Einträge mit dem Tag ‘Frankreich’


Gute Nachrichten aus Frankreich – mit kleinen Abstrichen

15. April 2013 von Gastautor_in

Der folgende Text ist ein Gastbeitrag von Henrike Dessaules, die sonst (unter anderem) auf  Discipline and Anarchy bloggt. Vielen Dank dafür!

Aus Frankreich gibt es in letzter Zeit viel Erfreuliches zu berichten. Nicht nur, dass letzte Woche das Gesetz zur Legalisierung “gleichgeschlechtlicher” Ehen und Adoption im Senat durchgewunken wurde, auch die Regelung zur hundertprozentigen Erstattung von Schwangerschaftsabbrüchen und Verhütungsmitteln tritt nun in Kraft.

Was heißt das genau? Seit dem 31. März bekommen alle Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, sämtliche dadurch anfallende Kosten zurückerstattet. Dies war bislang nur bei Minderjährigen der Fall; alle anderen mussten mit Kosten zwischen 80 bis 200 Euro rechnen. In Zeiten, in denen Familienplanungszentren aus Geldmangel schließen müssen und Abtreibungsgegner_innen durch die Pariser Straßen marschieren, ist das auch im liberalen Frankreich keine Selbstverständlichkeit.

Des Weiteren werden für junge Frauen zwischen 15 und 18 Jahren die Kosten für die Verhütung ebenfalls zu 100% übernommen. Hier muss man allerdings betonen, dass es bei dieser Regelung nicht nur eine (etwas willkürlich anmutende) Altersbeschränkung gibt: Erstattet werden nur hormonelle Verhütungsmethoden – die Pille und das Implantat. Sollte es sich aber bei dieser Maßnahme laut Gesundheitsministerin Marisol Touraine tatsächlich um eine „Entscheidung zugunsten der allgemeinen Gesundheit“ handeln, sollten dann nicht auch gerade Verhütungsmittel, die gegen Geschlechtskrankheiten schützen, kostenlos zur Verfügung gestellt werden?

Mir geht das Gesetz daher nicht weit genug. Davon abgesehen, dass junge Frauen auch unter 15 Jahren sexuell aktiv sind, werden alle, die von diesen Vorzügen Gebrauch machen wollen, automatisch zu einer Methode gedrängt, die von Frauenärzt_innen ohnehin schon oft als alternativlos angeboten wird. Auch ist unklar, inwieweit minderjährigen Frauen bei der Beschaffung die Anonymität ermöglicht werden kann. Planning Familial, das französische Pendant zu Pro Familia, kritisierte die Gesetzgebung daher ebenfalls als unzulänglich.

Immerhin, ein Wahlversprechen hat der derzeitig eher unbeliebte französische Präsident Francois Hollande damit eingelöst. Und eins steht außer Frage: Im Vergleich zu Deutschland und vor allem auch Irland ist Frankreich in Bezug auf reproduktive Rechte deutlich um Einiges voraus. Während wir in Deutschland immer noch auf ein Rezept für die „Pille danach“ angewiesen sind und in Irland das Abtreibungsverbot nach dem Tode von Savita Halappanavar nur schleichend abgemildert wird, trifft sich die französische Frauenrechtsministerin Najat Vallaud-Belkacem mit Planning Familial Filialen, um darüber zu diskutieren, wie Jugendlichen der Zugang zu Verhütung und Schwangerschaftsabbrüchen weiterhin erleichtert werden kann.


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Samstagabendbeat mit Irma

6. Oktober 2012 von Magda

Die in Frankreich lebende Künstlerin Irma ist wohl eine dieser Musiker_innen, die auf YouTube zu Stars wurden, denn ich kann mich erinnern, wie ich vor ein paar Jahren das erste Video von ihr anklickte – eine traumhafte Cover-Version von Mika: “Happy Ending“. Nun sieht es so aus, als hätte sie sich ihren musikalischen Weg gebahnt und ein paar schöne Eigenkompositionen geschrieben. Dieses Video fand ich besonders toll, denn es zeigt, dass sie neben Gitarre und Gesang auch noch Schlagzeug und Percussion spielen kann (oh, bin ich neidisch :)!


