Einträge mit dem Tag ‘Frauensolidarität’


Überflüssige Orgasmen und Hysterie – über die Erforschung der Frau

30. Dezember 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 49 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Weißes Buchumschlagbild mit goldener Schrift: Woman - Darunter klein und schwarz: An Intimate Geography – Ein aus 3 Strichen stilisierter weiblicher Intimbereich – NATALIE ANGIER Winner of the Pulitzer PrizeAls „eine wissenschaftliche Fantasie des Frauseins“ versteht Autorin Natalie Angier ihr Werk “Woman: An Intimate Geography”. Tatsächlich dreht sich alles um den Teil der Menschheit, der von der Wissenschaft bis heute noch zu oft vernachlässigt wird: Die Frau und alles, was sie ausmacht.

Warum gibt es einen weiblichen Orgasmus und warum wird die Durchschnittsbrust seit Jahrzehnten immer umfangreicher? Nur einige von zahlreichen Fragen, deren Antwort noch immer ausstehen. Hier fasst Angier die verschiedenen Theorien und Beweise zusammen, gibt Einblicke in die (männlich geprägte) Wissenschaftsgeschichte und zeigt die komplexen Verwicklungen mit Alltagskultur und Politik auf. Auch die Geschichte der weiblichen Hysterie, ausgehend von der Gebärmutter (griech. ὑστέρα/hystera) darf da nicht fehlen. Dabei geht es nicht nur um die harten Fakten von Gebärmutter und Genetik, sondern auch die gesellschaftliche Einordnung. Die Frau als schwaches, passives und weiches Wesen – naturgegeben sei das nicht.

Als Mutter, die sich für ihre eigene Tochter ein noch besseres und gerechteres Leben wünscht, zeigt sich Angier auch als ausgesprochene Feministin, die unter den tausenden Jahren patriachaler Traditionen die Möglichkeit zu mehr globaler, weiblicher Solidarität sieht. Ausgehend von Naturvölkern oder unseren nächsten Verwandten, die Affen, leht sie sich hier etwas aus dem Fenster. Aber schließlich soll das Buch auch mehr sein, als nur das Vorstellen wissenschaftlicher Erkenntnisse, eben eine „Fantasie“. Und: viele populäre Annahmen stehen auf wissenschaftlich wackligeren Füßen. Die Verbindung von Aggression und Testosteron ist so wenig bewiesen, wie evolutionäre Psychologie sich auf historische Fakten berufen kann. (weiterlesen …)


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Das wird mir alles nicht passieren

11. November 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 47 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

In ihrem neuen Buch „Das wird mir alles nicht passieren… Wie bleibe ich FeministIn“ erzählt die österreichische Autorin Marlene Streeruwitz (geboren 1950) von Situationen, die es häufig gibt: Eine Frau erfährt, dass ihr Liebhaber seine Ehefrau trotz vieler Versprechen nicht verlassen wird, eine Kranke wird von ihrem Mann mit der Pflegerin betrogen, ein Hausmann ist unglücklich neben seiner immens erfolgreichen Gattin. Die Geschichten sollen kein düsteres, trauriges Abbild des Lebens sein, sondern uns vielmehr aufrütteln, jeden Tag aufs Neue für Freiheit und das Recht auf Würde zu kämpfen. Und uns nicht von gut gemeinten Patentrezepten für ein perfektes Leben beirren lassen! Ich habe in Salzburg mit der Autorin gesprochen.

Haben Sie einen Ratschlag für die junge Frauen-Generation, die Berufsleben und Familienplanung noch vor sich haben? Gibt es Fehler, die zu vermeiden sind?

Ich würde ihnen raten, keine Angst vor Fehlern zu haben, weil in den Fehlern das Leben natürlich am meisten enthalten ist. Aber sie sollten versuchen, die Fehler so zu minimieren, dass sie sie managen können. Also, dass es nicht zu viele Fehler auf einmal gibt, und dass dieses große Unglück, das wir ja kennen in Frauenbiografien, dass das nicht über sie hereinbricht.

