Einträge mit dem Tag ‘Frauenwahlrecht’


Frauenstreik auf dem Land – Die göttliche Ordnung, ein feiner Film zum Frauenwahlrecht

3. August 2017 von Charlott
Dieser Text ist Teil 32 von 32 der Serie Die Feministische Videothek

Vroni, Nora und Theresa wollen ihre Meinungen nicht mehr verstecken

Es ist das Jahr 1971 und Nora (Marie Leuenberger) lebt mit Mann, zwei Söhnen und dem mürrischen Schwiegervater in einem kleinen Dorf in der Schweiz. Sie kann sich freuen, wenn der Schwiegervater, die Beine hebt, wenn sie staubsaugt. Regelmäßig fährt sie mit dem Fahrrad zum Hof des Schwagers, wo sie mit dessen Frau, Theresa (Rachel Braunschweig), Wäschen zusammenlegt. Theresas Tochter hingegen übt ein wenig den Aufstand: mit lauter Musik und dem mehr oder weniger heimlichen Treffen mit Jungs.

Richtig durcheinander gerät das Dorf- und Familienleben durch die Debatte rund ums Frauenwahlrecht, denn über dieses sollen demnächst die Schweizer Männer abstimmen. Nora, die feststellen muss, dass ihr Mann sie weniger unterstützt als was ihr lieb ist und ihr nicht erlaubt wieder einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, wird plötzlich zur sichtbarsten Frauenwahl-Fürsprecherin im Ort – und bald ist sie in diesem Kampf nicht mehr allein, sondern findet u.a. in der älteren Vroni (Sibylle Brunner) und der italienischen Gastwirtin Graziella (Marta Zoffoli) begeisterte Mitstreiterinnen.

Nora tritt vor die Dorfgemeinschaft.

Die göttliche Ordnung schafft einen warmen, humorvollen Blick auf eine sich politisierende und organisierende Gruppe von Frauen, die nicht nur immer genauer ihre Probleme analysieren, sondern auch im weiblichen Zusammenhalt neue Stärke und Zuversicht finden. Dabei weist der Film auch darauf hin, dass das (fehlende) Frauenwahlrecht nicht allein das Problem ist, sondern Teil eines Gesamtsystems, in dem Männer entscheiden, ob ihre Ehefrauen arbeiten dürfen, junge Frauen weggesperrt werden, wenn sie sich außerhalb enger Normen bewegen, aber auch einige Männer an den starren Geschlechtervorstellungen zerbrechen.

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Petra Volpe hat lange für den Film recherchiert, Archivmaterial gesichtet, mit Akteur_innen gesprochen. Als Ergebnis versucht der Film sich von allzu platten, einfachen Erzählungen zu trennen. Das klappt nicht immer, aber ist doch sehr erfolgreich, wenn als wortgewandte Gegnerin der Frauenwahlrechts-Befürworterinnen eben kein Mann auftritt, sondern Frau Dr. Wipf (Therese Affolter), die Vorsteherin des „Aktionskomitees gegen die Verpolitisierung der Frau“ und Chefin von Noras Mann. Volpe dazu: „Es waren oft sehr gebildete Frauen, Akademikerinnen, Dorfköniginnen, die sich ganz gut eingerichtet hatten, und die vielleicht einfach nicht wollten, dass ihre Köchin auch etwas zu sagen hat. Wenn man Interviews mit ihnen anschaut, kann man von einem fast schon lustvollen Unterwerfungsgestus sprechen. Eine Frau zu zeigen, die auf der Seite der Gegner ist, fand ich spannender, weil es eben mehr Fragen aufwirft.“

Für Die göttliche Ordnung standen nicht nur vor der Kamera viele großartige Frauen, sondern waren auch sonst bei der Filmproduktion viele Frauen (z.B. Judith Kaufmann (Bildgestaltung), Annette Focks (Musik) und Su Erdt (Szenenbild)) beteiligt – in der bis heute eben männlichen dominierten Filmbranche weiterhin hervorhebenswert und auch Volpe betont, dass sie in ihrer Funktion als Regisseurin dazu beitragen kann, dass Frauen Jobs bekommen und ihnen etwas zugetraut wird. Wie schön, wenn bei einem Film, die inhaltlich repräsentierten Politiken auch in der Produktion widerspiegeln.