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Femme de la rue: Sexuelle Belästigung sichtbar machen

17. August 2012 von Helga

Sexuelle Belästigung und Übergriffe sind derzeit Thema in Frankreich und Belgien. Auslöser ist die Dokumentation „Femme de la rue“ – „Frau von der Straße“ von Sofie Peeters (Auszug beim Guardian zu sehen). Täglich wird sie auf dem Weg zur Arbeit in Brüssel mehrfach belästigt, so dass sie eines Tages beschloss, das Ausmaß zu dokumentieren. Dabei zeigte sich vor allem, wie sehr es an den Nerven der betroffenen Frauen zehrt und welche Vorsichtsmaßnahmen sie (vergeblich) treffen:

Das Ms. Magazine hat einige der Antworten, die die Täter Peeters auf Nachfrage gaben: Zwar wäre das Ansprechen zu 99 Prozent erfolglos, aber sie hätten nichts zu tun und es sei großartig, so Zeit rumzukriegen. Die Frauen sollten einfach nicht hinhören oder Kopfhörer tragen, jede Antwort würde als Ermutigung verstanden.

In Frankreich hat das Video ebenfalls Wellen geschlagen. Nachdem dort vor kurzem das Gesetz gegen Angrapschen gekippt wurde, da es zu unspezifisch geschrieben war, gibt es nun eines Neues: Sexuelle Belästigung kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden, berichtet dieStandard.at. Auch in Belgien wird nun überlegt, sexuelle Belästigung auf der Straße explizit unter Strafe zu stellen.

Leider wurde die Doku bereits von rassistischen und anti-muslimischen Seiten für ihre Zwecke eingespannt, da vor allem Männer mit Migrationshintergrund zu sehen sind. Dies übersieht aber, wie Peeters anmerkt, dass der Rassismus tiefer sitzt, wenn Migranten überdurchschnittlich häufig arbeitslos sind. Seit sie für den Film mit ihren Nachbarn gesprochen hat, sei die Situation besser geworden – eine Lösung für alle betroffenen Frauen ist dies allerdings nicht.


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Bärte für den Feminismus!

3. Juli 2012 von Helga

Dieses Prinzip verfolgt die französische Aktivistinnen­gruppe „La Barbe“. Mit Voll­bärten zum Umhängen ausgestattet, protestieren sie seit 2007 überall dort, wo die Neuzeit noch nicht ganz angekommen ist. Lucy Ash von der BBC hat sie begleitet, wie sie bei einer Ver­sammlung der Frei­maurer sprechen und diese für den jahr­hunderte­langen Aus­schluss von Frauen loben – erst 2010 wurden mit knapper Mehrheit weibliche Mit­glieder zugelassen. Dort werden sie schließlich gewalttätig herausgeworfen, ansonsten geht es aber fried­licher zu, wenn La Barbe bei Parteien, Firmen oder Kultur­ver­anstaltungen auftreten.

Themen gibt es derzeit leider genug: Das Gesetz gegen sexuelle Belästigung wurde gestrichen, da es zu vage formuliert ist. Bis zur Neuregelung herrscht faktisch Straffreiheit. Beim Filmfestival in Cannes war kein Film einer Regisseurin nominiert. Die Berichterstattung um Dominique Strauss-Kahn und die Vergewaltigungswürfe zeigte tiefsitzenden Sexismus auf. Für ihr En­ga­ge­ment gibt’s an dieser Stelle einen solidarischen Schnauzer und den Hin­weis, dass Bart erstaunlich vielen Frauen steht.

Eine blau-grüne Wand auf der ein roter Schnurrbart klebt.


