Einträge mit dem Tag ‘Frauenfußball’


Zuckerpässe und Quoten: WM-News 2011

23. März 2011 von Nicole


Die Bundesligasaison ist vorbei, bis zur WM sind es noch drei Monate, aber Frauenfußball ist in den Medien so präsent wie wohl nie zuvor. Hier ein paar Presse-, Web- und Radiolinks für euch:

Fangen wir mal mit vorwiegend sportlichen Aspekten an: Michael Horeni wirft bei faz.net einen genauen Blick auf die Bundesliga und hinterfragt, assistiert von Turbine- (und inzwischen Meister-) Trainer Bernd Schröder, die Rede vom zu er­war­ten­den WM-Boom. Der fragt: „Warum soll sich ein Mann mit Frauenfußball iden­ti­fi­zie­ren?“ Das versteh ich allerdings nicht. Auch bei Turbine gibt’s doch eine Menge männliche Fans.

Interview mit Nationalteammanagerin Doris Fitschen über gemischte Teams auf dem Platz und in den Verbänden: „Im Betreuerteam der Frauen-National­mann­schaft haben wir keine Männerquote, aber dennoch sind relativ viele Männer dabei. Weil ich davon überzeugt bin, dass gemischte Teams besser harmonieren und arbeiten.“

Die Spielfeldschnitten schimpfen mit dem DFB über das frühe Saisonende: Was soll man denn jetzt in den Frühlingswochen mit den Sonntagen anfangen?

Ein (für mich) neuer Blog zum Frauenfußball und unbedingt lesenswert. Astrid Labbert schreibt über Bundesliga (immer sonntags), Presse (immer montags) und natürlich die WM. Zu sehen gibt’s außerdem zum Beispiel dieses Fundstück von 1970: Aktuelles Sportstudio mit Wim Thoelke, der Fußballerinnen zu Gast hat.

Die öffentlich-rechtlichen Sender präsentieren ihre WM-Pläne: Claudia Neumann vom ZDF wird in den 100 Stunden Frauenfußball als erste Frau ein Fußballspiel bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft kommentieren.

In seiner Kolumne Absatzkick wirft Daniel Meuren einen auch kritischen Blick auf die veränderte Vermarktung im Frauenfußball: „ein schmaler Grat“ sei es, auf dem der DFB mit seiner offensiven Promotion der jungen attraktiven Spielerinnen wandle.

Mit dem Thema Vermarktung, genauer gesagt Unterschieden bei der Darstellung von Spielerinnen und Spielern beschäftigt sich ein Blogbeitrag von Olaf Storbeck am Beispiel der 11Freunde-Berichterstattung/Werbung für den neuen Mercedes-Spot. (Kim Kulig übrigens lautet der Name der zu schminkenden Fußballerin.)

Ein Radiobeitrag bei Deutschlandradio Kultur von Günter Herkel zeichnet die Ge­schich­te des Frauenfußballs mit vielen O-Tönen nach (Manuskript ist als pdf verfügbar).


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“Seitenwechsel”: Der Vorzeige-Homo ist nicht die Lösung

9. März 2011 von Nicole
Dieser Text ist Teil 50 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek


Schwarzer Buchtitel mit weißem Fußball und pinker Schrift: Seitenwechsel. Coming-out im FußballEs stehen viele wichtige Dinge drin in Tanja Walther-Ahrens‘ Buch Seitenwechsel. Coming-out im Fußball. Auf 176 Seiten geht es hier ein­mal durch die schwul-lesbische, queere Sport- und Lebenswelt, durch die homophoben und sexistischen Strukturen insbesondere des Fuß­balls, persönliche Erfahrungen von Sportler­_innen, Schiedsrichter_innen und Journalisten, garniert mit kleinen Crashkursen zu Judith Butler oder den europäischen Anti­dis­krimi­nie­rungs­richt­linien und eingeleitet mit einem Vor­wort von Theo Zwanziger, Präsident des Deut­schen Fußball-Bundes.

