Einträge mit dem Tag ‘Critical Whiteness’


Antifeminismus, Abwesenheit von Vätern und Ausübung von Kritik (nur wie?) – die Blogschau

30. Januar 2016 von accalmie
Dieser Text ist Teil 292 von 295 der Serie Die Blogschau

„»Deutschland Schwarz Weiß« zu schreiben, war mein Trick.“ Noah Sow gibt einen Einblick in ihre persönlichen Motive, acht Jahre nach Veröffentlichung des Buchs (…übrigens immer noch ein dringender Lektüretipp!).

Über die Nähe des zeitgenössischen Antifeminismus zu Antisemitismus schreibt החול והים (Sand und Meer).

Bei Ringelmiez berichtet Ella von ihren Erfahrungen, für ihr Kind ein Kleid zu nähen, und gibt in einem FAQ Antwort auf (potenzielle) geschlechteressentialistische, cissexistische und heterosexistische Einsprüche.

JJ bei den Leckmuscheln kritisiert den „Riots Not Diets“-Pullover von „Monki“: „Den Pullover gibt es in den Größen S-L. Nice try Monki, aber welcher Sinn steckt dahinter einen Fett-Positiven Pullover herzustellen, welchen dann nur schlanke Menschen tragen können, die sowieso ständig von Thin Privilige profitieren, gerade wenn es um Mode geht.“

„30. Januar in Büdingen: Naziaufmarsch verhindern! Rechten Kommunalwahlkampf stören!“: Antifa Kritik und Klassenkampf ruft zum antifaschistischen und antisexistischen Protest auf. Treffpunkt: Heute, 13:40 Uhr, Hauptbahnhof Frankfurt am Main, Gleis 13.

„Aber brauchen Kinder wirklich ihren Vater/ eine männliche Bezugsperson? Zu welchem Preis? Brauchen Kinder nicht viel eher eine Möglichkeit zu lernen mit der Situation und dem Menschen, der sie mitgezeugt hat, umzugehen; ob dieser nun real präsent ist oder nur in Erzählungen?“ Me, Myself and Child startet mit „Ohne Väter: Prolog“ die Artikel-Reihe „Ohne Väter,“ zu der Beiträge „alle Elter_Mütter*, die ihre Kinder (zum größten Teil) ohne Cis-Väter betreuen“, eingeladen sind.

In Anna Hegers Mini-Comic, „Kritik von weißen Schafen an weißen Schafen“, geht es um Kritikausübung innerhalb einer Gruppe ähnlich privilegierter Menschen.

„Nimm deine Kippa ab, Junge!“ – Was das mediale Interesse an Antisemitismus mit den Geflüchteten zu tun hat“, analysiert Levi bei kleinerdrei.

Die Femgeeks stellen das Hacker*innenmagazin The Recompiler vor, das im letzten Jahr durch eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen wurde.

Die 71-jährige „Schluss-Strich-Debatte“ um (die Erinnerung an) den Holocaust kommentiert Anja Reschke:

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blogs etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Kerngeschäft Feminismus: Nicki Minaj und weiße Solidarität

22. Juli 2015 von accalmie

Ganz ehrlich: Ich persönlich bin kein großer Nicki-Minaj-Fan. Es gibt ein, zwei Lieder, die ich nicht schlecht finde, und ansonsten wundere ich mich (nicht) darüber, dass andere Rapperinnen – Rapsody, Jean Grae, Sa-Roc, Rah Digga, Dai Burger, um nur ein paar Namen zu nennen – nicht halb so viel Aufmerksamkeit genießen. Das hat mit Minajs besonderem Flow, genreübergreifenden Stil und Vermarktungsgeschick zu tun, aber auch mit Minajs konventioneller(er) Schönheit und der einfachen Reduzierung ihrer sex-positiven Self-Empowerment-Message auf „Sexbombe“ für einen male gaze. In jedem Fall ist Nicki Minaj eine der erfolgreichsten Rapperinnen aller Zeiten und versteht – im Gegensatz zu Iggy Azalea, zum Beispiel – nicht nur ihr Handwerk, sondern auch die Geschichte des Rap/Hip Hop.

