Einträge mit dem Tag ‘Forschung’


Bloggen, um Armut sichtbar zu machen

3. Januar 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 60 von 94 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Gespenst der Armut

Wie heißt du?
Elke Brüns (im Pass steht: Dr. Elke Brüns)

Seit wann bloggst du?
Seit März 2010.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich forsche gegenwärtig zur Armut. Der, die, das Blog ermöglicht mir, sich aktuell vollziehende Konstruktionsprozesse von Armut, aber auch verwandte Themen schneller zu kommentieren, als dies wissenschaftlich möglich wäre, denn dort dauert alles bekanntlich länger. Außerdem kann ich die vielfältigen Facetten des Themas Armut kommentieren, darunter auch solche, über die als Literaturwissenschaftlerin sonst nicht oder nur selten schreiben würde (Musik, Filme, Videos etc.). Und last but not least: Ich habe angefangen zu bloggen, weil ich gerne schreibe und Dinge gestalte.

Worüber schreibst du?
Über die kulturellen Konstruktionen von Armut. Also die Diskurse, Bilder, Symbole und auch Praktiken, die wir mit Armut verbinden. Es geht mir darum, wie wir über Armut sprechen, wie wir sehen und konstruieren: Es geht um Deutungsmuster – und damit um Deutungsmacht. Diese Bilderwelten des Sozialen zeitigen ja Realitätseffekte und schaffen unsere soziale Wirklichkeit mit. Ich blogge darüber, weil diese soziosymbolische Dimension in den Armutsdiskussionen kaum thematisiert wird, aber gerade darum gesellschaftlich, politisch, sozial immens wirksam und wichtig ist. Gegenwärtig stellt sich z.B. die Frage, ob es, wie manche behaupten, eine „Kultur der Armut“ gibt. Das bedeutet, dass nicht mehr materielle Resourcen und Gerechtigkeit debatiert werden, sondern eine quasi „vererbte“ Disposition zur Armut postuliert wird. Die Armen müssten aus dieser Sicht dann erst einmal „umerzogen“ werden.
(weiterlesen …)


Facebook | |


Schnipp, schnapp, Klitoris ab

21. Juni 2010 von Helga

Gerade haben wir noch einmal auf die Kampagne von Terre des Femmes hingewiesen, die sich für bessere medizinische Versorgung beschnittener Frauen einsetzen. Dass Operationen im weiblichen Genitalbereich nicht nur in vermeintlich rückständigen Ländern vorgenommen werden, beweist eine Studie aus den USA. Dort publizierten Ärzt_innen die Ergebnisse ihrer Forschung von Klitorisreduktionen an kleinen Mädchen, dabei ist ein Detail gruseliger als das andere.

Bereits die Krankheit, die behandelt werden soll, ist umstritten. Bei der sogenannten Klitorishypertrophie ist die Klitoris „ungewöhnlich groß oder penisähnlich” – schon die Abgrenzung von normal und krankhaft ist nicht klar und liegt eher im Ermessen des Betrachters. In den meisten Fällen ist sie ein Symptom eines intersexuellen Syndroms. Physische Beeinträchtigungen aufgrund einer großen Klitoris sind allerdings sehr selten, als Grund für die Reduktion wird daher meist die mögliche psychische Beeinträchtigung der Mädchen während ihrer Entwicklung angeführt. Dabei überschätzen Eltern und Ärzt_innen aber die unter Kindern stattfindenden Doktorspiele, denn bisher gibt es keine Belege für derartige negative Folgen.

Wohl aber, dass die Operationen die Mädchen traumatisieren und selbst die neuen, „weniger invasiven und nervenerhaltenden” Methoden mehr zerstören als helfen. Wie bei Genitalverstümmelungen drohen regelmäßige Infekte, Inkontinenz und Probleme beim Sex. Ästhetik, Angst vor sozialer Ausgrenzung aufgrund gesellschaftlich-traditioneller Vorgaben und Beharren auf der Unbedenklichkeit der Prozedur – die Beweggründe sind ebenfalls die gleichen. Die Abgrenzung von guten Reduktionen und schlechter Verstümmelung beruht mehr auf wir versus die.

