Einträge mit dem Tag ‘Ehe’


Nicht nur der europäische Gerichtshof zementiert patriarchalisches Familienrecht

3. April 2012 von Jennifer

Ende März hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg die Beschwerden zweier Männer aus Deutschland (application no 45071/09 und application no. 23338/09) abgewiesen, die ihre Anerkennung als biologische Väter anstelle der Ehemänner der beiden Mütter juristisch durchsetzen wollten. Zuvor waren die beiden - der eine weiß sicher, dass er der Erzeuger einer Tochter ist, der andere ahnt und es und will deshalb einen Vaterschaftstest durchführen – mit ihrem Anliegen bereits vor deutschen Familiengerichten gescheitert. Denn noch immer gilt im deutschen Recht: Bringt eine verheiratete Frau ein Kind zur Welt, so ist juristisch gesehen ihr Ehemann der Vater - selbst wenn das Ehepaar schon lange getrennt lebt und alle Beteiligten wissen, dass das Kind von einem anderen Mann, dem biologischen Vater, gezeugt wurde.

Das Urteil der Straßburger RichterInnen bestätigt nun die bisherige deutsche Rechtsprechung: Es postuliert einen Schutz für die - zumindest vor dem Gesetz – weiterhin bestehende Familie aus miteinander verheirateten Eltern und Kindern. Als Grund führen die RichteR stets das Kindeswohl an, da in der Regel zu dem rechtlichen Vater, mit dem das Kind zusammengelebt hat oder sogar noch zusammenlebt, eine enge Bindung bestehe. Gleichwohl könnte dem tatsächlichen Vater ein gewisses Umgangsrecht zustehen. Dies müsse jedoch einzelfallbezogen geregelt werden.

Damit wir uns gleich richtig verstehen: Dass eine Rechtssprechung noch immer gilt, die schon seit Jahrhunderten den Ehemann zum absoluten Oberhaupt der Familie erklärt, der qua Ehering in letzter Konsequenz noch immer über die Kinder seiner Ehefrau bestimmen kann, ist schon absurd! Und um zu wissen, wie viel Leid ein solch einseitiger Begriff von Vaterschaft über die Beteiligten - und zwar ALLE Beteiligten! - bringen kann, reicht es, einmal Tolstois „Anna Karenina“ zu lesen (oder von mir aus eine der diversen Verfilmungen zu sehen).

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Spielball der US-Politik: Frauen und ihre Gesundheit

6. März 2012 von Helga

Keine Zahlung von Verhütungsmitteln durch die Krankenkassen mehr und Zwangsultraschall vor einer Abtreibung – in den USA verstärkt sich der Kampf gegen Frauen, ihre körperliche Selbstbestimmung und homosexuelle Paare.

In Virginia sollten Frauen vor einer Abtreibung künftig eine vaginale Ultraschalluntersuchung über sich ergehen lassen, auch gegen ihren Willen. Dieser Passus wurde zwar gekippt, trotzdem hat sich die Lage für Frauen dramatisch verschlechtert, so TPM. Eine (äußerliche) Ultraschalluntersuchung ist immer noch Pflicht. Zur bisherigen Warteperiode ist eine zweite nach dem Ultraschall hinzugekommen, so dass Frauen nun mindestens drei Mal ihre_n Ärzt_in aufsuchen müssen. Auch muss ihnen genau beschrieben werden, was auf dem Ultraschallbild zu sehen ist, wenn sie das Bild nicht anschauen wollen.

Immerhin gekippt wurde der Änderungsantrag von Senator Roy Blunt in der Verhütungsdebatte, nach dem Arbeitgeber_innen Verhütungsmittel aus den Versicherungen ihrer Angestellten hätten streichen lassen können. Die Debatte schwelt seit August letzten Jahres, als Obama betriebliche Krankenversicherungen verpflichtete, Verhütung ohne Extrakosten für die Versichten abzudecken. Ausgenommen blieben von Anfang an Kirchen, die dies im Februar aber auch für kirchliche Institutionen wie Schulen und Krankenhäuser durchsetzten. Denn wenn es um die Körper von Frauen geht, zählt schließlich nicht deren Wille, sondern die religiösen Bedenken … anderer Menschen. Bei einer Anhörung des republikanischen Abgeordneten Darrell Issa dazu durften folgerichtig nur Männer sprechen.

