Einträge mit dem Tag ‘Gedichte’


Ein Buch nach dem anderen: Interventionen in Gewaltsituationen und der Women’s Prize for Fiction

7. April 2017 von Charlott
Dieser Text ist Teil 127 von 128 der Serie Die Feministische Bibliothek

Kurzrezensionen

In Experiences of Intervention Against Violence. An Anthology of Stories (2017), herausgegeben von Carol Hagemann-White und Bianca Grafe, sind Erfahrungberichte von 78 Frauen und Kindern/Jugendliche vereint. Sie alle erzählen von erfahrener Gewalt und wie sie Interventionen zu dieser erlebt haben: Welche Unterstützungsangebote waren zugänglich? Wie haben unterschiedliche Institutionen (nicht) zusammengearbeitet? Was hätten sie sich gewünscht/ bzw. was wünschen sie sich? Die Anthologie ist ein Ergebnis des Forschungsprojekts „Cultural Encounters in Intervention Against Violence“ und bringt zum einen Erfahrungen aus verschiedenen Ländern und damit Unterstützungssystemen (Deutschland, England, Slovenien, Portugal, Wales) zusammen und fokussiert zum anderen insbesondere auf migrierte Frauen oder/ und Frauen, die ethnischen oder kulturellen Minderheiten angehören. Die erlebten Barrieren umfassen damit auch gerade unzureichende Übersetzungen, wenig Verständnis für Rassismus bei Betreuenden etc. Das Buch hat keinen Anspruch darauf eine einzige Lösung für gute Interventionen zu präsentieren oder gar repräsentativ aufzuzeigen, wie Interventionsstrukturen funktionieren. Ziel ist es stattdessen denjenigen, für die eigentlich Interventionen durchgeführt werden, die Möglichkeit zu geben für ihren spezifischen Fall zu erzählen, was ihnen geholfen hat und was nicht. Das Buch selbst bietet keine Analyse der vorliegenden Quellen. Für Menschen aber, die sich dafür interessieren, wie Personen in Gewaltsituationen sinnvoll geholfen werden kann, bietet die Anthologie wichtige Einblicke und Ansatzpunkte. Dabei sollte nur nicht vergessen werden, dass natürlich auch nur bestimmte Personen hier ihre Geschichten erzählen konnten, nämliche solche, die noch Kontakt zu Beratungsstellen hatten. Menschen, die aus dem System „gefallen“ sind, sind somit nicht repräsentiert.
Die Texte sind alle ins Englische übersetzt. Wenn sie nicht auf Englisch im Orginal vorlagen, sind sie auch noch (min) in einer anderen Sprache (Deutsch, Portugiesisch oder Slovenisch) enthalten.

Seit 1996 wird in Großbritannien jährlich der Women’s Prize for Fiction (derzeitig als Baileys‘ Prize) verliehen. Die Auszeichnung geht an englischsprachige Romane von Autorinnen, die jeweils innerhalb der 12 Monate vor der Bekanntgabe der Longlist erschienen sind. Passenderweise wurde die diesjährige Longlist mit 16 Romanen am 8. März vorgestellt. Anfang dieser Woche nun wurde die Shortlist bekanntgegeben. Bis zur Bekanntgabe ist nun noch etwas Zeit (7. Juni), aber ich möchte euch schon einmal ganz kurz meine drei Favouriten von den nun noch sechs im Rennen seienden Bücher vorstellen: Ayọ̀bámi Adébáyọ̀̀s Stay With Me erzählt die Geschichte eines Paares in den 1980er Jahren in Nigeria und ihre verzweifelten Versuche Kinder zu bekommen. Vor dem Hintergrund von Militärputschs und einer insgesamt unsicheren politischen Lage fragt Adébáyọ̀̀, was eigentlich Familie bedeutet, was Elternschaft und wie eine Verhandlung von eigenen Wünschen und sozialen Vorstellungen aussehen kann oder wie sie auch scheitert. In The Dark Circle von Linda Grant erkranken die jüdischen Zwillinge Lenny und Miriam Lynskey Ende der 1940er Jahre an Tuberkulose und werden in ein Sanatorium nach Kent geschickt, welches erst seit kurzem nicht-private Patient_innen aufnimmt. Der Roman ist nicht nur ein Blick auf ein sich wandelndes Gesundheitssystem, sondern fragt auch, was es bedeutet Patient_in zu sein bzw. dazu gemacht zu werden. Madeleine Thiens Do Not Say We Have Nothing verbindete tragische, über mehrere Generationen erzählte Familiengeschichten in China und Nordamerika mit einer narrativen Struktur, die an Musik erinnert – und das nicht von ungefähr, denn die Charaktere, die im Mittelpunkt stehen, haben alle eine ganz besondere Beziehung zum Komponieren und Musikmachen.

