Einträge mit dem Tag ‘Braucht kein Mensch’


Ägypten: Immer noch ein Staat der Revolution

26. Juli 2011 von Helga

Im März berichtete Amnesty International von Vorwürfen, nach denen ägyptische Demonstrantinnen entwürdigenden „Jungfrauentests“ unterzogen wurden. Bei „Nichtbestehen“ drohte man mit Anklagen als Prostituierte. Später erhärteten sich sich die Vorwürfe, ein General entschuldigte das Vorgehen, bei den Betroffenen habe es sich nicht um „ehrbare Frauen“ gehandelt habe.

Nun haben eine Reihe an Frauenrechtsorganisationen eine gemeinsame Petition gegen den Verteidungsminister und den Vorsitzenden der Armee, die gerade die Übergangsregierung stellt, eingereicht. Sie wollen verhindern, dass die Tests als Routineinstrument gegen Demonstrantinnen eingesetzt werden und so die Beteiligung von Frauen in der Politik verhindern. Mit der Journalistin und Aktivistin Bothaina Kamel gibt es immerhin bereits eine Präsidentschaftskandidatin.

Leil-Zahra Mortada (die bereits die Facebookgalerie “Women of Egyptstartete) hat unterdessen ein neues Projekt begonnen. “Words of Women from the Egyptian Revolution” heißt es und soll Videobotschaften von Frauen sammeln, die an der Revolution beteiligt waren.

Das Projekt soll in drei Phasen ablaufen. Zunächst sollen Frauen aus Kairo interviewt werden, anschließend Frauen aus ganz Ägypten. Wenn das Projekt erfolgreich läuft, soll es auch Videos aus anderen arabisch-sprachigen Staaten geben. Dafür sammelt Mortada noch Spenden – immerhin etwas über 1000 Dollar sind aber bereits zusammen gekommen.

Seit einigen Tagen sind die Aktivist_innen in Kairo auch wieder auf dem Tahrirplatz. Sie protestieren gegen die Militärübergangsregierung, die ihrer Ansicht nach zu langsam handelt. Auch dass Zivilist_innen vor Militärgerichte gestellt werden, wie es bereits unter Mubarak der Fall war, wird kritisiert. Am Samstag kam es daher zu gewalttätigen Auseinandersetzungen – wie es in Ägypten nun weitergeht bleibt erstmal unklar.


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“Jetzt zupacken!”?

20. Juli 2011 von Anna-Sarah

Manchmal ist es fast schon lustig (“lustig gemeint” ist das ja sowieso immer alles, nur leider versteh ich als humorlose Feminazi immer keine Satire) – da hat mensch gerade frisch zum Thema Slutwalk und sexuelle Selbsbestimmung gebloggt, kommt nach Hause, schaut in den Briefkasten und findet sowas hier:

Werbezettel von kingdom of sports: Ein Hintern in roten Hotpants, darüber der Spruch *Jetzt zugreifen!*

 

Da wollte das “kingdom of sports” wohl mal ganz vorne mit dabeisein, indem es sich werbetechnisch bei Topanbietern wie Media Markt und -  besonders frappierend -  Astra bedient.  Mein persönlicher Fitnesstipp: Ab ins nächste Kampfsportstudio, falls mal wieder jemand deinen Hintern mit “übertragbarer Mitgliedschaft”, “echt flexiblen Öffnungszeiten” oder “auf Wunsch: Solarium- und Getränkeflat” verwechselt…


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Die Kumpels wissen schon, warum

12. Juli 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 11 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?


Immer häufiger taucht in den rumänischen Medien krass sexistische Werbung auf. Seit Jahren bekannt für die großangelegte Verstärkung der Gender-Stereotypen sind die Fernsehspots für Bergenbier, eine lokale Billigbiermarke. Die rumänischen Werbekampagnen möchten gerne ihre Zielgruppe davon überzeugen, dass die Marke perfekt ins idealisierte Selbstbild des „echten“ Kerls von nebenan passt: „Die Kumpels wissen schon, warum“, lautet der Werbespruch, der inzwischen zur allgemein bekannten Redewendung geworden ist. Die DrehbuchautorInnen versuchen ab und an, durch (selbst)ironische Übertreibung zu retten, was (an Selbstachtung) aus dieser unappetitlichen Mischung von üblen Vorurteilen noch so einigermaßen zu retten ist:

Meistens bleiben die aber immer schön brav und auftragstreu: Plumper Stil,  klare Ansagen, wie der Spot zum diesjährigen „Männertag“ – in Rumänien einem von Bergenbier initiierten und gesponserten Event – zeigt:

Wer an dem starken gesellschaftlichen und kulturellen Einfluss von Unternehmen und an der Verstrickung von Marketing und Genderfragen noch zweifelte, hat jetzt ein Paradebeispiel aus dem osteuropäischen Wildwest-Kapitalismus. Die Marke Bergenbier, die bis 2009 der weltweit größten Brauereigruppe Anheuser-Busch InBev (Becks, Stella Artois, Staropramen) gehörte und seitdem im Besitz eines multinationalen Investmentfonds ist, zählt in Sachen Gender-Mainstreaming vieleicht zu aggressivsten im Lande, steht jedoch keinesfalls alleine da. Die Konkurrenz von SAB Miller, dem weltweit zweitgrößten Brauereikonzern, verschmutzt nicht nur Bukarests Stadtlandschaft mit ihren Riesenplakaten (das machen fast alle Großunternehmen, weil die Stadtverwaltung dabei ein Auge zudrückt). Sie verschmutzt auch die gesellschaftlichen Verhältnisse mit ihren Pseudo-Retrowerbung à la 1950. Und die Reaktion darauf bleibt bisher eher leise.

© Dagmar Gester


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Puh!

24. Juni 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 47 von 54 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Wer ist schon gut Freund mit der Telekom? Aber nun positioniert sich das Unternehmen nicht nur mit Abzocke und unfähigem Kundendienst, dieses Mal hat sich die T-Mobile-Werbeabteilung etwas ganz Feines ausgedacht. Noch nie da gewesen, total originell und überhaupt nicht sexistisch:

Ja, wie soll man denn auch sonst für so eine tolle Übersetzungs-App werben?


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Axe mal wieder – seufz

27. Mai 2011 von Verschiedenen

Hach, was würden wir Sexismus-HasserInnen bloß ohne die tollen WerberInnen von Axe machen?! Wir könnten weniger rummotzen, wie Nadine und Verena und wir würden nicht so tolle Mails bekommen wie die von Margarete, die mal aufgeschrieben hat, wieso Werbungen wie diese gar nicht gehen – danke dafür!

Weil Waschen und Sauberkeit Frauensache sind, und weil Männer sexgierige, schmutzige, wilde Jäger sind, sind die neuen Duschgels von Axe genau das Richtige, um willige, heiße Mädels mit sportlichen, frischen Kerlen zusammenzubringen. Oder so. Ist das die Botschaft der neuen „Axe Showergels“? Der Werbespruch „Je sauberer du bist, desto schmutziger wird’s“ mit dem dazugehörigen Werbespot und Plakaten suggeriert das zumindest auf eine ziemlich unkreative Art:

Ein Mann duscht am Strand mit Axe-Duschgel, alle Frauen in seinem Umfeld werden ganz heiß und fangen an, ihre Bikinis auszuziehen. Always available. Der Duscher freut sich. Bestimmt wird es gleich eine ganz wilde Strand-Orgie geben, aber da ist der Spot dann auch leider schon vorbei.

Eine ausgeklügelte Kombination von alten Gender-Stereotypen, Hygienefetisch und einer traurigen Vorstellung von Sex (vorher duschen bitte, sonst wird es nix). Abgesehen davon, dass der Typ im Werbespot den ganzen Strand mit seinem Badeschaum vollmacht. Die Werbeabteilung des Unilever-Konzerns scheint seit ihrer Deo-Kampagne „Reizt die Frauen, nicht die Haut“ nichts dazu gelernt zu haben. Nee, Axe: Sauber geht anders. Und witzig auch.