Tanja Walther-Ahrens weiß, wovon sie schreibt. Sie ist selbst ehemalige Bundesligaspielerin, arbeitet heute hauptberuflich als Lehrerin, ist „neben­bei“ als Aktivistin bei der EGLSF (Euro­pean Gay and Lesbian Sports Federation) unter­wegs. Dass Homophobie nicht nur beim DFB, sondern auch in der Fanszene und in den Medien inzwischen ein Thema und nicht mehr nur ein Tabu ist, ist zu einem nicht geringen Teil ihr Verdienst. Irgend­wann dazwischen hat sie dann noch Zeit gefunden, dieses Buch zu schreiben, das sich nicht nur an ein Nischenpublikum richtet, wie sie selbst im Interview sagt:

Ich habe das Buch für eine breitere Masse geschrieben: für diejenigen aus der Community, die selbst mit Sport zu tun haben, und für die, die sagen „Nee, Sport, damit kannst du mich jagen.“ Aber eben auch für Leute, die aus dem Sportbereich kommen und denen das Thema Homo­sexualität nur wegen Martina Navratilova über den Weg gelaufen ist.

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Frauen, Fußball, Skispringen: News im WM-Jahr 2011

3. März 2011 von Nicole


Zur Einstimmung auf den Frauenfußball-Sommer in diesem Jahr gibt’s aus der Sportabteilung der Mädchenmannschaft in loser Folge einige Hinweise auf aktuelle Artikel rund um die Themen Frauen & Fußball.

Fangen wir an mit guten Nachrichten für Fußballerinnen und Fans: Laut einer Studie des LINK-Instituts für Markt- und Sozialforschung wünscht sich immerhin die Hälfte der Befragten mehr Frauenfußball in den Medien. Auch interessant: Etwa ein Viertel interessiert sich der Umfrage zufolge weder für Männer- noch für Frauenfußball, wie womensoccer berichtet.

Die Frauenzeitschrift emotion beschäftigt sich in ihrer aktuellen Ausgabe mit dem Thema Homosexualität im Fußball. Zu Wort kommen die Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling und Doris Fitschen, ehemalige Nationalspielerin und heute Managerin der deutschen Nationalelf. Sie sagt: „Es gibt beim DFB keinen Verhaltenskodex für Spielerinnen, was ihre sexuelle Orientierung betrifft. … Ich bin davon überzeugt, dass für eine Spielerin dadurch keine Nachteile entstehen.“

Frauenfußball ist Amateursport, und zwar in Deutschland ebenso wie im Nachbarland Österreich. Das bedeutet, dass Fußballerinnen neben Training und Spielbetrieb auch noch „echten“ Berufen nachgehen, um ihr Geld zu verdienen. Manchen jedoch wie Daniela Iraschko, Torfrau bei Wacker Innsbruck, reicht auch das nicht. Sie suchen sich noch eine weitere Sportart, in der Frauen es ganz besonders schwer haben: Skispringen nämlich. Bei der Nordischen WM in Oslo gewann sie vor einigen Tagen die Goldmedaille.

Das Gunda-Werner-Institut, Teil der Heinrich-Böll-Stiftung, präsentiert zur WM eine Reihe von Veranstaltungen. Auf der Website des Instituts finden sich aktuell „Fünf Gender Kicks zur WM 2011“ – kritische Betrachtungen des Turniers aus einer queer-feministischen Perspektive rund um Geschlechternormen, Begriffe und nationalistische Tendenzen. (Ein kleiner Hinweis in eigener Sache: gender kicks. Texte zu Fußball und Geschlecht)

Eine weitere (der leider viel zu seltenen) Verbindung zwischen Feminismus und Fußball gibt’s ab kommender Woche in Berlin zu sehen. Die Ausstellung Tatort Stadion 2. Fußball und Diskriminierung, entwickelt vom Bündnis aktiver Fußballfans, BAFF, gastiert vom 7. März bis 2. April in Kreuzberg im Fußballladen GOAL. Als Medienpartnerin an der Seite von Ladenchefin Tülin Duman: das missy magazine.


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Von Quotenfrauen, Aktivistinnen und Fußballerinnen

16. Februar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 94 von 152 der Serie Kurz notiert

Im SWR2 Forum könnt ihr der Diskussion zum Thema „Ganz oben alles männlich - Welche Chancen haben Frauen in Unternehmen?“ lauschen.

