Einträge mit dem Tag ‘Frauenbewegung’


Persönlich, lebendig – und streitbar. Perincioli über die Westberliner Frauenbewegung

26. Oktober 2015 von Julia
Dieser Text ist Teil 111 von 128 der Serie Die Feministische Bibliothek

Rezension zu: Cristina Perincioli: „Berlin wird feministisch. Das Beste, was von der 68er Bewegung blieb

Fünf Jahre, die es in sich hatten: Christina Perincioli, Filmemacherin, lesbisch-feministische Aktivistin der ersten Stunde, rollt in ihrer Buchveröffentlichung die ersten Jahre der Westberliner Frauen- und Lesbenbewegung auf, von 1968 bis zur Gründung des Berliner Frauenzentrums 1973. Es ist ein persönlicher, spannender und durchaus streitbarer Ritt durch die bewegten Anfangsjahre. Was in diesen Jahren geschah, ermöglichte oder prägte die kommenden Bewegungsjahrzehnte: erste Politisierungen im Umfeld der Linken und die massiven Konflikte mit linken Männern; die Entstehung autonomer Frauen- und Lesbengruppen; die Entwicklung neuer Politik-, Lebens- und Aktionsformen; Diskussionen um das Verhältnis von Theorie und Praxis, von Klassenkampf und Feminismus, von lesbischen und heterosexuellen Feministinnen.

Zentrale Thesen, wichtige Informationen und detaillierte Einblicke liefert das Buch vor allem in Bezug auf zwei Aspekte. Zum einen ist es die zentrale Rolle von Lesben bei der Entstehung der Berliner Frauenbewegung. Früh haben sie sich in ersten Gruppen organisiert und Vorstellungen und Formen der Politik entwickelt, die für die Frauenbewegung typisch werden sollten. Zum anderen sind es die Unterschiede und Konflikte zwischen feministisch-autonomen Feministinnen einerseits, sozialistisch organisierten Frauengruppen andererseits, auf die Perincioli vielfach zu sprechen kommt. Es ist kein versöhnlicher oder vermittelnder Ton, den die Autorin den Sozialistinnen gegenüber rückblickend anschlägt: Kritiken von damals – an Theorie-Schulungen, hierarchischen Organisationsformen, Erfahrungsferne – werden mit Verve vorgetragen. Von Ausgewogenheit keine Spur. Dies ist insofern unbefriedigend, als die Gründe für die Organisierung in sozialistischen Gruppen, die Anliegen der beteiligten FrauenLesben, die stattgefundenen Diskussionen und Konflikte hinter einer Pauschalkritik verschwinden, die weder Verstehen noch Ambivalenzen zulässt.

Das reich bebilderte Buch changiert zwischen autobiografischer Erzählung, Sachbuch, Fachbuch und Quellensammlung. Diese Genrevielfalt führt zu einem durchaus lebendigen und authentischen Leseerlebnis. Als eher problematisch erweist sich jedoch die Art und Weise, wie mit dieser Vielfalt umgegangen wird. Grundlegende Analysen und starke Thesen, autobiografische Erinnerungen, Zeitdokumente und ausführliche Zitate feministischer Aktivistinnen stehen häufig eher unvermittelt und ohne Erläuterungen nebeneinander. Insbesondere Leser_innen ohne Vorwissen dürften sich hier und da eher ratlos denn informiert fühlen: Ist diese oder jene Erfahrung bewegungs-, zeit- oder etwa berlintypisch, oder stellt sie eher eine Ausnahme dar? Gilt diese oder jene These in der Forschung oder unter Aktivistinnen als unstrittig, ist vielfach bestätigt – oder ist sie ganz im Gegenteil heftig umkämpft? Was dem Buch gutgetan hätte, wäre eine stärkere bewegungsgeschichtliche Einbettung, die den Leser_innen Werkzeuge an die Hand gegeben hätte, das Gelesene einzuordnen – oder aber eine konsequente Umsetzung einer autobiographischen und persönlichen Perspektive.

Dass es sich um ein sehr persönliches Buch handelt, genau darin liegt seine Stärke. Perincioli beschreibt ihre Politisierung und ihren Weg in die Frauenbewegung, angetrieben durch ihre Wut auf eine lesbenverachtende Gesellschaft, ebenfalls durch den massive Sexismus, den sie von Seiten linker Männer erfuhr. Sie beschreibt den Bewegungsalltag, den Umgangston, die Konflikte und Zerwürfnisse in Gruppen und Strömungen, sie selbst mittendrin. Die damalige Begeisterung und Aufbruchstimmung, aber auch Konflikte, Abgrenzungen und Wut werden nachfühlbar.