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Ungarn: Konservative Sexualmoral in der neuen Verfassung

10. Mai 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 9 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Die BürgerInnen Ungarns haben kurz vor Ostern ein neues, noch größeres Geschenk von der rechtspopulistischen Regierungspartei Fidesz bekommen. Diesmal geht es nicht, wie zuletzt, um ein vage formuliertes, zum Missbrauch einladendes und die Pressefreiheit einschränkendes Mediengesetz, sondern schlechthin um eine ganz neue Verfassung. Und für Ministerpräsident Viktor Orbán lief alles sogar viel besser als noch im Januar, denn die Weltöffentlichkeit fühlte sich von mindestens drei arabischen Revolutionen und einer Atomkatastrophe völlig überfordert und erschöpft.

Zu Unrecht, denn die Sache ist wirklich ernst. (Immer noch laufende) EU-Ratspräsidentschaft hin oder her, bleibt Ungarn ein Land, wo mehrere gefährliche Tendenzen unserer europäischen Gesellschaften in einer unappetitlichen Mischung zusammenköcheln. Und das lässt sich am klarsten in der Präambel der neuen Verfassung von Fidesz lesen. Unter dem Motto „Gott segne die Magyaren“ spricht dieser kurze Text an diversen Stellen von der Größe der ungarischen Nation, die sich als Teil des „christlichen Europas“ verstehe. Die Kontinuität und Einheit der Nation sollen durch die verehrte Heilige Krone des ebenso Heiligen Königs Stefan symbolisiert werden.

Nationalkonservativer Wahnsinn? Das ist noch nicht alles. Die Ehe definiert die Präambel als Grundlage der Gesellschaft und als strikt heterosexuell. Sexuelle Identität oder Orientierung fehlen auf der Liste der Kriterien, nach denen nicht diskriminiert werden darf. Menschliches Leben wird wiederum als „heilig“ definiert – schon vor der Geburt. Ob Abtreibung mit dem Inkrafttreten der Verfassung nächstes Jahr noch legal sein wird, ist angesichts der lakonischen Formulierung ein Rätsel und gleichzeitig eine mögliche Aufgabe für das ungarische Verfassungsgericht, dessen Kompetenzen ebenfalls neu definiert wurden, um es schon bald mit Fidesz-Günstlingen neu besetzen zu können.

Innerhalb weniger Monate und nach einer Debatte, an der die demokratischen Oppositionsparteien nicht teilgenommen haben, ließ Orbán seine Abgeordneten, die die erforderliche Zweidrittelmehrheit ausmachen, über die Verfassung abstimmen. Kurz danach unterzeichnete der Staatspräsident, ebenfalls eine Orbán-Nominierung, wenig überraschend den Text. Und diese neue konservative Farce scheint tatsächlich gelungen zu sein.


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Stereotype, soweit der Penis schwillt

22. April 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 14 von 20 der Serie Sex am Morgen

Heute ist Karfreitag. Höchste Zeit also, länger im Bett zu bleiben, Eier zu suchen (höho) oder einfach schlicht für “Sex am Morgen” zu sorgen. Die Vulva-Spots dieses Mal leider mit zu vielen Klischees und Stereotypen, denen wir uns bequem widersetzen sollten. Heute und jeden anderen Tag im Jahr.

Stellung bezogen zu Penis-Verlängerungen wird auf jezebel. Ungeachtet der tatsächlichen Möglichkeit, das männliche Glied zu vergrößern und des damit verbundenen Aufwands und gewisser Risiken, stellt Autorin Anna North mal wieder fest: Macht euch locker Männer, denn eure Penisse sind so wie sie sind völlig in Ordnung!

Die neue Porno-domain .xxx kommentiert Julia Seeliger in der taz als “nicht mehr als ein Feigenblatt für den Jugendschutz” und hat Recht, wenn sie sagt, dass Eltern die ‘böse’ Pornowelt nicht einfach aussperren können, sondern ihren Kindern ruhig etwas mehr Vertrauen entgegen bringen sollten. Ach ja, Aufklärung soll auch nicht verkehrt sein.