Ihr letztjähriger Hit, „Anaconda“, war nicht nur ein Charterfolg, sondern Minaj brach mit dem Video Rekorde. Etwas über eine Woche nach der Veröffentlichung hatte „Anaconda“ bereits 100 Millionen Zuschauer_innen; es war eines der erfolgreichsten Videos des Jahres. Auch ihr und Beyoncés „Feeling Myself“, das zwei der aktuell bekanntesten und erfolgreichsten Hip Hop- und Pop- Künstler_innen vereinte, resultierte in einem sehr beliebten Video, dessen Regie beide maßgeblich führten. „Anaconda“ wurde in diesem Jahr für einen MTV „Video Music Award“ (VMA) in den Kategorien „Best Female Video“ und „Best Hip Hop Video“ nominiert. „Feeling Myself“ ging leer aus, und „Anaconda“ wurde ebenfalls nicht in der wichtigen „Video of the Year“-Kategorie nominiert (wenngleich Beyoncés „7/11“ eine Nominierung erhielt). Bei Twitter hat Nicki Minaj dies kritisiert.

[Übersetzung: 1. „Wäre ich eine andere „Art“ von Künstlerin, wäre Anaconda nominiert für Beste Choreographie und auch für Video des Jahres.“ 2. „Wenn die „anderen“ Mädels Videos veröffentlichen, die Rekorde brechen und Auswirkungen auf Kultur haben, werden sie nominiert.“ 3. „Wenn dein Video Frauen mit sehr schlanken Körpern zelebriert, wirst du für „Video des Jahres“ nominiert.“ 4. „Ich bin nicht immer selbstbewusst. Nur müde. Schwarze Frauen beeinflussen Popkultur so sehr, aber werden selten dafür belohnt.“]

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Die Waage einfach wegschmeißen und dann ist gut? – Die Blogschau

15. Juni 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 209 von 295 der Serie Die Blogschau

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!

Körper(bilder), Diäten und fat shaming: über die Aktion #waagnis

Auf twitter sind in den letzten Tagen viele Debatten zu den Themen Körpernormierung, Körperwahrnehmung und fat shaming (Dickenfeindlichkeit) geführt worden. Angefangen hat es mit dem hashtag #waagnis, der von einigen Bloggerinnen wie Maike und Ninia LaGrande vorgeschlagen wurden. Der Idee der Aktion lautet ungefähr so: Setzt eure Waagen aus, damit diese (und die Zahlen da drauf) nicht weiter euer Leben bestimmen. Die Aktion generierte unterschiedliche Kritik: Zu viel Symbolpolitik, zu wenig Mitdenken von (bereits existierenden) fat positiven Diskursen, und teilweise (internalisiertes) fat shaming in den Texten, die zu der Aktion aufriefen. Hier ist eine kleine Auswahl an Texten, die in den letzten Tagen geschrieben wurden:

glasglocke kritisiert, dass bereits existierende fat_körper-positive Debatten und Aktivist_innen durch die Aktion unsichtbar gemacht wurden und präsentiert eine Liste mit Links zum Weiterlesen. Auch lippy answer hat eine Video- und Linkliste zusammengestellt. Einen sehr empfehlenswerten Text gibt es von der fat fashion-Bloggerin Miss Temple, die aufschrieb, warum sie sich von der Aktion nicht angesprochen fühlte. Heng schreibt auf tea-riffic einen sehr persönlichen Text darüber, wie schwer es für ihr 14-jähriges-Ich war, Schönheitsnormen zu verstehen. emmi schrieb auf, was sie sich wünscht von zukünftigen körper-positiven Aktionen. karnele freut sich, dass jüngere Feminist_innen dieses Thema wieder mehr auf den Tisch packen. The Sexist Meme erinnert: „Eure Blicke sind meine Waage.“ Und riotmango findet, dass die Aktion auch sichtbar gemacht hat, wie wenig fat positive Diskurse im deutschsprachigen feministischen Diskurs angekommen sind. Nina LaGrande hat auf die Kritiken auch noch mal reagiert.

