Einträge mit dem Tag ‘Frauenrechte’


Rechtlosigkeit trifft Fanatismus: Selbstmord-Attentäterinnen im Irak

27. November 2009 von Magda

Die Leiterin des Baghdad-Büros der New York Times, Alissa J Rubin, schrieb auf guardian.co.uk einen interessanten Artikel mit dem Titel  Inside the Mind of a Female Suicide Bomber, in dem sie die Beweggründe irakischer Selbstmord-Attentäterinnen skizziert.

In den letzten Jahren gelang es anti-amerikanischen Widerständlern immer seltener, geplante Anschläge in die Tat umzusetzen, da auf öffentlichen Plätzen und vor Regierungsgebäuden in Irak auf Grund von sich häufenden Selbstmordattentaten erhöhte Sicherheitsstufen implementiert wurden. Die Tatsache, dass Frauen weniger als potentielle Täterinnen gesehen und demnach seltener auf Sprengstoff untersucht werden, benutzten die Widerständler zu ihrem Vorteil:

Quelle: http://alhannah.com

www.alhannah.com

Die weite und bodenlange Abaya, das traditionelle Gewand vieler Irakerinnen, ist das ideale Versteck für Unmengen an Sprengstoff. Auf Verdacht eines Attentats müsste man demnach alle Frauen untersuchen, die dieses Gewand tragen, was bei der verhältnismäßig kleinen Anzahl an den in Irak stationierten Soldatinnen kaum möglich ist. Wie Rubin betont, spielt hier außerdem eine Rolle, dass AmerikanerInnen im Umgang mit irakischen Frauen angeblich eher vorsichtig sind, um die “Sittsamkeit” der Irakerinnen durch Durchsuchungen nicht zu verletzen.

Bisher haben sich rund 60 Selbstmord-Attentäterinnen in die Luft gesprengt und mehrere hunderte Menschen mit in den Tod gerissen. Attentäterinnen bekommen für ihren “Dienst” weniger Lohn als ihre männlichen Pendants. Wie Rubin beschreibt, spielt Rache an den amerikanischen BesetzerInnen und religiöser Eifer eine bedeutende Rolle für Frauen. Die meisten der Attentate fanden im Jahre 2007 und 2008 statt – die Zahlen gingen dieses Jahr insgesamt für Männer und Frauen zurück. Auf Grund der hohen Todesrate der Selbstmord-AttentäterInnen ist es selbstverständlich schwierig, sie zu verhören und ihre Beweggründe zu verstehen.

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Nicht aufgeben

23. Juni 2009 von Barbara

Auch wenn die iranische Regierung nach der Präsidentschaftswahl quasi eine Nachrichtensperre für aktivistische und kritische Meinungen verhängt hat, bloggt das Team von “4equality“ in Iran weiter und fordert weiterhin mehr Rechte für iranische Frauen. Dieser Eintrag ist von gestern:

We, the undersigned activists of the women’s rights movement, condemn the violence and humiliation that has continued to be perpetrated against Iranian women and men in recent years and which is aimed at repressing them. We emphasize our continued commitment to achieving the demands of the women’s rights movement, which has had a profound role in educating the public and in civil struggles in recent years, and we express our solidarity with those who protest the results of this election. We demand that those arrested in recent days be released without condition and we call for securing and protecting civil and political freedoms.

Mein Mailkontakt zu einer der Bloggerinnen ist seit drei Tagen abgerissen. In ihren letzten Mails schrieb sie, dass 3 Personen in der Azadi Street in Teheran getötet wurden, dass 5 Studierende an der Universität in Teheran getötet wurden und 1 Person in Shiraz … die Polizei überwacht ihre Telefone, sie ist in Gefahr, und die Islamische Regierung verhaftet Aktivisten …

Ich denke an euch.


