Einträge mit dem Tag ‘Bravo’


Let’s dance, Ambivalenz! Feministisch Musikhören

16. September 2013 von Anna-Sarah

Als ich mit elf, zwölf Jahren endgültig aufhörte, die  BRAVO zu lesen,  hatte ich einen ziemlich gemischten Musikgeschmack entwickelt. Michael Jackson und Madonna hatte ich seit Jahren verehrt, nun gesellten sich Eurodance-Hits aus den Radiocharts dazu, während all das von Grunge, Crossover und Punkrock ergänzt und dann abgelöst wurde. So ungefähr mit 14 abonnierte ich das VISIONS Magazin und war einige Jahre lang ziemlich up to date in den Genres, die mich damals interessierten – zumindest in jenen Bereichen, über die dort geschrieben wurde.

Spätestens hier kommt die Ambivalenz ins Spiel. Man mag  grinsen über die Einserschülerin vom niedersächsischen Lande, die sich in ihrem aufgeräumten Kinderzimmer an Rage Against The Machine  erfreut.  Andererseits ist die Herablassung musikhörenden Mädchen gegenüber sexistisch und adultistisch. Faustregel der Popmusik: Musik, die Mädchen mögen = minderwertige Qualität. Alternativ: Die Musik ist gut, das kleine Mädchen hört sie aber verachtenswerterweise aus den falschen Gründen. Zu diesem Phänomen ist bereits einiges Kluges geschrieben worden, u.a. von der – hallo Ambivalenz – mit Recht umstrittenen Journalistin Julie Burchill. Es war eine der Ursachen, warum  ich einige Jahre später die VISIONS wieder abbestellte. Es nervt halt massiv, wenn man immer wieder merkt, dass man als sachkundige Konsumentin eines Produkts, für das man jeden Monat flammenden Herzens viel Geld ausgibt, weder mitgedacht noch wertgeschätzt wird. Über meine sekundenlange Verwirrung angesichts  von Bandporträt-Überschriften wie “Deine Freundin wird sie lieben!” musste ich selber lachen.

Auch bei mir war mein Musikgeschmack lange Zeit ein wichtiger Aspekt meiner Identität. Vieles von der Musik, die ich damals hörte, spiegelte – so fühlte es sich für mich an – die Frustration und Wut über den Gesamtzustand(tm) wider, die auch ich zu dieser Zeit empfand. Diese Musik war nicht sonderlich feministisch. Und doch war sie der Soundtrack zur Herausbildung meines widerständigen, feministischen Selbst. (mehr …)


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Bravo verherrlicht Vergewaltigungen

26. Juli 2011 von Nadine

Über den Gehalt der Foto-Lovestorys im Jugendmagazin Bravo lässt sich streiten: Geschlechterklischees und Heternormativität sind immer wieder gern gesehene Zugaben für die Redaktion, um die Geschichten der Jugendlichen mit Inhalt zu füllen.

Uns erreichte gestern ein Hinweis auf diese Geschmacklosigkeit in einer Foto-Lovestory namens “Der One-Night-Stand” (Triggerwarnung!): Neben den üb­li­chen langweiligen sexistischen Implikationen (Jungs wollen unter sich sein und Fuß­ball gucken, Mädchen nerven dabei nur – Mädchen wollen lieber kuscheln, sind emotional und engen ihren Partner ein), wird in diesem Fotostrip nicht-kon­sen­sualer Sex dargestellt, ohne diesen zu problematisieren.

Sie betrinkt sich, weil sie sauer auf ihren Partner ist, ein anderer Junge bringt sie nach Hause. Dort schläft sie betrunken ein, während er ihre Lage schamlos ausnutzt. Die Situation wird im Anschluss nicht problematisiert, sondern als “harm­loser” One-Night-Stand und “Fremdgehen” verkauft. Als ob das nicht schon un­er­träg­lich genug wäre, erfährt sie im Anschluss, dass der Junge, der gegen ihr Ein­ver­ständnis und ohne Kondom Geschlechts­verkehr mit ihr hatte, ein HIV-Infizierter ist. Zu den Vergewaltigungs­verharmlosungen, -mythen und Victim Blaming in dieser Foto­serie gesellen sich also auch noch Vorurteile gegen HIV-Erkrankte, die – pathologisiert und sozial isoliert – rücksichtlos Menschen “an­stecken”, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.

