Einträge mit dem Tag ‘fat acceptance’


In den Blogs: Körper, Körperlichkeit und Körperkult

16. Januar 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 18 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Der Genderblog berichtet von einem Call for Papers für ein Aufklärungsbuch. Bis zum 20. März werden Autor_innen gesucht, die über Sexualität schreiben, die auch Menschen mit Behinderungen und abseits der Heteronormativität umfasst.

Dass Aufklärungsbücher auch heute noch dringend not tun, zeigt eine Geschichte von der honigsüßen Welt. Lori über den (nicht-)erteilten Sexualkunde-Unterricht.

In Wien haben sich engagierte dicke Frauen und Lesben zusammengeschlossen um gemeinsam auf die zunehmende Gewichts-Diskriminierung hinzuweisen. Die selbstorganisierte Initiative ARGE Dicke Weiber will dicke Frauen und Mädchen stärken, sich politisch mit dem Thema auseinandersetzen und Aktionen durchführen. Mehr Informationen gibt es auf ihrem Blog oder auf ihrer Facebook Seite.

Auf dieStandard.at wird über die erste Geschlechtsanpassung einer Minderjährigen in Spanien berichtet.

Antje Schrupp schreibt über ihre Erinnerungen an die kürzliche verstorbene radikalfeministische Philosophin und Theologin Mary Dali.

Allen Gesetzen und Initiativen zum Trotz gibt es auch in Deutschland immer noch Diskriminierung. Medienelite berichtet von einem Forschungsprojekt der FU Berlin, an dem sich Opfer von Diskriminierung beteiligen können.

Auf zwischengeschlecht.info wird berichtet, dass laut aktuellen Meldungen aus südafrikanischen Medien das südafrikanische Olympische Komitee “SA Sports Confederation and Olympic Committee (Sascoc)” durchgegriffen habe und unter Berufung auf den Athletikweltverband IAAF ein absolutes Startverbot für Caster Semenya verkündet hätte. (Die Jungle World thematisiert den Fall Caster Semenya übrigens in der aktuellen Ausgabe).

Der frischgebackene Verein Zwischengeschlecht.org lädt in Zürich ein:

Zwischengeschlecht.org Soliparty - Film 21 h *Das verordnete Geschlecht* - Ab 22 h BANDS & DJs: Sarna, Blade, Zodiak, Homosadicus (I), Disharmonic Anorkestra (ZH) + INFO: Kampf der Zwitter gegen Zwangsoperationen - Fr 22.01.2010 @Kalkbreite 4, ZH

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


Facebook | |


Beth Ditto über Mut und Mode

9. November 2009 von Magda
thetotam.com

thetotam.com

Auf style.com hat Beth Ditto von The Gossip ein wunderbares Interview gegeben. Beth, die sich selbst als “fat feminist lesbian from Arkansas” beschreibt, spricht über Mode und wie wichtig es sei, sich darin wohlzufühlen. Sie plädiert dafür, den Mut zu haben, modische Regeln zu brechen und häufig einfach mal auf Konvention zu pfeifen – Queerstreifen und breite Muster machen dick? Whatever!

Sie beschreibt außerdem ihre High School Zeit, in der sie mit wenig Geld ausgestattet war und sich eher unauffällig als Butch kleidete, was in Arkansas durchaus Prügel nach sich ziehen konnte. Als Beth 18 Jahre wurde, fing sie an, sich gegen die in ihrer Kinder- und Jugendzeit verinnerlichten Regeln zu wehren und wählte von nun an mit Vorliebe bunte und auffällige Kleidung.


Facebook | |


Fatshionistas!

15. September 2009 von Magda
Dieser Text ist Teil 16 von 48 der Serie Meine Meinung

Vor einiger Zeit berichteten wir über das Glamour Foto eines so genannten Plus Size Models, welches ja irgendwie gar nicht so Plus Size war, es sei denn, man bezeichnet alle Frauen jenseits von fast-unterernährt als potentielle Übergrößen-Models.

Hey, dann wäre Übergröße doch eigentlich die Normalität und man müsste jene Größen nicht mit extra Kollektionen à la Big Is Beautiful (H&M) kennzeichnen. Aber aufgepasst: Eine Dame mit Größe L darf noch in den “normalen” Abteilungen shoppen. Eine XL-Dame hingegen – too bad – qualifiziert sich für jene Abteilungen, die mit großen Leuchtschildern gekennzeichnet “Mode für Mollige”, “Happy Size” oder “Plus Size Clothing” anbieten.

