Einträge mit dem Tag ‘fat positive’


Anti-Diät-Tag: Weltbeste Erdbeertorte

6. Mai 2017 von Charlott

Heute ist Anti-Diät-Tag. Magda hat bereits vor drei Jahren passend zusammengefasst, worum es an diesem Tag nicht geht (Beschämen individueller Diäterfahrungen) und worauf der Fokus liegen sollte (Strukturen kritisieren, dicke Körper feiern). Auch lohnt sich heute – wie auch die anderen 364 Tage im Jahr – ein Blick in unsere Reihe (Mein) Fett ist politisch.

Was auch politisch ist? Essen als dicke Person. Wenn schlanke Menschen zum Teil abgefeiert werden, wenn sie Pizza mampfen und Torte preisen (hallo, Lorelei und Rory Gilmore), so sieht das häufig sehr anders aus bei dicken Menschen, wenn sie sich (wohl möglich noch in aller Öffentlichkeit) Pommes oder besten Kuchen in den Mund schieben.

Das folgende Rezept macht meinen dicken Körper glücklich. Und vielleicht eure ja auch. Lasst es euch schmecken und bleibt widerständig!

Zutaten (ausreichend für eine 22cm-Springform):
Boden:
20 fein zerbröselte Oreo-Kekse
60g Butter, geschmolzen

Füllung und Dekoration:
50g Kokosflocken
680g Frischkäse, glatt gerührt
50g weißen Zucker
20g braunen Zucker
1 TL Vanille-Extrakt
1 TL Kokosnuss-Extrakt
100g zerbröselte Vanille-Waffeln
230g aufgeschlagene Sahne
Erdbeeren je nach Größe
etwas Erbeersauce zur Dekoration

Anleitung:
1. Kokosflocken auf Backpapier ausbreiten. Bei 160 Grad im Ofen für ca. 5-10 Minuten backen. Die Flocken sollten goldenbraun sein. Zum Kühlen zur Seite stellen.

2. Geschmolzene Butter mit Oreo-Keks-Krümeln verrühren und die Masse auf den Boden der Springform fest drücken.

3. Frischkäse mit weißem Zucker, braunen Zucker und den beiden Extrakten gut verrühren.
4. Zur Frischkäsemasse die Kokosflocken und zerbröselten Vanille-Waffeln hinzufügen und noch einmal verrühren.
5. Sahne unter die Masse geben und dann die Füllung auf dem Boden verteilen.
6. Die Torte muss etwa 4-5 Stunden im Kühlschrank fest werden. (Ja, das warten ist schwer.)

7. Torte mit Erdbeeren und Erdbeersauce dekorieren.
8. Essen!


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Der Cis-Begriff, Sexismus und Rassismus im Kulturbetrieb und Chelsea Manning – kurz verlinkt

22. September 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 327 von 351 der Serie Kurz notiert

Laura Gelhaar hat ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel „Kann man da noch was machen? Geschichten aus dem Alltag einer Rollstuhlfahrerin.“. In der Welt wurde sie porträtiert.

Beim Missy Magazine schreibt Tove Tovesson über Chelsea Manning, den Einsatz von Isolationshaft und einem fragwürdigen Justizsystem.

Laufmoos schreibt über die Herkunft des Begriffs „cis“.

Die aktuelle an.schläge ist mit dem Titelthema „Kulturarbeit. Kunst und Sexismus“ erschienen. Dieses Mal können alle Artikel des Schwerpunkt online nachgelesen werden. Gabi Horak schreibt beispielsweise über die Arbeitsbedingungen von Kartenverkäufer_innen und Museums-Guides und Lea Susemichel geht der sexistischen Tradition des Kulturbegriffs auf den Grund.

Dazu passend weiter: Mit der analyse&kritik spricht Sharon Dodua Otoo über Rassismus und den deutschen Literaturbetrieb und sagt: „Literatur ist für mich eine Intervention, an den jetzigen Zuständen zu rütteln.“

Jutta Limbach, die als erste Frau die Präsidentschaft des Bundesverfassungsgerichts übernommen hatte, ist verstorben. Der rbb würdigt sie mit einem Nachruf.

Magda wurde für ein halbstündiges Radio-Feature von Deutschlandradio Kultur interviewt: „Dick und stolz drauf.

Arge Dicke Weiber aus Wien (Österreich) suchen dickenfreundliche Mediziner_innen, egal welchen Faches, um eine Liste zu erstellen.