Auch Susanne Klingner und Barbara Streidl diskutieren im DRadio Wissen über Frauen und Erwerbsarbeit, die Frauenquote und Feminismus: „Macherinnen ohne Quote“.

Immer noch nicht genug von der Quote? Heute Abend ist Meredith Haaf von der Mädchenmannschaft zu Gast bei der Sendung ZDF login im ZDF infokanal, bei der ebenfalls die Frauenquote diskutiert wird.

Daniela Schaaf von der Sporthochschule Köln untersucht im Auftrag der Fifa die Vermarktungsmöglichkeiten des Frauenfußballs. Im Interview mit dem tagesspiegel berichtet sie, dass das Vorurteil von der nicht werbefähigen „Kampflesbe“ in den Köpfen der berichtenden Journalisten noch sehr lebendig ist.

Auf Gender Across Borders wird mit zwei Annahmen über die Proteste in Ägypten aufgeräumt: Die Protestierenden sind entgegen der US-amerikanischen Berichterstattung weder naiv und irrational, noch gehen nur Männer auf die Straße. Unter den Protestierenden sind auch die feministische Aktivistin Nawal El Saadawi und die Journalistin Mona Eltahawy.

Nicht nur in Tunsien, Ägypten und anderen Ländern gehen die Menschen auf die Straße: Laut der Berliner Zeitung folgten am Sonntag in Italien Hunderttausende dem Aufruf von Regierungskritiker_innen, die genug von Sexskandalen und dem Frauenbild Silvio Berlusconis haben. So zogen die Demonstrant_innen mit Parolen wie „Italien ist kein Bordell“ durch Rom.

Der internationale Frauentag jährt sich 2011 zum hundertsten Mal. Der vorwärts würdigt das Jubiläum mit einer eigenen Ausgabe, erstellt nur von Frauen. Und ruft Leser und Leserinnen, Blogger und Bloggerinnen auf, sich mit eigenen Beiträgen zu beteiligen.

In der Tikkun Daily wird die Bloggerin Fatemeh Fakhraie vorgestellt, die die Muslimah Media Watch gegründet hat. Außerdem schreibt sie für das Bitch Magazine, Racialicious und auf ihrem eigenen Blog. In den nächsten Tagen werden noch weitere Muslim_innen vorgestellt, die online „Wellen schlagen“.

Die Zeit stellte eine polyamore Familie vor und räumt mit dem Vorurteil der Orgien ohne Selbstkontrolle auf. Tatsächlich erfordere Polyamorie vor allem Diskussionen, Reflektion und Organisation.

Zu ihrem Buch Feminismen und »Neue Politische Generation« haben Anne Lenz und Laura Paetau ein Interview gegeben, in dem sie die Strategien feministischer Strömungen diskutieren.

Queer/feministische Termine für diesen Monat findet ihr in unserer Übersicht für Februar, die ihr gern in den Kommentaren weiter ergänzen dürft. Wir suchen übrigens für den kommenden Monat wieder queer/feministische Partys, Proteste, Lesungen, Filme, Aktionen… Veranstaltungshinweise könnt ihr über unser Kontaktformular an uns senden, auf unsere Facebook-Wall posten oder per Twitter an @grrrls_team schicken.


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Offizieller Frauenfußball wird 40

2. November 2010 von Nicole

Nächstes Jahr findet die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland statt, und mit tatkräftiger Unterstützung aus Wirtschaft und Politik wird aus diesem Turnier sicherlich ein Ereignis werden, das national und international große Aufmerksamkeit erhält – und zwar längst nicht nur von Frauen.

Hätte man dies vor 40 Jahren den Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes gesagt, wären sie vermutlich in lautes und ungläubiges Gelächter ausgebrochen. Am 30. Oktober 1970 wurde auf dem Verbandstag in Travemünde eine neue Ära im Fußball eingeläutet: Der DFB hob das Verbot des „Damenfußballs“ in seinen Vereinen und Landesverbänden auf (mit zwei Nein-Stimmen bei 145 Delegierten), der er 1955 erlassen hatte. Aus diesem Anlass blickt FAZ.net-Journalist Daniel Meuren zurück auf die Anfangsjahre des offiziellen Frauenfußballs in Deutschland. Gespielt wurde aber natürlich schon vorher, bevorzugt gegen Teams aus den benachbarten Niederlanden und mitunter vor Tausenden von Zuschauerinnen und Zuschauern. Die Ausrichter waren jedoch nicht die Sportvereine, sondern private Geschäftsleute, die für mehr oder weniger gelungene Veranstaltungen sorgten.
Letzten Endes waren es genau diese Tendenzen zur Selbstorganisation außerhalb der straffen Verbandsstrukturen, die den DFB zur Aufhebung seines Verbots bewogen.

