Einträge mit dem Tag ‘Dick sein’


Aktionen und Empowerment – kurz verlinkt

13. Juni 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 194 von 194 der Serie Kurz notiert

Nach Frankreich sollen auch in Großbritannien bald lesbisch und schwul lebende Paare heiraten können.

Die Hamburger Inititative Ohren Auf Im Kiez mobilisiert zu gegenseitiger Unterstützung in Notsituationen oder bei Hilfebedürftigkeit – inklusive praktischer Tipps.

Eine 86 Jahre alte Frau hat es geschafft, aus dem Kriegsgebiet in Syrien herauszukommen.  Obwohl ihr Sohn garantiert, für sie finanziell zu sorgen, hat das deutsche Konsulat sie “mangels Kompetenzen” abgewiesen und schickt sie auf eine internationale Bürokratie-Odyssee. 

Das österreichische Online-Medium dieStandard wurde vor kurzem scharf für eine Kolumne zu “feministischem Sex” und nicht weniger für ihren Umgang mit den Einwänden dagegen kritisiert – nun hat das Team der Zeitschrift an.schläge eine Replik auf den Artikel bei dieStandard veröffentlicht, in dem einige der vorgebrachten Kritikpunkte ausgeführt werden.

Auf der weltgrößten Videospielekonferenz Electronic Entertainment Expo, kurz  E3, kam eine Präsentation von Microsoft nicht ohne Vergewaltigungs”witze” aus. Warum sowas ein Problem ist, muss offenbar immer wieder erklärt werden (Artikel auf Englisch; bemerkenswert, dass auf den Bestelllink für die Xbox dort nicht einfach verzichtet wurde).

Michelle Obama, “First Lady” der USA, wurde während einer Rede von einer weißen Aktivistin unterbrochen. Ihre Reaktion darauf  fand in der feministischen US-Blogosphäre einige Beachtung – denn Michelle Obama widersetzte sich damit gängigen Stereotypen über Schwarze Frauen [Englisch].

Es gibt ein Medikament, mit welchem sich Schwangerschaften verhältnismäßig sicher abbrechen lassen: Misoprostol. Dass das wenig bekannt und verfügbar ist, hat Gründe [Englisch].

Über die feministische Beteiligung an den anhaltenden Protesten und Auseinandersetzungen in der Türkei berichtet Frollein Europa [Englisch].

Im Zentrum Berlins soll für mehrere hundert Millionen Euro ein neues Ausstellungsgebäude entstehen: das Humboldt-Forum. Für Berlins „außereuropäische Sammlungen“, wie es so schön heißt. „Das vorliegende Konzept verletzt die Würde und Eigentumsrechte von Menschen in allen Teilen der Welt, ist eurozentrisch und restaurativ“, sagt Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Zur Petition gegen das Humboldt-Forum geht es hier.

Seit vier Jahrzehnten übersetzt und publiziert der Berliner Orlanda Verlag essenzielle Werke afro-amerikanischer und afro-deutscher Feministinnen. Im Interview mit migrazine.at erzählt Anna Mandalka von den Anfängen und den aktuellen Schwerpunkten bei Orlanda: “Schwarze Frauen sind sichtbar geworden”.

Ragen von Dances With Fat gibt Lebenshilfe – für Blogkommentatoren, die unter Dickenhass leiden [englisch]. Zu Dickenfeindlichkeit und Body Policing in akademischen Diskursen/Praxen schreibt Melonie Fullick [Englisch].

Unter dem Deckmantel des Schutzes wird oftmals der Weg frei gemacht für Repressionen, das gilt nicht zuletzt in Sachen Prostitution. Eine Petition für Respekt und Rechte für Sexarbeiter_innen wendet sich dagegen.

Über Proteste gegen die “Frauen-Nacktfußball-EM” – die eben kein nudistisches Sportereignis, sondern eine kommerzialisierte male-gaze-Erotikshow ist – berichtet die Siegessäule.