So ist »Berlin wird feministisch« den erwähnten Schwachstellen zum Trotz ein durchaus lohnenswertes Leseerlebnis, das dazu einlädt, in die turbulenten Anfangsjahre der feministischen Bewegung nach 1968 einzutauchen.

Erstmalig erschienen in der Jungen Welt. Zum Weiterlesen und -gucken: Ein Generationendialog von Cristina Perincioli und Magda Albrecht.


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Lesbisch_queere Bücherwelten: Lesbengeschichte(n)

13. Januar 2015 von Julia
Dieser Text ist Teil 91 von 128 der Serie Die Feministische Bibliothek

Heute lege ich euch einige biografische Bücher ans Herz, die (vergangenes) lesbisches Leben und/oder das politische Engagement von Lesben würdigen.

Johanna Elberskirchen (1864-1943) war proletarisch-kleinbürgerlicher Herkunft, politisch klar links und äußerst aktiv: Sie war in der Sozialdemokratie engagiert, im radikalen linken Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung und als offen lebende ‚Homosexuale‘. Das detailreiche und zugleich fesselnd geschriebene Sachbuch Keine Tochter aus gutem Hause: Johanna Elberskirchen (1864 – 1943) von Christiane Leidinger lässt nicht nur Leben und politisches Wirken Elberskirchens, sondern umfassend auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und politischen Kämpfe der Zeit greifbar werden: von den Anfängen des ‚Frauenstudiums‘ über Sozialdemokratie, ArbeiterInnenbewegung und die bürgerliche und proletarische Frauenbewegung bis hin zum Nationalsozialismus.

 

In einer Mischung aus Sachbuch und Fiktion erzählt Die Geschichte der Sidonie C. (1900-1999) von Ines Rieder und Diana Voigt die fast 100-jährige Lebensgeschichte von Sidonie C., einer berühmten lesbischen Patientin Sigmund Freuds. Nach den Freud’schen Therapiesitzungen trifft sich die aus dem Großbürgertum stammende Lesbe heimlich mit ihrer Angebeteten – um über Freud zu lästern. An Klassenerhalt orientiert, aber vor allem politisch desinteressiert, flüchtet sie – katholisch getauft, aber mit jüdischen Wurzeln – erst sehr spät aus dem nationalsozialistischen Wien. Packend geschrieben und lehrreich obendrein, lässt die zwei Weltkriege umfassende Biografie (nicht nur) lesbisches Begehren zwischen Heimlichkeit, Selbstverständlichkeit und Sanktionen lebendig werden.

 

Keine lesbische Biografie im engeren Sinne, aber ein wunderbares Bewegungsbuch, das eben auch Leben und Engagement Audre Lordes (1934-1992) würdigt: Euer Schweigen schützt euch nicht. Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland, herausgegeben von Peggy Piesche. Der Sammelband präsentiert eine schöne Auswahl an Gedichten, Aufsätzen und Gesprächen von und mit Audre Lorde, die durch ihre Berlin-Aufenthalte, ihre Lesungen in ost- wie westdeutschen Städten, ihre Vorträge und Workshops, ihren Aktivismus und ihr Schreiben eng verbunden ist mit der Entstehung der hiesigen Schwarzen (Frauen-)Bewegung. Zugleich zeichnet der Band die Anfänge und die Entwicklung der Schwarzen Frauen-/Lesbenbewegung in der BRD auf sehr lebendige Weise nach: in Gesprächen, Prosatexten und Gedichten. Zu Wort kommen damalige und gegenwärtige Aktivistinnen, Denkerinnen und Dichterinnen of Color, viele davon lesbisch.

Zum Schluss will ich euch noch rasch aufmerksam machen auf Von-mir-noch-nicht-Gelesenes-aber-Vielversprechendes. Erstens: Pregnant Butch. Nine Long Month Spent in Drag, eine neue autobiografische Graphic Novel zum Thema queere Elternschaft. Die Zeichnungen von A.K. Summers sind inspiriert durch ihre eigenen Erfahrungen als schwangere Butch. Diesen einmaligen und vielversprechenden Fund will ich euch nicht vorenthalten, Leseproben sind hier zu finden.