Ist der Film perfekt? Nein, sicher nicht (so wird beispielsweise die Italiener_innen-feindliche Einstellung vieler gezeigt, aber teils sehr einfach aufgelöst, andere Themen bleiben nur oberflächlich benannt und das Hetero-Kleinfamilien-Glück zentrales Ziel). Doch für einen unterhaltsamen, auch aufbauenden Kinoabend mit den Freund_innen passt dieser Film sehr gut – und die wunderbaren Szenen im Streikhaus der Frauen sind nicht so schnell zu vergessen.

Die göttliche Ordnung läuft ab heute in den Kinos.


Facebook | |


Wer war… Ida B. Wells-Barnett?

30. September 2014 von accalmie
Dieser Text ist Teil 41 von 51 der Serie Wer war eigentlich …

Ida Bell Wells-Barnett war ei­ne US-ameri­kani­sche Jour­na­li­stin, Lehr­er­in und Ak­ti­­vi­­stin, de­­ren En­­ga­­ge­ment für Schwar­­ze Bür­­ger_in­n­en­­rech­­te und Frau­­en­­rech­te im neun­zehn­­ten Jahr­­hun­­dert be­gann. Wells-Barnett wur­­de am 16. Ju­­li 1862 als die er­ste von sie­ben Ge­­schwi­st­ern in Hol­­ly Springs, Mi­­ssi­­ssi­­ppi, in die Skla­­ver­ei ge­­bo­­ren – we­­ni­­ge Mo­­na­­te, be­­vor der US-ameri­kani­sche Prä­­si­­dent Abra­­ham Lin­­coln in der Eman­­zi­­pa­­tions­­er­­klär­­ung zum er­­sten Ja­nu­ar 1863 das En­­de der Skla­­ver­ei in den Süd­­staa­ten er­klär­te (ein Dokument, das für den Großteil in Südstaaten-Sklaverei lebender Schwarzer bis zum Ende des US-amerikanischen Bürgerkrieges 1865 keine tatsächliche Befreiung bedeutete).

Ida B. Wells-Barnett, ca. 1893. © Mary Garrity.

Ida B. Wells-Barnett, ca. 1893. © Mary Garrity.

Wells-Barnetts jüngste Schwester und ihre Eltern (selbst politische Aktivist_innen in der Republican Party), Elizabeth und James Wells, fielen einer Gelbfieber-Epidemie zum Opfer, als sie sechzehn Jahre alt war. Wells-Barnett, nun verantwortlich für ihre fünf jüngeren Geschwister, gab vor bereits volljährig zu sein und wurde daraufhin als Lehrerin in einer Dorfschule in Mississippi angestellt. Als ihre zwei Brüder eine Ausbildung begannen, zog Wells-Barnett 1882 mit ihren drei Schwestern zu einer Tante nach Memphis, Tennessee, wo sie weiterhin Schwarze Schüler_innen unterrichtete.

Als „Direct Action,“ eine Pro­test­stra­te­gie, durch die zum Bei­spiel 1955 Ro­sa Parks im Mont­gom­ery Bus Boy­cott und spä­ter Schwar­ze Bürger_innen­rechts­grup­pen wie das Stu­dent Non-Violent Co­or­di­na­ting Com­mit­tee (SNCC) und der Con­gress for Ra­cial Equa­lity (CORE) nicht nur Auf­merk­sam­keit, son­dern vie­le Er­fol­ge er­ziel­ten, kann man Ida B. Wells-Barnetts Pro­test ge­gen die Se­gre­ga­tion ei­nes Zugs im Jahr 1884 be­zeich­nen. Ob­wohl sie im Besitz eines Erste-Klasse-Tickets für ihre Reise von Memphis nach Nashville war, wurde Wells-Barnett vom Schaffner dazu aufgefordert sich in das einzige Abteil „für Schwarze“ zu begeben, das gleichzeitig das Raucherabteil war. Als Wells-Barnett sich weigerte, wurde sie schließlich von drei Zugangestellten unter dem Applaus weißer Mitreisender gewaltsam aus dem Abteil geschleift. Wells-Barnett erstattete daraufhin Anzeige gegen die Eisenbahngesellschaft, doch das Oberste Verfassungsgericht Tennessees verwarf letztlich ihre Klage und Wells-Barnett musste die 200 Dollar Gerichtskosten tragen. (mehr …)