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600. Geburtstag von Jeanne d’Arc

6. Januar 2012 von Nadia
Dieser Text ist Teil 26 von 33 der Serie Wer war eigentlich …

Ein bis heute ungebrochener Mythos, allerdings auch angereichert mit ordentlich Pathos: Die “Retterin Frankreichs”, die auf dem Scheiterhaufen landete und 450 Jahre später vom Vatikan heilig gesprochen wurde, feiert heute ihren 600. Geburtstag – auf die Rezeption ihres Lebens blickend findet man auch ein Allerlei aus Jungfrauenwahn, Nationalmythos und der Faszination für Frömmigkeit. In vielen Texten zum Phänomen wird latent verklärt der Rückblick auf ein sagenumwobenes Leben gewagt:

“Auf Befehl unseres Herrn” trägt sie bereits Männerkleidung und Waffen und zieht schließlich mit zehntausend Mann gen Orléans, das sie am 7. Mai, im weißen Harnisch, mit einer kleinen Streitaxt bewaffnet und auf einem schwarzen Kampfross sitzend, von den Engländern befreit. Am 17. Juli wird Karl VII. in Reims in der Kathedrale von Notre Dame gekrönt. Die wundersame, unwahrscheinliche und steile Karriere der Jeanne d’Arc hat ihren Höhepunkt erreicht. (Quelle: fembio)

Mit ordentlich Schmalz zwischen den Buchstaben verfasste auch der Historiker Jules Michelet in seiner “Großen Geschichte Frankreichs” seinen Johanna-Lobgesang: “Der Retter Frankreichs konnte nur eine Frau sein. Frankreich selbst war Frau, es hatte die Wendigkeit und auch die liebenswerte Zartheit, das anrührende Mitgefühl einer Frau ( … ) Jene, die widerständig sind und so bis zum Ende ihr Ziel verfolgen, sie sind die wahrhaft Auserwählten.”

Zwischenzeitlich vergessen, wurde die Erinnerung an Jeanne d’Arc vor allem literarisch unter anderem durch Voltaire und Schiller wieder ins öffentliche Bewusstsein gerufen – im 19. Jahrhundert schließlich wurde Johanna zum französischen Nationalmythos erklärt. Bis heute reißen sich verschiedene Strömungen und Institutionen um erfolgreiche Instrumentalisierungen: Die Kirche schätzte  ihre Frömmigkeit, die liberalen Republikaner strichen ihren Mut gegenüber dem Herschaftssystem vor, im Zweiten Weltkrieg war sie die Symbolfigur für den Widerstand gegen die deutsche Besatzung und für die extreme Rechte in Frankreich ist Jeanne d’Arc heute eine Ikone. Interessant bleibt also nicht nur ihr Leben und Wirken, sondern auch die Art und Entfaltung der öffentlichen Bewunderung für Jeanne d’Arc.


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Weg mit der “Mademoiselle”

6. Oktober 2011 von Magda

Wer in Frankreich auf eine Behörde geht oder eine Be­werbungs ausfüllt, muss als Frau zwischen “Madame” und “Mademoiselle” wählen. “Mademoiselle” entspricht dem deutschen “Fräulein” (das bereits vor Jahrzehnten von den Behörden ab­ge­schafft wurde) oder dem spanischen “Señorita” (welches auf offiziellen Formularen auch nicht mehr auftaucht) und be­schreibt den Status einer unver­heirateten Frau. Wenn ich also ein Bank­konto in Frankreich eröffne, muss ich die oder den Sachbe­arbeiter_in erst einmal davon in Kenntnis setzen, ob ich nun in einer (Hetero-)Ehe lebe oder nicht.

Julie Muret von der Organisation Osez le féminisme (“Wagt den Feminismus”) ruft Frauen laut taz nun dazu auf,

die Anrede “Mademoiselle” zu boykottieren – sie beispielsweise im Internet oder auf Formularen einfach durch­zu­streichen oder nicht mehr an­zu­kreuzen. Die Anrede zwinge Frauen dazu, Aus­kunft über ihre persönliche und familiäre Situation zu geben.

