Einträge mit dem Tag ‘Generationen’


Aktivismus und Alter: „Aging Fiercely While Trans“

25. Januar 2016 von Magda

Auf vielen US-amerikanischen Blogs las ich in den letzten Monaten: 2015 war ein großartiges Jahr für Trans-Sichtbarkeit! Oft erwähnt werden die Schauspielerin Laverne Cox (Orange is the New Black), die konservative Sport- und TV-Persönlichkeit Caitlyn Jenner (und ihr Vanity Fair Cover) oder Rapper_in Angel Haze – Haze bevorzugt als Pronomen „they“ und identifiziert sich als agender.

Sichtbarkeit ist eine wichtige Komponente von Aktivismus. Mit Sichtbarkeit erhöht sich (manchmal) auch die Diskussion um die sozialen Ungleichheiten, die jene Gruppen betreffen: Armut, Gewalt und Ausschlüsse. Diskussionen führen zu Aktionen führen zu Veränderung (hoffentlich). Zwischen jener (oftmals gefeierten) Sichtbarkeit und der anhalten Gewalt, die Menschen erfahren, die aus einem zweigeschlechtlich organisierten, rassistischen System fallen, positioniert sich das Projekt AGING FIERCELY WHILE TRANS (frei übersetzt: „Leidenschaftlich und unerschütterlich Altern als Transperson“).

Screenshot der Diskussion AGING FIERCELY WHILE TRANS with Kate Bornstein, Sheila Cunningham, Miss Major, & Jay Toole, moderiert von Reina Gossett.

Screenshot der Diskussion AGING FIERCELY WHILE TRANS with Kate Bornstein, Sheila Cunningham, Miss Major, & Jay Toole, moderiert von Reina Gossett.

Visual AIDS und das NYC Trans Oral History Project haben es sich zur Aufgabe gemacht, die langen und geschichtenreichen Leben von vier Aktivist_innen festzuhalten, die die Grenzen der Zweigeschlechtlichkeit sprengen: Aktivistin, Performerin und Autorin Kate Bornstein (schrieb u.a. A Queer and Pleasant Danger), Stonewall-Aktivistin Miss Major (arbeitet u.a. beim Transgender GenderVariant Intersex Justice Project), „super-butch“ Jay Toole (gründete u.a. Queers for Economic Justice) und Sheila Cunningham (leider keine Infos auffindbar).

Bereits im letzten Sommer sprachen die vier über ihre Lebensgeschichten und über gesellschaftliche Verhältnisse vor 30, 40 Jahren. Die Erzählungen drehen sich um erlebte Gewalt, Alleinsein, Obdachlosigkeit, körperliche Veränderungen, Krebs und das Nachdenken über Tod; es geht um sprachliche Veränderungen in den letzten Jahrzehnten, um Respekt, Begehren und den Wunsch nach mehr Zugewandtheit über Generationen hinweg. Harte Themen, aber es ist sehr angenehm – und lehrreich – den Aktivist_innen zuzuhören.

Alle Redebeiträge inklusive einer Gesangsperformance von Mizz June findet ihr auf visualaids.org. Die Videos sind in englischer Sprache und ohne Untertitel und teilweise leider recht leise.


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Zurück in die Zukunft und Gegenwart in Altersarmut – kurz verlinkt

21. Oktober 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 298 von 362 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Das neue an.schläge-Magazin ist gerade erschienen und widmet sich im Hauptthema der Musikindustrie. So schreibt dort beispielsweise Caren Miesenberger über die feministische, brasilianische Musikerin MC Carol, die sich in ihren Songs mit Sexismus, dem Leben im Favela aber auch dominanter Geschichtsschreibung auseinandersetzt.

Der Polizist der 2012 wegen Fahrlässiger Tötung Oury Jallohs veruteilt wurde, soll nun auch die Prozesskosten übernehmen. Doch muss er diese nicht einmal allein stemmen. Oder überhaupt. Die Gewerkschaft der Polizei Sachsen-Anhalt übernimmt stattdessen, berichtet neues deutschland.