Facebook | |


Saudi-Arabien führt Frauenwahlrecht ein

27. September 2011 von Magda

Im März riefen einige Frauen aus Saudi-Arabien die Revolution aus, nun gibt es über­raschende Neuig­keiten: Der saudische König Abdullah hat vor Kurzem ent­schieden, dass nun auch Frauen bei den Kommunal­wahlen ihre Stimme abgeben und sich als Kandidatinnen auf­stellen lassen können. Die kommenden Wahlen, die bereits diese Woche statt­finden, müssen allerdings noch ohne Wählerinnen aus­kommen: Die Neu­re­gelung tritt voraus­sichtlich erst ab 2015 in Kraft. Laut ZDFheute hatte sich der 88-jährige Monarch Abdullah, der über das Königreich Saudi-Arabien herrscht, während seiner nun sechsjährigen Regent­schaft immer wieder für „vor­sichtige gesell­schafts­politische Re­formen“ aus­ge­sprochen.

Bislang haben Frauen in Saudi-Arabein keinerlei politisches Mit­sprache­recht. Sie dürfen ohne Be­gleitung eines männlichen Ver­wandten nicht das Haus ver­lassen, werden für viele Berufe nicht zu­ge­lassen und auch das Auto­fahren ist ihnen nicht er­laubt, so N24 und ZDFheute. Erst im Mai wurde Manal al-Sharif, die die Kampagne „Frauen ans Steuer“ ins Leben rief, verhaftet, weil sie selbst ein Auto fuhr.

Aber: Auch Männer können erst seit 2005 und nur bei Kommunal­wahlen ihre Stimme ab­geben. Wie­viel Ein­fluß die Wahlen in Saudi-Arabien haben, ist also frag­lich, denn die Hälfte der Minister wird ohnehin vom König er­nannt.

Mehr zum Thema hat die West-Östliche Diva.

Vielen Dank an unsere Leserin Helena für den Linktipp. Falls ihr einen interessanten Artikel gefunden habt, könnt ihr uns über unser Kontaktformular, Facebook oder Twitter erreichen. 


Facebook | |


Neues vom arabischen Frühling

14. Juni 2011 von Helga

Gestern wurde im Libanon ein neues Kabinett mit immerhin 30 Minister_innenposten angekündigt. Nur dass diesmal keine einzige Ministerin nominiert wurde. Nicht mal mehr die beiden letzten „Deko-Ministerinnen“ sind dabei, kritisiert Nadine Moawad von nasawiya und fragt sich, wie sich Frauen von diesem System noch vertreten fühlen können.

Sara Mously hat für den Freitag Samar Badawi interviewt. Die 32-Jährige Saudi-Araberin kämpft für das Frauenwahlrecht bei den kommenden Kommunalwahlen und folgt damit Protestlerinnen wie Manal Al Sharif, die ihre Landsfrauen via Facebook dazu aufgefordert hatte, am 17. Juni das geltende Autofahrverbot zu brechen.

Bisher blieben sie in der Öffentlichkeit unsichtbar, selbst während der Revolution: Die Frauen in Libyen. Esther Saoub hat sich auf die Suche gemacht und berichtet für tagesschau.de über einer Gruppe Sanitäterinnen. Dabei ist ihre Situation ganz besonders gefährlich.
Gegenüber der BBC erzählen festgenommene Soldaten Gaddafis, dass sie zu Massen­vergewaltigungen gezwungen wurden. Ähnliches beschreiben auch syrische Deserteure, so die Jerusalem Post.

Im Irak sind während einer Demonstration für Demokratie Frauen­recht­ler­innen belästigt und angegriffen worden, berichtet das Ms Magazine. Hintergrund der Proteste ist das Verstreichen der 100-Tage-Frist von Premier­minister al-Maliki, in der wichtige Reformen eingeleitet werden sollten – geschehen war aber nichts.


Facebook | |


Wer war… Fanny Lewald?

24. März 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 26 von 51 der Serie Wer war eigentlich …

Fanny Lewald, geb. Markus, wurde heute vor 200 Jahren am 24. März 1811 in Königsberg als ältestes von neun Kindern geboren. Sie war eine deutsche Schriftstellerin und setzte sich für Frauenrechte ein.

