Einträge mit dem Tag ‘Fußball-WM’


Die Welt nur mit den Augen sehen

24. Februar 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 65 von 94 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Die Welt mit den Augen sehen

Wie heißt du?
Julia Probst

Seit wann bloggst du?
Angefangen mit der Bloggerei habe ich im August 2005, aber die Einträge damals waren eher selbstreflektierend und drehten sich eher um meine Gedanken und Erlebnisse, wobei ich kaum Bezug zu meiner Gehörlosigkeit genommen habe, da das Blog ja für Familie und Freunde gedacht war, die ich ja damals schon komplett aufgeklärt hatte und auch nah genug an meinem Leben sind, um sich zu denken, wie das so ist.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich war schon immer eine, die gern und viel geschrieben hat, schon von klein auf. Ich hatte eine echte Schulbank als Kind mit echter Tinte, wo ich dann meinen Füller reingetunkt habe und mir Geschichten ausgedacht habe oder aufgeschrieben habe. Kindergeschichten halt. Bloggen heute ist doch nichts weiter, dass man sich für sich selbst hinsetzt. Aber anders als damals überlegt man sich halt, ob man was verwertbares für das Blog erlebt hat, denn anders bei einem Tagebuch oder einem nichtöffentlichen Blog schreibt man ja nicht nur für sich selbst!

Frühjahr 2009 hat dann ein Journalist zu mir gemeint: „Du solltest ein Blog darüber (über die Gehörlosigkeit und das Leben damit) schreiben. Für mich selbst ist das alles so schwer vorstellbar und sehr weit weg von meinem Leben.“ Das war dann der Auslöser für das jetzige Blog: meinaugenschmaus.blogspot.com

Worüber schreibst du?
Ich engagiere mich sehr für Barrierefreiheit im alltäglichen Leben und im Fernsehen für Gehörlose, d.h. ich schreibe über die niedrige Untertitelquote von 10,6% im deutschen Fernsehen und über die schlechte Qualität der Untertitel. Also über die ganz typischen Alltagsproblemen der Gehörlosen, die der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Andere Themen sind dann noch die Bildungspolitik, Inklusion und natürlich die Gebärdensprache und die Gehörlosenkultur. Irgendwann merkte ich, dass ich ganz gut darin bin die Körpersprache anderer Menschen zu lesen, was ich dann auch verbloggt habe. (weiterlesen …)


Facebook | |


Anders ist schwul. (K)ein Skandal beim WM-Dritten

13. Juli 2010 von Nicole

Zu den zahlreichen Schilderungen der sportlichen Leistungen der deutschen Fußballnationalmannschaft der Männer bei der gerade zu Ende gegangenen WM kommen mindestens ebenso zahlreiche Ausdeutungen ihrer kulturellen, sozialen und politischen Performance hinzu: von der Kleidungswahl des Trainerteams über die gelungene „Integration“ einer Generation von Einwandererkindern bis zu den flachen Hierarchien im Team, das seine vermeintlich unersetzbare Führungskraft Michael Ballack noch vor dem ersten WM-Spiel verlor. In diese Reihe gehört auch ein Essay im aktuellen Spiegel von Alexander Osang über „Neue deutsche Männer“. Dieser Text allerdings sorgte für (hoffentlich nur kurzzeitige) Aufregung, weil es dort fast wie am Rande – oder aber eben auch nicht, das ist schwer zu sagen – auch um ein einige Zeit zurückliegendes Gespräch mit Michael Ballacks Berater Michael Becker geht. Der, so Osang, hätte, obwohl sein Klient damals noch nicht verletzt war, sondern sich mit vielen Werbeverträgen ausgestattet auf die WM freuen durfte, lauthals hergezogen über die „Schwulencombo“ beim DFB, über schwule aktuelle Nationalspieler und das bevorstehende Outing eines ehemaligen. Skandal! Bild und Hamburger Morgenpost machten das Thema einer „homosexuellen Verschwörung“ umgehend zum alleinigen Inhalt des Textes, die Süddeutsche immerhin recherchierte noch etwas ums Thema herum, stellte die Frage, ob die Aussagen seines Beraters Ballack selbst nicht vielmehr schaden als nützen werden und bezeichnete sie zudem als das, was sie sind: „schwulenfeindlich“.

