße ich mein Mixtape “vermeintliches Geschlechterwissen meets MC Phrasenschwein” in den Player, drücke auf Play und widme mich Dingen, die Spaß machen. Zum Beispiel Theorien und Studien, die all das widerlegen, was da so aus den schlauen Köpfen vieler Journalist_innen purzelt, die allein aufgrund ihres Besitzes eines Geschlechts der Meinung sind, Expert_in auf dem Gebiet der Gleichberechtigung zu sein. Wie weit sind wir schon gekommen, dass Geschlecht als einziges Qualifikationsmerkmal zählt!

Heute morgen flatterte mir die neueste Zote von Josef Ackermann auf den Desktop, der sich nicht dafür schämt, Frauen allein deshalb in die Unternehmen schubsen zu wollen, weil sie gut aussehen und den Sugar Daddy der Finanzkrise kreativ befördern. Da werden sogar die konservativen Damen Aigner und Koch-Mehrin ausfällig. Und als ob all das, was da in den letzten Wochen an Absurdem im Namen des Alltagswissens und der Meinungsfreiheit hinauspostuliert wurde, zusammengenommen nicht schon Grund genug wäre, soziale Gerechtigkeit und Sensibilität in Genderfragen hierzulande für gescheiterte Projekte zu erklären, schwingt sich nun die Welt auf, den Geschlechterbacklash in astronomische Höhen zu katapultieren:

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Glorifizierte Väter und tote Frauen in Musikvideos

12. Januar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 61 von 138 der Serie Kurz notiert

Feministing berichtet wieder einmal vom Dreier schlechthin – Biologismus, Sexismus und Heteronormativität: Der Geruch von weiblichen Tränen soll den Testosteron-Spiegel von Männern sinken lassen, so eine neueste Studie. Nicht nur das: Weil Männer triebgesteuerte Wesen sind, die nur über Hormone zur Interaktion befähigt werden, wollen sie im Angesicht tränenreicher Frauen auch gleich keinen Sex mehr. Also Ladys, wenn ihr mal wieder kein Bock auf ‘ne schnelle Nummer mit ihm habt, einfach losflennen. </ironie off>

In der Huffington Post appelliert Joanne Herman dafür, bereits in der Schule Kinder und Jugendliche an Trans*Konzepte beziehungsweise Transsexualität heranzuführen, um ihnen eine freiere Wahl bezüglich ihres Genders und gegebenenfalls Geschlechtes zu ermöglichen und bereits trans* lebende junge Menschen zu empowern. Kritik an diesem Vorhaben übt Alex vom Bilerico-Project.

Dass Kindererziehung noch immer keine gleichberechtigte Aufgabe im Leben einer heterosexuellen Familie ist, ist keine Überraschung. Überraschend hingegen ist der Pathos, der ganze Artikel begleitet, wenn über Väter in Elternzeit berichtet wird, als sei die von Männern temporär geleistete Reproduktionsarbeit etwas, was mensch auf einen Podest stellen müsste. Melanie Rühl von der FAZ schien sich an ihrem Reportageobjekt offenbar nicht sattsehen und -schreiben zu können.

Vergangenen Sommer schrieben wir über die Geschlechtertrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln Jerusalems. Diese wurde nun vom Obersten Gerichtshof Israels für illegal erklärt, weiß dieStandard.at.

Nepal will laut Nachrichtenagentur AFP seinen Einwohner_innen bei der nächsten Volkszählung neben des obligatorischen Mann-Frau-Default auch Transgender zur Selbstbestimmung des Geschlechtes anbieten. Auch Indien soll 2011 eine Volkszählung mit sogenannter “third gender category” planen. Dies wurde aus Regierungskreisen allerdings noch nicht bestätigt.

Die Frauen in Kanye Wests neuem Musikvideo sind attraktive Leichen, derer sich die männlichen Protagonisten ganz selbstverständlich bemächtigen dürfen. Frauenfeindlichkeit und sexualisierte Gewalt findet Melinda Tankard Reist allerdings überhaupt nicht sexy und fordert ihre Leser_innen dazu auf, eine entsprechende Petition mitzuzeichnen.

Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen ist erreicht. Ein Kampf dafür also obsolet. Wie lange haben sich Feminist_innen solche Sätze schon auf der Zunge zergehen lassen müssen? Laurie Penny analysiert auf NewStatesman den Mythos des Gleichberechtigungsmythos.

In seinem monatlichen Bericht über sexuelle und reproduktive Rechte und Gesundheit fokussiert Gender Across Borders dieses Mal die jüngsten Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zum Recht auf Abtreibung.

