Einträge mit dem Tag ‘Bitterfotze’


Antworten von Tittenmutter an Bitterfotze

8. Februar 2011 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 15 von 26 der Serie Der Kommentar

Dr. Kirsten ArmbrusterIn diesem Essay schreibt Dr. Kirsten Armbruster der Schwedin Maria Sveland zu ihrem Bestseller „Bitterfotze“, der 2009 in Deutschland erschien. Dr. Kirsten Armbruster, geb. 1956 in Dortmund, aufgewachsen in Ägypten und in Fürstenfeldbruck hat Agrarwissenschaften studiert und promovert. Mit ihrem Verlag edition.courage veröffentlicht die vierfache Mutter ihre Denkansätze in Büchern, Artikel und Vorträgen. Ihr aktuelles Buch „Das Muttertabu oder der Beginn von Religion“ ist 2010 erschienen.

Liebe Bitterfotze,

wie gut verstehe ich deine Bitterfotzigkeit. Dieses diffuse Gefühl, als Mutter im Patriarchat, die Arschkarte gezogen zu haben. Und wie genial die Wahl des Begriffs Bitterfotzigkeit, um eben dieses Gefühl auszudrücken! Hier im katholisch-konservativen Bayern, wo die Bedingungen für Mütter besonders zum Himmel schreien, hat Bitterfotze noch dazu eine wunderbare Mehrdeutigkeit, denn Fotze ist nicht nur ein anderes vulgäres Wort für Möse. „Halt´dei Fotzen“! heißt auch „Halt den Mund“, im Sinne von „Halt dein Maul!“ Und das Wort Fotze, existiert im Bayerischen noch in einer weiteren Wortkombination: „Du kriegst glei´ a Fotz´n“ bedeutet „Du kriegst gleich eine Ohrfeige“. So bedeutet Bitterfotzigkeit also: Wenn du als Mutter, dein Maul aufmachst, um bittere Wahrheiten auszusprechen, die aber im Patriarchat niemand hören will, kriegst du eine auf´s Maul.
Mütter, die unsichtbare Macht hinter allem Leben! Denn kommt durch unsere Fotze nicht das neue Leben in die Welt und nähren wir mit unseren Titten nicht eben dieses neue Leben? Diese Diskrepanz zwischen der wahren Lebensmacht von Müttern und ihrer gleichzeitigen Machtlosigkeit im Patriarchat, das ist das, was uns zu Recht bitter macht! Müssen wir also zu vulgären Ausdrücken greifen, um auf unseren Zorn, unsere Wut aufmerksam zu machen? Sei´s drum, benutzen wir ruhig die vulgäre Sprache unserer Zeit, denn letztendlich ist alles Muttersprache!

Mütter und Macht, scheint das nicht ein Widerspruch an sich? Ach wie gut, dass keine weiß, dass Macht ursprünglich ein altes Wort für Scheide, also Fotze ist. Wir kennen diese alte Bedeutung kaum mehr, und nur noch indirekt begegnen wir sprachlich dieser uralten Müttermacht, nämlich in dem Wort Gemächte für das männliche Glied. Das Gemächte ist grammatikalisch, das, was gemacht worden ist. Es hat als Partizip Perfekt eine passive Bedeutung. Das Gemächte ist folglich das, was von der Macht, der Fotze, gemacht worden ist, und hier können wir die alte Lebensmacht der Mütter aus vorpatriarchalen Zeiten noch deutlich spüren.
Macht in unserer Gesellschaft ist allgemein verbunden mit Ansehen, Position und Geld, und all dies haben Männer. Macht im Patriarchat ist männlich! Und die Mütter haben tatsächlich nichts von alle dem, kein Ansehen, keine Position und vor allem kein Geld. Mütter arbeiten rund um die Uhr, ohne Feierabend, ohne Wochenende, ohne Urlaub, aber ihre Arbeit ist unsichtbar. Das Patriarchat behauptet, dass die Caring-Arbeit von Müttern gar keine richtige Arbeit ist, und deshalb wird diese Arbeit in der patriarchalen Logik auch nicht bezahlt. Jede Hausfrau hat diese patriarchale Kröte geschluckt und antwortet brav, wenn man sie nach ihrer Arbeit fragt: „Ich arbeite nicht“!

