Einträge mit dem Tag ‘Gender’


Genderbüro: Blog und Praxis

24. Oktober 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 84 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

genderbüro blog

Wie heißt du?
Regina Frey

Seit wann bloggst du?
Seit Januar 2011.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Anlass war die kleine Gender-Analyse des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung; um die zu veröffentlichen brauchte ich schlicht ein Medium. Das war dann auch der erste Blogeintrag.

Worüber schreibst du?
Über „Gender“ also gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse in verschiedenen Facetten, angeregt durch meine Arbeit als Beraterin und inspiriert durch Gendertheorien. Dabei versuche ich das Thema einerseits sachlich, differenziert und auch wissenschaftlich zu bearbeiten ohne dabei abgehoben und unverständlich zu werden.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Das allgemeine Staunen, wenn ich erzähle, dass die Domain gender.de im Jahr 1998 noch frei war (und ich sie mir dann gleich schnappte).

Wovon braucht das Internet mehr:
Hm, ich glaube, es hat bereits mehr als es braucht. Sprich: Leute, die doch noch einmal kurz über das nachdenken, was sie gerade im Begriff sind ins Netz zu stellen.

Frauen* im Web sind…
…wenn es um die entscheidenden Stellschrauben geht leider weiterhin unterrepräsentiert: Bei Wikipedia gibt es z.B. nur sieben Prozent weibliche Schreibende. Da heißt es: Ran an den Speck und diskursbildend wirken!

Deine tägliche Web-Lektüre:
Die Mädchenmannschaft ist Pflichtlektüre, klaro. Auch dieStandard.at ist sehr informativ. Ansonsten beziehe ich viele Infos tatsächlich noch über das Abo einer qualitativ hochwertigen Tageszeitung (noch aus so richtigem Papier…).

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.


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Geschlecht sichtbar machen – aber wie?

21. September 2011 von Nadine

Wenn heutzutage über Geschlecht gesprochen wird, sind nur wenige daran interessiert. Einerseits, weil es auf viel Unverständnis stößt, da Gleichberechtigung heute in den meisten Lebenszusammenhängen nach Eigenangabe freiwillig und selbstverständlich gelebt wird, andererseits, weil die Gesetzeslage auf den ersten Blick eindeutig erscheint: Der alte Geschlechterkampf ist vorüber, die großen Themen ausgefochten und gesetzlich verankert. Viele können ihre Geschlechterrolle ausfüllen, es gibt viele Modelle, an denen sich orientiert werden kann.

Auch wenn mit der formalen Gleichberechtigung von Mann und Frau vieles in modernem Gewand auftritt, ist Geschlecht nach wie vor eine sehr wirkmächtige Kategorie, die auf verschiedenen Ebenen zu Tage tritt. Mal mehr, mal weniger explizit. Die Wirkmächtigkeit bezieht sich darauf, inwiefern verschiedenene Geschlechtermodelle gelebt, ausprobiert werden können, wie sich Beziehungen gestalten, ja eigentlich – inwieweit sich Geschlecht auf das eigene Leben auswirkt oder eher in den Hintergrund tritt.

Wer sich mit Geschlecht (auch politisch) auseinandersetzen will, braucht dazu einen ziemlich großen Wissensvorrat. Leider ist der kaum zugänglich, weil in den Wissenschaften verhaftet und um mit diesem umgehen zu können, benötigt es außerdem größere kontextuelle Bezüge, die auch nicht mit dem Lesen von 1,2 Büchern zum Thema abgehakt sind. Es ist – wie so oft – kompliziert, das Funktionieren von Gesellschaft (nicht nur) unter Geschlechterperspektive zu verstehen und einzuordnen. Hinzu kommt, dass eine Fülle an Alltagswissen über Geschlecht kursiert, das tief verankert ist, mit dem wir sozialisiert wurden, das uns einen Orientierungsrahmen bietet. Sich kritisch mit Geschlecht zu beschäftigen, bedeutet: Diesen Orientierungsrahmen (zeitweise) zu verwerfen, alte Wertvorstellungen zu überdenken, sich selbst und andere zu kritisieren. Das braucht Zeit, Willen, Kraft. Ohnmachtsanfälle, Schuldgefühle und Abwehrhaltungen sind da schon mal vorprogrammiert.