Ein Unterstützer des der republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rick Santorum empfahl Frauen stattdessen, auf altbewährte Methoden zu setzen und eine Aspirintablette zwischen die Knie zu klemmen. Warum das nicht gegen Babies bei heterosexuellem Sex hilft, aber Spaß machen kann – bitte hier entlang. Apropos Santorum. Der verkündete Anfang Januar, im Falle seiner Wahl alle bisherigen Ehen von homosexuellen Paaren annullieren zu lassen, gegebenenfalls auch scheiden zu lassen.

Derzeitiger Höhepunkt ist die Kontroverse um den ultra-konservativen Radiomoderator Rush Limbaugh (der mit den egozentrischen Hochzeitsfotos). Der hatte Pillennutzerinnen als Schlampen beschimpft und verlangte als Ausgleich für die Verschwendung seiner Steuergelder Sextapes. In seinem verbalen Ausfall gegenüber „Feminazis“ vergaß er dabei nur, dass weiterhin Arbeitgeber_innen in die Krankenkassen einzahlen, nicht „der Steuerzahler“. Während seine zahlreichen bisherigen Ausfälle weitgehend folgenlos blieben, kündigten ihm diesmal die Anzeigenkund_innen.

Den traurigen Schlußpunkt der Debatte setzten gestern fürs erste Michael Moore und Keith Olbermann. Aus dem Shitstorm #MooreandMe hat ersterer anscheinend nichts gelernt und zeigt in seiner Wortwahl ein weiteres Mal, wer Macht hat (Männer mit Geld) und auf wen er herabschaut (Sexarbeiterinnen und „Schlampen“):

Tweet von Michael Moore: "Rush- As soon as u started losing the big $$ from your hate speech, you caved & obeyed the men who pay u. Who's the prostitute now, bitch?"


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Frauen in Kenia, homosexuelle Ehen in Washington und Muschicupcakes: kurz verlinkt

22. Februar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 140 von 153 der Serie Kurz notiert

Böse Frauen, die ihre Männer schlagen, macht Spiegel Online in Kenia aus. Die Organisation „Maendeleo ya Wanaume“ rufe daher zum Boykott des von den schlagenden Frauen gekochten Essens auf. Der Kolumnist Macharia Gaitho der Daily Nation sieht es schon etwas differenzierter und auf Diasporadical wird das Thema ebenfalls diskutiert.

Die zukünftige EU-Finanzierung für Frauenrechte (inklusive zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen) wird derzeit diskutiert – und es sieht nicht gut aus. Die European Women’s Lobby erklärt, um was es geht und was frau tun kann.

Damit eine Dokumentation über Eltern von LGBTs in der Türkei gedreht werden können, werden Spenden benötigt.

Mit 60 Jahren will sich Diana Nyad einen Lebenstraum erfüllen und von Kuba nach Florida schwimmen (das Video hat deutsche Untertitel, es gibt auch eine Übersetzung):

Claire Horst schreibt in der Jungle World über Maskulisten und deren Klage über die angeblich verweichlichten Männer.

Der US-Bundesstaat Washington wird als siebter Bundesstaat die homosexuelle Ehe erlauben. Gouverneurin Chris Gregoire hat das Gesetz letzte Woche unterzeichnet. Das besonders interessante Detail dabei: Gregoire ist gläubige Katholikin. Für die ganze Geschichte einmal hier entlang bitte.

Das Gazelle Magazin bespricht ein vieldiskutiertes Buch: “Ich will heiraten” von Ghada Abdelaal.

Die “neue Häuslichkeit” beschäftigt Feminist_innen immer wieder und lipstickterrorist fragt: “Sind Häkeln und Muschicupcakes wirklich so unschuldig?” Und Meryl Trussler hat geantwortet (beide Artikel auf englisch).

Mindestens so heiß diskutiert wie Muschicupcakes wird im deutschen Sprachraum die Frage, ob eine Feministin sich als Mädchen oder Fräulein bezeichnen darf. Anlässlich der Abschaffung der Mademoiselle in Frankreich hat DRadio Wissen dieser und anderen Fragen rund um die weibliche Anredeform einen Schwerpunkt gewidmet. Besonders empfehlen wollen wir euch eine Diskussion, bei der unter anderem Stefanie Lohaus (Mitherausgeberin des Missy Magazin) zu Gast war.

