Einträge mit dem Tag ‘Dick sein’


Mein Körper – (k)ein Politikum

16. Dezember 2014 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 33 von 33 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Der folgende Beitrag erschien bereits auf Don’t degrade Debs, darling!  - wir bedanken uns für die Erlaubnis zum Crossposting!

Teil feministischer Arbeit ist oft, neben dem Blick auf Gesellschaft, auch ein Blick auf sich selbst. Ein kritischer Blick, wie im optimalen Falle auch ein fürsorglicher. Ich habe an einem Workshop teilgenommen, der diesen fürsorglichen Blick im Fokus hatte. Es ging um Emotionen als Teil aktivistischer Arbeit und um Körperarbeit als Teil feministischer Arbeit.

Es war ein guter Workshop, dass möchte ich vorab deutlich sagen, aber verlassen habe ich ihn letztendlich aufgewühlt, hilflos und wütend.

Wenn eine Arbeit mit und über Körper nicht bedenkt, dass verschiedene Körper verschiedene Realitäten erleben, führt diese Auseinandersetzung für bestimmte Körper möglicher Weise zu dem erneuten Erleben von Gewalt. Es fängt bei Kleinigkeiten an. Wenn Übungen gemacht werden sollen, die nicht jede Person machen kann, zum Beispiel. Auch wenn es „okay“ ist nicht mitzumachen, wird häufig nicht bedacht, was ein Am-Rand-Stehen und als einzige nicht teilzunehmen auslösen und reproduzieren kann. Ein Beispiel aus dem Workshop: Es war eine „einfache“ Übung, die ich aber aufgrund meines Bandscheibenvorfalls nicht machen konnte. Ich musste abbrechen und stand dann daneben. Ich fühlte mich an Schulzeiten erinnert. Das dicke oder das „kranke“ Kind, dass im Sportunterricht nicht mitmachen kann. Weil es aus verschiedenen Gründen nicht springen oder über den Bock hüpfen kann. Es fühlt sich peinlich und unangenehm an. Ich weiß, was die anderen Schüler_innen und die Lehrer_innen denken. Es ist schließlich selbstverständlich, dass der dicke Körper „krank“ oder der „kranke“ Körper dick und egal wie rum unsportlich ist (der gesamte Satz ist sarkastisch zu verstehen). Sportlichkeit ist wichtig. Es nicht zu sein, ein Makel. Im Sportunterricht daneben zu stehen, weil ich aufgrund meines Körpers vieles nicht machen kann oder will und zu wissen bzw. zu hören, welches Bild das bei anderen produziert ist ein Trauma, dass tief sitzt und ich weiß, dass es vielen Menschen so geht, die mit bestimmten Körpern zum Sportunterricht gehen mussten, aber nicht teilnehmen konnten_wollten. Sportlich und fit zu sein, ist von klein auf ein menschliches Qualitätsmerkmal. Warum werden solche Sachen bei körperlichen Übungen nicht thematisiert? Warum ist es selbstverständlich, dass bei „einfachen“ Übungen alle mitmachen können? Warum glauben Leute, es ist okay, einfach nicht mitzumachen, wenn es nicht geht? Wissen sie, dass es oft nicht okay ist, weil es oft nicht okay war? (mehr …)


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Esther Bejerano, Stella Young, Tayo Onutor – kurz verlinkt

10. Dezember 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 259 von 260 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Die 89jährige Esther Bejerano hat den Holocaust überlebt. Heute tritt sie lesend und singend gegen Rassismus auf.

Konsti Knappe braucht eine Rampe, damit sein Rollstuhl ins Auto geschoben werden kann. Dafür könnt ihr spenden.

Die Heinrich Böll Stiftung hat ein neues Dossier veröffentlicht: Perspektiven und Analysen von Sinti und Roma in Deutschland. In diesem gibt es beispielsweise einen Beitrag von Tayo Onutor über ihr Erleben als Afro-Sintezza und die “Bitte um Vorstellung“.

Englischsprachige Links

Die australische Disability-Aktivistin, Journalistin und Komödiantin Stella Young ist am Wochenende im Alter von 32 Jahren verstorben. ABC schreibt über ihr Leben und die  Themen, die sie voran gebracht hat.

Fat rights are reproductive rights“, stellt Ali Thompson fest und führt im Text aus, wie dicke_fette Personen mit schlechter medizinischer Versorgung (von Vorsorge, über die Wirkung von hormoneller Verhütung etc.) konfrontriert sind, bei Adoptionen als unpassendere Kandidaten gelten und schneller als schlechte Eltern kategorisiert werden.

