Einträge mit dem Tag ‘Frauenbewegung’


Was Frauen wollen und warum Feministinnen damit nicht klarkommen. Oder so.

16. Mai 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 48 von 48 der Serie Meine Meinung

Ein paar Geschichten von Freundinnen, ein möglicher Trend und keine Fakten – aus diesem Zutaten kochen in der New York Times seit Jahren Autor_innen zweifelhafte Geschichten, die als „New York Times Trend Pieces“ bekannt geworden sind. Manchmal verniedlichen diese Trendgeschichten Rassismus; In den meisten Fällen aber machen Frauen entweder irgendwas falsch, irgendwas anders als früher (was sie wiederum unglücklich macht und damit falsch ist) oder alles wie früher und ärgern so die bösen Feminist_innen. Amanda Hess trug 2010 eine Reihe dieser Artikel zusammen.

Nun ist dieser Trend anscheinend in Deutschland angekommen. Passenderweise in der FAZ, die sich dabei tatsächlich nicht zu schade ist, auf die Times Bezug zu nehmen. Das Thema: Frauen, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aus dem Hamsterrad ausbrechen und sich selbst verwirklichen. Dass es dazu keine Zahlen gibt, gibt der Artikel ebenfalls zu. Immerhin werden zwei Forscherinnen zitiert, die etwa zu „Karrierekorrekturen beruflich erfolgreicher Frauen in der Lebensmitte“ und der Motivation der „Aussteigerinnen“ arbeiten:

Die Frauen wollten ihre Interessen, Überzeugungen, Erfahrungen und Begabungen nunmehr in einem Umfeld der Sinnhaftigkeit und Wertschätzung zur Geltung bringen, außerhalb von großen unternehmerischen Strukturen.

Das nun, man glaubt es kaum, mache Feministinnen unglücklich. Schließlich hätten die Frauen immer dazu gedrängt, alle Karrierefrauen zu werden. So wenig Ahnung von Feminismen hatte zuletzt Kristina Schröder. Ihr, wie auch Autor¹ Inge Kloepfer, lege ich daher an dieser Stelle nahe, sich einmal mit Differenzfeminismus aus­ein­an­der­zusetzen. Dazu ein Zitat von Antje Schrupp von 1997:

Immer mehr Frauen merken, daß das Platznehmen auf dem Chefsessel eben kein Selbstzweck ist, zumindest für diejenigen nicht, denen es um mehr geht, als um ein gefülltes Bankkonto und um die bloße unkritische Teilnahme an den früher rein männlichen Ritualen der Macht. Diese Rituale werden nicht davon besser, daß sich Frauen an ihnen beteiligen. Die Bilanz des Emanzipationismus lautet: Das kann’s doch nicht gewesen sein?

Schließlich sinkt der Feminist_innenkopf nur noch ermattet auf den Tisch, wenn Kloepfer in einem einzigen Satz Sexismus und Diskriminierung beschreibt – ohne diese Worte in den Mund zu nehmen. Stattdessen heißt es, Frauen spürten, dass ihr Weg besonders mühsam sei „weil sie nun einmal weiblich sind“. So, Frau Kloepfer, haben wir Feministinnen wirklich nicht gewettet. Etwas mehr Recherche sollte drin sein. Und dass wir im Jahre 2012 Sexismus auch endlich als solchen benennen.

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¹ Bezeichnung übernommen von der FAZ.


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Wer war… Adrienne Rich?

4. April 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 29 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Die US-amerikanische feministische Dichterin und Autorin Adrienne Rich wurde 1929 geboren und ver­starb vor einer Woche im Alter von 82 Jahren. Rich begann bereits im Kindes­alter Gedichte zu schreiben. Ihre Gedichte und Essays handeln von Unter­drückung, lesbischer Liebe, Mutter­schaft, Krieg und die Rolle von Frauen in einer männlich dominierten Welt.

Adrienne Rich (rechts) mit den Schriftstellerinnen Meridel Le Sueur (Mitte) und Audre Lorde (links). Quelle: flickr (K. Kendall) CC BY 2.0

Anfang der 1950er Jahre heiratete Rich den Harvard-Ökonom Alfred Conrad, mit dem sie drei Söhne bekam. Wegen einer An­stellung ihres Mannes an einem College in New York zog die Familie in die Groß­stadt, wo Rich aktiv wurde in der Anti­kriegs-, Frauen- und Bürger_innen­rechts­bewegung. Die Ehe hielt knapp zwei Jahr­zehnte, eine Trennung erfolgte 1970. Im gleichen Jahr nahm Conrad sich das Leben – ein schwerer Schick­sals­schlag für Rich.

