Einträge mit dem Tag ‘Care-Arbeit’


Work it! – Feministische Gedanken zu Arbeit

1. Mai 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 16 von 16 der Serie Ökonomie_Kritik

Was bedeutet eigentlich Arbeit? (Wie) Wollen wir arbeiten? Welche Arbeitskämpfe gilt es auszutragen/ zu unterstützen? Wir nehmen den revolutionären 1. Mai zum Anlass, um einige unserer Erfahrungen, Gedanken und Forderungen rund um Arbeit zu teilen.

Zum Weiterlesen empfiehlt sich auch unsere Leseliste vom Equal Pay Day: Ökonimiekritik für jeden Tag.

Kuchen Backen für den Verkauf im Laden: Arbeit? Kuchen Backen für den Kindergeburtstag: Care-Arbeit? Kuchen Backen, weil Kuchen lecker ist: ?

für meine Zukunft (Hannah)

Seit 6 Monaten bin ich Auszubildende. In unvergüteter Vollzeit an einem Berufskolleg.
Ich habe viele neue Dinge gelernt und viele alte Dinge auf eine „Was ich am Wochenende tun könnte“-Liste geschrieben, um sie nie zu tun. Meine Wochenenden haben sich von der einzigen Möglichkeit meine berufstätigen Freund_innen zu treffen, zu den einzigen Tagen mit genug Schlaf, Ruhe und Option zur Haushaltsführung entwickelt.

Arbeit war und ist für mich ein gekauftes Privileg.
Ich kaufe die Möglichkeit neue Fertigkeiten zu erlernen und Dinge zu erschaffen, die vielen Menschen nützlich sind.
Und bezahle aus dem eigenen Vermögen zu sprechen, sozial zu interagieren, körperlich fit und funktional zu sein, mich selbst zu spüren und (kreativ) auszudrücken. Ich bezahle mit den Fähig- und Fertigkeiten, die ich brauche um m.eine Behinderung.en zu kompensieren.

Ich berufsausbilde mich derzeit für einen Beruf, den ich später sowohl in selbstständiger als auch angestellter Form ausüben kann. Realistisch jedoch ist, dass die gesetzlichen Regelungen für berufstätige behinderte Menschen weder die eine, noch die andere Form für mich in Frage kommen lassen.
Am Tag der Arbeit fordere ich, dass sich das ändert.
Ich würde gerne auch für meine eigene Zukunft als autarke und selbstbestimmte behinderte Person arbeiten.

Stressfaktor Heten (Nadine)

Ich hatte die Festanstellung zwischenzeitlich auch deshalb aufgegeben, weil ich mich der latenten bis aggressiven Homophobie und den heterosexistischen Strukturen in der Arbeitswelt nicht mehr aussetzen wollte. Ein paar Jahre und Erkenntnisse später wagte ich aus verschiedenen Gründen einen neuen Versuch. Und schon die ersten Wochen wühlten in der Gefühlswelt meiner inneren 16-Jährigen, die weiß, dass sie keine Hete ist und weit und breit keine Gleichgesinnten zur Seite hat. Das hat mich zugegebenermaßen überrascht, bin ich doch mittlerweile doppelt so alt und mindestens so reich an Le(s)benserfahrung. Ich kam von Arbeit nach Hause und weinte, badete mich im Selbsthass meiner Jugend und fragte mich: WHY IS THIS MY LIFE? Bin ich tatsächlich die einzige in einem Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeiter_innen? Gibt es einen geheimen Lesbenzirkel und wenn ja, wann finden die Meetings statt?

3.500 Arbeitsstunden später habe ich noch immer keine Lesbe gefunden und mittlerweile akzeptiert, dass ich 40h pro Woche von Menschen umgeben bin, deren Wahrnehmung, Interpretation und Erfahrung mit und in der Welt um sie herum sich wesentlich von meiner unterscheidet. Flexible Arbeitsmodelle und Präsenzzeiten gibt es nur für Heten und nur dann, wenn frau neben der Lohn- auch noch Sorgearbeit für andere tun muss, nicht aber zur Schaffung einer Möglichkeit ohne Diäten-Talk, Boyfriends/Ehemänner, „Frauen sind so…und Männer besser“ und Spitzen gegen Kolleginnen seine_ihre Arbeit tun zu können. Meistens sind Orte, an denen sich Heten ungestört ausbreiten können, nicht besonders feministische, so dass ich auch darüber wenig Verbindungspunkte zu anderen finde. Mein Interventions- und Widerstandsradius, den ich aus meinen politischen Kontexten gewohnt bin, minimiert sich in der Arbeitswelt häufig auf das Ausleveln meiner eigenen kognitiven Dissonanz: An einem Ort nicht wirklich anwesend sein zu können bei gleichzeitigem Druck sich der normalisierten Gedankens- und Verhaltenswelt der dominanten Mehrheit anzupassen, hat enorme Konsequenzen für den eigenen Energie- und Emotionshaushalt.

Deshalb meine Forderungen für den 1. Mai für lesbische Arbeitnehmer_innen:

  • Arbeitszeitverkürzung auf maximal 30h/Woche bei vollem Lohnausgleich
  • Sonderurlaub von bis zu zehn Arbeitstagen
  • Lesbenquoten in allen Hierarchiebenen und Verantwortungsbereichen
  • Steuer- und abzugsfreie Prämien in Höhe von zwei Monatsgehältern
  • Lesbenfreundliche Arbeitsplatzgestaltung in Form hetenfreier Büros oder Homo…ääh… Homeoffice
  • Lohnfortzahlung im heterosexistischen Krankheitsfall für 12 Wochen

Choose your Arbeitsplatz.

Tag der Care Arbeit (Melanie)

Während ich mir eigentlich mein cooles Online Business aufbauen will, damit ich das mit dieser Vereinbarkeit von Lohn- und Carearbeit hinkriege ist eines meiner beiden Kleinkinder krank geworden. Nichts Wildes, eine Bindehautentzündung, höchstens lästig für alle Beteiligten. Aber eben auch ansteckend und somit fällt Kindergarten die komplette Woche aus. Der dazugehörige Kindsvater ist auf Dienstreise, denn er macht anständige Lohnarbeit. Er wird gebraucht beim Kunden. Ich werde…naja, auch gebraucht. Aber nicht bezahlt. Und während heute Angestellte und Arbeiter_innen – die immer seltener vollzeit- und unbefristet lohnarbeiten können – protestieren, wischen andere weiter (unbezahlt) Popos sauber. Denn bei denen ist jeder Tag Tag der Care Arbeit.