Am 6. Dezember vor 25 Jahren wurden 14 Frauen an der École Polytechnique de Montréal erschossen. Ms. Magazine erinnert an die Opfer. Und Bitchmagazine verweist insbesondere auf die Tatmotive sowie den Ausruf “You’re all a of bunch of feminists! And I hate feminists!” des Täters und verlinkt eine Dokumentation.

Diskussionen rund um #BlackLivesMatter und Polizeigewalt gegen Schwarze Menschen sind häufig sehr zentriert auf Männer. Princess Harmony Rodriguez fragt darum bei BlackGirlDangeroursWhose Lives Matter?: Trans Women of Color and Police Violence” und Danielle Stevens gibt auf Elixher unter “Ain’t I a Human?: Ferguson and the Neglect of Black Women, Femmes, and Girls” konkrete Hinweise zur Neuausrichtung der Debatte.

Termin in Berlin

12.Dezember: Sister-Wellness. Ein Themen- und Austauschabend für und von Schwarzen Frauen*InterTrans und Frauen*InterTrans of Color, zu Wellness als Selbstermächtigung und Widerstand. Mit Noah Sow, Diana Hartmann und Pasquale Virginie Rotter.


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Geflüchteten-Proteste in Berlin, Feminist Frequency und Female Rap – Kurz Verlinkt (Teil 2)

4. September 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 247 von 260 der Serie Kurz notiert

In unserer Sommerpause haben sich einige Links angesammelt, darum gibt es diese Woche “kurz verlinkt” in zwei Teilen. Der erste Teil erschien gestern.

Deutschsprachrige Texte

“Die NSU-Morde hätten verhindert werden können, wenn der Landesverfassungsschutz das nicht verhindert hätte. Der Verfassungsschutz hat es ermöglicht, dass gesuchte und flüchtige Neonazis im Untergrund bleiben konnten. Er hat die Neonazi-Szene vor Ermittlungen der Polizei gewarnt.” – Heribert Prantl schreibt bei der Süddeutschen Zeitung zu den Erkenntnissen des Thüringer Ermittlungsausschusses.

In den Feuilleton-Debatten um Inklusion wird gern von “Gleichmacherei der 1970er” geschrieben, dass Kinder mit Behinderungen aber auch Rechte haben, würde gern vergessen, schreibt der Freitag: “Die UN-Konvention, auf der die Inklusion fußt, wird häufig nicht einmal genannt.” [Inhaltshinweis: ableistische Sprache/ Aussagen]

Katrin Gottschalk berichtet auf SPIEGEL ONLINE über Sexismus in Videospielen und die Drohungen gegenüber Anita Sarkeesian von Feminist Frequency.

Seit über einer Woche besetzen Geflüchtete aus dem Hostel in der Gürtelstraße in Berlin das dortige Dach. Unterstützung wird dringend benötigt. Alle Infos findet ihr auf dem Blog guertelstrasse.wordpress.com.

Englischsprachige Texte

Miriam Zoila Pérez hat bei Colorlines Texte (und Videos) Schwarzer Feministinnen zusammengestellt, die sich zum Mord an Michael Brown durch einen Polizisten in Ferguson äußern.

MsAfropolitan schreibt, warum sie in Zeiten von Ferguson Assata Shakur als passende Lektüre empfiehlt.

Sara Ahmed nimmt Audre Lordes Schreiben als Ausgangspunkt für ausführliche  Gedanken zu  “Self Care” und Fragen wie: Wer hat überhaupt Zugang zu bestimmten Unterstützungsmechanismen (und sei es “nur” Trost)? Welche Personen gelten als sorgenswert? Was bedeuten Privilegien in diesem Zusammenhang?

Einen längeren Text über Trans*, Dicksein und Transitionsprozesse hat Wiktor Dynarski geschrieben.

Die Kunststudentin Emma Sulkowicz erlebte an ihrer Universität sexualisierte Gewalt und hat sich für ihre Abschlussarbeit folgendes Projekt ausgedacht: Sie wird solange eine Matratze auf dem Campus rumtragen und auf die Tat aufmerksam machen, bis der Täter von der Uni geworfen wird oder von alleine geht.

Ludovic Foster schreibt darüber, was es es für ihn bedeutet, ein non-binary Trans*-Mann of Color zu sein.

Termine in Berlin, Kiel und Salzburg nach dem Klick  (mehr …)


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Fett am Strand. Ist das nicht voll ungesund?!

