Einträge mit dem Tag ‘Familie’


Steinzeitmenschen sind auch nicht mehr, was sie mal waren – Kurz verlinkt

4. April 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 184 von 191 der Serie Kurz notiert

“Steinzeitmenschen” – deren (angebliches) Verhalten muss ja gern her halten für heutige Geschlechterklischees. Julia Voss  geht in der FAZ gegen diese anti-emanzipatorischen Argumente vor und erzählt von aktuellen Forschungen.

Der Guardian berichtet davon, wie und warum Frauen in Ägypten gegen den aktuellen Verfassungsvorschlag auf die Straße gehen. (Englisch)

Das neue an.schläge-Magazin mit dem Titelthema “Games & Gender” ist da. Wie immer gibt es auch einige der Texet online zu lesen, z.B. zur Sparpolitik in Griechenland und wie diese insbesondere Frauen trifft,  Erfahrungen von Game_erinnen und ein feministischer Blick auf Mode.

Facebook lässt nur die Wahl zwischen “Mannsein” und “Frausei” – doch das lässt sich auch ändern. (Englisch)

Journalistin Hani Yousuf schreibt beim Tagesspiegel über die rassistische und sexistische Erlebnisse als Journalistin in Berlin. Mittlerweile arbeitet sie wieder in Karachi, Pakistan.

[TW: V*rg*w*lt*g*ng ausgeschrieben/ thematisiert] In Schleswig-Holstein tut sich einiges hinsichtlich der Beweissicherungen zu Vergewaltigungen, schreibt die taz.

Bei Africa Is A Country schreibt Grace Benton über aktuelle afrikanische Künstlerinnen.

In der neuen Ausgabe von Kritisch lesen gibt es eine Rezension zum Buch “Kinderkiste“, das Toni Morrison 1999 zusammen mit ihrem Sohn Slade verfasst hat.


Facebook | |


Wie eine bessere Familienpolitik aussehen könnte

18. März 2013 von Lisa

Dieser Beitrag erschien letzten Freitag bereits bei Fuckermothers.

Fotografie von vier Personen (zwei Erwachsene, zwei Kinder) auf weißem Karopapier-Hintergrund, deren Gesichter entfernt und durch weißes kariertes Papier ersetzt sind.

Bild: Fuckermothers

Angeblich soll es im kom­men­den Wahl­kampf mehr um Familien­poli­tik gehen. Des­we­gen habe ich an­ge­fan­gen zu über­legen, wie eine bessere Familien­politik aus­sehen kön­nte. Heraus kam diese Liste. Menschen, die wenig am poli­tischen System ändern wol­len, wird sie wohl zu uto­pisch (bzw. “zu teuer!”) er­scheinen. Und Menschen, die es nicht unter der Ab­schaf­fung des Kapi­ta­lis­mus und Natio­nal­staats machen, wird sie nicht weit ge­nug gehen (bzw. “zu re­form­ist­isch!” sein). Hier kom­men die Punkte trotz­dem. Er­gänzungen und Ver­bes­ser­ungs­vor­schlä­ge sind er­wünscht. Und Utopien so­wie­so.

 

 

  • Das Ziel von Familienpolitik sollte Gerechtigkeit, höhere Lebensqualität sowie das Verringern von Ungleichheit und Armut sein. Ziel sollte nicht sein, lediglich die Zahl der Kinder (von bestimmten Bevölkerungsgruppen) zu erhöhen.
  • Das Ehegattensplitting verschwindet endlich ersatzlos.
  • Abtreibung wird legalisiert. Der § 218 wird gestrichen.
  • Mehr als zwei Personen können (auch rechtlich) Eltern eines Kindes sein.
  • Der Ausbau von Kitas und Krippen geht schneller voran und zwar so, dass es nicht nur mehr Plätze gibt, sondern auch eine bessere Qualität der Betreuung. Dazu gehören kleinere Betreuungsschlüssel, längere und flexible Öffnungszeiten, ein Nachmittagsprogramm sowie durchdachte pädagogische Konzepte.
  • Hebammen, Erzieher_innen und Tageseltern bekommen endlich eine bessere Entlohnung.
  • Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften erhalten die gleichen Rechte wie gegengeschlechtliche. (weiterlesen …)