Deborah Copaken Kogan, Bestsellerautorin und Kriegsfotografin, geht einen mutigen Schritt und packt über den Sexismus im Literaturbetrieb aus. Sie erzählt von sexistischen Buchtiteln und -covern, die ihr im Laufe ihrer Karriere aufgedrängt worden sind; von der wiederholten Betitelung als “Mutter” und “Barbie”, wo es eigentlich um ihre Arbeit als Schriftstellerin oder Fotografin gehen sollte; von Autorinnen, die aus Gründen nicht unter ihrem weiblichen Vornamen veröffentlichen; davon, dass die meisten Rezensenten Männer sind und auch in erster Linie Bücher von Männern rezensieren; dass genau aus diesem Grund auch fast nur Männer für Literaturpreise nomiert werden. Und dass sie erst jetzt auspackt, wo sie laut eigener Aussage nichts mehr zu verlieren hat, weil ihr immer gesagt worden ist: “Die werden dich fertig machen”. Ein ernüchternder, ein wichtiger Artikel.

Der Verband Alleinerziehender Mütter und Väter hat zehn Forderungen zur Verbesserung der Situation von Ein-Eltern-Familien formuliert.

Über das nach wie vor problematische Verhältnis vom Feminismus(tm) zu Trans*positionen, die Wichtigkeit diese mitzudenken und “Gender” genauer zu analysieren schreibt Jos auf Feministing [Englisch]

Zum Tod der Fotojournalistin  Abigail Heyman gibt es einen Beitrag bei der New York Times [Englisch].

Die indische Filmemacherin Nishtha Jain hat die Mitglieder der Gulabi Gang mit ihrer Kamera begleitet. In der Jungle World spricht über die Revolte indischer Landfrauen, die von häuslicher und polizeilicher Gewalt besonders betroffen sind.

Eine Petition an die öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme fordert: Klärt endlich angemessen über den Sexismus in dieser Gesellschaft auf! Inzwischen gab es von den Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Sender Stellungnahmen zu den  Forderungen – von denen leider keine zufriedenstellend war.   Die Antwort an das ZDF  gibt’s hier. Da eine Behandlung der Beschwerde im Fernsehrat nach § 21 der Beschwerdeordnung gefordert wird, können die Initiatorinnen der Petition weiterhin jede Unterstützung gebrauchen.

Im Nachgang zu der Debatte um Angelina Jolies Brust-OP schreiben Duchess Harris und Christine Ohenewah für the feminist wire über den Zugang zu genetischen Krebsrisikotests – und was Faktoren wie race und class damit zu tun haben [Englisch].

Langzeitstudien verstärken die Zweifel am flächendeckenden Nutzen von Mammographiescreenings in der Brustkrebsvorsorge, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Bei der Heinrich Böll Stiftung ist ein Dossier über antirassistisches Empowerment erschienen, das auch als PDF herunter geladen werden kann.

Am 21. Juni in Berlin: die Fête de la Ruby – queer_feministisches Konzert und Party im Trixxxta, Oberbaumstr. 11 Kreuzberg.  Um 16 Uhr gehen die Konzerte los,  dannach wird aufgelegt.  Hier geht es zum Facebook-Event.


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Lass meinen fetten Körper in Ruhe!

24. Mai 2013 von Anna-Sarah

Dieser Text ist eine Übersetzung des Blogposts Back Off My Fat Body“, der kürzlich bei Dances with Fat erschienen ist. Wir danken der Autorin für die Erlaubnis zur Zweitverwertung! Ragen wollte immer eine fette Tänzerin sein und fand heraus, dass sie dazu erstmal Fat Activist werden musste. Jetzt tanzt sie nicht nur, sondern spricht und schreibt auch in Vollzeit über Selbstwertschätzung, Körperbilder und Gesundheit in jeder Größer und freut sich auf eine Welt, in der wir erkannt haben, dass jeder Körper großartig ist.

Eine Anmerkung zum Adjektiv “fett”: Das Wort wird in der Fat-Acceptance-Bewegung als Selbstbezeichnung und politischer Begriff verwendet – eine objektive Beschreibung dafür, was “dick” oder “dünn” ist, gibt es nicht.

Bild: Substantia Jones für adipositivity.com

Jeden Tag vernehme ich Botschaften aus der Gesellschaft über meinen fetten Körper. Mir wird mitgeteilt, dass er ein Zeichen moralischen Versagens ist, ein Zeichen von Faulheit, er ist unzulänglich, unattraktiv, bla bla bla – die negativen Botschaften kommen unablässig und sind allgegenwärtig.