Besonders widerlich in dieser Bravo Foto-Lovestory ist das Gegeneinander-Ausspielen von diskriminierenden Klischees gegenüber Frauen, die vergewaltigt wurden, und HIV-Infizierten. Wer_welche sich beschweren möchte, kann dies beim Presserat tun oder eine Email an die Bravo-Redaktion schreiben.


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Aktivismus, Bravo, Sex, Kinderbekleidung, schwule Männer, Rabenmütter und Steinigung im Iran

12. August 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 57 von 256 der Serie Kurz notiert

Jessica Valenti schreibt über ein wichtiges Thema: Wie viel ist uns feministischer Aktivismus wert?

Die Jungle World hat eine Analyse zur Darstellung von Homosexualität in der Jugendzeitschrift “Bravo”.

Schwule Männer sind auch heute noch vom Blutspenden ausgeschlossen, weil sie zu einer HIV-Risikogruppe gehören, berichtet Tagesschau.

Auf feministe findet ihr einen ausführlichen und persönlichen Beitrag zum Thema “sluthood” (“Schlampentum”), der mit vielen der gängigen Mythen und Vorurteilen aufräumt.

Auf Heise gibt es einen Bericht zum Thema “Rabenmütter

Eine amerikanische Studie nimmt arbeitenden Müttern von Kleinkindern das schlechte Gewissen: Selbst wenn Kinder schon unter einem Jahr außerhalb betreut werden, gebe es keine nachteiligen Effekte auf die Entwicklung.

Anne Roth macht auf eine Kolumne von Mely Kiyak aufmerksam, die sich in die Situation einer Frau versetzt, die zur Steinigung verurteilt worden ist. Es geht um Sakineh Ashtiani, der im Iran Ehebruch vorgeworfen wird, wofür sie im Mai 2006 erstmalig verurteilt wurde. Eine weltweite Protestkampagne hatte die Hinrichtung im Juli 2010 verhindert. Das Todesurteil wurde jedoch noch nicht aufgehoben – die Petition könnt ihr hier unterschreiben.

Sociological Images freut sich über ein Geschäft, das geschlechtsneutrale Kleidung für Kinder anbietet.


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Warmgebloggt im Sommer

12. Juni 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 94 von 263 der Serie Die Blogschau

Im Genderblog kommentiert Rochus den legendären Tweet der Familienministerin Schröder. Außerdem untersucht er in einem anderen Posting zwei Listen aus der Bravo mit Rachevorschlägen an die oder den Ex auf ihre impliziten Geschlechterstereotype.

DieStandard.at gibt es nun auch auf Twitter.

Auf Geschichten von der honigsüßen Welt fragt Lori: “Vergewaltigung – ein dehnbarer Begriff?

Ein transphober Artikel eines Reporters von Deleware News über eine Gruppe badender Männer, die optisch “eher wir Frauen aussahen”, wurde von Associated Press ungeprüft übernommen und schlug heftige Wellen. Bad Hair Days klärt auf: Es handelt sich um “eine Gruppe männlich identifizierter Menschen mit transidentem Hintergrund“.

Missy Stargast Nadine plädiert bei diesem warmen Wetter für “Titten Raus!

Termine

Der Frauenprojektbereich Mia der Uni Paderborn lädt am 14. Juni um 20 Uhr zu einem gemeinsamen Filmabend ein. Der Film erzählt die Geschichte einer Familie über fünf Frauengenerationen und beginnt um 20 Uhr in H1.232, im Anschluss gibt es eine Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Der Antifaschistische Frauenblock Leipzig hat mehrere Termine u.a. am 17. Juni, 19:30 Uhr, GfzK: “Die Zweite Frauenbewegung — Wie aus Selbstbestimmungsrecht Self-Managment wurde” mit Paula-Irene Villa, Soziologin.