2. September 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 28 von 33 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Jedes Mal, wenn ich mich zu Themen wie der Stigmatisierung von dicken Körpern oder Fat Aktivismus äußere, muss ich mit einer Frage auf jeden Fall rechnen: “Ist das nicht voll ungesund?” Interessant ist, dass dieses “das” häufig gar nicht benannt wird, so dass ich nur raten kann, was die Kommentierenden meinen: Ist es ungesund, wenn dicke Menschen sprechen? Am Strand im Bikini posen? Atmen?

Dick und ungesund?!

fatkinijazz

© Jazz von jazzylicious-curves.com

In der Regel geht es um folgende Fragen: Ist Dicksein un­gesund? Und ist der positive Verweis auf Dick­­sein gefährlich, weil etwas angeblich “Un­gesundes” propagiert wird? (Eingefügt werden könnte hier außerdem noch ein ganzes Bingo mit Feldern wie “Diabetes!”, “McDonalds!” oder “Die Armen Kinder!”).

Gewiss ist: Dicke Körper werden häufig als Epidemie, Krankheit oder Folge­erscheinung von (Ess)sucht gerahmt und fälschlicher­­weise in einen kausalen Zusammen­­hang mit Diabetes, hohen Cholesterin­­werten oder Blut­­hoch­druck gestellt.

Was nicht erzählt wird, ist, dass Stress auch solche körperlichen Gegeben­heiten fördert. Ständig mit Abwertungen und Botschaften konfrontiert zu werden, dass eine_r zu dick sei und doch mal abnehmen sollte, verursacht übrigens enormen Stress.

Dass die hegemoniale Erzählung vom dicken Körper als “kranker” Körper durchaus umstritten und nicht erwiesen ist, wird häufig verschwiegen. Es lohnt sich, kritisch zu recherchieren, wenn es um das Thema Dicksein und Gesund­heit geht. Lest doch zum Beispiel “Big Deal: You Can Be Fat and Fit” auf CNN; Our Absurd Fear of Fat” in der New York Times; I Don’t Care if You’re Healthy” von Radically Visible; Warum der BMI scheiße ist” auf der Mädchenmannschaft; “Dick, doof und arm: Die große Lüge vom Übergewicht und wer von ihr profitiert” von Friedrich Schorb oder den Fat Studies Reader” von Esther Rothblum & Sondra Solovay.

Ich hab selten Lust Diskussionen darüber zu führen, ob Dicksein eine Körperform unter vielen sei oder Resultat eines bestimmten Lebenswandels, sprich: Hat da jemand zu viel gefressen und zu wenig Sport gemacht? Ich frage mich, was eine definitive Antwort bringen soll. Wäre es legitim dicke Menschen abzuwerten, wenn sie “selbst schuld” an ihrem Körpergewicht wären? Ist das Beschämen von dicken Körpern nur dann verwerflich, wenn Menschen nichts für ihre Körper können? (Nein und nein.)

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“Ich bin es leid, möglichst viel von meinem Körper zu verstecken”

13. Mai 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 25 von 33 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Alex kommt aus dem Ruhrgebiet, lebt zur Zeit in Heidelberg und besucht seit März eine Modeschule in Mannheim, um Mode­designerin zu werden. Nebenbei bloggt sie auf ihrem Blog Some Girls Are Bigger Than Others, auf dem es um Plus Size Fashion und Fat Acceptance geht. Auf der Mädchenmannschaft durften wir im letzten Jahr ihren kritischen Artikel zu der Mode-Fernseh­sendung Shopping Queen veröffentlichen. Mit Alex sprach ich über Plus Size Mode, mangelnde Repräsentation von dicken Menschen in der Mode­industrie und inspirierende dicke Bloggerinnen.

Zu Mode und Shopping fallen mir als Modefan mit Größe 46/48 so einige Anekdoten ein – viele davon ganz schön nervig. Wie sieht’s bei dir aus?

miss templeMode hat für mich lange Zeit vor allem eines bedeutet: Frust. Als dicker Teenager in den 90ern gab es praktisch nichts, was mir wirklich gefallen hat. Ich habe oft zu schlabberigen Shirts und Jeans gegriffen. Eine Weile habe ich praktisch in einem riesigen schwarzen Kapuzen­pulli gelebt. Erst im Netz fand ich Dinge, die mir gefallen haben. In die Stadt zu fahren und dort zu stöbern, etwas anzuprobieren und es dann zu kaufen, ist fast nicht möglich. Hier in der Innenstadt gibt es nur drei Geschäfte, die in größerem Umfang meine Größe führen. Deprimierend, oder?

