Einträge mit dem Tag ‘Geschlechterdemokratie’


Die Liebe zur Gleichheit im neuen Tunesien

5. April 2011 von Verschiedenen

Franca M’hamdi lebt und studiert in Konstanz Literatur-Kunst-­Medien und Gender Studies. Ihre deutsch-tunesischen Eltern brachten sie 1973 in Radolfzell am Boden­see zur Welt, seit 1999 arbeitet sie als Flug­begleiterin. Sie mag Gerechtig­keits­diskurse, Fern­sehserien und Sonnen­baden am See­rheinstrand… Über ersteres schreibt sie seit 2011 auch auf ihrem Blog post_gedanken.

Die Tunesier_innen gaben den Startschuss für die demokratisch-­revolutionären Umwälzungen in der arabischen Welt. Mit dem Umbruch wächst auch die Hoffnung auf die Neu­etablierung und Aus­weitung bereits bestehender Frauen­rechte. Seit der Unabhängigkeit von 1956 sind Polygamie und Verstoßung in Tunesien gesetzlich verboten, es besteht die Möglichkeit einer gericht­lichen Schei­dung auf der Grundlage von Geschlechter­gleichheit. Das Frauen­wahlrecht wurde ebenfalls 1956 eingeführt, seit 1963 war Abtreibung unter be­stimmten Indikationen erlaubt und ist seit 1973 straffrei. Nach offiziellen Angaben werden 99% aller tunesischen Mädchen eingeschult und 50% der Abiturient_innen und Studierenden sind weiblich, während ein Viertel aller Frauen erwerbs­tätig ist (Quelle: taz).

Das ist das frauenrechtliche Erbe der autokraten Herrschschaft von Ben Ali und seinem Vor­gänger Bourguiba. Gleich­berechtigung unter staatlicher Führung war sowohl erwünscht als auch gefördert. Frauen erhielten im Übergang in eine post­koloniale Ge­sellschaft Zu­gang zu Bürger_innen­rechten, Bildung und zum Arbeits­markt. Realpolitsch bedeutete das, dass unabhängige Frauen­organisationen verboten oder über­wacht und unter­drückt wurden. Öffentliche feministische Aktionen waren unmöglich und/oder der Polizei­willkür unterworfen.

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Gemeinsam oder gegeneinander?

11. Dezember 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 18 von 21 der Serie Freitagsgedanken

Während Feministinnen heute mehrheitlich für Geschlechterdemokratie eintreten, führen einige Maskulisten einen Kampf gegen das andere Geschlecht.

(C) Frl. Zucker - fraeuleinzucker.blogspot.com/

Der heute recht verbreitete Begriff der „Geschlechterdemokratie“, der ein neues Verhältnis von Männern und Frauen in der Gesellschaft sucht, impliziert mehr, als nur die Emanzipation der Frauen. Vielmehr werden beide Geschlechter, ihre Beteiligung an den gesellschaftlichen Bereichen Politik, Wirtschaft und ihre Rolle im Privaten ins Visier genommen, sowie die jeweiligen Probleme beider Geschlechter behandelt. Wichtig ist dabei der Erfinderin des Begriffes, Halina Bendkowski, die Trennung in männliche Gesellschaftsphäre (Öffentlichkeit) und weibliche Gesellschaftsphäre (Haus) aufzuheben und zu durchmischen.

Das der Heinrich-Böll-Stiftung angeschlossene Gunda-Werner-Institut trägt vielleicht gerade deswegen in seinem Namen die Schlagworte „Feminismus und Geschlechterdemokratie“. Es existiert erst seit 2007 und ging aus dem ehemaligen Feministischen Institut der Stiftung hervor. Die Erweiterung des Namens um den Aspekt der Geschlechterdemokratie zeigt bereits an, was diesem Institut am Herzen liegt: Jede zweite Publikation der Schriftenreihe, die es heraus gibt, befasst sich mit der Männerseite. Auch eine mehrtägige Veranstaltung im Herbst 2008 behandelte intensiv die Probleme von Jungen, die heute als „Bildungsverlierer“ gelten.

Feminismus hingegen klingt in den Ohren vieler noch als totaler Gegenbegriff zu solch einem Konzept: Er wird bis heute als Kampf gegen Männer wahrgenommen. Zwar zeigte kürzlich eine Studie, dass diese Wahrnehmung mehrheitlich nicht mehr stimmt, und die Encyclopaedia Britannica schreibt, der Feminismus sei „the belief in the social, economic, and political equality of the sexes“ – also letztendlich nichts anderes, als Geschlechterdemokratie, nur im Gegensatz zu diesem Begriff international verwendet. Aber Vereine wie MANNdat e.V. und auch zahlreiche KommentatorInnen in feministischen Online-Medien tragen nach wie vor das alte Bild der gegen Männer kämpfenden, sich nur und einseitig für Frauen- und Mädchen-Belange einsetzenden „Emanzen“ herum und reagieren entsprechend abweisend. Manche meinen nun, als Männer gegen eine Verbreitung „des“ Feminismus ankämpfen zu müssen. (weiterlesen …)


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Frauen und Kinder zuletzt

13. Oktober 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 15 von 21 der Serie Freitagsgedanken

Wenn die Wirtschaft ihre Erwartungen an Männer nicht ändert, wird es nichts mit der Emanzipation. Wir brauchen mehr Menschen, die Teilzeit arbeiten.

(C) Frl. Zucker - fraeuleinzucker.blogspot.com/

„Wenn Frauen frei wählen könnten, würden sie die Kinder wählen“

Dieser Satz ist von 1981 und stammt aus der Feder Gesine Strempels, Mitbegründerin der Neuen Frauenbewegung. In der Tat ist meine Erfahrung deckungsgleich mit dieser einfach scheinenden, doch in Wahrheit schwerwiegenden Feststellung: Wäre Mutterschaft frei von den Attributen einer „Einzelhaft“, wie Strempel es in ihrem Aufsatz „Muttertägliche Wut“ nennt, würden sich dann nicht vielleicht mehr Frauen dafür entscheiden?

Die Realität hingegen zermürbe Mütter mit der Aufgabe, sich weitgehend allein und ohne Unterstützung um kleine Kinder zu kümmern. Schlaflose Nächte, die ständige Kommunikation mit einem immer wieder quäkendem kleinen Menschen… – das alles sei im Grunde menschenunwürdig, für Mütter unzumutbar, letztendlich aber auch für die Kinder, die von genervten, frustrierten und von Schuldgefühlen zerfressenen Müttern betreut würden.

Gebärstreiken bis es besser ist?

Der Aufsatz Strempels ist ein brisantes Politikum, denn sie fordert darin indirekt einen Gebärstreik der Frauen, bis sich die Bedingungen für Mütter und Kinder gebessert hätten. Eine folgenschwere Forderung, denn bis heute wird es den „Emanzen“ angelastet, für die angeblich zu geringe Geburtenrate in Deutschland verantwortlich zu sein. Was die Gesellschaft aus der Forderung der Frauenbewegten machte: Frauen, die sich emanzipieren kriegen keine Kinder mehr. Die Forderung nach einer Verbesserung der Bedingungen für Mütter und Kinder wurde unter den Teppich gekehrt – Kind und Karriere als Entweder-Oder-Prinzip hochstilisiert. (weiterlesen …)


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