Mütter haben im Patriarchat kein Geld, und die stark gestiegene Kinderarmut der letzten Jahre ist weniger eine Kinderarmut, sondern vor allem eine Mütterarmut. Kein Geld zu bekommen für die Mütterarbeit, bedeutet im Alter, in der Folge, kaum eine Rente zu bekommen, obwohl es ja gerade die Mütter sind, die durch ihre Mütterarbeit die Generationenrente der Jungen für die Alten ermöglichen. Und was ist mit dem Ansehen von Müttern im Patriarchat? Sie gelten als nicht arbeitende und damit im heutigen geldwerten Kapitalismus – der Caringkomponenten als unwert erachtet – nichts nutze, überflüssige Wesen. Denn ansehen wollen wir die Arbeit von Müttern keinesfalls! Würden wir diese Arbeit ansehen und in geldwerte Leistung umrechnen, kämen nämlich schwindelerregende Zahlen heraus. Im BIP, in der die Summe der Wertschöpfung einer Volkswirtschaft zusammengefasst wird, taucht diese Caring-Arbeit deshalb auch vorsichtshalber nicht auf.

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Grüße aus der Blogosphäre

3. Oktober 2009 von Helga
Dieser Text ist Teil 11 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Die stadtpiratin hat “Bitterfotze” gelesen und macht sich äußerst lesenswerte Gedanken dazu.

Im VÄTER Blog geht es um die Fragen nach Vaterteilzeit. Wie gehen die Firmen, die Freunde, die Frauen mit Männern um, die sich mehr um ihre Kinder kümmern wollen?

Erinnert Ihr Euch noch an die Dove-Kampagne mit echten Frauen und dass wir mit den kleinen Mädchen über echte Schönheit sprechen sollen? What’s wrong with the zoo hat ein schönes Video gefunden: Talk to your daughter before Unilever does. (Vielen Dank an Sabine für den Link.)

Im maedchenblog entbrannte eine große Diskussion um die Frage, ob Feminismus und BDSM bzw. Sadomasochismus vereinbar seien.

Transsexuell oder transgender, lesbisch oder gynophil? Sexuelle Orientierung und Identität sind nicht das gleiche, werden aber oft verwechselt. Svenja-and-the-City klärt auf.

DieStandard.at berichtet über eine neue Studie, nach der der Gender Pay Gap ab dem ersten Job besteht. 60 Prozent des Unterschiedes lassen sich durch unterschiedliche Qualifikationen, Auszeiten etc erklären, der Rest lasse auf Diskriminierung schließen.

Die Blase drückt und keine Toilette in Sicht? Abhilfe schafft erstaunlicherweise der Griff in den Schritt. Luise Pusch über den Crotch Grab.

Zum Schluss noch ein TV-Hinweis: Morgen geht es in Mona Lisa (18 Uhr, ZDF) um Intersexualität, ein Thema, dass zuletzt durch Caster Semenya wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. Mehr Informationen auf Zwischengeschlecht.info.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Ein Weckruf aus Schweden: „Bitterfotze“

27. Februar 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 23 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Heute ist es endlich so weit: Der Roman „Bitterfotze“ von Maria Sveland erscheint im Buchhandel (und ihr könnt fünf Exemplare gewinnen – siehe unten).

Der Titel macht neugierig: Was hat es damit auf sich? „Bitterfotzig“, so nennt sich Svelands Ich-Erzählerin Sara, wenn sie strukturelle Ungerechtigkeiten, die sie aufgrund ihres Geschlechts oder aufgrund ihrer Mutterrolle erfahren muss, nicht einfach mit einem zuckersüßen Lächeln hinnimmt und so tut, als sei alles in bester Ordnung, wie das von den meisten Frauen erwartet wird. Indem sich Sveland selbst so betitelt, nimmt sie herablassenden Männer-Urteilen in kluger Voraussicht ihre Munition, wie sie im Interview mit dem Verlag Kiepenheuer & Witsch erzählt, wo das Buch erscheint:

„Sowohl »verbittert« als auch »Fotze« sind beides Wörter, die von Männern genutzt werden, um Frauen und Mädchen zu diffamieren. Ich habe erwartet, dass man mich und mein Buch genauso abstempeln würde, da das ja immer passiert, wenn Frauen sich nicht der Norm entsprechend verhalten. Ich habe mein Buch also so genannt, damit es niemand anderes tut.“

Sveland greift die Wut und Verzweiflung im Bauch vieler junger Frauen selbstbewusst auf. Sie seziert akribisch den scheinbar normalen und wenig aufregenden Alltag einer Mutter, geht zurück in die Vergangenheit, in die Kindheit der Tochter eines abwesenden und tyrannischen Vaters, der auf seine ewig kochende und putzende Frau wenn er einmal da war nichts als Psychoterror ausübte. Sveland lässt die Leserschaft mit den Augen eines kleinen Mädchens zuschauen, wie die Mutter alles erträgt und sich in einen Putzzwang völlig zurückzieht, auch für die Tochter unerreichbar. Wenig später lässt die Autorin ihre LeserInnen in die Haut einer erwartungs- und hoffnungsvollen Jugendlichen schlüpfen, die es für selbstverständlich hält, ebenso wie ihre männlichen Altersgenossen wild herum zu probieren. Den Stempel der „Hure“ trug sie alsbald auf ihrer Stirn.

Im weiteren Verlauf schlüpfen wir mit ihr in die Rolle einer jungen Frau, die sich verliebt und eine Beziehung versucht – mit mäßigem Erfolg: Der Kerl treibt uns schon beim Lesen völlig in den Wahnsinn, weil er seinen Kontrollwahn nicht im Griff hat und über-anhänglich ist. Und als Sara mit ihrer Arbeit als Journalistin immer wieder gegen die verhärtete Wand aus mittelmäßig arbeitenden Männern rennt, die sie ignorieren oder herabwürdigen, platzt uns irgendwann komplett der Kragen.  Deswegen applaudieren wir begeistert, wenn Sara ihren bescheuerten Kollegen am Ende bloßstellt, indem sie für alle laut hörbar erklärt: „Dennis hat mir gerade erzählt, dass er früher zu thailändischen Prostituierten gegangen ist, und das hat mir nicht gefallen“.

Ja, das Buch nimmt seine LeserInnen gefangen. Man beginnt, die Welt mit anderen Augen zu sehen, wofür man Sveland nur sehr dankbar sein kann. Scheinbar unauffällige Alltags-Situationen werden entlarvt: Es ist nicht das persönliche Problem einer Frau, wenn sie mit der Kinderbetreuung überfordert ist. Nein, es ist ein strukturelles Problem, ein gesellschaftlicher Irrglaube an Gleichberechtigung, der sich darin manifestiert, dass Frauen weiterhin von riesigen Schuldgefühlen geplagt werden, wenn sie sich die gleiche Freiheit herausnehmen, wie Männer es ohne mit der Wimper zu zucken machen. Die Schuld, die Last, die Verantwortung – zum Großteil geschultert von Frauen und immer noch zu wenig von Männern – zeigen sich an den Stellen, an denen Sveland vermeintlich kühle Statistiken zitiert. Männer sind innerhalb einer Ehe psychisch gesunder, als als Single, bei Frauen ist es genau umgekehrt. Zufall? Daran glaubt Sveland nicht, sie sieht eine Menge gesellschaftliche Strukturen und Normen, die zu solchen Double Standards führen, sie ist Feministin:

„Feminismus heißt, dass man sich der ungerechten Strukturen zwischen Frau und Mann bewusst ist. Davon gibt es auch heute noch viele. Und natürlich sollte es nicht nur bei dem Bewusstsein bleiben, sondern man muss auch dagegen kämpfen. Für mich ist Feminismus keine private Meinung, sondern eine politische Haltung. Ich persönlich habe viele Jahre lesen, diskutieren, analysieren und nachdenken müssen, bis ich diese Haltung auch wirklich begründen konnte und nun weiß, wie uns Machtverhältnisse beeinflussen. Am meisten kämpfe ich gegen die Ignoranz und Leugnung von Diskriminierung – denn sie sind die ärgsten Feinde des Feminismus.“ (aus einem Brigitte.de-Interview von Susanne)

Am Ende ist das Buch dennoch vorsichtig optimistisch. Geschlechtergerechtigkeit in Beziehungen ist eben keine Selbstverständlichkeit, sie auszuhandeln eine anstrengende Aufgabe für jeden gemeinsamen Tag.

Erschienen bei KiWi Paperback, 272 Seiten, 8 Euro 95.
Eine Leseprobe aus “Bitterfotze” gibt’s hier.

Interviews und Rezensionen

- Interview mit Sveland auf kiwi-verlag.de

- Susanne interviewte Sveland für Brigitte.de

- Rezension von Dirk Knipphals auf taz.de

- Rezension von Heide Oestreich auf taz.de

Gewinnen!
Mit freundlicher Unterstützung des Verlages Kiepenheuer & Witsch haben wir etwas zu verlosen: Schreibt uns bis Montag, 12 Uhr eine Mail an gewinnen(at)maedchenmannschaft.net und ergattert eines von fünf Exemplaren von Maria Svelands „Bitterfotze“!

Nachtrag:
Hier kannst du nachsehen, wer gewonnen hat.

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Das Buch über diesen Link zu bestellen unterstützt die Mädchenmannschaft.

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Über die Hingabe

24. Februar 2009 von Barbara

Im aktuellen Kulturspiegel diskutieren Kathrin Röggla, Rita Süßmuth und Amelie Deuflhard generationenübergreifend über die Gleichberechtigung. Anlass ist das äußerst lesenswerte Buch “Bitterfotze” der schwedischen Autorin Maria Sveland, über das wir auch berichten. Mir hat das Gespräch gut gefallen;  als E-Paper steht es zum Nachlesen online.

Zum Thema Schuldgefühle einer Mutter, ihr Kind nur kurz mal in andere Obhut zu geben

Süssmuth: Der Mann kann sich leichter trennen, weil er kulturgeschichtlich immer der später Hinzukommende war, während die Mutter zum Kind gehört. Dabei sind wir nicht instinktiv Mütter. Doch soziale Prägungen halten einfach sehr, sehr lange. Fast alle Frauen kennen diese innere Anspannung, ich möchte einerseits beim Kind bleiben, andererseits möchte ich auch mal weg, solche Doublebind-Situationen, die erleben junge Mütter immer wieder, wenn sie sich fragen, was sie eigentlich wollen. Da hat uns die Literatur wirklich bereichert, indem sie diese widerstrebenden Bedürfnisse thematisiert hat. Denn permanente Hingabe macht nicht stärker, sondern schwächer.

Dieser letzte Satz klingt so leicht, ist aber so schwer. In ihm steckt viel vom Dilemma, in dem sich Frauen mit Kindern, Frauen mit Familie befinden. Denn Hingabe ist oftmals gleichbedeutend mit dem Stress, den man sich selbst macht. Dazu noch ein paar Zitate:

Zum Thema Stress einer Mutter:

Röggla: Mutter zu werden ist natürlich auch Stress. Wie sehr, liegt an der Unterstützung, die Frauen erleben. In Deutschland nehmen 14 Prozent der Männer Erziehungszeit, die allermeisten davon nur zwei Monate.

Süssmuth: Wenn man bedenkt, dass die Zahl bis vor zwei Jahren unter fünf Prozent lag, ist das schon ein hoffnungsvoller Fortschritt. …

Süssmuth: Es gibt aber noch ein weiteres Problem. Frauen wollen heute Tausendsassas sein. Zu Hause sind sie diejenigen, die alles organisieren, viele sind berufstätig, sie kümmern sich außerdem noch um Familie und Freunde und sind dazu bitte in jedem Alter schlank und faltenfrei. Dieser Berg von Erwartungen erdrückt viele Frauen, das zeigt sich auch darin, dass die psychosomatischen Erkrankungen stark zunehmen.


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