Ebenfalls am 17. Juni veranstaltet das Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung eine Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Kontrolle polizeilichen Handelns. Es wird über unabhängige Kontrolleinrichtungen, das Konzept der Ombudspersonen, Monitoringstellen und Perspektiven zivilgesellschaftlichen Engagements diskutiert. Mehr Infos: hier.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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Liebe, Sex & Zärtlichkeit

11. November 2008 von Anna

Heute müssen wir mal über Aufklärung sprechen. Und wenn ich persönlich über Aufklärung rede, dann komme ich um die Bravo nicht herum.
Ich komme auf dieses Thema, weil vor ein paar Tagen eine Freundin sinngemäß zu mir meinte, die Tatsache, dass die Jungs auch nicht immer Sex haben wollen (oder können) habe sie erst mühsam in ihren Beziehungen lernen müssen. Ich kann für mich sagen: Man kann der Bravo viel vorwerfen, aber das hat sie mir anders beigebracht!

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Aber beginnen wir von vorne:
Aufgeklärt im Sinne von „Woher kommen denn die kleinen Kinder?“ wurde ich von meiner Mutter mit einem Aufklärungsbuch, so im Grundschulalter, wenn ich mich recht entsinne. Irgendwann um meine erste Regel herum versuchte meine Mutter dann das erweiterte Aufklärungsgespräch. Das war mir aber erstens einfach nur peinlich und zweitens erzählte sie mir nichts, was ich nicht schon wusste, denn ich war ja eifrige Bravo-Leserin.

Angefangen hatte es damit, dass mein damaliger Star immer öfter das Cover schmückte. Also durfte ich sie kaufen, wenn ein Bericht über ihn darin war. Irgendwann hatte ich sie dann regelmäßig, der Markt war zu der Zeit auch noch nicht so überfüllt mit diesen Blättchen.

Damals hatten alle meine Freundinnen die Bravo, oft lasen wir sie zusammen, kicherten über Dr. Sommer, die berühmte in der Überschrift zitierte Doppelseite, lästerten über Boybands und fanden den Fotoroman meistens selten dämlich. Und ich kann sagen: Weisheiten wie „Immer Kondom benutzen“, „Rückzieher ist keine Verhütungsmethode“, „nur weil alle Freundinnen Sex haben, ist es trotzdem okay, wenn du noch keinen hast“, „auch während der Tage muss verhütet werden“, „guten Sex muss und kann man lernen“ oder eben „auch Jungs haben mal keine Lust“ hat die Bravo mit vermittelt. Druck hat sie mir trotzdem manchmal gemacht, wenn auch viel subtiler. Wenn Stars mit der Überschrift „Ich war ein echter Spätzünder“ angekündigt wurden und im Text stand, dass derjenige tatsächlich erst mit 13 das erste mal geküsst habe, dann saß ich da, 14 und ungeküsst und ganz wohl war mir nicht dabei. Wenn angeblich 12jährige die Frage stellten, ob sie nun blasen sollten oder nicht, dann fühlte sich das auch irgendwie seltsam an.

Wenn ich heute mal eine Bravo in die Finger bekomme, dann erschrecke ich manchmal ein wenig und fühle mich dann sehr schnell irgendwie alt. Besonders verstörend finde ich eine Reihe namens „That’s me!“, eine Doppelseite, auf der einen Seite ein nackter Junge, auf der anderen ein nacktes Mädchen. Diese Serie gab es in Ansätzen schon, als ich selber noch regelmäßige Leserin war. Allerdings sahen die Teilnehmer da noch ein wenig anders aus: Weder waren Genitalpiercings an der Tagesordnung, noch kompletter „untenrum-Kahlschlag“ (hier fehlt mir leider der Fachterminus, den es bestimmt gibt). Vor allem letzteres scheint heute eine Teilnahmevoraussetzung zu sein. Ohne dass ich eine Schamhaarrasurdiskussion heraufbeschwören will, aber ich persönlich finde es verstörend, wenn (beginnenden) Teenies vermittelt wird, dass all das, was da gerade erst vorsichtig anfängt zu sprießen, sofort wieder weg muss (mal ganz abgesehen davon, dass ich diesem Trend aus anderen Gründen sehr kritisch gegenüber stehe, aber das gehört hier nun wirklich nicht her).

Andererseits: Wie oft mussten wohl meine Mutter oder die Leiterinnen im Ferienlager schlucken, wenn sie eine meiner Bravos in den Händen hielten? Zumal ich die Aufklärungsteile nach wie vor insgesamt für gut und richtig erachte.

Wahrscheinlich ist das also schon alles irgendwie okay so.

Oder?


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