Lange Zeit war ich dermaßen entschlossen meinen Körper dafür zu hassen, dem kulturellen Standard von Schönheit nicht zu genügen, dass ich ihn niemals wertschätzte für das, was er tat. Anstatt diesen fantastischen Körper zu verteidigen, der mir ermöglicht, all das zu tun, was ich jeden Tag, jeden Augenblick tue, fiel ich ein in den Chor der Missbilligung. Ich verriet meinen eigenen Körper, um einer willkürlichen Klischeevorstellung von Schönheit anzuhängen, versehen mit einem Quäntchen missgünstiger Billigung, das bestimmt war von meiner permanenten Selbstabwertung, so dass meine Kritiker_innen sich gar nicht erst darum kümmern mussten das zu tun.

Wenn ich eines gelernt habe auf meiner Reise weg von Selbsthass, gestörtem Essverhalten und zwanghafter sportlicher Betätigung, dann ist es, dass mein Körper nicht weniger verdient als meine bedingungslose Liebe und lautstarke Unterstützung. Deshalb sage ich allen, die meinen, mein Körper sei irgendetwas anderes als großartig: (weiterlesen …)


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2013: Lieber ohne Diätenquatsch

7. Januar 2013 von Magda

Wisst ihr, was ich gerne esse? Soya-Geschnetzeltes mit Knödeln und Rotkohl. Eine dicke Sahne­sauce darf nicht fehlen. Und Haloumi, ein salziger, knirschiger Käse, am liebsten im Fladenbrot mit Erdnuss­sauce. Eine riesige Portion Sushi würde ich auch nie stehen lassen. Ich liebe Salat. Mit Mozzarella. Oder Feta. Eine Freundin macht die beste vegane Nougat­butter­creme-Torte der Stadt. Davon esse ich auch gerne mal zwei Stück.

Warum ich euch das erzähle? Um uns daran zu erinnern, dass es OK ist, all diese Leckereien zu mögen, zu genießen – und zwar ohne schlechtes Gewissen. Das wissen zwar die meisten von uns (na gut: also zumindest theoretisch), aber diese ätzenden Fitness­studio-Poster mit ihren lächerlich-individualistischen Bot­schaften (McFit: “Zwischen dir und deinem Ziel steht nur eine Person: Du”) und die nerv­tötenden Weight Watchers Werbungen, die pünktlich zum Jahres­beginn auf allen TV-Sendern hoch- und runter dudeln, ­reden uns ohne Pause (und ungefragt!) ein, dass diese “Festtags-Pfunde” unbedingt weg­müssen.

Da verklickert uns zum Beispiel die Moderatorin Bärbel Schäfer in ihrem Weight Watchers Werbespot, dass sie nach der Schwanger­schaft mal wieder was für sich tun wollte. Und nee: Sie meint damit nicht, endlich Schlag­zeug zu lernen oder mit Freundinnen einen Roadtrip an die Ostsee zu machen, sondern formuliert lieber eine Kampf­ansage an ihren Körper: Das “Hüftgold” m.u.s.s. weg. Wo kämen wir denn auch hin, wenn die frisch ge­backene Mama dick und echt zu­frieden mit ihrem Leben wäre? Dafür fehlt uns die Vorstellungs­kraft, denn schlank sein ist immer noch so un­trennbar mit ‘schön’, ‘gut’ und ‘erstrebens­wert’ ver­flochten, dass die Idee einer dicken, gesunden und glücklichen Frau wie ein schlechter Brüller bei einer Kneipen­sause wirkt.

Der ehemalige Profi-Fußballer Oliver Kahn stellt in seinem Werbespot fest

„Bei mir hat es klick gemacht, als ich gemerkt habe, dass Weight Watchers Online auch für Männer funktioniert.”

Lasst die Sekt­korken knallen – aber nur ein Gläschen pro Person (110 kcal) - denn 16 Euro plus Anmelde­gebühr soll selbst­verständlich nicht nur den Ladies vor­enthalten bleiben: Gleich­berechtigung muss sein!!!!!!!!!!!!1!!