Ich würde auch immer raten, dass Frauen darauf achten, dass ihre Partner sie nicht zwingen, ihre eigenen Welten aufzugeben. Wenn jemand das verlangt, bedeutet das, das Eigene aufzugeben und sich eben hinzugeben. Das ist ein Machtverlust, der sehr genau zu überlegen ist.

Ich hatte beim Lesen Ihres Buches das Gefühl, das die von Ihnen beschriebenen Beziehungen auch daran scheitern, dass Menschen sich in Abhängigkeiten gebracht haben. Romantik hin, Romantik her, wie kann man das denn schaffen, dass man sich selbst in einer Partnerschaft nicht vergisst?

Wir wollen alle ein schönes Leben führen, wir wollen ein spannendes Leben führen, wir wollen ein sexuelles Leben führen, wir wollen ein erotisches Leben führen … Natürlich ist es ganz unrealistisch anzunehmen, dass uns das alles gelingen wird. Deshalb müssen wir immer wieder die Grundfrage stellen: „Ist das jetzt alles richtig für mich?“

Wir brauchen Personen, die durchgängig als Beobachter und Zeugen des eigenen Lebens existieren. Die gute Freundin oder die guten Freundinnen sind für eine Frau sehr wichtig, weil daran gesehen werden kann, wie weit sich eine Person von sich selbst entfernt. Zum Beispiel, um mit einem Mann mitzukommen. Mit einer solchen Unterstützung kann sie sagen, „…ist das jetzt gscheit oder ist es nicht gscheit“. Und ich finde auch, wenn eine Frau sagt, „es ist nicht gscheit“, aber es zahlt sich aus für sie, und sie weiß, welche Konsequenzen es sind, dann sollte sie es selbstverständlich machen. Denn diese Angst vor Unglück, darum kann es nicht gehen. Das ist auch etwas, was ich an diesen Emanzipations-Ratgebern nicht mag. Unglück ist eine selbstverständliche Folge von selbstverständlichem Leben und muss halt bewältigt werden.

Marlene Streeruwitz, „Das wird mir alles nicht passieren… Wie bleibe ich FeministIn“. Fischer-Verlag, 9,95 EUR. Auf der Website http://wie.bleibe.ich.feministin.org/ kann über die Geschichten diskutiert werden, sie können sogar online weiter geschrieben werden … und die Autorin liest und diskutiert mit.

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Frauen – Macht – Aufsichtsrat

17. Juni 2010 von Barbara

Ursula Niemann ist einer der Köpfe hinter der parteiübergreifenden Organisation “Nürnberger Resolution“, einer Projektgruppe, die in Nürnberg gestartet wurde, inzwischen aber auch in Aachen, Berlin, Bremen, München, Marburg/Biedenkopf, Rhein/Main und Stuttgart verankert ist – bislang. Die Nürnberger Resolution spricht sich für die Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten und Führungspositionen aus. Im Interview stellt Ursula Niemann Profil und Forderungen der Nürnberger Resolution vor.


Frau Niemann, was sind die Forderungen der Nürnberger Resolution?

Der Inhalt der Nürnberger Resolution besteht aus vier Forderungen:

• entsprechend dem norwegischen Modell im Aktiengesetz festzulegen, dass die Aufsichtsräte deutscher Aktiengesellschaften bis zum Jahr 2013 jeweils mindestens zu 40 Prozent mit Frauen und Männern besetzt sein müssen,
• die Definition von Qualifikationsstandards für männliche und weibliche Aufsichtsratsmitglieder und die entsprechende gesetzliche Verankerung,
• den Aufbau und die Weiterentwicklung einer zentralen Datenbank, in die sich alle potentiellen Aufsichtsratsmitglieder eintragen können und
• ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft u.a. zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen

Wenn die Aufsichtsräte deutscher Aktiengesellschaften auch mit Frauen besetzt sind, wie wird sich das auf die Firmen auswirken?