Fanny Lewald (Wikimedia Commons)

Fanny Lewald (Wikimedia Commons)

Bis zum 14. Lebensjahr besuchte Fanny eine Privatschule, danach war ihre Ausbildung offiziell beendet – ein Universitätsstudium blieb ihr verwehrt. Fanny verließ die höhere Töchterschule, um sich mit Handarbeit, Hausarbeit und Klavierspielen auf das Leben einer Ehefrau und Mutter vorzubereiten – so wie ihr Vater es wünschte.

Schon als Kind spürte Fanny den Antisemitismus; mit 19 Jahren trat sie formal zum protestantischen Glauben über. Ein Jahr später nahm die gesamte Familie den Namen Lewald an, wohl in der Annahme, dadurch nicht mehr sofort als „jüdisch“ erkennbar zu sein.

Ab 1840 wurde Lewald schriftstellerisch tätig und veröffentlichte bis zu ihrem Tod Dutzende von Romanen, Märchen, Briefe und autobiographische Schriften, teils anonym, aus Rücksicht auf die Familie. Als 34jährige zog sie nach Berlin und versuchte durch das Schreiben ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

(mehr …)


Facebook | |


40 Jahre Frauenwahlrecht in der Schweiz!

7. Februar 2011 von Magda

Am 7. Februar 1971 – heute vor 40 Jahren – sprach sich rund 66% der stimmberechtigten Männer in der Schweiz für das Frauenwahlrecht auf Bundesebene aus. Die Schweiz war damit das vorletzte Land in Europa, welches Frauen die politische Mitbestimmung gewährte (in Liechtenstein wurde das Frauenwahlrecht erst 1984 eingeführt). Am 16. März 1971 wurde das Stimmrecht für die Schweizerinnen wirksam.

DieStandard.at berichtet:

In den Kantonen waren die Frauen zum Teil schon früher stimm- und wahlberechtigt – so etwa in der Waadt und in Neuenburg (1959) oder in Genf (1960) und Basel-Stadt (1966). Die meisten Kantone führten das Frauenstimmrecht erst nach 1971 ein. Der Kanton Appenzell Innerrhoden musste 1990 vom Bundesgericht dazu gezwungen werden.

Die Sueddeutsche erklärt, warum die Schweiz so lange brauchte, um das Frauenwahlrecht auf Bundesebene einzuführen:

Dass ausgerechnet eine der ersten Demokratien so lange gebraucht hat, um ihren Bürgerinnen das Wahlrecht zu gewähren, liegt am politischen System der Schweiz: Fragen, die die Bundesverfassung betreffen, müssen vom Volk entschieden werden – in Fall des Frauenwahlrechts also von Männern. Obwohl laut Artikel 1 der Schweizer Bundesverfassung schon seit 1848 alle Schweizer vor dem Gesetz gleich sind, war das Wahlrecht in vielen Kantonen an Artikel 18 – „Jeder Schweizer ist wehrpflichtig“ – geknüpft.

In einem Beitrag der oe1.ORF berichtet Carola Schneider, dass der politischen Gleichberechtigung der Frauen ein jahrzehntelanger Kampf vorausgegangen war. So zogen Frauenorganisationen in Protestmärschen in die Bundeshauptstadt Bern und demonstrierten für politische Gleichberechtigung. Der Widerstand der Schweizer Wähler war dennoch groß:

Zuletzt lehnten 1959 zwei Drittel der stimmberechtigten Männer an der Urne das Frauenstimmrecht ab. So meinte ein Mann in einer Umfrage des Schweizer Fernsehens, dass Frauen ihren Platz im Haushalt und in der Armenpflege hätten, nicht aber in der Politik. Auch seine Ehefrau betonte, eine Frau gehöre in die Küche und in den Haushalt.

Eine Bildstrecke zum Thema: 40 Jahre Frauenstimmrecht in der Schweiz (nzz.ch).


Facebook | |


Wer war… Hedwig Dohm?

20. September 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 20 von 51 der Serie Wer war eigentlich …

„Die Frau soll studieren, weil sie studieren will, weil die uneingschränkte Wahl des Berufs ein Hauptfaktor der individuellen Freiheit, des individuellen Glücks ist.“ Hedwig Dohm, 1876

Hedwig Dohm (geborene Schlesinger) wurde am 20. September 1831 als viertes von insgesamt 18 Kindern in eine arme Berliner Familie geboren. Während ihrer Kindheit litt sie unter der prügelnden Mutter und der Tatsache, dass ihr als Mädchen nur eine kurze Ausbildung gewährt wurde.