Feride Saymaz ist bereits zum zweiten Mal als “beste Taxilenkerin” Wiens ausgezeichnet worden. Mehr darüber lest ihr bei dieStandard.at.

“Mamaaaaaa, der Junge hat mich an den Haaren gezogen!” – “Meine Kleine, das heißt, dass er dich mag.” Kommt euch das bekannt vor? Wann und warum haben wir angefangen, kleinen Mädchen auf diese Art zu vermitteln, es sei okay von einem Jungen belästigt zu werden? Diese Frage stellt zu Recht viewsfromthecouch.

Termine gibts wie immer nach dem Klick! (weiterlesen …)


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Arschloch-Arzt, Schamhaar-Fotografie und tolle Comics – die Blogschau

29. Oktober 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 131 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Auf unregelmäßige Gedankensplitter könnt ihr ein Interview mit der Fotografin Saja Seus lesen, die ihr Projekt “Der Scheitel” vorstellt: witzige, schöne und interessante Schamhaarvariationen.

Auf dem empfehlenswerten Blog baum der glückseligkeit könnt ihr von der türkischen Wahl-Kindheit der Autorin lesen.

Die denkwerkstatt besuchte die Männertagung in der Steiermark, bei der auch die bekannte Männlichkeitsforscherin Raewyn Connell zu Gast war.

Julia Seeliger berichtet, wann sie zur Feministin wurde – in der Kindheit: “Ich sag euch mal was, Netzfeministinnen!

Kathrin von drüberleben schreibt über ihr Begegnung mit einem Arschloch-Arzt.

Queernews hat gute Neigkeiten: Die dänische Regierung kündigt die Öffnung der Ehe an.

Henrike von discipline and anarchy war auch auf dem Barcamp Frauen und berichtet von ihren Eindrücken.

Ste­pha­nie May­field hat ein neues Blog: Feministische Generationen und schreibt über die Diskussion auf Luise F. Pusch’s Blog zum Gender Gap. Sie stellt fest, dass die Diskutierenden “unfreiwillige Demonstrationsobjekte” für die Konflikte zwischen Feminist_innen unterschiedlichen Alters seien.

Auf Gleisbauarbeiten lest ihr eine Rezension von Marlene Streeruwitz Buch ”Das wird mir nicht passieren…Wie bleibe ich Feministin”, die mit den schönen Worten endet: “Ich bleibe Feministin. Sowieso.”

Antje Schrupp mahnt an: “Hört bitte mal auf, von „Frauenrechten“ zu reden“.

Auf fuckermothers analysiert die Autorin einen Artikel aus der Welt, der kein gutes Haar an Krippen lässt: ”Krippen scheinen gefährlicher als Zigaretten und Gewalt-Computerspiele zusammen.”

Comics, Comics, Comics – YEAH! Wir empfehlen: comic sport (u.a. zu Feminismus, Psychologie und Kunst) und eva & eva (eine Platform für Grrrls and Ladies)

Für alle Film-Fans: Die west-östliche Diva hat bewirbt das ALFILM Filmfestival in Berlin, das am 2. November beginnt. Eine Woche lange werden ca. 70 Filme aus allen Teilen der arabischen Welt gezeigt.


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Weibliche Tweets, Neu-Delhi-Slutwalk und tunesische Feministinnen – kurz notiert

4. August 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 115 von 153 der Serie Kurz notiert

Mehr Straßen und Plätze nach Frauen benennen! Hier wurden Düsseldorfer_innen befragt, wen sie gern verewigt wissen würden. Den meisten Befragten fiel übrigens spontan immer mehr als eine Person ein.

Mit 75% Sicherheit sagen Forscher_innen jetzt voraus, ob Mann oder Frau einen Tweet abgesetzt haben. Indikatoren: “My husband” und “my yoghurt” verraten Frauen, Biertweets und “my wife” sind Männerdomänen, so die ZEIT. Auf Twitter gab es prompte Reaktionen:

Tweet von @JollySea (Jøël Ådamø): "my yoghurt" "my yoga" "my husband". Und jetzt? bit.ly/o4PlRJ (via @habichthorn @hanhaiwen) - 34 minutes ago via web

Nicht allzu freizügig aber mächtig umstritten: The Star berichtet vom Slutwalk in Neu Delhi. Die Stadt hat die höchste Zahl an Vergewaltigungsanzeigen in Indien – gleichzeitig werden Frauen, die eine Anzeige machen, einem „Fingertest“ unterzogen um zu sehen, ob sie an „Sex gewöhnt sind“.

