Einträge mit dem Tag ‘Braucht kein Mensch’

Germany’s next Gewissensfrage

Monday, June 9th, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 4 von 14 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Letzten Donnerstag hatte er endlich ein Ende:
Mein Gewissenskonflikt der letzten 15 Wochen. Darf ich als Feministin Germany’s Next Topmodel schauen? Darf ich sogar Spaß haben daran? Darf ich darüber lästern, dass „Ich fühl mich heute nicht so“-Gisele 11 Kilo zugenommen hat und somit wohl nur noch ein Tennis- aber kein Fußball mehr durch die Lücke zwischen ihren Oberschenkeln passt? Darf ich hämisch lachen, wenn eine von den angehenden Models schlecht geschminkt war? Darf ich „Sexy hat er gesagt! SEXY!“ rufen, wenn das Giraffenbaby Jenny mal wieder besonders linkisch durch einen „Shoot“ stolperte?

Zusammenfassend gefragt:
Darf ich als aufgeklärter, halbwegs intelligenter Mensch, der sonst bei jedem TV-Werbeblock mindestens drei mal „Was soll denn der sexistische/dumme Scheiß?“ denkt, mich von diesem oberflächlichen, seichten, Frauen auf Bauch-Beine-Po reduzierenden Programm unterhalten lassen?

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Nun, keine Ahnung, ob ich das darf. Tatsache aber ist, dass ich (und nebenbei auch fast mein gesamter intelligenter und feministischer Frauenfreundinnenkreis) aus Gründen, die mir leider selbst auch nicht bekannt sind, jeden Menge Spaß an dieser Sendung hatte.
Eine geheime Verehrung für Heidi Klum kann es nicht sein, ich wäre froh gewesen, wenn es mal für diese kein Foto gegeben hätte. Designer und Mode interessieren mich auch ziemlich null, ich kenne die alle nicht und wenn Frau Klum in quietschgrünen Leggins und blauem Kleidchen die Bühne betritt, tun mir einfach nur die Augen weh.

Klar, vieles hat gelangweilt in dieser Sendung und klar, „die Mädchen“ werden verbraten. Besonders fasziniert haben mich die gruppendynamischen Prozesse, die da an vielen Stellen entstanden in diesem Model Boot Camp, das so oft so sehr an Big Brother erinnerte. Und wenn Heidi oder der Inbegriff des zu klein geratenen Mannes in Gestalt von Peyman Armin mal wieder die Mädchen ordentlich auf einander gehetzt hatten, nur um dann aber offiziell erbost zu reagieren auf so viel Neid, Missgunst und üble Nachrede, dann wäre ich manchmal gerne durch die Kabel gesprungen, so wütend wurde ich da.

Man muss aber eines auch klar festhalten:
Ich bin eine erwachsene Frau, ich kenne meine Vorzüge und meine Macken, charakterlich wie körperlich. Ich kann also damit umgehen, wenn da eine Horde junger Frauen jede Woche den cellulitefreien Popo genau vor meiner Nase schwingt. Ich weiß aber, das wäre bei der 15jährigen Anna wohl anders gewesen. Deswegen habe ich mich mit meinem Teenager-Patenkind lange über die Sendung unterhalten, wir sprachen über Schönheit, Ideale, Figuren und dass jede Frau anders gebaut ist. Dass der Körper dieser Frauen ihr Kapital ist, etwas, an dem auch sie arbeiten müssen und in das sie viel Zeit investieren.

Anstatt solche Sendungen verbieten zu wollen, sollte man vielleicht an einigen Stellen eher transparenter machen, was da passiert:
Es werden laufende Kleiderbügel gesucht. Sprechende Rollkragenpullover. Bin ich das? Will ich das sein? Eben! Bei aller berechtigter Kritik können Sendungen wie diese also ein Anlass sein, manche Dinge im Privaten zu thematisieren anstatt bei jeder Folge aufs Neue öffentlichkeitswirksam empört zu sein.

Oder man schnappt sich einfach Pizza und Bier und gibt sich zwei Stunden der absoluten Sinnfreiheit hin. Ganz ohne schlechtes Gewissen!