In der bereits 2007 erschienen aber nun erstmals kritisch beleuchteten Studie wurde dann ein noch höheres(!) Level an medizinischer Fragwürdigkeit erreicht. Darin beweisen die Forscher_innen die „Harmlosigkeit” einer neuen Reduktionstechnik, bei der die Spitze der Klitoris abgetrennt und nach der Reduktion des Schaftes wieder aufgenäht wird. Zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit wurde den Mädchen anschließend mit Fingernägeln, Q-Tips und Minivibratoren an der Klitoris und dem weiteren Intimbereich herumgedrückt, um den Blutfluss und das „Gefühl” zu überprüfen. Ein Vorgang, der auch noch jährlich wiederholt werden soll. Mit dem Etikette „Forschung” werden auf einmal Vorgänge salonfähig, die ansonsten unter sexuellen Missbrauch fallen.

Als ob dies alles noch nicht schlimm genug wäre, fielen den Kritikerinnen Alice Dreger und Ellen K. Feder noch weitere Probleme auf: So klärte man die Eltern der Studienteilnehmerinnen vermutlich nicht über die möglichen negativen Folgen auf, sondern empfahl die Reduktionen entgegen aller Forschungsergebnisse als Mittel, die gesunde Entwicklung zu gewährleisten. Schließlich fehlte auch noch die Erlaubnis des Institutional Review Boards (IRB), das Forschungsprojekte auf ihre ethische Unbedenklichkeit abklopft. Ein Umstand der zumindest diese unglaubliche Studie erklärt. Darüber hinaus ein Anstoß, medizinische Praktiken stärker kritisch zu hinterfragen und die eigene Vorurteile zu überprüfen.


Facebook | |


Schon mal ein Ladyfest besucht?

17. Februar 2010 von Helga

Besucher_innen von Ladyfesten sucht die Uni Salzburg. Im Rahmen des Forschungsprojekts “Young women as creators of new cultural spaces” erforscht Elke Zobl die Hintergründe für den Erfolg dieser jungen Festivals.

… why has there been such a proliferation of Ladyfests? Do Ladyfests offer a new space and strategy where young women can create community, build activism, and express themselves culturally and politically, undermining and challenging normative, post-feminist discourses about young women’s success and choice? What possibilities, limitations and vulnerabilities with attention to class, race, gender and age dynamics do Ladyfests have?

Warum ist die Zahl der Ladyfeste so rasant gestiegen? Bieten Ladyfeste einen neuen Raum und eine neue Strategie, in der junge Frauen Gemeinschaften gründen, Aktivismus aufbauen und sich selbst kulturell und politisch ausdrücken können, in einer Weise, die die normativen, post-feministischen Diskursen über die Entscheidungen und den Erfolg junger Frauen angreift und herausfordert? Welce Möglichkeiten, Grenzen und Schwächen im Hinblick auf Klassen-, race-, Gender- und Altersdynamiken haben Ladyfeste?

Um diese Fragen zu beantworten, gibt es dazu eine Umfrage (auf Englisch) auf grassroots feminism, außerdem noch ein paar Details zur Forschung.


Facebook | |


Affen und Menschen

9. April 2009 von Barbara

Wollen wir wetten?

Spiegel Online berichtete kürzlich über die Ergebnisse eines Forschungsprojekts vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Anhand einer 3000 Stunden langen Beobachtung von Primaten stellte sich heraus, dass “freilebende Schimpansen Fleisch gegen Sex tauschen, auch über einen längeren Zeitraum”, werden Cristina Gomes und Christophe Boesch aus der Forschungsgruppe zitiert.

Wette gewonnen!

“Die Ergebnisse unserer Studie werden einen Einfluss auf das haben, was wir heute über die Beziehungen zwischen Männern und Frauen wissen”, heißt es laut Gomes und Boesch. “Die Forschung werde künftig herauszufinden versuchen, ob es auch bei menschlichen Jäger- und Sammlergesellschaften einen Zusammenhang zwischen dem Ernährungsvorteil, den Frauen von männlichen Jägern erhalten, und dem Fortpflanzungserfolg besonders guter Jäger gebe”, so Spiegel Online.

Meine nächste Wette wäre dann die direkte Projektion der Forschungsergebnisse auf unsere heutige Gesellschaft. Die Gleichung “Fleisch gegen Sex gleich Beziehung” lockt sicherlich eine Menge Honks hervor, die die Resultate von evolutionärer Anthropologie zu revolutionären Verhaltensweisen im Alltag machen wollen.


Facebook | |



Anzeige