Wie sieht derzeit die Situation der Frauen und besonders von feministischen Aktivistinnen in Tunesien aus? Steal this Hijab hat nachgefragt.

Quotenfrauen in Vorständen und Aufsichtsräten als “verschlissenes Label”? Anke Domscheit-Berg, Gründerin von fempower.me und ehemalige Direktorin von Microsoft Deutschland dazu im Freitag.

Queer Audio Performance Festival in Berlin: „Empowerment, der Protest gegen Heteronormativität, gegen die Ausgrenzung durch die weiße, enthinderte, heterosexuelle Normalität.“

In der CDU gibt’s Ramba-Zamba: Parteiinterne Reformer_innen wehren sich gegen „verknöchertes Denken“ in Bezug auf die ewiggestrige Diskussion um die Gleichstellung schwuler und lesbischer Partnerschaften mit Hetero-Ehen.

„Lach doch mal wieder und bitte beschwer Dich nicht soviel.“ Diese guten Ratschläge, die Feminist_innen oft genug hören, nimmt Barbara Ehrenreich auseinander:


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Interviewpartner_innen gesucht – die Blogschau

23. Juli 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 118 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Die ägyptische Bloggerin Eman Hashim schreibt über sexuelle Belästigung in ihrem Land. Das Goethe Institut bietet eine Übersetzung an.

Im Blog wasdagegen setzen sich die Betreiber_innen kritisch mit rassistischer und sexistischer Werbung auseinander.

“‘Was will eine Frau eigentlich’ gehört mit zu den dämlichsten [Fragen], die es gibt”, meint Paper Cuts.

Wegen des großen Interesses am ersten möglichen Hochzeitstermin für gleichgeschlechtliche Paare hat die New Yorker Stadtverwaltung kurzfristig eine Lotterie angekündigt, berichtet Queernews.at.

Mädchenblog: Anne sucht nach Interviewpartner_innen für ihre Diplomarbeit über Psychotherapie‐Erfahrungen von Queers und Transgendern.

Inge Jahn hat sich auf ihrem Blog Gedanken über Geld gemacht.

Deutsche Männer suchen nach gescheiterten Hetero-Beziehungen zu deutschen Frauen häufig ihr Liebesglück mit osteuropäischen oder asiatischen Frauen. Grund: Die deutsche Frau sei zu hartherzig und emanzipiert. Alles Banane, finden die Danger Bananas.


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Slut Walks, Nico Rosberg und eine FIFA-Rüge für homophobe Äußerung – Kurz Notiert

30. Juni 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 110 von 153 der Serie Kurz notiert

Die Jungle World ist im Gespräch mit Kerstin und Sandra Grether, die in Berlin den SlutWalk mitorganisieren. Auch die taz sprach mit einer Organisatorin des SlutWalks, Diana Drechsel (wir berichteten).

Ein Grund zum Freuen: New York ist der nun sechste Bundesstaat in den USA, der die Homo-Ehe erlaubt, wie die Huffington Post berichtet. Ein Jubelvideo dazu gibt es auf YouTube.

Vor einiger Zeit berichteten wir über die Hollaback Berlin, eine Initiative, die dummen Anmachen und Belästigungen den Kampf ansagt - nun gibt es auch ein Hollaback Dortmund.

Das neue Buch “Generation XY“ von Mara Hvistendahl befasst sich mit den Konsequenzen der Ein-Kind-Politik Chinas, den fehlenden 160 Millionen Mädchen, der Rolle westlicher Länder und welche Konsequenzen sich aus der Überzahl der Jungen ergeben könnten.

Der Fußball-Weltverband FIFA hat Nigerias Nationaltrainerin Eucharia Uche nach deren homophoben Äußerungen zu lesbischen Fußballerinnen scharf kritisiert.