Facebook | |


Samstagabendbeat mit Lady Saw

8. Dezember 2012 von Anna-Sarah

Ob eine sich selbst und ihre Sicht der Dinge in den Lyrics und im heteronormativen Kernfamilien-Setting des Videos nun zu 100% wieder findet oder nicht: Ich glaube, “Less than a Woman” von Lady Saws 2007er Album “Walk Out” ist der einzige Popsong, den ich kenne, in dem offen über Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und ungewollte Kinderlosigkeit gesungen wird – für viele Frauen*, letzteres wohl gerade auch für solche, die außerhalb (cis)heterosexueller Zweierbeziehungen lieben und leben, prägende Erfahrungen. Die Vielfalt dieser Erfahrungen und ihre Kontexte – wie zum Beispiel überkommene Familienbilder oder Verfasstheiten des Mutterideals, wie es an unterschiedliche Gruppen von Frauen* herangetragen wird – haben in der kommerziellen Popkultur genau so wenig Platz wie im öffentlichen Diskurs. Sicher, nicht alles davon wird in diesem Song hier verhandelt, zumindest nicht kritisch. Doch die so klare wie persönliche Botschaft der “Queen of the Dancehall” an eine Welt, in der Weiblichkeit nach wie vor nahezu untrennbar mit Gebärfähigkeit und (möglichem) Muttersein verknüpft ist  -  als Protagonistin eines Genres, welches oftmals für seine konservativen bis reaktionären Geschlechterbilder in der Kritik steht:

Not having a child don’t make me less than a woman.


You see, what I am saying is this song is dedicated to all the females who have been trying to have children but never succeed. Some have miscarriage just like myself, but you know what, don’t give up … and don’t feel you are less than a woman because you don’t have a child ’cause once you give you love to other children that counts. You know what I’m saying.

Wer es thematisch etwas, hm, leichter und dafür musikalisch etwas rougher möchte, kommt bei Lady Saw natürlich auch auf ihre_seine Kosten. Und muss dafür noch nicht mal das Album wechseln, sondern bloß ein bisschen vor oder zurück skippen.

Übrigens, a propos klare Botschaft: Mir fällt außer Lady Saws “Condom” auch spontan kein anderer Song ein, in dem so explizit für die Verwendung von Kondomen geworben wird…


Facebook | |


Feste, Filme, Fails und Forschung – kurz notiert

6. Dezember 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 176 von 191 der Serie Kurz notiert

Das Missy Magazine hat letztens ein fulminantes Fest gefeiert. Die Musik dazu kam von Jolly Goods und Peaches. Hier ein paar Impressionen.

Ebenfalls zum Gucken und Hören: Im Film Familie trans*formieren erzählen mehrere Trans*leute davon, wie sie Elternschaft (er)leben.

Viel zu lesen haben wir mal wieder in der österreichischen diestandard gefunden:

So betrachtet sie den medialen Umgang mit den Musikstars Rihanna und Chris Brown und sieht Rihanna in der Kritik wegen ihrer Weigerung, das “perfekte Opfer” zu geben  (Hinweis: Beschreibung körperlicher Gewalt).

Welche_r noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist, wird von diestandard  mit  Buchtipps versorgt.

Einer Studie nach sind in Deutschland Frauen vom Pflegerisiko und der damit zusammenhängenden Altersarmut deutlich stärker betroffen als Männer.

“Die Kriminalisierung von Aufenthaltsehen ist für die Fremdenpolizei ein mächtiges Mittel, um binationale Ehen und deren Lebensumfeld zu kontrollieren”, sagt die Politkwissenschaftlerin Irene Messinger.

