Einträge mit dem Tag ‘Familienrecht’


Misandrische Mittelfinger-Mode, Free CeCe, Polizeigewalt gegen Jugendliche – kurz verlinkt

10. Juni 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 282 von 346 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Seit dem 1. Juni kann man sich zum Inklusionscamp in Hamburg anmelden. Die Veranstaltung ist als Barcamp zum Thema Inklusion, inklusives Leben und Lernen geplant und findet am 25. und 26. September 2015 statt.

Mit Islamfeindlichkeit gegen Antisemitismus: Fabian Köhler analysiert für IslamQ, wie sich ein weißes deutsches Kollektiv mit antimuslimischem Rassismus vom eigenen Antisemitismus freispricht. [Siehe Kommentarbereich – danke für den Hinweis!]

Das JugendtheaterBüro Berlin wurde für die KulTür auf! Kampagne mit dem BKM-Preis für Kulturelle Bildung ausgezeichnet.

Und noch mehr Preise: Das Transgender Film Festival 2015 stellt die dort ausgezeichneten Werke vor.

Dominique Hansell schreibt für das Gunda Werner Institut zu Diversity als politischem Feigenblatt: Anhand der Fashion- und Beauty-Branche seziert sie, wie „das politisch korrekte „Anderssein“ […] hier zum kulturellen Aushängeschild der betreffenden Firmen und Institutionen [wird]“.

Obwohl europäische Rechtsinstanzen immer wieder Vätern mehr Rechte in Bezug auf Besuch, Umgang oder Erziehung von Kindern zuspricht, entschied das Bundesverfassungsgericht jüngst anders: Ein Vater darf ein Umgangsrecht gegen den Willen des Kindes nicht durchsetzen, wie das Online-Magazin Frauensicht berichtet.

Englischsprachige Links

Eine Raum wird nicht allein dadurch trans*inklusiv, in dem er statt beispielsweise Frauenraum zu FrauenLesbenTrans*Raum umbenannt wird. Autostraddle trägt Ansätze zusammen, wie (queere) Räume inklusiver für Trans*Frauen gestaltet werden können.

Endlich Sommermode? Kitty Stryker von Purr Versatility hat den ultimativen Guide für den misandrischen, male-gaze-den-Mittelfinger-zeigenden Look zusammengestellt.

Das Black Youth Project stellt ein Kinderbuch vor, in dem ein queerer Junge seine Geschichte erzählt.

Den Dokumentar-Film FREE CeCe!, der sich mit Gewalt gegen Trans*Frauen of Color beschäftigt und die Geschichte von CeCe McDonald (von dem Angriff gegen sie, ihre Verurteilung und Gefängniszeit und ihren Aktivismus gegen den Gefägnis-Komplex) nachzeichnet, könnt ihr noch finanziell unterstützen. Er benötigt noch Geld für die Post-Produktion.

Das Bitch Magazine stellt zehn Schwarze Komponistinnen/Frauen, die Musik schreiben, vor – von der Harlem Renaissance bis heute.

Eine Pool-Party in McKinney. Erst werden Jugendliche rassistisch beschimpft, dann wird die Polizei gerufen, welche die Jugendlichen angeht, mit Waffen auf sie zielt und Dejerria Becton, eines der anwesenden Mädchen, brutal auf den Boden wirft und fixiert. The Root hat alle Informationen zusammengestellt. Feminist Wire schreibt zu: „Police Criminals and the Brutalization of Black Girls„.

Termine in Berlin, Dortmund, Hamburg, Konstanz und Wien

10.06. in Konstanz: Vortrag zu Racial Profiling von Jamie Schearer.

10.06. in Berlin: Kongress „Respekt statt Ressentiment“ – Strategien gegen eine neue Welle von Homo- und Transphobie.

