Einträge mit dem Tag ‘Frauen & Fußball’


“Sorry Mädels”

10. Juli 2010 von Magda

Frauen hassen Fußball. Oder den Bezahlsender Sky. Oder die Tatsache, dass ihre männlichen Partner Fuߟball gucken. Eins ist jedoch klar: Alle Frauen finden es gleichermaßen zum Kreischen, Fluchen, Ausrasten. So zumindest scheint die Grundannahme der Macher_innen folgenden Werbefilms vom Bezahlsender Sky zu sein, der sich damit rühmt, das “beste Fernsehen” zu bieten. Sexismus Galore mit einem kräftigen Schuss Hysterie.

Langweiliger Sexismus reproduziert sich in kleinen Filmchen anscheinend so gut, das Sky noch ordentlich nachlegte: In einem Werbefilm haut eine Frau ihrem männlichen Begleiter die Tasche in den Bauch, damit dieser die ach-so-verlockende Werbung des Senders nicht sehen kann (nein, es ist nicht lustig, wenn eine Frau einem Typen Schmerzen zufügt). In einem anderen Video isst eine Frau die Werbeanzeige von Sky lieber auf, bevor diese einem Mann in die Hände fallen könnte.

Selbst die BILD rüttelte da einst mehr an langweiligen Stereotypen.


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Bummel über den digitalen Fußballplatz

12. Juni 2010 von Nicole

Zum gestrigen WM-Start hier ein kleiner und sicher unvollständiger Streifzug durch aktuelle Beiträge zum Thema Frauen & Fußball:

Warum schauen Frauen Fußball? fragt vienna.at und ist selbst unsicher: „Ob es an Cristiano Ronaldo oder generell an den Italienern liegt, weiß man jedoch nicht so genau.“ Für mich klingt das, als würden sie bei vienna.at Ronaldo für einen Italiener halten oder ist das österreichische Syntax? Die Antworten gibt’s auf alle Fälle in Bildern und wenig geistreichen Sätzen (Partner eifersüchtig machen, über Spielerfrauen reden, Männer angucken – GÄHN …).

Auch die Schweizer Website a-z.ch weiß was über Frauen und die WM, nämlich das hier: „Auch für die Frauen ist der Grossanlass kein Fluch – im Gegenteil: Warum das Turnier boykottieren, wenn am Bildschirm die schönsten Sportler der Welt zu sehen sind. Zudem wartet das schwache Geschlecht während den Spielen nur auf den Moment, in dem sich die Spieler entblössen und ihren gestählten Oberkörper zur Schau stellen.“ Dafür gibt’s übrigens die gelbe Karte, zumindest während des Spiels, aber das ist uns natürlich egal.

Bei manchen Partien muss frau sich die Spieler aber auch erst schön trinken, so zumindest deute ich mal das Hospitality-Angebot zum VIP-Public-Viewing im Münchener Olympiastadion, das uns unterbreitet wurde: Zum ersten Spiel der deutschen Mannschaft wird „allen weiblichen Besuchern eine Flasche Sekt als Willkommensgeschenk“ angeboten. Na, dann prost.

Jetzt aber Schluss mit dem Gemecker. Es gibt auch tolle Texte über Frauen und Fußball: Bei einseitig.info liefert Marie van Bilk in der Woche des WM-Starts ihre Antwort auf die Frage, warum Frauen Fußball gucken. Mit Weltmeisterschaften und schönen Männern hat ihr Text „Ich mag Fußball und ich bin eine Frau“ allerdings wenig zu tun, dafür mehr mit der Fortuna aus Düsseldorf.


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Friedliche Fahnenträgerinnen

7. Juni 2010 von Nicole

Dass in wenigen Tagen die Fußball-WM in Südafrika beginnt, ist auch für Menschen ohne jedes Fußballinteresse unübersehbar. Die schwarz-rot-goldenen Fähnchen an Autos und Balkonen und die Flut an sonstigen nationalfarbigen Produkten jeder Art sind jedoch ein relativ neues Phänomen. Erst seit der WM 2006 in Deutschland ist eine so inflationäre – und im Übrigen auch kommerzialisierte – Verwendung nationaler Symbolik zu beobachten. In den Debatten um das „Sommermärchen“ vor vier Jahren wurde dies häufig als Zeichen eines „unverkrampften Patriotismus“ gewertet, als Ausdruck eines nicht (mehr) aggressiven deutschen Nationalismus, sondern eines gewissermaßen natürlichen Nationalstolzes, der so auch in anderen Ländern vorkomme.

Die Verknüpfung von Frauen, Nation und Fußball trug einen wesentlichen Teil zu dieser Wahrnehmung und Darstellung bei: Ein vermeintlich „plötzlich“ erwachtes weibliches Interesse für Fußball und eine große zahlenmäßige Präsenz von Frauen bei Public Viewings und im Stadion wurden zu beliebten Themen der Berichterstattung und blieben es auch bei der EM 2008. Die Tatsache, dass auch und gerade Frauen sich mit schwarz-rot-goldenen Fanutensilien ausstaffieren und mit „typisch weiblicher“ Geschicklichkeit aus Deutschland-Flaggen Röcke, Kopftücher, Bikinis usw. zaubern, gilt als weiterer Beleg dafür, dass die nationale Fußballparty eine friedliche Angelegenheit ist.

Um nicht missverstanden zu werden: Auch wenn sie mir persönlich auf die Nerven gehen, sind die schwarz-rot-gold gemusterten feiernden Partymassen einem aggressiven Mob, der womöglich noch schwarz-weiß-rote Fahnen präsentiert, natürlich vorzuziehen. Die Naturalisierung von Nationalismus, die mit dieser Entwicklung einhergeht („Endlich sind auch wir stolz auf unser Land, so wie alle anderen.“) und die sich auch an die spezifische sichtbare Verbindung von Nationalsymbolen und Weiblichkeit knüpft (Wer kann schon einen schwarz-rot-goldenen Bikini als beängstigend empfinden?), gilt es meiner Meinung nach aber kritisch zu hinterfragen. Nicht zuletzt aus dem simplen Grund, weil sich die Geschichte vom weichgespülten Patriotismus weltmeisterlicher Prägung als falsch erwiesen hat. Die Langzeitstudien Deutsche Zustände des Bielefelder Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung unter Leitung von Wilhelm Heitmeyer belegen eine weiter vorhandene Korrelation zwischen Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit. Auch eine um Frauenhüften geschlungene Fahne ist kein Zeichen von Völkerverständigung. Wenige Monate nach der WM bezeichnete Heitmeyer bei der Präsentation der 5. Folge der Deutschen Zustände die These vom guten Patriotismus als „ein Stück Volksverdummung“.


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