Karneval der Privilegierten (Nadia)

Ich arbeite seit ich 18 bin, habe während meiner Ausbildung jeden möglichen (Callcenter) und unmöglichen Job (Flötenlehrerin) gemacht und damit mein Studium komplett selbst finanziert. Produktionshelferin, Kasse am Supermarkt, Kellnern, Hilfskraft an der Uni, Interviewerin, Aushilfsredakteurin bei einem Stadtmagazin: Manchmal machte ich neben Seminaren und Vorlesungen drei Jobs gleichzeitig und wachte morgens mit einem nervösen Zwinkern am rechten Auge auf – weil ich erstmal sortieren musste wo es als nächstes hingeht. Dementsprechend schmerzbefreit fing ich nach der Uni meinen ersten „richtigen“ Job an, das war vor ziemlich genau zehn Jahren. Eine Kultur, die ich persönlich auf Jammern und Sesselpupserei basierend identifizierte, umarmte mich, und das war nach Jahren des harten Malochens ein ziemlicher Schock für mich. An manchen Tagen gefühlt nur für die reine Anwesenheit (zwar nicht hammergut, aber solide) bezahlt zu werden, war undenkbar. Das führte dazu, dass ich mir selbst jeden Tag ohne Ende Arbeit suchte und so in die immerwährende „Arbeit geht dahin wo sie gemacht wird“-Falle tappte – das passiert mir auch heute noch ganz gerne. Das Entitlement, fürs Rumsitzen und Mist labern Geld einzustreichen, das muss man sich erstmal hart angewöhnen, vor allem als Frau, vor allem als Kanakin – ich arbeite noch dran und schaffe es wahrscheinlich niemals.

Befördert wurde ich auch irgendwann – natürlich zu Migrationsthemen (harhar)! Einmal war ich als bundesweit verantwortliche Fachbereichskoordinatorin für einen Träger tätig und staunte nicht schlecht als ich feststellte, dass ich in der Führungsriege auf einmal hauptsächlich mit weißen Cis-Männern zu tun hatte – die arbeiteten sonst im Unternehmen nämlich (zumindest an der Basis) nur zu etwa 25 Prozent. Weiß sein, Cis-Mann und ohne Behinderung sein: In jedem Führungstreffen wurde es mir vor den Latz geknallt, Männern im Anzug unterstellte man immer sofort Substanz und Kompetenz, während ich ganz oft die lustige Migrantin war (wobei ich sowieso nicht immer lustig und außerdem auch keine Migrantin war, da von nirgendwoher her-migriert). Nach zwei Jahren hatte ich dann aber zusätzlich auch begriffen, dass ich Scheiße lieher nach oben als nach unten werfe, und beschloss von sämtlichen Obermotzfritzangela-Jobs zukünftig die Finger zu lassen. Seitdem ist für mich Lohnarbeit primär Mittel zum Zweck. Im Moment aber habe ich das Glück einen richtig tollen Job machen zu können – ein wirkliches Privileg, das ich jeden Tag schätze.

Was immer gleich bleibt: All die (Alltags-)Rassismen, die an allen Arbeitsplätzen reproduziert wurden und werden, habe ich niemals mitgezählt – das wäre ein Fass ohne Boden. Lustigerweise ging mir meistens eher bei gefühlten Lappalien die Pumpe, zum Beispiel wenn bei irgendwelchen Meetings vor allem Herkunftsdeutsche über „Diversität“ und „Interkulturalität“ verhandelten – auch Schnaps im Kaffee hätte diese Hirnschmerzen niemals verbannen können. Amüsant war auch, als ich während meiner Freiberuflichkeit mal für eine Institution tätig war, deren Geschäftsfelder unter anderem Diversity und Geschlechtergerechtigkeit waren – und irgendwann rauskam dass der weiße, alte Cis-Kollege natürlich wesentlich mehr Tageshonorar kassierte als ich. Der schlimmste Lohnjob den ich gemacht habe war übrigens für ein feministisches Zentrum – die Erfahrung hat sich mir als sehr frustrierend im Hirn eingebrannt. Politische Überzeugungen im Rahmen von Lohnabhängigkeit und halbgarer Zusammenarbeitsharmonie mit weißen Frauen auszuhandeln war das Spaßbefreiteste was ich mir vorstellen konnte. Da gehe ich lieber weiter wie Kafka zur Versicherung ins Büro!

Supergirl statt Superproduktivität.

Mal liegen bleiben (Charlott)

Vor acht oder neun Jahren habe ich ein Uniseminar besucht, in dem es unter anderem um Arbeit ging. Bis dahin hatte ich mich schon häufiger mit Arbeiter_innenkämpfen auseinandergesetzt, aber nie intensiv darüber nachgedacht, was Arbeit eigentlich für mich bedeutet. Dann sollten wir zwei Seiten zu genau diesem Thema schreiben. Beim Schreiben dieses Texts hier habe ich das alte Uni-Dokument nochmals herausgekramt und war positiv überrascht über die vielen Facetten, die ich damals so aufmachte (Arbeit in- und außerhalb von „Wertschöpfungsketten“, Care-Arbeit, erzwungene Arbeit, Arbeit als Teil alltäglicher geflügelter Worte und Popkultur, Arbeit als zielgerichtete Tätigkeiten (oder auch nicht), Arbeit als identitätsstiftend und politischer Raum). Mein Fazit war (und ist es auch heute noch): Es ist kompliziert.