Hannah Rosenblatt rantet auf Ein Blog von Vielen über die Forderung den Mut zu haben die eigene Stimme zu benutzen und wie unterschiedlich gewertet wird, je nach dem in welchem Kontext Personen ihre Gewalterfahrungen schildern.

Stark und selbstbewusst durch Musik! – Das Rock Camp München für Mädchen freut sich über Spenden.

Anhören könnt ihr einen Audio-Mitschnitt der Podiusmsdiskussion „One Solution: Feminism? Feministische Strategien Gegen Den Rechtsruck Und Die AfD„, an denen Vertreter_innen der Interventionistische Linke Berlin (IL), Women in Exile & Friends, des Marsch für das Leben? What the Fuck-Bündnis und des Forschungsnetzwerks „Frauen und Rechtsextremismus“ teilnahmen.

Termine in Berlin, Karlsruhe, Nordrhein-Wetsfalen und Traun (Österreich)

23. bis 25. September in Karlsruhe: Lady*fest Karlsruhe.

24. – 25. September in Nordrhein-Westfalen: Die Nacht der Jugendkultur.

01.10. in Berlin: „Voll Fett!“ Sensibilisierungsworkshop und Ideenwerkstatt für Fachkräfte der sozialen Arbeit von Magda Albrecht

01.10. in Traun (Ö): Theateraufführung „Geheimsache Rosa Luxemburg

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Fat Underground – Aktivismus gegen Dickenhass in den 1970ern

26. August 2016 von Magda
Dieser Text ist Teil 41 von 43 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Als Aktivist_in ist es hin und wieder hilfreich, sich mit Geschichte zu befassen: Wir sind nicht die ersten, die auf gesellschaftliche Missstände hinweisen und andere vor uns haben analysiert, diskutiert und gekämpft.

Eine der Aktivist_innen im Bereich dicker Diskriminierung und Empowerment, die unermüdlich auf aktivistische Geschichte aufmerksam macht, ist die britische Therapeutin und Aktivistin Dr. Charlotte Cooper. Mit ihrer Serie „100 Fat Activists“ stellt sie Akteur_innen, Gruppen, mediale Erzeugnisse etc. vor, um dickenaktivistische Geschichte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Kürzlich veröffentlichte sie einen Beitrag über die Gruppe Fat Underground, eine Gruppe von dicken_fetten feministischen Aktivist_innen, die sich Anfang der 1970er Jahren in Kalifornien, USA, gründete. Nun hat Charlotte Cooper ein Video entdeckt und auf YouTube hochgeladen, was hoffentlich nicht so schnell verschwindet.

In dem Video sehen und hören wir die Aktivistinnen von Fat Underground, die u.a. Themen besprechen, die auch heute noch dringlich und aktuell, teilweise verschärft sind: Angesprochen werden Diskriminierung und Ignoranz von Ärzt_innen und engsten Verwandten sowie die US-amerikanische Diätindustrie, die damals nach Aussage einer Aktivistin ein Umsatzvolumen von 16-21 Milliarden Euro pro Jahr hatte (heute bereits über 65 Milliarden).

Spannend am Video sind die Erzählungen der von den Aktivistinnen durchlaufenden Prozesse: Alle berichten von diskriminierenden und demütigenden Erlebnissen (hier auch der Hinweis, dass im Video über den katastrophalen Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt berichtet wird). Daraufhin begannen die Aktivistinnen, sich über Körpergewicht, Gesundheit, möglichen Krankheiten und Diäten zu informieren und fanden Studien und Texte, die das ärztliche (Un-)Wissen zu Dicksein in Frage stellte: Die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden sind nicht zwangsläufig vom Gewicht abhängig und Diäten sind weder eine Lösung, noch der Gesundheit besonders zuträglich. So begannen die Frauen Unterstützungsgruppen zu bilden, um sich Wissen anzueignen und sich gegenseitig zu bestärken. Außerdem planten sie Aktionen, zum Beispiel anlässlich des Todes von Cass Elliott, die nach Sicht der Aktivistinnen eines der bekanntesten Opfer der Diätindustrie gewesen sein soll.

Die Aktivistinnen präsentieren Analysen zu den Verschränkungen von Dickendiskriminierung, Kapitalismus und Sexismus. Ein gutes Stück aktivistische Geschichte!

