Einträge mit dem Tag ‘Diskussionen’

“Dumm gelaufen”

Saturday, May 10th, 2008 von Susanne

Chris vom Missy Magazine kommentiert die Debatte der vergangenen Woche, die in der Öffentlichkeit viel zu oft als Konflikt zwischen Alt- und Jungfeministinnen wahrgenommen werde. Sie schreibt, wir sollten alle unbedingt aus den Fehlern der amerikanischen Feministinnen lernen und mit gegenseitigen Vorwürfen unter den Feministinnen besser gar nicht erst anfangen. Denn was zählt, ist: die Sache, um die es uns allen geht.

Welcher Mittel soll sich ein moderner Feminismus bedienen?

Thursday, May 8th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 1 von 10 der Serie Grundsatzfragen

In der Rubrik “Grundsatzfragen” wollen wir ab sofort regelmäßig Grundsätzliches zum Feminismus diskutieren. Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.

Die Einstiegsfrage da oben geht mir momentan im Kopf herum, heraufbeschworen durch die öffentliche Diskussion, in der immer mal wieder anklingt, dass gar nicht so richtig klar ist, wie junge Frauen und Männer für mehr Gleichberechtigung kämpfen können. Ich habe schon recht früh für mich beschlossen, meinen Beruf auch immer für gesellschaftliche Themen zu nutzen; zum Beispiel für den Feminismus.

Aber das ist natürlich nur eine Form der Meinungsäußerung. Mit welchen anderen kann heute etwas erreicht werden? Was bringen “klassische” Protestformen wie Demos, Proteste, Petitionen und Arbeitszirkel? Für welche Aktionen könntet ihr euch begeistern? Was macht ihr schon?

Und noch eine Antwort

Thursday, May 8th, 2008 von Susanne

Heute antwortet die Journalistin Barbara Gärtner auf die Beiträge von Jana Hensel/Elisabeth Raether vorgestern und uns gestern. Ihr Hauptkritikpunkt: Feminismus würde zum Lifestyle-Aspekt verkommen, der nur noch Karriere-Coaching als Ziel hat.

Es freut mich wirklich, dass das Thema Feminismus wieder da. Was mich an dieser Antwort allerdings verärgert: Die Autorin blendet aus, dass es vielen jungen Frauen eben nicht mehr nur um das vordergründigste Problem “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” geht. Schade, dass für einen Debattenbeitrag absichtlich Themen ignoriert werden, die auch heute noch relevant sind, aber nicht in die These der Autorin zu passen scheinen: Abtreibung, Gewalt gegen Frauen, Frauenleben in aller Welt, Machtverhältnisse usw. Das nimmt dem Ganzen so leicht das Konstruktive.

P.S.: Für mich mittlerweile interessantester Halbsatz in den negativen Kritiken zu unserem Buch: “… ihr eigentlich fundiertes Buch …” Erinnert mich an: “Ich bin ja keine Feministin, aber …”

Für eine lebendige feministische Debatte

Wednesday, May 7th, 2008 von Susanne

(Dieser Text erschien am Mittwoch, 7. Mai, in der Süddeutschen Zeitung, als Antwort auf Alice Schwarzers Rede zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche.)

Am Sonntag erhielt Alice Schwarzer den Ludwig-Börne-Preis für kritischen Journalismus. In ihrer deutschlandweit beachteten Dankesrede bezeichnete sie die gerade entstehende junge feministische Szene als „Propagandistinnen eines Wellness-Feminismus“. Diese blickten nur auf ihre eigenen Belange, Karriere und Männer – eine erbärmliche „Geschichtslosigkeit“ und „Kaltherzigkeit, für die sie sich nicht einmal schämen.“ Diese „Post-Girlies“ wolle Schwarzer nicht vertreten, und auch nicht „Führerin der Frauenbewegung“ sein. Sie spreche für sich selbst und nicht als Stellvertreterin des Feminismus – deshalb sei an ihr kein Vorbeikommen: „Ich bin, mit Verlaub, liebe späte Mädchen, auch nicht abzusetzen.“

Vorneweg: Niemand will Alice Schwarzer absetzen. Mit ihr fühlt sich wohl jede Feministin in Deutschland in gewisser Weise verbunden. Doch es muss möglich sein, dass junge Frauen wie wir feministische Ideen für unser Leben und unsere Bedürfnisse weiter entwickeln und in Teilen auch anders praktizieren, als das unsere Vorgängerinnen getan haben. Dabei setzen wir uns natürlich auch mit Alice Schwarzer auseinander – manchmal kritisch, manchmal bewundernd. Wer hier von Absetzungsversuchen spricht, hat etwas falsch verstanden. Es geht darum, ein großes, wichtiges, schönes Projekt durch das nächste Jahrhundert zu bringen.