11.06. in Dortmund: „female energy“: Vernissage verschiedener Künstler_innen im Fachbereich Design der Fachhoschule Dortmund. (FB-Link)

22.06 in Wien: Frigga Haug spricht im Rahmen der Dialogreihe „Gutes Leben für alle“ über die Forderung „Teilzeit für alle“. (FB-Link)

17.07. in Berlin: „Grrrls To The Front: Das Female Focus Festival“, das „viele verschiedene Berliner Rapper*innen und DJ*s“ fördert, „die zusammen mit internationalen Künstler*innen aus Buenos Aires (ARG), Durham (USA), Birmingham (UK) und Johannesburg (RSA) das Festival gestalten. (FB-Link)

01.08. in Hamburg: Queer Flora Soliparty, 23 Uhr, Rote Flora.


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Gemeinsames Sorgerecht, ‚Passing‘ und Vorsätze für 2015 – kurz verlinkt

8. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 267 von 346 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Das Portal Filmlöwin ist gelauncht: „Mit einer ausschließlich feministischen Perspektive will FILMLÖWIN Filmen von und über Frauen nicht nur zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen, sondern auch einen entscheidenden Schritt hin zu mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern in der Filmproduktion leisten und für die Themen Sexismus und Diskriminierung von Frauen im Spielfilm sensibilisieren.“

Gemeinsames Sorgerecht per default? Klingt erst mal gut und nach geteilter Verantwortung. Was das praktisch jedoch bedeuten kann, beschreibt Sarah Jäggi in der ZEIT anhand eines Beispiels aus der Schweiz.

Die antifaschistische Zeitung LOTTA hat einen Sonderdruck zum Schwerpunktthema Antifeminismus heraus gegeben.

In Stuttgart findet ein Gynäkologe, der ambulante Schwangerschaftsabbrüche vornimmt, keine neuen Klinikräume. Fundamentale ChristInnen schüchtern potentielle Vermieter_innen ein, berichtet die taz.

Vanja wurde in der taz zur Kampagne für eine dritte Option interviewt: „Ich bin weder Mann noch Frau“.

englischsprachige Beiträge

„Don’t change, just because your body does.“ ist das Motto von butchbaby. Nach eigenen Angaben: „The first androgynous alternity pregnancy wear for queer individuals.

[Inhaltshinweis: Cissexismus, Suizid] Zu Leelah Alcorn, einer siebzehnjährigen Trans*frau, die sich Ende Dezember das Leben nahm, und den Reaktionen auf ihren Tod, schrieb A Cunt Of One’s Own.

I AM (HEAR) ist ein Videoprojekt von Olympia Perez für Black Girl Dangerous im Rahmen des „MagniFLY! A Video Visibility Project For Trans Women of Color“:

Vor dem Büro der Schwarzen Bürger_innenrechtsorganisation NAACP in Colorado Springs explodierte am Dienstag eine Bombe.

Zum gestrigen Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris schreibt Richard Seymor bei Jacobin.

Auf ravishley schreibt Jetta Rae über das Konzept von „passing“ in einem bestimmten Geschlecht („We want to live our truth, but that requires “living,” which may necessitate mimicry. Some women get their hair cut like Tina Fey to look attractive—others to avoid harassment when outside of their homes.“), über Frauenbilder, die eh nur für wenige erfüllbar sind, und warum sie nicht mehr (ständig) trotzdem versucht diese zu erreichen.

Vor 80 Jahren veröffentlichte National Geographic einen Artikel mit dem Titel „Manless Alpine Climbing: The First Woman to Scale the Grépon, the Matterhorn and Other Famous Peaks Without Masculine Support“ – das Bitch Magazine nimmt u.a. das Jubiläum zum Anlass, um in die Geschichte von Bergsteigerinnen und Klettererinnen zurück zu schauen.

Ein Schwarzer James Bond? Zeter! Mordio! Kulturverfall! Zu den rassistischen Reaktionen auf den Vorschlag, Idris Elba als den neuen 007 zu besetzen, berichtete Shakesville.

Und zu guter Letzt: Bei der Washington Post erzählen feministische Aktivist_innen, was sie in 2015 zu erreichen hoffen.

