Einträge mit dem Tag ‘Dick sein’


Wanda Walfisch – dick und rund

19. Februar 2015 von Magda
Dieser Text ist Teil 95 von 106 der Serie Die Feministische Bibliothek

Immer wenn Wanda ins Wasser springt, lachen die anderen Kinder sie aus. So erzählt die entmutigte Wanda ihrem ebenfalls dicken Schwimm­lehrer, dass sie nicht schwimmen und springen kann, da sie dick sei. »Ach was! Nur weil du das denkst. Wir sind das, was wir denken.« antwortet dieser. Wanda probiert es aus, und der Trick funktioniert.

Wanda Walfisch Buchcover

Sie taucht in ihre Phantasiewelt ab, findet sich im Dschungel wieder, wird zum Känguru oder springt ganz hoch beim Turnen. Und beim nächsten Schwimm­unterricht zeigt Wanda den fiesen Kindern, wie mutig und gewitzt sie ist.

Davide Calìs anfangs traurige und dann herz­erwärmende Geschichte verdeutlicht, wie Kinder durch Diskriminierung eingeschränkt werden und wie dies dazu führen kann, dass sie sich selbst nichts mehr zutrauen. Durch die Unter­stützung des Schwimm­lehrers fasst Wanda wieder Selbst­vertrauen und nutzt ihre Vorstellungs­kraft, um das zu schaffen, was sie erreichen möchte. Die Zeichnungen von Sonja Bougaeva begleiten Wanda farbenfroh und lebhaft auf ihrem Weg und machen diese Geschichte besonders: Dicke Protagonist_innen in Kinder­büchern, die lernen, ein positiveres Gefühl zu ihrem Körper aufzubauen (obwohl es ihnen nicht leichtgemacht wird) sind selten.

Zwar liegt die Verantwortung, mit den gehässigen Kommentaren der Mit­schülerinnen umzugehen, auf den Schultern von Wanda (und das ist ziemlich gemein, weil Wanda super stark und phantasie­reich sein muss, um das auszuhalten). Dafür hat die Geschichte ein schönes Ende, bei dem die anderen Kinder letztendlich verdutzt am Becken­rand stehen.

Davide Calì (Text), Sonja Bougaeva (Bild): Wanda Walfisch – dick und rund. Atlantis-Verlag, Zürich 2010Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. 32 Seiten, gebunden. Empfohlenes Lesealter: ab fünf Jahre.


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Dickes Vorbild des Tages: Tess Holliday, Model und Aktivistin

10. Februar 2015 von Magda
Dieser Text ist Teil 32 von 35 der Serie Applaus für
Quelle: instagram.com/tessholliday/

Quelle: instagram.com/tessholliday/

Tess Holliday ist eine Visagistin, Aktivistin und ein Model und hat gerade einen Vertrag mit der bekannten Model­agentur MiLK Management abgeschlossen. Klingt bisher höchstens für Modefans aufregend. Sensationell ist allerdings, dass Tess mit ihrer Größe 54 das bis dato dickste Model ist, das je von einer Mainstream Model­agentur unter Vertrag genommen wurde (denn wir leben in einer Welt, in der selbst die so genannten „Übergrößen“-Models häufig höchstens Größe 38 – 42 tragen, was, hüstel, wohl eher dem deutschen Durch­schnitt entspricht…).

Heute werde ich mich ausnahmsweise mal nicht über die furchtbar langweiligen Lauf­stege dieser Welt aufregen oder betonen, dass ein cooles dickes Model noch keiner fetten Revolution entspricht. Ich freue mich einfach kugelig, dass Tess ihrem Traum­job Modeln nachgehen kann und mit ihrer Social Media-Kampagne #effyourbeautystandards („f*** deine Schönheitsideale“) gerade so viel Aufmerksamkeit erhält (und leider gleichzeitig auch einen Schwall an dickenfeindlicher Scheiße abbekommt. Schick ihr doch einen netten Tweet oder eine Facebook-Nachricht!).

Seit Bekanntgabe, dass Tess für MiLK Management modeln wird, gab sie dutzende Interviews, erzählt von ihren Unsicher­heiten, vom Mobbing in der Schule und wie sie immer ihrer Leiden­schaft Modeln nachgegangen ist. Hier ist ein Interview bei der Meredith Vieira Show.


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Die politische Dimension von Fett

5. Januar 2015 von Magda
Dieser Text ist Teil 34 von 38 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Wenn von dicken Körpern die Rede ist, werden gesellschaftliche Machtverhältnisse verhandelt. Dieser Artikel erschien in der 600. Jubiläumsausgabe der ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis (16.12.2014).

Maggie De Block

Maggie De Block

»Darf eine Gesundheitsministerin übergewichtig sein?« titelte unlängst die FAZ (15.11.2014) und widmete der belgischen Gesundheitsministerin und früheren Ärztin Maggie De Block einen ganzen Artikel – besser gesagt: ihrem Gewicht und ihren Essgewohnheiten. Auch andere Tageszeitungen füllten ihre Spalten mit reißerischen Titeln, stellten Mutmaßungen über Gewicht und Gesundheitszustand sowie die »Glaubwürdigkeit« der Ministerin an. Der Berliner Tagespiegel (20.11.2014) resümiert gönnerhaft, dass De Block Gesundheitsministerin sein dürfe, da sie »ihr Fettsein nicht als größtes anzustrebendes Glück propagiert«. In der FAZ kommt auch der Ehemann De Blocks zu Wort: »Es gibt in der Welt vielleicht schönere Frauen als Maggie, aber für mich ist sie die ideale Frau.«

Es irritiert, dass diese Zeitungen nicht etwa De Blocks jüngste Politiken als Staatssekretärin für Asylpolitik, Immigration und soziale Integration (2011-2014) und deren desaströse Folgen für Asylsuchende in Belgien thematisieren, sondern ihren Körper in den Fokus rücken. Es irritiert auch, dass anscheinend gesellschaftlicher Konsens darüber herrscht, dass eine dicke Politikerin unmöglich für das Amt einer Gesundheitsministerin geeignet sein kann und männliche Journalisten Zeile um Zeile abwertend über den Körper einer Frau schreiben können, ohne dass ein nennenswerter Aufschrei erfolgt.

Der Körper als Kampfzone

Wir leben in einer Zeit, in der die Angst vor dem Fettwerden gesellschaftliche Normalität ist, in der Kinder in Diätcamps mit minimalster Kalorienzufuhr gesteckt werden und Ärzt_innen FdH (»Friss die Hälfte«) für einen angemessenen Ernährungstipp halten. Wir leben in einer Zeit, in der Lehrer_innen aufgrund eines Body-Mass-Index (BMI) von über 30 in manchen Bundesländern nicht verbeamtet werden können. (1) Wir leben in einer Zeit, in der Diäten, Diätpillen, Magenverkleinerungen und dickenfeindliche Sprüche und ihre verheerenden Auswirkungen auf Körper und Seele für »gesünder« als ein dicker Körper als solcher gilt. Die Fixierung auf einen schlanken Körper und die Angst vor Fett(sein) nehmen absurde Dimensionen an: Die Kompetenzen einer Politikerin werden angezweifelt, weil sie einen dicken Körper hat und nicht etwa, weil sie kritikwürdige politische Entscheidungen in ihrer Berufskarriere gefällt hat. Sexismus, Dickenfeindlichkeit und die Nicht-Thematisierung von rassistischer Politik reichen sich die Hand.

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Mein Körper – (k)ein Politikum

16. Dezember 2014 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 33 von 38 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Der folgende Beitrag erschien bereits auf Don’t degrade Debs, darling!  – wir bedanken uns für die Erlaubnis zum Crossposting!

Teil feministischer Arbeit ist oft, neben dem Blick auf Gesellschaft, auch ein Blick auf sich selbst. Ein kritischer Blick, wie im optimalen Falle auch ein fürsorglicher. Ich habe an einem Workshop teilgenommen, der diesen fürsorglichen Blick im Fokus hatte. Es ging um Emotionen als Teil aktivistischer Arbeit und um Körperarbeit als Teil feministischer Arbeit.

Es war ein guter Workshop, dass möchte ich vorab deutlich sagen, aber verlassen habe ich ihn letztendlich aufgewühlt, hilflos und wütend.

Wenn eine Arbeit mit und über Körper nicht bedenkt, dass verschiedene Körper verschiedene Realitäten erleben, führt diese Auseinandersetzung für bestimmte Körper möglicher Weise zu dem erneuten Erleben von Gewalt. Es fängt bei Kleinigkeiten an. Wenn Übungen gemacht werden sollen, die nicht jede Person machen kann, zum Beispiel. Auch wenn es „okay“ ist nicht mitzumachen, wird häufig nicht bedacht, was ein Am-Rand-Stehen und als einzige nicht teilzunehmen auslösen und reproduzieren kann. Ein Beispiel aus dem Workshop: Es war eine „einfache“ Übung, die ich aber aufgrund meines Bandscheibenvorfalls nicht machen konnte. Ich musste abbrechen und stand dann daneben. Ich fühlte mich an Schulzeiten erinnert. Das dicke oder das „kranke“ Kind, dass im Sportunterricht nicht mitmachen kann. Weil es aus verschiedenen Gründen nicht springen oder über den Bock hüpfen kann. Es fühlt sich peinlich und unangenehm an. Ich weiß, was die anderen Schüler_innen und die Lehrer_innen denken. Es ist schließlich selbstverständlich, dass der dicke Körper „krank“ oder der „kranke“ Körper dick und egal wie rum unsportlich ist (der gesamte Satz ist sarkastisch zu verstehen). Sportlichkeit ist wichtig. Es nicht zu sein, ein Makel. Im Sportunterricht daneben zu stehen, weil ich aufgrund meines Körpers vieles nicht machen kann oder will und zu wissen bzw. zu hören, welches Bild das bei anderen produziert ist ein Trauma, dass tief sitzt und ich weiß, dass es vielen Menschen so geht, die mit bestimmten Körpern zum Sportunterricht gehen mussten, aber nicht teilnehmen konnten_wollten. Sportlich und fit zu sein, ist von klein auf ein menschliches Qualitätsmerkmal. Warum werden solche Sachen bei körperlichen Übungen nicht thematisiert? Warum ist es selbstverständlich, dass bei „einfachen“ Übungen alle mitmachen können? Warum glauben Leute, es ist okay, einfach nicht mitzumachen, wenn es nicht geht? Wissen sie, dass es oft nicht okay ist, weil es oft nicht okay war? (mehr …)


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Esther Bejerano, Stella Young, Tayo Onutor – kurz verlinkt

10. Dezember 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 263 von 288 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Die 89jährige Esther Bejerano hat den Holocaust überlebt. Heute tritt sie lesend und singend gegen Rassismus auf.

Konsti Knappe braucht eine Rampe, damit sein Rollstuhl ins Auto geschoben werden kann. Dafür könnt ihr spenden.

Die Heinrich Böll Stiftung hat ein neues Dossier veröffentlicht: Perspektiven und Analysen von Sinti und Roma in Deutschland. In diesem gibt es beispielsweise einen Beitrag von Tayo Onutor über ihr Erleben als Afro-Sintezza und die „Bitte um Vorstellung„.

Englischsprachige Links

Die australische Disability-Aktivistin, Journalistin und Komödiantin Stella Young ist am Wochenende im Alter von 32 Jahren verstorben. ABC schreibt über ihr Leben und die  Themen, die sie voran gebracht hat.

Fat rights are reproductive rights„, stellt Ali Thompson fest und führt im Text aus, wie dicke_fette Personen mit schlechter medizinischer Versorgung (von Vorsorge, über die Wirkung von hormoneller Verhütung etc.) konfrontriert sind, bei Adoptionen als unpassendere Kandidaten gelten und schneller als schlechte Eltern kategorisiert werden.