Im Spectator schreibt John R. Bradley zum Fall des Fake-Blogs der syrischen Bloggern Amina: “Arabs are more tolerant of homosexuality than the blogs would have you believe“. Der Blogger Tom McCaster, der sich als Amina ausgab, versucht jetzt noch, Kapital aus seiner Lügengeschichte zu schlagen.

The Grand Girls Anthology, das neue Projekt des Münchner Magnet Verlags, ist ein Almanach, in dem Frauen sich mit einem vorgegebenen Thema auseinandersetzen. Das Thema der nächsten Ausgabe: Revolution (via Missy Magazine)

Nico Rosberg nimmt Stellung zu seinem gruseligen Frauen-WM-Zitat und sagt: “Es gab eine gravierende Fehlinterpretation.”

Auf unique findet ihr einen Beitrag zum feministischen Twittern.

Im Mai hielt Juana Remus an der HU Berlin einen Vortrag zu “Das Zusammenspiel von Recht, Medizin und heternormativer Zweigeschlechtlichkeit an der Normierung und Regulierung von Intersexualität.” Nun gibt es im Netz eine Aufnahme des Vortrags zum Runterladen. Passend dazu hat auch DRadio Wissen einen Beitrag zu Intersexualität.

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Das Leben der Anderen

12. Mai 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 13 von 35 der Serie Das Wort zum Freitag

Der 1. Mai. In Kreuzberg lässt laute fröhliche Musik die Erde beben, die Sonne knallt und an den Straßenecken schlängeln sensationsgeile Krawallanwärter in Schwarz umher. Neugierige Touristen mit baumelnden Riesenkameras vor dem Bauch fotografieren die jungen Kreuzberger, die endlich einmal auf dem Bürgersteig Grillen dürfen. Neben ihnen stehen türkische Frauen und verkaufen erfolgreich Gebäck. Ein chaotisch buntes Getümmel.

Nee, heute wollen mein Mann und ich lieber Ruhe. Am liebsten mit Strand und Wasser. Zusammen mit anderen Berlinern reisen wir also zu einem Familienevent am See, das muslimische Organisationen mit Hüpfburg, Bands und allem Drum und Dran veranstalten.

Ich sitze auf einer Bank am Strand und beobachte. Ein junger Vater mit Hemd und Brille sitzt im Sand und buddelt eifrig mit seinem Sohn. Andere Väter mit langen Bärten, dunklen Sonnenbrillen und hochgekrempelten Jogginghosen stehen im Wasser und laufen ihren kleinen Töchtern in pinken Badeanzügen hinterher, die vor Glück laut aufschreien.

Die Mütter sonnen sich auf den Bänken. Welch Idylle, denke ich. Ein bisschen sufistische Muslime hier, ein bisschen Salafiten da und durchwurschtelt mit dem ganzen großen Rest dazwischen.

Am Strand lerne ich auch Klara kennen. Klara ist Verkäuferin, sie hat kurze braune Haare, eine Brille mit Goldrand und ein freundliches Lächeln. Vor dreißig Jahren hat sie sich in einer norddeutschen Kleinstadt in Kemal, einen türkischen Gastarbeiter, verliebt. Zum Entsetzen ihrer Freundinnen. Ein Türke, wie kann sie nur! Er wird sie doch nur schlagen, unterdrücken und sowieso! Klara trotzt ihrer Umgebung und folgt ihrem Herzen, sie heiratet Kemal. Kemal ist selten zu Hause, er arbeitet hart als Schichtarbeiter und an den Wochenenden schuftet er zusätzlich in der Metallfabrik.

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Guter Wille heilt keine bösen Taten

14. April 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 11 von 35 der Serie Das Wort zum Freitag

Hatice bügelt, ich falte. Wir ordnen Teile meines Ceyiz, der Aussteuer, die jede türkische Braut von den Eltern mitbekommt, in meinen Schrank ein. Verziertes Bettzeug, handbearbeitete Handtücher, Decken und Kissenbezüge.

“Frag mich: Bist du glücklich? Bin ich nicht”, sagt Hatice. Urplötzlich. Sie steht vor dem Bügelbrett und hält inne. Ich bin irritiert. Ich kenne sie nur flüchtig, sie kam heute zu mir, um mir ein wenig im Haushalt zu helfen. Ich sehe, wie ihr eine Träne über die Wange läuft. Sie streicht sie weg. “Weißt du, Kübra, ich habe meine Ceyiz nie benutzt”, sagt sie und lächelt mich an.