Schon allein, wenn ich mir meinen Alltag angucke, kommt da vieles zusammen: Lohnarbeit (die aber auch irgendwie fließende Grenzen hat, da sie das Schreiben meiner Doktorarbeit mitfasst), Arbeiten rund um dieses Blog (die im gesellschaftlichen Mainstream kaum als Arbeit wahrgenommen würden), Sorgearbeiten (wie im letzten Jahr als ich wochenlang täglich im Krankenhaus bei meiner Großmutter war). Seit über einem halben Jahrzehnt bin ich Frauenbeauftragte in einem Institut und versuche meinen Lohnarbeitsraum etwas gerechter zu gestalten – das ist häufig vor allem eins: frustrierend und/ oder kräfteaufreibend. Was ist eigentlich mit der ganzen emotionalen Arbeit von all denen, die gegen die Normen von bestimmten Räumen ankämpfen – oder wie Sara Ahmed feststellt, allein durch ihre Anwesenheit in Frage stellen?

Heute freue ich mich, dass ich schon einmal irgendwas geschrieben habe, was ich jetzt paraphrasieren kann. Weniger Arbeit! Die ewigen Produktivitätsanrufungen – die sich von Lohnarbeit, Care-Arbeit zur Freizeitgestaltung ausbreiten – nerven nämlich gewaltig. Damit meine ich nicht nur Produktivitätsanrufungen von außen, sondern auch die tief internalisierten. Ich habe in den letzten Jahren eher schmerzhaft gelernt, mich ab und an von hehren Produktivitätszielen zu distanzieren. An manchen Tagen verbuche ich – als chronisch Kranke – es als Erfolg, wenn ich gut aus dem Bett komme.


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Stockfotografie mal anders, Preis für couragierte Lesben und kritische Bildungsarbeit – kurz verlinkt

29. März 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 344 von 351 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

quix, das Kollektiv für kritische Bildungsarbeit, hat eine Broschüre zu den Themen Gender_Sexualitäten_Begehren in der Bildungsarbeit herausgegeben. Diese Themen werden in der Broschüre mit einer queer_feministischen, rassismuskritischen und intersektionalen Perspektive niederschwellig beleuchtet – dabei steht vor allem die Bildungsarbeit im entwicklungspolitischen Kontext (insbesondere von internationalen Freiwilligendiensten) im Mittelpunk.

Mit Stolz verkündet die LAG Lesben in NRW den Namen für den neuen Lesbenpreis der Öffentlichkeit: „CouLe – Preis für couragierte Lesben“. Die erste Preisträgerin ist María do Mar Castro Varela.

Anastasie Umrik schreibt sehr eindrücklich über ihre Erfahrungen mit Muskelschwund: „Der Schwund der Muskeln ist so, als hätte gerade ein Baum eins seiner vielen Blätter verloren (…). Erst im Herbst, wenn alle Blätter gefallen und endgültig ihre Farbe verloren haben, sich der Winter somit ankündigt, ja, dann beginnen alle um die grünen Blätter zu trauern. So ähnlich es es auch mit den Muskeln, die nicht mehr gehorchen wollen.“

Die neue Bildpunkt, Magazin der österreichischen IG BILDENDE KUNST, ist da: „Arbeitstitel Antifa„. Stefanie Mayer, Edma Ajanovic und Birgit Sauer schreiben in diesem beispielsweise darüber „Warum rechte Politik hierarchische Geschlechterverhältnisse braucht„.

Ein Buchprojekt sucht nach Beiträgen. Es soll um „Care revolution“ zwischen Anspruch und Wirklichkeit in linken/alternativen Zusammenhängen gehen. Gesucht werden Artikel, Zeichnungen und Comics. Den ganzen Aufruf gibt es auf der Facebookseite des Projekts.

Geld, welches ihr über Patreon an Ismail Küpeli spendet, geht an kritische Journalist_innen in der Türkei (z.B. zur finanzielle Unterstützung bei Gerichtsprozessen).

Die Schwule Seite schließt nach 17 Jahren – denn die Herausforderungen haben sich geändert. Zum Abschluss heißt es: „Wir brauchen also neue Bündnisse, in denen sich diejenigen zusammenfinden, die an einer emanzipatorischen und toleranten Entwicklung der Gesellschaft interessiert sind, die gleichermaßen gegen rassistische und antisemitische sowie gegen zweigeschlechtlich-sexistische Diskriminierung und Gewalt streiten. Ohne diese Verknüpfung emanzipatorischer Kämpfe entsteht viel Mist. Es wird für die folgenden emanzipatorischen Kämpfe darum gehen, dass sie feministisch, queer, of Color sind. Koalitionen sind nötig und werden uns gemeinsam weiterbringen.“ Im Beitrag gibt es auch noch einmal eine Linksammlung mit interessanten Analaysen und Berichten der letzten Jahre.

englischsprachige Links

Bist du auch oftmals genervt von der Bebilderung von Beiträgen? Die immer gleichen weißen, schlanken Menschen? Diverse Stock Photos baut gerade ein Archiv auf mit Fotos, die unterschiedliche Menschen in alltäglichen Situationen zeigt.

Die ägyptische Feministin Mozn Hassan und ihre Organisation Nazra for Feminist Studies haben den Alternativen Nobelpreis erhalten. Die Preisübergabe musste in Ägypten in privater Zeremonie stattfinden, da Hassan die Ausreise verboten wurde.

Queere Kurzgeschichten für Sammelband „Queerly Loving Anthology“ gesucht. Die Deadline ist der 31. Mai.

Termine in Dortmund, Freiburg, Halle, Hannover, Kiel, Magdeburg, Marburg und Wiesbaden

29. März in Marburg: Lesung: „Feministische Psychatriekritik“ von Peet Thesing (fb-Link)

31. März in Hannover: Ab 15.30 startet der Workshop „„Du siehst müde aus …“ über Mutterschaft und Sorgearbeit in Zeiten sozialer Verunsicherung„. (FB-Link)

4.-9. April in Dortmund: Erneut findet das Internationale FrauenFilmfestival statt.

5. April in Magdeburg: Margarete Stokowski liest aus ihrem Buch „Untenrum frei“ und diskutiert anschließend. (FB-Link)

6. April in Halle: Margarete Stokowski liest aus ihrem Buch „Untenrum frei“ und diskutiert anschließend. (FB-Link)

8. April in Freiburg: Vortrag & Workshop „(Mein) Fett ist politisch“ von 11:30 bis 13h und von 14 bis 18h für interessierte Frauen_, Lesben_, Trans_ und Inter_ Im fz* feministisches zentrum freiburg (barrierefrei), Faulerstr. 20. Anmeldung zum Workshop unter: jubilaeum@tritta-freiburg.de.

