Einträge mit dem Tag ‘Geschlecht’


Geschlecht sichtbar machen – aber wie?

21. September 2011 von Nadine

Wenn heutzutage über Geschlecht gesprochen wird, sind nur wenige daran interessiert. Einerseits, weil es auf viel Unverständnis stößt, da Gleichberechtigung heute in den meisten Lebenszusammenhängen nach Eigenangabe freiwillig und selbstverständlich gelebt wird, andererseits, weil die Gesetzeslage auf den ersten Blick eindeutig erscheint: Der alte Geschlechterkampf ist vorüber, die großen Themen ausgefochten und gesetzlich verankert. Viele können ihre Geschlechterrolle ausfüllen, es gibt viele Modelle, an denen sich orientiert werden kann.

Auch wenn mit der formalen Gleichberechtigung von Mann und Frau vieles in modernem Gewand auftritt, ist Geschlecht nach wie vor eine sehr wirkmächtige Kategorie, die auf verschiedenen Ebenen zu Tage tritt. Mal mehr, mal weniger explizit. Die Wirkmächtigkeit bezieht sich darauf, inwiefern verschiedenene Geschlechtermodelle gelebt, ausprobiert werden können, wie sich Beziehungen gestalten, ja eigentlich – inwieweit sich Geschlecht auf das eigene Leben auswirkt oder eher in den Hintergrund tritt.

Wer sich mit Geschlecht (auch politisch) auseinandersetzen will, braucht dazu einen ziemlich großen Wissensvorrat. Leider ist der kaum zugänglich, weil in den Wissenschaften verhaftet und um mit diesem umgehen zu können, benötigt es außerdem größere kontextuelle Bezüge, die auch nicht mit dem Lesen von 1,2 Büchern zum Thema abgehakt sind. Es ist – wie so oft – kompliziert, das Funktionieren von Gesellschaft (nicht nur) unter Geschlechterperspektive zu verstehen und einzuordnen. Hinzu kommt, dass eine Fülle an Alltagswissen über Geschlecht kursiert, das tief verankert ist, mit dem wir sozialisiert wurden, das uns einen Orientierungsrahmen bietet. Sich kritisch mit Geschlecht zu beschäftigen, bedeutet: Diesen Orientierungsrahmen (zeitweise) zu verwerfen, alte Wertvorstellungen zu überdenken, sich selbst und andere zu kritisieren. Das braucht Zeit, Willen, Kraft. Ohnmachtsanfälle, Schuldgefühle und Abwehrhaltungen sind da schon mal vorprogrammiert.

Deshalb ein paar kurze Vorschläge, unter welchen Gesichtspunkten Geschlecht sichtbar gemacht und analysiert werden kann:

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Anonymous oder Susimaus – Geschlecht im Internet

8. Juli 2011 von Helga

Realname oder Nickname, bzw. Spitzname? Seriös oder lustig? Geschlechts­bezogen oder nicht? Wer im Internet unterwegs ist, muss sich viele Gedanken machen, wie er oder sie sich benennt. Zumindest bei der letzten Frage wird oft geraten, als Frau einen möglichst geschlechtsunspezifischen Namen zu wählen. Und das leider nicht ohne Grund.

Laut einer Studie der University of Maryland werden Accounts mit weiblichen Benutzernamen 25 mal mehr böswillige Nachrichten geschickt. Bereits 2006 in Chaträumen durchgeführt, bekamen die Testaccounts jede Menge privater Nachrichten. Als harmlos aussortiert wurden etwa “helo” (hallo) und “care 2 intro” (magst du dich vorstellen). Als böswillig wurden dagegen Nachrichten gezählt, die von “feeling horny” (bist du geil) bis hin zu Drohungen reichten.

Screenshot eines Tweets von Ti_Leo: Ah, ich wurde gesperrt. Google+ macht ernst mit den Echtnamen, scheint es. - 6 minutes ago via HootSuite

Spannend wäre jetzt natürlich eine Untersuchung, die sich mit dem verstärkten Gebrauch von Klarnamen in sozialen Netzwerken beschäftigt. Wenn ihr eine kennt, nur her damit. Wichtig wird eine Diskussion gerade jetzt, weil z.B. Google+ Leute verstärkt zum Klarnamen zwingt und auch die Geschlechtseinstellung öffentlich gemacht hat (man kann immerhin zwischen männlich, weiblich und „anders“ wählen)!