Echt ey, wenn ich ehrlich bin, ist es mir schnuppe, ob Menschen sich privat für eine Diät ent­scheiden, auch wenn ich da so eins (ok, wenn ich ehrlich bin:) zehn kritische Gedanken teilen würde, wenn mensch mich fragt. Ich kenne den (gesellschaftlichen) Druck ab­zunehmen und kann es keiner* persönlich verübeln, wenn sie diesem Druck nach­gibt und Punkte für 16 Euro im Monat zählen möchte. Scheiße sind nämlich Diäten und nicht die Menschen, die da reinge­zwungen werden.

Was ich aber ganz und gar nicht knorke finde, ist dieses öffent­liche Zelebrieren der perfekten™ Figur: durch Werbung, Ärzt_innen und auch privaten Gesprächen, so im Stil “Das Stück Kuchen muss ich mir ver­kneifen, der wandert nämlich direkt von meinem Mund auf die Hüfte.”

Mich nervt diese Diät-Propaganda, dieses Streben nach Aner­kennung durch Hungern und dieser Wunsch nach schmalen Hüften. Alles Resultat einer medial und medizinisch gesteuerten Körper­politik, die viele Menschen zu Verlierer_innen eines Normierungs­systems macht und die meisten von uns permanent beschäftigt hält.

Eine Anmeldung bei Weight Watchers kostet rund 46 Euro für den ersten Monat und 16 Euro für jeden weiteren Monat. Stellt euch mal vor, was mensch sich dafür alles kaufen kann! Zum Beispiel Eis-Creme mit Streuseln und Sahne für das ganze Mädchenmannschafts-Team. Ich finde, dass das gut klingt für einen zucker­süßen Start ins Jahr 2013. Ich hoffe, dass ihr gut gerutscht seid und geschlemmt habt, was auch immer ihr schlemmen wolltet.


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„Dick“ ist kein Schimpfwort

13. August 2012 von Magda

Letzte Woche veröffent­lichte eine Bekannte von mir ein scheinbar lustiges Foto auf Facebook mit der Auf­schrift: „Mich interessieren die Namen deiner dicken Kinder nicht“. Ich kommentierte nur kurz unter das Bild, dass ich es nicht cool finde, wenn ‚dick’ als Beleidigung benutzt wird. Naiv dachte ich: Mehr gibt es dazu echt nicht zu sagen. Oh, wie ich mich irrte! Nach meinem Kommentar entstand eine ziemlich ätzende und ver­letzende Diskussion, die mir ordent­lich den Tag vermieste.

Eigentlich recht klassisch: Erst wurde mir er­klärt, dass es ja mein Problem sei, wenn mir das so „ins Auge springen würde“, denn um das Wort ‚dick’ ginge es doch hier gerade gar nicht! Dann kam die Humor-Keule: Ein Witz ist ein Witz ist ein Witz! Einfach mal locker machen!

Ich dachte so: Gut, es ist noch nicht alles ver­loren. Viel­leicht sollte ich noch mal kurz erklären, was ich meine – dann wird es sicher­lich ver­ständ­licher…? (Tief in mir drinnen schlummert nämlich eine un­ver­besser­liche Sozial­arbeiterin, das muss ich aber in Zukunft un­bedingt mal über­denken). So erklärte ich sehr ge­duldig, dass Witze sehr häufig auf dem Rücken der­jenigen gemacht werden, die sowieso schon von Diskriminierung be­troffen sind (und es deswegen ja auch so viele Witze über Schwule und ihr Begehren und nur sehr wenige über Heteros und ihr Begehren gibt).

Dann tippte ich – noch mit etwas Hoffnung im Herzen – einen letzten Kommentar unter unseren Schlag­ab­tausch, der unge­fähr so lautete:

Der Witz da oben funktioniert so gut, weil alle sagen können: „Haha, diese dicken (sprich: dummen, faulen…) Kinder und ihre komischen Namen.“ Gerade weil das Wort ‚dick’ gesell­schaft­lich stigma­tisiert ist und häufig mit negativen Assoziationen ver­sehen wird, funktioniert der Witz ja auch – leider zu Lasten von dicken und fetten Menschen. Ich finde es echt scheiße, dass an­dauernd Witze über Dicke gemacht werden, ohne dass Leuten auf­fällt, wie ver­letzend das ist. Wenn da stehen würde: „Die Vor­namen eurer schwulen Kinder interessieren niemanden“, wäre ja auch klar, dass ‚schwul’ im abwer­tenden Sinne ge­meint ist.