Und zweitens: Die erste Programmvorschau des neu gegründeten Verlags w_orten & meer. verlag für antidiskriminierendes handeln ist raus. Sie verspricht Analytisches und Kritisches, Empowerndes, Persönliches und Poetisches: zu Kämpfen, Glück und Leben jenseits, nach, zwischen, ohne Gender und zu Rassismus an deutschen Hochschulen. Im Frühjahr ist es soweit. Bis dahin: gespannt sein und vorfreuen.


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Veranstaltungsreihe in Berlin: Lesbisches Leben in Deutschland

15. Oktober 2013 von Magda

Vom 21. Oktober bis 25. November findet in Berlin im EWA-Frauenzentrum eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Lesbisches Leben in Deutschland“ statt.

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Den Auftakt am 21. Oktober macht die Politikwissenschaftlerin Dr. Christiane Leidinger zur Lesbenbewegung in den 1980er Jahren. Am 28. Oktober spricht die Publizistin Franziska Rauchut über die Lesbenbewegung in der DDR, am 11. November referiert die Historikerin Katja Koblitz über Ost-West-Begegnungen von Lesben und am 25. November endet die Reihe mit einem Vortrag der Autorin und Musikerin Elisabeth Pricken zu La Casa delle Donne – Das Haus der Frauen.

Wie auch schon bei der LESgenden-Dokumentationsreihe, die filmisch die Geschichten von Lesben in Deutschland erzählt, fällt auf, dass der Aktivismus von Schwarzen/of Color lesbischen Feministinnen in Deutschland zumindest nicht explizit vorkommt und Schwarze Aktivistinnen nicht selbst zu Wort kommen. Vielleicht sind ja noch weitere Veranstaltungen geplant…?

Lesetipp: Dennert, Leidinger, Rauchut (Hg.): In Bewegung bleiben: 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben.


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Lesbische Geschichte sichtbar machen: „Wir wollten diese Gesellschaft provozieren“

30. September 2013 von Magda

Die LESgenden Doku-Reihe erzählt filmisch die Geschichten von Lesben und kreiert somit ein Zeitzeugnis, in dem die Protagonistinnen selbst zu Wort kommen. In kurzen Filmporträts erzählen die Aktivistinnen über ihr Leben, ihre Politik und ihre Projekte. Manche sahen sich als Teil der Frauenbewegung, einige verorteten sich in der Lesbenszene, die den Heterosexismus der Frauenbewegung kritisierte, andere sind/waren weniger oder gar nicht an feministische und andere herrschaftskritische Kontexte gebunden. Besonders beeindruckt war ich vom Interview mit Monika Mengel, Gründungsfrau der 1. deutschen Lesbenband Flying Lesbians, in dem sie aus ihrer Perspektive den Zeitgeist der 1970er beschreibt.

Es ging uns nicht um Akzeptanz, es ging uns auch nicht darum, geduldet zu werden in dieser Gesellschaft, Es ging uns eigentlich um einen Angriff. Wir waren gegen diese plumpe Gesellschaft, gegen diese Form der Intoleranz, nicht nur uns gegenüber, sondern gegen viele Andere auch. Wir wollten diese Gesellschaft provozieren.

Ich konnte leider nicht herausfinden, wie viele Portraits noch geplant sind, hoffe aber, noch weitere spannende Geschichten zu hören. Es fällt allerdings auf, dass bisher ausschließlich weiße Lesben zu Wort kommen. Vielleicht sind ja noch Portraits mit Aktivistinnen wie z.B. Katharina OguntoyeMaisha M . Eggers oder Peggy Piesche geplant, um einen Teil von Bewegungsgeschichte sichtbar zu machen, der kaum in der Geschichtsschreibung Erwähnung findet: Aktivismus von Schwarzen/of Color lesbischen Feministinnen in Deutschland.

Die bereits veröffentlichten Folgen:

  • Folge 1: Monika Mengel, Gründungsfrau der 1. deutschen Lesbenband Flying Lesbians.
  • Folge 2: Carolina Brauckmann, Sängerin und Songwriterin.
  • Folge 3: Sarah Dienstag, Mitarbeiterin beim YouTube V-Log Nosy Rosie.
  • Folge 4: Susi Beckers, Golden Girl, verstarb im Juli diesen Jahres.
  • Folge 5: Ulrike Anhamm, Gründungsfrau von lespress.

