Einträge mit dem Tag ‘Frauen in den Medien’


Interview mit Andrea Nahles

22. November 2010 von Barbara

Barbara: Vergangene Woche ist ein Interview von Ihnen in der Frauenzeitschrift Brigitte erschienen. Dort erzählen Sie von Ihren Plänen, schon zwei Monate nach der Geburt Ihres Kindes wieder zurück ins Amt zu gehen. Sie sagen: “Emotional stelle ich mir das für mich unheimlich schwer vor. Ich weiß, ich werde unser Kind nicht so oft sehen, wie ich es gern hätte.” Eine solche Entscheidung fällt man in der Regel nicht nur mit dem Bauch, sondern auch mit dem Kopf. Und nicht alleine. Wie haben Sie Ihre Lösung gefunden?

Andrea Nahles: Ich plane. Um mich ein wenig sicherer zu fühlen. Ob es am Ende so kommt… das hängt von dem Kind ab. Ist es gesund und munter, ja, dann werde ich bald wieder meiner Arbeit nachgehen. Das ist ohne die aktive Unterstützung meines Mannes nicht denkbar: Wir haben das intensiv besprochen. Wir möchten, dass unser Kind von einem Elternteil intensiv betreut wird, und das ist in unserem Fall eben mein Mann. Ich mache mir nix vor, dass wird sicher nicht so leicht – ich freue mich nämlich sehr auf das Zusammenleben mit unserem Kind. Es ist ein spätes Glück.

SPD / Florian Jaenicke

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles

Barbara: Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist für jede Frau eine Herausforderung. Besonders in einer Position wie der Ihren, die durch große Verantwortung und einen gefüllten Terminkalender eher familienunfreundlich wirkt, wirft die Geburt eines Kindes viele Fragen auf: Wer betreut das Kind, etwa. Aber auch: Wie gehe ich mit dem Vorwurf der Rabenmutter um? Und: Wie mache ich meinem Umfeld klar, dass ich durch die Geburt nicht zu einem an Stilldemenz leidenden Wesen geworden bin, sondern nach wie vor klar denken kann und sogar neue Kompetenzen und Einsichten erworben habe? Wie gehen Sie mit diesen und anderen Fragen um?

Andrea Nahles: Stilldemenz ist wie Rabenmutter ein klassisch deutsches Klischee. Das ist in anderen Ländern so nicht anzutreffen. Ganz offen: Ich habe keine feste Idee, wie ich damit umgehe. Besonders der Rabenmutter-Vorwurf ist wohl unvermeidlich, und wie schaffe ich es, dass mich solche Gedanken nicht anstecken? Gerade mit einem nicht so ganz gewöhnlichen Job wie meinem. Puh. Sicher hilft, dass ich unser Kind in guten Händen weiß, und dennoch piesackt sowas doch sehr, schätze ich. Umgekehrt wird es sicher auch nicht einfach, die Beobachter auszuhalten, die nach Nachlässigkeit oder weniger Engagement wegen des Kindes bei mir fahnden. Am Ende mache ich es wie alle Frauen: Durchziehen. Froh sein mit dem Kind. Wissen, dass man etwas Kostbares erleben darf.

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Das Frauenproblem der Wikipedia

19. November 2010 von Helga

Vor einiger Zeit untersuchte Rachel McCarthy James von Deeply Problematic die Einträge der englischen Wikipedia-Startseite danach, ob Männer oder Frauen präsentiert werden. Das erschreckende Ergebnis: Im Schnitt kommt auf neun Männer gerade mal eine Frau. Zum Vergleich habe ich im Oktober eine Woche lang die deutsche Startseite durchgezählt – wer keinen eigenen Eintrag hatte, aber namentlich erwähnt wurde, zählte mit. Die Ergebnisse sind ähnlich vernichtend:

4. Oktober: 10 Männer, 2 Frauen
5. Oktober: 13 Männer, keine Frau
6. Oktober: 12 Männer, keine Frau
7. Oktober: 10 Männer, 3 Frauen
8. Oktober: 12 Männer, 1 Frau
9. Oktober: 15 Männer, keine Frau
10. Oktober: 11 Männer, 3 Frauen

Gleich an drei Tagen schaffte es keine einzige Frau auf die Startseite der Wikipedia, während Männer immer im zweistelligen Bereich vorgestellt wurden. Im Vergleich zur englischen Startseite also ein noch schlechteres Verhältnis. Eine volle zweite Woche habe ich seitdem leider nicht geschafft, aber sporadische Stichproben sehen ähnlich aus (31. Oktober: 13 Männer, 1 Frau, 18. November: 15 Männer, 1 Frau, 1 Fossil namens „Mungo Man“ dessen Geschlecht nicht abschließend geklärt ist).