Screenshot Fat Underground

Screenshot des englischsprachigen Films „Fat Underground“ (1979) über die gleichnamige fettpositive und feministische Gruppe. Ein Film von Marge Dean, gefilmt in Los Angeles inklusive einiger Szenen von Shirl Buss von 1975. Mit einem Klick auf’s Bild gelangst du zum YouTube-Video: Dean, M. and Buss, S. (1979). Fat Underground

 


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Fetter Flashmob 2014!

19. April 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 23 von 43 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Eine ganz fett_astische Idee hatte die US-amerikanische Burlesque-Performerin und Schauspielerin Juicy D. Light: Ein fröhlicher fetter Flashmob, inklusive Mitmach-Anleitung als Video. Am 3. Mai heißt es dann: Fetter Tanz, fette Freude, fette Selbstliebe, so wie du kannst, so wie du magst.

Klingt spannend? Juicy freut sich über Flashmob-Organisator_innen auf der ganzen Welt, schreibe einfach an: ms.juicydlight(AT)gmail.com .

Und hier geht’s zur ausführlichen Anleitung der Choreographie.


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Asylpolitiken, Ada Lovelace Day und Archive – Kurz notiert

16. Oktober 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 216 von 351 der Serie Kurz notiert

Beiträge auf Deutsch

Jamie Schearer erklärt im Interview der Süddeutschen Zeitung, was hinter der Aktion von #schauhin steckt und wie es weiter gehen soll.

Seit Mittwoch, dem 9. Oktober befinden sich wieder Refugees in Berlin im Hungerstreik. Statements der Streikenden gibt es online. Auch der Freitag schreibt über den Protest und die Hintergründe.

„Mehr als 1.000 Menschen haben am Wochenende in Hamburg gegen die gezielte Personenkontrolle von afrikanischen Flüchtlingen durch die Polizei protestiert.“, berichtet der NDR.

Bei den an.schlägen schreibt Veronika Zwing über feministischen Aktivismus in Kirgistan.

Beiträge auf Englisch

Accalmie schreibt bei Stop! Talking. unter anderem über Blogfrust: „Overestimating social progress (and/or people’s willingness to evolve past… uh, the social ideals of the Fifties, really?) was pretty much my crucial mistake.“

Gender Across Border möchte von Menschen weltweit wissen, ob/ sie sich als Feminist_innen sehen und welche Themen wichtig erscheinen.

Nachdem die Wissenschaftlerin Danielle N. Lee eine Anfrage von Biology-Online.org für diese ohne Honorar zu schreiben ablehnte, erhielt sie eine sexistische, beleidigende Mail zurück. Als sie dann über diese auf ihrem Blog bei SciAm berichtete, wurde der Blog gelöscht. Nun hat sich SciAm entschuldigt, schreibt Jezebel.

Native Appropriations erinnert daran, auf wen wirklich der Fokus beim „Columbus Day“ gerichtet werden sollte.

Mal wieder ein neues Kapitel im Buch „(weiße) Stars feiern sich als Retter_innen in Afrika ™“: Christina Aguilera.

Renee Martin schreibt bei xojane über die „electronic pen pal conversation from hell“ (gemeint sind all die offenen Briefe an und zu Miley Cyrus) und versucht den Fokus auf eine wirkliche intersektionale Kritik zu lenken.

Gestern war Ada Lovelace Day. Mother Jones nahm dies zum Anlass um über acht Erfindungen zu sprechen, die häufig – falscherweise- Männern zugeschrieben werden.

Sam Holmesschreibt beim SPARK Movement über die Anti-Abtreibungskampagne „The Most Dangerous Place for an African American is in the Womb.“.

Es gab einen “Go Braless for Breast Cancer”-Tag (Ist ja schließlich Brustkrebs-Awareness-Monat). s.e.smith hat bei xojane ihre Kritiken an dieser und ähnlich gelagerten „Aufklärungskampagnen“ zu Brustkrebs veröffentlicht. Jezebel präsentiert dazu passend Fun Breast Cancer® Awareness™ Products That Can Cause Breast Cancer®, kann dabei aber leider nicht auf fatshaming verzichten.

Dann doch lieber bei feministing ein Video zu „Seeing the beauty in fat“ und bei der Huffington Post wird Illustratorin Collen Clark vorgestellt, die sich auch mit fatshaming auseinandersetzt.