Firmen mit Frauen und Männern an der Spitze sind erfolgreicher. Dazu gibt es eine offizielle Studie von McKinsey. Zudem gibt es Feststellungen, dass dringend eine Qualifizierung erforderlich ist. In unseren Forderungen ist das ein wesentlicher Punkt: Qualifizierung der Aufsichtsräte für Männer und Frauen.

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Vorbilder gesucht, die zweite

15. Dezember 2009 von Barbara

Das E-Mentoring Programm CyberMentor geht in eine neue Runde auf der Suche nach Vorbildern, wir haben berichtet. Weibliche Vorbilder – das ist ein großes Thema, so ging es kürzlich auf einer politischen Diskussionsveranstaltung auch um die Suche nach weiblichen Vorbildern. Ein junges Publikum, zwischen Schule und Uni/Ausbildung, mehr Frauen als Männer, tat sich schwer. Es kamen ein paar Vorschläge, ausschließlich von Männern genannt:

Maria Furtwängler, weil sie Familie und Karriere gut vereinbaren könne. Heidi Klum, weil auch sie Familie und Karriere gut vereinbaren könne. Mehrere merkten an, dass bei beiden Geld keine Rolle spielen würde, demnach die Vereinbarkeit keine große Kunst sei. Dann schlug einer Renate Künast vor, weil sie ihre eigene Meinung sage, und gut aussehe, wenn auch sie dem Geschmack des Vorschlagenden nicht entspreche Endlich ein Zwischenruf von einer jungen Frau: Lena Odenthal sei doch auch ein Vorbild. Auf Nachfrage, ob die Fernsehfigur Lena Odenthal oder die Schauspielerin Ulrike Folkerts gemeint sei, kam keine Antwort.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der BAT Stiftung für Zukunftsfragen befasst sich auch mit Vorbildern:

Auf die Frage, welche Personen aufgrund ihrer Eigenschaften, Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale „als Vorbild dienen“ können, nennt die junge Generation im Alter bis zu 29 Jahren Mutter Teresa (24%), Martin Luther King (20%) und Mahatma Gandhi (15%), Anne Frank (14%), Geschwister Scholl (11%) und Graf von Stauffenberg (7%). Dies geht aus einer aktuellen Repräsentativbefragung hervor, in der die BAT Stiftung für Zukunftsfragen 2.000 Personen ab 14 Jahren nach zeitlosen Vor- und Leitbildern der Jugend gefragt hat. (Hervorhebungen von mir)

Bleibt anzumerken, dass hinter dieser Studio British American Tobacco steckt. Dennoch ist es erstaunlich, dass die in der oben stehenden Umfrage genannten Vorbilder alle tot sind.


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Solidarität unter Frauen

21. Dezember 2007 von Barbara

In der aktuellen Ausgabe des Magazins Fluter geht es um Solidarität. Solidarität unter Frauen ist nach wie vor etwas anderes als die lässige Männerfreundschaft. Warum das so ist, haben Susanne und Barbara in einem Essay erklärt.

Es gibt “Männerfreundschaften”, und es gibt “Frauensolidarität”. Das eine klingt nach einer privaten Angelegenheit, nach Fußballspielen und Zusammenausgehen, das andere nach einer gesellschaftlichen Instanz, nach Demonstrationen, auf denen “Wir fordern eine Quote”-Transparente geschwenkt werden. Doch in Wahrheit sind die Verhältnisse häufig anders herum: Frauensolidarität beschränkt sich fast ausschließlich auf private Freundschaften, im öffentlichen Leben aber sind es die Männerbünde, durch die Karrieren gemacht werden und in denen Einfluss verteilt wird. Wer wissen will, warum Frauen lieber bei einem Cappuccino plaudern anstatt gemeinsam für ihre Interessen zu kämpfen, muss an vielen Stellen suchen. Antworten gibt es im modernen weiblichen Selbstverständnis, im Berufsalltag, in der Kindheit


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