Passend zu den aktuellen Debatten gibt es einen neuen tumblr: Essende Frauen, der zufrieden essende Frauen darstellt. Sowohl in Film und Fernsehen, Internet- und Printmedien- oder auch dich selbst!“

In der feministischen Blogosphäre wurde auch über viele andere Dinge diskutiert:

Dr. Mutti las den Text von Harald Martenstein in der Zeit, in dem Theorien zu Geschlechtersozialisation und die Gender Studies insgesamt mal wieder lächerlich gemacht werden und befand: Martenstein schreibt nur biologistischen Quatsch. Auf dem Blog Daran geht die Welt zu Grunde resümiert Anni, dass Martenstein einfach schlechten Journalismus betreibt.

Blogempfehlung: Carina Kühne bloggt aus ihrem Leben „Erlebnisse eines Menschen mit Down-Syndrom„. Am Sonntag ist sie zu Gast bei der WDR-Sendung West ART.

Helga hat das Frauen- bzw. Männerbild analysiert, die der FOCUS mit seinen Coverbildern vermittelt.

Schizoanalyse lehrt Psychychologie und gibt gerade ein Seminar zu Critical Whiteness. Dazu hat sie einen einführenden Text auf ihrem Blog veröffentlicht.

FAT UP!, eine queer-feministische fat positive Gruppe aus Berlin hat im April ihre Gründung gefeiert. Die bei der Feier gezeigten Videoclips sind nun online.

Feministische Geeks aufgepasst: Wie könnten die Standard-„Kostüme“ von Frauen in Comics und Spielen realistischer aussehen? Dazu gibt es nun einen Mal-Contest, berichtet femgeeks.

Das mädchenblog berichtet, dass es die Pille danach in den USA zukünftig rezeptfrei und ohne Altersbeschränkung geben wird.

Viel interessantes auf die Ohren: Ein Podcast über Queerness, Femmeness, Begehren und Singlesein.

Eine Auswahl an LGBT und feministische Crowdfunding-Projekte, die ihr finanziell unterstützen könnt, findet ihr auf Der k_eine Unterschied.

Auf phenomenelle gibt es eine Zusammenfassung der Anne Will Sendung mit dem gruseligen Titel: “Gleiche Rechte für Homosexuelle – Ist die Ehe nicht mehr heilig”.

Auf dem SozBlog stellt sich Dr. Jasmin Siri folgende Fragen: „Wie und wann profitiere ich als Autorin vom Leiden anderer? Wie kann ich der Position von Opfern in meinen Publikationen einen Raum geben? Wie verträgt sich das mit der kühlen soziologischen Beobachtung?“

Gerade findet in Berlin das Refugee Tribunal Against Germany statt. Live-Videos und weiter Infos gibt’s auf dem Blog.

Am 18. Juni findet in Bochum der Vortrag: ‚Trans* Tans*phobie und Trans*support für Anfänger*innen und Fortgeschrittene‘ (facebook-Link).


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Glitzer-Konfetti und virtuelle Torte zur 200. Blogschau!

27. April 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 202 von 295 der Serie Die Blogschau

Dass Grada Kilomba eine neue Adresse im Internet hat, haben wir ja schon vor ein paar Wochen berichtet. Jetzt könnt ihr dort u.a. ein Interview mit ihr lesen: „Unerzählte Teile der Geschichte„.

Antje Schrupp hat auf Aus Liebe zur Freiheit das Buch Queer_Feminismus. Label & Lebensrealität. besprochen.

re:empowerment nimmt das Hilfetelefon des BMFSFJ, welches es seit ca. 1,5 Monaten gibt unter die Lupe und stellt fest: Barrierefrei ist es nicht und die Internettipps helfen keine_r.

Bei anarchie und lihbe geht es in „All you can speak“ um Geschlecht, um „Normen, Normierungen, Normiertheiten an jeder Ecke“.