Wenige Jahre später erschien ihr bekanntes Gedicht­band “Diving Into The Wreck”, welches bis heute als Meister­werk der feministischen Literatur gilt. Von 1976 bis zu ihrem Tod lebte sie in einer Partner­schaft mit der jamaikanischen Autorin Michelle Cliff. Ihr Essay “Zwangs­heterosexualität und lesbische Existenz“ (1980) sowie ihre Liebesgedichte an Frauen, z.B. die ”Twenty-One Love Poems” (1977), machten sie zu einer Identifikations­figur in der lesbischen Bewegung. In den Jahr­zehnten bis zu ihrem Tod unterrichte Rich an renommierten US-amerikanischen Universitäten und war weiter­hin politisch aktiv. So weigerte sie sich gemein­sam mit anderen Dichter_innen im Februar 2003 aus Protest gegen den Irak-Krieg an einem Symposion des Weißen Hauses zum Thema Poetry and the American Voice teil­zunehmen.

Adrienne Rich verstarb am 27. März 2012 in Kalifornien (USA).

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Applaus für… 40 Jahre Ms. Magazine!

17. November 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 20 von 22 der Serie Applaus für

Letzte Woche feierte das US-amerikanische Magazin Ms. Magazine seinen 40. Geburtstag. Das New York Magazine blickt zurück und präsentiert eine Oral History über das erfolgreiche feministische Magazin, welches versucht ohne Werbung auszukommen.

Gloria Steinem, eine der Gründerinnen des feministischen Magazins, arbeitete Anfang der 1970er Jahre in der Redaktion des New York Magazine, welches sich 1971 bereit erklärte, die erste Ausgabe des Ms. Magazine als Beilage ins Magazin zu nehmen. Im Interview mit der Today Show spricht Steinem über ihre damalige Überraschung, dass die Ausgabe innerhalb von acht Tagen ausverkauft war. Für Steinem und ihre Kolleginnen war das Ms. Magazin ein Risiko, weil sie die sehr lebendige Frauenbewegung zu der Zeit nicht mit einem möglicherweise erfolglosen Magazin schaden wollten.

Ein schöne Aussage von Steinem ist ihre Antwort auf die Frage der Moderatorin, ob es gut oder schlecht sei, feministische Erfolge als selbstverständlich anzusehen:

“Es ist gut, die feministische Geschichte zu kennen (…). Aber Dankbarkeit hat noch niemanden radikalisiert. Ich bin ja auch nicht rumgelaufen und habe mich dafür bedankt, dass ich wählen ‘durfte’. (…) Ich bin eher dafür, in die Zukunft zu schauen und nicht genügsam und dankbar zu sein.”

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Mit dem Taxi zur Revolution

17. Juni 2011 von Hannah

Zu Beginn des libyschen Aufstands befanden sich Frauen in der ersten Reihe. Mittlerweile bestimmen die Männer das Bild in Bengasi. Doch auch Frauen kämpfen weiterhin gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi. Wie feministisch ist die libysche Revolution?

In der Mitte des Tahrir Square, des »Platzes der Befreiung«, in Bengasi versammeln sich Männer zum Gebet. Die älteren von ihnen halten ein Schwätzchen in einem der Zelte, die den Platz umgeben. Dahinter tanzen junge Männer zum neuesten Revolutions-Rap. Halbstarke fahren etwas abseits Rennen auf Quads. Frauen sieht man hingegen nicht. Zu Beginn des libyschen Aufstands waren sie noch hier und schrien am 17. Februar gemeinsam mit den Männern vor dem Gerichtsgebäude nach »Freiheit«. Bis spät in die Nacht hinein saßen sie mit ihren männlichen Freunden auf dem Platz und diskutierten, nachdem die Stadt am 20. Februar aus der Herrschaft von Muammar al-Gaddafis Leuten befreit worden war.