Der Verband hat uns ja nicht unbedingt aus Überzeugung mitspielen lassen. Der DFB hatte eher Angst, dass wir einen Konkurrenzverband gründen könnten. Dann hat er uns lieber aufgenommen in der Hoffnung, dass er die Frauen dann unter Kontrolle hat.

So schildert es Fußball-Pionierin Bärbel Wohlleben im FAS-Interview. Wohlleben, die für die TuS Wörrstadt spielte, gelang es 1974, als erste Frau für das „Tor des Monats“ in der Sportschau gewählt zu werden – ein Moment, der dem Frauenfußball zu mehr sportlicher Anerkennung verhalf. An der haperte es nämlich auch nach Aufhebung des Verbots noch sehr lange. Nicht nur, dass zunächst mit größeren Toren, Brustpanzer und geringer Spielzeit gekickt werden musste, der DFB hatte von nun an auch die Hand auf den bis dahin ausgetragenen inoffiziellen Länderspielen: Die vorletzte dieser über lange Jahre ausgetragenen Partien fand eben an jenem 30. Oktober 1970 gegen Italien statt, während die Funktionäre in Travemünde den Frauenfußball gnädig wieder in ihre Verbandsstrukturen aufnahmen. Bis jedoch auch eine offizielle deutsche Nationalmannschaft der Frauen bei einem Länderspiel antreten durfte, sollte es noch einmal 12 Jahre dauern: Die DFB-Statistik der internationalen Begegnungen der deutschen Fußballerinnen beginnt am 10. November 1982 mit einem Spiel gegen die Schweiz.


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Kein Platz für Meisterinnen

22. September 2010 von Nicole

Kleiner als auf den ersten Blick gedacht ist offenbar das Wiener Rathaus. Platzmangel zumindest war die offizielle Begründung, dass bei einem offiziellen Festakt im Rathaus für die Fußball-Meisterschaftsvereine der Stadt kein Frauenteam eingeladen war. Nicht zufriedengeben damit wollten sich die Frauen der „Dornbach Sox“, fragten nach, informierten schließlich die Medien und wurden dann doch noch eingeladen. Gut so. Die ganze Geschichte nachlesen könnt ihr bei diestandard.at. Das dort zitierte Fazit der Dornbach Sox lautet „Das finden wir für unser Team, vor allem aber auch für den Frauenfußball im Allgemeinen sehr bedauerlich.“. Der hat es in Österreich ohnehin nicht so ganz leicht, auch wenn in den vergangenen Jahren die Erfolge und vor allem auch das Interesse deutlich zugenommen haben. Dazu passend noch ein aktueller Hinweis auf haudrauf, ein Mädchenfußball-Turnier der Sozialistischen Jugend in Wien, das im September noch an verschiedenen Terminen und Orten stattfindet und Fußball im „Streetkick-Käfig“ für Mädchen mit und ohne Kickerfahrung anbietet: „Erobern wir uns gemeinsam den Käfig! Und dann heißt es: HAU DRAUF!“


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Werbespots zur Fußball-WM 2011

13. September 2010 von Nicole

Vor der Übertragung des Fußball-Länderspiels der Männer am vergangenen Dienstag feierte ein neuer Werbespot des Deutschen Fußball-Bundes Premiere. Mit Unterstützung aus dem Männer-Team in Person von Schalke-Torwart Manuel Neuer bewirbt er die WM der Frauen, die 2011 in Deutschland stattfindet, und nimmt gleichzeitig noch das In-Thema Integration mit.