“Es gibt nur noch Männer wie Udo Walz”

Tuesday, May 27th, 2008 von Susanne

Die Diskussion, ob Franz-Josef Wagner von der Bild-Zeitung für voll genommen werden muss, hatten wir schon mal. Die meisten von euch fanden: muss man nicht, kann man nicht. Aber lachen geht immer. Und geht heute mal wieder besonders gut, angesichts dieser Zeilen:

Liebe Frau Professorin Gesine Schwan,

ich mache mal die Augen zu und träume. Sie sind Bundespräsidentin, Angela Merkel ist Bundeskanzlerin. Charme hat das. Die Frage ist nur, wie der Mann das verkraftet. Ist man Friseur wie Udo Walz oder ein Kostümhosenanzugs-Berater, dann gibt es nichts Schöneres, als euch Frauen zu beraten. Ein Panorama an männlichen Möglichkeiten tut sich auf. Der Inneneinrichter, der Bodyguard, der Walker, der Fitnesstrainer, der Diätberater, der Schminkmeister, der Kofferpacker, der Kofferträger, der Küchenchef, der Pressefuzzi, der Handtaschenhalter. Es ist so seltsam. Es gibt keine Männer mehr wie Adenauer, Brandt, Heuss, Strauß, Wehner, Schmidt. Es gibt nur noch Männer wie Udo Walz, der der Kanzlerin eine neue Frisur verpasst. Wenn wir keine starken Männer mehr haben, dann kommen die Frauen. Das ist logisch.

Herzlichst
Ihr Franz Josef Wagner

Ach so, ja, ist logisch.

Ich meine: Hä?

(Dank an Christina für den Link!)

Wie werde ich ein richtiger Mann?

Friday, April 25th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 7 von 18 der Serie Die Feministische Bibliothek

Anleitung zum MännlichseinDas fragte ich mich heute ganz unvermittelt und begann daraufhin das Buch “Anleitung zum Männlichsein” von den Lebert-Brüdern zu lesen. Es war eine kurzweilige Angelegenheit von ein paar Stunden. Doch so recht weiß ich immer noch nicht, wie aus mir jetzt ein moderner Mann werden könnte.Das Buch hat mich mittels eines sehr aufreizenden Einbandtextes gekriegt:

“Die alten Zeiten will man nicht zurück, aber ihre Rolle als Mädchen für alles schmeckt den Männern auch nicht mehr. Andreas und Stephan Lebert erkunden, wie der Mann des 21. Jahrhunderts sich in verschiedenen Lebenssituationen bewähren kann, und finden jenseits aller Zerrbilder und Stereotypen Antworten auf die Frage, was einen Mann heute zum Mann macht.”

Klingt ja eigentlich ganz gut. Ich erhoffte mir wirklich eine Antwort auf die Frage “wann ist der Mann ein Mann”. Aber um es kurz zu machen: Die gibt es hier nicht. Das Buch ist voll von netten kleinen Geschichtchen, die irgendwie und irgendwo den Autoren oder deren Freunden oder entfernten Bekannten passiert sind. Dabei wurde wohl so verfahren, dass Mann sich regelmäßig in einem Berliner Café traf, diese Geschichtchen erzählte um dann induktiv daraus die Weltformel zu destillieren, die Antwort auf die Frage, wie ein Mann denn nun zu sein habe. Dabei werden die Frauen (”denn wir wissen ja, was Frauen so sagen”) immer nur mittels einer Stimme an unterschiedlicher Stelle eingestreut, ansonsten aber kategorisch ausgeschlossen, denn es sollte ja um die Männer gehen.

Interessant sind die Tipps oder Anleitungen ja schon: “Männliches Schweigen ist eine Kunst”, “Frauen zuhören ist ein Gewinn” - aber man sollte um Himmels Willen nie etwas sagen, nur um Frauen zu gefallen! “Wer bist du? Wer bin ich? - das muss immer klar sein” - aha. Ja klar, aber gilt denn das nur für Männer? Oder: “Anleitung zum Männlichsein Nummer fünf: Es gibt nur ein Gesetz: die eigene Lust.” Das würde ich dann auch gerne für mich beanspruchen. Also bin ich schon ein Mann - oder habe ich nun was verpasst?

