Männliche Vergewaltigungsopfer? Dänemark diskutiert
24. Februar 2012 von VerschiedenenVerena Haßler ist vor eineinhalb Jahren nach Dänemark gezogen, wo sie für ihr Studium bevorzugt europäische Fragestellungen aus der Genderperspektive heraus analysiert. Im Moment schreibt sie an ihrer Masterarbeit über Intersektionalität in der Kommunalpolitik im deutsch-dänischen Vergleich. Sie freut sich, dass in ihrer Wahlheimat feministische Diskurse eine vergleichsweise breite Öffentlichkeit mit einschließen, beobachtet aber mit Sorge, wie das ehemalige Vorreiterland gleichstellungspolitisch immer mehr den Anschluss an seine skandinavischen Nachbarn verliert. In ihrer Freizeit trainiert sie Taekwondo und arbeitet ehrenamtlich für das Frauenmuseum in Aarhus.
[Triggerwarnung] Ein sexualisierter Übergriff in der dänischen Version der Reality-TV-Show “Paradise Hotel” (Staffel 8, Folge 9) hat in der letzten Woche zu heftigen Diskussionen in den dänischen Online-Medien geführt. Paradise Hotel ist ein Reality-TV-Format, das ursprünglich aus den USQ stammt und gezielt auf die Überschreitung sexueller Grenzen setzt. Eine Gruppe von Single-Frauen und –Männern konkurriert darum, bis zum Ende der Show in einem Luxus-Hotel in südlichen Gefilden bleiben zu dürfen. Unter anderem werden die teilnehmenden Männer und Frauen jede Woche zu Pärchen zusammengesetzt, die dann ein Hotelzimmer teilen müssen.
In der besagten Ausstrahlung sieht man, wie Show-Teilnehmer Julian betrunken auf einer Bank einschläft. Dort entdecken ihn zwei andere Teilnehmerinnen, die sich ihm mit den Worten “Sollen wir ihn vergewaltigen?” nähern. Eine der jungen Frauen setzt sich rittlings auf ihn, während die andere versucht ihn zu küssen und schließlich seine Genitalien berührt. Im weiteren Verlauf öffnet Julian schließlich die Augen und schläft nach einem kurzen Gespräch mit einer der Frauen zusammen mit ihr ein.
Der Programmdirektor von TV3 erklärte, die Szene sei senderintern diskutiert worden. “Vergewaltigung” sei ein heftiger Begriff, man sei sich jedoch einig gewesen, dass es sich in diesem Fall bloß um einen Begriff aus dem “Mädchenjargon” der Teilnehmerinnen gehandelt habe, die ja mehrmals darüber gesprochen hätten, dass sie sich gerne “auf die Jungs stürzen” wollen. Eine fragwürdige Begründung, wenn man mich fragt, fast so verharmlosend wie die Aussage eines anderen Debattenteilnehmers, wonach angeblich alle Männer gern von zwei hübschen Mädels “vergewaltigt” werden wollen, und wonach man eben akzeptieren müsse, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern und deren Rolle im sexuellen Zusammenspiel gäbe.
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