Aber in der Geschichte waren nun mal öfter Männer an wichtigen Dingen beteiligt – was soll also daran schlimm sein?
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Die Irrungen und Wirrungen der Kristina Schröder

10. November 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 10 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.


Schon in ihrer Abiturzeitung hat sich die Chefin des Bundesfamilienministeriums, Kristina Schröder, vom Feminismus distanziert. Vielleicht hat sie Simone de Beauvoirs durchaus komplexe Gedanken, die Schröder mit den Worten “Man wird nicht als Frau geboren, man wird es” wörtlich aus dem Französischen übersetzt zitiert, als Schülerin nicht kapiert. Und vielleicht hat sie dieses “Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird dazu gemacht” bis heute nicht verinnerlicht, weil sie ihr komisch vorkommt, diese Idee, dass Geschlecht nicht nur von der Biologie, sondern auch von der Umwelt gemacht wird. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich ganze Generationen an Gender-Studiengängen geirrt haben. Aber es ist durchaus im Bereich des Möglichen, dass unsere Familienministerin den Feminismus ablehnt, weil sie ihn einfach nicht verstanden hat.

In einem Interview, das Schröder dem SPIEGEL gegeben hat (wir haben berichtet), antwortet sie auf derart wundersam-naive Art und Weise, dass ich ihr die Kompetenz, die Erste in Sachen Frauenpolitik zu sein in der Bundesrepublik, absprechen muss. Damit bin ich nicht alleine. Spitzenpolitikerinnen wie Renate Künast oder Manuela Schwesig sind ebenso entsetzt über Schröders Antworten wie auch Alice Schwarzer oder die Berliner Gender-Professorin Sabine Hark.

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Punk, Kiana Ferouz, Burkinis&Bikinis, Eva Herman, Abtreibung, Geeks, Experimente und Niedriglöhne

28. Juli 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 53 von 152 der Serie Kurz notiert

The F-Word hat eine bisher 4-teilige Serie über Frauen in der Punkmusik.

Der Asylantrag der iranischen Schauspielerin Kiana Ferouz wurde nun doch angenommen. Obwohl Homosexualität im Iran verfolgt wird, bedurfte es erst einer Online-Petition, damit die britischen Behörden ihre Ablehnung überdachten (s.a. Artikel und Kommentar).

Mehr Burka-Neuigkeiten: Der Telegraph berichtet über den Rauswurf zweier Burkini tragenden Frauen aus einem französischen Schwimmbad. Und: In syrischen Schulen ist die Burka bzw. der Nikab nun auch verboten.

Frau Herman: Sie  nerven! Gnurpsnewoel kommentiert Hermans letzten Totalausfall mit den Worten: ”Ich will in Eva Hermans Welt nicht leben müssen.“ Auch auf Philibuster schreibt Nadia Shehadeh über den geistigen Absturz der Eva Herman.

Der Freitag über den Bikini, “Alptraum in zwei Teilen“: “Im Namen quasi atomar belastet, stand er zunächst für sexuelle Befreiung. Heute ist er Instrument weiblicher Selbstkontrolle.”

Sechs Frauen bekamen in Guanajuato in Mexiko 25 – 30jährige Haftstrafen, weil sie Abtreibungen vornehmen ließen. Schuldig gesprochen wurden sie wegen Totschlag, wie feministing berichtet.

Jamie Keiles ist eine High School Absolventin in Pennsylvania in den USA, die mit ihrem Blog TheSeventeenMagazineProject ein interessantes Experiment startete: Wie sieht das Leben aus, wenn frau nach den Regeln des Seventeen Magazine lebt?

DieStandard konstatiert, dass jede_r Fünfte in Deutschland im Niedriglohnsektor arbeitet: “Besonders stark von Niedriglöhnen betroffen sind junge Beschäftigte unter 25 Jahren, AusländerInnen, gering Qualifizierte, befristet Beschäftigte und Frauen.”

Geekfeminism hat einen interessanten Artikel über Computer Geeks und Privilegien: “If you were hacking since age 8, it means you were privileged.