So geht der Trend im Internet immer mehr zu einer Abbildung der Realität. Das Schaffen von Netzidentitäten wird schwieriger, wenn überall die Verbindung zum Offline-Leben durch den Namen gegeben ist. Gleichzeitig werden aber auch die Probleme der Realität mitgenommen. Bisher gab es dagegen Strategien – etwa das wählen eines uneindeutigen Namens, um nicht belästigt zu werden. Diese werden zunehmend eingeschränkt oder sogar verboten, jedoch ohne klare neue Strategien und Auswege. Vermutlich gibt es bei Google nicht mal ein Bewußtsein dafür, dass Userinnen derartigem Sexismus ausgesetzt sind und die Firmenpolitik den noch verstärkt.

All das, was im realen Leben schon nötig ist, wird nun im Internet noch dringender. Das Verbreiten der Einstellung, dass es nicht ok ist, Frauen sexuell zu belästigen. Möglichkeiten, Belästigungen zu melden, dabei ernst genommen zu werden. Für andere Probleme wie Rassismus, Behindertenfeindlichkeit und ähnliches. gilt das genauso. Leider gibt es aber bei Google bisher keine Kampagne, die ihren Feldzug für mehr Öffentlichkeit, explizit um den respektvollen, nicht-sexistischen, nicht-rassistischen etc. Umgang miteinander ergänzt. Die Probleme werden wieder einmal auf die einzelnen Betroffenen abgewälzt und zu deren persönlichen Problemen erklärt. Ändern wird sich so nichts!

Im Internet weiß niemand, dass Du ein Hund bist. Wer aber meint, Dein Geschlecht zu kennen, bringt die ganze Scheiße aus dem realen Leben mit.

(via Liz Henry)


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Emanze statt Nikolaus: Termine im Dezember

29. November 2010 von Magda

Auch im Dezember sammeln wir que(e)r durch die Republik feministische Partys, Diskussionsrunden, Ringvorlesungen, Ausstellungen und Proteste. Wenn wir eine Veranstaltung in deiner Nähe vergessen haben, schreib’ uns unter post[at]maedchenmannschaft[punkt]net oder poste sie hier in die Kommentare. Universitäre Veranstaltungen sind i.d.R. auch Nicht-Studierenden zugänglich.

Zunächst ein Terminhinweis, der sich ausschließlich an Schwarze Menschen, Migrant_innen und People of Colour richtet. Nur noch bis heute könnt ihr euch für einen viertägigen Empowerment-Workshop des Antidiskriminierungs- netzwerkes Berlin des TBB im Dezember anmelden.

1. Dezember

Berlin:Lebendige Männlichkeiten – maskulines Leben. Eine gendertheoretische Kulturgeschichte des biologischen Lebensbegriffs” mit Kerstin Palm (im Rahmen der öffentlichen Ringvorlesung “Arenen der Männlichkeit” der TU Berlin, die noch bis Februar geht).

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Schreiben gegen den Rassismus

22. November 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 56 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

ANDERSDEUTSCH.blogger.de

Wie heißt du?
Urmila Goel

Seit wann bloggst du?
Seit dem 23. Januar 2006, dem 31. Jahrestag meiner Einbürgerung. Meine Homepage www.urmila.de habe ich schon seit 2001.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Katunia hat mich auf Blogs aufmerksam gemacht. Ein halbes Jahr später habe ich dann selber angefangen. Bloggen schien mir eine gute Möglichkeit, meinen Ärger über alltägliche Rassismen zu artikulieren. Wut abzulassen war mein primäres Ziel. Und da war natürlich auch die Hoffnung, dass meine Beiträge gelesen würden. Ambitioniert wie ich war, startete ich bilingual. Aber schon bald schaffte ich es nicht mehr, alles ins Englische zu übertragen.