Bei ZeitOnline schreibt Annett Gröschner über die Diskriminierung geschiedener Frauen, die in der DDR gelebt haben. Aufgrund bestimmter Rentenberechnungsansätzen leben viele von diesen heute in Altersarmut: „Das Problem war den Architekten des Einigungsvertrages bekannt, es ist ihnen nicht aus Versehen passiert. Im Gegenteil, man könnte ihnen nach Lage der Akten sogar Vorsätzlichkeit unterstellen, denn sie wurden noch vor Abschluss des Vertrages darauf hingewiesen.“

In der letzten Woche fand die Konferenz Dare the im_possible/ Wage das Un_Mögliche statt. Über ihre Diskussion zu möglichen generationsübergreifenden Bündnissen hat Magda Albrecht bereits hier geschrieben. Weitere Panel wurden auf einem Veranstaltungsblog dokumentiert. Dort schreibt zum Beispiel Hengameh Yaghoobifarah über Diversität und Repräsentation im Kulturbetrieb – und warum es nicht nur reicht ‚mehr Frauen‘ zu fordern.


englischsprachige Links

Egal ob eine jemals den Film gesehen hat, wenn man im Internet unterwegs ist, ist es kaum möglich nicht drauf hingewiesen zu werden: Heute ist der Tag an dem Marty McFly aus Back to the Future in der Zukunft ankommt. Ein lesenswerter Text von Jamil Smith bei New Republic, wenn auch schon aus dem Juli, widmet sich der Darstellung sexualisierter Übergriffe und race.

„My first reaction was, no way can I take that job, since I knew all about Homeland and its problems. But then I contacted many artists, just in case anyone wants or needs that job. Whoever I asked, the answer was always “no way!”. Then Caram Kapp and I, who have worked together on some graffiti projects and on the book Walls of Freedom met up with Heba Amin. She said “why not put our own messages in”?“, Muftah schreibt über die Graffiti-Künstler_innen, die in der Serie Homeland ganz unbemerkt (da offensichtlich keine andere Person am set arabisch lesen konnte) kritische Kommentare unterbrachten.

Einen tollen Podcast-Tipp gibt es außerdem:

Termin in Münster

25.10. in Münster: Salon fèministe Vol.X: Nadine Lantzsch liest aus „Queer_feminismus. Label&Lebensrealität“. (FB-Link)


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Feministische Bündnisse zwischen Generationen – und darüber hinaus!

20. Oktober 2015 von Magda

Ich habe wirklich mächtig geschwitzt vor und während dieser Podiumsdiskussion: „Berlin bleibt feministisch – ein Generationendialog.“ Die Diskussion war Teil der dreitägigen feministischen Konferenz «Dare the im_possible / Wage das Un_mögliche», die vergangenes Wochenende in Berlin stattgefunden hat. Viiiiele Menschen, Kameras und quasi Live-Kommentierung auf Twitter – mensch, war ich aufgeregt! Ein Fan-Grrrl Moment erleichterte mir das Ankommen: Vor der Diskussion traf ich eine Musikerin der legendären Flying Lesbians, yippieh!

Panelbild_dare2015

Dr. Claudia Neusüß, Cristina Perincioli und Magda Albrecht #dare2015 (v.l.n.r.)

Das Gespräch zu feministischen Bündnissen zwischen verschiedenen Generationen mit Cristina Perincioli, der Autorin des Buches „Berlin wird feministisch“ (2015, Querverlag), und mir ist nun online. Ein paar Konflikte kamen auf den Tisch, unter anderem die unterschiedliche Gewichtung von Rassismuskritik (milde ausgedrückt…). Das ist allerdings, so meine These, kein Generationenkonflikt, sondern eine politische Debatte und eine Frage der Perspektive.

Eine wichtige Erkenntnis der Podiumsdiskussion war die Tatsache, dass Bündnisse punktuell und themenspezifisch immer möglich sind – sofern das politische Ziel klar ist. Bündnisse können, aber müssen nicht zwangsläufig an Identitäten geknüpft sein. Und sind (zumindest für mich) nicht bedingungslos: Bestimmte Politiken sind mir wichtig – z.B. queere, rassismuskritische Perspektiven – und diese wünsche ich mir auch von Mitstreiter_innen in politischen Bündnissen.