Der eigentliche Punkt von Osangs Text, den er auch mit diesen Passagen unterstreicht, taucht in den Reaktionen der anderen Medien jedoch nicht mehr auf, was sehr zu bedauern ist. Er besteht nämlich darin festzuhalten, dass Becker selbst und möglicherweise auch sein Klient Ballack wenn schon nicht dem Alter nach, so zumindest im Denken keine neuen, sondern alte deutsche Männer seien, deren Zeit vorbei ist. Wunderbar verdichtet sich das in dieser Schilderung:

Als ich ihn fragte, ob denn ein Spieler, der etwas überraschend nominiert worden war, seiner Meinung nach auch schwul sei, sagte Becker nur: „Der ist halbschwul“, und ich begriff, dass das alles ein Synonym war für etwas, was Becker nicht mehr verstand.

Ja, mag sein, dass schwule Profifußball oder auch -trainer mit Scheinehefrauen, Heimlichkeiten und Doppelleben ein verkrampftes Verhältnis zu sich selbst, zu ihrer Umwelt und ihrer Sexualität haben. Dies aber mit wesentlich mehr Anlass und Berechtigung als Menschen wie Becker, Comedian Oliver Pocher oder Radiomoderator Jan Böhmermann von 1Live, deren homophobe Bemerkungen und Witze vor allem etwas über die Begrenzung der eigenen Welt aussagen. Wie auch Wolfgang Hettfleisch in einem Kommentar in der Frankfurter Rundschau anmerkt: „Man kann gar nicht so viel Earl Grey trinken, wie man kotzen möchte.“

Und zum Schluss noch eine Nachricht, die vielleicht optimistisch stimmen könnte: Fußball-Deutschland hat seine erste offen homosexuelle aktive Nationalspielerin: Europameisterin und Pokalsiegerin Uschi Holl, Torhüterin beim FCR Duisburg, hat sich in Köln verpartnert. Am Tag eines deutschen WM-Spiels, mit Blumen und in Weiß.


Facebook | |


Absurdes aus dem täglichen K(r)ampf

3. Juli 2010 von Nadine
Dieser Text ist Teil 87 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Es ist Sommer, es ist heiß, jede_r müsste draußen sein und sich auf Wiesen suhlen, doch einige schreiben lieber tolle Blogs. Eine kurze und subjektive Zusammenfassung der vergangenen Woche:

Anne Roth berichtet von ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit der Bundespräsidentenwahl und ihre Tochter bewertet die Situation mit kindlichem Pragmatismus. Love it!

Zum CSD und Judith Butler haben wir auf Mädchenmannschaft bereits alles gesagt. Der CSD Berlin e.V. nimmt zu ihren Vorwürfen Stellung. Genderini reagiert zu Recht empört (ein bisschen nach unten scrollen bis “Update”). Neben reichlich Dampf hat selbige noch jede Menge interessante Links zum Thema Queer, Rassismus und Feminismus in petto.

Der Transgeniale CSD war meine ganz persönliche Queer-Premiere in diesem Jahr. Auf Genderbefreit gibt es Fotos zu sehen und das Mädchenblog berichtet von sexistischen Übergriffen auf der Veranstaltung.

Das antirassistische Watchblog Der Braune Mob sollte eigentlich in alles RSS-Readern seinen Platz haben. Nicht nur, dass die Autor_innen nicht müde werden, der rassistischen Taz auf die Finger zu schauen… diese Woche macht sich die Autovermietung SIXT einen Namen als White Supremacist. Traurige Erkenntnis: Rassismus hat während der WM Hochkonjunktur. Das weiß auch Adrian Lang und schreibt seine ganz persönlichen Eindrücke von der grassierenden Fankultur auf.