Mittlerweile heißt Klamotten zu shoppen zum Glück nicht mehr nur Frust. Online sieht es mittler­weile wesentlich besser aus. Es gibt ein paar aus­gesuchte Shops, die teil­weise richtig aktuelle Mode anbieten, wenn auch für meinen Geschmack oft nicht zeitnah genug und häufig (vor allem in Deutschland) werden Trends zwar auf­gegriffen und beworben, aber sind in der Umsetzung so zahm und angepasst, dass sie eigentlich nichts mehr mit dem ursprüng­lichen Thema zu tun haben. Es ist schon besser geworden, aber wir haben immer noch einen weiten Weg vor uns.

Dank des jahrelangen Darbens bin ich übrigens mittler­weile zu einer Art Kleider­drachen mutiert und sitze auf vielen geliebten Kleidungs­stücken, die ich wie einen Schatz horte.

Deine Liebe zu Mode hat dich und andere Bloggerinnen dazu veranlasst, die Fatty Fashion Fun Challenge ins Leben zu rufen, wo Menschen ab Größe 46 jeden Monat zu einem anderen Thema Fotos von sich und ihren Lieblings­outfits online stellen können. Ich verstehe solche Aktionen auch als Reaktion auf eine Modeindustrie, die sich nur für bestimmte Körper interessiert. Getreu dem Motto: Wenn die Mode­industrie uns nicht repräsentiert, machen wir das einfach selbst. Was hat dich dazu bewegt, dich trotzdem in das Feld Mode zu bewegen, obwohl wir oft nicht mit­gedacht werden?

FFFC_HeaderIch glaube, ich war es irgend­wann einfach leid, dass ich kaum schöne Kleidung gefunden habe und dass von mir als dicke Frau erwartet wird in Sack und Asche zu gehen und möglichst viel von meinem Körper zu verstecken. Oder mich zumindest möglichst “vorteilhaft” zu kleiden.

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Einfach ignorieren? Selbst wenn ich könnte, würde ich nicht.

14. November 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 21 von 33 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung der Autorin eine Übersetzung des Textes “I Wouldn’t Even if I Could“, den die großartige Melissa McEwan im vergangenen Monat auf ihrem Blog Shakesville gepostet hat. Eine Anmerkung zum Adjektiv “dick_fett”: Das Wort wird in der Fat-Acceptance-Bewegung als Selbstbezeichnung und politischer Begriff verwendet – eine objektive Beschreibung dafür, was “dick” oder “dünn” ist, gibt es nicht.

(Content note: Abwertung von dicken_fetten Körpern, sexualisierte Gewalt)

„Ignorier es doch einfach.“

Das ist der Rat, den ich zu zahllosen Gelegenheiten bekommen habe, wenn es um den grenzenlosen Hass gegen dicke_fette Menschen ging, der jeden Aspekt, jede Ritze unserer Kultur durchdringt.

Ich bekomme ihn von Menschen, die mich lieben und die nicht wollen, dass mich all jene Botschaften verletzen, die mir sagen, dass ich “weniger als” bin, dass ich schwach und faul und grotesk und wertlos bin, und ich bekomme ihn von Menschen, die mich hassen und die Leute, die so aussehen wie ich, ungehindert mit ihrer Feindseligkeit bespucken möchten, die versuchen mich dazu zu zwingen, ihnen nicht den Spaß an ihrer Bigotterie zu nehmen.

Ich bekomme diesen Rat von Menschen, die glauben, die Tatsache, dass ich auf Herabwürdigung reagiere, dass ich überhaupt irgendwie darauf reagiere, sei ein Beweis für meine Überempfindlichkeit. Niemals ist es der Beweis dafür, dass jemand, der sich in Hass gegen dicke_fette Menschen ergeht, nicht empfindsam genug ist.

Ich bekomme ihn von Menschen, die mir sagen, dass ich nicht verletzt sein sollte oder kein Recht habe, es zu sein – Menschen, die etwas für Beleidigtsein halten, was eigentlich Geringschätzung ist.

Ich bekommen ihn von Menschen, die glauben, dass sie mich beschützen, wenn sie mich dazu drängen, die Abwertung dicker_fetter Menschen zu ignorieren, obwohl „ignorieren“ faktisch einfach bedeutet „nicht öffentlich sichtbar reagieren“. Bestätige es nicht. Führe deine Gefühle nicht weiter aus. Sprich nicht laut aus, auf keinen Fall laut, dass so etwas falsch ist. Das würde nur allen unangenehm sein.