Mensch, eine ganze Kollektion nur für mich und meine dicken Schwestern.

Und dann noch so sichtbar gemacht, als wäre eine dicke Frau eine exotische Erscheinung. Dies kann nur in einer Gesellschaft passieren, in der ultra-dünn akzeptabel und ultra-dick annormal und irgendwie ausstellungswürdig ist.

Dank Web 2.0 wurden insbesondere in den USA in den letzten Jahren eine Vielzahl an Blogs gegründet, die sich für Toleranz und gegen das Diskriminieren von übergewichtigen Menschen – insbesondere Frauen – einsetzt. Viele der BloggerInnen zählen sich zu den VertreterInnen der so genannten fat acceptance movement, eine relativ neue soziale Bewegung, die sich laut der National Association to Advance Fat Acceptance für das Bekämpfen von Stigmatisierungen und Voruteilen und für die Einbeziehung eines Gesetzes gegen Gewichtsdiskriminierung in geltende Anti-Diskriminierungsgesetze einsetzt, um gesellschaftliche Vorstellungen von Schönheit und Gesundheit zu verändern.

Einen etwas anderen und durchaus provokativeren Weg wählen die zahlreichen US-amerikanischen Mode-Bloggerinnen von Blogs wie fatshionista, hey, fat chick oder young fat and fabulous, die sich selbstbewusst als fett, schön und fabelhaft beschreiben und dies in Form von Modetagebüchern mit zahlreichen Fashion-Tipps für Rubens-Damen auch kundtun. “Fett” wird hier völlig neu definiert und avanciert von einer Beleidigung zu einem Statement.

Auf hey, fat chick! schreibt die Autorin etwa:

I think what people are really taking issue with are the negative associations with the word. Fat no longer just means the jiggly bits under the skin; it now involves whole lot of negative attributes: lazy, dirty, gluttonous, disgusting.

Fuck that. We are reclaiming the word.

Fat is a celebration (…)  And it is amazing.

(Zu deutsch: “Ich denke, dass viele Leute mit den negativen Assoziationen mit dem Wort “fett” Probleme haben. Fett bedeutet nicht mehr nur die schwabbeligen Stellen unter deiner Haut; es hat eine Menge negative Konnotationen: faul, dreckig, gefraessig, ekelhaft. Scheiss drauf! Wir holen uns das Wort zurueck und besetzen es neu. Fett ist eine Zelebration. Und es ist fantastisch.”)

http://www.monifc.com/

http://www.monifc.com/

Meine erste Reaktion: Symphatisch, wie sich so einige US-amerikanische Frauen nicht für ihre Größe schämen, selbstbewusst den Mainstream der Mode trotzen und teilweise stark übergewichtige Frauen auf die Laufstege schicken oder in ihren Blogs bewerben. Diese nun positiv besetzten Labels fett&schön tragen wohl in der Tat dazu bei, dass pfundige Frauen sich nicht mehr so marginalisiert fühlen (zumindest modisch). Auf der anderen Seite: Teil des modischen Mainstreams werden sie damit wohl nicht. Und dick/fett bleibt etwas Anormales, denn jene Attribute bleiben in der Modewelt wie auch im Alltag eng verknüpft mit unattraktiv. Es ist demnach fraglich, ob eine übergewichtige Frau jemals wie selbstverständlich auf den Laufstegen der dünnen und hochbezahlten Top Models mitlaufen wird.

Und ist das überhaupt erstrebenswert? Das ist sicherlich streitbar.

Dicke Frauen werden wohl weiterhin in extra Abteilungen shoppen. Die oben gezeigte Kollektion findet man da leider selten. Und wenn, dann hell bestrahlt und ausgewiesen als “XXL Kollektion!”, “Big Is Beautiful!”, “Mollige Mode!”.

Oder wie ich es lese: “Du bist zu dick für unseren Laden. Aber großzügig wie wir sind, haben wir eine kleine Kollektion für dich vorbereitet. Da hinten: Fat-Ass-Fashion.”

Für mich stellt dies ein Dilemma dar: Zwischen Sichtbarmachung von Ungerechtigkeiten und der Reproduktion dieser Ungerechtigkeiten ist oft ein schmaler Grad.


Facebook | |



Anzeige