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The female decade

10. Juni 2010 von Barbara

Eindrücke von der DLD women, die heute und morgen in München stattfindet. DLD steht für “Digital Life Design”. Hinter der Veranstaltung steht Hubert Burda Media, Chairwoman ist Maria Furtwängler-Burda. Ziel der DLD women:

DLDwomen is about unique women and men who are role-models for women’s leadership, who have managed challenges, started (social) entrepreneurship and who have accomplished power in digital media, social networks and e-commerce

Auf dem Podium sprachen bekannte und interessante Frauen: Gerade waren da unter anderem Silvana Koch-Mehrin, FDP-Europa-Politikerin, Catherine Hakim von der London School of Economics, Christine Haderthauer, CSU-Sozialministerin und Patricia Riekel, Bunte-Chefredakteurin – und es werden noch mehr sprechen.

Zum Thema “Leadership in the female decade” meinte Jill Lee (Diversity Expert), dass sie nicht sagen könnte, ob Frauen oder Männer besser oder schlechter in Führungspositionen wären; sie könnte noch nicht mal einen typisch weiblichen oder typisch männlichen Stil beschreiben – es würde immer aufs Individuum ankommen. Beim selben Thema waren sich Dalia Marin (LMU München), Georg Graf Waldersee (Ernst & Young) und Silvana Koch-Mehrin einig, dass Quoten ein nötiges Vehikel wären, um Frauen den Weg in alle Bereiche, so auch die Spitze, zu ermöglichen.

Catherine Hakim hielt einen Vortrag über das “Erotic Capital”, über das Frauen mehr als Männer verfügen. Ihr Schlusswort: Eine Frau, die schön und intelligent ist, wäre blöd, nicht beides einzusetzen.

Dann gab es noch das Thema “Female Factor: Will to Power“. Nachdem Floriane de Saint-Pierre (Produzentin für Luxusgüter) kurz mal wieder die Stereotypen für Führungspersonal gezeigt hatte (Männer in dunklen Anzügen mit Krawatte), meinte Antonella Mei-Pochtler von der Boston Consulting Group, ein Grund, warum Frauen wenig in Führungspositionen vertreten wären, läge auch an dieser Frage: “Do they really want it”. Schnell ging es dann um die bekannten Probleme der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eleanor Tabi Haller-Jorden (Catalyst) erzählte dann noch von einem Interview, wo eine erfolgreiche Managerin von einem Reporter als Erstes gefragt wurde, wie sie ihren Beruf denn mit den Kindern vereinbare. Völlig baff fragte die Managerin zurück: “Keine Ahnung – wie machen Sie das denn?”

Eindrücke von der DLD women, die heute und morgen in München stattfindet. DLD steht für “Digital Life Design”. Hinter der Veranstaltung steht Hubert Burda Media, Chairwoman ist Maria Furtwängler-Burda.

Auf dem Podium sprachen bekannte und interessante Frauen: Unter anderem Silvana Koch-Mehrin, FDP-Europa-Politikerin, Catherine Hakim von der London School of Economics, Christine Haderthauer, CSU-Sozialministerin und Patricia Riekel, Bunte-Chefredakteurin.

Zum Thema “Leadership in the female decade” meinte Jill Lee (Diversity Expert), dass sie nicht sagen könnte, ob Frauen oder Männer besser oder schlechter in Führungspositionen wären; sie könnte noch nicht mal einen typisch weiblichen oder typisch männlichen Stil beschreiben – es würde immer aufs Individuum ankommen. Beim selben Thema waren sich Dalia Marin (LMU München), Georg Graf Waldersee (Ernst & Young) und Silvana Koch-Mehrin einig, dass Quoten ein nötiges Vehikel wären, um Frauen den Weg in alle Bereiche, so auch die Spitze, zu ermöglichen.

Catherine Hakim hielt einen Vortrag über das “Erotic Capital”, über das Frauen verfügen. Ihr Schlusswort: Eine Frau, die schön und intelligent ist, wäre blöd, nicht beides einzusetzen.