Worüber schreibst du?
„Anders deutsch“ widmet sich vor allem rassistischen Diskursen aus der Mitte der Gesellschaft. Ich beschäftige mich aber auch mit anderen Machtverhältnissen rund um Geschlecht, sozialer Schicht, Befähigung und West-Ost-Differenzierungen in Deutschland sowie dem Autowahn, wenn er mich mal wieder zu sehr ärgert. Im Blog thematisiere ich Diskriminierungen und Privilegierungen – vor allem in ‘Deutschland’, weil ich hier (die meiste Zeit) lebe. Der Blog ergänzt meine Forschung durch eine Diskussion von tagesaktuellen Nachrichten und anderen Alltäglichkeiten. Dabei positioniere ich mich sowohl als Wissenschaftlerin wie als Bloggerin notwendigerweise politisch, parteiisch für eine bestimmte Perspektive, interessiert an bestimmten Fragestellungen. Mit dem Blog will ich aber keine „Wahrheit“ verkünden, niemanden missionieren, erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, etc. Ich schreibe über das, worüber ich gerade nachdenke, was ich aus theoretischer Sicht bedenklich finde, was ich gerne einer größeren Öffentlichkeit vorstellen will.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Eine Web-Anekdote habe ich nicht. Als Internetforscherin verstehe ich die Internetangebote als eine Erweiterung von Kommunikationsmitteln, nicht als etwas ganz anderes und spezielles. Diese Kommunikationsmittel aber ermöglichen auf ihre Art mit dem Einsatz von wenigen Ressourcen eine andere Vernetzung und größere Öffentlichkeit. Ganz sicher hat das Internet meinen Gedanken und meinen Texten eine größere Öffentlichkeit verschafft – und darüber mehr Kontakte.

Wovon braucht das Internet mehr?
Nicht nur das Internet, Medien überhaupt brauchen mehr kritische Stimmen, die Machtungleichheiten thematisieren und sich gegen sie engagieren.

Frauen im Web sind…
vielfältig, Teil der Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit, … – da fällt mir nicht so viel zu ein. Zu Feminist_innen im Internet hätte ich mehr zu sagen.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Tagesschau und mein Feedreader mit BBC World, antropologi.info, der schwarze Blog, dem ZtG-Blog, dem Genderblog, südasien.info und noch einer Reihe kleinen Blogs, die ab und zu Beiträge haben und zum Teil auch leider schon länger nicht mehr.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.


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Bleibt alles anders

18. März 2010 von Helga

Die Freude Norries währte nur kurz. Nachdem die Meldung über das Zertifikat des „unspezifizierten Geschlechts” die Runde gemacht hatte, ordnete der zuständige Generalstaatsanwalt John Hatzistergos eine Untersuchung an. Der Spiegel schrieb von der doch etwas verworrenen Begründung:

Nun erklärte das Standesamt das ausgestellte Dokument jedoch wieder für ungültig. Nach einer neuen Rechtsauskunft könne das Papier nur ausgestellt werden, wenn das Ergebnis einer Geschlechtsumwandlung eindeutig sei. Somit verliere das Dokument von May-Welby seine Gültigkeit.

Dass es kein eindeutiges Ergbnis mehr gibt, war dabei ja eigentlich Norries Punkt. Immerhin betonte man, Hatzistergos habe keinerlei Druck auf das Standsamt ausgeübt, das Zertifikat wieder zurückzuziehen.


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Geschlecht: uneindeutig

16. März 2010 von Helga

Wie Gerda im Selbermach-Sonntag schon vermerkte, gibt es in Australien nun den ersten Menschen mit offiziell „nicht-spezifiziertem” Geschlecht. Norrie wurde nach der Geburt zunächst als „männlich” registriert, begann mit 23 geschlechtsangleichende Maßnahmen und bekam schließlich ein Zertifikat zur Anerkennung des Geschlechts als „weiblich” in Australien (neue Geburtsurkunden können Immigranten dort nicht bekommen). Nach einer Weile verzichtete Norrie allerdings auf die weitere Einnahme von Hormonen, so dass im Januar diesen Jahres Ärzte schließlich erklärten, Norries Geschlecht sei nicht mehr eindeutig festzustellen.

Norrie selbst schrieb:

The theorists who inform transsexual and intersexual medical intervention presume that everyone has one real gender identity at the core of their being, whether or not this is congruent with their anatomy. Even children biologically hermaphrodite are supposed to be ‘really’ of one gender, with the surgically discarded sex declared the ‘false’ one. […]

People seen by our society as having a gender opposite to the one sex they were born with are seen by other societies as simply having two genders. Bi-gendered. In this light, the permanent removal of the characteristics of one sex to allow the expression of the other seems a total waste.

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Geschlechter gegenüber

26. März 2009 von Barbara

Kurze Frage: Kann man Männer und Frauen vergleichen?

Die Journalistin und Politologin Antje Schrupp meinte kürzlich auf einer Veranstaltung, Männer und Frauen wären nicht wie Äpfel und Birnen, also aus dem gemeinsamen Kontext “Obst”, sondern eher wie Äpfel und Kühlerhauben zu verstehen. Das bedeutet, dass ein Vergleich so gut wie gar nicht mehr funktioniert.


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