Termine Berlin und Halle

15.01. 2015 in Halle: Mädchenmannschafts-Autorin Sabine Mohamed spricht zu  „Schwarzer Feminismus in Deutschland – Black Feminism is not white feminism in Black face„.

30. und 31.1. 2015 Berlin: Fachtagung „Audre Lorde’s Germany„.


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Ausstiege bei Pussy Riot, ‚Pille danach‘ rezeptfrei, Valentinstag in Indien – kurz verlinkt

12. Februar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 229 von 346 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachiges

Warum Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa, einst die beiden berühmtesten Pussy-Riot-Mitglieder, mittlerweile nicht mehr Teil des Kollektivs sind, erklärt die Gruppe in einem offenen Brief über radikalen Aktivismus, politische Dilemmata und Grundsatzkonflikte, den der Freitag abgedruckt hat: „Das institutionalisierte Eintreten für andere kann es sich kaum erlauben, die fundamentalen Normen und Regeln zu kritisieren, die der modernen patriarchalen Gesellschaft zugrunde liegen. Als institutioneller Teil der Gesellschaft kann eine solche Interessenvertretung nicht mit dem Regelsystem der Gesellschaft brechen.“

In Chemnitz werden abends die akustischen Signale an Ampelanlagen abgeschaltet – Grund: Lärmschutzbedenken. Die Signale sollten allerdings eigentlich blinden und sehbehinderten Menschen mitteilen, ob eine Ampel auf grün oder auf rot steht. Die sächsische Freie Presse berichtet.

Hallo bundesdeutsche Gesundheitspolitik, es wird Zeit, dem internationalen Konsens nachzuziehen – die „Pille danach“ muss rezeptfrei werden. Dies fordert auch eine Petititon an Gesundheitsminister Gröhe: Rezeptfreie „Pille danach“ zulassen! Da nicht nur Frauen schwanger werden könne, betrifft Notfallverhütung allerdings nicht nur deren Selbstbestimmung. (Und ich hätte auch unterschrieben, wenn die „Pille danach“ Abtreibung wäre.)

Englischsprachiges

Nicht alle der hier vorgestellten Aktionen finden wir gleichermaßen super, aber eine nette Übersicht ist es dennoch: PolicyMic zeigt „23 inspirierende feministische Digitalkampagnen, die die Welt veränderten“.

Valentinstag? Kitsch, Konsum und multinormativer Pärchen-Overkill fällt vielen von uns wohl als erstes (und einziges) dazu ein. Abhängig vom kulturellen Kontext kann man das jedoch auch teilweise anders oder jedenfalls komplexer einordnen, so Deeksha Sivakumar bei Sociological Images: Sie schreibt über die Funktion des Valentinstag als Jugendrebellion in Indien.

A propos Normen: Elternschaft jenseits der Gleichung 1 Vater + 1 Mutter lässt sich nicht nur denken, sondern auch leben, und zwar bisweilen ganz „legal-formal“.  So weist die Geburtsurkunde eine neugeborenen Kanadierin nun drei Eltern aus.

Die Schriftstellerin Zadie Smith beteiligt sich an Protesten gegen den Umgang mit geflüchteten Frauen in Großbritannien, insbesondere gegen ein berüchtigtes Auffang- und Abschiebelager in Bedfordshire. Der Guardian berichtet.

Termine in Berlin, Bonn und anderswo:

Ab 18. Februar 2014 immer dienstags von 18:00 – 19:30 Uhr in der Mädchenberatung, Berlin-Wedding:Körperkreise – in Bewegung den Körper (wieder/ neu) entdecken für junge Frauen* (Alter 17-27 Jahre), die sexuelle Gewalt erlebt haben und Lust haben, sich auf eine Körperreise in Bewegung einzulassen!“ Infos gibt es per Mail unter wriezener[at]wildwasser-berlin.de; hier geht es zum Facebook-Event.