Nein, im Großen und Ganzen muss man wohlwollend über dieses Buch urteilen: Es ist auf eine manchmal etwas bemüht wirkende Art und Weise, aber durchaus liebevoll gemeint, geschrieben und versucht den Männerbildern von heute wieder mehr Mut zum Eigensinn, zur Lächerlichkeit, zum Risiko zu vermitteln. Es will zeigen, dass manch ein Mann, der sich nur über seinen Beruf und seine Karriere definiert, nicht mehr ist, als ein armes Würstchen, dessen Leben sich auf eine einzige Sache beschränkt. Es möchte eine neue und gute Vater-Sohn-Beziehung gestalten (aber leider ist von Töchtern keine Rede!), es möchte hier, es möchte dort.

Dass manchmal eben doch die alten Geschlechtsstereotypen wiederholt werden, ist ärgerlich:

“Verweiblichung der Gesellschaft auf allen Kanälen: Medien, Politik, Familie, Freizeit, Gefühle, Psychologie, Gesundheit, Bildung, Kunst, Gefühl statt Sache, ich statt es, Harmonie statt Konflikt, reden statt tun […] Die Genauigkeit bei wissenschaftlichen Themen und die Kraft, sie in den Mittelpunkt zu rücken, und der Mut, scharfe Auseinandersetzungen zu führen und auszuhalten, also zu polarisieren: Wir behaupten, dass dies eine Angelegenheit der Männer wäre.”

Nach solchen Aussagen, wie sie im Kapitel “Die Verweiblichung der Gesellschaft” getroffen werden, fällt es wirklich schwer, wohlwollend zu bleiben. Aber es ist Gott sei Dank das einzige Kapitel in diesem Ton. Vielleicht haben die Brüder Lebert es nötig, sich über solche Kategorien zu definieren. Fakt ist, dass sie die von ihnen selbst geforderte Genauigkeit und wissenschaftlichkeit nicht einhalten können - an irgendwelchen Belegen für ihre Behauptungen mangelt es nämlich durchgehend in ihrem Buch (von den Geschichtchen abgesehen).

Ich fasse zusammen: Man(n) muss das Buch nicht lesen, um zu wissen, wie Mann im 21. Jahrhundert sein sollte. Man(n) muss das Buch auch nicht lesen, um irgendwelche neuen und bahnbrechenden Erkenntnisse zu gewinnen - geht man mit dieser Erwartung heran, wird man(n) definitiv enttäuscht. Aber: Anzuerkennen bleibt der Versuch, auch einmal den Mann in den Mittelpunkt einer Diskussion um Lebensführung, Rollenbilder und neue Wege zu stellen, denn alle Erfahrungen haben (leider?) gezeigt, dass Mann in solcherlei Fragen sich von Frau nichts sagen lassen möchte. Vielleicht sollten wir deshalb ermutigend dazu aufrufen, einen ernst zu nehmenden, mutigeren, differenzierteren Versuch zu starten, um der neuen Männlichkeit einen Rahmen zu verleihen. Denn ihr, liebe Leser seid gute Beispiele, wie es auch gehen kann - finde zumindest ich.

Alarm, Alarm! Unsere Busen werden abgeschafft!

Monday, April 21st, 2008 von Meredith

Wegen Mode gesperrt: Eine weitere weibliche Körperzone soll jetzt aus den Augen und aus dem Sinn verschwinden. Nach Berichten aus den Modemedien geht der Trend jetzt angeblich zur Brustversteckung, auf BuzzFeed extrem populär ist gerade das Stichwort flat chest. Also keine üppigen Dekolletes mehr, adieu Push-Ups und Polster-BHs. Nachdem wir jetzt alle vollauf versorgt mit solch erweiternder Unterwäsche sind, versucht die Modeindustrie die “Brust-Minimierer” unters Volk zu bringen. Erst mussten unsere Ärsche und Hüften dran glauben, jetzt sind die Görls auch dran. Wofür sollen Frauen sich denn als nächstes schämen? Sollen wir dann unsere Vaginas auch noch abbinden?