Hedwig Dohm, um 1870

Hedwig Dohm, um 1870

„Warum mußte ich heimlich, als wär’s ein Verbrechen, lesen? Warum durfte ich nichts lernen? Meine Brüder wollten und mochten nichts lernen und wurden dazu gezwungen.“ (fembio)

Dohm, die später Schriftstellerin wurde und Zeit ihres Lebens für die Rechte von Frauen eintrat, ging mit 15 Jahren von der Schule ab und musste sich fortan um den Haushalt kümmern, während ihre Brüder das Gymnasium besuchen durften. Einige Jahre später wurde ihr doch gestattet, eine Ausbildung zur Lehrerin zu absolvieren.

Mit 22 Jahren heiratete sie Ernst Dohm, den Chefredakteureines eines satirischen Wochenblattes. In den nächsten Jahren brachte sie fünf Kinder auf die Welt, einen Jungen und vier Mädchen. Dohm war es wichtig, dass alle ihre Töchter eine Berufsausbildung erhielten, da sie Erziehung und Bildung und nicht die Biologie für die Entwicklung aller Individuen verantwortlich sah.

In der ersten Hälfte der 1870er Jahre erschienen Dohms erste feministische Schriften, unter vielen anderen „Die wissenschaftliche Emancipation der Frau„, in der sie die rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung von Frauen und Männern forderte. Auch war sie zu jener Zeit eine der ersten, die sich für das Frauenwahlrecht einsetzte.

Mehr Informationen zu Dohms Biographie und eine Sammlung ihrer Essays, Romane und Erzählungen findet ihr auf zeno.org. Ein Kurzfilm zu Hedwig Dohm mit Interviews u.a. mit Alice Schwarzer und szenischen Lesungen gibt es auf youtube.
______________________

Für die Reihe “Wer war…” freuen wir uns über eure Vorschläge oder auch Gastblogger_innen, die ihre Lieblingsfeminist_innen vorstellen. Vorschläge/Beiträge einfach an post[at]maedchenmannschaft[dot]net senden.


Facebook | |


Women, we want you!

26. August 2010 von Magda

Am 26. August 1920 trat der 19. Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung in Kraft, mit dem Frauen in allen US-Bundesstaaten das Wahlrecht erlangten. Anlässlich des 90jährigen Jubiläums des US-Frauenwahlrechts in diesem Jahr erschien dieser Text im aktuellen Missy Magazine.

Als die 19-jährige Charlotte Woodward im Jahre 1848 von der geplanten Frauenrechtsversammlung im ländlichen Seneca Falls hörte, war sie sofort Feuer und Flamme: Endlich Hoffnung auf einen besseren Lohn für die junge Näherin. Auf der Versammlung im Bundesstaat New York, die später zum offiziellen Beginn der ersten US-amerikanischen Frauenrechtsbewegung erklärt wurde, wurden fast alle Vorschläge ohne Gegenstimmen angenommen: Gleichberechtigung in der Ausbildung und ein geschlechtergerechtes Eigentums-, Scheidungs- und Sorgerecht. Nur eine Forderung überzeugte nicht alle Anwesenden: Das angestrebte Frauenwahlrecht. Es erschien befremdlich, ja fast unerhört! Zu hoffnungslos erschien der Vorschlag, welcher nach langer Diskussion letztlich dann doch auf der Agenda landete.

So entstand die so genannte Declaration of Sentiments, deren Postulat der “Gleichheit aller Menschen“ nicht nur für männliche Weiße gelten sollte (wie noch die Unabhängigkeitserklärung), sondern für alle. Schwarze Männer erhielten bereits im Jahr 1870 mit dem 15. Zusatzartikel das Wahlrecht, das Stimmrecht für Frauen auf Bundesebene blieb dagegen auch Jahrzehnte nach der Erklärung von Seneca Falls bloße Theorie.