Am 6. Dezember vor 25 Jahren wurden 14 Frauen an der École Polytechnique de Montréal erschossen. Ms. Magazine erinnert an die Opfer. Und Bitchmagazine verweist insbesondere auf die Tatmotive sowie den Ausruf „You’re all a of bunch of feminists! And I hate feminists!“ des Täters und verlinkt eine Dokumentation.

Diskussionen rund um #BlackLivesMatter und Polizeigewalt gegen Schwarze Menschen sind häufig sehr zentriert auf Männer. Princess Harmony Rodriguez fragt darum bei BlackGirlDangeroursWhose Lives Matter?: Trans Women of Color and Police Violence“ und Danielle Stevens gibt auf Elixher unter „Ain’t I a Human?: Ferguson and the Neglect of Black Women, Femmes, and Girls“ konkrete Hinweise zur Neuausrichtung der Debatte.

Termin in Berlin

12.Dezember: Sister-Wellness. Ein Themen- und Austauschabend für und von Schwarzen Frauen*InterTrans und Frauen*InterTrans of Color, zu Wellness als Selbstermächtigung und Widerstand. Mit Noah Sow, Diana Hartmann und Pasquale Virginie Rotter.


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Geflüchteten-Proteste in Berlin, Feminist Frequency und Female Rap – Kurz Verlinkt (Teil 2)

4. September 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 251 von 288 der Serie Kurz notiert

In unserer Sommerpause haben sich einige Links angesammelt, darum gibt es diese Woche „kurz verlinkt“ in zwei Teilen. Der erste Teil erschien gestern.

Deutschsprachrige Texte

„Die NSU-Morde hätten verhindert werden können, wenn der Landesverfassungsschutz das nicht verhindert hätte. Der Verfassungsschutz hat es ermöglicht, dass gesuchte und flüchtige Neonazis im Untergrund bleiben konnten. Er hat die Neonazi-Szene vor Ermittlungen der Polizei gewarnt.“ – Heribert Prantl schreibt bei der Süddeutschen Zeitung zu den Erkenntnissen des Thüringer Ermittlungsausschusses.

In den Feuilleton-Debatten um Inklusion wird gern von „Gleichmacherei der 1970er“ geschrieben, dass Kinder mit Behinderungen aber auch Rechte haben, würde gern vergessen, schreibt der Freitag: „Die UN-Konvention, auf der die Inklusion fußt, wird häufig nicht einmal genannt.“ [Inhaltshinweis: ableistische Sprache/ Aussagen]

Katrin Gottschalk berichtet auf SPIEGEL ONLINE über Sexismus in Videospielen und die Drohungen gegenüber Anita Sarkeesian von Feminist Frequency.

Seit über einer Woche besetzen Geflüchtete aus dem Hostel in der Gürtelstraße in Berlin das dortige Dach. Unterstützung wird dringend benötigt. Alle Infos findet ihr auf dem Blog guertelstrasse.wordpress.com.

Englischsprachige Texte

Miriam Zoila Pérez hat bei Colorlines Texte (und Videos) Schwarzer Feministinnen zusammengestellt, die sich zum Mord an Michael Brown durch einen Polizisten in Ferguson äußern.

MsAfropolitan schreibt, warum sie in Zeiten von Ferguson Assata Shakur als passende Lektüre empfiehlt.

Sara Ahmed nimmt Audre Lordes Schreiben als Ausgangspunkt für ausführliche  Gedanken zu  „Self Care“ und Fragen wie: Wer hat überhaupt Zugang zu bestimmten Unterstützungsmechanismen (und sei es „nur“ Trost)? Welche Personen gelten als sorgenswert? Was bedeuten Privilegien in diesem Zusammenhang?

Einen längeren Text über Trans*, Dicksein und Transitionsprozesse hat Wiktor Dynarski geschrieben.