Deshalb ein paar kurze Vorschläge, unter welchen Gesichtspunkten Geschlecht sichtbar gemacht und analysiert werden kann:

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Vorm Bloggerinnendasein: Geburstag feiern im IRC-Channel

12. September 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 80 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihre Weblogs vor. Heute:

Puzzlestücke (auch auf Facebook)

bisexualitaet.org (ebenfalls auf Facebook und @bisexualitaet)

Wie heißt du?
Aktuell bin ich unter dem Namen „Paula“ im Netz unterwegs – das ist der Name, den mir mein Vater nach meiner Geburt geben wollte, wozu es leider nicht kam. Auf Twitter wohne ich unter dem Namen @puzzlestuecke.

Seit wann bloggst du?
Mein erstes Blog/LiveJournal führe ich seit Januar 2002; das ist inzwischen allerdings komplett privat und nur noch für enge Freunde einsehbar. Im Dezember 2010 habe ich meinem jetzigen Blog, Puzzlestücke, Leben eingehaucht, und seit April 2011 schreibe ich zusammen mit Deef Pirmasens das Blog bisexualitaet.org.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Früher vorrangig, um Kontakt zu meinen Freund_innen zu halten, die ich auf verschiedenen Veranstaltungen deutschlandweit kennengelernt hatte. Damals hätte ich es komisch gefunden, Wildfremden meine Gedanken und Ansichten darzulegen. Es gab ja damals auch noch keine nennenswerte „Blogger_innen-Szene“ (was immer sich hinter diesem Begriff verbergen mag). Inzwischen sehe ich das anders und nutze mein Blog ganz bewusst dazu, meine Gedanken niederschreiben und sie auch mit anderen diskutieren zu können, ohne dass diese „Hemmschwelle Freundschaft“ dazwischen steht.

Worüber schreibst du?
Eigentlich quer durch den Gemüsegarten. Das können aktuelle Themen sein oder welche, über die ich mich immer wieder aufrege, Rezensionen von Filmen oder PC-Spielen (oft in Bezug auf Gender/Sexualität) oder auch ganz private Sachen, die ich einfach mal loswerden muss. Eigentlich habe ich tausend Dinge im Kopf, über die ich schreiben möchte, müsste aber für vieles so arg recherchieren, dass mir momentan leider die Zeit fehlt.
Bei bisexualitaet.org schreiben Deef Pirmasens und ich über Themen rund um Bisexualität bzw. haben auch schon zwei Podcasts (hier und hier) dazu produziert. Auch hier wechseln wir zwischen allgemeineren Themen, die Bisexualität nur einschließen (z.B. Homo-Ehe, CSD) als auch ganz spezifischen Bi-Themen, weil uns diese einfach zu selten thematisiert werden. Wir freuen uns da auch sehr über regen Austausch mit unseren Leser_innen. (weiterlesen …)


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Mit aufgeklebten Bärten und ausgeliehenen Stöckel­schuhen

8. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 6 von 13 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

Supernachmittag

Seit 2003 gibt es “Supernachmittag” in der Duo Formation mit Sol Haring (git, vox, blues harp) und Anita/Peter Mörth (bass, vox, geige). Sol ist Musikerin in diver­sen Pro­jekten, Digital Media Künstlerin und Wissen­­schaftlerin in Graz. Anita/Peter ist Musiker, Künstlerin, Wissen­schaft­lerin und derzeit Qualitäts­­manager in Berlin. Im Inter­view mit der Mädchenmannschaft sprechen die beiden über die Grazer feministische Musik-Szene, die Verbindung von Gender Theorie und Musik und über irritierte Konzert­gänger_innen. Nicht nur musikalisch sind sie gut ausgestattet: Bärte, Stöckel­schuhe, Röckchen und Sakkos; Kot­letten, Männer­schuhe, Zigarren und Gitarren.

Was hat es eigentlich mit eurem Namen “Supernachmittag” auf sich?

Sol: Anita/Peter hat den Namen erfunden. Unsere Ab­kürzung – ein Name, unter dem wir auch be­kannt sind – ist: SNM.

Peter: Anfangs waren mehrere Inter­­pre­tationen für die Ab­kürzung im Spiel: von Sol aNd Moerth bis SexyNightMare – aber Super­nachmittag ist es dann ge­worden.

Ihr kommt aus Graz (Österreich). Gibt es dort so etwas wie eine feministische Musik-Szene?

Sol: Ja, die gibt es gerade vermehrt, im Forum Stadt­park gibt es zwei­mal jährlich die Grrrls Night Out, im November mit dem Motto “noise”. Es gibt außer­­dem ein sehr aktives Ladyfest Team und die OeH der Uni setzt sich auch für Frauen in der Musik ein.