Die Einführung der “anonymen Entbindung” in Österreich war offenbar eine sinnvolle Maßnahme: Kindestötungen in Österreich nach der Geburt im letzten Jahrzehnt um die Hälfte gesunken, Babyklappen werden viel seltener in Anspruch genommen.

Mehr aus Österreich: Mitte Oktober wurde im brut Wien das Stück „Assassinate Assange“ aufgeführt, das Julian Assange als Opfer einer Verschwörung darstellt. Agate S. kommt in der Malmoe zu einem klaren Urteil:  “Die Aufregung um Angela Richters Assange-Stück förderte abermals die üblichen Abwehrmechanismen und Verharmlosungsstrategien [bezüglich sexualisierter Gewalt] zu Tage und soll hier als Beispiel für die Widerwärtigkeit des gesamtgesellschaftlichen Verharmlosungsdiskurses dienen.”

Spektakuläre Aktion *gegen* rape culture: Facebook-User_innen kaperten die Social Media-Auftritte der bekannten  Unterwäschefirma Victoria’s Secret, um für das Konsenskonzept zu werben und damit Vergewaltigungen entgegen zu treten.  Quintessenz der Aktion:  “While we can’t expect a message that is empowering for women to come from a brand like Victoria’s Secret, we can make it come from their hashtag. This campaign has only begun.”

Jutta Hartmann erklärt am Beispiel Schule, wie Heteronormativität wirkt_hergestellt wird.

Stellenausschreibung: Das FrauenComputerZentrumBerlin e.V. (FCZB) sucht eine Systemadminstratorin!

Termine:

Am kommenden Samstag in Berlin: Lookism & fat Empowerment Tagesworkshop (flt* only). Los geht es um 12 Uhr im Projektraum H48,  Hermannstr.48 Berlin Neukölln, 2.Hinterhof 2.Stock (barrierefrei). Anmelden könnt ihr euch unter sabberglibberflutsch@googlemail.com. Hier der Link zum Facebook-Event.

Damit es nicht still wird um die inhaftierten russischen Aktivistinnen: Am 12.12. soll eine weltweite Lesung für Pussy Riot stattfinden.

Buchpremiere von “Frauenkörper neu gesehen” am 14.12. um 19.30 Uhr in der Urania, Berlin: Laura Méritt und Autorinnen reden und diskutieren über Weiblichkeit, Geschlechtervielfalt, Körpernormierungen und mehr.


Facebook | |


Das weiße Mutterideal

15. November 2012 von Lisa

Immer schon gern von uns verlinkt, nun mit eigenem Logenplatz: Ab sofort werden wir – mehr oder weniger – regelmäßig die Beiträge von Fuckermothers crossposten. Das Blog hat das Ziel, feministische Perspektiven auf Mutterschaft zu werfen, insbesondere auf das momentan in euroamerikanischen Gesellschaften herrschende Mutterschaftsideal. Um dieses Ideal zu verunsichern und destabilisieren, möchte Fuckermothers die Perspektive, wie man/frau heute Mutter sein kann, erweitern und die Vielfalt an möglichen Lebens-, Körper- und Gefühlsentwürfen zeigen. Fuckermothers möchte deswegen auch nach den verschiedenen Möglichkeiten feministischer Mutterschaft(en) fragen, nach den queeren Müttern, den hetero-Müttern, den hippen Müttern, den nicht-Müttern, den Anti-Müttern, den Anti-Anti-Müttern, den pro-Mutterschafts Müttern, den Teilzeit-Müttern, den Polit-Müttern, den rassistisch diskriminierten Müttern, den trans_Müttern, den VäterMüttern, den sexy Müttern, den marginalisierten Müttern, den pro-sex Müttern, den cripple moms, den traditionellen Müttern, den kritischen-Müttern-die-trotzdem-in-traditionellen-Beziehungen-leben, den männlichen Müttern, den mütterlichen Männern, den alleinerziehenden, den dicken, dünnen, jungen, alten, faulen und fleissigen Müttern, allen dazwischen und den fuckermothers allgemein. Yay!