In Frankfurt wurde diese Woche das Institut für vergleichende Irrelevanz geräumt. Auf ihrem Blog haben sie eine ausführliche Presseschau zur Räumung zusammengestellt.

Tea-riffic schaut sich das neuste Musik-Video von Tegan&Sara an und kommt zum Fazit: „Queer sein? Okay, aber nur, wenn du heiß* aussiehst!„.

Bei femgeeks erklärt Helga, was die Telekom die Netzneutralität, und somit Chancengleichheit, kippt.

„Zum Kampf gegen den „neuen Sexismus“ ruft [‘solid] Kreuzkölln zur Zeit auf Flyern zu einer Info-Veranstaltung an der ASH gegen das Barbie Dreamhouse auf.“, wird erst auf Don’t degrade Debs, darling! zusammengefasst und dann gefragt: Was soll dieser „neue Sexismus“ sein? Welche (schon lange bestehenden) Kritiken werden unsichtbar gemacht?

Ein Projekt versucht die deutsche Blogosphäre abzubilden. Merle beschreibt auf Von Freiheit, Frieden und Frühlingsgefühlen, warum sie ganz schnell wieder draußen war.

Du wärst eine tolle Mutter!“ – aufZehenspitzen zeigt, wie als weiblich gelesene Personen von Kindheit an (und immer weiter) mit unterschiedlichsten Rhetoriken zu Mutterschaft konfrontiert werden.

Über das von Deniz Yücel moderierte tazlab haben wir diese Woche ja bereits berichtet. Sehr wichtig findet ihr aber noch bei der ISD, wo Sharon  Dodua Otoo ihr Schreiben an die taz-Redaktion und deren (unfassbaren) Antworten dokumentiert.

Auf anders deutsch schreibt Urmila, wie oftmals LGBT geschrieben wird, auch wenn dies so umfassend überhaupt nicht gemeint ist.

Bei emmi nordwind wird eine neue Reihe an Blogposts starten. Unter dem Titel „Dealbreakerinnen“ werden Frauen vorgestellt, die kreativ und aktivistisch unterwegs sind.

Die Aktivist_innen von e*vibes waren bei einer Diskussionsrunde eingeladen, wo es eigentlich um “feministische Protestkultur heute” gehen sollte, sich letztenendes aber alles um Femen drehte. Auf ihrem Blog reflektieren sie die Veranstaltung.

Über Menstruationsschmerzen und den Umgang mit diesen könnt ihr auf Mein Körper ist_ lesen.

Und wieder ein neues Blog in diesem Internet! Auf kanaction blogt Azadê und steigt gleich einmal ein diese Woche mit einem Beitrag zu „Über Critical Whiteness und andere Missverständnisse„.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Bügeln Gehen mit Deniz Yücel

23. April 2013 von accalmie

Ach, Deniz, Du trollst so unkreativ. Du bist ein halbes Jahr zu spät dran und originell ist Deine letzte Kolumne auch nicht (und Deiner Verlinkung zur Mädchenmannschaft, die offenbar verdeutlichen soll, wie lächerlich Triggerwarnungen seien, fehlt auch die Pointe – das tut bei Dir aber natürlich nichts zur Sache).

Erst gestern hat Sula einen Text zu den Vorfällen beim „tazlab“ des vergangenen Wochenendes und den darauffolgenden Reaktionen veröffentlicht – und schon holst Du zum verbalen Gegenschlag aus. Von einer kleinen Pause zur Selbstreflektion könnte man ja gar profitieren, also musste es schnell gehen mit der eigenen Eklat-Eskalation. Du findest nämlich, dass sich mit dem N-Wort weiterhin wunderbar provozieren lässt. Das gibt traffic (gerngeschehen!) und man bleibt im Gespräch. Das Gespräch, lieber Deniz, wird an dieser Stelle leider redundant, daher nur schnell noch was zum Abschluss:

Du schreibst, dass „alle auf dem Podium […] um den Zusammenhang von Sprache und Herrschaft,“ wüssten und dass „niemand“ das „Fortleben von Rassismus“ bestreite. Angesichts der Berichte dessen, wie die Podiumsdiskussion am Samstag unter Deiner Leitung ablief (denen Du nicht widersprichst), und angesichts dieses jetzigen Zusammenwurfs (Kolumne ist ja ein Euphemismus, wa…) ignoranter Phrasendrescherei, scheinst zumindest Du nicht gewusst noch gelernt zu haben, dass auch Du Herrschaft mithilfe von Sprache putzmunter reproduziert hast und es weiterhin tust, und dass durch sowohl Deine Verhaltensweise bei und nach der Diskussion das Fortleben von Rassismus illustriert wird. Antirassist_in zu sein ist kein Zustand – es ist ein Prozess. Zu verkünden, dass „wir“ (wer?) ja alle auf einer Seite stünden, ist nicht mehr als ein belustigendes bis erschreckendes – in Deinem Fall heuchlerisches – Lippenbekenntnis, wenn Du im gleichen Atemzug es nicht lassen kannst, trotz der Hinweise von durch Rassismus Betroffene, rassistische Sprache zu reproduzieren. Deine Handlungen zeichnen Deinen Antirassismus aus. Und gerade angesichts der Tatsache, dass Du PoC schlecht verhohlenen Essentialismus vorwirfst (der dazu führe, dass alle armen deutschen, weißen, christlichen Männer* gar nichts mehr sagen dürften in solchen Debatten – all evidence to the contrary…), mutet es geradezu absurd an, dass Du „Antirassist_in“ für einen (essentialistischen…) Zustand hälst, der solche rassistischen Reproduktionen nicht nur dürfen muss, sondern auch einfach „ausgehalten“ werden sollte.

Wer zuerst gebrüllt hat am Samstag, weiß ich nicht. Sula hat geschildert, dass bei Dir nicht nur die Tonstärke, sondern vor allem die lyrics die Musik machten. Dass Du Dir widersprechenden Frauen im Publikum sagtest, sie sollten doch „bügeln gehen“, spricht in jedem Fall für sich (merkste selber, ne?). „Antisexist_in“ ist leider auch kein Zustand. (mehr …)


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Wie produktiv ist die aktuelle Debatte um Critical Whiteness?

7. März 2013 von Nadine

Dieser Kommentar ist in der Februar-Ausgabe der an.schläge erschienen. Wir dürfen ihn hier mit freundlicher Genehmigung zweitveröffentlichen und haben das Original an einigen Stellen verändert.

Noch bevor Critical Whiteness Ansätze ihren Weg in die queer_feministische oder linke Praxis gefunden haben – von einer Kanonisierung in den kritischen Wissenschaften hierzulande ganz zu schweigen –, werden diese bereits auf ihre angeblich in die antirassistische Sackgasse führenden Annahmen hin überprüft. Bemerkenswert ist, dass dafür nicht etwa bereits diskutierte Punkte von Theoretiker_innen of Color die Grundlage bilden, sondern vornehmlich jene Kritiker_innen zitiert werden, die Critical Whiteness Ansätze von vornherein ablehnen.

Ein hier gern angeführtes Argument ist das „Übertragbarkeitsproblem“: Aus vermeintlich historischen Gründen würde weiß als kritisch zu betrachtende Norm und Folie, auf der die anderen rassifiziert und entwertet werden, nur in einem US-amerikanischen, nicht aber in einem deutschen bzw. europäischen Kontext Sinn machen. Dieses Argument sagt viel darüber aus, wie weit die Aufarbeitung eigener Kolonialgeschichte vorangeschritten ist (oder auch nicht). Dieses Argument zeigt auch, wie weiß und damit eklatant unzureichend und eindimensional das Verständnis von Rassismus ist: Rassismus als ausschließliches Problem der Institutionen Nationalstaat und EU und ihren Behördenapparaten, die über Zugehörigkeiten und Teilhabe von „Ausländern“ entscheiden und Rassismus dabei als Rechtfertigungsideologie für supra_nationalökonomische Verwertungsinteressen funktioniert. Rassismus als Problem von „Prügelbullen“, Nazis und populistisch argumentierenden Einzelpersonen wie Gauck, Sarrazin und Buschkowsky. Unberücksichtigt bleibt, wie diese Politiken, Ideologien, „Meinungen“ und „Argumente“ miteinander zusammenhängen, an welche kolonialrassistischen Praktiken und Diskurse sie anknüpfen, auf welchen Normsetzungen sie beruhen und wie fundamental Weißsein für die Konstituierung von „Deutsch“ und Nation nach wie vor ist.