Einen ausführlichen Artikel zur Rapperin Angel Haze gibt es bei The Telegraph, wenn auch mit etwas gezwungenem Eminem-Bezug.

Und zu guter Letzt eine Petition: Publish Delia Derbyshire’s music from the BBC Sound Archive!

Termine in Berlin, Büren, Leipzig :

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Das politische Potential von Fat Fashion

3. Juli 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 18 von 43 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Virgie Tovar, mit freundlicher Genehmigung von San Francisco Chronicle

Virgie Tovar lebt in San Francisco und ist eine der führenden US-amerikanischen Expert_innen in den Bereichen Diskriminierung von dicken_fetten Menschen und Körper­bilder. Sie hat einen Bachelor in Politik­wissen­schaften und einen Master in Human Sexuality mit Fokus auf Gender, Race und Körper. Sie ist Heraus­geberin der 2012 erschienenen Anthologie Hot & Heavy: Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion (Seal Press). Dies ist der dritte Teil des Interview (Teil eins & Teil zwei). Das ungekürzte englische Originalinterview findet ihr unten.

Vor einiger Zeit wurde der Artikel „Modepolizei: Wie Plus-Size Bloggen seine radikalen Wurzeln hinter sich ließ“ (englischsprachig) in US-amerikanischen fat positiven Communities kritisch diskutiert. Als eine Mode-Lieb­haberin: Was denkst du über den Artikel?

Ich denke, dass Kelly Faircloth eine wert­volle Kritik daran äußert, welche Rolle Mode in fat positiven Politiken ein­genommen hat. Ich kann nach­vollziehen, wie Mode manchmal wie ein Wett­rennen um Respektabilität verstanden werden kann und ich sehe auch, welche problematischen Strukturen in der Mode­industrie herrschen – ihre Geschichte mit Sexismus und Rassismus, die grauen­haften Arbeits­bedingungen und der Ausschluss von fetten Körpern.

Vor diesem Hinter­grund muss aber erwähnt werden, dass Mode eine der wenigen Bereiche ist in fat positiven politischen Kontexten, in denen Women of Color sichtbar sind und als Vor­bilder agieren. Ich beobachte auch, wie viele dicke_fette Queers of Color führende Rollen einnehmen, wenn es darum geht Mainstream-Mode zu radikalisieren und zu destabilisieren z.B. durch Dinge wie Kleider­tausch und Trödel­märkte oder gar selbst als Produzent_innen tätig werden (da fällt mir beispielsweise Plump Polish ein). Ich habe darüber schon mit vielen Fatshionistas gesprochen und ich bin über­zeugt, dass die von Kelly Faircloth formulierte Kritik recht schnell in internalisierte Femme­phobie/Misogynie abdriften kann.

Kleidung ist sehr komplex, und Mode hat große Bedeutung für Menschen aus unter­schiedlichen (oftmals historischen) Gründen. Nimm zum Beispiel die Dokumentation Paris is Burning oder das Buch Disidentification. Queers of Color and the Performance of Politics von Jose Munoz und du wirst beginnen die komplexen Ver­bindungen zwischen Mode, Performativität, Race, Gender und Sexualität zu erkennen. Ich denke einfach, dass es gefähr­lich ist, alle Menschen in der Bewegung an einem einzigen Standard von Aktivismus zu messen, der nur Raum lässt für die Radikalsten und Kritischsten.

Vielen Dank für dieses wunder­bare Interview, Virgie! Eine letzte Frage noch: Wie sehen deine zukünftigen Pläne, Aktionen oder Wünsche aus bezüglich Fat Aktivismus und Fat Empowerment?

Ich habe VIELE zukünftige Pläne, Aktionen und Wünsche. Manche von ihnen stellen noch ein Mysterium für mich dar, aber das finde ich sehr spannend. Die Träume, die ich habe, sind folgende:

Ich möchte eine kurze Dokumentation über die medizinische Dis­kriminierung von dicken_fetten Menschen machen.

Ich möchte eine fette Befreiungs­armee mitgründen – unsere bevor­zugten radikalen Waffen werden Glitzer, Spaß und choreo­graphierte Tänze sein.

Ich möchte gerne an einem soliden und machbaren Plan für eine nach­haltige Fat Bürger_innen­rechts­bewegung mit­arbeiten, die sich dem sozialen und gesetz­lichen Wandel verpflichtet.