Aber vor vier Wochen war Schluss damit. Die Frauen bekamen ein mit Brettern abgesperrtes Areal an der Strandpromenade zugewiesen. Nachmittags organisieren dort junge Frauen Kinderspiele: Kegeln, Malen, Türme Bauen. Abends ist der Platz verwaist. »Nach der Revolution kamen immer mehr Frauen zum Tahrir Square«, erzählt Dina al-Gallal. »Vielleicht haben einige der Jugendlichen Frauen belästigt. Deshalb brauchten wir einen sicheren Ort.« Die 27jährige arbeitet ehrenamtlich im Pressezentrum. Sie und ihre Kollegin Nada tragen kein Kopftuch. Das ist in Bengasi so selten wie eine Niqab tragende Frau in Berlin. Dina sagt, es gebe keine Probleme. »Niemand zwingt mich. Es ist hier gar nicht so streng. Wir können arbeiten. Wir können Auto fahren.«

Das mit dem Autofahren hört man oft. Tatsächlich sitzen viele Frauen am Steuer. »Ohne Auto kann man sich als Frau nicht bewegen«, erzählt Seham al-Elamani. Die 30jährige Englischlehrerin hat keines. Allein mit dem Taxi zu fahren, hält sie für zu gefährlich. Wenn sie zum Gerichtsgebäude will, wo sie als Übersetzerin arbeitet, kommt ihr Mann im Taxi mit. Zu Freundinnen kann sie nur, wenn eine sie abholt. »Das ist so wegen der Sicherheitssituation«, sagt sie. (weiterlesen …)


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Interview mit Andrea Nahles

22. November 2010 von Barbara

Barbara: Vergangene Woche ist ein Interview von Ihnen in der Frauenzeitschrift Brigitte erschienen. Dort erzählen Sie von Ihren Plänen, schon zwei Monate nach der Geburt Ihres Kindes wieder zurück ins Amt zu gehen. Sie sagen: “Emotional stelle ich mir das für mich unheimlich schwer vor. Ich weiß, ich werde unser Kind nicht so oft sehen, wie ich es gern hätte.” Eine solche Entscheidung fällt man in der Regel nicht nur mit dem Bauch, sondern auch mit dem Kopf. Und nicht alleine. Wie haben Sie Ihre Lösung gefunden?

Andrea Nahles: Ich plane. Um mich ein wenig sicherer zu fühlen. Ob es am Ende so kommt… das hängt von dem Kind ab. Ist es gesund und munter, ja, dann werde ich bald wieder meiner Arbeit nachgehen. Das ist ohne die aktive Unterstützung meines Mannes nicht denkbar: Wir haben das intensiv besprochen. Wir möchten, dass unser Kind von einem Elternteil intensiv betreut wird, und das ist in unserem Fall eben mein Mann. Ich mache mir nix vor, dass wird sicher nicht so leicht – ich freue mich nämlich sehr auf das Zusammenleben mit unserem Kind. Es ist ein spätes Glück.

SPD / Florian Jaenicke

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles

Barbara: Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist für jede Frau eine Herausforderung. Besonders in einer Position wie der Ihren, die durch große Verantwortung und einen gefüllten Terminkalender eher familienunfreundlich wirkt, wirft die Geburt eines Kindes viele Fragen auf: Wer betreut das Kind, etwa. Aber auch: Wie gehe ich mit dem Vorwurf der Rabenmutter um? Und: Wie mache ich meinem Umfeld klar, dass ich durch die Geburt nicht zu einem an Stilldemenz leidenden Wesen geworden bin, sondern nach wie vor klar denken kann und sogar neue Kompetenzen und Einsichten erworben habe? Wie gehen Sie mit diesen und anderen Fragen um?

Andrea Nahles: Stilldemenz ist wie Rabenmutter ein klassisch deutsches Klischee. Das ist in anderen Ländern so nicht anzutreffen. Ganz offen: Ich habe keine feste Idee, wie ich damit umgehe. Besonders der Rabenmutter-Vorwurf ist wohl unvermeidlich, und wie schaffe ich es, dass mich solche Gedanken nicht anstecken? Gerade mit einem nicht so ganz gewöhnlichen Job wie meinem. Puh. Sicher hilft, dass ich unser Kind in guten Händen weiß, und dennoch piesackt sowas doch sehr, schätze ich. Umgekehrt wird es sicher auch nicht einfach, die Beobachter auszuhalten, die nach Nachlässigkeit oder weniger Engagement wegen des Kindes bei mir fahnden. Am Ende mache ich es wie alle Frauen: Durchziehen. Froh sein mit dem Kind. Wissen, dass man etwas Kostbares erleben darf.