LESGenden ist eine Kooperation von phenomenelle mit der Filmproduktionsfirma Sistas Inspiration und der Journalistin Sandra Doedter. LESgenden findet ihr auch auf Facebook.


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FEMBooks – Internetbuchhandlung für feministische und emanzipatorische Literatur

16. September 2013 von der Mädchenmannschaft

Die Mädchenmannschaft freut sich sehr, euch FEMBooks vorzustellen. FEMBooks richtet sich an alle, die an Gender und Queer Themen interessiert sind und/oder vor allem von Frauen verfasste Bücher suchen. Bildschirmfoto 2013-09-15 um 11.25.01Damit wird das Publikum der zahlreichen in den 70er und 80er Jahren entstandenen „Frauenbuchläden“ mit einem neuen digitalen Angebot abgedeckt. FEMBooks wurde gegründet von Doreen Heide, die selbst schon seit vielen Jahren feministisch-politisch aktiv ist – u.a. bei Attac (feminist Attac + Gender AG). Weitere Frauen und Lesben steigen nach und nach mit ein. FEMBooks gibt es auch auf facebook.

Wer hat sich nicht schon mal darüber geärgert, beim Suchen eines Buches zu „Feminismus“ im Internet auch lauter antifeministische Pamphlete angezeigt zu bekommen? Wer hat nicht schon die Erfahrung gemacht, dass in normalen – und selbst manchen linken -Buchhandlungen von Frauen geschriebene, lesbische oder queere Bücher nur mühsam aufzufinden sind oder gar gänzlich fehlen? Wer stört sich nicht auch daran, dass Kinderbücher in der Regel extrem geschlechtsrollenkonservativ sind?

Mit FEMBooks gibt es seit März 2013 eine auf feministische und emanzipatorische Literatur spezialisierte Internetbuchhandlung. Vorzugsweise werden feministische und/oder von Frauen geschriebene Bücher angeboten und damit weiblichen sowie lesbischen und queeren Perspektiven auf privates und öffentliches Leben Priorität eingeräumt. Hier findet sich z.B. eine breite Auswahl an Biografien und Autobiografien von Frauen, Bücher zur Frauen- und Lesbenbewegung, Liebe und Sexualität – heterosexueller wie lesbischer – oder und von Frauen verfasste Reisebücher. Eine eigene Kategorie zu Queer Politik listet alle queer-politischen und lesbischen Sachbücher gesondert auf.

Zudem finden sich bei FEMBooks mittlerweile an die 200 Fachbücher aus dem Bereich der Gender und Queer Studies. Ab Juni 2013 kam noch die Belletristik hinzu. Bei den Romanen, Erzählungen und Krimis wurden auch hier Unterkategorien zu lesbischen Romanen, lesbischen Erzählungen und Lesbenkrimis eingerichtet, damit diese leichter heraus gefiltert werden können.

Bei den Kinderbüchern werden neben vielen Büchern mit starken und klugen Mädchenfiguren (Hexen, Piratinnen etc.) , die es zum Glück mittlerweile gibt, auch solche zu Einelternfamilien, Regenbogen- und Patchworkfamilien sowie zu einem äußerst reflektiertem Umgang mit kindlichen Geschlechtsidentitäten gesondert aufgelistet. Die Neuerscheinungen vor allem zu letzterem sind besonders rar, was in auffallendem Kontrast zu einer stetig wachsenden Queer Szene steht.


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Entweder… Oder?

5. Dezember 2012 von accalmie
Dieser Text ist Teil 53 von 59 der Serie Meine Meinung
 
Dieser Text erschien gestern auf Englisch bei „Stop! Talking.“ Für die wunderbare Übersetzungs-Zusammenarbeit vielen Dank an Anna-Sarah!