Buchnews und -debatten

Erst einmal gute Nachrichten aus dem Mädchenmannschafts-Haus: Sharon Dodua Otoos beide Novellen die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle … und Synchronicity sind jetzt in einem sehr schönen gemeinsamen Band beim Fischer Verlag neu aufgelegt. Und im nächsten Jahr wird im Ullstein-Verlag das erste Buch von Magda Albrecht erscheinen: Es geht um Dicksein und Empowerment.

Auch neu erschienen ist FaulenzAs Buch „Support your sisters not your cisters. Über Diskriminierung von trans*Weiblichkeiten„! Illustriert wurde das Buch von Yori Gagarim.

Für das Buchprojekt beHindert und verRückt werden noch Beiträge gesucht. Vorschläge und Beiträge können bis zum 15. Mai eingereicht werden.

Fatma Aydemirs Debüt-Roman Ellbogen ist vor kurzem erschienen. Im Interview mit derStandard spricht sie über männlich konnotierte Macht und weibliche Identitätssuche.

Huntress of Diverse Books hat ein neues Projekt begonnen. Sie bespricht (auf Englisch) deutschsprachige Bücher/ Bücher aus Deutschland von und über marginalisierte Menschen. Die ersten Besprechungen sind auch schon da: Deutschland Schwarz Weiss – Noah Sow, Ellbogen – Fatma Aydemir und eingeschrieben – Emily Ngubia Kuria.

Lara bespricht bei den Femgeeks drei Comics: Goldie Vance, i love this part und Auf die Barrikaden!

Teile des Ganzen schreibt über „Femme representation (pet peeves & recommendations)“ (inklusive Buch-Tipps).

Bonnie Nadzam schreibt in ihrem Essay „Experts in the Field“ über Sexismus und sexualisierte Übergriffe im literarischen Feld (also durch Autoren, Verleger, Literatur-Professoren). Bei LitHub antworten elf Autorinnen – von Roxane Gay zu Aimee Bender – auf den Text mit ihren eigenen Einschätzungen und Erfahrungen.

Nüshu war ein Schriftsystem in der Jiangyong Region in China, welches nur von Frauen eingesetzt wurde. Lauren Young schreibt bei Atlas Obscura über die Geschichte und den Kontext des Systems, sowie die Art der Texte, die damit verfasst wurden.

Casey Stepaniuk empfiehlt bei Autostraddle acht queere Sci-Fi-Romane.

In Young Adult Romanen wird häufig die Protagonistin dadurch charakterisiert, dass sie anders als die anderen Mädchen ™ sei. Sharanya Sharma schreibt bei Bookriot „In Defense of „Other Girls“ in YA„.

Auf Natives in America gibt es ein neues Gedicht von Abaki Beck: „Our Blood Pulses Resistance„. Und Early Bird Books veröffentlicht ein neues Gedicht von Sherman Alexie mit dem Titel „Autopsy„: Last night, I dreamed that my passport bled.

Wenn 2017 ein Gedicht wäre, wie würdest du es nennen: 34 Poets Of Color Summarize 2017 In Verse.

Valeria Vitale, Dolly Garland, Jo Thomas, Pear Nuallak und Chinelo Onwualu unterhalten sich bei News & Press from The Future Fire über Protagonistinnen, insbesondere auch WoC, queere, behinderte, andersweitig marginalisierte Frauen und Non-Binary Protagonist_innen.

Decolonizing the future: Kate Heartfield schreibt beim Article Mag über Native American Autor_innen, die SCiFi schreiben.