Besser, dass ich mich stattdessen alleine unbehaglich fühle.

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Fettcast #1: Ein Podcast über dickes Leben, dicke Politik und dicken Alltag

15. Juli 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 19 von 33 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Konfetti! Es gibt einen neuen Podcast! Ragni und ich sprechen im FettCast über ein dickes Leben, dicke Politik und dicken Alltag. Dabei wollen wir nur über unsere Erfahrungen sprechen, aber gleichzeitig unsere Sichtweisen teilen, um uns mit anderen austauschen zu können. Wir sind auch sehr neugierig auf eure dicken und fetten Gedanken und Erfahrungen. Auf Soundcloud findet ihr eine ausführliche Beschreibung zu dem Podcast und warum wir die politischen Begriffe ‘dick’ und ‘fett’ (als Selbstbezeichnungen) nutzen.

Episode 1

Vorstellung & Erfahrungen mit Fat Shaming
Wer sind wir und wann haben wir angefangen, Körpernormierungen und Diäten in Frage zu stellen? Wir sprechen über Anziehsachen kaufen und tragen, Erfahrungen in der Kindheit mit Fat Shaming, Sport (z.B. im Schwimmbad und im Fitnessstudio) und diskutieren dann, was Fat Empowerment für uns bedeutet.

Fat Empowerment
Fat positive Aktionen oder Tätigkeiten, die eine Alternative zu einer Gesellschaft anbieten, in der Dicke_Fette stigmatisiert werden und in der Fat Shaming normalisiert und unhinterfragt ist. Fat Empowerment bezieht sich also auf alle Aktionen, die diskriminierende Logiken in Frage stellen und unterwandern. Dabei verwenden wir bewusst einen weiten Aktivismus-Begriff: fat positive Bücher lesen, Modeblogs schreiben und lesen, essen, sich was gutes tun (“self-care”), Kleidertausch, Dinge selber machen (nähen), Kleiderkreisel und “fette Banden bilden” (dies ist ein Zitat aus dem Spoken Word von Maxi*: “Kotzen: Ein Blick über den Fettrand der Gesellschaft – Challenging Thin Privileges from a Fat Perspective”)

Wir arbeiten gegen die irrtümliche Annahme, dass “Dick”- oder “Fett”-sein etwas Schlechtes ist, und dulden deshalb auch keine diskriminierenden Kommentare.


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Heroische Frauen, mieser Journalismus – kurz verlinkt

10. Juli 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 198 von 260 der Serie Kurz notiert

Minna Salami schreibt auf Ms. Afropolitan über afrikanische Feminismen und ihre Geschichte (englischsprachig)

Der neue Wegbereiterinnen Kalender ist da! Der Wandkalender im Format DIN A 3 präsentiert auch in diesem Jahr zwölf aktive Frauen aus der Geschichte (PDF).

Zwei Musikerinnen des Pussy Riot-Kollektivs sind inkognito auf Tour. Die taz hat sie interviewt.

Laut dem Handelsblatt haben auch konservative Regierungsabgeordnete in Costa Rica für ein neues Ehe-Gesetz gestimmt – allerdings offenbar ohne sich den Text vorher genau durchzulesen, denn das Gesetz erlaubt auch lesbische und schwule Ehen.

Auch im deutschen Bundesrat standen dieser Tage spannende Themen auf der Agenda: erleichterter Zugang zur “Pille danach”, die Gleichbehandlung schwuler und lesbischer Ehen im Einkommenssteuerrecht und die Möglichkeit der vertraulichen Geburt.

Die Filmindustrie schließt Frauen systematisch aus, stellt nun auch die Süddeutsche Zeitung fest.

Der Sportjournalismus ist nicht viel besser: Angesichts des Wimbledon-Erfolgs von Tennisspieler Andy Murray war vielfach zu hören und zu lesen, dass dieser “seit 77 Jahren der erste britische Sieg” sei – was allerdings nur dann stimmt, wenn man die vier Tennisspielerinnen nicht mitzählt, die in dieser Zeit in Wimbledon gewonnen haben (englischsprachig).