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Gleichbehandlung in Sachen Spätabtreibung

23. Juni 2009 von Barbara

Auf Spiegel Online gibt es ein Interview mit der Psychiaterin Anke Rohde zum Thema Spätabtreibung (über die Neureglung haben wir bereits berichtet). Eine Idee gefällt mir gut daraus:

Die Politik müsste dafür sorgen, dass im Sinne der Gleichbehandlung Frauen in allen Regionen Zugang zu diesen Eingriffen haben. Zum Beispiel, indem nur wenige hochqualifizierte Zentren diese spezielle Diagnostik durchführen dürfen, die dann auch offiziell zuständig sind für die Indikationen und die Abbrüche. Das setzt voraus, dass diese Zentren neutral geführt werden. Die Kollegen dort dürfen als Maßstab nur die körperliche und seelische Gesundheit der Frau sehen, so wie es das Gesetz verlangt, und nicht eine Weltanschauung.

Diese Gleichbehandlung sollte natürlich nicht nur den gleichen, direkten, freien Zugang ermöglichen. Sondern Hand in Hand mit einer Legalisierung gehen. Denn nach wie vor bezweifle ich, ob es das richtige Zeichen von Seiten des Gesetzgebers ist, die Entscheidung “Schwangerschaftsabbruch oder nicht” mit Einführung eines Bußgeldes bei Missachtung der offiziellen Regeln in die gefühlte Nähe einer Geschwindigkeitsübertretung beim Autofahren zu rücken.


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Von einem Matriarchat

16. Juni 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 29 von 44 der Serie Die Feministische Bibliothek

Der argentinische Arzt, Journalist und Fotograf Ricardo Coler hat bereits mehrere Bildbände und Reportagen über Matriarchate veröffentlicht. Sein 2005 in Argentinien erschienenes Buch „Das Paradies ist weiblich“ über eine ethnische Minderheit in China, die Mosuo, wurde in Argentinien schnell zum Bestseller. Nun ist es auf Deutsch erschienen. Coler besuchte für längere Zeit die Mosuo. Eine Gemeinschaft von etwa 35.000 Menschen in der Provinz Yunnan. Sie betreiben Ackerbau und Viehzucht sowie Handel mit den benachbarten Dörfern. Sie sind gläubige Buddhisten und leben in einem Matriarchat. Was bedeutet die Umkehrung der für uns gängigen Machtverhältnisse für den Alltag dieser Menschen? Einige Beispiele:

  1. Die Mosuo leben zusammen mit ihren Blutsverwandten: Familienoberhaupt ist immer eine Frau – die Matriarchin. Das kann die Großmutter, die Mutter oder die älteste Tochter sein. Alle anderen Familienmitglieder ordnen sich der Matriarchin unter. Sie sind alle mit ihr verwandt – ist es etwa die Großmutter, sind es ihre Töchter und Söhne, Enkeltöchter und Enkelsöhne. Die leiblichen Väter leben nicht mit ihren Kinder oder Partnerinnen zusammen.
  2. Es gibt keine feste Partnerschaft zwischen Mann und Frau wie wir sie kennen, sondern etwas, das im Buch als „Besuchsehe“ bezeichnet wird. Jeden Abend empfängt eine Mosuo-Frau einen Mosuo-Mann ihrer Wahl als Besuchs-Geliebten. Es kann jede Nacht derselbe, oder auch jede Nacht ein anderer sein. Der Mann bleibt über Nacht, zeugt möglicherweise ein Kind, und verlässt im frühen Morgengrauen wieder das Zimmer der Frau. An ihrem Alltagsleben und an ihrer Familie nimmt er keinen Anteil.
  3. Die Frauen haben das Sagen. Und die Arbeit – sie packen mit an, schmeißen den Haushalt und kontrollieren das, was die Männer in ihrem Auftrag erledigen. Lediglich in ganz großen Belangen fällen Männer Entscheidungen, z. B. im Viehkauf oder Hausbau. Coler zitiert dazu eine der Matriarchinnen: „Große Entscheidungen, na ja, nichts wirklich Wichtiges, aber das können die Männer, und sie nehmen uns damit das ein oder andere Problem ab.“

Schwer vorzustellen, ein solcher Alltag. Diese Macht der Frauen scheint die Männer sehr zu entmündigen. Das Zusammenleben der Mosuo erscheint auch Coler nicht sehr ausgeglichen:

„Wie es einer Gemeinschaft von Müttern entspricht, werden die Männer wie Kinder behandelt. Ich frage mich, ob das nicht Einfluss auf die erotische Anziehungskraft dieser Männer hat. Die Frauen verhalten sich wie verantwortungsvolle Erwachsene, sie nehmen ihre Arbeit ernst. Der Mann hingegen erhält Befehle, er wird gescholten, … verbringt viel Zeit mit seinen Freunden, fühlt sich für nichts verantwortlich, wechselt ständig die Geliebte und wohnt das ganze Leben bei seiner Mutter.“

Warum begehren die Mosuo-Männer nicht auf? Fordern Gleichberechtigung?

An manchen Punkten jedoch hat das Matriarchat richtiggehend Vorbildcharakter: Eine Matriarchin zum Thema Kinder & Beruf:

„Eine Frau bekommt ihr Kind und bleibt fast ein Jahr bei ihm. Sie gibt ihm zu essen und beschäftigt sich mit ihm. Wenn es Zeit wird, zur Arbeit zurückzukehren, übergibt sie den Sprössling der Großmutter. Und die älteren Tanten sind ja auch noch da. Die Mutter kann in ihren gewohnten Alltag zurückkehren, und das Kind wächst trotzdem im häuslichen Umfeld auf.“

„So einfach ist das“, meint Coler dazu. Klingt einfach, aber ist es das auch? Fehlt dem Kind nicht der leibliche Vater? Nach dem Lesen dieses Buches bleiben Fragen unbeantwortet. Man möchte selbst nach China reisen und Antworten auf die Fragen suchen, die das Buch nicht beantwortet oder gar nicht erst stellt. Warum hat sich bei den Mosuo ein Matriarchat entwickelt? Warum hat es so lange durchgehalten, als Ausnahme im patriarchalischen China? Und warum haben nicht auch einige der umliegenden Regionen diese Gesellschaftsform übernommen? Seit Maos Herrschaft, so schreibt Coler, hat die chinesische Regierung zwar immer wieder versucht, die Mosuo umzukrempeln. Zwangsehen, Zwangswohngemeinschaften, strenge Gesetze – was auf Dauer aber alles nichts bewirkt hat. Einige Soldaten seien bei den Mosuo geblieben, weil ihnen die selbstbewussten Frauen so gut gefallen hätten.

An manchen Stellen erscheinen mir Colers Fragen etwas boulevardesk. Er möchte von den Mosuo für meinen Geschmack zu häufig wissen, wie sie über Verlieben, Eifersucht, Fremdgehen oder dem Bedürfnis nach fester Bindung denken. Die anderen wichtigen Themen wie z. B. dass es keine Homosexualität bei den Mosuo gibt (Warum? Kann das sein? Oder hat man ihm das einfach nicht erzählen wollen?), dass die Mädchen in der Schule immer gut und wissbegierig sind, die Jungen aber nicht, und deswegen die Schulen auch oft wieder verlassen müssen (Liegt das hier an der Erziehung? Warum sind die Jungen eher nur am Dösen und Spielen, nicht am Lernen interessiert?), kommen leider etwas kurz. Dennoch bleibt „Das Paradies ist weiblich“ ein höchst interessanter Einblick in ein lebendiges Matriarchat.

Ricardo Coler, „Das Paradies ist weiblich. Eine faszinierende Reise ins Matriarchat.“ Aufbau Verlag, 2009. Gebunden. 165 Seiten.

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Frau sein in Afghanistan

4. Mai 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 26 von 44 der Serie Die Feministische Bibliothek

Wer Khaled Hosseinis Bestseller „Drachenläufer“ und „Tausend strahlende Sonnen“ liest, gewinnt einen bleibenden Eindruck von Afghanistan, dem Alltag in Kabul und der Veränderung dieses eigentlich friedlichen, traditionellen Lebens durch die sowjetische Besatzung und die spätere Machtergreifung der Mudschaheddin. Doch das, was bei Hosseini Fiktion ist, die sich auf historische Fakten stützt, ist in Mári Saeed Buch „Mein Kabul – mein Deutschland“ Wirklichkeit.