Alice Schwarzer ist gerade 70 Jahre alt geworden. Alice Schwarzer ist die offizielle Ikone der deutschen Frauen­bewegung der 1970er Jahre und ist seit einigen Jahr­zehn­ten die Chef­redak­teurin der EMMA, des ält­esten fe­mi­nisti­schen Ma­ga­zins in Deutsch­land. Alice Schwarzer hat un­be­streit­bare femi­ni­sti­sche Ver­dienste, zum Bei­spiel den öffent­lichen und wirk­samen Kampf gegen §218, der im deutschen Straf­recht Ab­trei­bungen il­lega­lisiert. Sie hat maß­geb­lich dazu bei­ge­tragen, dass femi­nistische Per­spek­tiven in Deutsch­land auf die poli­tische und mediale Agenda kamen. Alice Schwarzer ist 40 Jahre lang heftigst kritisiert, auf das Übelste beschimpft und beleidigt, bedroht und angeschrien worden. Dass sie noch immer eine feministische Aktivistin ist, halte ich für ein Zeichen von Mut und Behar­rlic­hkeit, und Kritik an ihren politischen Posi­tionen und Prak­tiken sollte all dies nicht zunichte machen.

Allerdings ist Alice Schwarzer auch eine Aktivistin, die die Bevor­mundung anderer Frauen zu einem zentralen Bestandteil ihres Femi­nismus‘ gemacht hat, und die in­zwischen fast zu einer Art Kari­katur einer reue­losen Zweite-Welle [sic]-Femi­nistin geworden ist, die darauf besteht, dass alle Frauen auf­grund ihres Geschlechts die gleichen grund­legenden Lebens­er­fahr­ungen teilen und dass Femi­nismus™ eine komplett ein­heit­liche Be­we­gung sein kann und sollte, die alle Frauen auf diesem Planeten umfasst und für sie spricht (…ob sie wollen oder nicht). In ihrem neuesten Blog-Artikel, „Wieder mal zurück auf Null?“, beklagt Schwarzer die „sektiererischen“ Ten­denzen einiger femi­nistischer Strö­mungen und glaubt, dass anti­ras­sisti­sche Aktivist_innen versuchten, die femi­nistischen zu sabotieren.

Schwarzer glaubt, es gäbe Feminist_innen (die Guten) auf der einen Seite, und auf der anderen Seite Gruppen von Frauen (die Bösen), die versuchen, die Feministinnen zum Schweigen zu bringen. So weit, so vielleicht nachvollziehbar. Allerdings findet Schwarzer, dass diese Gruppen von Frauen, insbesondere die Blogger_innen der Mäd­chen­mann­schaft (ja, schon wieder, wie immer, bla… – Nadia hat auf Shehadistan einen tollen Kommentar zu einem anderen EMMA-Artikel veröffentlicht, der in die gleiche Kerbe haut) sowie andere feministische Blogger_innen und Aktivist_innen in Berlin (auch wenn die meisten jener Blogger_innen überhaupt nicht in Berlin leben, aber dann käme ja das Bild ins Wanken, das andere Zeitungen und Zeitschriften bereits aufgebaut haben, insofern…) versuchen, feministischen Aktivismus zum Schweigen zu bringen, indem sie besagte Feminist_innen nach dem Gießkannenprinzip des Rassismus‘ bezichtigten (einen Vorwurf, den Schwarzer abstreitet), und dass selbst­er­klärte PoC darauf be­stünden, „erstmal Recht“ zu haben, während „alle Weißen“ automatisch falsch lägen (ich übertreibe nicht, sie hat es so geschrieben).

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Was Frauen wollen und warum Feministinnen damit nicht klarkommen. Oder so.

16. Mai 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 47 von 59 der Serie Meine Meinung

Ein paar Geschichten von Freundinnen, ein möglicher Trend und keine Fakten – aus diesem Zutaten kochen in der New York Times seit Jahren Autor_innen zweifelhafte Geschichten, die als „New York Times Trend Pieces“ bekannt geworden sind. Manchmal verniedlichen diese Trendgeschichten Rassismus; In den meisten Fällen aber machen Frauen entweder irgendwas falsch, irgendwas anders als früher (was sie wiederum unglücklich macht und damit falsch ist) oder alles wie früher und ärgern so die bösen Feminist_innen. Amanda Hess trug 2010 eine Reihe dieser Artikel zusammen.

Nun ist dieser Trend anscheinend in Deutschland angekommen. Passenderweise in der FAZ, die sich dabei tatsächlich nicht zu schade ist, auf die Times Bezug zu nehmen. Das Thema: Frauen, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aus dem Hamsterrad ausbrechen und sich selbst verwirklichen. Dass es dazu keine Zahlen gibt, gibt der Artikel ebenfalls zu. Immerhin werden zwei Forscherinnen zitiert, die etwa zu „Karrierekorrekturen beruflich erfolgreicher Frauen in der Lebensmitte“ und der Motivation der „Aussteigerinnen“ arbeiten:

Die Frauen wollten ihre Interessen, Überzeugungen, Erfahrungen und Begabungen nunmehr in einem Umfeld der Sinnhaftigkeit und Wertschätzung zur Geltung bringen, außerhalb von großen unternehmerischen Strukturen.