Dann gab es noch das Thema “Female Factor: Will to Power”. Nachdem Floriane de Saint-Pierre (Produzentin für Luxusgüter) kurz mal wieder die Stereotypen für Führungspersonal gezeigt hatte (Männer in dunklen Anzügen mit Krawatte), meinte Antonella Mei-Pochtler von der Boston Consulting Group, ein Grund, warum Frauen wenig in Führungspositionen vertreten wären, läge auch an dieser Frage: “Do they really want it”. Schnell ging es dann um die bekannten Probleme der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eleanor Tabi Haller-Jorden (Catalyst) erzählte dann noch von einem Interview, wo eine erfolgreiche Managerin von einem Reporter als Erstes gefragt wurde, wie sie ihren Beruf denn mit den Kindern vereinbare. Völlig baff fragte die Managerin zurück: “Keine Ahnung – wie machen Sie das denn?”


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(Homosexuelle) Politiker_innen und mediale Inszenierungen von Geschlecht

9. Juni 2010 von Nadine

In aller Kürze drei Veranstaltungshinweise: In der Humboldt-Universität Berlin werden am Freitag, 11. Juni drei Forschungsprojekte zum Thema “Lesbische und schwule Politiker in der Mediendemokratie” vorgestellt.

“Ich bin schwul, und das ist auch gut so” – Im Kontext westeuropäischer Mediendemokratien scheinen offen schwule Spitzenpolitiker eine neue ‚aufgeklärte’ Normalität zu repräsentieren. Aber wie steht es mit Lesben? Und wie weit trägt eine Emanzipation durch Normalisierung? Wo schlägt sie um in eine erneute Normierung von Geschlecht und Sexualität? Und inwiefern ist trotz aller Prominenzgewinne ein massenmediales Outing immer nur eine Normalität auf Bewährung? “

Weitere Infos hier.

Am 21.6. soll es im Roten Rathaus um mediale Geschlechterbilder von Führungskräften gehen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beleuchtet die Ergebnisse des Forschungsprojektes “Spitzenfrauen im Fokus der Medien” – Link zum Programm (PDF)

Sehr kurzfristig, aber vielleicht doch für einige unter euch interessant: Die Mitbegründerin der Postcolonial Studies Gayatri C. Spivak ist morgen zu Gast an der Freien Universität. Dabei “wird es um die Frage gehen, wie die Geisteswissenschaften heutzutage an die Privilegierung von Raum und Bewegung in den Regionalstudien anknüpfen können. Spivak wird in diesem Zusammenhang auch über ihr noch unveröffentlichtes Buch „An Aesthetic Education in the Era of Globalization“ sprechen.” Weitere Infos hier


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Normal bekleidet

10. November 2009 von Barbara

Über sexistische Darstellung von Frauen in den Medien – leider ein Evergreen-Thema -  befasst sich ein Artikel auf Spiegel Online (danke an ijb für den Link). Und bringt wieder einmal erschütternde Beispiele.

“Eine Frau im Bikini, im Schambereich steht “24 h open” oder “not yet filled” – Werbung für Hostels

oder

“Miet mich – benutz mich” , darunter räkeln sich lasziv drei halbnackte Models in Minirock, Stiefel und BH – Werbung für Anhänger

Weitere scheußliche Beispiele, etwa “Wir machen Geile Bodenbeläge”, der Werbeslogan eines Raumausstatters, der mit einer nackten Frau wirbt, finden sich auf der Seite des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft, kurz ZAW. Diese Organisation berichtet auch über die entsprechenden Rügen des Deutschen Werberats.

Dass sex sells, ist inzwischen gar nicht mehr so sicher. Bei solchen Anzeigen rollt sich nicht nur das feministisch geschulte Augenpaar, sondern auch manches mehr. Wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, wie der Artikel erklärt:

“Die positive Aufmerksamkeit tritt in vielen Fällen nicht ein”, bemerkt auch Gert Gutjahr vom Marktforschungsinstitut IFM Mannheim. Das liege daran, dass sich etwa Männer durch attraktive Frauen oft vom beworbenen Produkt ablenken ließen und sich später nicht mehr an die Marke erinnerten. Frauen wiederum würden beim gleichen Werbe-Spot verärgert reagieren und sich von dem Produkt abwenden. Umgekehrt gilt das gleiche: “Für Männer und Frauen ist es recht frustrierend, sich mit einem Model vergleichen zu müssen”, sagt Gutjahr.

Manche haben aber immer noch nichts begriffen:

Das gilt aber längst nicht für alle. MTS-Geschäftsführer Marten Tausch findet seine Anhängerwerbung nicht schlimm und bietet das Motiv mit den “normal bekleideten” Frauen gern auch als Abzug an. Mit dem Plakat wolle er die Aufmerksamkeit vor allem bei seiner wichtigsten Zielgruppe steigern, den Männern.