Saeed geboren 1966 in Kabul, wächst bei ihren Eltern und ihren älteren Geschwistern in einem liberalen, wohlhabenden Zuhause auf. Im Gegensatz zu vielen anderen Familien freut sich ihr Vater über ihre Geburt, trotz der Tatsache, dass sie nur eine weitere Tochter für ihn ist. Diese Freude ist wohl eine Reaktion auf seine eigene Kindheit, über die sie schreibt: „Vor allem die Frauen waren benachteiligt worden. Das empfand er als falsch. Er war deshalb sein ganzes Leben sehr bemüht, Frauen gegenüber gerecht zu sein. Für ihn war eine Tochter ebenso viel wert wie ein Sohn.“ Man kann sagen, dass im Verhalten ihres Vaters, in seinem Bemühen, seine Töchter nicht gegenüber seinen Söhnen zu benachteiligen, obwohl das für die afghanische Tradition eigentlich selbstverständlich ist, das Glück von Saeed begründet liegt.

Mári Saeed besucht die Schule, in der sie ehrgeizig und wissbegierig ist. Sie studiert in Russland und arbeitet, zurück in Afghanistan, als Ausbilderin für Lehrerinnen und Lehrer. Eine Heirat im Teenageralter – eine für ihre Heimat absolut übliche Angelegenheit – kann sie abwenden, wieder durch das Verständnis ihres Vaters, der ihr erlaubt, selbst zu entscheiden, wen sie heiraten möchte und wann. So verläuft ihr Leben anders als das ihrer Schwestern, die früh heiraten – und früh Leid erfahren.

Eine wird von ihrem brutalen Ehemann immer wieder gedemütigt und geschlagen. Eine muss mit ihren Kindern aus Afghanistan fliehen, nachdem ihr Ehemann aufgrund seiner politischen Gesinnung von den Taliban erschossen wird. Eine verliert zuerst ihre beiden Töchter, die mit Taliban zwangsverheiratet wurden; kurz darauf wird sie von ihrem eigenen Zwangsehemann, auch einem Taliban, wegen ihres Ungehorsams zu Tode geprügelt.

Auch Mári Saeed heiratet, und auch ihre Ehe ist problematisch, ihr Mann gewalttätig, und Hilfe vonseiten der Familie aufgrund starrer Traditionen und strengem Ehrbegriff fast nicht möglich. Da sie aufgrund ihres Russlandstudiums von den Taliban verfolgt wurde, flieht sie nach Deutschland. Dort lebt sie in Asylunterkünften, teils mit ihrem Mann, teils ohne ihn, immer in Sorge um ihre beiden Töchter, die unter der Gewalttätigkeit ihres Vaters sehr leiden. Ihre Ehe würde man mit westeuropäischen Maßstäben betrachtet als Katastrophe bezeichnen: Ihr Mann beleidigt sie regelmäßig, betrügt sie, schlägt sie und bedroht ihr Leben. Dass sie dieser Beziehung über lange Zeit, auch noch nach ihrer Flucht aus Afghanistan in Deutschland immer wieder eine Chance gibt, und sogar, nachdem sie mit den Kindern in ein deutsches Frauenhaus geflohen war, zu ihm zurückkehrt, erklärt sie mit der Angst vor der eigenen Freiheit. Sie versteht sich selbst auch im Vergleich mit dem Verhalten anderer Frauen in ähnlichen Situationen: „…häufig war ihnen zu Beginn schon der Gedanke an ein selbstständiges Leben allein zu riskant. Meistens gingen diese Frauen jedoch wieder zu ihren Männern zurück, weil sie keinen anderen Ausweg sahen.“

Als Mári Saeed endlich genügend Mut findet, ein Leben allein, aber in Freiheit zu führen, erkennt sie auch, dass sie anderen Frauen helfen kann, indem sie ihnen einen Weg in die Selbstständigkeit zeigt. Auch im deutschen Asylzuhause sieht sie Afghanistan als ihr Heimatland an, sie möchte besonders den Frauen dort helfen, etwa in dem sie den Bau eines Frauenhauses oder rechtliche und psychologische Unterstützung vor Ort zu ermöglichen versucht.