Das weiße Mutterideal Beleidigungen wie etwa ‘Schlampe’ oder ‘Rabenmutter’ treffen nicht alle Frauen gleich. Denn sexistische Zuschreibungen sind nicht nur vom Geschlecht abhängig, sondern auch von anderen sozialen Kategorien – etwa von Bildungszugang, Alter, Nationalismen und Rassismen. Deswegen gab es bereits bei den Slutwalks – die ja eine feministische Aneignung des Begriffs Slut/ Schlampe darstellen sollten – die Kritik, dass sich keineswegs alle Frauen diesen Begriff aneignen wollen oder können. Denn beispielsweise können weiße Frauen entscheiden, sich mehr oder weniger als (vermeintliche) Schlampe zu kleiden. Dahingegen sind Schwarze Frauen und Women of Colour ganz unabhängig von ihrer Kleidung stärker von Sexualisierungen, Beleidigungen und Gewalt betroffen. Nachzulesen ist diese Kritik genauer etwa in An Open Letter from Black Women to the SlutWalk oder in Women of Color Respond to SlutWalk (Links über Der braune Mob).

(weiterlesen …)


Facebook | |


Ab an den Herd oder kocht ihr schon?

9. November 2012 von Sabine

So jetzt ist es beschlossen, die Herdprämie ist da*. Ab dem 1. August 2013 soll das Betreuungsgeld an Eltern bezahlt werden, die ihre Kinder zwischen dem 13. und 36. Lebensmonat nicht in staatliche Kitas geben, sondern zu Hause betreuen oder privat betreuen lassen von Oma, Opa, Au-Pair, Verwandte oder sonst wem.

Die FDP wollte zuerst nicht so recht, weil ihr das Betreuungsgeld nicht zeitgemäß erschien, auch innerhalb der CDU konnten einige mit der Herdprämie nichts anfangen. Mal abgesehen von der Opposition, und vor allem der Mehrheit der deutschen Bevölkerung, die gegen die Einführung des Betreuungsgelds ist. Aber dann gab es wieder einen dieser berüchtigten Deals innerhalb der Koalition: „Du gibst Herd, ich geb’ dir 10-Euro-Kassen-Erlass.“ Und da lässt sich die bedeutungslose FDP nicht lumpen. Hauptsache Mövenpick und segnet ab. Kristina (CDU) und Horst (CSU) müssen gestrahlt haben, waren sie doch die größten Befürworter des antifeministischen Projekts.

Bei der Einführung der Prämie gibt es für die Zweijährigen in Muttis Obhut zuerst 100 Euro und ab 2014 gibt es für Kinder im dritten Lebensjahr 150 Euro Taschengeld. Das Geld ist ein lächerlicher Betrag, und deckt vielleicht das Windelgeld und ein, zwei Dosen Babybrei ab. Kristina Schröder nennt das Wahlfreiheit, dabei ist es eine rechts-konservative Ideologie, die heute verabschiedet wurde. 100 oder 150 Euro monatlich sind keine Alternative zu einer Arbeitsstelle, der Abhängigkeit vom erwerbstätigen Elternteil (meist dem Partner), der erschwerten Rückkehr in die Arbeitswelt und einer Zementierung von Geschlechterrollen. Der Spagat zwischen Kinder und Erwerbstätigkeit, der oftmals von Frauen* thematisiert wird, wird hiermit ganz einfach gelöst.

Durch das Betreuungsgeld werden Anreize gesetzt zu Hause zu bleiben, sich um Kinder, Küche und Partner zu kümmern. Es sind Anreize für eine Hetero-Kleinfamilie: Frau, Mann, 2 Kinder. Kein Spagat, kein gar nichts. Es ist sozusagen das Dessert des heterosexuellen Ehegattensplittings, wo es von steuerlichem Vorteil ist, wenn der Mann mehr verdient als die Frau. Und Hartz-IV Empfänger_innen gehen de facto leer aus, wieder mal. Zwar soll ihnen das Betreuungsgeld ausgezahlt werden, doch soll die Leistung in vollem Umfang auf das Arbeitslosengeld II angerechnet werden. Queer_Feministische Alternativen? Forget it!