Die Debatte um die Streichung rassistischer Begriffe aus Kinderbüchern zeigt: weißes Überlegenheitsdenken findet auch jenseits von Nazis und Polizeistaat statt. (Kolonial)Rassismus spielt auch heute noch eine Rolle. Die ihm zugrunde liegenden Normen und Konstruktionsprozesse sind nach wie vor diskursiv wirkmächtig und strukturbildend.

Um in rassistische Diskurse und Strukturen intervenieren zu können, ist sicherlich mehr als eine einzige Perspektive und ein Bezugspunkt nötig. Nur so können Rassismus, seine Argumentations- und Realisierungsformen überhaupt verstanden werden. Trotzdem ist Rassismus ein Machtverhältnis, das Hierarchien benötigt und soziale Positionen hervorbringt, die diskriminiert oder privilegiert sind. Und dass die privilegierte Position weiß zugleich die unhinterfragbare und permanent entnannte Norm dieses Machtverhältnisses bildet, mit der Individuen ständig konfrontiert sind und sich immer zu ihr verhalten.

Der Sinn von Critical Whiteness Ansätzen besteht unter anderem darin, diese Norm als solche an_zu_erkennen und ihre Auswirkungen als weißes Subjekt in der eigenen rassismuskritischen Praxis mitzudenken, sich als weißes Subjekt in Bezug zu Rassismus zu setzen und aufgrund rassistischer Privilegierungen den Fokus ebenfalls auf diese Aspekte von Rassismus zu richten. Sonst sind struktureller Rassismus und weiße Dominanz auch innerhalb feministischer Bewegungen weder kritisier- noch veränderbar.

Warum beobachte ich in letzter Zeit, dass in weiß dominierten feministischen und linken Kontexten eine kritische Besprechung von Critical Whiteness stattfindet, während Rassismus kein selbstverständliches Thema ist, selten interdependent zu Sexismus gedacht wird und weiß nie benannt wird? Was wären die Reaktionen, würde anstatt Critical Whiteness die Legitimität von Feminismus diskutiert? Was sagt das über die weiße Normsetzung innerhalb feministischer Ansätze aus?


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Otfried Preußlers Debattenvermächtnis

21. Februar 2013 von Nadia
Flickr (c) gS32tom

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Otfried Preußler ist am 18. Februar gestorben. „Die kleine Hexe“, „Der Räuber Hotzenplotz“: Nicht nur für seine Kinderbuchklassiker muss man Preußler in Erinnerung behalten, sondern auch für seine kleine Rolle bei einem wichtigen Anstoß zu einer Rassismus-Debatte, wie sie lange Zeit in Deutschland nicht geführt wurde – vielleicht auch nicht geführt werden konnte. Seine Entscheidung, dem zuvor kritisierten Stuttgarter Thienemann-Verlag die Möglichkeit zu geben, seine Kinderbücher in zukünftigen Auflagen von rassistischer Sprache zu befreien, führte öffentlich zu mitunter sehr peinsamen, aber auch sehr wichtigen Diskussionen.