Gewiss gäbe es in Frankreich “wichtigere Probleme zu bewältigen wie Lohn­unter­schiede und Gewalt”, sagt die Schriftstellerin Brigitte Grésy. Aber: “Die Sprache gibt die Realität wieder”.

Im Kontext der Proteste um Dominique Strauss-Kahn hatte die feministische Bewegung in Frankreich massen­mediale Präsenz bekommen. Doch obwohl einige Soziolog_innen, Schrift­steller_innen und Philosoph_innen die Initiative unter­stützen, scheint das Thema laut NPR kaum gesamt­gesell­schaftliche Be­achtung zu finden.


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Burkaverbote verhindern Emanzipation

13. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 10 von 10 der Serie Frauen & Religion

Im Zuge der so genannten “Burka-Verbote” in Frankreich, Belgien und in Teilen Spaniens im letzten Jahr führten wir auf der Mädchenmannschaft heiße Diskussionen über den Sinn und Unsinn solcher gesetzlichen Vorstöße. In der Diskussion um das Ver­mummungs­verbot in Belgien fragte ich mich, wer eigent­lich von diesen Gesetzen profitiert: Sind es die Niqab- und Burkaträgerinnen, die sich nach dem Ab­legen der angeblich so unliebsamen Ganz­körper­verhüllung plötzlich in einer ach-so-emanzipierten Gesell­schaft befinden oder ist es nicht viel mehr die Mehr­heits­ge­sell­schaft, die sich eines un­liebsamen Kleidungs­stückes entledigt, das ihrer Meinung nach für den “gefährlichen” Islam und Frauenverachtung steht – ohne, dass die Trägerinnen selbst dazu befragt werden.

Kriker_innen der Verbote waren und sind sich einig: Gesetz­liche Maß­nahmen in Form von Verboten führen nicht zu Emanzipation, sondern zu erhöhter Stigmatisierung der Burka- und Niqabträgerinnen und nähren die bereits existierenden gesamt­gesell­schaft­lichen anti-islamischen Ressentiments. Nicht nur die Verbote, sondern bereits die Debatten um “den Islam”, “die verschleierten Frauen” oder “die unter­drückten Muslima” führen zu einer Verschärfung der klischee­beladenen und ein­dimensionalen Zu­schreibungen an Muslima und/oder Frauen mit (Voll-)Verschleierung, die teils zu skurrilen Koalitionen von zum Beispiel Rechts­populist_innen und diversen Frauen­rechtler_innen führt.

Eine vor einigen Monaten veröffentlichte Studie mit 32 Burka- und Niqab­trägerinnen in Frankreich be­stätigt die An­nahmen der Kritiker_innen: Die unter der Lei­tung von Naima Bouteldja und von der Open Society Foundation durch­ge­führte Studie beschreibt die zum Teil entwürdigenden Erlebnisse der Teil­nehmerinnen nach dem In­kraft­treten des Ver­bots in Frankreich. Fast alle Studien­teil­nehmerinnen berichten von sexistischen und rassistischen Be­leidi­gungen, wenn sie in der Öffent­lich­keit unterwegs sind – teils auch von anderen Muslim_innen. Einige erlebten gar körperliche Angriffe, z.B. das Herunter­reißen der Schleier. Durch die medial an­ge­heizte Diskussion und das Verbot werden Mitmenschen auf der Straße also plötzlich zu Hüter_innen von Recht und Ordnung. Die mögliche Konsequenz: Jene Frauen, die vom Gesetz betroffen sind, meiden öffentliche Ein­richtungen und Plätze, um den An­feindungen aus dem Weg zu gehen. Die Möglichkeiten zur Aus­übung eines Berufes oder einer ehrenamtlichen Tätigkeit sind dadurch enorm ein­ge­schränkt: Voll­verschleiert fallen diese Optionen weg.

Das Fazit der Studie: Durch das französische Ver­bot sind Niqab- und Burkaträgerinnen einer erhöhten Stigmatisierung ausgesetzt, hören vermehrt diskriminierende Äußerungen, sind teilweise von körper­lichen Über­griffen und von (räumlicher) Isolation betroffen. Emanzipation? Sieht wohl nicht so aus.