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Im Schatten der WM. Genderthemen in Südafrika

29. Juni 2010 von Nicole

Nach dem kleinen Blick auf die mediale Aufbereitung der Kombination Frauen & Fußball heute einige Lesetipps unter der Rubrik Genderthemen in Südafrika, die eher wenig mit der WM und dem Ball zu tun haben. Oder vielleicht doch ein bisschen. Die aktuelle Ausgabe des L.Mag berichtet über Frauenorganisationen in den Townships, die sich gegen sexuelle Gewalt insbesondere gegen lesbische Frauen und Mädchen – und auch gemeinsam Fußball spielen. Eine der Gruppen, die u.a. Opfer von Vergewaltigungen unter der zynischen Bezeichnung „corrective rape“ unterstützt, ist Luleki Sizwe.

In dem im April 2010 von Jens Erik Ambacher und Romin Khan bei der Assoziation A herausgegebenen Sammelband Südafrika. Die Grenzen der Befreiung gibt es ebenfalls einige Beiträge rund um das Thema Gender: Shireen Hassim analysiert die Frauenbewegung im Südafrika nach der Apartheid, Rita Schäfer stellt Strategien der Frauenrechtsorganisationen gegen geschlechtsspezifische Gewalt dar und Mandisa Mbali schildert die Geschichte der „Treatment Action Campaign“ im südafrikanischen AIDS-/HIV-Aktivismus. Rita Schäfer hat zudem in der aktuellen Ausgabe Nr. 117 der Peripherie. Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt, die sich schwerpunktmäßig mit der WM befasst, einen Text zum Thema Prostitution während der Weltmeisterschaft 2010 veröffentlicht.


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Frauenbewegung

26. Januar 2010 von Barbara

Am Mittwoch, 27. Januar 2010, geht es in den Frauenstudien München um Erika Wisselinck, Journalistin, Politikerin und Münchner Frauenpreisträgerin.

Mit Erika Wisselincks Geschichte wird die Geschichte der Frauenbewegung erzählt: Es geht um die Verhältnisse für Frauen in den restaurativen fünfziger und sechziger Jahren und wie Erika Wisselinck zunächst allein, dann zusammen mit anderen eigenes Denken, Wollen und Handeln dagegen entwickelte: die Entdeckung weiblicher Symbolik wie der Gestalt der Sophia, das Buch “Frauen denken anders” und ihre Untersuchungen über die Hexenverfolgung setzten Zeichen.

Die Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Ausstellungsmacherin Gabriele Meixner stellt ihre Biografie von Erika Wisselinck vor am 27.01.10 um 19.30 im Atelierhaus Baumstraße 8 in München, Eintritt 9 / 7 Euro.


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Jenseits der Gleichberechtigung

27. September 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 34 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

“Weit über Gleichberechtigung hinaus …” heißt ein Bändchen von Ina Praetorius, das vor kurzem im Christel Göttert Verlag erschienen ist. Untertitel: “Das Wissen der Frauenbewegung fruchtbar machen”. Es geht Ina Praetorius unter anderem darum, dass Feministinnen mehr fordern als nur Gleichberechtigung, dass Gleichberechtigung eigentlich als pars pro toto, als Teil des Ganzen, und somit als Mittel zum Zweck gesehen werden kann. Das Streben nach Gleichberechtigung sieht Praetorius sogar als hinderlich. Sie schreibt:

Was Feministinnen unter Weltgestaltung verstehen, haben sie schon in unzähligen Texten erläutert. Aber dieses Wissen, das uns eigentlich längst zur Verfügung steht, wird immer wieder vergessen. Warum? Weil wir immer noch zu sehr mit dem Kampf um Gleichberechtigung beschäftigt sind? Weil wir noch nicht aufgehört haben, das “Höhere Männliche” anzubeten, das sich heute kaum mehr “Herrgott”, sondern zum Beispiel “Wallstreet” oder “Eliteuniversität” oder “FAZ” nennt? Und weil Weltgestaltung anstrengend ist?

Ina PraetoriusAnstrengend ist ein gutes Stichwort, das die Bemühungen einer jeden Feministin treffend beschreibt. Es ist anstrengend, auf Sexismen hinzuweisen, gegen Diskriminierung zu kämpfen – und dabei nicht schlecht gelaunt, sarkastisch und verbittert zu werden.