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Frau wegen Autofahrens verhaftet – Kurz Notiert

26. Mai 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 105 von 153 der Serie Kurz notiert

Eine saudische Frau hat sich “erdreistet” Auto zu fahren, was in Saudi-Arabien immer noch verboten ist. Nachdem sie eine Facebook-Kampagne startete, die Frauen aufforderte, sich an einem bestimmten Tag selbst ans Steuer zu setzen, wurde sie verhaftet.

Die New York Times hat eine Serie über LGBT*-Jugendliche (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender) gestartet, die von ihrem “Coming Out” erzählen.

Französische Feministinnen protestieren gegen den grassierenden Sexismus im Land – und sind empört, dass sich so wenig geändert hat seit Simone de Beauvoir, berichtet der Freitag.

Ein kanadisches Paar zieht ihr Kind “gender-los” auf – welche Konsequenzen das haben könnte, wird im englischsprachigen Blog von Forbes diskutiert.

Vor 17 Jahren schrieb Ingeborg Stadelmann die „Hebammensprechstunde“. Inzwischen ist das Buch über eine halbe Million Mal gekauft worden. Im Magazin der Süddeutschen erklärt sie nun, welcher Druck auf Müttern heute lastet.

In einer US-amerikanischen Sendung wurde mit versteckter Kamera getestet, wie Menschen auf homophobe Kommentare reagieren, die in ihrem unmittelbaren Umfeld getätigt werden, z.B. wenn die Kellnerin das lesbische Paar und ihre Kinder öffentlich beschimpft. Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, das Video allerdings sehenswert.


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Rassistische Pornos und queere Ermächtigung – die Blogschau

27. November 2010 von Nadine
Dieser Text ist Teil 69 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Philipp Khabo Köpsell, ein afrodeutscher Spoken-Word-Künstler und Autor von “Die Akte James Knopf“, einer ‘poetischen Verhandlung afrodeutscher kultureller Identität’ (Klappentext), betreibt zu seinem Buch ein ausgesprochen tolles Blog. In seinem aktuellen Beitrag nimmt Philipp sogenannte Interracial-Pornos und rassifizierte sexuelle Vorlieben unter die postkoloniale Lupe.

Theoretische Diskussionen über “das Internet” drehen sich momentan häufig um Netzneutralität und das (gewollte) Ende der Privatsphäre. Dass das zuweilen ein sehr privilegierter Diskurs ist, zeigt der Aspekt, den Anne Roth auf ihrem Blog anspricht: Wer stellt eigentlich uns eigentlich den Background Verfügung, mit dem das freigeistliche Sinnieren über Netzutopien überhaupt erst möglich wird?

Egal, ob offenes Geheimnis oder streng gehütete Büchse der Pandora: Menschen entscheiden selbst, vor wem und in welchem Rahmen sie ihre sexuelle Identität öffentlich machen. Warum Zwangsouting immer uncool ist, schreibt Nele Tabler auf.

Work-Life-Balance und Vereinbarkeitsmodelle gehören zu den großen Themen der Geschlechterdemokratie, doch außer Spesen nichts gewesen? ”Kurz und gut: Es gibt keine „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, konstatiert Antje Schrupp.

Die Nichtregierungsorganisation Intersexuelle Menschen e.V. hat ihren Schattenbericht zum UN-Sozialpakt eingereicht. Auf 39 Seiten stellt der Parallelbericht zur Bundesregierung an die UN fest: Menschenrechtsverletzungen und (institutionelle) Diskriminierung von Intersex-Menschen gehören in Deutschland zur Tagesordnung.

Postmigrant_in? Migrant_in der x-ten Generation? Migazin geht der Frage noch, was eine migrantische Identität ausmacht und nimmt noch einmal Bezug auf die aktuelle “Integrationsdebatte”.

Genderbender, Trans*, Queers, Geeks, Nerds, Frauen, Butches, Femmes, Männer, Lesben, Boytoys, Feminist_innen, Schwule, alle und solche, die auf Bezeichnungen pfeifen: Das Gendercamp geht in die nächste Runde. Im Mai 2011 gibt es die zweite Ausgabe des kollektiven Karaoke-Clashs mit Tischtennis, Bauernhof und Club Mate. Auch die Mädchenmannschaft wird  nach einem erlebnisreichen Trip 2010 im kommenden Jahr wieder dabei sein! Wer jetzt schon mitorganisieren und sich einbringen will, meldet sich einfach in der Mixxt-Community an.

