In Washington DC haben gestern Sinjoyla Townsend und Angelisa Young ihre zwölf Jahre Partnerschaft gefeiert und als erstes gleichgeschlechtliches Paar geheiratet. Ergreifender als in jedem Hollywoodfilm, also schon mal die Taschentücher auspacken:
Seit über einer Woche findet vor einem US-Bundesgericht in San Francisco, Kalifornien, ein Verfahren statt, welches die Rechtmäßigkeit von Proposition 8 unter anderem mit der Begründung anficht, dass jene im November 2008 gefällte Entscheidung der kalifornischen BürgerInnen, die Homo-Ehe zu verbieten, die in der amerikanischen Verfassung festgeschriebenen Grundrechte von Homosexuellen verletze. Das Urteil könnte richtungsweisend für die gleichgeschlechtliche Ehe nicht nur in Kalifornien sondern für die ganze USA sein. Falls das Bundesgericht Schwule und Lesben vor dem Gesetz mit Heterosexuellen und ihrem Recht auf Heirat gleichstellt und diese Entscheidung durch alle Instanzen hindurch bis an den Supreme Court (US-amerikanischer Oberster Gerichtshof) weitergereicht wird, kann es fast unmöglich werden, irgendwo in den USA Gesetze aufrecht zu erhalten, die Menschen auf Grund ihrer sexuellen Orientierung diskriminieren.
Die beiden Advokaten von Homosexuellen-Rechten sind der konservative Ted Olson, der schon für Ronald Reagan und George W. Bush arbeitete, und der liberale David Boies. Als nicht gerade typisch wirkende Befürworter der Homosexuellen-Ehe planen die beiden mit einer einfachen aber möglicherweise wirkungsvollen Argumentation einen historischen Zug durch die gerichtlichen Instanzen.
Theodore Olson (links) und David Boies (rechts) (AP Photo/Damian Dovarganes)
In seiner Eröffnungsrede am 11. Januar 2010 betonte Olsen drei besonders wichtige Punkte:
1. Die Möglichkeit heiraten zu können sei ein fundamentales Recht der US-BürgerInnen. Die Ehe wird als eine der wichtigsten Institutionen in den USA verstanden und korrespondiert mit amerikanischen Grundwerten wie das Recht auf Freiheit, Privatheit und das individuelle Ausleben der eigenen Identität - Werte, die sich alle in der amerikanischen Verfassung wiederfinden (via).
Die Mädchenmannschaft beschäftigt sich ja immer wieder mit Werbung. Manchmal kommentieren wir sie selber, oft und gerne verweisen wir auch auf die zauberhafte Sarah Haskins, die verschiedenen Werbespots und -trends immer treffsicher zu kommentieren weiß.
Mein Bruder hat mir vor ein paar Tagen ein paar Werbefilmchen verlinkt (an dieser Stelle nochmal vielen Dank dafür), die für Sarah Haskins wie gemacht erscheinen. Leider sind sie erstens auf deutsch und zweitens schon etwas älter. Aber seht selbst …
Zuerst:
Dr. Oetker – oder: “Eine Frau hat zwei Lebensfragen: was soll ich anziehen und was soll ich kochen.”
Ja, das war noch recht harmlos. Die Frau kocht und backt, der Mann geht arbeiten. War früher zwingend so, ist heute noch ganz schön oft so, nichts neues.
Wirklich neu war mir allerdings das Produkt “Frauengold”, welches ein faszinierendes Wundermittel gewesen sein muss.
Der erste Spot, den ich zeigen möchte, mutet fast ein wenig modern an, agiert er doch mit dem Bild des “doofy husband“, das auch heutzutage noch in vielen Werbefilmen zu finden ist. Der einzige Weg, den doofy husband und das Backen und Kochen mit Gleichmut auszuhalten ist es, sich das Frauenleben mit Frauengold erträglich zu trinken – ich hoffe, niemand nimmt es mir übel, die Pointe schon vorweg genommen zu haben:
Eine Nummer weiter geht ein anderer Spot, ebenfalls zu Frauengold. Jetzt geht es nicht mehr nur darum, das stressige Hausfrauendasein zu ertragen, hier werden die Frauen fast schon ruhig gestellt, pardon, es wird ihnen geholfen, “über den Dingen zu stehen”.
Das abschließende “Frauengold gibt auch ihnen den rechten Schwung” mutet da wirklich schon zynisch an.
In meinem Alter (frühe Zwanziger) muss frau sich langsam darauf einstellen, dass sie immer öfter zu Hochzeiten eingeladen wird, denn das Heiraten ist zumindest in meinem Bekanntenkreis gerade stark im Kommen. Bei den meisten Paaren in meinem Umkreis ging der Name des Ehegatten fast wie selbstverständlich auf die Braut über, was die einen als Tradition verstehen, die anderen einfach achselzuckend hinnehmen oder erklären, dass sie dies doch gerne machen – ein Name sei doch nichts Identitätsstiftendes und man brauche demnach auch nicht künstlich an ihm hängen. Finde ich übrigens auch. Wenn dies in den meisten Fällen nicht einseitig verlaufen würde.