Das glauben die ja wohl selbst nicht.

Winzig. Pink. Grauenvoll.

Saturday, April 19th, 2008 von Susanne

Im Magazin der Süddeutschen Zeitung gab es gestern noch einen lesenswerten Text: über die pinke Glitzer-Hölle, in die Frauen von den Marketing”experten” vieler Unternehmen geschickt werden. Mehr als den Teaser will ich an dieser Stelle gar nicht zitieren, der fasst nämlich kurz und knackig zusammen, worum es hier geht:

Wenn Designer die Aufgabe kriegen, Geräte für Frauen zu gestalten, machen sie sich ungefähr so viele Gedanken wie Barbie.

(Foto von Keith Combs geliehen.)

Sind Männer ein bisschen beschränkt?

Wednesday, April 2nd, 2008 von Katrin

Oder sind es die Wissenschaften? Oder die Medien?

Flirt als Holzschnitt
Frauen glauben gerne, dass Männer Freundlichkeit und sexuelles Interesse oft nicht auseinander halten können – im Gegensatz zu ihnen, natürlich. US-ForscherInnen haben dieses Problem in einer psychologischen Studie mit 280 StudentInnen untersucht. Die Seite wissenschaft.de berichtet davon und fragt nach dem Ursprung dieses Phänomens:

„Entweder liegt bei Männern die Schwelle, ab der eine Verhaltensweise als eindeutig sexuell eingestuft wird, tatsächlich niedriger als bei Frauen, oder aber Männer sind grundsätzlich nicht so sensibel für die Art der Signale, die eine Frau aussendet und können demnach sexuelle Hinweise nicht gut von anderen unterscheiden.“

Das Thema an sich ist ganz interessant und spannend, doch so richtig gefallen will mir der Artikel von Ilka Lehnen-Beyel nicht. JedeR der/die sich ein bisschen mit empirischer Sozialforschung auskennt, weiß, dass 280 Personen noch keine Basis für eine repräsentative Studie bilden können, zudem handelte es sich nur um StudentInnen – ein ausgewählter Personenkreis. Über die Rückschlüsse auf alle Menschen kann (muss) man wirklich streiten. Außerdem liegen die Unterschiede bei den verschiedenen Tests sehr nah beieinander:
So

„interpretierten die Männer eine freundliche Frau in 12,1 Prozent der Fälle fälschlich als sexuell interessiert, während die weiblichen Probanden nur bei 8,6 Prozent falsch lagen.“

Und

„umgekehrt übersahen die Männer auch immerhin in 38 Prozent der Fälle ein echtes sexuelles Interesse, wohingegen die Frauen nur etwa 32 Prozent fehlinterpretierten“

Bei so einer kleinen Zahl von untersuchten Personen sind Unterschiede von 4-6 Prozent kein eindeutiger Hinweis auf einen signifikanten Trend. Das sollte vielleicht erwähnt und dann noch einmal gründlich über den Titel: „Warum Männer Frauen so häufig missverstehen“ nachgedacht werden. Der Einleitende Teaser ist auch nicht gerade nett:

„Männer seien schlicht und einfach weniger sensibel gegenüber Gefühlen und können sie schlechter allein anhand der Körpersprache unterscheiden als Frauen.“

Die heißeste Tussi, wo gibt

Tuesday, March 25th, 2008 von Susanne

In Großbritannien laufen die Eltern junger Mädchen Sturm gegen eine Internetseite. Der Grund ihrer Aufregung: Auf der “Miss Bimbo”-Webseite tummeln sich ihre Töchter schon ab dem 9. Lebensjahr und versuchen ihren Avatar zum “hottest, coolest, most famous bimbo in the whole world” zu machen - zur Not auch zum Beispiel mit einer Brustvergrößerung. Ziel des Spieles ist es, so viele “bimbo”-Dollar wie möglich zu sammeln, um damit Klamotten, Schmuck oder Diätpillen einkaufen zu gehen, der Avatar-Tussi die Haare, Fingernägel oder eben den Busen oder die Hüften machen zu lassen. Uff.

