Antworten von Tittenmutter an Bitterfotze
8. Februar 2011 von Verschiedenen
In diesem Essay schreibt Dr. Kirsten Armbruster der Schwedin Maria Sveland zu ihrem Bestseller „Bitterfotze“, der 2009 in Deutschland erschien. Dr. Kirsten Armbruster, geb. 1956 in Dortmund, aufgewachsen in Ägypten und in Fürstenfeldbruck hat Agrarwissenschaften studiert und promovert. Mit ihrem Verlag edition.courage veröffentlicht die vierfache Mutter ihre Denkansätze in Büchern, Artikel und Vorträgen. Ihr aktuelles Buch „Das Muttertabu oder der Beginn von Religion“ ist 2010 erschienen.
Liebe Bitterfotze,
wie gut verstehe ich deine Bitterfotzigkeit. Dieses diffuse Gefühl, als Mutter im Patriarchat, die Arschkarte gezogen zu haben. Und wie genial die Wahl des Begriffs Bitterfotzigkeit, um eben dieses Gefühl auszudrücken! Hier im katholisch-konservativen Bayern, wo die Bedingungen für Mütter besonders zum Himmel schreien, hat Bitterfotze noch dazu eine wunderbare Mehrdeutigkeit, denn Fotze ist nicht nur ein anderes vulgäres Wort für Möse. „Halt´dei Fotzen“! heißt auch „Halt den Mund“, im Sinne von „Halt dein Maul!“ Und das Wort Fotze, existiert im Bayerischen noch in einer weiteren Wortkombination: „Du kriegst glei´ a Fotz´n“ bedeutet „Du kriegst gleich eine Ohrfeige“. So bedeutet Bitterfotzigkeit also: Wenn du als Mutter, dein Maul aufmachst, um bittere Wahrheiten auszusprechen, die aber im Patriarchat niemand hören will, kriegst du eine auf´s Maul.
Mütter, die unsichtbare Macht hinter allem Leben! Denn kommt durch unsere Fotze nicht das neue Leben in die Welt und nähren wir mit unseren Titten nicht eben dieses neue Leben? Diese Diskrepanz zwischen der wahren Lebensmacht von Müttern und ihrer gleichzeitigen Machtlosigkeit im Patriarchat, das ist das, was uns zu Recht bitter macht! Müssen wir also zu vulgären Ausdrücken greifen, um auf unseren Zorn, unsere Wut aufmerksam zu machen? Sei´s drum, benutzen wir ruhig die vulgäre Sprache unserer Zeit, denn letztendlich ist alles Muttersprache!
Mütter und Macht, scheint das nicht ein Widerspruch an sich? Ach wie gut, dass keine weiß, dass Macht ursprünglich ein altes Wort für Scheide, also Fotze ist. Wir kennen diese alte Bedeutung kaum mehr, und nur noch indirekt begegnen wir sprachlich dieser uralten Müttermacht, nämlich in dem Wort Gemächte für das männliche Glied. Das Gemächte ist grammatikalisch, das, was gemacht worden ist. Es hat als Partizip Perfekt eine passive Bedeutung. Das Gemächte ist folglich das, was von der Macht, der Fotze, gemacht worden ist, und hier können wir die alte Lebensmacht der Mütter aus vorpatriarchalen Zeiten noch deutlich spüren.
Macht in unserer Gesellschaft ist allgemein verbunden mit Ansehen, Position und Geld, und all dies haben Männer. Macht im Patriarchat ist männlich! Und die Mütter haben tatsächlich nichts von alle dem, kein Ansehen, keine Position und vor allem kein Geld. Mütter arbeiten rund um die Uhr, ohne Feierabend, ohne Wochenende, ohne Urlaub, aber ihre Arbeit ist unsichtbar. Das Patriarchat behauptet, dass die Caring-Arbeit von Müttern gar keine richtige Arbeit ist, und deshalb wird diese Arbeit in der patriarchalen Logik auch nicht bezahlt. Jede Hausfrau hat diese patriarchale Kröte geschluckt und antwortet brav, wenn man sie nach ihrer Arbeit fragt: „Ich arbeite nicht“!
Mütter haben im Patriarchat kein Geld, und die stark gestiegene Kinderarmut der letzten Jahre ist weniger eine Kinderarmut, sondern vor allem eine Mütterarmut. Kein Geld zu bekommen für die Mütterarbeit, bedeutet im Alter, in der Folge, kaum eine Rente zu bekommen, obwohl es ja gerade die Mütter sind, die durch ihre Mütterarbeit die Generationenrente der Jungen für die Alten ermöglichen. Und was ist mit dem Ansehen von Müttern im Patriarchat? Sie gelten als nicht arbeitende und damit im heutigen geldwerten Kapitalismus – der Caringkomponenten als unwert erachtet – nichts nutze, überflüssige Wesen. Denn ansehen wollen wir die Arbeit von Müttern keinesfalls! Würden wir diese Arbeit ansehen und in geldwerte Leistung umrechnen, kämen nämlich schwindelerregende Zahlen heraus. Im BIP, in der die Summe der Wertschöpfung einer Volkswirtschaft zusammengefasst wird, taucht diese Caring-Arbeit deshalb auch vorsichtshalber nicht auf.
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Der Titel macht neugierig: Was hat es damit auf sich? „Bitterfotzig“, so nennt sich Svelands Ich-Erzählerin Sara, wenn sie strukturelle Ungerechtigkeiten, die sie aufgrund ihres Geschlechts oder aufgrund ihrer Mutterrolle erfahren muss, nicht einfach mit einem zuckersüßen Lächeln hinnimmt und so tut, als sei alles in bester Ordnung, wie das von den meisten Frauen erwartet wird. Indem sich Sveland selbst so betitelt, nimmt sie herablassenden Männer-Urteilen in kluger Voraussicht ihre Munition, wie sie im Interview mit dem Verlag Kiepenheuer & Witsch erzählt, wo das Buch erscheint:






