Einträge mit dem Tag ‘Bushido’


Burda und Bushido – Der Preis ist Scheiß

8. November 2011 von Nadia

Diesen Integrationspreis des Burda-Verlags halte ich persönlich ja für ein perfides Beispiel aus der Reihe “Weil das so trendy ist mit der Konstruktion des Fremden und damit das aber nicht so doof aussieht verpacken wir das halt ganz bunt und positiv, und dann finden das alle spitze!”. Und weil zur Gewinnoption anscheinend nur die “Sollte schwarze Haare haben!” und “Sollte prominent sein!”-Maxime gehörten, hatte man natürlich ganz schnell einen Gewinner auserkoren: Bushido.

Begründung: Der Rapper sei unter sehr schweren Bedingungen aufgewachsen und habe es dennoch bis nach oben geschafft (vom Bordstein zur Skyline, ist klar). Außerdem sei er “heute Gesprächspartner und Ratgeber für Politiker” und sowas wie ein Sprachrohr für Deutsche mit Migrationshintergrund (ächz).

Selbstredend kann mensch sich über diese Entscheidung beschweren - so wie ich es hier tue. Und noch mehr Nachdruck gibt es vielleicht mit einer Beschwerdemail an press@bambi-awards.com. Eine der ersten, die eine solche Mail verschickt hat, ist Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle von Terre des Femmes e.V. [Anm.: Link zur Facebook-Seite von Terre des Femmes]. Unter anderem hält sie in Bezug auf Bushidos oft frauenverachtende Lyrics treffend fest:

“Ein Mensch, der ein solches Frauenbild vertritt, erfüllt nicht im Mindesten eine positive Vorbildfunktion in der Gesellschaft. Im Gegenteil finden wir es im höchsten Maße problematisch, dass Sie durch diese Preisverleihung solch frauenfeindliche Einstellungen auch noch unterstützen! Wir fordern Sie auf, Ihre Nominierung nochmal zu überdenken und Bushido den Preis nicht zu verleihen!”

Also, wer auch immer dem Burda-Verlag mitteilen möchte, was sie/er von der Gewinnerauswahl hält: Feel free!


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Alice Schwarzer vs. Bushido

10. Februar 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 24 von 42 der Serie Meine Meinung

… oder: wie man auf sexistische Bemerkungen meiner Meinung nach nicht reagieren sollte.
Bushido im Anzug In einem kürzlich veröffentlichten Interview über seinen neuen Film spricht Bushido darüber, warum er keine Lust hat, mit Alice Schwarzer in den Dialog zu treten. Er vermutet, dass Schwarzer gezielt seinen wunden Punkt treffen könnte, in dem sie ihn auf seine Mutter anspricht. In einem fiktiven Gespräch liefe dies Bushido nach so ab: Schwarzer würde ihn fragen “Hey, Bushido, wie waren denn die Titten damals von deiner Mutter, als du als kleiner Junge daran gesaugt hast?”, worauf Bushido antworten würde: “Ey, F***! Fick dich ins Knie!”

Auf diese offensichtlich sexistische Äußerung reagierte Alice Schwarzer dann mit einem öffentlichen Brief  ”Antwort an den deutschen Rapper Nr. 1!“, in dem sie betont, dass Sie Bushido eigentlich nicht den Gefallen tun möchte, ihm Aufmerksamtkeit zu bescheren. Mit ihrer öffentlichen Antwort hat sie aber genau das erreicht. Im Folgenden lest ihr einige Ausschnitte aus dem Brief, welche ich neben ihrer legitimen Kritik an Bushido sexistischen Aussprüchen problematisch finde. Nichts neues: Alice Schwarzer Kritik-Style eben.

Hey Bushido (…)

Du bist irgendwie zerrissen. Zwischen dieser deutschen, ergebenen Mutter und diesem tunesischen, abwesenden Vater. Der war schwach – aber stark genug, deine Mutter regelmäßig zu verprügeln.

Indem sie die geprügelte Mutter mit dem Zusatz “ergeben” versieht, konstruiert Schwarzer sie gekonnt einseitig als passives Opfer. Frauen, die bei ihren prügelnden Ehemännern bleiben, sind aber häufig nicht einfach nur demütig der Gewalt “ergeben”, sondern haben bei Androhung von Trennung mitunter Angst vor schlimmer Rache oder fühlen sich auf Grund von Kindern verpflichtet, beim Partner zu bleiben. So ist die Abwägung, vorerst den Partner nicht zu verlassen, nicht einfach so leichtfertig als passive Handlung zu interpretieren.

Indem Schwarzer die Herkunft der Eltern betont, schafft sie es auch implizit, Gewalt zu kulturalisieren. Gewagte Lesart? Dann bedenke folgendes: Würde Schwarzer beispielsweise folgenden Satz schreiben: “Zwischen dieser deutschen, ergebenen Mutter und diesem schweizerischen, abwesenden Vater.”? Ich glaube nicht.

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