Das superbe US-amerikanische Bitch Magazine macht auch diesmal wieder einige Artikel aus der Print-Ausgabe online zugänglich – darunter eine Kulturgeschichte des Phänomens Junggesellinnenabschied, eine Analyse der Diskussionen um den Feminismus von Popstar Beyoncé und der Erklärung, warum Fett ein queeres und feministisches Thema ist. Welche_r es sich leisten kann: große Abo-Empfehlung!

In ihrem Spoken-Word-Vortrag “Embarrassed” wendet sich Hollie McNish gegen die doppelmoralischen Einschränkungen, denen sie sich als stillende Mutter im öffntlichen Raum ausgesetzt sah (englischsprachig).

Die New York Times erinnert daran, dass “Rasse” keine biologische, sondern eine soziale Kategorie ist (englischsprachig).

In Deutschland geht die Kampagne gegen racial profiling in die zweite Runde: “Es handelt sich dabei um eine von der Kampagne Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) initiierte Beschwerdebrief-Aktion an die Bundespolizei, die Menschen auf einem niedrigschwelligen Niveau handlungsfähig machen und das strukturelle Problem des Racial Profiling sichtbar machen soll”.

Vor 20 Jahren wurde die feministische Musikikone Mia Zapata ermordet; ByteFM erinnert.

s.e. smith schreibt bei XOJane: “Ob es euch passt oder nicht – der westliche Yoga-Hype ist ein Paradebeispiel für kulturelle Aneignung” (englischsprachig).

Über heroische Leistungen von Piloten wird bisweilen viel gesprochen – was aber ist mit dem Kabinenpersonal, deren Fähigkeiten und Einsatz bei Notfällen, fragt Lisa Wade bei Sociological Images (englischsprachig)?

In vielen Regionen hat heute der Ramadan begonnen. Zu diesem Anlass gibt Muslimah Media Watch sechs Tipps für das Schreiben und Sprechen über  muslimische Frauen (englischsprachig). Ramadan Mubarak!

Termine in Berlin, Mainz, Halle/Saale und Hamburg nach dem Klick: (mehr …)


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Fat Empowerment und internationale LGBT-News – kurz verlinkt

28. Juni 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 196 von 260 der Serie Kurz notiert

Wortwörtlich rape culture wie sie im Buche steht, powered by Kickstarter (Contentwarnung) – nach massiven Protesten gegen ein dort finanziertes “Pick-Up”-Buch hat die Crowdfunding-Platform sich entschuldigt und Maßnahmen der Wiedergutmachung angekündigt (verlinkte Texte auf Englisch).

Die American Medical Association hat “Übergewicht” (sic) zur Krankheit erklärt. Fat Aktivist_innen wie Fat Heffalump und Virgie Tovar stellen klar, dass dick_fett nicht gleich auch krank bedeutet und befürchten, dass solche Pathologisierungen in der Praxis zu noch mehr Fat Shaming und Stigmatisierung von dicken_fetten Menschen führt. Es gibt eine Petition, die ihr unterschreiben könnt (englischsprachig). Und auf La Respuesta gibt es ein hinreißenedes empowerndes E-Zine: “A Resource Guide To Fatphobia”

“Sprache ordnet die Welt, konstruiert und kategorisiert. Deshalb ist die Auseinandersetzung um abwertende Begriffe wichtig”, stellt Hadija Haruna in der taz klar.

Am 7. Juni 2013 fand in Österreich die 3. Frauenenquete der Frauenministerin in Kooperation mit der Plattform 20000frauen statt. Die Keynote sprach Elisabeth Klaus: “Zwischen Antifeminismus und Elitefeminismus: Der Geschlechterdiskurs im medialen Mainstream”.

Die European Women’s Lobby (EWL), größte Dachorganisation für Frauenvereinigungen in den Europäischen Union, stellt sich hier online vor (Englisch).

Spektakulär: Die christlich-konservative Organisation Exodus, die u.a. “Konversionstherapien gegen Schwulsein” durchgeführt hat, hat sich bei der LGBT-Community für ihr “unbliblisches und unehrerbietiges Weltbild” entschuldigt (Englisch).

Die NGO Pink Armenia berichtet über die Menschenrechtssituation für LGBT in Armenien (Englisch).

In der Türkei endet an diesem Wochenende die Istanbul Pride Week – Thema dieses Jahr: “Widerstand” (Englisch).

Wie Engagement für das Recht auf lesbische und schwule Ehen aus wertkonservativer Perspektive aussieht, lässt sich bei queer.de nachlesen.

Eine in Schweden asylsuchende Trans*frau und LGBT-Aktivistin soll nach Russland abgeschoben werden. Eine Petition wendet sich dagegen (Englisch).