27.- 30. April in Wiesbaden: Symposium mit dem Titel: Feministisch wider Willen – Filmemacherinnen aus Mittel- und Osteuropa. (fb-Link)

5.-7. Mai in Halle: Konferenz junger politischer Frauen mit Workshops und Diskussionen.

2. – 5. Juni in Kiel: Lesbenfrühlingstreffen 2017.

9. – 11. Juni in Kiel: Save the Date! LaDIYfest Kiel.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Suruç, heteronormative Asylpolitk und Zwangsregistrierung für Sexarbeit_innen – kurz verlinkt

22. Juli 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 289 von 351 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die ZEIT veröffentlichte den Schlussvortrag der Rechtsanwälte Ernst Freiherr von Münchhausen, Onur Özata und Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler im Strafverfahren gegen Oskar Groening am 14. Juli 2015.

„Auf dem Weg in eine gerechtere Gesellschaft kann wohl kaum mehr falsch gemacht werden als damit, Väter in ihrer bisherigen Interpretation ihrer Vaterrolle zu bestärken.“ – Jochen König kritisiert den Familienbericht 2015 für den Berliner Senat.

Im August findet in Helmarshausen das Bundestreffen der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland statt. Dafür kann auch noch gespendet werden, um Menschen, die wenig Geld haben, die Teilnahme zu ermöglichen.

Seit Montag gibt es eine Online-Meldestelle (deutsch- und englischsprachig) für antisemitische Äußerungen_Angriffe in Berlin. Das Projekt, das unter anderem von der Amadeu-Antonio-Stiftung gefördert wird, hat auch zum Ziel, auf Antisemitismus im Alltag aufmerksam zu machen.

„Aggressive für Deutschland“ – das LOTTA-Magazin analysiert den Machtwechsel innerhalb der „Alternative für Deutschland“ (AfD).

„Frauen, die lange Haare haben und „weiblich“ wirken, wird ihr Lesbischsein häufig nicht geglaubt; genausowenig Frauen, die Kinder haben.“  – in einem Interview mit dem Tagesspiegel berichtet LesMigras-Mitarbeiterin Saideh Saadat-Lendle über die Situation lesbischer und schwuler Geflüchteter in Deutschland.

„Die Zwangsregistrierung für Prostituierte gab es zuletzt 1939.“: Bereits im Juni hat die Jungle World ein Interview mit Juanita Henning, Vorsitzende der Organisation Doña Carmen, zum geplanten und perfide betitelten Prostitutiertenschutzgesetz geführt.

Dr. Jamie Pax Abad hat einen Erfahrungsbericht und weitere Informationen zur Vornamensänderung in ausschließlich geschlechtsneutrale Vornamen nach dem Namensänderungsgesetz für Personen, die sich ausserhalb der binären Geschlechterkategorien identifizieren, zusammengestellt (PDF).

Noah Sows „Deutschland Schwarz Weiss“ ist seit gestern auch in neuester, überarbeiteter Version als E-Book erhältlich.

Englischsprachige Beiträge

Bei einem Bombenanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruç wurden am Montag mindestens 32 Aktivist_innen, die einen Hilfseinsatz in Kobane (Syrien) geplant hatten, getötet und über 100 Menschen verletzt. Die New York Times, Neues Deutschland und Publikative.Org berichten über die Geschehnisse und Hintergründe. Trauer- und Protestdemonstrationen wurden derweil in der Türkei massiv von der Polizei angegriffen.

Über die spezifische Rolle weißer Frauen bei der Aufrechterhaltung von Rassismus schreibt der Atlanta Black Star.

„Vier Dinge, die du deinen Kindern genau jetzt zu Rassismus beibringen solltest“: Black Girl Dangerous listet sie auf.

BBC News berichtet über die britische Politikerin Liz Kendall, die sich gegen das Boulevard-Blatt Mail on Sunday wehrt, das sie nach ihrem Gewicht fragte: „Can you imagine the Mail on Sunday asking the weight of the prime minister, George Osborne or any other leading politician?“

Termin in Göttingen

31.07. in Göttingen: SchwarzRund liest im Kabale: Quasi, Schwarzer Frost und Poesie (Facebook-Link).


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Raben-Mütter e.V. sucht Unterstützung

27. März 2015 von Gastautor_in

Who`s that Grrrl: Anne Bonnie Schindler findet es komisch, wenn Frauen sich hauptsächlich über ihre Mutterrolle identifizieren –  obwohl ihre eigene enorm prägend für ihre Sicht der Dinge wurde.
Später in Berlin als Türsteherin tätig, gründete sie im Jahr 2011 den alternativen Sexladen „Other Nature“. Die Gründung eines Vereins für Mütter, die ohne ihre Kinder leben, ist der Tatsache geschuldet, dass sie selbst vor 11 Jahren ihre beiden Kinder, damals gerade erst 5 und 2,5 Jahre alt, bei ihrem leiblichen Vater ließ. Auch wenn solch eine Entscheidung nicht spurlos an allen Beteiligten vorüber zieht, steht Anne Bonnie voll hinter diesem Schritt und möchte Frauen ermutigen, sich mit ihrer eigenen Mutterrolle auseinander zu setzten.

Mein Name ist Anne Bonnie, ich bin 34 Jahre alt und reif, mein Herzensprojekt in Angriff zu nehmen. Die Gründung eines Vereins, der sich einem tabuisiertem Thema widmet: Müttern, die gehen.

Wir leben in einer Zeit, in welcher das Mutterideal noch immer geprägt ist von bedingungsloser Hingabe, grenzenloser Liebe, der Aufopferung der Mutter und von dem Glauben an einen biologischen Determinismus, nur als Mutter ganz Frau zu sein.

Mütter, welche ihr Kind bei einer anderen Betreuungsperson lassen, werden von der Gesellschaft kritisch beäugt. Sofort reagieren auch andere Mütter mit einem Gefühl von Verlust oder Verrat am Kind: „Ich könnte das nicht“. Die Mehrheit der Menschen richtet den Blick nach dem Befinden des Kindes. Und dies in einem Ausmaß, welches bei Trennung vom Vater oder einer nicht biologischen Bezugsperson nicht im Ansatz vorhanden ist. Die Mutter ist das Maß aller Dinge. Die Mutterrolle seit vielen Generationen überidealisiert, wird Frau bei der Trennung von ihren Kinder regelrecht verteufelt.

Auch ich konnte, nachdem ich meine beiden Kinder nach der Trennung bei ihrem Vater aufwachsen ließ, viele Vorurteile kennenlernen: Vermutungen wie ich müsse wohl gewalttätig oder drogenabhängig sein, zumindest aber doch egoistisch oder gefühlskalt, sind nur einige Beispiele. Oder meine Mitmenschen verlieren sich in einem Übermaß an Mitleid mit meiner Situation. Ich werde plötzlich zum Opfer, oder zu einer Heldin, welche für das Kindeswohl ihre eigenen mütterlichen Bedürfnisse hinten anstellt. Natürlich leidend. Doch weder das eine noch das andere beschreibt meine Situation.

Sogenannten Rabenmüttern wird eine sachliche Diskussion verwehrt. Wenn tatsächlich eine Diskussion stattfindet, ist diese entweder gänzlich beschränkt auf die Belange der Kinder oder wird dominiert von Vorurteilen.

Dieser Beschränkung möchte ich entgegenwirken.

Schon seit langem geht der Trend von der biologischen Familie hin zur sozialen Familie. Es steht nicht mehr ausschließlich im Vordergrund, wer mit wem verwandt ist, sondern wer sich um wen in welchem Maße kümmert und Verantwortung übernimmt. Der Verein Raben-Mütter e.V. versteht sich als Ausdruck diesen Wandels.

Ich glaube, die biologische Mutter muss nicht zwangsläufig eine intensivere Bindung aufgrund der Geburt mit dem Kind erleben.

Raben-Mütter e.V. möchte Ansprechpartnerin sein und Hilfestellung leisten für den Abbau von Stigmata von sog. schlechten Müttern. Über die Mutterrolle und ihre Mythen aufklären. Einen gesellschaftlichen Diskurs ermöglichen.

Raben-Mütter e. V. versteht sich als feministisch und pro Queer Families, möchte nicht an alten Idealen festhalten, sondern Wege für alternative Familienmodelle aufzeigen. Im Streitfall genauso kompetent Hilfestellung geben, wie bei persönlichen, individuellen Problemen.

WICHTIG! An dieser Stelle sei erwähnt: Dass Mütter gehen, hat NICHTS mit Feminismus zu tun (diesem Vorurteil erliegt gerne eine konservative Strömung), sondern entsteht ganz individuell aus der Biographie der Frau, der Familie. Aber ohne eine feministische Deutung ließe sich das Phänomen, mit welchem Rabenmütter bedacht werden, nicht verstehen.

Während Vereine wie Väter e.V. gesellschaftlich eine wichtige Rolle spielen könnten, indem sie Väter in ihrer Rolle empowern, Rollenbilder hinterfragen, präsentieren sich diese Vereine häufig als konservativ und rückschrittig. Es geht um die Stärkung der Rechte der Väter gegen die angebliche Übermacht der Mutter, welche „willkürlich über das Kindeswohl entscheiden“ könne. Es geht um Rechtstreitereien, Gerichtsurteile und Macht. Weniger um einen Diskurs.

Raben-Mütter e.V. möchte es hingegen Müttern erleichtern, einen vorurteilsfreien Diskurs über ihre Rolle als Mutter zu führen, auch in Trennungsphasen.

Denn der Bruch einer Familie ist ein großer Einschnitt im Leben aller Beteiligter. Ein Ziel ist es, aufzuklären, dass es einen Unterschied zwischen der Trennung von Kindern und der Trennung der Bindung zu den Kindern gibt.

Bei Müttern wird dieser Unterschied meist nicht berücksichtigt. Die Trennung der Familie wird als Trennung der Bindung zu den Kindern interpretiert. Die Stärkung der sog. Rabenmutter geht somit einher mit der Stärkung des anderen Elternteils oder einer anderen Betreuungsperson.

Ich möchte aufzeigen, dass es Hilfestellen fern ab von Rechtsanwält_innen gibt. Dass es für die erwachsenen Personen Ziel sein muss, in einer so verletzlichen Zeit nicht mit weiteren Verletzungen zu agieren und das gegenseitige Vertrauen und auch das Kindeswohl im Auge zu behalten. Sich fern ab von der „Pflicht erfüllenden Mutterrolle“ fragen: Wer kann sich wo am Besten für das Kind einsetzen? Nur wenn Mütter gesellschaftlich nicht mehr als schlechte Mütter geächtet werden, können sie sich einer selbstbestimmteren Sicht öffnen.

Willkommen sind Frauen, welche ihre Mutterrolle verstehen möchten. Müttern, die gehen.
Egal, was deine Beweggründe sind. Auch wenn einer der Beweggründe, ein Kind nicht aufzuziehen, in vorurteilsbeladenen Situationen wie z.B. Drogenproblemen liegt, möchten wir Unterstützung bieten.
Adoption, oder Trennung. Karriere, weniger vorhandene Muttergefühle, finanzielle Probleme, Gefängnisaufenthalt, oder Drogenproblemen. Psychisch oder physische Erkrankung. Mit oder ohne Drama. Wir möchten allen Frauen vorurteilsfrei entgegen treten. Und natürlich allen anderen, die sich angesprochen fühlen.