Das Väterblog gibt Hoffnung: Männer profitieren von der Elternzeit, indem sie mit einer höheren Lebenserwartung rechnen dürfen. Na wenn das Mal nicht Vorzeigeobjekt jeder Gleichstellungsarbeit sein sollte! Werft die Gesundheitsberichte für Männer über Bord und den Schnuller in die Hand!

Sexistische Werbung geizt selten mit visuellen Reizen. Noch perfider finde ich allerdings, wenn es nackte Haut gar nicht braucht, um Chauvinismus zu reproduzieren. A Blog of One’s Own ärgert sich über glanzlose Frauen und glänzendes Gold. Wer Zeit und Muse hat, kann gleich eine Mail an den Werberat verfassen. Mal sehen, ob der sich wieder so blamiert wie nach der AXE-Kampagne.

Herzlich gelacht habe ich bei dieser Anekdote aus dem betrieblichen Alltag von dyfustifications: Frauen und Technik (Schublade auf). Frauen im Umgang mit Frauen und Technik (Schublade zu).

Ein Aufreger ist dagegen wert, dass das Erzbistum Köln weiterhin darauf Einfluss hat, welche medizinischen Leistungen das Krankenhaus St. Birgida auch nach der Übergabe an die städtische Trägerschaft Aachen für Frauen anbieten darf. Ginge es nach dem Willen der Geistlichen, darf dort keine Abtreibung durchgeführt und keine Spirale eingesetzt werden, auch die Pille danach soll untersagt sein, schreibt 100 Kreuze in die Spree.

Auf Buchentdeckungen gibt es ein tolles Portrait über die afrodeutsche Schriftstellerin May Ayim zu lesen – mit Auszügen aus ihren Gedichten. Weiteren Lesestoff hat dieStandard.at: “Die unsichtbaren Kämpferinnen” erzählt die Geschichten von kolumbianischen Frauen, die im bewaffneten Konflikt zur Waffe griffen.

Last but not least: Am kommenden Montag gibt es im Café Tristeza in Berlin-Neukölln eine Book-Release-Party zu “Rassismus auf gut Deutsch” von Adibeli Nduka-Agwu und Antje L. Hornscheidt.

Die Beiträge dieses Bandes tragen dazu bei, unbewussten oder »gut gemeinten« Rassismus in alltäglichen Sprachpraktiken mit konkreten Beispielen aufzudecken, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie und wodurch Sprache rassistisch aufgeladen wird und welche Alternativen es gibt.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


Facebook | |


Im Schatten der WM. Genderthemen in Südafrika

29. Juni 2010 von Nicole

Nach dem kleinen Blick auf die mediale Aufbereitung der Kombination Frauen & Fußball heute einige Lesetipps unter der Rubrik Genderthemen in Südafrika, die eher wenig mit der WM und dem Ball zu tun haben. Oder vielleicht doch ein bisschen. Die aktuelle Ausgabe des L.Mag berichtet über Frauenorganisationen in den Townships, die sich gegen sexuelle Gewalt insbesondere gegen lesbische Frauen und Mädchen – und auch gemeinsam Fußball spielen. Eine der Gruppen, die u.a. Opfer von Vergewaltigungen unter der zynischen Bezeichnung „corrective rape“ unterstützt, ist Luleki Sizwe.

In dem im April 2010 von Jens Erik Ambacher und Romin Khan bei der Assoziation A herausgegebenen Sammelband Südafrika. Die Grenzen der Befreiung gibt es ebenfalls einige Beiträge rund um das Thema Gender: Shireen Hassim analysiert die Frauenbewegung im Südafrika nach der Apartheid, Rita Schäfer stellt Strategien der Frauenrechtsorganisationen gegen geschlechtsspezifische Gewalt dar und Mandisa Mbali schildert die Geschichte der „Treatment Action Campaign“ im südafrikanischen AIDS-/HIV-Aktivismus. Rita Schäfer hat zudem in der aktuellen Ausgabe Nr. 117 der Peripherie. Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt, die sich schwerpunktmäßig mit der WM befasst, einen Text zum Thema Prostitution während der Weltmeisterschaft 2010 veröffentlicht.