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Ein Buch nach dem anderen: Kurzgeschichten aus Nigeria; Coming-of-Age in Portland

30. Oktober 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 112 von 128 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen

IMG_20150921_175406-1Fates and Furies (Riverhead Books, 2015) von Lauren Groff war sicher eines der heiß-erwartesten Bücher der Herbstsaison – und wurde kurz nach der Veröffentlichung auch direkt belohnt mit einem Platz auf der Shortlist für den (us-amerikanischen) National Book Award. Der Roman seziert die Ehe zwischen Lotto und Mathilde, dem Traumpaar auf jeder Party, er erst Schauspieler, dann erfolgreicher Dramatiker, sie erst in einer Gallerie arbeitend, dann ihn unterstützend. Zwischen Anspielungen auf griechische Mythologie erzählt der erste Teil zunächst die Geschichte aus Lottos Perspektive, um dann im zweiten Teil Mathildes – weitaus andere – Sichtweise und Erleben nachzutragen. Bereits im ersten Teil, in dem lange das perfekte Bild entworfen wird, zebröselt dieses auch schon wieder langsam. So sitzt Lotto auf einer Podiumsdiskussion zur „Zukunft der Literatur“ und führt – zum Erschrecken seiner Mit-Diskutant_innen – bräsig aus, dass Männer Literatur schaffen und Frauen ihren Kreativität ins Kindergebären stecken. Das Publikum ist aufgebracht, Mathilde verlässt den Raum. Genau in diesen Aspekten fand ich den Roman, in den ich ich erst nicht wirklich reinkam, am stärksten, wenn die Vorstellung des „männlichen Genies“ langsam entblößt wurde und stattdessen Groff die weibliche Arbeit hinter diesem offenbarte. Doch das Ende, welches stark auf eine Beziehungsebene zurückfällt, enttäuschte mich.

IMG_20150918_031443Weitaus mehr gefiehl mir das ebenfalls im September erschienene Dryland (Tin House Books, 2015) von Sara Jaffe (die auch in der Band Erase Errata spielt). Es ist das Jahr 1992 und die fünfzehn-jährige Julie Winter lebt im Portland. Regelmäßig geht sie in Zeitungsgeschäfte und blättert sich durch Schwimm-Magazine – nicht etwa, weil sie Schwimmerin ist, sondern weil sie immer auf der Suche nach Informationen über ihren ältern Bruder ist, der einmal sogar Teil des olympischen Teams war, nun aber in Berlin lebt und über den in ihrer Familie nicht gesprochen wird. Das Buch ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die ihren ganz eigenen Charme und gleich eine Reihe queerer Charaktere mit sich bringt.

IMG_20151014_082600 Ein Buch, welches ich in nächster Zeit sicher häufig empfehlen werde, ist die Debut-Kurzgeschichten-Sammlung Happiness, Like Water (Mariner Books, 2013) von Chinelo Okparanto. Die meisten der Geschichten drehen sich um weibliche Charaktere in Nigeria oder der Diaspora (hier USA). Ihre Geschichte „America“ war bereits nominiert für den Caine Prize for African Writing, aber auch die anderen sind allesamt preiswürdig. Okparanta ist eine wundervolle Erzählerin, ihre Sprache ist gleichermaßen zugänglich und poetisch. In den Geschichten widmet sie sich einer ganzen Reihe großer „Themen“ (wie häusliche Gewalt, Reliogion, lesbisches Begehren, Schönheitsstandards), ohne dass sie ins Didaktische abruscht. Stattdessen schafft sie glaubhafte Charaktere und nicht jede Geschichte endet mit einer sauberen, einfachen Lösung – ganz so wie im Leben.

Okparantas Debut-Roman Under the Udala Trees, in welchem sich zwei Mädchen während des Biafra-Kriegs verlieben, erschien jetzt im September.

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Biologistische Spiri-Szenen, besorgte Eltern, brechende Herzen – die Blogschau

13. Juni 2015 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 280 von 295 der Serie Die Blogschau

Über den Ausschluss von trans Personen und nervige Biologismen in spirituellen Frauen-Szenen schreibt Wurzelfrau.

Was für reaktionärer Quark dabei rauskommen kann, wenn jegliche Kritik unter „Hetze“ und Hate Speech verbucht wird, beschreibt A++ Ranting am Beispiel der Autorin Ronja von Rönne.

alsmenschverkleidet legt dar, um wen und was sich „besorgte Eltern“ wirklich sorgen und wen sogenannten Lebensschützer gar nicht schützen.

Afrogermanrebel erklärt, wie deutsch sein und Schwarz sein (nicht) mit einander in Verbindung gebracht werden und wie Rassetheorien dafür die Basis bilden.

Bei und mit Schwarzrund gibt es ein Video-Interview zu diversen bipolaren Perspektiven auf Kinderbücher.

Diaspora Reflektionen schreibt über Konflikte innerhalb (aktivistischer) Communities und die schmerzhafte Art, wie diese manchmal ausgetragen werden.