Laut eines Artikels der NY Daily News, der sich auf eine Studie der American Sociological Association stützt, denken 70% der US-AmerikanerInnen, dass die Braut den Namen des Bräutigams annehmen soll und – jetzt kommt der interessante Teil – 50% glauben, dass dies auch gesetzlich vorgeschrieben sein sollte. Warum so viele der freiheitsliebenden AmerikanerInnen solch ein Gesetz favorisieren würden, war mir zunächst schleierhaft. In dem Artikel wurden folgende Erklärungen diskutiert:
When the respondents were asked why they felt women should change their name after the wedding, Hamilton says, “They told us that women should lose their own identity when they marry and become a part of the man and his family. This was a reason given by many.”
Other respondents said they felt the marital name change was essential for religious reasons or as a practical matter. “They said the mailman would get confused and that society wouldn’t function as well if women did not change their name,” Hamilton says.
Am erschreckendsten ist sicherlich der Part, in dem die Frau “ihre Identität aufgibt wenn sie heiratet und somit Teil des Mannes und seiner Familie wird”. Wohl eher zum Schmunzeln finde ich, dass sich so viele Menschen Sorgen um ihren Postboten / ihre Postbotin machen – fast rührend.
Interessant ist nicht nur, dass viele der Befragten anscheinend kein Problem damit haben, dass Frauen ihren Namen – und somit ihre Identität – bei der Hochzeit quasi dem Manne (und seiner Familie) übergeben, sondern vielmehr, dass “Identität” mit einem Namen gleichgesetzt wird. Dass ein Nachname so identitätsstiftend sei, war mir nicht bewusst. Dass so viele Menschen ihren Namen mit Identität assoziieren, ist zwar erschreckend, noch schlimmer ist allerdings, dass dann allen Ernstes von Frauen erwartet wird, dass sie ihre Identität dem Ehemann nach der Hochzeit unterordnen. Auch wenn ich bezweifele, dass Identität ernsthaft etwas mit einem Nachnamen zu tun hat, sagt die Studie doch einiges darüber aus, was viele anscheinend noch immer mit Hochzeit assoziieren: der Mann als Oberhaupt und Ernährer der Familie und die Frau “als Unterstützung an seiner Seite”.
Trotz der Pfingsttage war einiges los in den Blogs. Eine kleine Auswahl findet ihr hier:
Ich persönlich finde ja die Geschichte um die zwei schwulen Pinguin-Papas sehr rührend. Der Väterblogberichtet darüber, aber stellt auch eine Studie vor, die herausgefunden hat, dass kinderlose Männer glücklicher als Väter seien. Hoffen wir das beste für die Pinguine!
Süüüüüüüüüß!
(Bild über Radio Bremen - wer mehr davon sehen will, klickt darauf.)
Dazu passt eine Umfrage, die die Techniker Krankenkasse durchgeführt hat und über die dieStandard.atinformiert. Demnach empfinden Hausfrauen und –männer mehr Stress als Manager. Außerdem bei dieStandard.atgefunden: Die FPÖ fordert ein Gesetz gegen „zu Homosexualität anspornende Informationen für Minderjährige“.
Da anzunehmen ist, dass die Studierenden der Havard University alle schon volljährig sind, wird die FPÖ die Einführung des Lehrstuhls für „lesbian, gay, bisexual and transgender studies“ dort hoffentlich mit Fassung tragen (gefunden bei kopfundherz).
Lila Rose, 20 Jahre alt, studiert nicht in Havard sondern an der University of California. Da ihr Studium sie nicht genug auszulasten scheint, ist sie nebenbei aktive Abtreibungsgegnerin und filmt heimlich Beratungsgespräche in Abtreibungskliniken. Der Mädchenblogberichtet über den „Pro Life Spitzel“.
Leider ohne geschickte Überleitung, aber trotzdem lesenswert: Antje Schrupp entdeckte diese Woche ungeahnte Gemeinsamkeiten mit Ulla Schmidt, beide „machen nichts aus sich“. Und was kann eine Frau schon taugen, die nichts aus sich macht?
Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.
