In ihrem neuen Buch „Das wird mir alles nicht passieren… Wie bleibe ich FeministIn“ erzählt die österreichische Autorin Marlene Streeruwitz (geboren 1950) von Situationen, die es häufig gibt: Eine Frau erfährt, dass ihr Liebhaber seine Ehefrau trotz vieler Versprechen nicht verlassen wird, eine Kranke wird von ihrem Mann mit der Pflegerin betrogen, ein Hausmann ist unglücklich neben seiner immens erfolgreichen Gattin. Die Geschichten sollen kein düsteres, trauriges Abbild des Lebens sein, sondern uns vielmehr aufrütteln, jeden Tag aufs Neue für Freiheit und das Recht auf Würde zu kämpfen. Und uns nicht von gut gemeinten Patentrezepten für ein perfektes Leben beirren lassen! Ich habe in Salzburg mit der Autorin gesprochen.
Haben Sie einen Ratschlag für die junge Frauen-Generation, die Berufsleben und Familienplanung noch vor sich haben? Gibt es Fehler, die zu vermeiden sind?
Ich würde ihnen raten, keine Angst vor Fehlern zu haben, weil in den Fehlern das Leben natürlich am meisten enthalten ist. Aber sie sollten versuchen, die Fehler so zu minimieren, dass sie sie managen können. Also, dass es nicht zu viele Fehler auf einmal gibt, und dass dieses große Unglück, das wir ja kennen in Frauenbiografien, dass das nicht über sie hereinbricht.
Ich würde auch immer raten, dass Frauen darauf achten, dass ihre Partner sie nicht zwingen, ihre eigenen Welten aufzugeben. Wenn jemand das verlangt, bedeutet das, das Eigene aufzugeben und sich eben hinzugeben. Das ist ein Machtverlust, der sehr genau zu überlegen ist.
Ich hatte beim Lesen Ihres Buches das Gefühl, das die von Ihnen beschriebenen Beziehungen auch daran scheitern, dass Menschen sich in Abhängigkeiten gebracht haben. Romantik hin, Romantik her, wie kann man das denn schaffen, dass man sich selbst in einer Partnerschaft nicht vergisst?
Wir wollen alle ein schönes Leben führen, wir wollen ein spannendes Leben führen, wir wollen ein sexuelles Leben führen, wir wollen ein erotisches Leben führen … Natürlich ist es ganz unrealistisch anzunehmen, dass uns das alles gelingen wird. Deshalb müssen wir immer wieder die Grundfrage stellen: „Ist das jetzt alles richtig für mich?“
Wir brauchen Personen, die durchgängig als Beobachter und Zeugen des eigenen Lebens existieren. Die gute Freundin oder die guten Freundinnen sind für eine Frau sehr wichtig, weil daran gesehen werden kann, wie weit sich eine Person von sich selbst entfernt. Zum Beispiel, um mit einem Mann mitzukommen. Mit einer solchen Unterstützung kann sie sagen, „…ist das jetzt gscheit oder ist es nicht gscheit“. Und ich finde auch, wenn eine Frau sagt, „es ist nicht gscheit“, aber es zahlt sich aus für sie, und sie weiß, welche Konsequenzen es sind, dann sollte sie es selbstverständlich machen. Denn diese Angst vor Unglück, darum kann es nicht gehen. Das ist auch etwas, was ich an diesen Emanzipations-Ratgebern nicht mag. Unglück ist eine selbstverständliche Folge von selbstverständlichem Leben und muss halt bewältigt werden.
Marlene Streeruwitz, „Das wird mir alles nicht passieren… Wie bleibe ich FeministIn“. Fischer-Verlag, 9,95 EUR. Auf der Website http://wie.bleibe.ich.feministin.org/ kann über die Geschichten diskutiert werden, sie können sogar online weiter geschrieben werden … und die Autorin liest und diskutiert mit.
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