Gleich eine ganze Fundgrube von spannenden Terminen gibt es bei Lesbengeschichte – zum Beispiel einen Abend über „Drei zwiespältige homosexuellenemanzipatorische Vorkämpferinnen“, Johanna Elberskirchen, Theo Anna Sprüngli  und Emma Trosse, am 6. März in Berlin oder die montagliche Filreihe „Queer Monday“ in Bonn.


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Ehegattensplitting, „Hipster Headdress“ und Antifeminismus – kurz notiert

11. April 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 191 von 346 der Serie Kurz notiert

Was ist eigentlich Maskulismus? Sind alle Männerrechtler grundsätzlich rechts? Und was bitte ist ein „lila Pudel“? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert derFreitag in einem Artikel zum Thema Antifeminismus.

In ihrem gerade erschienen Buch geht Mädchenmannschaftskolumnistin Dr. Maria Wersig der Frage nach, warum eine Regelung aus den 1950er Jahren, deren Einführung mit der „besonderen Anerkennung der Aufgabe der Ehefrau als Hausfrau und Mutter“ begründet wurde, nach Jahrzehnten des gesellschaftlichen Wandels und Jahrzehnten der Kritik immer noch unverändert Bestand hat: „Der lange Schatten der Hausfrauenehe. Zur Reformresistenz des Ehegattensplittings“.

Zeugt der „Hipster Headdress“ von Wertschätzung oder Respektlosigkeit?  Ist es unsensibel, wenn ich mir einen Traumfänger über’s Bett hänge? Bei Jezebel wird nochmal ausführlich erklärt, was es mit kultureller Aneigung (cultural appropriation) auf sich hat, wo dabei die Probleme liegen und wie sich respektvoll mit kulturellen Symbolen und entsprechenden Produkten umgehen lässt. Schon ein paar Monate alt, aber nach wie vor hilfreich.

Nicht nur  westliche Feminist_innen  grenzen sich von Femen ab: Nachdem Femen einen „International Topless  Jihad Day“ als Solidaritätsbekundung für ihre Mitfrau Amina Tyler ausgerufen hatte, wurde mit dem „Muslimah Pride Day“ eine Gegenaktion gesetzt, um sich gegen Vereinnahmungen zu wehren. Nacktproteste haben die Femen allerdings nicht erfunden: Auf okayafrica.com gibt es einen Bericht über die Tradition von Nacktprotesten in verschiedenen afrikanischen Ländern.

Es ist schwer Rassismus zu erkennen, wenn du weiß bist – NOISEAUX hat auf ihrem Tumblr eine hilfreiche Liste mit vielen Ressourcen zum lesen und lernen verlinkt (auf englisch).

Wie mensch sich am besten nicht entschuldigt – eine Anleitung gibt es auf Jezebel.

Pia Glenn beschreibt auf xojane.com viele schreckliche Szenen von Street Harassment – über drei Jahrzehnte ihres Lebens.

Brad Paisley and LL Cool J haben einen Song rausgebracht: „Accidental Racist“. Warum der Song eine Menge Rassismus reproduziert, erklärt Ta-Nehisi Coates auf The Atlantic.

Tom Matlack ist einer der Gründer von The Good Men Project. Das klingt in der Theorie nach einer pro-feministischen Initiative, aber die Praxis zeigt: Matlack disst öffentlichen feministische Aktivistinnen, möchte für seinen „feministischen“ Aktivismus eigentlich nur gelobt werden und verträgt keinerlei Kritik.

Termine in Bochum, Bonn, Berlin, Hamburg, Mülheim an der Ruhr und Weimar:

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Mini-Schritte: Erweitertes Adoptionsrecht für nicht-heterosexuelle Paare