Die Reaktionen meiner Fußballfreundinnen auf den Spot reichten von „langweilig“ bis „ganz okay, gibt viel schlechtere“, warfen aber auch ein paar Fragen auf, zum Beispiel die, warum die Spielerinnen – in der Erzählung des Spots ja wohl kurz vor Anpfiff in der Kabine – unbedingt derart mit Schminke zugekleistert sein müssen. Oder was der Bezug auf Integration soll. Oh ja, es gibt in der Tat schlechtere Werbespots zum Thema Fußball und Frauen. Und auch wenn der Schlenker zur Integration vor allem in der Presseerklärung des DFB vielleicht ein klein wenig gewollt rüberkommt, muss man dem Verband unbedingt zugutehalten, dass es ein positiver Bezug ist, dass Integration und Miteinander als etwas Erstrebenswertes thematisiert werden, und das ist zurzeit nicht selbstverständlich. Allerdings: Eine Ausnahme gibt es eben, „die einzige Grenze“, die nicht überschritten werden darf: „das ‚Mitspielen‘ – so auch der vieldeutige Titel des Spots – im Team des jeweils anderen Geschlechts.“

Über diese Barriere (errichtet übrigens nicht qua Naturgesetz, sondern durch die Regeln der Fußballverbände selbst) springt auch das integrationswilligste DFB-Team nicht. Aber – und das wäre mein persönliches zweites Haar in der Suppe – für den, der an die Kabinentür klopft, ist ja sowieso alles „nur Spaß“. Warum muss das jetzt sein? Hätte es da im Skript nicht auch ein „Schade eigentlich“ getan? Und by the way: Manuel Neuer!? Da sucht das Frauen-Team sich besser jemanden mit mehr Glück.

Auch Frankfurt am Main – Sitz des DFB und Austragungsort des Finales – macht Werbung für das Turnier 2011. Auf Hessisch und ebenfalls mit prominenter Unterstützung. Zwei Frankfurter Kuttenfans gründen die „Initiative gegen kickende Weiber im Stadion“, IgKWiS. Denn das geht ja nicht, dass auf dem heiligen Rasen der Eintracht, über den Männer wie Grabowski, Hölzenbein und Yeboah gelaufen sind, nun auf einmal Frauen Fußball spielen …


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Iranische Fußballerinnen mit Kappe statt Kopftuch

17. August 2010 von Nicole

Derzeit finden in Singapur die Olympischen Jugendspiele für 14- bis 18-jährige Sportlerinnen und Sportler statt, übrigens zum ersten Mal. Neben der Frage, wozu eigentlich eine weitere Riesenveranstaltung unter dem des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zumal mit Minderjährigen nötig ist (und der naheliegenden Antwort: zum Geldverdienen) sorgte im Vorfeld ein weiteres Thema für Aufregung: Die Fifa nämlich hatte das iranische Mädchenteam, das im Hijab antreten wollte, von der Teilnahme ausgeschlossen, weil laut Reglement eine Kopfbedeckung für Spieler_innen verboten ist. Wir berichteten kurz. Verhandlungen zwischen Fifa, Nationalem Olympischen Komitee und Sittenwächtern im Iran führten schließlich zu einem Kompromiss, einer Art Kappe statt Kopftuch, mit der wohl alle Seiten leben können.

Den Praxistest gab es für die iranischen Spielerinnen bisher in zwei Partien: Das erste Spiel ging zwar mit 2:4 gegen die Türkei verloren, gegen Papua-Neuguinea gab es dafür am Sonntag einen 1:0-Sieg. Die Bekleidungsdebatte im Sport wird damit jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht abgeschlossen sein. Allein aufgrund ökonomischer Interessen ist es nur eine Frage der Zeit, bis etwa in Qatar, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Saubi-Arabien ein großes internationales Sportevent stattfindet. Die Teilnahme von Frauen und die Bedingungen dafür werden dann auch auf der Tagesordnung stehen.