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Alice Schwarzers Börne-Preis-Rede

Tuesday, May 6th, 2008 von Susanne

Hier hat sich ja schon eine Diskussion um Alice Schwarzers Rede zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises für kritischen Journalismus entsponnen und es wurde nach der kompletten Rede gefragt. Gedruckt erschien diese gestern in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, online gibt es die Rede zum Nachlesen auf Alice Schwarzers Homepage. Hier ein Auszug, in dem sie sich auf die jungen Feministinnen bezieht:

“So erleben wir gerade die weite, medial lancierte Girlie-Welle – Sie erinnern sich an die längst wieder vergessenen Girlies von vor zehn Jahren? – sozusagen eine Post-Girlie-Welle. Deren Protagonistinnen sind allerdings keine Girlies, sondern erwachsene Frauen über dreißig. Sie nennen sich mal „Alpha-Mädchen“ – übrigens wenig originär nach einem vor zwei Jahren erschienenen amerikanischen Buchtitel und einer Spiegel-Story aus dem letzten Jahr – mal nennen sie sich „neue deutsche Mädchen“. Auch nicht ganz neu. Nein, nun doch nicht deutsche Mädel, aber dennoch: So kurz kann das Gedächtnis sein. (…) Diese späten Mädchen und Propagandistinnen eines Wellness-Feminismus sind für „Fair-trade-Puffs“ und finden, die sogenannte „Sexarbeit“ sei ein Job wie jeder andere; ja, sogar ein besonders vergnüglicher und gut bezahlter. Und sie lieben „geile Pornos“. (…) Wie ganz und gar ungeil es den zwangsverschleierten Musliminnen und den meist aus dem Elend oder gar aus dem Frauenhandel rekrutierten Prostituierten und Porno-Darstellerinnen dabei geht – an diesen Gedanken scheinen die Post-Girlies noch keine Sekunde verschwendet zu haben. Sie interessieren sich ausschließlich für ihre ganz persönlichen Belange, sprich: für Karriere und Männer. Es ist neu, dass man sich einer solchen Kaltherzigkeit nicht einmal schämen muss, sondern sie auch noch im Namen des Feminismus zum Programm erheben kann.”

Nachtrag:
Die jungen Feministinnen antworten. Jana Hensel und Elisabeth Raether heute auf sueddeutsche.de, wir am Mittwoch im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung (und auch hier online).

Der Schöne Leseabend

Tuesday, April 29th, 2008 von Susanne

Wer in Berlin wohnt und heute Abend Lust hat, dabei zu sein, wenn Christiane Zschirnt (“Wir Schönheitsjunkies”) gemeinsam mit Meredith und mir liest und diskutiert, der meldet sich
1. schnell noch im Berliner Münzsalon unter office@muenzsalon.net an und kommt
2. um 20 Uhr in die Münzstraße 23.

Frage des Abends, moderiert von Johanna Adorján von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung : ob der Feminismus das Leben schöner macht, oder Schönheit den Feminismus alt aussehen lässt.

Das große Schweigen

Tuesday, April 15th, 2008 von Susanne

Die Süddeutschen Zeitung berichtete heute: Die italienische Künstlerin Pippa Bacca wurde auf ihrer Reise durch die Türkei vergewaltigt und umgebracht. Ihr Tod löste in der Türkei eine Diskussion um den Umgang der Gesellschaft mit Vergewaltigungen aus:

Es ist eine Debatte über Machismo und Gewalt gegen Frauen, grausame Traditionen und das Wegschauen von Justiz und Gesellschaft. Hätte das überall passieren können, eine solche Vergewaltigung, ein solcher Mord? “Stimmt schon, Vergewaltiger gibt es überall”, schreibt der liberale Kolumnist Can Dündar am Montag in der großen Zeitung Milliyet: “Aber vermutlich werden sie nur in der Türkei gedeckt.”

Tatsächlich seien in türkischen Gerichten immer wieder zu milde Urteile verhängt worden oder der Vergewaltiger ganz freigesprochen. Die Begründungen lauteten dann: “Der Gerichtsmediziner war zu dem Ergebnis gekommen, dass das Mädchen keine seelischen Schäden davongetragen hatte.” Oder: “Das Opfer habe schließlich früher eine sexuelle Beziehung zu dem Angeklagten gehabt.”