Bleibt zu hoffen, dass die Gründe, so unterschiedlich sie auch sein mögen, eines Tages dazu führen, dass derlei Werbung dann doch verschwindet.


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What a girl wants

5. November 2009 von Barbara

Gestern in der Münchner Boulevardpresse, der Abendzeitung, großes Thema: “Aufgepasst! So ticken Frauen wirklich”

Also wie? Kuscheln gerne, verwechseln links und rechts, haben Bauchgefühle, machen nie das, was sie sagen, schauen täglich Serien, kaufen Schuhe, fragen “Woran denkst du, Schatz?”, gehen zu zweit aufs Klo, diskutieren, telefonieren und haben große Taschen.

Na dann. Ich erbreche mich jetzt mal wieder in meine große Tasche. Denn kotzen fehlt auf dieser Liste noch.


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Gewalt von Frauen

1. August 2009 von Barbara

Gewalt in der Partnerschaft? Gibt es – wenn Männer ihre Frauen schlagen. Aber auch das gibt es: Frauen sind gegenüber ihren Männern gewalttätig. Darüber berichtete eine einstündige Sendung im Hessischen Rundfunk (danke an Paula für den Link), als Podcast zum Nachhören angeboten. In der Sendung kommen verschiedene Männer zu Wort, die von ihren Frauen geschlagen werden, mit Kaffee übergossen oder mit dem Dampfbügeleisen bedroht. Internationale Studien werden genannt, die belegen, dass Männer durchaus Gewalt ausgesetzt sind – Gewalt, die von ihren Partnerinnen ausgeht. Vor ein paar Wochen schon erklärte der Soziologie-Professor Gerhard Amendt in der Welt, warum seiner Meinung nach Frauenhäuser abgeschafft gehören. Sie seien für ihn ein Hort des Männerhasses. Und böten keinen Ausweg aus der Gewalt:

Wir brauchen keine Frauenhäuser mehr. Wir brauchen auch keine für geschlagene Männer, von denen es eh kein einziges gibt. Was wir dringend brauchen ist, ist ein Netz von Beratungsstellen für Familien mit Gewaltproblemen. Denn Gewalt in Familien hat systemischen Charakter. Wenn eine Frau ihren Mann und ein Mann seine Frau schlägt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie auch ihre Kinder schlagen. Und geschlagene Kinder, Jungen wie Mädchen, haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit als Erwachsene ihre Kinder oder ihren Partner wiederum zu schlagen.

Dass Gewalt Gewalt nach sich zieht, ist klar. Und dass Gewalt in der Familie nicht nur die Familie betrifft, sondern die ganze Gesellschaft, die an den Folgen zu leiden hat, aber auch an ihren Ursachen beteiligt ist, ist ebenso klar. Doch dass in Sachen Gewalt Gleichberechtigung herrschen soll, ist erschreckend. Und für mich auch schwer zu glauben. Einerseits wird ein Mann, der geschlagen wird, in den meisten Fällen nur als “unterm Pantoffel” stehend belächelt, geholfen wird ihm aber nicht. Noch weniger erfährt er Unterstützung als die Frauen, die vor ihren Partnern fliehen, eben zum Beispiel in ein Frauenhaus. Das heißt, Gewalt gegen Männern von Frauen passiert zumeist ohne dass jemand Unbeteiligtes davon erfährt. Denn neben allen anderen Demütigungen und Verletzungen ist es für den Mann auch immens demütigend, dass er, Stellvertreter des vermeintlichen starken Geschlechts, unterlegen ist.

Eine der Studien, die Gerhard Amendt nennt, belegt, dass besonders Frauen, die sich in Scheidung befinden, ihren Partnern, die ja dann fast schon ihre Ex-Partner sind, Gewalt zufügen. Vielleicht kann man das als Entladung sehen, als Reaktion auf eine schlechte Partnerschaft, aber auch als Reaktion auf eine Machtlosigkeit innerhalb einer patriarchalen, nicht gleichberechtigten Gesellschaft. Das Bild einer südländischen Frau, die ihrem Mann mit dem Nudelholz nachläuft, nachdem sie ihn in flagranti mit einer anderen Frau erwischt hat, schiebt sich vor mein geistiges Auge. Womit ich keinesfalls sagen möchte, dass die Männer schuld daran sind, wenn sie von ihren Frauen geschlagen werden, oder es gar verdient hätten. Keinesfalls. Die Situation ist natürlich viel komplexer, und gerade die Machtverhältnisse der Geschlechter haben dabei viel Einfluss. Je gleichberechtigter eine Partnerschaft, desto gewaltloser wird sie sein, da Konflikte dann gleichberechtigt ausgetragen werden können und somit ohne Gewalt.