Salma schrieb auf Multidoze ein Gedicht über Risse, Scherben und Heilung.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Ein Buch nach dem anderen: Gelungene und weniger gelungene Jugendbücher

12. Juni 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 102 von 128 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen

Poisoned Apples: Poems for You, My Pretty (2014, Greenwillow Books) von Christine Heppermann versprach eigentlich eine interessante Prämisse: Gedichte, die feministische Ideen und fantastische, märchenhafte Stoffe miteinanderverweben und direkt an Teenager-Mädchen gerichtet sind. Doch wirklich weiter empfehlen kann ich es leider nicht, denn letzten Endes wiederholen sich die Inhalte sehr, manche Gedichte sind kaum unterscheidbar und (der wichtigere Aspekt) Heppermanns zugrundeliegenden Analysen von Körperbildern und Essgewohnheiten sind sehr stark simplifizierend. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass Heppermann beim Schreiben eine ganz konkrete Gruppe von Mädchen im Kopf hatte: weiß, hetero (Hallo, Mächenprinzbezug) und konventionell hübsch, die sich aber auch mit den dominanten Vorstellungen von guten, schönen Körpern herumschlagen.

Wenn etwas aus der Jugendbuch-Ecke, dann doch lieber das großartige Akata Witch (2011, Viking Children’s) von Nnedi Okorafor. In diesem dreht sich alles um die zwölf-jährige Sunny. Geboren wurde sie in den USA, aber seit drei Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Nigeria. Sie ist eine herausragende Fußballerin, da sie aber Albinismus hat, kann sie meist nur abends mit ihren Brüdern kicken. Als sie dann eines Tages eine dystopische Szene im Licht einer Kerze sieht, ist dies nur das erste Zeichen, dass sich für Sunny bald eine magische Welt eröffnen wird. Das Buch ist nicht nur spannend und voller großartiger Einfälle, sondern immer auch gesellschaftskritisch, so werden Themen wie Stigmatisierung von Menschen mit Behinderungen und rassistische Polizeigewalt gegen Schwarze Jugendliche thematisiert und gleichzeitig gezeigt, dass auch die magische Welt keine ohne Machtgefälle ist. Besonders gut: Nächstes Jahr wird der zweite Teil erscheinen.

Schon länger wollte ich mal etwas ausführlicheres zum Thema Impfen lesen. Letztes Jahr auf vielen us-amerikanischen Bestenliste landete On Immunity: An Inoculation (2014, Graywolf Press) von Eula Biss und ich habe es nun gelesen. Biss hatte sich vor der Geburt ihres ersten Kinds angefangen intensiver mit der Thematik zu beschäftigen und entstanden ist ein Buch, welches differenziert und tiefgehend ist, Ängste und Gefühle ernst nimmt, aber vor allem auch Diskursen rund um Impfungen nachspürt. Sie zeigt, wie Impfungen entstanden und durchgesetzt wurden (und wer dabei – in einer Zeit, wo Impfungen noch wesentlich gefährlicher waren als heute – die Bevölkerungsgruppen waren, die zwangsgeimpft wurden), geht verschiedenen Studien nach, spricht mit Wissenschaftler_innen und verknüpft dies mit eigenen Erfahrungen (so z.B. der Aussage ihres Arztes, dass eine bestimmte Impfung für „Leute wie sie“ nicht nötig sei – und ihre Erkenntnis, dass er damit nur weiß und Mittelklasse gemeint haben kann). Zum Ende hin verliert das Buch etwas den Fokus und sicher werden nicht alle Aspekte beleuchtet, aber ein interessanter Einstieg ist es auf jeden Fall.

Noch ziemlich neu ist Das Licht ist weder gerecht noch ungerecht (2015, w_orten und meer) von Jayrôme C. Robinet, der auch Mädchenmannschafts-Autor ist und hier bereits das Buch vorstellte. In dem Buch (und auf der dazugehörigen CD) sind kurze Geschichten, Gedichte, ein Theatermonolog und Spoken Word Stücke versammelt, die nachdenklich, humorvoll, präzise und poetisch ganz schnell ins Herz gehen.

Außerdem habe ich endlich auch Janet Mocks Redefining Realness: My Path to Womanhood, Identity, Love & So Much More (2014, Atria Books) gelesen und möchte die Chance nutzen, allen nochmals Magdas Rezension ans Herz zu legen.