Links und Beiträge zum Thema:


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Remember Samira Bellil

7. September 2011 von Nadia
Dieser Text ist Teil 27 von 33 der Serie Wer war eigentlich …

Ein Plakat mit dem Foto einer jungen Frau mit dunklen Haaren und einer roten Mariannenmütze, darunter die Schrift: Pour moi Marianne, c'est une insoumise ouvrant le cheminSamira Bellil: Die junge Streetworkerin aus einem Pariser Vorort, Gewaltopfer, Autorin und Anfang des Jahrtausends für einige Jahre Symbolfigur der französischen Frauenbewegung. Heute jährt sich ihr Todestag zum siebten Mal.

Ein bisschen zu-guttenberge ich mich heute selbst, weil ich im letzten Jahr bereits an anderer Stelle einen kurzen Bellil-Nachruf verfasst habe. Und aktuell scheint es mir jedoch, dass es nicht schaden kann, auch immer wieder an die Personen zu erinnern, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Kampf gegen sexuelle Gewalt aufgenommen haben. Und Samira Bellil gehörte definitiv dazu.

Die Geschichte von Samira ist die eines kurzen Lebens, geprägt von Freudlosigkeit und Gewalt: 1973 wird sie in Algier geboren, ihre Kindheit und Jugend verbringt sie in einem Pariser Vorort. 14 Jahre alt ist sie, als sie von drei jungen Männern vergewaltigt wird:

“Hier beginnt nun eine Geschichte, die für das Opfer Samira ein unendlich scheinender Leidensweg, für die Täter hingegen nur ein Alltagsdelikt ist. Die Täter bleiben jahrelang ungestraft auf freiem Fuß, für Bellil hingegen beginnt eine Lebensphase, in der sich ihre Gewalterfahrung vervielfacht: Im Viertel als Freiwild abgestempelt und von der eigenen Familie als schändliches Subjekt verstoßen, richtet sie fortan die selbst erlebt Gewalt gegen andere und sich selbst. Erst Jahre später gelingt es ihr, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen: Sie gewinnt mit Mitte zwanzig einen Schadensersatzprozess. Im Bewusstsein, dass ihre innere Zerstörung nicht bezahlt werden kann, schreibt sie ihr Buch [Anm.: „Dans l`Enfer des Tournantes"]. Sie widmet es allen Frauen, die ähnliches erlebt haben: „Für meine Leidensgenossinnen im Elend. Damit sie wissen, dass man herauskommen kann.”

„Dans l`Enfer des Tournantes” (übers.: „Durch die Hölle der Gewalt“) bricht dabei radikal mit dem Lebensbericht als Opfererzählung: Bellil schrieb vielmehr einer Ankageschrift, in der sie eine Gesellschaft, die Täter deckt und Opfer nicht ernst nimmt, anprangert. Ihr Engagement gegen sexuelle Gewalt war dabei konsequent: Sie wurde Mitgründerin und prominente Unterstützerin der bekannten Bewegung „Ni putes ni soumises“, stellte sich in Interviews immer wieder den leidigen Fragen nach ihrer Lebensgeschichte um auf die Folgen sexueller Gewalt aufmerksam zu machen und war darauf bedacht, gerade auch gemeinsam mit Männern gegen sexuelle Gewalt zu kämpfen.

In Talkshows und bei öffentlichen Debatten nutzte sie jedwede Gelegenheit, ihre Gesprächspartner_innen souverän zu korrigieren: Ich erinnere mich, dass sie in einer Sendung mal von einem jungen Gast gefragt wurde, was denn nun “falsch an Gang Bangs” sei. Ohne mit der Wimper zu zucken entgegnete sie: “Als erstes, Junge, kriegst du das jetzt mal auf die Reihe. Ich wurde Gang-vergewaltigt. Okay?”