19. Februar 2013 von accalmie

Nicht nur von der Ehe werden nicht-hetero­sexuelle Paare in Deutsch­land weiter­hin aus­ge­schlos­sen: es wird schwulen und les­bi­schen Paaren, auch in ein­ge­tra­gen­en Le­bens­part­ner­schaf­ten, immer noch un­mög­lich ge­macht, Kinder zu adop­tieren. An diesem dis­kri­mi­nieren­den Grund­zu­stand wird bis­lang poli­tisch nur halb­her­zig ge­rüttelt. Aller­dings hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, das bereits 2012 fest­stellte, dass die „Un­gleich­be­hand­lung von ein­ge­tra­gener Le­bens­part­ner­schaft und Ehe“ beim Fami­lien­zu­schlag für Beamt_innen ver­fassungs­wi­drig ist, in seinem heutigen Urteil einen kleinen Schritt in Richtung Dis­krimi­nier­ungs­ab­bau ge­macht:

(c) Sara and Ryan

Das Gericht gab der Verfassungsbeschwerde eines lesbischen Paares statt und urteilte, dass schwule und lesbische Partner_innen in einer ein­ge­tragenen Le­­bens­­part­­ner­­schaft künf­tig die be­reits von einer_m der bei­den adop­­tier­­ten Kin­der eben­­falls adop­­tieren dür­fen. Das heisst, dass eine so­ge­nannte Suk­zes­siv­adop­tion mög­lich ist. Bis­lang war es nicht-hetero­sexuellen Paaren nur mög­lich, „leibliche“ Kinder des_der Partner_in zu adop­tieren.

Ein gemeinsames Adoptionsrecht besteht jedoch weiter­hin nicht.

Die Be­richt­er­stattung vieler Medien lädt ebenfalls zum Kopf­schütteln ein: nicht in einem der Artikel wird Hetero­norma­tivi­tät oder das beliebte Wort „Homosexualität“ als Bezeichnung/Markierung eines von einer vermeintlichen Norm „Abweichenden“ hinter­fragt. Auch bleibt bislang un­thema­ti­siert, dass nicht-heterosexuelle Paare be­reits durch das Ver­bot der Ehe­schlie­ßung (…mal unabhängig davon, wie man zur Ehe als Institution stehen mag…) grund­legend dis­krimi­niert wer­den und die Sinnlosigkeit, an diesem „separate and unequal“-Konzept festzuhalten, immer deutlicher wird.

Mit diesem neuen Urteil bewegt das Bundes­ver­fassungs­ge­richt die gesetz­liche Lage nichts­desto­trotz in eine bessere Rich­tung – in diesem Jahr stehen außer­dem weitere Ent­schei­dungen be­vor. Viel­leicht setzt sich tatsächlich irgendwann die einfache Erkenntnis durch, dass Grundrechte für alle Menschen gelten.


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Gemeinsames Sorgerecht – die Sorge ums eigene Recht?

9. Juli 2012 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 50 von 59 der Serie Meine Meinung

Vor einigen Tagen hat das Bundeskabinett  den Gesetzentwurf zur Reform der elterlichen Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern (heißt derzeit: eine Frau* und ein Mann*, die miteinander mindestens ein gemeinsam gezeugtes Kind haben) beschlossen. Bei unverheirateten Eltern liegt das Sorgerecht bisher automatisch bei der Mutter, für das gemeinsame Sorgerecht müssen die Eltern nach erfolgter Vaterschaftsanerkennung eine gemeinsame Erklärung beim Jugend- oder Standesamt abgeben. Dabei war bisher die Zustimmung der Mutter explizit erforderlich. Für den Vater soll es nun einfacher sein, auch dann gemeinsames Sorgerecht zu beantragen, wenn die Mutter des gemeinsamen Kindes das nicht möchte. Widerspruch ist nur innerhalb einer kurzen Zeitspanne und auch  nur dann möglich, wenn das Kindeswohl zur Debatte steht. Wenn es Streit um das Kindeswohl gibt, muss ein Familiengericht entscheiden.