Eine zentrale Voraussetzung ist, dass Feminist_innen unterschiedlicher Generationen überhaupt zusammenfinden (und solche Zusammenkünfte gibt es bereits, siehe die Diskussion). Das heißt, dass mensch mitunter auch mal in Räume gehen könnte, wo mensch sonst nicht so oft ist. Mein persönliches Fazit nach der Diskussion ist, dass feministische Gruppen und Räume zwar nach Alter strukturiert sind (neben anderen Kategorien, das fällt bei Generationendiskussionen leider häufig hinten runter). Es ist dennoch wenig sinnvoll, in stereotype Erzählungen zu verfallen von „den jungen hippen Feminist_innen im Netz“ und „den alten Frauenrechtlerinnen in ihren Frauenräumen“. Es gibt nämlich bereits viele hippe Feminist_innen aller Altersgruppen, die zusammen coole Sachen machen – auch im Netz ;)

Viele Diskussionen der Konferenz sind auf youtube zu finden und wurden auf einem extra für die Veranstaltung eingerichteten Blog zusammengefasst und kommentiert. Zu weiterlesen auch mein Text aus dem Jahre 2013: „Generationsübergreifende Bündnisse, Konflikte und Chancen


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Generationsübergreifende Bündnisse, Konflikte und Chancen

12. Februar 2013 von Magda

Diesen Text habe ich anlässlich der 20jährigen Jubiläums­feier der Überparteilichen Frauen­initiative Berlin (kurz: Üpfi) geschrieben, bei der ich Teil einer Podiums­diskussion war: „Leben und Arbeiten – wofür kämpfen die verschiedenen Frauen­generationen?“. Mit meinen 26 Jahren wurde ich offen­sichtlich als Vertreterin der „jüngeren Generation“ eingeladen. Diese und andere ähnliche Ver­anstaltungen ließen mich über Feminismus und Alter, Generationen und Bündnisse nachdenken. Meine Gedanken dazu schrieb ich auf (auch als PDF – zum Aus­drucken und später lesen):

Feministische Räume sind (unter anderem) nach Alter strukturiert

Dass Feminist_innen verschiedener Generationen sich nicht so häufig begegnen, liegt nicht daran, dass es zu wenige Feminist_innen in den jeweiligen Altersgruppen gibt, sondern dass wir in unter­schiedlichen Räumen unter­wegs sind. Einer dieser Räume ist das Internet, welcher in den letzten Jahren für viele (tendenziell, aber nicht ausschließlich) jüngere Feminist_innen (20 bis 35) zum Ort regen Aus­tauschs, Vernetzung und Empowernment geworden ist.

Aber auch außerhalb des Netzes gestalten sich die feministischen Räume unter­schiedlich: Auf Ladyfesten, Demos, queer-feministischen Konzerten und (selbst­organisierten) Workshops treffe ich eher Feminist_innen in meinem Alter. In Frauen­zentren, auf partei­politischen Ver­anstaltungen und auf Kongressen, für die mensch zum Teil relativ viel Geld bezahlen muss, ist das Publikum alters­mäßig gemischt bzw. tendenziell älter als 40. Es gibt einige Projekte, die einen generations­über­greifenden Ansatz haben (wie z.B. der divida-Salon der Divida Stiftung in Berlin), aber meinen Beobachtungen nach gibt es in den eingangs genannten Räumen bestimmte Alters­strukturen. Einige Gründe dafür werde ich später noch nennen, aber eine voll­ständige Analyse würde wohl den Rahmen sprengen. Das Wissen darüber, dass viele Räume nach Alter strukturiert sind, ist jedoch hilf­reich für alle, die – wenn sie mal raus aus ihrer gewohnten feministischen Umgebung wollen – Menschen in anderen Alters­gruppen treffen möchten.

Ich freue mich immer sehr, wenn ich auf Veranstaltungen wie jene von der Überparteilichen Frauen­initiative Berlin ein­geladen werde. Die Teilnehmer_innen, die in der Mehr­zahl nicht so selbst­verständlich im Netz unterwegs sind wie ich, freuen sich unglaublich, wenn ich von erfolgreichen feministischen Aktionen im Netz berichte und es wird sich gemein­sam empört, wenn wir auf die ätzenden Trolle zu sprechen kommen, die feministischen Blogger_innen das Leben schwer machen.

Zwei Fragen scheinen immer großes Interesse zu generieren und werden von mir im Folgenden (an-)diskutiert:

1. Was sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen feministischen Generationen?
2. Wie können wir zusammenarbeiten? (mehr …)


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