Ein von @half_book_and_co gepostetes Foto am

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Ein Buch nach dem anderen: Gelangweilte Frauen und Schreiben mit Margaret Atwood

5. Dezember 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 88 von 128 der Serie Die Feministische Bibliothek

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Crazy Brave von Joy Harjo (2012, Norton) ist eine der besten Memoiren, die ich jemals gelesen habe. Harjo, eine bekannte Native American Dichterin, Künstlerin, Musikerin und Aktivistin, beschreibt in diesem Buch die Zeit von ihrer Geburt bis ins junge Erwachsenenalter. Dabei verbindet sie poetische Bilder, spirituelle Vorstellungen, Träume, Naturbeschreibungen, über Generationen gesponnene Familiengeschichte mit den gewaltvollen Wirklichkeiten ihres Aufwachsens und gesellschaftskritischen, einordnenden Analysen. Harjo macht immer wieder deutlich, was es für sie bedeutet hat, als Native American und als Frau in den USA aufzuwachsen, welchen Barrieren sie sich auf den verschiedenen Ebenen gegenüber sah/ sieht und wie sie durch Kunst, Aktvismus und community building widerständig agiert(e). (Englisch)

Außerdem las ich zwei Gedichtbände. Flicker and Spark: A Contemporary Queer Anthology of Spoken Word and Poetry (2013) ist eine Zusammenstellung englischsprachiger Gedichte vor allem aus den USA. Das Buch hat über 400 Seiten und wie es solch große Auswahlen meistens mit sich bringen, ist die Qualität schwankend, allerdings sprechen unterschiedliche Menschen ja auch unterschiedliche Texte an und hier gibt es in jedem Fall sehr viel zu entdecken. Es gibt drei Kapitel: „Pre-Stonewall Poets (Pre-1970)“, „Stonewall-First Diagnosis of AIDS Poets (1970-1981)“ und „AIDS Diagnosis – Brandon Teena’s Death Poets (1982-1993)“. Ich habe zu mindestens habe eine Weile gebraucht, dass diese Einteilung sich alleinig auf die Geburtsjahre der Poet_innen bezieht, die abgedruckten Gedichte aber beispielsweise auch im ersten Kapitel zum Teil aus den 2000ern kommen. Ich denke, eine Sortierung nach Erscheinung der Gedichte in solch programmatische Abschnitte wäre etwas sinnvoller. Als zweites habe ich Sidereal von Rachel Boast (2011) gelesen, ein kleines Band mit Gedichten, die Sterne, Landschaften, Mythologien und Literaturverweise in den Mittelpunkt rücken. (Beides Englisch)

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Auf den Tag drei Jahre nach dem Tod von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erschien das Buch „Unsere Wunden kann die Zeit nicht heilen. Was der NSU-Terror für die Opfer und Angehörigen bedeutet“, in dem unter anderen einige der Angehörige von NSU-Opfern erzählen. Die Süddeutsche berichtet von dem Buch und der Pressekonferenz zur Erscheinung. (Deutsch)

Autostraddle schaut auf Leslie Feinbergs Bücher, von Stone Butch Blues über Trans Liberation: Beyond Pink or Blue hinzu Drag King Dreams, und Leben zurück. (Englisch) Bei der Mächenmannschaft schrieb Nadine „Zum Tod von “Transgender Warrior” Leslie Feinberg„. (Deutsch)

Am 18. November konnte die Autorin Margaret Atwood ihren 75. Geburtstag feiern. Flavorwire veröffentliche aus diesem Anlass Zitate von Atwood rund ums Thema Schreiben. (Englisch)

Anlässlich des „Day of the Imprisoned Writer“ brachte The Guardian öffentliche Briefe von prominenten Schrifsteller_innen wie Elif Şafak und Alain Mabanckou an derzeitig in Gefängnissen einsitzende Schrifststeller_innen/ Journalist_innen wie Gao Yu und Dieudonné Enoh Meyomesse. (Englisch)

Außerdem interviewte The Guardian Mallory Ortberg, die Gründerin von The Toast – „a general interest site for women of a literary bent“. Die Seite, auf der es auch einen Artikel gibt, in dem phantasiert wird, wie anders das Leben einiger fiktionaler Charactere gelaufen wäre, hätten sie abgetrieben, ist unter anderem für ihre wunderbaren Zusammenstellungen von „klassischen“ Gemälden bekannt, zum Beispiel zum Thema „gelangweilte“ Frauen. Dazu Ortberg im Interview:

You’re clearly meant to see this as a pleasant interaction, but the look on the woman’s face is so clearly, “Someone, please, for the love of God, get me out of here. I wish I were dead.” I don’t want to make sweeping generalisations, but I love the idea that basically for 600 years of Western European art, male artists were thinking, ‘That’s the look women always have on their face when you talk to them. That’s not boredom, that’s just their listening face.’