Spontan könnte man ja jetzt erstmal denken: na, das ist doch prima – gemeinsames Sorgerecht, das klingt nach Fürsorge, Partizipation und Gleichberechtigung, und wenn ein Vater sich um sein Kind kümmern will, wer in aller Welt könnte etwas dagegen haben? In diese Kerbe schlagen auch die zahlreichen Medienkommentare, die den Beschluss als Meilenstein der Gleichberechtigung zugunsten der Väter preisen. Allerdings sollte man nicht übersehen, dass „Sorgerecht haben“, also vor allem das Recht und die Pflicht, bei bestimmten Entscheidungen, die das Kind betreffen, mitzureden, und „tatsächliches Kümmern“ nicht dasselbe sind und noch nicht einmal etwas miteinander zu tun haben müssen. Denn das Umgangsrecht besteht unabhängig vom Sorgerecht, auch ein Elternteil ohne Sorgerecht hat grundsätzlich das Recht auf, ja sogar die Pflicht zum Umgang mit seinen Kindern.

Auch bleibt die keineswegs rhetorische Frage, in wiefern eine verwalterische Zwangsmaßnahme den Weg zu einer guten familiären Lösung und befriedigenden Eltern-Kind-Beziehungen ebnen kann. Der Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) sieht den Beschluss entsprechend kritisch:

„Dass seit 1998 immer mehr nicht verheiratete Eltern gemeinsam die Verantwortung für ein Kind übernehmen wollen und dies durch eine übereinstimmende Sorgeerklärung ausdrücken, ist eine positive Entwicklung. Eine solche gemeinsame Entscheidung jedoch durch einen gerichtlichen Beschluss nach Aktenlage ohne Anhörung der Beteiligten zu ersetzen, ist der falsche Weg“, gibt [die Bundesvorsitzende des VAMV, Edith] Schwab zu bedenken. Denn geben nicht miteinander verheiratete Eltern keine gemeinsame Sorgeerklärung ab, sind oftmals Konflikte der Grund.  […] „Die Hoffnung, dass diese durch das gemeinsame Sorgerecht vermieden werden können, ist trügerisch. Im Gegenteil, eine Auseinandersetzung schürt das Streitpotenzial weiter“, befürchtet Schwab.  […] „Ein neues beschleunigtes Verfahren bei Sorgerechtsstreitigkeiten mit dem Ziel eines gemeinsamen Sorgerechts um jeden Preis geht ausgerechnet zu Lasten der Kinder, deren Eltern sich nicht einigen können“. (mehr …)


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Nicht nur der europäische Gerichtshof zementiert patriarchalisches Familienrecht

3. April 2012 von Jennifer

Ende März hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg die Beschwerden zweier Männer aus Deutschland (application no 45071/09 und application no. 23338/09) abgewiesen, die ihre Anerkennung als biologische Väter anstelle der Ehemänner der beiden Mütter juristisch durchsetzen wollten. Zuvor waren die beiden – der eine weiß sicher, dass er der Erzeuger einer Tochter ist, der andere ahnt und es und will deshalb einen Vaterschaftstest durchführen – mit ihrem Anliegen bereits vor deutschen Familiengerichten gescheitert. Denn noch immer gilt im deutschen Recht: Bringt eine verheiratete Frau ein Kind zur Welt, so ist juristisch gesehen ihr Ehemann der Vater – selbst wenn das Ehepaar schon lange getrennt lebt und alle Beteiligten wissen, dass das Kind von einem anderen Mann, dem biologischen Vater, gezeugt wurde.

Das Urteil der Straßburger RichterInnen bestätigt nun die bisherige deutsche Rechtsprechung: Es postuliert einen Schutz für die – zumindest vor dem Gesetz – weiterhin bestehende Familie aus miteinander verheirateten Eltern und Kindern. Als Grund führen die RichteR stets das Kindeswohl an, da in der Regel zu dem rechtlichen Vater, mit dem das Kind zusammengelebt hat oder sogar noch zusammenlebt, eine enge Bindung bestehe. Gleichwohl könnte dem tatsächlichen Vater ein gewisses Umgangsrecht zustehen. Dies müsse jedoch einzelfallbezogen geregelt werden.