Das nun, man glaubt es kaum, mache Feministinnen unglücklich. Schließlich hätten die Frauen immer dazu gedrängt, alle Karrierefrauen zu werden. So wenig Ahnung von Feminismen hatte zuletzt Kristina Schröder. Ihr, wie auch Autor¹ Inge Kloepfer, lege ich daher an dieser Stelle nahe, sich einmal mit Differenzfeminismus aus­ein­an­der­zusetzen. Dazu ein Zitat von Antje Schrupp von 1997:

Immer mehr Frauen merken, daß das Platznehmen auf dem Chefsessel eben kein Selbstzweck ist, zumindest für diejenigen nicht, denen es um mehr geht, als um ein gefülltes Bankkonto und um die bloße unkritische Teilnahme an den früher rein männlichen Ritualen der Macht. Diese Rituale werden nicht davon besser, daß sich Frauen an ihnen beteiligen. Die Bilanz des Emanzipationismus lautet: Das kann’s doch nicht gewesen sein?

Schließlich sinkt der Feminist_innenkopf nur noch ermattet auf den Tisch, wenn Kloepfer in einem einzigen Satz Sexismus und Diskriminierung beschreibt – ohne diese Worte in den Mund zu nehmen. Stattdessen heißt es, Frauen spürten, dass ihr Weg besonders mühsam sei „weil sie nun einmal weiblich sind“. So, Frau Kloepfer, haben wir Feministinnen wirklich nicht gewettet. Etwas mehr Recherche sollte drin sein. Und dass wir im Jahre 2012 Sexismus auch endlich als solchen benennen.

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¹ Bezeichnung übernommen von der FAZ.


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Wer war… Adrienne Rich?

4. April 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 29 von 51 der Serie Wer war eigentlich …

Die US-amerikanische feministische Dichterin und Autorin Adrienne Rich wurde 1929 geboren und ver­starb 2012 im Alter von 82 Jahren. Rich begann bereits im Kindes­alter Gedichte zu schreiben. Ihre Gedichte und Essays handeln von Unter­drückung, lesbischer Liebe, Mutter­schaft, Krieg und die Rolle von Frauen in einer männlich dominierten Welt.

Adrienne Rich (rechts) mit den Schriftstellerinnen Meridel Le Sueur (Mitte) und Audre Lorde (links). Quelle: flickr (K. Kendall) CC BY 2.0

Anfang der 1950er Jahre heiratete Rich den Harvard-Ökonom Alfred Conrad, mit dem sie drei Söhne bekam. Wegen einer An­stellung ihres Mannes an einem College in New York zog die Familie in die Groß­stadt, wo Rich aktiv wurde in der Anti­kriegs-, Frauen- und Bürger_innen­rechts­bewegung. Die Ehe hielt knapp zwei Jahr­zehnte, eine Trennung erfolgte 1970. Im gleichen Jahr nahm Conrad sich das Leben – ein schwerer Schick­sals­schlag für Rich.

Wenige Jahre später erschien ihr bekanntes Gedicht­band „Diving Into The Wreck“, welches bis heute als Meister­werk der feministischen Literatur gilt. Von 1976 bis zu ihrem Tod lebte sie in einer Partnerinnen­schaft mit der jamaikanischen Autorin Michelle Cliff. Ihr Essay „Zwangs­heterosexualität und lesbische Existenz“ (1980) sowie ihre Liebesgedichte an Frauen, z.B. die „Twenty-One Love Poems“ (1977), machten sie zu einer Identifikations­figur in der lesbischen Bewegung. In den Jahr­zehnten bis zu ihrem Tod unterrichte Rich an renommierten US-amerikanischen Universitäten und war weiter­hin politisch aktiv. So weigerte sie sich gemein­sam mit anderen Dichter_innen im Februar 2003 aus Protest gegen den Irak-Krieg an einem Symposion des Weißen Hauses zum Thema Poetry and the American Voice teil­zunehmen.

Adrienne Rich verstarb am 27. März 2012 in Kalifornien (USA).