Und weil Kleinvieh auch Mist macht, kommt da ein Betrag von satten 1,2 Milliarden Euro zusammen. 1,2 Milliarden Euro, die auch in den Ausbau von den staatlichen Kitas hätte investiert werden können. Da gibt es nämlich Baustellen, die haben auch eine Hausnummer: 220.000. So viele Kita-Plätze fehlen nämlich. Vielleicht ist es ja auch das Beiwerk, denn wenn es sowieso keine Plätze gibt, warum nicht zu Hause bleiben und kochen? Ich koche zumindest. Und ihr, wie wollt ihr leben?

*Abstimmung: 310 Abgeordnete dafür, 282 dagegen, 2 Stimmenthaltungen.


Facebook | |


Die Photoshopisierung von Frauen und Asiatinnen-Klischees im Feuilleton – die Blogschau

30. Juni 2012 von Nadia
Dieser Text ist Teil 162 von 203 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Bilder von Familie, und zwar mit allem drum und dran und nicht nur auf das klassische Mutter-Vater-Kindchen-Schema fokussiert, aufgetan von den Fuckermothers.

„Anweisungen, um sich nicht wie ein Dummkopf Aufzuführen, nachdem Du des Rassismus bezichtigt wurdest“ – hat das evilmelblog sehr gut zur Verfügung gestellt (Anm.: Im Text wird das Wort “farbig” verwendet; ich geh jetzt mal von einer nicht komplett gelungenen Übersetzung aus).

Eine gute Nachricht bei 1000 Kreuze in die Spree: Die Krankenkasse BKK IHV hat den Vertrag mit Abtreibungsgegnern gekündigt. (Wir berichteten.)

Wie auf jetzt.de alle möglichen rassistischen, neo-kolonialistischen und sexistischen Klischees über „Asiatinnen“ in einem Satz auftauchen, einmal zerlegt auf dangerbananas.

besserlesen mit einer Rezension zum kirchen-kritischen Klassiker von Uta Ranke-Heinemann: Eunuchen für das Himmelreich.

Über verschiedene Ausformungen der Polyamorie gibt es auf baumderglückseligkeit kluge Gedanken. Danach gab’s eine Antwort, und gleich zwei verschiedene Gegenantworten.

Einen ziemlich eindrücklichen Text über die Krise in Spanien gab es letzte Woche auf fotografiona.

(Street) Harassment oder: Warum „Hallo“ nicht einfach „Hallo“ ist: I do give a Damn hat sich mal die Mühe gemacht, das genau zu erklären.

Das Mädchenblog macht auf die Kampagne “Keep it real Challenge” aufmerksam, die es sich zum Ziel gemacht hat die Photoshop-isierung in US-amerikanischen (Frauen- und Mädchen-)Magazinen anzuprangern.

Eine kontroverse Diskussion um das Plakatmotiv zur IT-Girl-Kampagne gibt es bei Frikasch.

Und noch eine Rezension: Le Petite Plaisirs hat “Make Love. Ein Aufklärungsbuch” genau geprüft.

Die Pressemitteilung des Deutschen Bundestags zu Operationen zur Geschlechtsfestlegung bei intersexuellen Kindern geht in eine richtige Richtung. Alles en Detail nochmal nachzulesen kann mensch bei Das Ende des Sex.