Erfolg für LGBT*-Aktivist_innen in den USA: Demnächst sollen auf allen Anträgen für Reisepässe Hinweise auf das Geschlecht der Eltern entfernt werden, um den verschiedenen Formen familiären Zusammenlebens Rechnung zu tragen, heißt es bei der Washington Post. Antragssteller_innen müssen also nicht mehr zwingend einen weiblichen und einen männlichen Elternteil angeben. Unklar ist noch, ob diese Änderung auf alle staatlichen Dokumente ausgeweitet wird.

Das Kinderhilfswerk Plan fordert die Vereinten Nationen auf, den 22. September zum Internationalen Mädchentag zu erklären. Hier könnt ihr die entsprechende Petition mitzeichnen und die zivilgesellschaftliche Organisation bei ihrem Vorhaben unterstützen.

Queer/feministische Termine für diese und nächste Woche findet ihr in unserer Übersicht für Januar, die ihr gern in den Kommentaren weiter ergänzen dürft. Wir suchen übrigens für den kommenden Monat wieder Partys, Proteste, Lesungen, Filme, Aktionen, etc. mit herrschaftskritischem und emanzipatorischem Anspruch. Veranstaltungshinweise bitte mit Link an post[ät]maedchenmannschaft[punkt]net, auf unsere Facebook-Wall oder per Twitter an @grrrls_team.


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Das Mädchen und die Macht – Star Wars ist nicht nur für Jungen

10. Dezember 2010 von Helga

Geeks aus der ganzen Welt tragen heute ihre Fankleidung zu Star Wars und in einer Grundschule in Evanstan, Illinois in den USA ist “Proud To Be Me Day” – der „Stolz, ich zu sein“-Tag. Wie das zusammenhängt? Der Grund ist Katie, eine 7-jährige Schülerin, deren Liebe zu Star Wars große Wellen schlug, bis auf cnn.com.

Zum Beginn des Schuljahres hatte die Erstklässlerin, passend zu ihrem Star Wars-Schulranzen eine Star Wars-Wasserflasche bekommen. Nach den ersten Wochen Begeisterung tauschte sie die Flasche eines Tages gegen eine rosafarbene ein. Auf Nachfragen ihrer Mutter erklärte sie schließlich unter Tränen, dass die Jungen in ihrer Klasse sie hänselten, denn „Star Wars sei nur für Jungen“.

Katies Mutter versuchte zuerst, ihr Mut zu machen, nicht alle Mädchen müssten aus rosa Flaschen trinken. Doch als adoptiertes Kind, noch dazu mit Brille und Augenpflaster sei sie schon anders genug, befand Katie. Ganz Bloggerin schrieb ihre Mutter darüber im Internet und suchte nach weiblichen Star Wars-Fans, die Katie ein Vorbild sein könnten. Ein Blogeintrag der sich mit Lichtgeschwindigkeit in den nerdigen Quadranten der Blogosphäre verbreitete!

Am Ende meldeten sich unzählige Star Wars Fans, Nerds und Geeks und zeigten ihre Unterstützung, auf Twitter etwa mit dem Hashtag #maytheforcebewithkatie (Möge die Macht mit Dir sein Katie). Auch die Sprecher_innen der Cartoon-Serie „Star Wars: The Clone Wars“ wurden auf die Aktion aufmerksam, begleiteten Katie ins Kino und schenkten ihr Fan-Shirts. An ihrer Schule wird nun an einem Anti-Mobbing-Programm gearbeitet, Eltern und Lehrer_innen setzen sich mit den Schüler_innen über „Anders sein“ auseinander.

Mit ihren gerade einmal 7 Jahren erfuhr Katie bereits den unheimlichen Druck nach gutem Aussehen, heiler Familie und den passenden Hobbies, der in der Gesellschaft herrscht. Wer genau ihren Peinigern mitgab, Star Wars sei nur für Jungen, wird sich kaum klären lassen, vermutlich spielen Sprüche und Meinungen aus Medien, Kaufhäusern, Familie und Freundeskreis zusammen. Die Auswirkungen ihrer Sprüche erfassen die Jungen sicher auch nicht, die meisten von ihnen spielen gerne mit Katie. Doch hier werden die Grundsteine gelegt für ein Klima, in dem schon Kinder unglücklich sind, weil sie gesellschaftliche Vorgaben einfach nicht erfüllen können und zwischen Hänseleien oder Aufgabe ihrer Indiviualität wählen müssen.

Für Nachwuchsnerdin Katie entspann sich zum Glück eine schöne Geschichte – sie dient gleichzeitig als Erinnerung, dass schon Erstklässler_innen Diskriminierung ausgesetzt sind und wir alle daran arbeiten müssen, wenn wir eine gerechtere Welt wollen.


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