Katrin Rönicke hat in ihrer Freitag-Kolumne neulich schon mal drauf hingewiesen: Auch Frauen seien verstärkt  pornoabhängig. Der Guardian geht der Sache ebenfalls nach, aber leider mit einem no-go-moralischen Unterton, Pornographie degradiere Frauen per se als Sex-Objekt und noch ein paar anderen Knallern, die ich im Zusammenhang mit Pornos eigentlich nicht mehr lesen möchte.

Comicbild von Roger. Zwei Hasen besteigen jeweils von hinten ein Schaf. Die Schafe essen weiter Gras. Das vordere Schaf ist frisch geschoren, das Fell liegt noch auf dem Gras. Der Hase kommentiert: ICH MAG'S GERN RASIERT!

Da kommt einem doch jedes Schokoladenei wieder hoch: Ostercomic non grata

Den Spießiger-Stereotypensatz-Preis bekommt dieses Mal Kerstin Greiner, die im SZ-Magazin über den Modetrend, ‘wenn Frauen zu große Klamotten tragen’ schwadroniert: “Frauen, die zu weite Pullis oder Hemden tragen, lösen bei Männern ein Bild aus: Sex.” Ach so, ach ja… und anscheinend liegen in allen deutschen Schlafzimmern Rotweinflaschen rum und alle, aber wirklich alle Männer tragen Hemden.

Auch wenn sich die NEON in ihrer letzten Ausgabe den sexuellen Unterschieden zwischen Mann und Frau widmete, die NZZ gibt Entwarnung: “Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrem Sexualverhalten nicht so stark, wie immer behauptet wird.” Na toll! Und von forschender Seite heißt es, dass auch die letzten Differenzen bald verschwinden würden. Ich bin gespannt!


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Der „neue Mann“ und die Brutalität

29. März 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 20 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Nach den jüngsten Prügelattacken in Hamburg und Berlin werden sich wahr­scheinlich die Befürworter zunehmender Sicherheitsmaßnahmen erneut zu Wort melden. Denn tatsächlich scheinen solche Zwischenfälle in der letzten Zeit immer öfter aufzutreten. Dabei prügeln einzelne Männer oder Männergruppen meistens andere, ihnen völlig unbekannte Männer – so extrem, dass die die Opfer ins Kran­ken­haus müssen, oder sogar ums Leben kommen. Die Gewaltszenen geschehen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Straße, und die Täter haben oft keinen auch nur im Ansatz nachvollziehbaren Grund.

Die Medienberichte darüber klingen in vielen Fällen banal, oder thematisieren in rassistischer Weise die ethnische Herkunft der Tatverdächtigen. Panikmache und neue Forderungen nach mehr Überwachung sind oft das einzige Ergebnis der Mediatisierung. Wichtige und unangenehme Fragen bleiben dabei ausgeklammert. Denn, auch wenn die Anzahl der Gewaltüberfälle und Körperverletzungen laut den letzten offiziellen Statistiken gesunken ist und keinen Grund zur Panik bietet, bleibt jede Gewalttat natürlich eine zu viel. Letztendlich sind viele von uns nicht bereit zu akzeptieren, dass Männer seit eh und je andere Männer verprügeln und dies einfach auch weiterhin tun werden.

Die Zwischenfälle deuten selbstverständlich auf viele wirtschaftliche und soziale Faktoren hin, die unter dem Motto „Prekarisierung“ und „Verrohung der Gesellschaft“ verstanden werden und überall in den europäischen Großstädten zu beobachten sind. Doch darüber hinaus wird dadurch offensichtlich, dass „der neue Mann“, über den die deutschen Medien so oft schöne Features und Reportagen schreiben, noch lange keine Selbstverständlichkeit ist. Dieser neue Mann, der von denselben Kommentatoren immer wieder zum Opfer des Feminismus erklärt wird, scheint vielmehr allzu oft in der U-Bahn dem „alten Mann“ zum Opfer zu fallen. Der zeigt ihm regelmäßig, was ein richtiger Mann kann.