Termine nach dem Klick: (weiterlesen …)


Facebook | |


Nicht nur der europäische Gerichtshof zementiert patriarchalisches Familienrecht

3. April 2012 von Jennifer

Ende März hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg die Beschwerden zweier Männer aus Deutschland (application no 45071/09 und application no. 23338/09) abgewiesen, die ihre Anerkennung als biologische Väter anstelle der Ehemänner der beiden Mütter juristisch durchsetzen wollten. Zuvor waren die beiden - der eine weiß sicher, dass er der Erzeuger einer Tochter ist, der andere ahnt und es und will deshalb einen Vaterschaftstest durchführen – mit ihrem Anliegen bereits vor deutschen Familiengerichten gescheitert. Denn noch immer gilt im deutschen Recht: Bringt eine verheiratete Frau ein Kind zur Welt, so ist juristisch gesehen ihr Ehemann der Vater - selbst wenn das Ehepaar schon lange getrennt lebt und alle Beteiligten wissen, dass das Kind von einem anderen Mann, dem biologischen Vater, gezeugt wurde.

Das Urteil der Straßburger RichterInnen bestätigt nun die bisherige deutsche Rechtsprechung: Es postuliert einen Schutz für die - zumindest vor dem Gesetz – weiterhin bestehende Familie aus miteinander verheirateten Eltern und Kindern. Als Grund führen die RichteR stets das Kindeswohl an, da in der Regel zu dem rechtlichen Vater, mit dem das Kind zusammengelebt hat oder sogar noch zusammenlebt, eine enge Bindung bestehe. Gleichwohl könnte dem tatsächlichen Vater ein gewisses Umgangsrecht zustehen. Dies müsse jedoch einzelfallbezogen geregelt werden.

Damit wir uns gleich richtig verstehen: Dass eine Rechtssprechung noch immer gilt, die schon seit Jahrhunderten den Ehemann zum absoluten Oberhaupt der Familie erklärt, der qua Ehering in letzter Konsequenz noch immer über die Kinder seiner Ehefrau bestimmen kann, ist schon absurd! Und um zu wissen, wie viel Leid ein solch einseitiger Begriff von Vaterschaft über die Beteiligten - und zwar ALLE Beteiligten! - bringen kann, reicht es, einmal Tolstois „Anna Karenina“ zu lesen (oder von mir aus eine der diversen Verfilmungen zu sehen).

(weiterlesen …)


Facebook | |


Ich, ich gehöre hierher

2. Februar 2012 von Kübra
Dieser Text ist Teil 28 von 40 der Serie Das Wort zum Freitag

Groß und gerade steht Nazim, etwas breit. Seine gebräunte Haut ist ledrig, die Zähne vergilbt vom Rauchen. Mit seinen tiefschwarzen Augen beobachtet er aufmerksam die Menschen um ihn herum. Nazim ist angekommen. Als sich die Türen öffnen und er seinen Bruder hinter der Absperrung am Berliner Flughafen entdeckt, steckt Nazim seine goldene Halskette unters Hemd. Der Bruder braucht sie nicht sehen.

Zusammen betreten sie die Wohnung des Bruders. Es riecht nach türkischem Gebäck und Essen. Sein Blick schweift über die arabischen Kalligraphien im Flur und bleibt an dem Kopftuch seiner Schwägerin hängen. Sie nickt ihm zu und lächelt. Er öffnet seinen Mund, um etwas zu sagen, und schließt ihn gleich wieder seufzend. Es lohnt sich nicht.

Beim Abendessen stochert die Schwägerin lustlos auf ihrem Teller herum. Nazim und sein Bruder reden über die Kindheit und Fußball. Keine gefährlichen Themen. Als sie ihnen ausgehen, wartet Nazim noch einen Moment und bedankt sich dann für das Essen. Jetzt schnell.

Umgezogen steht Nazim an der Tür zum Wohnzimmer. Er hebt die Hand zum Abschied. Sein Bruder, der mit Tee, Mandeln und gesalzenen Sonnenblumenkernen auf ihn wartete, eilt ihm überrascht nach. Er guckt Nazim wortlos an. Du bist doch erst heute aus der Türkei gekommen. Willst du dich nicht ausruhen? Wortlos schaut Nazim zurück. Ich bin nicht wegen dir hier, das weißt du.