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Anders ist schwul. (K)ein Skandal beim WM-Dritten

13. Juli 2010 von Nicole

Zu den zahlreichen Schilderungen der sportlichen Leistungen der deutschen Fußballnationalmannschaft der Männer bei der gerade zu Ende gegangenen WM kommen mindestens ebenso zahlreiche Ausdeutungen ihrer kulturellen, sozialen und politischen Performance hinzu: von der Kleidungswahl des Trainerteams über die gelungene „Integration“ einer Generation von Einwandererkindern bis zu den flachen Hierarchien im Team, das seine vermeintlich unersetzbare Führungskraft Michael Ballack noch vor dem ersten WM-Spiel verlor. In diese Reihe gehört auch ein Essay im aktuellen Spiegel von Alexander Osang über „Neue deutsche Männer“. Dieser Text allerdings sorgte für (hoffentlich nur kurzzeitige) Aufregung, weil es dort fast wie am Rande – oder aber eben auch nicht, das ist schwer zu sagen – auch um ein einige Zeit zurückliegendes Gespräch mit Michael Ballacks Berater Michael Becker geht. Der, so Osang, hätte, obwohl sein Klient damals noch nicht verletzt war, sondern sich mit vielen Werbeverträgen ausgestattet auf die WM freuen durfte, lauthals hergezogen über die „Schwulencombo“ beim DFB, über schwule aktuelle Nationalspieler und das bevorstehende Outing eines ehemaligen. Skandal! Bild und Hamburger Morgenpost machten das Thema einer „homosexuellen Verschwörung“ umgehend zum alleinigen Inhalt des Textes, die Süddeutsche immerhin recherchierte noch etwas ums Thema herum, stellte die Frage, ob die Aussagen seines Beraters Ballack selbst nicht vielmehr schaden als nützen werden und bezeichnete sie zudem als das, was sie sind: „schwulenfeindlich“.

Der eigentliche Punkt von Osangs Text, den er auch mit diesen Passagen unterstreicht, taucht in den Reaktionen der anderen Medien jedoch nicht mehr auf, was sehr zu bedauern ist. Er besteht nämlich darin festzuhalten, dass Becker selbst und möglicherweise auch sein Klient Ballack wenn schon nicht dem Alter nach, so zumindest im Denken keine neuen, sondern alte deutsche Männer seien, deren Zeit vorbei ist. Wunderbar verdichtet sich das in dieser Schilderung:

Als ich ihn fragte, ob denn ein Spieler, der etwas überraschend nominiert worden war, seiner Meinung nach auch schwul sei, sagte Becker nur: „Der ist halbschwul“, und ich begriff, dass das alles ein Synonym war für etwas, was Becker nicht mehr verstand.

Ja, mag sein, dass schwule Profifußball oder auch -trainer mit Scheinehefrauen, Heimlichkeiten und Doppelleben ein verkrampftes Verhältnis zu sich selbst, zu ihrer Umwelt und ihrer Sexualität haben. Dies aber mit wesentlich mehr Anlass und Berechtigung als Menschen wie Becker, Comedian Oliver Pocher oder Radiomoderator Jan Böhmermann von 1Live, deren homophobe Bemerkungen und Witze vor allem etwas über die Begrenzung der eigenen Welt aussagen. Wie auch Wolfgang Hettfleisch in einem Kommentar in der Frankfurter Rundschau anmerkt: „Man kann gar nicht so viel Earl Grey trinken, wie man kotzen möchte.“

Und zum Schluss noch eine Nachricht, die vielleicht optimistisch stimmen könnte: Fußball-Deutschland hat seine erste offen homosexuelle aktive Nationalspielerin: Europameisterin und Pokalsiegerin Uschi Holl, Torhüterin beim FCR Duisburg, hat sich in Köln verpartnert. Am Tag eines deutschen WM-Spiels, mit Blumen und in Weiß.


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Fußballentzug? Kein Problem: Discover Football

12. Juli 2010 von Nicole

Für alle, die darauf warten, dass ein Ball durch ihr Leben rollt, ein kurzfristiger Veranstaltungstipp für heute Nachmittag: Seit dem 6. Juli findet in Berlin das Frauen-Fußball-Kultur-Festival Discover Football statt – ein interkulturelles Begegnungsfest mit u. a. Filmen, Konzerten und natürlich Fußball. Teams aus Afghanistan, Ecuador, Israel/Palästinensischen Gebiete, Österreich, Paraguay, Serbien, Sambia und Deutschland kicken auf dem Gelände des Lilli-Henoch Sportplatzes am Anhalter Bahnhof in Berlin Kreuzberg. Heute Nachmittag etwa das afghanische Nationalteam gegen die Spielerinnen von Al-Dersimspor aus Kreuzberg. Danach gibt’s Filme und Musik.


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