Die Entscheidung des Autors kommt jedoch natürlich nicht aus dem Nichts: Sie fiel zu Beginn dieses Jahres in eine Zeit, in der sich Aktivist_innen schon seit langem und zum Teil sehr organisiert gegen diverse rassistische Praktiken in Deutschland und explizit in deutschen Kulturbetrieben auflehnten.  (mehr …)


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One Billion Rising-Nachlese und die e*vibes-Femen-Diskussion mit Termin – kurz verlinkt

20. Februar 2013 von der Mädchenmannschaft

One Billion Gedanken zu One Billion Rising: Natalie Gyte erläutert in der Huffington Post, warum sie One Billion Rising nicht unterstützt – und warum das Argument „Es ist doch für eine gute Sache“™ nicht gelten lässt. (Triggerwarnung für die Kommentare, fast schon selbstredend.) Gegenpositionen mit Kritik an Gytes gibt es auch, und zwar unter anderem auf spectra speaks.

Wenn weiße Autor_innen über Personen of Color schreiben, können sie es nur falschen machen – wenn sie es lassen, ist es auch wieder nicht richtig?  Tja – kommt halt damit klar, sagt Claire Light.

Im britischen Guardian schreibt Fat-Aktivistin Charlotte Cooper über die angebliche „Dicken-Epdemie“ und was dicken und fetten Menschen am besten hilft: weniger Diskriminierung und weniger Stigmatisierung.

Zahid, ein 29 jähriger Roma aus Konstanz, ist akut von Abschiebung bedroht – kurz vor Beginn seiner Ausbildung zum Mediengestalter. Dies soll durch eine Unterschriftensammlung verhindert werden. Jede Stimme zählt!

Das Bitch Magazine erinnert an Audre Lorde anlässlich ihres Geburtstags.

Interview mit Sharon Dodua Otoo zu kolonialistischen Fantasien in Pippi Langstrumpf, die über de Verwendung des N-Worts hinausgehen. [Triggerwarnung: Ausgeschriebenes N-Wort und sonstiges rassistisches Vokabular, dafür supergute Antworten auf einige echt schnarchige Fragen!]

Juhu, the Story of Riot Grrrl, beginnend mit einem ersten Teil!

Sarah Diehl schreibt auf Deutschland Radio, warum Abtreibung nicht ins Strafgesetzbuch gehört.

Diesen Tag bitte im Kalender anstreichen: Unser bekannter Flugzeugträger-Fernsehender ntv schreibt auf seiner Webseite über… Critical Whiteness!

Das Jugendnetzwerk::lambda Berlin-Brandenburg e.V. sucht ehrenamtliche Mitarbeiter_innen.

Der Spiegel berichtet über die Stärkung des Adoptionsrechts für homosexuelle Paare.

Einmal klicken für die Termine:

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Hamsterrad der Ignoranz – Wenn Weiße mit sich selber über Rassismus reden

29. Januar 2013 von Gastautor_in

Rassismus in Kinderbüchern: In diesem Text, den wir freundlicherweise veröffentlichen dürfen, setzt Sula als Schwarze Kunstwissenschaftlerin, Aktivistin und Mutter einen Punkt unter die unsäglichen Debatten im Pfuilleton und drumrum.

Und als ob es in den letzten Wochen nicht bereits deutlich genug geworden wäre, dass sich jene Schriftsteller_innen und Journalist_innen, die sich zur Zeit in Panik an das eine Wort klammern, das scheinbar konstitutiv für den Erhalt deutscher Kultur und Identität ist, es sorgfältig vermeiden, irgendeine wie auch immer geartete Recherche bezüglich des Wortes oder der Debatte zu betreiben, musste die ZEIT noch einen weiteren Kommentar veröffentlichen, der die Stimmen Schwarzer Menschen, die immerhin vereinzelt, der Ursuppe weißer Mainstreammeinung zum Trotz, sichtbar geworden sind, in guter imperialistischer Tradition ausblendet.

