Einträge mit dem Tag ‘BH’


Antisemitische Briefe, „Unterdrückte Mehrheit“ und Ausschlüsse – kurz verlinkt

19. Februar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 230 von 362 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Im Juli 2013 fand  in der Roten Flora in Hamburg der Kongress smash it all_smash sexism zum Themenkomplex Sexismus und sexualisierte Gewalt statt. Jetzt ist beim Feministischen Institut Hamburg ein Kongressbericht erschienen.

„Christiane Taubira vertritt eine Politik, die Privilegien in Frage stellt.“, schreibt Lena Müller bei der FAZ und zeigt auf mit welchen Anwürfen sich die französische Justizministerin auseinandersetzen muss.

In der Radiosendung Zeitpunkte des rbb gab es einen schönen Beitrag zur Ausstellung und dem Buch „Daima. Images of Women of Color in Germany“. Der Beitrag kann noch bis Sonntag angehört werden.

Monika Schwarz-Friesel und ihr Team haben über 14.000 antisemitische Briefe an den Zentralrat der Juden und Israels Botschaft in Berlin analysiert. Die Jüdische Allgemeine interviewt sie zu den Ergebnissen und der emotional aufreibenden Arbeit.

Moch bis zum 15. März kann die „Kieler Erklärung“ unterschrieben werden, die dazu auffordert „umgehend eine bundeseinheitliche Lösung zur Übernahme der Kosten ärztlich verordneter Verhütungsmittel für Frauen und Männer mit geringem Einkommen zu finden“.  Die Erklärung soll im März 2014, 20 Jahre nach der Anerkennung des Menschenrechts auf Familienplanung durch die Internationale Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung in Kairo, der Bundesregierung übergeben werden. (Mehr zur Bevölkerungskonferenz in Kairo und reproduktive Rechte erfahrt ihr in unserem Podcast.)

Der Tagesspiegel berichtet über Einstiegs- (und auch Auststiegs-)Beratungen für Sexarbeiter_innen. Neben dem verwirrenden Benutzen der maskulinen Formen gibt es auch einiges anderes Kritikwürdiges am Artikel; dennoch gibt er einen Einblick.

englischsprachige Links

In den letzten zwei Wochen ging der Film Majorité Opprimée (Unterdrückte Mehrheit) durch das Internet und erfreute sich großer Beliebtheit, wurde zig-Mal geteilt und als „augenöffnend“ hinsichtlich von Sexismus-Erfahrungen gefeiert. Dabei reproduziert der Film in erster Linie Rassismus, Klassismus und auch Misogynie, schreibt der Guardian. Worauf weder dieser kritische Text, noch die meisten anderen eingehen: Filmfigur Pierre klagt am Ende nicht etwa eine sexistische Gesellschaft an, sondern sagt, „I can’t take this fucking feminist society anymore“, und gibt damit dem ganzen Film auch noch eine ziemlich explizite anti-feministische Wendung.

Julia Jordan-Zachery schrieb bei For Harriet: „For the Tribe of Black Mothers Who Bury Their Murdered Children„.

We have come together as black feminists to commemorate Stuart Hall who died on 10 February, 2014.„, heißt es bei Media Diversified. Sara Ahmed, Gargi Bhattacharyya, Yasmin Gunaratnam,Vera Jocelyn, Patricia Noxolo, Pratibha Parmar, Ann Phoenix, Nirmal Puwar und Suzanne Scafe schreiben dort über ihre Erinnerungen an Hall und seine Einflüsse als Denker.

Zwar ein etwas älterer Artikel, aber die Informationen werden ja nicht alt. Bei Feminspire also gibt es Antworten auf die uralte Frage: Wie finden Menschen mit Brüsten, die einen BH tragen wollen, am einfachsten die richtige Größe heraus?

Gestern wäre Audre Lorde 80 Jahre alt geworden (wir berichteten). Bei Colorlines wurden Zitate von ihr zusammengetragen.