Frauen, die sich ihren Männern gegenüber gewalttätig zeigen, sind ein gesellschaftliches Tabu, ein noch größeres als das hinsichtlich der Debatte zu häuslicher Gewalt von Männern gegen Frauen, was bis zu einem bestimmten Grad von vielen hingenommen, toleriert oder gar akzeptiert wird. Hier braucht es nicht nur Beratungsstellen, sondern in der Tat ein gesellschaftliches Umdenken. Doch bedeutet das die Einrichtung von Männerhäusern? Ist die Schaffung von Zufluchtsorten für beide Geschlechter eine Lösung? Dass Männer vor ihren Frauen geschützt werden und Frauen vor ihren Männern? Und daran anknüpfend Kinder vor ihren Eltern und Eltern vor ihren Kindern?

Ich denke, dass das am Ende doch der Weg in die falsche Richtung ist. Natürlich benötigt es Hilfe vonseiten der Gesellschaft, die oftmals dort beginnt, wo ein Ort ist, wo der oder die nach der erfahrenen Gewalt Schutz, Trost und Rat findet. Doch unsere Gesellschaft braucht dringend eine Gewalt-Beratung, unabhängig von Konfession oder Politik. Gewalt muss enttabuisiert werden. Und entidolisiert. Ein Mann, der seine Frau und seine Kinder mit der Faust regiert, ist kein vorbildhafter Familienvater. Eine Frau, die ihrem Mann mit dem Nudelholz nachläuft, ist keine vorbildhafte starke Frau. Der Gewalt, die im Fernsehen, im Kino, im Internet und vielleicht auf der Straße zu sehen ist, darf kein Weg gezeigt werden, sich in die Partnerschaften und Familien einzuschleichen. Und dort verbrannte Erde zu hinterlassen.


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Männer mögen so etwas

15. Juli 2009 von Barbara

In der Süddeutschen Zeitung erschöpft sich Georg Diez über die neue ARD-Serie “Geld.Macht.Liebe”. Die hält, was ihr Titel verspricht – eine Serie über Bankenimperien, Geld und reiche, gelangweilte Menschen. Was Diez aber übel aufgestoßen ist, war eine Szene aus der zweiten Folge. Die Tochter sagt über das Bild, das ihr Mann gekauft hat, das sei einem “kranken Hirn” entsprungen. Sie mag offensichtlich keine moderne Kunst. Ihre Mutter gibt ihr Recht, merkt aber auch an, dass sie, wenn sie klug seie, ihrem Mann trotzdem recht gäbe in Sachen Kunstgeschmack und auch sonst, denn, “Männer mögen so etwas.”

Tja. Die ARD. Ist das ein Test? Ob wir den Fehler finden? Ob wir uns aufregen? Ob wir schon eingeschlafen sind? Ob wir überhaupt fernsehen? Öffentlich-rechtlich? Der SZ-Autor ist aufgebracht:

Als Zuschauer ist man dann kurz unschlüssig, ob man lachen oder weinen oder einfach weiterschalten soll. Aber weil einem selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht alle Tage so ein Schauspiel geboten wird, bleibt man mal dran – und wird belohnt: Irgendein Dramaturgiegott im Ersten hat sich etwas ausgedacht, das den frauenverachtenden Irrwitz nochmal eine Stufe weiter-, also zurückdreht. Mahlzeit Deutschland heißt das, was nun montags im Anschluss kommt, eine leicht beschwingte serielle Hungerfeier der harten Jahre nach dem Krieg, vor allem aber eine Hommage an die Hausfrau. Es stellen sich die wirklich wichtigen Fragen: “Wie werden wir satt, das ist die größte Herausforderung für uns Deutsche.” Oder: “Die Menschen lernen, sich an den kleinen Dingen zu freuen.” Noch besser: “Die Trümmerfrauen trotzen den Problemen mit guten Ideen.”

Ja, oder eher: Mahlzeit ARD. Die Folgen kann man auf der ARD-Website nachschauen.


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