Der Schwachpunkt dieses Buches ist handwerklicher Natur; manche Passagen wirken wirr und unnötig redundant, auch ist die Sprache an einigen Stellen etwas ungelenk. Dies liegt wohl daran, dass Mári Saeed keine Muttersprachlerin ist und das Buch auf Deutsch verfasst hat, in Zusammenarbeit mit einer Coautorin, Liane Lehnhoff, die sich seit Jahren für Terre des Femmes engagiert.

Doch unabhängig dieser Schwäche bleibt diese Geschichte eine pulsierende Energiezelle: Es ist wichtig, etwas zu wollen, etwas aus dem eigenen Leben zu machen. Wissbegierig sein. Mut zu haben. Sich Verbündete suchen. Und nicht in eine Angststarre zu fallen. Denn Angst verhindert, dass man sich wehrt. Eine Frau kann sich wehren, erscheint ihre Situation auch noch so ausweglos. Als Mári Saeed zusieht, wie ihr Mann seine Mutter schlägt, schreit sie laut auf. „Ich hatte mich durch mein Schreien gewehrt. Und er hatte vor diesem Schrei Angst bekommen, denn alle anderen geschlagenen Frauen, die er kannte, wehrten sich nicht, sondern erniedrigten sich flehend und jammernd.“

Mári Saeeds Geschichte ist gut ausgegangen. Und gibt denen Hoffnung, die noch für ein gutes Ende kämpfen müssen, ob in Afghanistan oder in Deutschland. Wie Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von Terre des Femmes im Nachwort des Buches schreibt: „Die couragierte Menschenrechtlerin leistet einen unverzichtbaren Beitrag, damit die Menschen der beiden Kulturkreise miteinander ins Gespräch kommen. … Denn: Afghaninnen – ob sie nun in der Heimat oder in Deutschland leben – wollen frei und in Würde leben.“

Mári Saeed, „Mein Kabul – mein Deutschland. Máris mutiger Weg zwischen den Kulturen.“ Christel Göttert Verlag, 2008. Paperback. 315 Seiten. 19, 80 EUR. www.christel-goettert-verlag.de

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Keine Zeit für Mutterschutz

14. Januar 2009 von Barbara

Kurz nach der Geburt ihrer Tochter ist die französische Justizministerin Rachida Dati zurück ins Amt, an den Schreibtisch, ins Büro gekommen. Der gesetzliche Mutterschutz, über den sich die Justizministerin hinweggesetzt hat, beträgt 16 Wochen. Ob sie damit sich, dem Kind, den Frauen, ihrem Land oder irgendjemand anders einen Gefallen getan hat?

Eher löste ihr Handeln “in den Kreisen der Konservativen wie unter den Feministinnen, welche die selbstbestimmte Schwangerschaft der selbstbewussten Powerfrau mit bewunderndem Wohlwollen beobachtet hatten, eine Welle der Empörung aus”, meldete die FAZ am 11. Januar. Und findet kritische Stimmen:

Einen „Skandal“ nennt Maya Surduts vom „Kollektiv für die Rechte der Frauen“ das Verhalten der Ministerin: „Die Arbeitgeber werden sich auf ihr Beispiel beziehen und auf die Frauen Druck ausüben.“

Der Druck, den Rachida Dati in ihrer Ministerin-Position erfährt, ist sicherlich auch immens. Wahrscheinlich befanden sich auch im Kreißsaal ein Laptop und ein Handy, damit sie ihrer politischen Arbeit auch gut nachkommen kann. Jakob Schrenk schreibt in “Die Kunst der Selbstausbeutung” treffend:

Der Beruf wird zum Zentrum des gesellschaftlichen Strebens und individuellen Seins. Andere Bereiche des Lebens, die nichts mit ökonomischer Wertschöpfung zu tun haben, werden vernachlässigt.

Die ökonomische Wertschöpfung eines Kindes muss demnach noch erfasst werden.


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