Was wir tatsächlich brauchen, sind also nicht weitere Überwachungsmaßnahmen, sondern mehr Klarheit über die Ziele unserer Bildungssysteme und die Ver­wirk­lich­ung einer modernen, antipatriarchalen und konsequenten Geschlechts­politik, die Machismo und Gewalt niemals toleriert oder verharmlost.


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Rettung für die Männer: Der Schniblo-Tag

14. März 2011 von Verena

Ne, was ist die Welt ungerecht. Jedes Jahr müssen sich die armen Kerle am Valentinstag abmühen, um ihrer Liebsten mit Blumen, Geschenken und Essenseinladungen ihre Liebe zu beweisen. Denn, klar, ALLE Frauen finden das ROMANTISCH. Weil sich die Herren in ihren eigenen Bedürfnissen dabei aber übergangen fühlen, gibt es nun am 14. März ausgleichende Gerechtigkeit: Den Schniblo-Tag. Schniblo gleich Schnitzel und Blowjob. Jajaja! Hurra! Die Welt ist so einfach: Frauen wollen Blumen, Männer Blow-Jobs.

Einfach, wirkungsvoll und selbsterklärend ist dieser neue Feiertag dazu da, damit Ihr Frauen Eurem Holden endlich zeigen könnt, wie sehr Ihr ihn liebt. Keine Karten, keine Blumen, keine tollen Nächte des Ausgehens.. Der Name des Feiertages erklärt alles: nur ein Schnitzel (oder Steak) und ein Blowjob. Das ist alles.

Was mache ich bloß, wenn mein Freund Vegetarier ist? Und natürlich wünsche ich mir zum nächsten Valentinstag einen Cunnilingus. Was soll ich mit Blumen?

Nach dem Klick das Logo des Schniblo-Tages (Triggerwarnung!):
(weiterlesen …)


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Ungarns neue ZensorInnen

3. Januar 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 3 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?
Youtube-Capture Annamária Szalai bei einer Pressekonferenz

Youtube-Capture Annamária Szalai

In den letzten Wochen haben Ungarns neue Mediengesetze in der deutschen und europäischen Öffentlichkeit für Aufregung gesorgt. Der rechtspopulistische Ministerpräsident Viktor Orbán, der das Land seit April mit einer Zweidrittelmehrheit regiert, zeigt sich von den Protesten wenig beeindruckt: „Nicht im Traum“ denke er daran, die Gesetze zu ändern. Offensichtlich nimmt Orbán die internationalen Drohungen nicht ernst – und hat wahrscheinlich Recht. Denn die europäische Reaktion ist nicht nur schwach, sie kommt auch sehr spät.

Was das Parlament in Budapest im Dezember verabschiedete war nur der letzte Teil eines beispiellosen allumfassenden Gesetzespakets, das öffentlich-rechtliche sowie private Radio- und Fernsehsender, Zeitungen und Internetportale praktisch unter die Kontrolle der Regierung stellt. Die neue Aufsichtsbehörde wurde schon im August gegründet, mit einem Vorstand, dem sogenannten „Medienrat“, der ausschließlich mit nationalkonservativen Anhängern der Regierungspartei Fidesz besetzt ist.

Die Zensurbehörde darf ab dem 1. Januar 2011 jede Medieninstitution mit hohen Geldstrafen belegen, wenn ihr die Berichterstattung nicht ausgewogen erscheint, aber auch, wenn sie das „öffentliche Interesse“ oder die „öffentlichen Sittlichkeit“ verletzt sieht. Die Direktorin der Behörde, Annamária Szalai, wurde von Orbán hochpersönlich ernannt – auf neun Jahre. Der Höhepunkt ihrer journalistischen Karriere hat Szalai in den frühen 1990er Jahren erreicht: Damals war sie Chefredakteurin bei dem Provinz-Pornoblatt „Miami Press“ in ihrer Heimatstadt Zalaegerszeg. Heute kritisiert sie die Medienschilderungen von Sex und Gewalt natürlich und tritt für öffentlichen Anstand ein.

Titel von Miami Press


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