Viele türkische Richter würden nur ganz langsame Fortschritte in ihrem Rechtsverständnis machen. Aber auch der Staat hinke noch hinterher: Erst im Zuge der EU-Anpassung 2004 wurde beispielsweise ein Artikel aus dem türkischen Strafgesetzbuch gestrichen, der einem Vergewaltiger Straffreiheit ermöglichte, wenn er einwilligte, sein Opfer zu heiraten!

Falsche Freiheit

Monday, April 14th, 2008 von Barbara

Unter der Überschrift “Mädchen Top - Jungen Flop” veröffentlicht telepolis.de ein Artikel zum Thema Bildung. Werden Jungs in deutschen Schulen benachteiligt? Sind sie die Verlierer des deutschen Bildungssystems? Statistisch schneiden sie derzeit schlechter ab als Mädchen. Als einer der Gründe für diese gar nicht so guten Zahlen im Bereich der Schulabschlüsse und -abbrüche wurde der falsche Umgang mit der Freiheit genannt:

Viele meinen, sie könnten tun und lassen, was ihnen gefällt. Sie sehen das Leben deshalb nur als wunschgemäßes Vergnügen – da haben Anstrengung, intensive Lernarbeit, solidarisches Verhalten und Einordnung in eine Gruppe keinen Platz mehr.

Das ist aber ein Problem, das sowohl Mädchen als auch Jungs hätten. Doch ein wirkliches Problem sei, dass den Jungs die Väter fehlen:

Sie versuchen das fehlende “Alpha-Tier” durch Null-Bock, Aggression und Gewalt, Alkohol, Kriminalität, Desinteresse und Rückzug in eine eigene Welt zu kompensieren.

Und ein Aufwachsen nur mit Mama, Erzieherinnen und Lehrerinnen bringt die Jungs in Identitätsschwierigkeiten:

“Männer” identifizieren sich über Männer, ansonsten gelten sie als Weichei. Welcher Schüler möchte das schon?

Obwohl um Gleichberechtigung gekämpft wird, werden besonders im Bildungsbereich Stellen hauptsächlich von Frauen besetzt. Das alte Spiel: Mädchen werden Lehrerin, Jungs Ingenieure. Und das ist nicht immer gut so:

Die eingangs gestellte Frage, wer nun die wirklichen VerliererInnen unseres zu reformierenden Bildungsystems sind, ist einfach beantwortet. Es sind nicht vordergründig DIE Mädchen oder DIE Jungen – es ist unser Land und damit wir alle.

Hausarbeit statt Aufschwung

Thursday, April 10th, 2008 von Katrin

Hausfrau und Mutter

Der neue OECD-Bericht für Deutschland in Schulnoten:

  • Gesellschaftliches Fortkommen: 5
  • Geschlechterdemokratie bei der Erwerbsarbeit: 6
  • Bildungssystem: 6
  • Lehrerbildung: 6
  • Beschäftigung im Alter: 3

Die OECD kritisiert scharf, dass Frauen in Deutschland im Schnitt immer noch unter 30 Stunden/Woche arbeiten. OECD-Generalsekretär Ángel Gurría spricht von einer „ungehobenen Talentreserve“, Deutschland laufe Gefahr, „sich als Gesellschaft selbst zu verleugnen.“

==> mehr im Taz-Artikel vom 10.04.08

Emma über Alpha

Wednesday, April 9th, 2008 von Susanne

Der Hessische Rundfunk kündigt auf seiner Webseite für morgen Abend einen Beitrag in der Sendung “Hauptsache Kultur” an:

Neuer Feminismus oder nur plumpe Werbestrategie? Alice Schwarzer äußert sich erstmals zur Kritik der “Alphamädchen”. (…) Die Verdienste von Alice Schwarzer sind unbestritten - aber sind Ihre Vorstellungen heute noch aktuell? Nein, sagt jetzt eine junge Feministinnengeneration. Und ihre Bücher haben etwas gemeinsam: Mit dem Ansatz von Alice Schwarzer können die Autorinnen nichts mehr anfangen. Ebenso die Moderatorin und Buchautorin Charlotte Roche, die früher ein großer Fan von Alice Schwarzer war. In „Hauptsache Kultur“ äußert sich Alice Schwarzer zum ersten Mal zu den Angriffen der jungen Feministinnen.

Donnerstag, 10. April 2008, 22.45 Uhr, Hessischer Rundfunk

(P.S.: Der HR sendet nicht bis nach München, zumindest zu keiner von uns nach Hause. Deswegen: Wer es von euch schaut, könnte uns vielleicht freundlicherweise eine kurze Zusammenfassung notieren.)

Nachtrag:
Den ganzen Beitrag gibt es auf der HR-Webseite zum Nachlesen.