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Applaus für… 40 Jahre Ms. Magazine!

17. November 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 21 von 39 der Serie Applaus für

Letzte Woche feierte das US-amerikanische Magazin Ms. Magazine seinen 40. Geburtstag. Das New York Magazine blickt zurück und präsentiert eine Oral History über das erfolgreiche feministische Magazin, welches versucht ohne Werbung auszukommen.

Gloria Steinem, eine der Gründerinnen des feministischen Magazins, arbeitete Anfang der 1970er Jahre in der Redaktion des New York Magazine, welches sich 1971 bereit erklärte, die erste Ausgabe des Ms. Magazine als Beilage ins Magazin zu nehmen. Im Interview mit der Today Show spricht Steinem über ihre damalige Überraschung, dass die Ausgabe innerhalb von acht Tagen ausverkauft war. Für Steinem und ihre Kolleginnen war das Ms. Magazin ein Risiko, weil sie die sehr lebendige Frauenbewegung zu der Zeit nicht mit einem möglicherweise erfolglosen Magazin schaden wollten.

Ein schöne Aussage von Steinem ist ihre Antwort auf die Frage der Moderatorin, ob es gut oder schlecht sei, feministische Erfolge als selbstverständlich anzusehen:

„Es ist gut, die feministische Geschichte zu kennen (…). Aber Dankbarkeit hat noch niemanden radikalisiert. Ich bin ja auch nicht rumgelaufen und habe mich dafür bedankt, dass ich wählen ‚durfte‘. (…) Ich bin eher dafür, in die Zukunft zu schauen und nicht genügsam und dankbar zu sein.“

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Mit dem Taxi zur Revolution

17. Juni 2011 von Hannah

Zu Beginn des libyschen Aufstands befanden sich Frauen in der ersten Reihe. Mittlerweile bestimmen die Männer das Bild in Bengasi. Doch auch Frauen kämpfen weiterhin gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi. Wie feministisch ist die libysche Revolution?

In der Mitte des Tahrir Square, des »Platzes der Befreiung«, in Bengasi versammeln sich Männer zum Gebet. Die älteren von ihnen halten ein Schwätzchen in einem der Zelte, die den Platz umgeben. Dahinter tanzen junge Männer zum neuesten Revolutions-Rap. Halbstarke fahren etwas abseits Rennen auf Quads. Frauen sieht man hingegen nicht. Zu Beginn des libyschen Aufstands waren sie noch hier und schrien am 17. Februar gemeinsam mit den Männern vor dem Gerichtsgebäude nach »Freiheit«. Bis spät in die Nacht hinein saßen sie mit ihren männlichen Freunden auf dem Platz und diskutierten, nachdem die Stadt am 20. Februar aus der Herrschaft von Muammar al-Gaddafis Leuten befreit worden war.

Aber vor vier Wochen war Schluss damit. Die Frauen bekamen ein mit Brettern abgesperrtes Areal an der Strandpromenade zugewiesen. Nachmittags organisieren dort junge Frauen Kinderspiele: Kegeln, Malen, Türme Bauen. Abends ist der Platz verwaist. »Nach der Revolution kamen immer mehr Frauen zum Tahrir Square«, erzählt Dina al-Gallal. »Vielleicht haben einige der Jugendlichen Frauen belästigt. Deshalb brauchten wir einen sicheren Ort.« Die 27jährige arbeitet ehrenamtlich im Pressezentrum. Sie und ihre Kollegin Nada tragen kein Kopftuch. Das ist in Bengasi so selten wie eine Niqab tragende Frau in Berlin. Dina sagt, es gebe keine Probleme. »Niemand zwingt mich. Es ist hier gar nicht so streng. Wir können arbeiten. Wir können Auto fahren.«

Das mit dem Autofahren hört man oft. Tatsächlich sitzen viele Frauen am Steuer. »Ohne Auto kann man sich als Frau nicht bewegen«, erzählt Seham al-Elamani. Die 30jährige Englischlehrerin hat keines. Allein mit dem Taxi zu fahren, hält sie für zu gefährlich. Wenn sie zum Gerichtsgebäude will, wo sie als Übersetzerin arbeitet, kommt ihr Mann im Taxi mit. Zu Freundinnen kann sie nur, wenn eine sie abholt. »Das ist so wegen der Sicherheitssituation«, sagt sie. (mehr …)


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