Über die aus westdeutscher Sicht vermeintlich vorbildlich gleichberechtigten DDR-Frauen gab es diese Woche in der Zeit einen interessanten Artikel zu lesen. Darin heißt es unter anderem:
„Die starke, emanzipierte Genossin? Fehlanzeige. Die Familienpolitik der DDR war auf ein traditionelles Bild der Frau ausgerichtet. Das einzig Neue daran: Frauen mussten nun das Doppelte leisten. Produktion und Reproduktion, so nennt Babett Bauer diese Aufgaben. Die Historikerin hat im Familiengesetzbuch der DDR nachgelesen, dass die Aufgaben der Frau sogar gesetzlich geregelt waren: “Die Frau sollte ihre berufliche und gesellschaftliche Tätigkeit, die immer in Zusammenhang mit dem Aufbau der sozialistischen Gesellschaft stehen musste, mit der Mutterschaft vereinbaren können. Von Vaterschaft ist hingegen nie die Rede.”“
Oder, etwas kürzer zusammen gefasst:
„Was heißt schon Emanzipation. Natürlich sind wir alle arbeiten gegangen. Aber die Kinder in die Krippe gebracht, abgeholt, der Haushalt, das blieb an uns hängen.“
In der DDR fand so politisches Engagement teilweise quasi unter umgekehrten Vorzeichen statt: Gerade die Frauen, die sich dafür entschieden, zu Hause zu bleiben – „auch und gerade, um ihre Kinder von den Institutionen der ideologischen, staatlichen Erziehung fernzuhalten“ – setzten damit mehr oder weniger direkt ein politisches und gesellschaftliches Statement und „kamen so auch mit der westdeutschen Frauenbewegung in Kontakt“.
Heutzutage profitieren jedoch Frauen wie Männer von der in der DDR sowohl verordneten als auch halbherzigen Emanzipation. So ist zum Beispiel für die Kinderbetreuung eine andere, bessere Infrastruktur vorhanden als im Westen, Hort- bzw. Kitaplätze sind keine Mangelware. Auch das Selbstverständnis sei bei beiden Geschlechtern ein anderes:
„Daniel Erler ist Mitautor der Studie, die sich mit der Lebenssituation und den Perspektiven junger Frauen in den neuen Bundesländern auseinandersetzt, und erklärt: “Das Selbstverständnis der jungen Frauen im Osten ist sehr viel stärker am Arbeitsmarkt orientiert. Beruf und Familie schließen sich nicht aus, sondern gehören zusammen.“
Außerdem seien Ost-Männer „offener gegenüber arbeitenden Frauen“.
Und weiter heißt es:
„Darüber hinaus zieht das Argument, dass Männer im Westen gerne anführen, ihr höheres Gehalt nämlich, im Osten einfach nicht. Die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern sind im Osten sehr gering, zeigt die Studie “Frauen machen neue Länder”. Und wenn es selbstverständlich ist, dass beide Partner arbeiten, ist es auch selbstverständlich, dass beide Partner den Haushalt erledigen.“
Daniel Erler gibt sich allerdings optimistisch:
„In diesem Fall bewegt sich der Westen auf den Osten zu. Denn das Selbstverständnis der jungen Frauen im Westen ändert sich in diesem Punkt natürlich auch.“
Für alle, die wie ich in dieser wunderbar sonnigen Nach-Osterwoche keinen Urlaub (mehr) haben und deswegen eine kleine Aufmunterung brauchen, hier ein kleiner Ausschnitt aus “The Rachel Maddow Show”.
Zur Einleitung schauen wir zuerst noch schnell bei den Damen von “Sex and the City” vorbei:
Dieser Text ist Teil 7 von 49 der Serie Kurz notiert
Und das war auch noch los in dieser Woche:
Gehaltsunterschiede und Arbeitssituationen bei HochschulabsolventInnen: 95 Prozent der Männer, aber nur 80 Prozent der Frauen arbeiten. Warum? Elternzeit und Hausarbeit bleibt immer noch in vielen Fällen allein an den Frauen hängen – die Tazberichtet.
Die Kolumne „Electric Ladyland“ von Verena Kuni – viele kennen sie aus dem Missy-Magazine – gibt es jetzt nicht mehr nur gedruckt, sondern auch online – wie es sich für eine Kolumne über die Netzkultur auch gehört. Wo? – Bei missy-magazine.de natürlich!
Wem dieses Bild schon gefällt, der ist beim Artikel über „Women’s Comics oft he `70s and `80s“ genau richtig aufgehoben – da findet sich so manche interessante Zeichnung. Wo – auf bitchmagazine.org - einfach anklicken
Ihr habt eine ganz dringende Frage, die die Politik bewegen sollte? Dann seid ihr beim Freitag genau richtig – und könnt sogar etwas gewinnen! Mehr dazu: hier.
Ein sehr sehr interessanter Artikel über sexuelle Dienstleistungen für behinderte Menschen auf jetzt.de – eine Frage bleibt offen: Gibt es auch Männer, die diesen Service für behinderte Frauen anbieten?
Julia Seeliger war bei „Hart aber Fair“ und diskutierte über den Sinn oder Unsinn der Ehe, sowie über neue Familienmodelle. Wer’s verpasst hat kann es auf wdr.denachholen.