Was ich in meinem Kommentar zu dem Thema noch nicht mal ansprach: Wenn Menschen Witze über Namen machen, stecken da in der Regel rassistische oder klassistische Ab­wertungen dahinter. So assoziieren Lehrer_innen mit bestimmten Namen wie zum Bei­spiel Kevin oder Mandy Leistungs­schwäche oder Verhaltens­auf­fällig­keit.

So oder so, meine obige Antwort war wohl leider nicht über­zeugend, denn es folgten noch schlimmere Kommentare, so dass ich mich aus dieser Diskussion nur noch mit einem „Arghhhh!!!!“ ver­ab­schieden konnte.

Der Ärger bleibt. Aber nun habe ich eine Bekannte weniger.


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Aktivismus gegen Dickenfeindlichkeit

27. März 2012 von Magda

“Fett sein ist schlecht für deine Gesundheit, führt automatisch zu Diabetis und kann dich sogar umbringen!” so oder so ähnlich lauten einige der bekannten Mythen, denen wir alle – aber insbesondere dicke und fette Menschen - ausgesetzt sind. Die feministische Fat Acceptance Forscherin und Aktivistin Cat Pause aus Neuseeland will mit diesen Mythen aufräumen und die Diskussionen zu Körper, Körpergewicht und Ernährung weg von klischeehaften Annahmen und falschen Fakten in Richtung Körperakzeptanz und Kampf gegen Beleidigungen und Diskriminierung ändern. Anfangen kann mensch damit, den eigenen Körper nicht nur zu akzeptieren, sondern auch zu mögen. So fasste Cat es in ihrer Radioshow einmal schön zusammen: “Every act of liking yourself is revolutionary” (zu deutsch: “Jedes Mal, wenn du dich selbst magst, ist das eine revolutionäre Handlung”). Im folgenden (englischsprachigen) Video werden Cat und andere Aktivistinnen und ihre Arbeit vorgestellt.

Danke an 56 für den Hinweis im Selbermachsonntag.


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Ja, es schmeckt. Na und?

5. Dezember 2011 von Magda

Glücklich kauend stehe ich am Buffet und greife nach dem zweiten Schnittchen.

„Na, Ihnen schmeckt es aber!“
„Nach dem zweiten Stück Torte passt der Badeanzug aber nicht mehr!“
„Keine Angst, das Essen läuft nicht weg!“
„Hast du schon wieder Hunger?!“

Dies sei nur ein kleiner Ausschnitt der Sprüche, die ich schon so oder so ähnlich von (mir teilweise unbekannten!) Menschen zu unter­schied­lichen Zeiten meines Lebens gehört habe. Als eine, die die meisten wohl als „über­gewichtig“ oder zumindest pummelig be­zeichnen würden, habe ich mein Leben lang ein ganzes Reservoir an Kommentaren sammeln dürfen. Nicht gerade eine Sammlung, die mein Sammlerinnen-Herz höher schlagen lässt.

Klar könnte ich darüber hinwegschauen und einen Witz machen, um die lustige Dicke zu mimen. Ich könnte es auch wiederholt als individuelles Erlebnis abtun und die Angelegen­heit bis zum nächsten Eisessen vergessen. Ich könnte meine eigenen Problemchen hinten anstellen und denken: Andere leiden auch, aus unter­schied­lichsten Gründen. Doch zurück bleibt der fade Nach­geschmack, wieder bewertet, ver­glichen und ab­geurteilt zu werden.

Und ich weiß: Es hat System das Ess­verhalten und die Körper von Menschen zu bewerten. Mit Blicken, Gedanken, Worten. Und wenn es nicht die anderen machen, kommen Praxen von Selbst­regierung ins Spiel. Viel­leicht, um uns beschäftigt zu halten. Als dicke Frau komme ich mir manchmal vor wie öffentliches Gut, deren Ess­verhalten von allen be­sprochen werden darf. Manchmal initiiere ich dumme Witze sogar selbst. Ich hasse die Norm, aber ich lebe sie auch selbst.