Doch dass das Streben nach Gleichberechtigung auch Schattenseiten hat, damit gebe ich der Autorin recht, wenn sie nur vermeintlich naiv betrachtend schreibt, “… es ist nicht angemessen, lebenswichtige Dinge wie Kochen, Reinigen, Zuhören oder Kinderhüten für minderwertig zu erklären. Genauso wenig realistisch ist es zu meinen, das, was man ‘Karriere’ oder ‘öffentliche Positionen’ nennt, sei grundsätzlich interessant”. Was interessant oder nicht ist, hat immer auch mit gesellschaftlichem Druck zu tun. Doch dass Gleichberechtigung hinsichtlich geteilter Macht nach wie vor ein Thema für die Frauenbewegung ist, hat sehr treffend Petra Steinberg kürzlich in der SZ geschrieben:

Warum wollt ihr die Macht überhaupt, fragen manche Männer. Und was wollt ihr mit ihr? Sie ist nichts, die Macht, sie macht höchstens krank, dick und Magengeschwüre. Das mag sein. Aber man muss sie erst einmal ausprobieren können, um sich denn vielleicht gegen sie zu entscheiden.

Dagegen entscheiden kann auch bedeuten, etwas Neues zu finden. Dass Begriffe wie Karriere oder Macht mit neuen Inhalten befüllt werden, fern von 60-Stunden-Woche oder Machtmissbrauch – etwas, dass das Leben von Frauen und Männern verbessern könnte.  Auch Ina Praetorius weiß darum und schließt deshalb mit dem hoffnungsvollen Gedanken eines gleichberechtigten Denkens:

… viele Männer haben sich durch die Politik des weiblichen Separatismus daran gewöhnt, dass unser Wissen sie nichts angeht, glauben vielleicht sogar, Frauen wollten nur zu Frauen sprechen und daher seien ihre Aussagen nicht wichtig fürs Ganze. Doch diese Männer hätten trotzdem die vielen Bücher lesen können, die aus den Räumen des Frauenwissens kamen. Warum haben sie es kaum getan? Weil sie von den Attacken der revoltierenden Frauen thematisiert sind? … Eins aber ist sicher: Es gibt auch Männer, die feministische Bücher lesen… Mit ihnen ist zu rechnen, wenn wir uns aufmachen in eine Zukunft, die, weit über Gleichberechtigung hinaus, wohnlich sein wird. Für alle.

Ina Praetorius Buch ist eine mögliche Antwort auf die Frage “Wo sind wir gerade in der Frauenbewegung”, sie ruft Errungenschaften ebenso wie noch zu Erringendes in Erinnerung. Und vergisst dabei nicht den gesunden Menschenverstand.

Ina Praetorius, “Weit über Gleichberechtigung hinaus … Das Wissen der Frauenbewegung fruchtbar machen”. Christel Göttert Verlag, 2009. 80 Seiten, broschiert. 5 EUR.


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Hausfrauen und Karrierefrauen

24. März 2009 von Barbara

Am 25. März spricht Dr. Antje Schrupp in der Vortragsreihe “Ewige Rivalinnen?” der Frauenstudien München e.V. zum Thema “Hausfrauen und Karrierefrauen”. Die 1964 geborene Journalistin und Politologin Schrupp veröffentlicht regelmäßig Texte zur Frauenbewegung, etwa das 2004 veröffentlichte Bändchen “Zukunft der Frauenbewegung“, über das sie auf ihrer Website schreibt:

Die Frauenbewegung ist die wohl erfolgreichste soziale Bewegung, die die westliche Welt erlebt hat. Kein anderer gesellschaftlicher Bereich hat sich in den letzten dreißig Jahren so sehr zum Positiven verändert, wie das Verhältnis von Frauen und Männern. Frauen haben für sich gleiche Rechte errungen, sie haben die alten Rollenbilder aufgebrochen und mit neuen Formen von Weiblichkeit experimentiert, sie haben an Einfluss gewonnen und neue Möglichkeiten für sich und ihresgleichen geschaffen. Nun kommt es darauf an, diese Möglichkeiten und Errungenschaften auch sinnvoll zu nutzen. Sie als bedeutsame kulturelle Veränderung ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, sie ausstrahlen und wirksam werden zu lassen. Gerade in Krisenzeiten wie diesen, wo die Welt gute Ideen so nötig hat.
Dieser Text ist ein Diskussionsangebot für alle, die sich dieser Herausforderung stellen wollen – für Abenteurerinnen also. Denn es ist in der Tat ein Abenteuer, nach neuen Wegen in der (Frauen-)Politik zu suchen. Es bedeutet auch, das sichere Terrain der eigenen Gewissheiten zu verlassen, das bislang Undenkbare zu denken und das scheinbar Unmögliche zu versuchen, auch wenn es ungewohnt und vielleicht sogar gefährlich ist.