Ich möchte gerne einen Schutzraum für fat babes mit Farnpflanzen und einem Whirl­pool und einer Margarita Maschine.

Ich möchte noch ein weiteres Buch darüber schreiben, wie wir unsere Beziehungen zu unseren Körper verändern können.

Ich möchte ein Miss Piggy Kleid besitzen.

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Mein Fett ist politisch

20. Juni 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 16 von 43 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Virgie Tovar lebt in San Francisco und ist eine der führenden US-amerikanischen Expert_innen in den Bereichen Diskriminierung von dicken_fetten Menschen und Körperbilder. Sie hat einen Bachelor in Politikwissenschaften und einen Master in Human Sexuality mit Fokus auf Gender, Race und Körper. Sie ist Herausgeberin der 2012 erschienenen Anthologie Hot & Heavy: Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion (Seal Press). Über E-Mail sprachen wir in diesem ersten Teil des Interviews über ihr aktuelles Buch und den politischen Backlash gegen Fat Positivity. Das ungekürzte englische Originalinterview findet ihr unten. Ihr findet Virgie auf Facebook und Twitter.

Virgie Tovar, mit freundlicher Genehmigung vom San Francisco Chronicle

Virgie Tovar, mit freundlicher Genehmigung vom San Francisco Chronicle

Letztes Jahr kam dein aktuelles Buch „Hot & Heavy. Fierce Fat Girls on Life, Love & Fashion“ raus, eine Sammlung von 31 Essays von fabelhaften Frauen, die sich als dick_fett identifizieren. Wie bist du auf die drei Aspekte „Leben, Liebe und Mode“ gekommen?

Diese drei Aspekte repräsentieren definitiv ziemlich wichtige Themen innerhalb fat positiver Communities und spiegelten auch die Einsendungen wider, die ich für mein Buch bekam.

„Leben“ ist der erste Aspekt, weil fat shaming und Dickenfeindlichkeit dazu beitragen, uns unser Recht auf Leben abzusprechen – und wir fordern dieses Recht zurück.

„Liebe“ ist meiner Meinung nach der Kern des Radikalen: Selbstliebe und die Liebe, die wir in unserer Community kreieren, lässt uns leben und kämpfen. Ich interpretiere Liebe sehr weit. Das zeigt sich auch im Buch, in dem Erzählungen von platonischer wie auch romantischer und sexueller Liebe ihren Platz finden. Mir kommt es so vor, als würden die Texte über dicke_fette Frauen, die Sex haben, von einigen als sehr empowernd und sexy und von anderen als eher unangenehm eingeordnet werden. Es war sehr wichtig für mich, Erzählungen zu dicker_fetter Sexualität in diesem Buch zu haben. Mein fetter Körper und die Liebe zu meinem Körper wurden in vielerlei Hinsicht von meinen Erfahrungen während des Sex beeinflusst, und ich denke, dass Sexualität ein sehr mächtiges, aber oftmals totgeschwiegenes Thema ist.

Seal Press, 2012

„Mode“ ist so etwas wie der Eintrittspunkt, das Schlachtfeld, und das Mittel zum Radikalen für so viele dicke_fette Menschen. Bevor ich überhaupt anfing, das Buch zu bearbeiten, habe ich zu dicken_fetten Frauen in der Universität geforscht. Diese haben sehr oft über Mode gesprochen und wie mittels Kleidung ihr Gender, ihre Identität performt wird. Ich liebe z.B. Kirsty Fives Worte in ihrem Kapital: „… für dich ist es vielleicht nur ein Outfit, aber für mich ist es eine Performance, ein Spiel, Fürsorge, Unterstützung, Widerstand, Überleben und ein Kampf.“ Genau das ist es, was Mode für viele dicke_fette Menschen bedeutet. Mode ist eine feierliche und wie ich sagen würde affektierte Art und Weise aktivistisch tätig zu sein. Ich denke, dass fat fashion („plus size“ Mode) einer der interessantesten Dinge sind, die gerade passieren. Ich sehe die Wurzeln von fat fashion in queeren Communities, in femme Communities (und da beziehe ich auch queens mit ein), und in Communities of Color.

Ich bekomme ab und zu die Rückmeldung, dass der Titel meines Buches zu lang ist, aber ich mag das: es ist zu lang, es ist zu viel! Genau so wie die Frauen in diesem Buch, genauso wie die fat positive Bewegung selbst.