Facebook | |


Bummel über den digitalen Fußballplatz

12. Juni 2010 von Nicole

Zum gestrigen WM-Start hier ein kleiner und sicher unvollständiger Streifzug durch aktuelle Beiträge zum Thema Frauen & Fußball:

Warum schauen Frauen Fußball? fragt vienna.at und ist selbst unsicher: „Ob es an Cristiano Ronaldo oder generell an den Italienern liegt, weiß man jedoch nicht so genau.“ Für mich klingt das, als würden sie bei vienna.at Ronaldo für einen Italiener halten oder ist das österreichische Syntax? Die Antworten gibt’s auf alle Fälle in Bildern und wenig geistreichen Sätzen (Partner eifersüchtig machen, über Spielerfrauen reden, Männer angucken – GÄHN …).

Auch die Schweizer Website a-z.ch weiß was über Frauen und die WM, nämlich das hier: „Auch für die Frauen ist der Grossanlass kein Fluch – im Gegenteil: Warum das Turnier boykottieren, wenn am Bildschirm die schönsten Sportler der Welt zu sehen sind. Zudem wartet das schwache Geschlecht während den Spielen nur auf den Moment, in dem sich die Spieler entblössen und ihren gestählten Oberkörper zur Schau stellen.“ Dafür gibt’s übrigens die gelbe Karte, zumindest während des Spiels, aber das ist uns natürlich egal.

Bei manchen Partien muss frau sich die Spieler aber auch erst schön trinken, so zumindest deute ich mal das Hospitality-Angebot zum VIP-Public-Viewing im Münchener Olympiastadion, das uns unterbreitet wurde: Zum ersten Spiel der deutschen Mannschaft wird „allen weiblichen Besuchern eine Flasche Sekt als Willkommensgeschenk“ angeboten. Na, dann prost.

Jetzt aber Schluss mit dem Gemecker. Es gibt auch tolle Texte über Frauen und Fußball: Bei einseitig.info liefert Marie van Bilk in der Woche des WM-Starts ihre Antwort auf die Frage, warum Frauen Fußball gucken. Mit Weltmeisterschaften und schönen Männern hat ihr Text „Ich mag Fußball und ich bin eine Frau“ allerdings wenig zu tun, dafür mehr mit der Fortuna aus Düsseldorf.


Facebook | |


Skaten, twitter, Israel, Kopfrechnerin, Sexarbeit, Keuschheit, Sex and the City und Ost-Feminismus

9. Juni 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 82 von 138 der Serie Kurz notiert

Beim Thema Skaten fallen einem meist nur männliche Skater ein. Der Fotograf Max Hamilton hat daher britische Skaterinnen fotografiert und zeigt die Fotos auf seiner Webseite.

Seit kurzem folgt und retweetet die feministisch-queere Twitterszene FeministHulk – das Ms. Magazine hat sogar ein Interview bekommen. Dabei gibt es noch mehr Superhelden. Die Comics Alliance hat überlegt, wie deren Tweets wohl aussehen könnten.

Die 89-jährige Journalistin Helen Thomas hat Generationen von US-Präsidenten mit ihrer scharfen Zunge zugesetzt. Nun musste sie wegen wegen ihrer unflätigen Kritik an Israel antisemitischen Äußerungen (youtube) das Pressekorps im Weißen Haus verlassen.

Die elfjährige Priyanshi Somani aus Indien ist neue Weltmeisterin im Kopfrechnen.

Carolin Küppers berichtet in der Jungle World über die Arbeitsbedingungen in der südafrikanischen “Sexarbeit” und die erwartete stärkere Repression während der WM.

Eine illustrierte Geschichte über männliche Keuschheitsgeräte findet ihr hier.