Wir haben hier bereits über die Kampagne “It get’s better” berichtet, die queeren und homosexuellen Jugendlichen Mut machen soll. Reteaching Gender and Sexuality von Put this on map wirft ein anderes Licht auf die Zwänge von Heteronormativität und Queerphobie.

Reteaching Gender and Sexuality from PUT THIS ON THE MAP on Vimeo.

Zum Schluss noch ein Terminhinweis, der sich ausschließlich an Schwarze Menschen, Migrant_innen und People of Colour richtet. Es gibt noch freie Plätze für einen viertägigen Empowerment-Workshop des Antidiskriminierungs- netzwerkes Berlin des TBB im Dezember. Die Anmeldefrist wurde bis zum kommenden Montag verlängert.

Alle weiteren Termine für Dezember folgen in den kommenden Tagen! Stay tuned!


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“Mädchen haben lange Haare und Jungs klettern auf Bäume” – wie 10jährige ihr Geschlecht sehen

2. November 2010 von Anna

Es gibt sie, diese Zeitungsartikel, nach deren Lektüre man sich am liebsten gleich wieder im Bett verkriechen und die Decke über den Kopf ziehen würde. Einer von dieser Sorte fand sich heute im Tagesspiegel: „…weil ich im stehen Pinkeln kann“
Gleichzeitig ist es auch einer der Artikel, für die ich am liebsten einen Lesebefehl aussprechen würde. Den ich gerne als Flyer auf der Straße verteilen und auf Spielplätzen antackern würde. Weil ich ihn für ungemein lesens- und nachdenkswert erachte.

Worum geht es? Der Berliner Tagesspiegel hat Grundschullehrkräfte gebeten, Kinder im Alter von ungefähr zehn Jahren einen Text zum Thema “Warum ich gerne eine Mädchen/Junge bin” schreiben zu lassen. Diese 100 Aufsätze wurden mit 181 Aufsätzen aus dem Jahr 1980 verglichen und so versucht, Veränderungen in den 30 Jahren dazwischen zu beschreiben.

Die Ergebnisse bergen einiges an “Grusel-Gefahr” (wie Alba im Selbermach-Sonntag meint):

Die Annahme, die Kinder seien heute weit weniger von alten Stereotypen beeinflusst, erwies sich als falsch. Im Gegenteil sind ihre Aussagen stark von Rollenklischees geprägt. So schreibt David, er sei gerne ein Junge, „weil Jungen sterker sind. weil ich beser mit Holtz bauen kann. ich kann beser schwimmen. dann kann ich beser mit Jungen spielen. und weil ich beser auf Bäume kletern kann. weil ich schneler rennen kann, weil ich weiter springen kann“. Immer wieder betonen die Jungen körperliche Eigenschaften.

[...]

Stereotyp sind auch die Antworten der Mädchen: „Als Mädchen bekommt man Kinder. Mädchen können sich um Kinder kümmern. Mädchen sind meistens ordentlicher als Jungs. Als Mädchen kann man schöne Sachen anziehen. Als Mädchen kann man sich schminken. Als Mädchen kann man die Haar schön frisieren. Mädchen sind nicht so brutal wie Jungs. Manchmal möchte ich ein Junge sein. Jungs sind manchmal sportlicher als Mädchen. Jungs haben später keine Regeln.“

[...]

Mit deprimierender Regelmäßigkeit liest man: „Ich bin gern ein Mädchen, weil ich lange Haare habe“, „weil ich mich schminken kann“, „weil ich schöne Sachen anziehen kann“. Praktische, auf Hausarbeit bezogene Tätigkeiten werden 2010 nicht mehr genannt. Dafür gibt es nun einen neuen Aspekt: „weil Mädchen besser als Jungen schoppen gehen“ können. Seltener geworden sind auch Äußerungen, die auf das angepasstere Verhalten von Mädchen zielen: „weil die Mädchen vernünftiger sind“, „Mädchen haben ein besseres Benehmen“, „Wir brechen uns nicht so viel wie Jungs, zum Beispiel beim Boxen oder Fußball“. Mädchen halten es also nicht mehr für so wichtig für ihre Rolle, angepasst zu sein und Fähigkeiten im Haushalt zu beherrschen. Attraktiv zu sein hat für sie hingegen deutlich gewonnen.

[...]