Frauenwahlrechtskämpferinnen vor dem Weißen Haus via wikimedia commons

Frauenwahlrechtskämpferinnen vor dem Weißen Haus via wikimedia commons

Bis US-Amerikanerinnen das allgemeine Frauenwahlrecht erlangten, wurden noch dutzende Volksentscheide durchgeführt, etliche Anträge um Verfassensänderung formuliert, hunderte Versammlungen und Demonstrationen organisiert und über 200 Suffragetten verhaftet. Als im August 1920 – zwei Jahre nachdem Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt hatte – Frauen endlich das erste Mal bei einer Präsidentschaftswahl ihre Stimme abgeben durften, war die einzige noch lebende Teilnehmerin von Seneca Falls die Näherin Woodward. Die nun über 90-jährige war selbst nicht mehr in der Lage, an die Wahlurne zu treten. Aber für Millionen von US-Amerikanerinnen wurde in jenem Jahr der Grundstein der politischen Mitbestimmung gelegt.


Facebook | |


Von Bullen, Stieren und Kleidern. Blogschau zum Wochenende

21. August 2010 von Nicole
Dieser Text ist Teil 5 von 295 der Serie Die Blogschau

Wir starten mit Lesetipps: Seit dem 16. August im Handel: die neue missy, nicht nur mit neuen Wörtern, sondern auch mit neuem Design! Zwischengeschlecht.info kündigt das Buch von Christiane Völling „Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle“ an, das am 25. August beim Fackelträger-Verlag erscheint.

Weiter geht’s mit schönen Blog-Metaphern: light-inside.de stellt (wohl auch nach dem taz-Artikel zum Thema weibliche Bloggerinnen) fest: Die einen reiten Bullen, die anderen packen den Stier bei den Hörnern.

Beim mädchenblog wurde die Politik der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ beim Einsatz in Pakistan kritisiert: Wie viel und welche Rücksicht auf Kultur und Religion ist hinnehmbar? diestandard.at berichtet über ein Urteil aus Oslo: Das geltende Kopftuchverbot für Polizistinnen in Norwegen verstößt gegen das Gleichheits- als auch gegen das Anti-Diskriminierungsgesetz.

Das Antisexistische Aktionsbündnis München weist auf eine Aktion gegen Sexismus und Homophobie im Reggae hin: Beim Chiemsee Reggae Summer wird am 28. August die Auseinandersetzung vor Ort „intensiviert“. Zeit zum Baden soll aber auch sein.

Antje Schrupp machte sich Gedanken zum Vergleich zwischen Kinderwahlrecht und Frauenwahlrecht. Und bei Anke Gröner ging es diese Woche um Kleidung und Körpergefühl und darum mal mit Fehlersuche bei sich und anderen aufzuhören.

Und zum Schluss ein kleiner Aufruf: Mrs. Pepstein möchte am 28. September nicht aus dem Studio senden, sondern live „von draußen“ berichten, zum Beispiel aus eurer Küche. Bewerben jetzt!

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


Facebook | |


Wer war… John Stuart Mill?

20. Mai 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 14 von 51 der Serie Wer war eigentlich …

John Stuart Mill wurde am 20. Mai 1806 in London geboren und verstarb am 8. Mai 1873 in Avignon. Mill war ein englischer Philosoph und Ökonom und gilt als einer der einflussreichsten liberalen Denker_innen des 19. Jahrhunderts.

John Stuart und Harriet Taylor Mill

John Stuart und Harriet Taylor Mill

Mills Kindheit war von der Strenge seines Vaters James Mill bestimmt, welcher ihn in Griechisch, Latein, Algebra, Philosophie, Geschichte und Wirtschaft ausbildete. Beeinflusst durch den englischen Juristen und Philosophen Jeremy Bentham lehrte James Mill seinem hochbegabten Sohn den Gedanken des Utilitarismus („Handle so, dass das größtmögliche Maß an Glück entsteht“). Mit seinem Modell des maximalen Nutzens, welches einen starken Fokus auf individuelle Freiheit setzte, rechtfertigte John Stuart Mill in seinem 1861 geschriebenen Essay The Subjection of Women* die Forderung nach der Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft. Sein Werk gilt als eines der ersten systematischen Analysen zur Situation der Frauen** im 19. Jahrhundert.

In The Subjection of Women diskutiert Mill die möglichen Ursachen der Ungleichstellung von Mann und Frau, wie sich dieses Ungleichgewicht in Kultur, Politik und in der Gesetzgebung manifestierte und welche Chancen für die Gesellschaft dadurch verloren gehen. Seiner Analyse nach hindere die geschlechtsspezifische Sozialisation Frauen daran, ihr persönliches Potential – und für Mill noch zentraler: auch das der Gesellschaft – auszuschöpfen. (mehr …)


Facebook | |



Anzeige