Gelobt wurde ihre Ehrlichkeit und ihre Bereitschaft, ungeschönigt über ihre Erlebnisse und ihren Umgang damit zu sprechen; Samira Bellil wehrte sich damit gegen den üblichen Opfer-Diskurs, gegen Scham, gegen Konventionen im Umgang mit sexuellen Viktimisierungen – fast schon bis zur Selbstaufgabe. “I cannot carry this violence forever”, sagte sie einmal – und doch legte sie in ihrem kurzen Leben vor allem die Priorität darauf, ihre Geschichte für die Frauen zu opfern, denen es nicht ähnlich ergehen sollte.

Ein Kampf gegen Windmühlen, für kurze Zeit. Ihr Bild hing eine zeitlang vor dem französischen Parlament – als eine der zwölf “Mariannen” ausgewählt, deren Gesichter Frankreich repräsentierten. Und, wenn man so will: Sie repräsentiert es auch noch heute.


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Samstagabendbeat mit Mensch

30. Juli 2011 von Magda

Das französische Duo Mensch aus Lyon hat Gitarre, Bass, Keyboard, eine Drum Machine und ein knackiges Motto im Gepäck: Dance and die!

Mehr Infos zu Mensch findet ihr auf ihrer Homepage, auf Facebook und auf Twitter. Live erleben könnt ihr sie beim diesjährigen Berliner LaDIYfest am 13. August im SO36.


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Slut Walks, Nico Rosberg und eine FIFA-Rüge für homophobe Äußerung – Kurz Notiert

30. Juni 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 111 von 191 der Serie Kurz notiert

Die Jungle World ist im Gespräch mit Kerstin und Sandra Grether, die in Berlin den SlutWalk mitorganisieren. Auch die taz sprach mit einer Organisatorin des SlutWalks, Diana Drechsel (wir berichteten).

Ein Grund zum Freuen: New York ist der nun sechste Bundesstaat in den USA, der die Homo-Ehe erlaubt, wie die Huffington Post berichtet. Ein Jubelvideo dazu gibt es auf YouTube.

Vor einiger Zeit berichteten wir über die Hollaback Berlin, eine Initiative, die dummen Anmachen und Belästigungen den Kampf ansagt - nun gibt es auch ein Hollaback Dortmund.

Das neue Buch “Generation XY“ von Mara Hvistendahl befasst sich mit den Konsequenzen der Ein-Kind-Politik Chinas, den fehlenden 160 Millionen Mädchen, der Rolle westlicher Länder und welche Konsequenzen sich aus der Überzahl der Jungen ergeben könnten.

Der Fußball-Weltverband FIFA hat Nigerias Nationaltrainerin Eucharia Uche nach deren homophoben Äußerungen zu lesbischen Fußballerinnen scharf kritisiert.

Im Spectator schreibt John R. Bradley zum Fall des Fake-Blogs der syrischen Bloggern Amina: “Arabs are more tolerant of homosexuality than the blogs would have you believe“. Der Blogger Tom McCaster, der sich als Amina ausgab, versucht jetzt noch, Kapital aus seiner Lügengeschichte zu schlagen.

The Grand Girls Anthology, das neue Projekt des Münchner Magnet Verlags, ist ein Almanach, in dem Frauen sich mit einem vorgegebenen Thema auseinandersetzen. Das Thema der nächsten Ausgabe: Revolution (via Missy Magazine)

Nico Rosberg nimmt Stellung zu seinem gruseligen Frauen-WM-Zitat und sagt: “Es gab eine gravierende Fehlinterpretation.”

Auf unique findet ihr einen Beitrag zum feministischen Twittern.

Im Mai hielt Juana Remus an der HU Berlin einen Vortrag zu “Das Zusammenspiel von Recht, Medizin und heternormativer Zweigeschlechtlichkeit an der Normierung und Regulierung von Intersexualität.” Nun gibt es im Netz eine Aufnahme des Vortrags zum Runterladen. Passend dazu hat auch DRadio Wissen einen Beitrag zu Intersexualität.

Termine (nach dem Klick) (weiterlesen …)


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