Raben-Mütter e.V. möchte:

  • Ansprechpartnerin sein
  • Familienstrukturen im Wandel verstehen
  • Abbau vom Über-Ideal „Mutter“
  • Abbau von Stigmata von sog. Rabenmüttern
  • an einem gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen zum Thema alternative Familienmodelle
  • individuellen Rat geben für Raben-Mütter
  • Trennungsprozesse für Familien erleichtern

anhand von:

  • regelmäßigen Posts
  • Literaturhinweisen
  • Hinweise auf Veranstaltungen, politischen Aktionen
  • Vernetzung mit anderen
  • Sammlung von Rechtsurteilen
  • Beratung durch Mediator_innen
  • Austausch via Blog- Arbeit
  • Anlaufstelle für private Gespräche
  • regelmäßige Mitgliedertreffen für Evaluationen (zunächst nur innerhalb Berlins)
  • Workshops (zunächst nur innerhalb Berlins)

Hierfür suche ich:

  • Menschen, die meine Umfrage ausfüllen und weiterleiten
  • Vereinsmitglieder
  • Menschen, die mir Ratschläge zum Thema Vereinsgründung geben
  • Informationen zu Fördergeldern
  • ehrenamtliche Mediator_innen für Rechtsfragen

Mehr Infos auch unter: www.raben-muetter.de und info(at)raben-muetter.de.


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Handeln gegen Antisemitismus, armutsgefährdete Frauen, Diskriminierung im Musikbiz – kurz verlinkt

5. März 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 6 von 351 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat ein aktuelles Lagebild zu Antisemitismus in Deutschland veröffentlicht. Eine Zusammenfassung sowie das ausführliche Lagebild mit Handlungsvorschlägen findet ihr hier.

Maiki* hat eine Liste mit den Female MCs, die sich bei der III: RAPutation beworben haben, angelegt.

„Vor 130 Jahren ging die Berliner „Kongo-Konferenz“ zu Ende. Sie war der Auftakt für die koloniale Eroberung Afrikas. Die damals willkürlich auf dem Reißbrett gezogenen Grenzen prägen den Kontinent bis heute„, schreibt die deutsche Welle (DW).

Jede elfte Frau gilt als armutsgefährdet. Dies sei der Fall, da der Anteil von Teilzeitarbeit stark ansteigt (unter anderem aufgrund der andauernden Verantwortung für care-Arbeit) und selbst Frauen mit Vollzeit-Jobs nicht genügend verdienen – so die Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Kleine Anfrage.

Englischsprachige Links

Vergangene Woche verstarb Leonard Nimoy. The Militant Baker erinnert (auch) an seinen weniger bekannten body acceptance-Aktivismus durch Fotografie.

Elon James White von This Week in Blackness fasst in einem Storify noch einmal Grundlegendes zu den schon lange andauernden Debatten um „Toxic Twitter“ zusammen.

Bekannte Musikproduzentinnen sind aus Gründen eher rar –  wodurch sich das ändern könnte, dazu geben 13 profilierte Produzentinnen ihre Antworten bei The Fader (leider eingeleitet mit einer überflüssigen „Genitalien“-Bemerkung).

Bei Frauen werden Herzinfarkte seltener erkannt und oft nicht direkt richtig behandelt, erläutert ein Artikel auf npr.

Besonders wichtig angesichts des bevorstehenden Frauenkampftages: ein neuer Cartoon von Trouble X:

 Termine in Berlin und Leipzig

Am 11. März in Berlin, 17 Uhr, Lesbenberatung (Kulmer Str. 20a), findet die Veranstaltung „Release: Das ‚Safer Sex Handbuch stellt sich vor“ statt. Der Eintritt ist frei und „open for alle genders“.

Am 19. März in Berlin, 18 Uhr, beim Interkulturellen Frauenzentrum S.U.S.I, findet die Auftaktveranstaltung der neuen Workshop-Reihe „Widerstandsbewegungen von Geflüchteten Frauen* in Berlin und Deutschland: Information – Austausch – Vernetzung – Empowerment“ statt. Die Workshop-Reihe wird von Frauenkreise, S.U.S.I., dem Migrationsrat Berlin-Brandenburg und Krik TV organisiert und umfasst mehrere Veranstaltungen bis Juni. Weitere Infos zu dieser und den kommenden Veranstaltungen findet ihr hier (PDF).

Vom 7. bis 10. April findet in Grillensee (in der Nähe von Leipzig) ein Seminar statt, bei dem sowohl von Referent_innen als auch in Workshops die „Schnittfläche von Sexarbeit und Feminismus“ kennengelernt, diskutiert und weiterentwickelt werden soll.


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Dickes_Fettes Empowerment, Nice-Guy-Seximus und Asylpolitik – kurz verlinkt

14. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 268 von 351 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Magda spricht im Interview mit Raum für Notizen (ALEX Berlin) über Dickenfeindlichkeit, Queer_Feminismus und das Musikmachen.

Wenn rechtspopulistische Kreise gewinnen: Zu den Debatten um Sexualpädagogik und Antidiskriminierung“ schreibt Heinz-Jürgen Voß auf Das Ende des Sex.

kritisch-lesen.de hat ein Interview mit der Wissenschaftlerin und Aktivistin Silvia Federici übersetzt und veröffentlicht. Es geht um Care-Arbeit und ihren Stellenwert in emanzipatorischen Debatten.

Und noch ein tolles Interview: Christine Stonat von Weird hat mit Künstler_in Yori Gagarim über seine_ihre Arbeit gesprochen.

Interview Nr. 4 in der heutigen Linksammlung: ein kurzes Gespräch mit Undine de Rivière, Pressesprecherin des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen, hat Anne Hünninghaus für pressesprecher.com geführt.

Fußballschiedsrichterin Bibiana Steinhaus ist vergangene Woche zur Weltschiedsrichterin gewählt worden, berichtet die HAZ. Herzlichen Glückwunsch!

Das Migazin erläutert, welchen Einfluss die angestrebten Staatsverträge mit muslimischen Religionsgesmeinschaften in Berlin und Niedersachsen auf das Kopftuchverbot für Lehrerinnen haben könnten.

Der rbb berichtet: Hunderte Geflüchtete protestierten jahrelang in Berlin gegen die deutsche Asylpolitik – auf dem Oranienplatz und in einer besetzten Schule. Im vergangenen Jahr sagte der Senat ihnen eine umfassende Prüfung ihrer Einzelfälle zu. Das vorläufige Ergebnis: Nur drei der Geflüchteten erhalten Bleiberecht. (Siehe dazu auch unser Dossier Asyl, Flucht und Protest.)

„Charlie Sein oder Nichtsein?“ – die Süddeutsche Zeitung trägt Stimmen zusammen.