Victoria Law vom Bitch Magazine nahm sich für dieses Jahr vor 50 Bücher von Autor_innen of Color zu lesen. Nun stellt sie ihre Leseliste vor und fragt nach Tips für’s nächste Jahr, wo sie das gleiche wieder machen will.

“Ein Buch nach dem Anderen” ist quasi mein Anti-Lese-Motto. Meistens lese ich viele Bücher parallel, aber ich stelle sie der Reihe nach vor. Was lest ihr denn gerade? Erscheinen demnächst Bücher, auf die ihr euch ganz besonders freut?


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Akif Pirinçcis Hass, Abtreibungen auf dem Meer und ein Gedicht von June Jordan – kurz verlinkt

16. April 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 238 von 349 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Nadia schreibt beim Gunda Werner Institut zu Akif Pirinçcis neuem Buch „Deutschland von Sinnen“ und meint, der „Buch-Erfolg [sei] zwar ärgerlich und höchst bedenklich, als psycho-soziales Dokument deutscher (oder: eingedeutschter) Hegemonie jedoch auch wieder ein aufschlussreiches Barometer“.

Hinz&Kunzt berichtet über Shila Begum, eine der überlebenden Näher_innen des Rana-Plaza-Unglücks in Bangladesch, und ihren Einsatz für Entschädigungen.

In Berlin wurde bei der Überparteilichen Fraueninitiative ein Beirat für die Vorbereitung einer Fachtagung zur Situation obdachloser Frauen gegründet.

Racial Profiling trifft auf Sexual Profiling im Kontext des „Kampfs gegen Prostitution“ – menschenhandel heute berichtet.

englischsprachige Links

[Inhaltshinweis: Gewaltbeschreibungen] Auf Salon.com schreibt Brittney Cooper über die vielen Formen von Gewalt, der Schwarze Mädchen und Frauen besonders augsesetzt sind – und wie diese kaum besprochen und bekämpft werden.

Bitch Magazine bespricht den neuen Dokumentarfilm „Vessel“ über die Organisation „Women on Waves“, die Abtreibungen auf Schiffen durchführt, um so Verbote zu umgehen. (Ein Interview mit der Gründerin der Organisation gibt es auf deutsch bei der an.schläge.)

„Sometimes, when this happens, when a thin person realizes that they’ve just disgorged a bunch of rank fat hatred right into my fat face, they apologize. Often in a way that exacerbates the offense. But mostly, they try to convince me that they’re not talking about me. That those other fat people were gross in a way that I’m not.“ – Shakesville schreibt zu fat hatred, Vorurteilen und Raumeinnahme.

In den USA wird gerade National Poetry Month begangen. Feministing postet aus diesem Anlass täglich feministische Gedichte, gestern zum Beispiel June Jordans „Poem About my Rights“. [Inhaltshinweis: Beschreibung (sexualisierter) Gewalt]

Ein #TwitterEthics Manifesto wurde bei Model View Culture veröffentlicht.


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Wer war… Mascha Kaléko?

21. Januar 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 38 von 51 der Serie Wer war eigentlich …

Die Dichterin und Autorin Mascha Kaléko wurde am 7. Juni 1907 in Chrzanów, heute Polen, geboren. Bereits als Kind erlebte sie antisemitisch motivierte Ausgrenzung und Gewalt in ihrem Umfeld. Heute vor 39 Jahren, am 21. Januar 1975, starb sie in Zürich, auf dem Weg in ihre zweite Wahlheimat Israel. Zuvor hatte sie viele Jahre mit ihrem Sohn, der 1968 als junger Mann starb, und ihrem Ehemann in den USA gelebt. Dorthin war die Familie 1938 von Berlin emigriert, nachdem die Nazis einige Jahre zuvor Kalékos Lyrik geschmäht und verboten hatten.

1960 wollte man ihr den Fontane-Preis der Akademie der Künste in Berlin (West) verleihen; wegen eines ehemaligen SS-Mitgliedes in der Jury, Hans Egon Holthusen, lehnte sie dies jedoch ab.