Klar, über Essen reden sowieso alle. Eigent­lich immer. Der Mittags­tisch ist eine einzige Sündenhölle. Ein Nachschlag Nudeln, obwohl sich das Bäuch­lein schon wölbt? Ein weiteres Löffelchen Braten­sauce? Wirklich? OBWOHL ES NOCH KUCHEN GIBT!? Manch eine_r setzt sich an den liebevoll gedeckten Tisch und redet – kauend! – über nichts anderes als Kalorien, Gewicht und Fett­anteil. Und über das nächste von Kohle­hydraten befreite Essen, das man doch mal zu­be­reiten könnte.

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Engagement gegen den Schlankheitswahn

21. Januar 2011 von Helga

Ob Titelbilder von Fernsehzeitschriften oder Werbeplakate für Elektronikfachhandel, alles wird verkauft mit Frauenkörpern. Schlanken Frauenkörpern wohlgemerkt. Wie frau einen solchen bekommt, steht dann im Frauenmagazin daneben. In Wien leistet seit über einem Jahr eine Frauengruppe Widerstand – die ARbeitsGEmeinschaft dicker Weiber.

Vier Frauen der ARGE Dicke Weiber posieren beim Workshop für die Kamera, lachend und die Arme zur Kamera gestreckt, auf einem Bein stehend

© ARGE Dicke Weiber

Wie kam es zur Gründung der ARGE Dicke Weiber?

Als engagierte dicke Frauen und Lesben schlossen wir uns zusammen, um gemeinsam auf die zunehmende Diskriminierung aufgrund des Gewichts hinzuweisen. Wir sind tief betroffen und wütend über den immensen Druck, der auf dicke Menschen ausgeübt wird, und wir wollen uns gegen diesen Schlankheitsterror wehren. Wir wollen mit unserer selbstorganisierten Initiative dicken Frauen und Mädchen Mut machen, uns politisch mit dem Thema auseinandersetzen und Aktionen durchführen.

Wie sieht Euer Engagement konkret aus?

In Anlehnung an “Fat Liberation Movement” in den USA, wo schon in den 1970er Jahren “Fat Activist”-Gruppen entstanden, wollen wir mehr sein als reine Selbsthilfe. Wir verstehen uns als Teil einer weltweiten Dickenbewegung, die angetreten ist, die Dickenfeindlichkeit in dieser Gesellschaft zu beenden. Unsere Strategien dazu sind: Stärkung des Selbstbewusstseins, Selbstermächtigung, politische und persönliche Reflexion und Auseinandersetzung sowie Öffentlichkeitsarbeit, Aktivismus und jede Menge Spaß. Konkret treffen wir uns zweimal im Monat zum persönlichen Erfahrungsaustausch in der Gruppe, wir organisieren Veranstaltungen wie Diskussionen und Filmabende, schreiben Texte, produzieren und sammeln dickenfreundliches Bildmaterial, sind bei Frauendemos mit Redebeiträgen und Transparenten präsent (8. März und 25. November) und vieles mehr.

Plakat mit einer Nana und der schwarzen Aufschrift: Auf DIÄTEN pfeifen, den Schlankheitswahn angreifen! ARGE Dicke Weiber - Hinter und neben dem Plakat stehen Frauen der ARGE

© ARGE Dicke Weiber

Was habt ihr schon erreicht?

Die Stärkung des Selbstbewusstseins ist bei jeder einzelnen Frau, die mitmacht, wirklich augenfällig und spürbar. Viele von uns gehen nach langer langer Zeit wieder schwimmen, tragen keine alles verhüllenden Kleidungsstücke mehr, wehren sich gegen Beschimpfungen und dickenfeindliche Äußerungen und schenken sich selbst endlich (wieder) den Respekt und die Liebe, die wir uns solange vorenthalten haben. Dies ist ein sehr wichtiger erster Meilenstein, denn ohne Selbstbewusstsein ist es als dicke Frau so gut wie unmöglich „Dickenpolitik“ zu machen.
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