Auf Jezebel erklärt Dodai Stewart anhand des neuen Videos von Miley Cyrus, wo Inspiration zu kultureller Aneignung wird und was daran problematisch ist (Englisch).

Es hat sich immer noch nicht zu allen durchgesprochen: Seriöser Journalismus kommt nicht nur aus der Feder von weißen Männern – xojane erinnert daran (Englisch).

Die 17jährige Jinan Younis wollte an ihrer Schule eine feministische Gruppe gründen – was dann passierte, berichtet sie im Guardian (Englisch).

Der FOCUS berichtet über die massiv hohen Zahlen von Gewalt gegen Frauen – die WHO hat die Zahlen nun veröffentlicht, nachdem sie bereits bei anderen UN-Organisationen/Abteilungen und NGOs zu erfahren waren und  u.a. die Aktion One Billion Rising im Februar ageregt hatten.

Die in den USA sehr populäre Fernsehköchin Paula Deen steht  wegen wiederholter rassistischer Handlungen in der Kritik. Daraus ging nun das Hashtag #paulasbestdishes (Paulas beste Rezepte) hervor, welches satirisch auf Deens aktuelle Ausfälle Bezug nimmt (Englisch).

In der Münchner Innenstadt ist eine Gruppe Geflüchteter in den Hungerstreik getreten. Mit einer Erklärung zu ihren Forderungen wenden sie sich an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichtes.

In Berlin läuft derzeit und noch bis zum 18. August die Veranstaltung re.act.feminism #2, die sich um feministische Performancekunst dreht – unter anderem mit Ausstellungen, Workshops, Performances und Vorträgen.

Heute Abend in Wien, als Startveranstaltung zur Frauen-Fußball-EM: Diskussion und Party bei Frauen. Fussball. Medien.


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Mein Fett ist politisch

20. Juni 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 16 von 33 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Virgie Tovar lebt in San Francisco und ist eine der führenden US-amerikanischen Expert_innen in den Bereichen Diskriminierung von dicken_fetten Menschen und Körperbilder. Sie hat einen Bachelor in Politikwissenschaften und einen Master in Human Sexuality mit Fokus auf Gender, Race und Körper. Sie ist Herausgeberin der 2012 erschienenen Anthologie Hot & Heavy: Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion (Seal Press). Über E-Mail sprachen wir in diesem ersten Teil des Interviews über ihr aktuelles Buch und den politischen Backlash gegen Fat Positivity. Das ungekürzte englische Originalinterview findet ihr unten. Ihr findet Virgie auf Facebook und Twitter.

Virgie Tovar, mit freundlicher Genehmigung vom San Francisco Chronicle

Virgie Tovar, mit freundlicher Genehmigung vom San Francisco Chronicle

Letztes Jahr kam dein aktuelles Buch “Hot & Heavy. Fierce Fat Girls on Life, Love & Fashion” raus, eine Sammlung von 31 Essays von fabelhaften Frauen, die sich als dick_fett identifizieren. Wie bist du auf die drei Aspekte “Leben, Liebe und Mode” gekommen?

Diese drei Aspekte repräsentieren definitiv ziemlich wichtige Themen innerhalb fat positiver Communities und spiegelten auch die Einsendungen wider, die ich für mein Buch bekam.

“Leben” ist der erste Aspekt, weil fat shaming und Dickenfeindlichkeit dazu beitragen, uns unser Recht auf Leben abzusprechen – und wir fordern dieses Recht zurück.

“Liebe” ist meiner Meinung nach der Kern des Radikalen: Selbstliebe und die Liebe, die wir in unserer Community kreieren, lässt uns leben und kämpfen. Ich interpretiere Liebe sehr weit. Das zeigt sich auch im Buch, in dem Erzählungen von platonischer wie auch romantischer und sexueller Liebe ihren Platz finden. Mir kommt es so vor, als würden die Texte über dicke_fette Frauen, die Sex haben, von einigen als sehr empowernd und sexy und von anderen als eher unangenehm eingeordnet werden. Es war sehr wichtig für mich, Erzählungen zu dicker_fetter Sexualität in diesem Buch zu haben. Mein fetter Körper und die Liebe zu meinem Körper wurden in vielerlei Hinsicht von meinen Erfahrungen während des Sex beeinflusst, und ich denke, dass Sexualität ein sehr mächtiges, aber oftmals totgeschwiegenes Thema ist.