Die Kunststudentin Emma Sulkowicz erlebte an ihrer Universität sexualisierte Gewalt und hat sich für ihre Abschlussarbeit folgendes Projekt ausgedacht: Sie wird solange eine Matratze auf dem Campus rumtragen und auf die Tat aufmerksam machen, bis der Täter von der Uni geworfen wird oder von alleine geht.

Ludovic Foster schreibt darüber, was es es für ihn bedeutet, ein non-binary Trans*-Mann of Color zu sein.

Termine in Berlin, Kiel und Salzburg nach dem Klick  (mehr …)


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Fett am Strand. Ist das nicht voll ungesund?!

2. September 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 28 von 38 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Jedes Mal, wenn ich mich zu Themen wie der Stigmatisierung von dicken Körpern oder Fat Aktivismus äußere, muss ich mit einer Frage auf jeden Fall rechnen: „Ist das nicht voll ungesund?“ Interessant ist, dass dieses „das“ häufig gar nicht benannt wird, so dass ich nur raten kann, was die Kommentierenden meinen: Ist es ungesund, wenn dicke Menschen sprechen? Am Strand im Bikini posen? Atmen?

Dick und ungesund?!

fatkinijazz

© Jazz von jazzylicious-curves.com

In der Regel geht es um folgende Fragen: Ist Dicksein un­gesund? Und ist der positive Verweis auf Dick­­sein gefährlich, weil etwas angeblich „Un­gesundes“ propagiert wird? (Eingefügt werden könnte hier außerdem noch ein ganzes Bingo mit Feldern wie „Diabetes!“, „McDonalds!“ oder „Die Armen Kinder!“).

Gewiss ist: Dicke Körper werden häufig als Epidemie, Krankheit oder Folge­erscheinung von (Ess)sucht gerahmt und fälschlicher­­weise in einen kausalen Zusammen­­hang mit Diabetes, hohen Cholesterin­­werten oder Blut­­hoch­druck gestellt.

Was nicht erzählt wird, ist, dass Stress auch solche körperlichen Gegeben­heiten fördert. Ständig mit Abwertungen und Botschaften konfrontiert zu werden, dass eine_r zu dick sei und doch mal abnehmen sollte, verursacht übrigens enormen Stress.

Dass die hegemoniale Erzählung vom dicken Körper als „kranker“ Körper durchaus umstritten und nicht erwiesen ist, wird häufig verschwiegen. Es lohnt sich, kritisch zu recherchieren, wenn es um das Thema Dicksein und Gesund­heit geht. Lest doch zum Beispiel “Big Deal: You Can Be Fat and Fit” auf CNN; Our Absurd Fear of Fat” in der New York Times; I Don’t Care if You’re Healthy” von Radically Visible; Warum der BMI scheiße ist“ auf der Mädchenmannschaft; „Dick, doof und arm: Die große Lüge vom Übergewicht und wer von ihr profitiert“ von Friedrich Schorb oder den Fat Studies Reader“ von Esther Rothblum & Sondra Solovay.

Ich hab selten Lust Diskussionen darüber zu führen, ob Dicksein eine Körperform unter vielen sei oder Resultat eines bestimmten Lebenswandels, sprich: Hat da jemand zu viel gefressen und zu wenig Sport gemacht? Ich frage mich, was eine definitive Antwort bringen soll. Wäre es legitim dicke Menschen abzuwerten, wenn sie „selbst schuld“ an ihrem Körpergewicht wären? Ist das Beschämen von dicken Körpern nur dann verwerflich, wenn Menschen nichts für ihre Körper können? (Nein und nein.)

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„Ich bin es leid, möglichst viel von meinem Körper zu verstecken“

13. Mai 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 25 von 38 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Alex kommt aus dem Ruhrgebiet, lebt zur Zeit in Heidelberg und besucht seit März eine Modeschule in Mannheim, um Mode­designerin zu werden. Nebenbei bloggt sie auf ihrem Blog Some Girls Are Bigger Than Others, auf dem es um Plus Size Fashion und Fat Acceptance geht. Auf der Mädchenmannschaft durften wir im letzten Jahr ihren kritischen Artikel zu der Mode-Fernseh­sendung Shopping Queen veröffentlichen. Mit Alex sprach ich über Plus Size Mode, mangelnde Repräsentation von dicken Menschen in der Mode­industrie und inspirierende dicke Bloggerinnen.