Die Jungen empfinden, dass sie zum bevorzugten Geschlecht gehören. Sie unterliegen weniger Zwängen: „immer schön aussehen müssen“, „sich immer waschen müssen“, „sich schminken und Röcke oder Kleider tragen müssen“. Und sie haben größere Freiheiten: „weil Jungen wilder spielen und toben dürfen“, „Jungen dürfen mehr Faulheit zeigen“, „für Jungen gibt es coole Spiele, die es für Mädchen nicht gibt“.

Aber warum ist das alles so? Die Autorin Renate Valtin, Professorin für Grundschulpädagogik an der Humbold Universität, gibt folgende Antwort:

[...] In allen Kulturen gilt das Geschlecht als wichtige Kategorie für die soziale Differenzierung. Mit ihr verbindet sich eine Vielzahl geschlechtsbezogener Erwartungen und Vorschriften. Kinder lernen schon sehr früh, welche Merkmale in ihrer Kultur als „männlich“ und welche als „weiblich“ angesehen werden – und welches Verhalten vor diesem Hintergrund als abweichend gilt.

Da fiel mir die das Abschusspanel “Mode und Feminismus” des Barcamp wieder ein, die Diskussion um rosa Mädchenkleider, blaue Jungsklamotten und Glitzeroberteile für erwachsene Frauen und leicht naiv anmutende Frage eines Diskussionsteilnehmers, was denn daran “so schlimm” wäre, sich “weiblich” zu kleiden.
Eine von vielen Antworten auf diese Frage könnte folgender Absatz des Artikels sein:

Allerdings – so zeigt unsere von der DFG geförderte Längsschnittstudie „Aida“ an über 3000 Berliner Jugendlichen – wirken die Stereotype des Selbstbildes nach: Weibliche Jugendliche sind unzufriedener mit ihrem Äußeren, weil sie offenbar von dem zunehmenden Schönheitswahn der Erwachsenenwelt beeinflusst werden. Sie entwickeln weniger Ich-Stärke als männliche Jugendliche, das heißt, sie verfügen über ein weniger positives Selbstbild und eine geringere psychische Stabilität, auch ihr Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit und ihre Erfolgszuversicht sind im Schnitt geringer ausgeprägt. Und: Obwohl sie in stärkerem Maße für die Gleichberechtigung von Frau und Mann in Familie und Beruf eintreten als die männlichen Jugendlichen, wählen sie in der großen Mehrheit geschlechterstereotype Berufe mit geringen Aufstiegschancen.

Leider endet der Artikel kurz danach und lässt uns Lesende so zwar aufgewühlt aber gleichzeitig recht hilflos zurück. Deswegen die Frage an euch: Was tun?


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Reader zum Genderkongress der Bundeszentrale für politische Bildung

26. Oktober 2010 von Nadine

genderkongress

Am Donnerstag beginnt der dreitägige Gender-Kongress der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) “Gender, Glück und Krisenzeiten in der globalen Ökonomie – Das flexible Geschlecht“. Die Teilnahme ist kostenlos für alle Besucher_innen, was erstaunlich und ziemlich toll ist, angesichts der namhaften Referent_innen, die die bpb für den Kongress gewinnen konnte. Das Programm ist äußerst vielversprechend, vielfältig und zum Teil kontrovers, was auch wieder super ist, weil die Foren in ihrer jeweiligen Dauer sehr großzügig bemessen sind. Spannende Diskussionen dürften also garantiert sein!

Von einigen Referent_innen habe ich schon ein paar Sachen gelesen und da dachte ich mir: Wissen für alle! Nachfolgend also ein paar Links und PDFs zu den geistigen Ergüssen der Speaker. Um Debatten und Diskussionen ein bisschen besser einordnen zu können, sich zu bilden (tut ja generell immer gut), für alle, die nicht auf der Veranstaltung sein können oder einfach als Gimmick zum Kongress.

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Aus den Blogs

19. Juni 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 88 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Trotz WM-Fieber wurde geschrieben – aber auch über Fußball. Zum Beispiel im Mädchenblog – da herrscht Vorfreude für ein Frauenfußballturnier, das der Verein Fußball und Begegnung e.V. vom 6.-13. Juli 2010 veranstalte. Um latenten Frauenhass im Fußball geht es bei Moderne Mädchen, und um die Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein.

Bei queernews.at geht es um den Gaydar, also den “sechsten Sinn”, mit dem Homosexuelle andere Schwule oder Lesben in einer Personengruppe erkennen. Dieser Sinn wurde wissenschaftlich nachgewiesen. Na ja, mit einem Zwinkern. Auf jeden Fall ist die kleine Studie darüber vielseitig interpretierbar.