Mein Fett ist politisch, weil es Leute so richtig sauer macht, wenn ich es zeige. Mein Fett ist politisch, weil ich es behalte. Mein Fett ist politisch, weil es verdammt sexy ist. Mein Fett ist meine Flagge, mein Anspruch auf Ruhm, meine „Kriegsnarbe“, mein geheimes Fat Girl Club-Abzeichen. (Virgie Tovar: Hot & Heavy: Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion, S. 7. 2012.)

In den USA hat die fat positive-Bewegung und auch die akademische Beschäftigung mit Diskriminierung auf Grund von Körpergewicht eine längere Geschichte – zumindest verglichen mit Deutschland. Glaubst du, dass es heute eine andere Qualität innerhalb fat acceptance-Diskursen in den USA gibt verglichen mit der Zeit, in der du anfingst, dich mit solchen Themen zu beschäftigen? Oder würdest du eher sagen, dass der Backlash gegen Fat Positivity fruchtbare Diskussionen eher verhindern (Beispiele sind der aktuelle Abercrombie & Fitch-Fall oder der auf vielen falschen Informationen beruhende Diskurs zur so genannten „Fettsuchtsepidemie„)?

Ich habe erst ca. 2010 in meinem zweiten Jahr im Masterstudium ernsthaft angefangen mich mit diesen Themen zu beschäftigen. Das war das Jahr, in dem ich dann anfing mich als fat-Aktivistin zu bezeichnen. Ich kann also nur über diesen Zeitraum etwas sagen. Auffällig war, dass mein erster noch als einzelne Autorin konzipierter Buchvorschlag mit dem Titel „Fette auf der Welt vereinigt euch“ damals abgelehnt wurde, weil es seiner Zeit voraus war. Nur zwei Jahre später schlug ich „Hot & Heavy“ als Anthologie vor und mein_e Lektor_in meinte, dass es nun definitiv an der Zeit sei für dieses Buch. Diese Diskurse haben also in einer recht kurzen Zeit an Sichtbarkeit gewonnen.

Seitdem ich anfing im Feld Fat Studies/Poltiken zu recherchieren und mich politisch zu beteiligen habe ich das Gefühl, dass die Debatten viel reichhaltiger geworden sind. Dabei spielen queere, radikale, multi-racial und feministische Fat Communities eine Vorreiter_innenrolle für die Komplexität der Diskussionen (logisch, nicht?).

Meiner Meinung nach trägt ein Backlash gegen fat positivity trotzdem auch zum Wachsen und zur Sichtbarkeit von fat positiven Communities und Diskursen bei. Das hat natürlich seinen Preis. Der Backlash stellt eine enorme emotionale Belastung für die Bewegung und die Menschen dar. Eine der größten Risiken von Backlash-inspiriertem Wachstum ist, dass Menschen auf der Strecke bleiben, für die der Kampf, der Stress und die Sichtbarkeit viel zu viel werden (meist diejenigen mit weniger/keinen Klassen- und race-Privilegien).

… Teil 2 des Interviews mit vielen Tipps für gestresste Aktivist_innen kommt nächste Woche. (mehr …)


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Lass meinen fetten Körper in Ruhe!

24. Mai 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 15 von 43 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Dieser Text ist eine Übersetzung des Blogposts Back Off My Fat Body„, der kürzlich bei Dances with Fat erschienen ist. Wir danken der Autorin für die Erlaubnis zur Zweitverwertung! Ragen wollte immer eine fette Tänzerin sein und fand heraus, dass sie dazu erstmal Fat Activist werden musste. Jetzt tanzt sie nicht nur, sondern spricht und schreibt auch in Vollzeit über Selbstwertschätzung, Körperbilder und Gesundheit in jeder Größer und freut sich auf eine Welt, in der wir erkannt haben, dass jeder Körper großartig ist.

Eine Anmerkung zum Adjektiv „fett“: Das Wort wird in der Fat-Acceptance-Bewegung als Selbstbezeichnung und politischer Begriff verwendet – eine objektive Beschreibung dafür, was „dick“ oder „dünn“ ist, gibt es nicht.

Bild: Substantia Jones für adipositivity.com

Jeden Tag vernehme ich Botschaften aus der Gesellschaft über meinen fetten Körper. Mir wird mitgeteilt, dass er ein Zeichen moralischen Versagens ist, ein Zeichen von Faulheit, er ist unzulänglich, unattraktiv, bla bla bla – die negativen Botschaften kommen unablässig und sind allgegenwärtig.