Zu Mode und Shopping fallen mir als Modefan mit Größe 46/48 so einige Anekdoten ein – viele davon ganz schön nervig. Wie sieht’s bei dir aus?

miss templeMode hat für mich lange Zeit vor allem eines bedeutet: Frust. Als dicker Teenager in den 90ern gab es praktisch nichts, was mir wirklich gefallen hat. Ich habe oft zu schlabberigen Shirts und Jeans gegriffen. Eine Weile habe ich praktisch in einem riesigen schwarzen Kapuzen­pulli gelebt. Erst im Netz fand ich Dinge, die mir gefallen haben. In die Stadt zu fahren und dort zu stöbern, etwas anzuprobieren und es dann zu kaufen, ist fast nicht möglich. Hier in der Innenstadt gibt es nur drei Geschäfte, die in größerem Umfang meine Größe führen. Deprimierend, oder?

Mittlerweile heißt Klamotten zu shoppen zum Glück nicht mehr nur Frust. Online sieht es mittler­weile wesentlich besser aus. Es gibt ein paar aus­gesuchte Shops, die teil­weise richtig aktuelle Mode anbieten, wenn auch für meinen Geschmack oft nicht zeitnah genug und häufig (vor allem in Deutschland) werden Trends zwar auf­gegriffen und beworben, aber sind in der Umsetzung so zahm und angepasst, dass sie eigentlich nichts mehr mit dem ursprüng­lichen Thema zu tun haben. Es ist schon besser geworden, aber wir haben immer noch einen weiten Weg vor uns.

Dank des jahrelangen Darbens bin ich übrigens mittler­weile zu einer Art Kleider­drachen mutiert und sitze auf vielen geliebten Kleidungs­stücken, die ich wie einen Schatz horte.

Deine Liebe zu Mode hat dich und andere Bloggerinnen dazu veranlasst, die Fatty Fashion Fun Challenge ins Leben zu rufen, wo Menschen ab Größe 46 jeden Monat zu einem anderen Thema Fotos von sich und ihren Lieblings­outfits online stellen können. Ich verstehe solche Aktionen auch als Reaktion auf eine Modeindustrie, die sich nur für bestimmte Körper interessiert. Getreu dem Motto: Wenn die Mode­industrie uns nicht repräsentiert, machen wir das einfach selbst. Was hat dich dazu bewegt, dich trotzdem in das Feld Mode zu bewegen, obwohl wir oft nicht mit­gedacht werden?

FFFC_HeaderIch glaube, ich war es irgend­wann einfach leid, dass ich kaum schöne Kleidung gefunden habe und dass von mir als dicke Frau erwartet wird in Sack und Asche zu gehen und möglichst viel von meinem Körper zu verstecken. Oder mich zumindest möglichst „vorteilhaft“ zu kleiden.

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Einfach ignorieren? Selbst wenn ich könnte, würde ich nicht.

14. November 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 21 von 38 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung der Autorin eine Übersetzung des Textes „I Wouldn’t Even if I Could„, den die großartige Melissa McEwan im vergangenen Monat auf ihrem Blog Shakesville gepostet hat. Eine Anmerkung zum Adjektiv “dick_fett”: Das Wort wird in der Fat-Acceptance-Bewegung als Selbstbezeichnung und politischer Begriff verwendet – eine objektive Beschreibung dafür, was “dick” oder “dünn” ist, gibt es nicht.

(Content note: Abwertung von dicken_fetten Körpern, sexualisierte Gewalt)

„Ignorier es doch einfach.“

Das ist der Rat, den ich zu zahllosen Gelegenheiten bekommen habe, wenn es um den grenzenlosen Hass gegen dicke_fette Menschen ging, der jeden Aspekt, jede Ritze unserer Kultur durchdringt.