Missy wird jetzt interaktiv und ruft  zum Bomben bauen, Kuchen backen auf. Erste tatsächliche Aufgabe: Lass dir eine Girl Band temporär auf den Körper tätowieren. Dokumentation bitte an Missy schicken.

Im Väterblog geht es um eine Studie, die sich um das traurige Phänomen der “Übermutter-Falle” gekümmert hat. Bei Nieslreden geht es um ein schwules Pärchen, dem im Pratergarten Berlin der Zutritt verwehrt wurde. Sina bloggt über eine Brasilianerin, die einen schwerst behinderten Fötus nicht abtreiben darf.

Termine:

Nächste Woche, am 23. Juni 2010, organisiert der Deutsche Ethikrat ein “Forum Bioethik” in Berlin unter dem Titel “Inters*xualität – Leben zwischen den Geschlechtern”.

In Hamburg bietet DENKtRäume am Samstag, dem 26. Juni einen Workshop zum Thema “Frauen und Macht” vor dem Hintergrund Hannah Arendts an.

Und am selben Tag, 26. Juni 2010, gibt es ein Solikonzert fürs Ruby Tuesday Rock Camp für Mädchen, mit karo, petethepiratesquid und the mokkers in der raumerweiterungshalle, Markgrafendamm 24c, 10245 Berlin-Friedrichshain ab 21 Uhr.

Und ab dem 30. Juni gibt es im Frauenmuseum in Bonn eine Ausstellung zum Gabriele Münter Preis 2010 (läuft bis zum 5. September 2010). Aus der Pressemitteilung: “Kunst von Frauen ist erstklassig!” sagt Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder zur Ausstellungseröffnung des Gabriele Münter Preises. Eh klar!

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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Neues aus den Blogs

29. Mai 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 90 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Los geht’s mit 15 Thesen zu Feminismus und Post-Gender, notiert und erdacht von Antje Schrupp. Meine Lieblings-These ist die: “Weibliche Freiheit lässt sich nicht dadurch erreichen, dass Frauen abgeschafft werden.”

Illustration von einem Fluss, in dem der Papst weggetrieben wird.

Gut gefällt uns diese Illu vom Papst, der abtreibt ... Danke an den Mädchenblog!

Gegen ein generisches Maskulinum bzw. die Pauschal-Anrede “Hallo Jungs” bei einem Verteiler von 200 Leuten spricht sich lena aus. Mit was? Mit Recht!

Um eine Veranstaltung in Köln zum Thema “Women and Geek Culture: What seems to be the problem guys?” geht es bei i heart digital life. Und natürlich wurden die feministischen Positionen stark angegriffen.

Gerda bloggt über sexistische Werbung im öffentlichen Raum bzw. über BVG-Straßenbahnen, die mit Bannern für ein Bordell werben. Sie schreibt: “Ich bin der Meinung, solch eine Reklame hat im öffentlichen Raum nichts zu suchen. Sie suggeriert vor allem Kinder und Jugendlichen, dass Frauen Ware sind und Prostitution ‘normal’.”

Entschleierung in Usbekistan ist das Thema von Afrika Wissen Schaft. Ein wissenschaftlicher, höchst interessanter Text – auf Englisch: “The public unveiling showed how public and private sphere belong together.”

Die Neue Presse aus Hannover ärgert Ninia – wegen einer Bildunterschrift, in der Frauen im Gegensatz zu den auch abgebildeten Männern zur mit Eigenschaften wie “die Schlagfertige” im Gegensatz zu “der Kapitän” genannt werden, hat sie einen Brief an die Redaktion geschrieben.

Ryus Hort beschreibt ihre Gefühle auf schwullesbischen Veranstaltungen: “Ohnehin kann ich mit dem modernen ‘Gay’ als Lifestyle wenig anfangen.”

Und dann wurden noch ein paar Termine gebloggt:
Im Missy-Blog geht es um das Rock Camp for Girls Mitte August in Cottbus, für das jetzt die Anmeldefrist begonnen hat.

Um die Genderdebatte im Islam geht es bei einer Berliner Uni-Veranstaltung am 31. Mai.

Der 2. Juni ist internationaler Hurentag, Frankfurter Einrichtungen haben Veranstaltungen geplant.

Auch am 2. Juni findet eine Veranstaltung in Berlin über das Tabu Homosexualität und Fußball statt.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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