Lange Zeit war ich dermaßen entschlossen meinen Körper dafür zu hassen, dem kulturellen Standard von Schönheit nicht zu genügen, dass ich ihn niemals wertschätzte für das, was er tat. Anstatt diesen fantastischen Körper zu verteidigen, der mir ermöglicht, all das zu tun, was ich jeden Tag, jeden Augenblick tue, fiel ich ein in den Chor der Missbilligung. Ich verriet meinen eigenen Körper, um einer willkürlichen Klischeevorstellung von Schönheit anzuhängen, versehen mit einem Quäntchen missgünstiger Billigung, das bestimmt war von meiner permanenten Selbstabwertung, so dass meine Kritiker_innen sich gar nicht erst darum kümmern mussten das zu tun.

Wenn ich eines gelernt habe auf meiner Reise weg von Selbsthass, gestörtem Essverhalten und zwanghafter sportlicher Betätigung, dann ist es, dass mein Körper nicht weniger verdient als meine bedingungslose Liebe und lautstarke Unterstützung. Deshalb sage ich allen, die meinen, mein Körper sei irgendetwas anderes als großartig: (mehr …)


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Sex, „Normalität“ und Rötelimpfungen – die Blogschau

9. Februar 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 194 von 295 der Serie Die Blogschau

Melanie hat bei glücklich scheitern noch ihren „Senf zu #aufschrei“ veröffentlicht, übt Kritik und berichtet von eigenen Erfahrungen. Bei Anarchistelfliege wird schon einmal gefragt, was denn vom #aufschrei bleibt.

Wie über den Islam und Muslime schreiben? Bei den ruhrbaronen gibt es Hinweise.

riottrrrans rechnet mit dem Konzept „Sex“ ab und schreibt da unter anderem: „Sex zur partner_innenschaftlichen Pflicht zu erklären, schafft die Grundlage für die Überschreitung körperlicher Grenzen und führt zusätzlich dazu, dass Menschen, schon ohne den partner_innenschaftlichen Vorwurf, ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nicht mit ihrer/ihrem Partner_in schlafen.“

Katrin von Reizende Rundungen zeigt eine kreative Antwort auf die typischen Diätwerbungen – da heißt es dann „Shame Loss“ statt „Weight Loss“.

Nächste Woche findet der Aktionstag zu One Billion Rising statt. Zu diesem Anlass gibt es bei ewig unzufrieden eine differenzierte Kritik an dem Konzept.

Identitätskritik schreibt über aktuelle Therapieerfahrungen, denn: „In einem Tweet in den letzten Tagen schrieb ich, dass weniger Gewalt auch eine Alternative wäre zur nächsten Therapie. Leider kann ich mir das mal wieder nicht aussuchen.“

Vor acht Jahren starb wurde Hatun Sürücü ermordet. Sakine erinnert an sie auf textprodüksiyon.net.

Was heißt eigentlich „normal“? Und was macht das, wenn ständig mit diesem Konzept um sich geworfen wird? Auf Don’t degrade Debs, darling! gibt es dazu einen unbedingt lesenswerten Beitrag.

Antiprodukt twitterte „Wie gehen überhaupt die Zwangs-Rötelimpfungen bei Grundschülerinnen in der Schule klar? “Damit du später mal eine gesunde Wurfmaschine bist”“ und analysiert das weiter in einem Blogbeitrag.

Seit einem Jahr gibt es den Blog Auf Zehenspitzen (Gratulation!) und zum Jubiläum gibt es ein kleines Resümee zum Umgang mit Elternschaft.

Die queerfeministische Gruppe diss_ analysiert, was an Femen problematisch ist.

Zwischengeschlecht berichtet, dass der UN-Sonderberichterstatter für Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung sich zu missbräuchliche Praktiken im Gesundheitswesen geäußert hat und da auch auf Zwangsoperationen bei Intersex-Menschen eingeht.

Es gibt ein neues Blog in der feministischen Blogosphäre! Bei queerdenke_n gibt es seit einigen Tagen „Subjektives über Feminismus, Queerness & Sexualität„.

Und für alle die heute Abend in Berlin sind und noch nichts vor haben: Mit „Take Back the Night“ startet eine radikalfeministische Partyreihe
für trans*_dykes_woman only.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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