Seal Press, 2012

“Mode” ist so etwas wie der Eintrittspunkt, das Schlachtfeld, und das Mittel zum Radikalen für so viele dicke_fette Menschen. Bevor ich überhaupt anfing, das Buch zu bearbeiten, habe ich zu dicken_fetten Frauen in der Universität geforscht. Diese haben sehr oft über Mode gesprochen und wie mittels Kleidung ihr Gender, ihre Identität performt wird. Ich liebe z.B. Kirsty Fives Worte in ihrem Kapital: “… für dich ist es vielleicht nur ein Outfit, aber für mich ist es eine Performance, ein Spiel, Fürsorge, Unterstützung, Widerstand, Überleben und ein Kampf.” Genau das ist es, was Mode für viele dicke_fette Menschen ist. Mode ist eine feierliche und wie ich sagen würde affektierte Art und Weise aktivistisch tätig zu sein. Ich denke, dass fat fashion (“plus size” Mode) einer der interessantesten Dinge sind, die gerade passieren. Ich sehe die Wurzeln von fat fashion in queeren Communities, in femme Communities (und da beziehe ich auch queens mit ein), und in Communities of Color.

Ich bekomme ab und zu die Rückmeldung, dass der Titel meines Buches zu lang ist, aber ich mag das: es ist zu lang, es ist zu viel! Genau so wie die Frauen in diesem Buch, genauso wie die fat positive Bewegung selbst.

Mein Fett ist politisch, weil es Leute so richtig sauer macht, wenn ich es zeige. Mein Fett ist politisch, weil ich es behalte. Mein Fett ist politisch, weil es verdammt sexy ist. Mein Fett ist meine Flagge, mein Anspruch auf Ruhm, meine “Kriegsnarbe”, mein geheimes Fat Girl Club-Abzeichen. (Virgie Tovar: Hot & Heavy: Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion, S. 7. 2012.)

In den USA hat die fat positive-Bewegung und auch die akademische Beschäftigung mit Diskriminierung auf Grund von Körpergewicht eine längere Geschichte – zumindest verglichen mit Deutschland. Glaubst du, dass es heute eine andere Qualität innerhalb fat acceptance-Diskursen in den USA gibt verglichen mit der Zeit, in der du anfingst, dich mit solchen Themen zu beschäftigen? Oder würdest du eher sagen, dass der Backlash gegen Fat Positivity fruchtbare Diskussionen eher verhindern (Beispiele sind der aktuelle Abercrombie & Fitch-Fall oder der auf vielen falschen Informationen beruhende Diskurs zur so genannten “Fettsuchtsepidemie“)?

Ich habe erst ca. 2010 in meinem zweiten Jahr im Masterstudium ernsthaft angefangen mich mit diesen Themen zu beschäftigen. Das war das Jahr, in dem ich dann anfing mich als fat-Aktivistin zu bezeichnen. Ich kann also nur über diesen Zeitraum etwas sagen. Auffällig war, dass mein erster noch als einzelne Autorin konzipierter Buchvorschlag mit dem Titel „Fette auf der Welt vereinigt euch“ damals abgelehnt wurde, weil es seiner Zeit voraus war. Nur zwei Jahre später schlug ich „Hot & Heavy“ als Anthologie vor und mein_e Lektor_in meinte, dass es nun definitiv an der Zeit sei für dieses Buch. Diese Diskurse haben also in einer recht kurzen Zeit an Sichtbarkeit gewonnen.

Seitdem ich anfing im Feld Fat Studies/Poltiken zu recherchieren und mich politisch zu beteiligen habe ich das Gefühl, dass die Debatten viel reichhaltiger geworden sind. Dabei spielen queere, radikale, multi-racial und feministische Fat Communities eine Vorreiter_innenrolle für die Komplexität der Diskussionen (logisch, nicht?).

Meiner Meinung nach trägt ein Backlash gegen fat positivity trotzdem auch zum Wachsen und zur Sichtbarkeit von fat positiven Communities und Diskursen bei. Das hat natürlich seinen Preis. Der Backlash stellt eine enorme emotionale Belastung für die Bewegung und die Menschen dar. Eine der größten Risiken von Backlash-inspiriertem Wachstum ist, dass Menschen auf der Strecke bleiben, für die der Kampf, der Stress und die Sichtbarkeit viel zu viel werden (meist diejenigen mit weniger/keinen Klassen- und race-Privilegien).

… Teil 2 des Interviews mit vielen Tipps für gestresste Aktivist_innen kommt nächste Woche. (mehr …)


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