Ebenfalls in der Jungle World: Petra Müller thematisiert die vor etwa einem Jahr vom Bundestag beschlossene Verschärfung des Schwangerschaftkonfliktgesetzes und konstatiert: “Wessen Situation sich dadurch verbessert hat, ist weitgehend unklar.”

Urban Outfitters hat mal wieder ein bescheuertes T-Shirt mit der Aufschrift “Eat Less” auf dem Markt – nicht zum ersten Mal.

Die Junge Welt schreibt über Feminismus in der DDR.

Feministing und Muslimah Media Watch rezensierten den neuen Sex and the City II. Muslimah Media Watch befindet:

Any feminism that was in the original series has been trussed to death with accessories—SATC2 is just porn for rich western women.

Feministing hat außerdem noch eine Video-Rezension vorbereitet:


Facebook | |


Friedliche Fahnenträgerinnen

7. Juni 2010 von Nicole

Dass in wenigen Tagen die Fußball-WM in Südafrika beginnt, ist auch für Menschen ohne jedes Fußballinteresse unübersehbar. Die schwarz-rot-goldenen Fähnchen an Autos und Balkonen und die Flut an sonstigen nationalfarbigen Produkten jeder Art sind jedoch ein relativ neues Phänomen. Erst seit der WM 2006 in Deutschland ist eine so inflationäre – und im Übrigen auch kommerzialisierte – Verwendung nationaler Symbolik zu beobachten. In den Debatten um das „Sommermärchen“ vor vier Jahren wurde dies häufig als Zeichen eines „unverkrampften Patriotismus“ gewertet, als Ausdruck eines nicht (mehr) aggressiven deutschen Nationalismus, sondern eines gewissermaßen natürlichen Nationalstolzes, der so auch in anderen Ländern vorkomme.

Die Verknüpfung von Frauen, Nation und Fußball trug einen wesentlichen Teil zu dieser Wahrnehmung und Darstellung bei: Ein vermeintlich „plötzlich“ erwachtes weibliches Interesse für Fußball und eine große zahlenmäßige Präsenz von Frauen bei Public Viewings und im Stadion wurden zu beliebten Themen der Berichterstattung und blieben es auch bei der EM 2008. Die Tatsache, dass auch und gerade Frauen sich mit schwarz-rot-goldenen Fanutensilien ausstaffieren und mit „typisch weiblicher“ Geschicklichkeit aus Deutschland-Flaggen Röcke, Kopftücher, Bikinis usw. zaubern, gilt als weiterer Beleg dafür, dass die nationale Fußballparty eine friedliche Angelegenheit ist.

Um nicht missverstanden zu werden: Auch wenn sie mir persönlich auf die Nerven gehen, sind die schwarz-rot-gold gemusterten feiernden Partymassen einem aggressiven Mob, der womöglich noch schwarz-weiß-rote Fahnen präsentiert, natürlich vorzuziehen. Die Naturalisierung von Nationalismus, die mit dieser Entwicklung einhergeht („Endlich sind auch wir stolz auf unser Land, so wie alle anderen.“) und die sich auch an die spezifische sichtbare Verbindung von Nationalsymbolen und Weiblichkeit knüpft (Wer kann schon einen schwarz-rot-goldenen Bikini als beängstigend empfinden?), gilt es meiner Meinung nach aber kritisch zu hinterfragen. Nicht zuletzt aus dem simplen Grund, weil sich die Geschichte vom weichgespülten Patriotismus weltmeisterlicher Prägung als falsch erwiesen hat. Die Langzeitstudien Deutsche Zustände des Bielefelder Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung unter Leitung von Wilhelm Heitmeyer belegen eine weiter vorhandene Korrelation zwischen Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit. Auch eine um Frauenhüften geschlungene Fahne ist kein Zeichen von Völkerverständigung. Wenige Monate nach der WM bezeichnete Heitmeyer bei der Präsentation der 5. Folge der Deutschen Zustände die These vom guten Patriotismus als „ein Stück Volksverdummung“.


Facebook | |



Anzeige