 Auch Frau Christine Nöstlinger muss sich zur Debatte äußern. Das Ganze wird noch völlig unnötigerweise verziert von rassistischen Abbildungen und Texten aus „Der Struwwelpeter“. Schade, dass man Bücher nicht entlesen kann. Irgendwie sehe ich es nicht mehr ein, dass ich mir die Mühe machen soll, mir noch irgendetwas anzuhören, durchzulesen oder anzuschauen, was von weißen Deutschen (oder wie in diesem Fall Österreicherinnen) ganz offensichtlich sowieso nur für weiße Deutsche produziert wird, während die „geistige Elite“ dieses Landes in zwei Wochen zermürbendem Sich-im-Kreise-Drehen um die eigene Argumentation im luftleeren Raum es offensichtlich nicht geschafft hat, auch nur einen der vielen Texte anzufassen, die die vielen Irrtümer, unfundierten Behauptungen und apokalyptischen Verschwörungsfantasien, die sich auch in Frau Nöstlingers Text wieder tummeln, ausnahmslos entschärfen. (mehr …)


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Rassismus raus aus Kinderbüchern

15. Januar 2013 von Lisa

Dieser Text erschien am Sonntag bei fuckermothers.

Eine Be­mer­kung zu der un­säg­lichen ‘O-My-God-unsere-Kinder-dürfen-das-N*-Wort-nicht-mehr-in-Kinderbüchern-lesen-Debatte’. Aus­löser war die An­kündi­gung des Thienemann-Verlages, dis­krimi­nieren­de Sprache in Kinder­buch-Klassikern wie Die kleine Hexe auszutauschen

‘Zeter! und Mordio! Kultur­verfall! Und Sprach­polizei! Und Säu­berungs­kam­pagne! Und sowieso, Political! Correct­ness!’ regt sich die Presse von FAZ über Deutsch­land­funk bis Spiegel auf. (Die Artikel wurden ab­sicht­lich nicht ver­linkt, am harm­losesten ist noch dieses Interview mit Paul Maar.) In all dieser Auf­regung, wird, so oft es sich ir­gend­wie unter­bringen lässt, genussvoll das diskriminierende N*Wort geschrieben, am besten schon in der Überschrift. Dabei offenbart sich, neben teilweise erschreckend reaktio­närem Ge­danken­gut, eine un­glaub­liche Ignoranz und Un­sensi­bili­tät.

Erstens. Das N*-Wort kommt aus der Ko­lo­nial­ge­schichte, es war von An­fang an eine diskrimi­nierende Be­zeichnung, die mit Mord, Unter­drückung und Skla­verei ver­bunden war. Erinnert sei hier etwa an den deutschen Völkermord an den Herero und Nama An­fang des zwanzig­sten Jahr­hunderts.

Zweitens. Das Wort ist nicht nur auf Grund der rassi­sti­schen Ge­schich­te ein Problem, sondern auch wegen dem an­dauernd grassier­enden All­tags­rassis­mus. Weiter­hin werden Schwarze Menschen mit dieser Be­zeichnung be­lei­digt. Weiter­hin sind als nicht-Weiß-klassi­fizierte Menschen hier­zu­lande der Ge­fahr von Diskrimi­nierung und Ge­walt aus­ge­setzt. Davor schützt nicht die deutsche Poli­zei, sondern ganz im Gegen­teil. Fälle wie Derege Wevelsiep, der dieses Jahr – ohne auch nur das geringste Ver­gehen – von der Frank­fur­ter Poli­zei ver­prügelt wurde, sind leider keine Aus­nahme. Von den NSU-Morden oder dem brutalen Tod Oury Jallohs ganz zu schweigen.

Drittens. Kaum über­raschend empfinden viele Schwarze Menschen dieses Wort als diskrimi­nierend und wehren sich gegen seine Ver­wen­dung. Seit mehreren Jahr­zehnten bringen Schwarze Deutsche dies immer und immer wieder zum Aus­druck. Die Gründe wurden lang und breit erklärt und sind in sehvielen Büchern nachzulesen. Diese Stimmen zu igno­rieren ist, besonders für Journalist_innen, über­raschend un­infor­miert. In einem Artikel immer wieder und wieder ‘N*’ zu schreiben, bedeutet bewusst zu ver­letzen.

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