Bill Hibbert von Parentkind kritisiert: “Es ist eine Sache, wenn eine Neunjährige dieses Spiel als albern und dumm erkennt. Aber die Gefahr ist, dass Mädchen in dem Alter die Ironie der Sache eben nicht verstehen und sich die Bimbos zum coolen Vorbild nehmen.”

Der 23-jährige Erfinder der Bimbo-Webseite, Nicolas Jacquart, dagegen sagt, die Mädchen würden lernen, Verantwortung zu tragen - eben für ihren Avatar. Beweise? “Wenn ihre Avatare zu viel Schokolade essen, dann ist das schlecht für die Körper ihrer Bimbos und auch für ihre Laune […] Wir vermitteln ihnen, wie wichtig gesundes Essen ist.” Und: “Die Brustoperationen sind nur ein Teil des Spiels […] und spiegeln nur das wahre Leben wider.”

Na dann.

Deal or no deal?

Friday, February 15th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 10 von 26 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

So, Valentinstag in dieser Woche hinter uns gebracht, ohne vor lauter Herzchen und Pralinchen und Blümchen einen Knall zu kriegen. Als bye-bye noch eine hübsche Montage von Twisty:

180 Seiten Kampf für ein Erziehungsgehalt

Sunday, February 10th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 1 von 18 der Serie Die Feministische Bibliothek

Der schnellste Weg, lesend Feministin zu werden: eine reaktionäre Lektüre. Wer das Buch der familienpolitischen Sprecherin (!) der saarländischen Linken (!!) liest, Christa Müllers “Dein Kind will dich“, ist danach ganz bestimmt für die Selbstbestimmung der Frau.Das einzige Problem an dieser Herangehensweise: Sie ist sehr, sehr anstrengend. Müller will auf 180 Seiten den Irrglauben retten, dass Kinderbetreuungseinrichtungen in Deutschland reine Verwahranstalten sind. Das ist ihre Hauptthese, die sie bunt illustriert - Chaos, mangelnde Zuwendung, Krankheit und Elend sind in Krippen und Kindergärten Alltag. Und weil die Zustände in der öffentlichen Kinderbetreuung so katastrophal seien, fordert sie, dass Frauen ihre Kinder zuhause erziehen, liebe- und hingebungsvoll, einfühlsam und selbstlos.

Ein Knaller gleich am Anfang des Buches: Deutschland hat nicht zu wenige Kinder, sondern zu viele - weil nämlich Kinder verwahrlosen, misshandelt werden und kein liebevolles Zuhause haben. Die Lösung, so Müller, sei die Einführung eines Erziehungsgehalts, damit sich die Frauen “leisten” können, ihren Kindern Liebe und Zuwendung zu geben. Aber es müssten von den Eltern auch ganz klare Anforderungen erfüllt werden:

“Das heißt konkret: Wie schaffen den Beruf Hausfrau und Mutter bzw. Hausmann und Vater. […] Entsprechend gäbe es in Zukunft aufgrund der Gründung einer Familie keinen Berufsausstieg und -wiedereinstieg von Mutter oder Vater, sondern einen Berufswechsel, […] Das Erziehungsgehalt wird nur geleistet, wenn der Altersabstand der Kinder mindestens zwei Lebensjahre beträgt, da die Erziehungsperson sonst nicht ausreichend Zeit hat, sich um das einzelne Kind zu kümmern.”

An dieser Stelle musste ich das erste Mal laut aber verzeifelt lachen. Müller entwirft schon auf den 170 Seiten davor zum Teil recht krude Modelle für die staatliche Überwachung der “richtigen” Erziehungsarbeit, doch die Forderung nach Mindestabständen zwischen der Geburt der Kinder ist die aberwitzigste von allen.