Auf einen Blick:
Mittwoch, 25. März, 20 Uhr, Atelierhaus, Baumstraße 8, München, Eintritt 9 /7


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Die Zukunft der Frauenbewegung

8. März 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 24 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Um die “Zukunft der Frauenbewegung” geht es der 1964 geborenen Journalistin und Politologin Antje Schrupp in ihrem gleichnamigen Buch von 2004. Vor der Zukunft steht die Gegenwart, und so beantwortet Schrupp erst mal die Frage: “Wo stehen wir heute?”. Das Patriarchat, jene “schlechte” Ordnung, die die Dinge regelte, sei heute zerfallen. Es herrsche nun eine Unordnung, nach dem “Verlust der väterlichen Autorität” der “Väter, Chefs, Vorgesetzten” ist nun die “Macht der Brüder” an oberster Stelle. Hier bezieht sich Schrupp auf die Italienerin Chiara Zamboni aus der Philosophinnen-Gemeinschaft Diotima und erklärt anhand deren Schrift “Das Patriarchat ist zu Ende”:

Die Brüder … halten nicht mehr das Ideal der Hierarchien hoch, sondern das der Gleichheit … die Brüder, die ‘zerstritten, aggressiv, gewalttätig sind und zugleich schwach und narzisstisch” … müssen sich auf andere Weise [als die Figur des Vaters, die Autorität und Macht verband] in den Vordergrund spielen, und sie tun das auf der Bühne der Öffentlichkeit.

Eben diese Bühne ist nun auch für Frauen zugänglich: in der Politik, in den Medien, im Berufsleben. Doch die dort herrschenden Regeln sind die der Brüder.

Vielleicht liegt hier eine Erklärung für die Tatsache, dass trotz AGG und der Bereitschaft von privatwirtschaftlichen Unternehmen, Frauen nun doch in die Führungsetagen zu lassen (auf dem Frauenpolitischen Forum der Grünen in Stuttgart vor ein paar Tagen hörte ich, dass sowohl die Deutsche Bank als auch Daimler über eine Quote für die oberste Etage immerhin nachdenkt), nicht alle Frauen auch wirklich dazu bereit sind, Karriere zu machen. “Karriere” – dieses Wort ist ein in der Öffentlichkeit höchst männlich konnotierter Begriff, der viele Frauen abschreckt. 14-Stunden-Arbeitstage, Netzwerke beim Bier bis spät in die Nacht, der Kontakt zur Familie nur über die Fotos auf dem Schreibtisch.

Doch gerade weil aus dem “Patriarchen” eine “Gruppe Piraten” geworden ist, sei es an der Zeit, dass “die Frauenbewegung nun in die Phase der ‘Regeln der Partizipation’” eintrete, schreibt Schrupp. Und: “Es ist notwendig, dass sich weibliche Autorität nicht nur im privaten Kreis äußert, sondern dass sie sich öffentlich zu Wort meldet.” Und dabei hilft der Feminismus, “die Welt und die eigene Rolle darin besser zu verstehen und in Freiheit den Weg des persönlichen Begehrens zu finden”.

Antje Schrupps Buch regt zum Nachdenken, zum Weiterdenken an. Wer sind wir Feministinnen heute? Welche Aufgaben warten heute auf uns, welche Möglichkeiten haben wir und welche nicht? Wichtiger denn je bleibt die Lebendigkeit der Frauenbewegung, der politische Austausch und die Bereitschaft, Autorität sowohl zu akzeptieren als auch zu übernehmen. Der Blick in die Zukunft stimmt Schrupp optimistisch, denn schließlich gehe es dabei um die “Liebe zur Freiheit”.

Antje Schrupp, “Zukunft der Frauenbewegung”. Christel Göttert Verlag, 2004. Taschenbuch, 84 Seiten. 5 Euro.


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