Englischsprachige Links

Ein sehr beeindruckender Poetry Slam von drei Teenagern, die in 3,5 Minuten (fast) alle Themen auf den Tisch packen: Armut, Rassismus, Ausbeutung, Homofeindlichkeit und (sexualisierte) Gewalt.

Vom 15. bis 21. Juni findet das ShanghaiPRIDE Film Festival statt. Beiträge können eingereicht werden!

Michael Tedder schreibt bei Pitchfork über „Nice Guy“-Sexismus im (Alternative/Indie)Rock – propagiert auch von dem extrem erfolgreichen Popmusiker Ed Sheeran.

Unterschiede in medialen Berichterstattungen zu den Anschlägen in Paris und den Anschlägen in Nigeria kommentiert Matt Schiavenza bei The Atlantic.

Termine in Berlin und Frankfurt am Main

15.01. in Berlin: „„…dass Frauen da nicht viel zu sagen haben und eigentlich an den Kochtopf gehören.“ – Geschlechterstereotype im Blick auf das Netzwerk des NSU“: NSU-Watch lädt ein zu einer Diskussionsveranstaltung im Projektraum/Hermannstr. 48 (Facebook-Link).

17.01. in Berlin: „Oury Jalloh – Oranienplatz – Ohlauer Strasse. The Impact of European Refugee Policy in Europe„. Anlässlich des zehnjährigen Jahrestages des Todes von Oury Jalloh findet eine szenische Lesung von The Most Unsatisfied Town von Amy Evans und eine Podiumsdiskussion statt.

22.01. in Berlin: Lesung der senegalesischen Schriftstellerin Ken Bugul. (FB-Link)

30.01. in Frankfurt: Storytelling Salon – Vier Geschichten über „Bewegung“: Eine Auftaktveranstaltung zum dritten Black History Month in Frankfurt.


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Das Jahr 2014 – Ein Feministisches Lexikon

19. Dezember 2014 von Charlott

Welche Themen standen auf unserer feministischen Agenda 2014? Welche Ereignisse haben das Jahr geprägt? Welche Personen und ihren Aktivismus haben wir bewundert? Zum Abschluss des Jahres gibt es dieses Mal ein Lexikon. Zu jedem Buchstaben könnte es natürlich noch zig weitere Einträge geben – ergänzt doch eure in den Kommentaren!

A wie Aktivismus, Ausschlüsse und Ablasshandel
Ein Thema, welches sich eigentlich durch jedes Jahr zieht/ ziehen sollte: Wie wollen wir unseren Aktivismus gestalten? Wie können dabei unterschiedliche Positionen bedacht und genutzt werden? Welche Taktiken und Praxen haben sich bewährt? Nadine machte sich darum einmal Gedanken darüber, wer wann auf Podien sitzt, wo Absagen vielleicht Sinn machen und wo nicht (und was das mit unterschiedlichen sozialen Positionierungen zu tun hat) und über Geldspenden als Art der ökonomischen Umverteilung.

B wie #BlackLivesMatter und #BringBackOurGirls
Am 09. August dieses Jahres wurde der Schwarze Jugendliche Michael Brown von dem weißen Polizisten Darren Wilson in Ferguson, Missouri, erschossen. Gegen den Polizisten wurde nicht mal ein Verfahren eingeleitet. Es handelt sich dabei natürlich nicht um einen Einzelfall, sondern es ist ein Beispiel für die anhaltende rassistische Polizeigewalt – die keinerlei Konsequenzen hat. In ihrem Text „Wenn Schwarzer Menschen nicht lächeln…“ verlinkt Sharon eine ganze Reihe von weiteren Beispiel aus den USA und Deutschland. Von Ferguson ausgehend und durch weitere publik werdende Taten (die ebenfalls kaum Konsequenzen nach sich zogen) entwickelte sich in diesem Jahr eine Protestbewegung, die im Internet unter anderem unter dem Hashtag #BlackLivesMatter und auf den Straßen vieler Städte anzufinden war. In Berlin versammelten sich am 29. November Aktivist_innen am Brandenburger Tor, um den Opfern zu Gedenken und darauf zu verweisen, dass es stimmt: #FergusonIsEverywhere, Ferguson (d.h. rassistische Strukturen, die Gewalt legitimieren) sind kein rein us-amerikanisches Phänomen. So wird sich am 07. Januar zum bereits zehnten Mal der Tod von Oury Jalloh jähren. Derzeitig sammelt die Initiative im Gedenken an Oury Jalloh Geld um ein weiteres Gutachten zur Brand- und Todesursache anfertigen zu können.

Außerdem sollten nicht die 200 Mädchen, die am 14. April in Nigeria entführt wurden, vergessen werden.

C wie Chancengleichheit
Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit, Teilhabe, Akzeptanz, > Toleranz, Inklusion – ein Wörtersalat, der häufig eher das „gut gemeint“ als das „gut gemacht“ abdeckt, wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderung geht. Hannah hat sich im November die Anhörung des Ausschusses “Arbeit und Soziales” zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen angehört und aufgezeigt, welche Diskussionen rund um das Bundesteilhabegesetz (nicht) geführt werden. Außerdem erklärte sie in einem weiteren Text, was der Begriff Inklusion eigentlich umfassen sollte und wie er häufig stattdessen ausgehöhlt wird.

D wie Diskurspolizei
Sprachdebatten zwischen „Darf man denn hier gar nichts mehr sagen!“ und „Diese Gender-Leute drängen ja immer einen Sprachgebrauch auf!“ begleiteten auch das Jahr 2014. Am prominentesten ist sicher die medial breit geführte „Debatte“ um Lann Hornscheidts Sprachinterventionen. Auf einen öffentlichen Brief von WissenschaftlerInnen antwortete hier Jayrôme mit „Es ist Zeit, Realität als real zu betrachten„. Im Juli hatte außerdem accalmie die Verwendung diskriminierender Begriffe, die Verteidung dieser Praxis und das Umwerten als die echte Diskriminierung (TM) von Begriffen, die sonst unmarkierte Normen benennen, seziert.