Ach, es würde hundert Zeilen füllen, den ganzen Quatsch aufzulisten, den sich Christa Müller für dieses Buch ausgedacht hat. Er lässt sich aber auch kurz in ein paar Gedanken und Zitaten zusammenfassen:

  • Frauen und Männer sind entgegen aller feministischen Bestrebungen nicht gleich.
  • Frauen sollen in die Erwerbsarbeit gezwungen werden, weil sie billige Arbeitskräfte sind.
  • Das geht zu Lasten der Kinder, die durch öffentliche Betreuung sozial und geistig gestört werden.
  • “Wer aber will, dass sein Kind in den ersten Lebensjahren so gesund wie möglich ist, sollte es lieber zuhause behalten.”
  • “Eine verantwortungsvolle und fähige Hausfrau, unterstützt von ihrem Partner, ist in der Aufziehung von Kindern und der Schaffung eines gemütlichen Heimes für die ganze Familie unverzichtbar.”
  • “Inzwischen stellen wir in allen Ländern fest, dass die Männer offenbar nicht bereit sind, ihren Part im Haushalt zu übernehmen.”
  • “Der Mann kann Karriere machen und verdient immer mehr Geld, die Frau optimiert derweil ihre Tätigkeit zuhause.”
  • Die Frauen sollten erkennen: “Man kann im Leben nicht alles haben.”

Alle diese Punkte zeigen ärgerliche analytische Mängel: Müller nimmt kritisierbare Zustände als nicht zu ändern hin - unterschiedliche Gehälter, im Haushalt faule Männer etc. Viele ihrer Feststellungen sind ja ganz richtig: Wir haben viele Kinder in diesem Land ohne Bildungschancen und wirklich sind nicht wenige Frauen überfordert, wenn ihnen neben einer (meist auch finanziell notwendigen) Berufstätigkeit die Kindererziehung und der Haushalt als natürliche Aufgaben zugewiesen werden. Aber ihre Lösungsvorschläge orientieren sich nicht an den gegenwärtigen Umständen und an zukunftsfähigen Ideen, sondern ausschließlich an der Vergangenheit. Weswegen Christa Müllers Buch kein konstruktiver Beitrag zur aktuellen Debatte ist, sondern einfach nur ein Nachruf auf die “guten alten Zeiten”, die niemals wiederkommen werden. Weil wir jungen Frauen aber keinen Bock auf Zustände wie in den 50ern haben, versucht uns Müller, die Hausfrauenehe noch mal schmackhaft zu machen:

“Freundinnen meiner Mutter waren stolz darauf, Männer zu haben, welche die Familie allein ernähren konnten. Die Männer waren wiederum froh, eine Frau vorweisen zu können, welche den Haushalt perfekt führte, sich um die Kinder kümmerte, sie hübsch kleidete und anständig erzog. In diesen Ehen achteten sich die Partner gegenseitig, und sie wurden auch von der Gesellschaft respektiert.”

Ja, klar. Wer sich bis jetzt noch nicht sicher war, ob wir den Feminismus brauchen: Lesen!

Kinder mit Brüsten gegen Kindesmissbrauch?

Thursday, January 31st, 2008 von Meredith

Uargh, hier langt eine gutgemeinte Werbung mal so richtig ordentlich daneben:

Text: Wenn du in einem jungen Mädchen mehr siehst, brauchst du Hilfe. Wenn du über 18 bist und Sex mit einer Minderjährigen hast, ist das gesetzlich eine Vergewaltigung.

Eine US-amerikanische Agentur, die sich gegen Gewalt in Familien einsetzt, will hiermit Kindesmissbrauch verhindern. Fragt sich nur, ob eine Werbung, die kleine Mädchen in einen sexuellen Kontext bringt, da so hilfreich ist. Zumal, wie sämtliche Kommentare im Netz betonen, das Konzept vorne und hinten nicht passt: Päderasten sehen kleine Mädchen ja nicht als erwachsene Frauen, sondern fetischisieren sie für das was sie sind: Kinder. Mal ganz abgesehen davon, dass es einfach stinkt, wenn mit sexy Bildern Gewaltprävention betrieben werden soll. Man kann nur hoffen, dass diese Werbung nicht gedruckt wird.

Über Jezebel