Draußen knöpft Nazim sein Hemd auf. Die goldene Kette kommt zum Vorschein. Praktizierende muslimische Männer tragen kein Gold. Rückständige tragen kein Gold.

Ich bin hier, sagt Nazim sich. Endlich. Nur um hier zu sein, ist Nazim in der Türkei auf die Polizeischule gegangen. Irgendwann als Kommissar würde er mit einem yesil pasaport, dem grünen Pass für hohe Beamte, Europa bereisen. In die Wiege der Moderne wollte Nazim. Und ausgerechnet sein Bruder lebt hier.

Der rückständige, religiöse Bruder. Er hatte sich in die Tochter der deutschtürkischen Familie, die jeden Sommer in der Nachbarwohnung lebte, verliebt und war mit ihr nach Berlin gezogen. Seit acht Jahren lebt er mit seiner Familie hier, während Nazim in einer kleinen Stadt an der Westküste der Türkei Streife fuhr. Ich, ich gehöre hierher.

Nazim ignoriert die türkischen Imbisse, den libanesischen Supermarkt, das italienische Restaurant. Das, das, das nicht. Das ist es auch nicht. In einer Seitenstraße, endlich, entdeckt Nazim eine Kneipe. Als er die Tür öffnet, weht ihm eine Alkoholfahne ins Gesicht. Nach Bier riecht es hier. Ein bisschen klebrig ist es von dem Frittierten, das verkauft wird. Er setzt sich an den hintersten Tisch des Raumes und bestellt. Trinkend, trinkend und trinkend beobachtet er.

Die korpulente Frau hinter der Theke mit dem lauten Lachen. Ihr rotes Unterhemd zeigt einen tiefen Ausschnitt, der immer weiter rutscht, wenn sie lacht. Und der Mann, der sich weit über die Theke lehnt, macht weiter Witze. Der alte türkische Mann mit dem vernarbten und eingefallenen Gesicht, der seit Ewigkeiten vor ihm sitzt und ihm sein Leid erzählt, schnappt sich sein Glas. Nazim lacht.

Dieser Text ist in der taz als Kolumne veröffentlicht worden.


Facebook | |


Fröhliche Baynachten

22. Dezember 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 27 von 40 der Serie Das Wort zum Freitag

Weihnachten ist die langweiligste Zeit des Jahres! – fand ich als Kind einer türkisch-muslimischen Familie, die kein Weihnachten feierte. Im Fernsehen liefen immer nur die gleichen Sachen – obwohl, von “Kevin allein Zuhaus” bekam ich nie genug. Keiner meiner Freunde kam nach draußen zum Spielen, alle hatten zu tun und waren schwer mit der Familie beschäftigt. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, hatte zu allem Überfluss auch noch die Bücherhalle zu. Wie öde ist das denn?

Auch sonst war eigentlich alles geschlossen, was ich so kannte. Die Schule. Zu. Der Sportverein. Zu. Supermärkte. Zu. Die Drogerie. Zu. Der Allgemeinarzt um die Ecke. Auch zu. Als Kind machte ich mir richtig Sorgen. Was passiert, wenn wir zu Hause über die Weihnachtstage nicht genug Essen haben? Werden wir verhungern? Was ist, wenn Klopapier ausgeht? Zahnpasta? Milch? Was ist, wenn ich plötzlich Zahnschmerzen bekomme? Oder Fieber? Oder Heißhunger auf Lakritze habe? Ja, richtig. Wo krieg ich in den Weihnachtstagen Lakritze her, verdammt?

Weihnachten ist eine Zwangspause. Unerträglich für abenteuerlustige Kinder, denen an Weihnachten keine Geschenke winken. Deswegen hätte ich damals nie gedacht, dass Weihnachten jemals ein Teil von mir wird. Tatsache ist aber, dass Weihnachten eigentlich das Beste ist, was einem erwachsenen Menschen passieren kann.

(weiterlesen …)


Facebook | |



Anzeige