Entweder… Oder?
5. Dezember 2012 von accalmieAlice Schwarzer ist gerade 70 Jahre alt geworden. Alice Schwarzer ist die offizielle Ikone der deutschen Frauenbewegung der 1970er Jahre und ist seit einigen Jahrzehnten die Chefredakteurin der EMMA, dem ältesten feministischen Magazin in Deutschland. Alice Schwarzer hat unbestreitbare feministische Verdienste, zum Beispiel den öffentlichen und wirksamen Kampf gegen §218, der im deutschen Strafrecht Abtreibungen illegalisiert. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass feministische Perspektiven in Deutschland auf die politische und mediale Agenda kamen. Alice Schwarzer ist 40 Jahre lang heftigst kritisiert, auf das Übelste beschimpft und beleidigt, bedroht und angeschrien worden. Dass sie noch immer eine feministische Aktivistin ist, halte ich für ein Zeichen von Mut und Beharrlichkeit, und Kritik an ihren politischen Positionen und Praktiken sollte all dies nicht zunichte machen.
Allerdings ist Alice Schwarzer auch eine Aktivistin, die die Bevormundung anderer Frauen zu einem zentralen Bestandteil ihres Feminismus’ gemacht hat, und die inzwischen fast zu einer Art Karikatur einer reuelosen Zweite-Welle [sic]-Feministin geworden ist, die darauf besteht, dass alle Frauen aufgrund ihres Geschlechts die gleichen grundlegenden Lebenserfahrungen teilen und dass Feminismus™ eine komplett einheitliche Bewegung sein kann und sollte, die alle Frauen auf diesem Planeten umfasst und für sie spricht (…ob sie wollen oder nicht). In ihrem neuesten Blog-Artikel, „Wieder mal zurück auf Null?“, beklagt Schwarzer die „sektiererischen“ Tendenzen einiger feministischer Strömungen und glaubt, dass antirassistische Aktivist_innen versuchten, die feministischen zu sabotieren.
Schwarzer glaubt, es gäbe Feminist_innen (die Guten) auf der einen Seite, und auf der anderen Seite Gruppen von Frauen (die Bösen), die versuchen, die Feministinnen zum Schweigen zu bringen. So weit, so vielleicht nachvollziehbar. Allerdings findet Schwarzer, dass diese Gruppen von Frauen, insbesondere die Blogger_innen der Mädchenmannschaft (ja, schon wieder, wie immer, bla… – Nadia hat auf Shehadistan einen tollen Kommentar zu einem anderen EMMA-Artikel veröffentlicht, der in die gleiche Kerbe haut) sowie andere feministische Blogger_innen und Aktivist_innen in Berlin (auch wenn die meisten jener Blogger_innen überhaupt nicht in Berlin leben, aber dann käme ja das Bild ins Wanken, das andere Zeitungen und Zeitschriften bereits aufgebaut haben, insofern…) versuchen, feministischen Aktivismus zum Schweigen zu bringen, indem sie besagte Feminist_innen nach dem Gießkannenprinzip des Rassismus’ bezichtigten (einen Vorwurf, den Schwarzer abstreitet), und dass selbsterklärte PoC darauf bestünden, “erstmal Recht” zu haben, während “alle Weißen” automatisch falsch lägen (ich übertreibe nicht, sie hat es so geschrieben).
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