Hatice ist Mitte vierzig, sie könnte meine Mutter sein. Sie hat traurige Augen, eine leise Stimme und eine herzliche, liebevolle Art. “Warum nicht?”, frage ich und lege die Wäsche zur Seite. Sie erzählt. Mit siebzehn Jahren kam sie als Braut aus der Türkei nach Deutschland zu einem Mann, den sie weder kannte noch liebte.

Ihr Vater hatte den Bräutigam ausgesucht, und mit dem Ceyiz im Gepäck hatte er seine Tochter nach Berlin geschickt. Man versicherte ihr, sie hätten ihr dort eine kleine Wohnung fertig eingerichtet. Nur sie fehle noch.

Sie kam in Berlin an und alles fehlte. Es gab nur die Wohnung der Schwiegereltern, darin eine Matratze im Wohnzimmer und eine kleine freigeräumte Ecke im Kleiderschrank. Fünf Jahre lang. Hatices Ceyiz blieb ungeöffnet im Keller. Es gab kein Zimmer, das sie hätte einrichten, kein Bett, das sie hätte beziehen können.

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“Die EU-weite Quote wird kommen wie das Amen in der Kirche” – Kurz Notiert

16. März 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 97 von 153 der Serie Kurz notiert

Auch an der Elfenbeinküste gibt es seit Monaten blutige Proteste, nachdem es bei der Präsidentschaftswahl Anfang Dezember keinen Sieger gegeben hatte. Das Verfassungsgericht hatte dem Oppositionsführer Alassane Ouattara den Sieg aberkannt. Truppen des bisherigen Präsidenten Laurent Gbabgo haben nun sechs Teilnehmerinnen einer Frauendemonstration getötet.

FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin (FDP) sagt: “Die EU-weite Quote wird kommen wie das Amen in der Kirche”.

Auf linksnet findet ihr eine Debatte über Rassismus, Ressentiment und Islamkritik u.a. mit Birgit Rommelspacher.

Die LA Times berichtet von einem neuen Trend in Japan. Immer mehr Frauen wollen nicht mehr bei ihrer angeheirateten Familie begraben werden, sondern alleine oder nur zusammen mit ihrem Ehemann. Dies verlangt bisher die stark patriarchalische Tradition, für Frauen, die mit ihren angeheirateten Verwandten nicht zurecht kommen, bedeutet es aber „eine Form der ewigen Folter“ die sie nicht länger hinnehmen wollen.

Der Zweiwochendienst stellt die neue Datenbank „Gender Medizin“ vor. Mediziner_innen und interessierte Laien finden dort aus rund 10.000 Studien aufbereitete Daten zu Geschlechterdifferenzen bei Krankheiten.

In einem Interview mit DerStandard wirft die Informatikerin und Professorin an der Abteilung für Gender und Diversitätsmanagement Edeltraud Hanappi-Egger einen Blick auf hartnäckige maskuline Stereotype und die Systematik der Diskriminierung.

Die für Samstag, 19. März 2011, geplante Demo in Wien auf der Wiener Ringstraße (wir berichteten) steht unter dem Titel “AUS! Aktion Umsetzung. Sofort”. Ziel ist es, 20.000 Teilnehmerinnen auf den Ring zu bringen, so die Plattformsprecherin Petra Unger bei einer Pressekonferenz.

Laut der Berliner Zeitung muss sich jede dritte erwerbstätige Frau in Deutschland mit einem Niedriglohn begnügen: Insgesamt seien 68 Prozent aller Niedriglöhner_innen Frauen.

Auf F-Bomb lest ihr einen sehr guten Überblicksartikel zu Vergewaltigungsmythen und rape culture.

In ihrer Diplomarbeit „Caprasik – Verwickelt“ stellt Ayse Tasci die Vielfalt der Kopftücher vor. Um einmal nachzudenken, wessen Kopf eigentlich darunter steckt.

Auf Womanist Musing erklärt Loretta Ross, wann die Bezeichnung Women of Color zum ersten Mal benutzt wurde (inklusive Transkript).

Schließlich noch der Hinweis auf eine Online-Studie von Julia Trulley im Rahmen ihrer Abschlussarbeit: Es geht um Frauenzeitschriften und Wirtschaftsthemen.


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