E wie Elliot Rodger
Am 23. Mai tötete Elliot Rodger in Isla Vita, Kalifornien, sechs Menschen. Zuvor hatte er in Videos und einer über hundert Seiten langen „Autobiographie“ seine Misogynie verbreitet. In vielen deutschsprachigen Medien wurde die Tat dekontextualisiert und individualisiert. Ich schrieb über die Hintergründe der Tat, wie sie vielleicht verhindert hätte werden können. (mehr …)


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Äußerungen zum Nahost-Konflikt ™ und Abschließendes zur Männer-Fußball-WM – Die Blogschau

19. Juli 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 256 von 295 der Serie Die Blogschau

Die Aktionstour mit Women in Exile & Friends ist gestartet. Updates zu dieser und alle Termine gibt es auf einem Blog.

Über den Nahost-Konflikt ™ haben ja alle etwas zu sagen. Nadia hat bei Shehadistan gleich mal handliche Tipps veröffentlicht, wie diese Meinungsäußerungen besonders gelingen.

Abschließendes zur Männer-Fußball-WM gibt es bei Metalust: „Wenn Fussballdeuter Mythen nähren …„.

Es gibt so viele Gründe zu ranten findet Welcome to the Shoebox Castle! : Breitmachmacker, Anspruchshaltungen an Feministinnen, Unterrepräsentation von Wissenschaftlerinnen, allgemeiner Backlash, aber auch im Speziel „Sprachkritik“ (also nicht jene von Feminist_innen, sondere solche gegen feministische Interventionen).

Different Needs hat ein Riot Grrrls ABC als Zine erstellt. Dieses kann jetzt erworben werden.

Auf umstandslos beschreibt Ina detailliert, wie lokale Netzwerktreffen für feministische Sorgetragende organisiert werden könnte: Was ist bei der Raumsuche zu beachten? Welche Termine passen? Wie erreicht eine_r die „richtigen“ Leute?

Ich habe für Femgeeks ein tolles Comic gelesen und kann dies nur weiterempfehlen. Im Mittelpunkt stehen fünf Freundinnen, ein Sommercamp und allerhand Abenteuer – klingt nach einer altbekannten Mischung, wird bei Lumberjanes aber großartig als Ausgangspunkt für spannende Erzählungen jenseits der Norm genutzt.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Lego-Wissenschaftlerinnen und Feminismusdebatten – die Blogschau

14. Juni 2014 von Nadia
Dieser Text ist Teil 252 von 295 der Serie Die Blogschau

Es wird bald ein Lego-Set mit Wissenschaftlerinnen geben. Charlott hat über die angekündigte Reihe geschrieben.

Helga hat nochmal Meredith Haafs Text über verfehlte Feminismusdebatten ergänzt.

Denkwerkstatt stellt eine Arbeit vor, die sich mit Care-Migrantinnen aus der Slowakei, die in Österreich in der 24-Stunden-Pflege tätig sind, beschäftigt.

Hannah hat anlässlich des internationalen Tags gegen Kinderarbeit einen ausführlichen Text zum Thema geschrieben.

Über das umstritttene Exoskelett bei der Fußball-WM erschien ein Artikel auf Leidmedien.

safeblogging hat 109 Bloggerinnen zu ihren Erfahrungen mit dem Schreiben im Netz befragt. Daraus hat sie eine Reihe von Tipps entwickelt, die beim Einstieg in Blogaktivitäten helfen könnten. Sie geht dabei auch auf die Anfeindungen und Angriffe im Netz ein, von denen die Befragten berichteten. Ein sehr lesenswerter Beitrag und in einigen Punkten aber auch durchaus diskussionswürdig (z.B. was die kritische Rahmung betrifft).

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Visionen und eine Care Revolution – Kurz verlinkt

19. März 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 234 von 351 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Anlässlich des Welttags gegen Rassismus am 21. März hat LesMigraS/ Lesbenberatung Berlin ein Video zu „Visionen – Verantwortung – Communities“ veröffentlicht:

Visionen – Verantwortung – Communities from lesmigras on Vimeo.

„Das österreichische Normungsinstitut schlägt in einem aktuellen Entwurf zur ÖNORM A 1080 vor, auf weibliche Formen zu verzichten und stattdessen mittels Generalklauseln klarzustellen, dass Frauen in der männlichen Form mitgemeint seien.“ berichtet Juristinnen.at.

Der Spiegel schreibt über Proteste stillender Frauen in Großbritannien. Diese öffentliche Raumeinnahme war die Reaktion darauf, dass eine Frau beim Stillen fotografiert worden war und dieses Foto mit der Bezeichnung „Tramp“ veröffentlicht wurde.

Lebenserwartung von wohnungslosen Männern in Frankreich beträgt durchschnittlich 56 Jahre, die von Frauen gar nur 41 Jahre. Das Kollektiv »Les Morts de la Rue« dokumentiert die Todesfälle, erinnert den Toten und klärt auf. neues deutschland schreibt über deren Arbeit und die Situation in Frankreich.

I do care (I love it) – ein Lied von Bernadette Hengst zur Care-Revolution (einer Konferenz zu Care Arbeit, die vergangenes Wochenende stattgefunden hat).

englischsprachige Links

„We need to start by asking some basic questions: Whose Islam? Whose feminism? Who is speaking for Islam? Who is speaking for feminism? These questions remain unaddressed in most debates, whether in academia, media, or activist forums.“ – Die Fragen angehen möchte jetzt das Projekt Islam & Feminism.

Feministing interviewt MC Ana Tijoux. Es geht (natürlich) um das Musikmachen, indigene Einflüsse, Migration, Feminismus und ihre Kollaboration mit der palestinänsischen Rapperin Shadia Mansour.

„Laverne Cox ist die Frau, auf die wir gewartet haben“ titelt Buzzfeed und liefert einen ausführlichen Artikel.

Auf Autostraddle schreibt Carrie über Behinderungen, Schmerz und Sex: „So often we’re told that the “right” partner will “look past” our disability or “love us anyway,” like they’re on some sort of humanitarian mission. In that moment, I realized what complete and utter bullshit that idea is. The problem is not our bodies — it’s the misguided assumptions people project onto them.“

Termine in Berlin:

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