Damit wir uns gleich richtig verstehen: Dass eine Rechtssprechung noch immer gilt, die schon seit Jahrhunderten den Ehemann zum absoluten Oberhaupt der Familie erklärt, der qua Ehering in letzter Konsequenz noch immer über die Kinder seiner Ehefrau bestimmen kann, ist schon absurd! Und um zu wissen, wie viel Leid ein solch einseitiger Begriff von Vaterschaft über die Beteiligten – und zwar ALLE Beteiligten! – bringen kann, reicht es, einmal Tolstois „Anna Karenina“ zu lesen (oder von mir aus eine der diversen Verfilmungen zu sehen).

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Ehegattensplitting, Debattenkritik und Rassimus – kurz verlinkt

28. März 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 152 von 346 der Serie Kurz notiert

Was zuwenig Hebammen und Fachärzt_innen in der Praxis bedeuten, hat der mdr dokumentiert. Mit besserer Personalausstattung könnten viele Probleme während Geburten verhindert werden. Diese Unfälle treiben die Versicherungskosten in die Höhe, die dann Hebammen und Ärzt_innen zum Aufgeben bewegen.

„Männlich“ oder „weiblich“ – wie so oft kennt auch Facebook nur zwei Geschlechtsoptionen. Das müsse sich ändern, fordert der nepalesische Abgeordnete Sunilbabu Pant. Wie DerWesten berichtet, fordert er eine dritte Option.

In den VDI Nachrichten kritisiert Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung den „konservativ-patriarchalen“ Muff in Vorstandsetagen, fordert die Abschaffung des Ehegattensplittings und rät jungen Frauen, authentisch zu bleiben, Männer zu kopieren bringe nichts.

Ein Beitrag von ein_e anonyme_r Ärzt_in bei Jezebel über verpflichtende vaginale Ultraschalluntersuchungen.

In Süd-Dakota hat eine Richterin einen Gesetzentwurf blockiert, der stark an die deutsche Gesetzgebung erinnert: Eine Zwangsberatung und Wartezeit von 72 Stunden vor einer Abtreibung. Der Vorschlag erniedrige Frauen als Menschen und unterstelle ihnen „nicht intelligent genug“ zu sein.

Feministische Debatten richten sich meist nur an die Bekehrten und schließen ganze Gruppen von Frauen systematisch aus, zum Beispiel die der „Arbeiterklasse“. Den ganzen Artikel, gespickt mit vielen Zahlen und Statistiken gibt es bei New Statesman.

Ein Radiobeitrag zur Debatte um die Blackface-Praxis (Schwarze werden von angemalen Weißen gespielt) an (deutschen) Theatern. Dieser taz Artikel dreht sich um das gleiche Thema.

Kluge Gedanken zu einer queerfeministischen Familienpolitik, zu lesen bei analyse&kritik

Nochmal Radio, diesmal DRadio Wissen. Dort könnt ihr einen Beitrag zur gerade in Südafrika aktuellen Debatte um Männlichkeit anhören.

Edda Baumann von Broen, Regisseurin von Tall Girls (Große Mädchen): „Ob man nun zu groß ist oder bisschen dicker oder klein… Mir geht es wirklich darum zu sagen: Ihr seid alle toll, wie ihr seid. Wir müssen aufhören uns fremd bestimmen zu lassen und einfach sagen: Uns gibt es in allen Formen, und das ist großartig.“

Weißt du, wer Laura Cereta oder Anna Maria Mozzoni waren? Nein? Dann kannst du ihre Geschichte und die von acht weiteren Frauen bei rebell grrrrl italiana lesen (auf englisch).

Am besten danach gleich weiter klicken zur Huffington Post, da werden „10 muslim women you should know“ („Zehn muslimische Frauen, die man kennen sollte“) vorgestellt.

Seit 2011 gibt das European Institute for Gender Equality der EU Kommission den Kalender Women Inspiring Europe (Frauen, die Europa inspirieren) heraus. Bis zum 1. Juni werden nun Frauen für den Kalender 2013 gesucht!