Ich bekomme ihn von Menschen, die mich lieben und die nicht wollen, dass mich all jene Botschaften verletzen, die mir sagen, dass ich „weniger als“ bin, dass ich schwach und faul und grotesk und wertlos bin, und ich bekomme ihn von Menschen, die mich hassen und die Leute, die so aussehen wie ich, ungehindert mit ihrer Feindseligkeit bespucken möchten, die versuchen mich dazu zu zwingen, ihnen nicht den Spaß an ihrer Bigotterie zu nehmen.

Ich bekomme diesen Rat von Menschen, die glauben, die Tatsache, dass ich auf Herabwürdigung reagiere, dass ich überhaupt irgendwie darauf reagiere, sei ein Beweis für meine Überempfindlichkeit. Niemals ist es der Beweis dafür, dass jemand, der sich in Hass gegen dicke_fette Menschen ergeht, nicht empfindsam genug ist.

Ich bekomme ihn von Menschen, die mir sagen, dass ich nicht verletzt sein sollte oder kein Recht habe, es zu sein – Menschen, die etwas für Beleidigtsein halten, was eigentlich Geringschätzung ist.

Ich bekommen ihn von Menschen, die glauben, dass sie mich beschützen, wenn sie mich dazu drängen, die Abwertung dicker_fetter Menschen zu ignorieren, obwohl „ignorieren“ faktisch einfach bedeutet „nicht öffentlich sichtbar reagieren“. Bestätige es nicht. Führe deine Gefühle nicht weiter aus. Sprich nicht laut aus, auf keinen Fall laut, dass so etwas falsch ist. Das würde nur allen unangenehm sein.

Besser, dass ich mich stattdessen alleine unbehaglich fühle.

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Fettcast #1: Ein Podcast über dickes Leben, dicke Politik und dicken Alltag

15. Juli 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 19 von 38 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Konfetti! Es gibt einen neuen Podcast! Ragni und ich sprechen im FettCast über ein dickes Leben, dicke Politik und dicken Alltag. Dabei wollen wir nur über unsere Erfahrungen sprechen, aber gleichzeitig unsere Sichtweisen teilen, um uns mit anderen austauschen zu können. Wir sind auch sehr neugierig auf eure dicken und fetten Gedanken und Erfahrungen. Auf Soundcloud findet ihr eine ausführliche Beschreibung zu dem Podcast und warum wir die politischen Begriffe ‚dick‘ und ‚fett‘ (als Selbstbezeichnungen) nutzen.

Episode 1

Vorstellung & Erfahrungen mit Fat Shaming
Wer sind wir und wann haben wir angefangen, Körpernormierungen und Diäten in Frage zu stellen? Wir sprechen über Anziehsachen kaufen und tragen, Erfahrungen in der Kindheit mit Fat Shaming, Sport (z.B. im Schwimmbad und im Fitnessstudio) und diskutieren dann, was Fat Empowerment für uns bedeutet.

Fat Empowerment
Fat positive Aktionen oder Tätigkeiten, die eine Alternative zu einer Gesellschaft anbieten, in der Dicke_Fette stigmatisiert werden und in der Fat Shaming normalisiert und unhinterfragt ist. Fat Empowerment bezieht sich also auf alle Aktionen, die diskriminierende Logiken in Frage stellen und unterwandern. Dabei verwenden wir bewusst einen weiten Aktivismus-Begriff: fat positive Bücher lesen, Modeblogs schreiben und lesen, essen, sich was gutes tun („self-care“), Kleidertausch, Dinge selber machen (nähen), Kleiderkreisel und „fette Banden bilden“ (dies ist ein Zitat aus dem Spoken Word von Maxi*: „Kotzen: Ein Blick über den Fettrand der Gesellschaft – Challenging Thin Privileges from a Fat Perspective“)

Wir arbeiten gegen die irrtümliche Annahme, dass „Dick“- oder „Fett“-sein etwas Schlechtes ist, und dulden deshalb auch keine diskriminierenden Kommentare.


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