Erfahrungen des Exils, der Heimatlosigkeit und des Nichtdazugehörens sind Motive, die Kaléko in ihren Gedichten immer wieder aufgriff, aber auch Alltags- und Beziehungsroutinen – Entfremdung, nicht zuletzt vom ausbeuterischen Arbeitsalltag. Gerne wird sie inhaltlich und stilistisch mit Zeitgenossen wie Erich Kästner und Joachim Ringelnatz verglichen –  ihr wurde allerdings lediglich ein Bruchteil des Ruhms zuteil, den diese Kollegen durch ihr dichterisches Schaffen erlangten.

Gisela Zoch-Westphal, Verwalterin des literarischen Nachlasses von Mascha Kaléko, schreibt über die Autorin, angesichts deren Biografie und auch der Ausschlüsse die sie selbst bisweilen in ihren Werken re_produzierte womöglich etwas leichthin:

Mit Charme und Humor, mit erotischer Strahlkraft und sozialer Kritik erobert sich die junge Mascha Kaléko im Berlin der Weimarer Republik die Herzen der Großstädter. Sie ist 22, als sie ihre ersten Gedichte veröffentlicht. Es sind Verse (…), die jeder versteht, weil sie von Dingen handeln, die alle erleben: von Liebe, Abschied und Einsamkeit, von finanziellen Nöten, von Sehnsucht und von Traurigkeit. Mit dieser »Gebrauchslyrik« im besten Sinne ist sie im Berlin der Zwanziger- und Dreißigerjahre berühmt geworden (…). Ihre Poesie ist stets von einer Prise Ironie begleitet, lässt keinerlei Sentimentalität aufkommen. Diese eigentümliche Mischung aus Melancholie und Witz, steter Aktualität und politischer Schärfe ist es, die Mascha Kalékos Lyrik so unwiderstehlich und zeitlos macht.

Auf der Seite Lyrikline sind einige großartige Gedichte von Mascha Kaléko von ihr selbst vorgetragen als Tonaufnahmen zu hören.


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Fragmente

4. Dezember 2012 von Sabine

(TW bei 1. Gedicht: Geburtstrauma)

NSU (I)

wir haben Dich erwartet
Neun Monate getragen für Dein Leben
bis sie kamen
in den weißen Kittel
entlang, vom Ende des Flurs

sie sagen: es gab Komplikationen
sie haben es nicht kommen sehen

das passiert bei zwanzig Prozent aller Geburten
meist ist im CTG ein Absinken der fetalen Herzfrequenz
zu registrieren
eine straffe Umschlingung
Deines Hals

sie sagen: nsu
wir verstehen nicht

Nabelschnurumschlingung
eine erhebliche Verringerung der Durchblutung
verstohlen fragen sie
wo Doktor Fromm abblieb

Scham erschlafft in den Kittel
Kränze beben
bereit für das Schweigen

Wir ahnen
die Nabelschnur war zu lang
Wir spüren
sie wurde nie getrennt, Hayati

NSU (II)

alder, nsu heißt neckarsulm
neckarsulm ist deine mudder in buxtehude
nsu ist provinzstadtlandeiflussberuf
alder, nsu bist du

—-

brüchige welt

regen brennt auf der haut
blicke zertrümmern den schädel
es heißt die dornen sind keine dornen mehr

sie drücken mir den hals der rose in die hand
ich darf das gesicht nicht verziehen
es gibt keine dornen mehr

die tannen bleiben dunkel
der wald brennt
das lodernde rot bleibt ungesehen
sie marschieren wieder

Angst

Wer hat Angst vorm weißen Mann?
Niemand!

Und wenn er kommt?
Komm doch!

Und wenn er tötet?
Komm doch.

Und wenn Ihr schon tot seid?
.

Für die Kitas, Kindergärten und den Sportunterricht

wonderland

Voegel ziehen fort
sie kommen nicht zurueck
Eiswuesten erscheinen am Horizont
auf den Feldern liegt ein Pferd

ein Filter durchzieht den Schatz
deiner Woerter
sie sprechen Sprache
zartbitter
aber beim Schreien verstehen sie es nicht

dein Koerper ist zu Besuch
baumelnd am Ast

willst knien zum Pferd hinab
da liegst du schon
sprachlos im Morast

erhebe dich
wir suchen wonderland


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