Steak für den Kerl, Salat für die Dame
11. Februar 2011 von SusanneDu bist voll das Klischee”, sagt Freundin P. und drückt mir ein Magazin in die Hand, dessen Titelstory Vegetarismus zum neuen großen Ding erklärt. “Da steht drin, dass 70 Prozent der Vegetarier Frauen sind.”
“Schön für die Frauen”, sage ich und überlege, ob ich es schlimm finden soll, einem Rollenklischee zu entsprechen. Als ich mich vor sechzehn Jahren am Familienmittagstisch das erste Mal geweigert habe, Fleisch zu essen, hatte ich keine Ahnung von übereinandergestapelten Schweinen oder dem Massenmord an männlichen Küken. Entscheidend war, schlicht und egoistisch: Mir schmeckte Fleisch nicht. Und da ich bisher noch nichts davon gehört habe, dass Geschmacksknospen genetisch und geschlechtlich festgelegt werden, bin ich sicher: Auch als 16-jähriger Junge hätte ich das Fleisch verweigert.

(c) Frl. Zucker
“Essen ist klassisches Doing Gender”, sage ich zu P. “Bitte was?”, fragt sie, und ich halte ihr einen kleinen Vortrag: dass wenig so von unserer Vorstellung von einer “richtigen” Frau und einem “richtigen” Mann geprägt ist wie unser Essverhalten.
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