Rechtsradikale greifen ein Konzert an und verletzen Menschen schwer, die Stadt Delitzsch gibt dem Veranstalter die Schuld – weil er keine Nazis zum Konzert zulassen wollte. Nein, das ist leider kein Scherz. Mehr Infos gibts hier.

Mal den Spieß umgedreht: Frauen machen Gesetze über männliche Reproduktion (nur keine Aufregung, alles natürlich alles nur Satire – wo kämen wir auch hin sonst?).

„Cause Of Death: Woman“ (Todesursache: Frau). So heißt eine bedrückende Seite, die mit Filmen, Statistiken und Texten darstellt, warum in unserer Welt die Gesundheit von Frauen mehr von Gewalt und Vergewaltigung bedroht wird, als von zum Beispiel einer Krebserkrankung.

Termine nach dem Klick: (mehr …)


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Affirmative Action, Alltagssexismus und Asylbewerber_innen – kurz verlinkt

15. Februar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 146 von 346 der Serie Kurz notiert

In der Kirgisischen Republik ist ein Gesetz gegen das Kidnappen und die an­schlie­ßende Verheiratung von Frauen gescheitert. Die Abgeordnete Asiya Sasykbayeva kritisiert, dass viele progressive Politiker dagegen gestimmt hätten, weil es auch gegen Polygamie eingesetzt werden könnte. Die ist bereits verboten, dennoch käme sie weiter vor, wie auch das „Bräutekidnapping“, so Eurasianet.

Frauen in Behinderteneinrichtungen sind in Deutschland massiver Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt, so die tagesschau. Fehlende Meldepflichten und schlechte Heimaufsicht verschlimmern die Situation der Betroffenen, die derzeit auch keine offiziellen Möglichkeiten haben, sich zu wehren.

Seitenweise Bermerkungen über ihr Aussehen und einfach herbeifantasierte, sexualisierende Aussagen – sound of the city erklärt Autor(_innen), wie sie nicht über Musikerinnen schreiben sollten.

Warum ist Affirmative Action (öffentliche Maßnahmen zum Abbau von Dis­kri­mi­nierung) eigentlich so wichtig? Dieses Video zeigt es anschaulich:

Nach einem Jahr im Gefängnis ist die bahreinische Aktivistin Fadheela Al-Mubarak wieder frei, berichtet Al Akhbar. Als erste Frau war sie vor ein Militärgericht gestellt worden, nachdem auch im Bahrein Proteste im Rahmen des Arabischen Frühlings ausgebrochen waren. Verurteilt wurde sie übrigens wegen „Anhören von revolutionärer Musik“.

Wie könnte ein modernes Familienrecht überhaupt aussehen? Ob Abschaffung der Benachteiligung von homosexuellen Menschen oder die Öffnung des Sorgerechts, um soziale Elternschaft zu ermöglichen – die Queer-Theoretikerin Sushila Mesquita hat einige Ideen. DieStandard.at sprach mit ihr darüber.

Zu zehn Jahren Gewaltschutzgesetz hat die taz Kriminalhauptkommissarin Heike Lütgert interviewt. Neben Zahlen zu „vorgetäuschten“ Vergewaltigungen und Gewalt gegen Männern gibt es taz-typisch leider auch ein Dekolleté-Foto.

Nicht jede ihrer Kolumnen finden wir gut, diese aber schon: Sybille Berg über Alltagssexismus und das Altern.

In Irland ist eine Frau in Beugehaft gesteckt worden – nachdem sie drei Männer identifiziert hat, denen sie Vergewaltigung vorwirft, wollte sie diese nicht noch einmal sehen. Auch dass sie stattdessen versuchte, Selbstmord zu begehen, brachte den zuständigen Richter nicht davon ab. „Strafe“ muss schließlich sein, berichtet die Frankfurter Rundschau.

Ayslbewerber_innen können sich in Baden-Württemberg künftig freier bewegen. Ganz abgeschafft wird die Residenzpflicht aber nicht, auch wenn es bei SWR4 zunächst so klingt.

Termine und ein Call for Lectures nach dem Klick (mehr …)


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