Für das Bitch Magazine hat Tina Vasquez eine ausführlichen (aber in erster Linie US-zentrischen) Text über cissexistische Ausschlüsse in bestimmten feministischen Strömungen, Akteur_innen, und deren Einflüsse geschrieben. (Hinweis: Beschreibung von Zwangs-Outings und Hass-Nachrichten – und beware of the comments…)

Bis zum 9. März werden künstlerische Werke jeglicher Art für eine Ausstellung mit dem Titel „WHAT IS QUEER TODAY IS NOT QUEER TOMORROW“ unter der folgenden Prämisse gesucht: „We are seeking creative work aiming at contextualizing, destabilizing, criticizing, enhancing, beautifying and in any way engaging with given trajectories of »queerness« in brave, playful, funny, loving, disturbing, nauseating or any other number of ways.“ Mehr Informationen gibt es bei Facebook.

Termine in Berlin

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Hunger? Der Diät-BH sagt Nein!

5. Dezember 2013 von accalmie
Dieser Text ist Teil 22 von 44 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Manchmal kommen Aprilscherze im Dezember – Microsoft, die University of Rochester und die University of Southampton meinen es aber leider Ernst. Im Auftrag des Unternehmens wurde unter anderem ein BH-Prototyp entwickelt, der Haut- und Herzfrequenzsensoren enthält. Man könnte hoffen, dass dieser BH als medizinisches Hilfsmittel kreiert wurde, das beispielsweise Warnzeichen für chronisch Kranke erkennt und – durch welchen Mechanismus auch immer – darauf aufmerksam macht.

Quelle: BBC News

Doch weit gefehlt – hier geht es zwar offiziell um „Gesundheit“, aber die Definition von Gesundheit, die sowohl der Idee als auch der Durchführung dieses Projekts zugrunde liegt, ist durchzogen von Sexismus, Dickenhass, und Geschlechtsessentialismus. Wovor der BH bewahren soll, ist „stressbegründete Überernährung“ bei „Frauen“. Der BH soll eine „Intervention“ sein, um das Essverhalten der Tragenden zu verändern.

In der Studie (PDF) funktioniert das so: Stellten die BH-Sensoren zum Beispiel einen Anstieg der Herz- und Atmungsfrequenz fest, (gepaart mit der Auswertung des „Emotionen-Tagebuchs,“ das Teilnehmerinnen führen mussten) lernte das System hinzu, welche Symptome als „emotionale Aufregung“ interpretiert werden konnten. Die Forscher_innen erhoffen sich nun im nächsten Schritt eine personalisierte Interventionsmaßnahme des BHs zu erfinden (..wer hätte gedacht, dass man jemals einen solchen Satz tippen würde…?), zum Beispiel mithilfe einer Smartphone-App, die Warnhinweise („Vorsicht! Schoki!“) sendet, um das Essverhalten der Tragenden durch unmittelbare Interventionen dauerhaft zu verändern. Der BH wird hierbei als Teil eines zeitnahen „Unterstützungssystems“ (höhö…) für „Stressesser_innen“ präsentiert; also als eine wohlwollende Maßnahme, die die tragende Person ständig begleitet (…und potentiell wohl auch eine „Verschreibungs“-Option, die Ärzt_innen dicken Patient_innen zumuten könnten).

Darüber lachen? Ja, auch. Gleichzeitig ist diese fantastische Gehirnwelle der 2013-Forschung aber ein Spiegelbild der („Gesundheits“-)Prioritäten unserer Gesellschaft. Dicke_fette Körper werden stigmatisiert und pathologisiert, bis zu dem Punkt, dass nun selbst Kleidungsstücke Menschen aktiv daran hindern sollen, mit Genuss zu essen. Bestimmte Essverhalten werden pauschal pathologisiert als „Stressessen,“ und „stressessen“ wiederum individualisiert als fehlerhafter coping-Mechanismus eines als nicht einwandfrei funktionierend angesehenen Körpers/einer als nicht einwandfrei funktionierend begriffenen Psyche im Kapitalismus. Hier wird technologischer Fortschritt erneut mit bestehender Diskriminierung verbunden, um für bestimmte Menschen Lebenseinschränkungen fort- und festzusetzen und „Grenzüberschreitungen“ zu sanktionieren.

Andere Studien geben die als dramatisch stilisierte Konsequenz von „Stressessen“ bereits schlicht nicht her, zum Beispiel diese (Inhaltshinweis: fatshaming, body policing).

Fett ist politisch. Und es ist gegendert: hier werden keine T-Shirts oder Oberkörperschlaufen erfunden, sondern konkret Stress-/emotional bedingtes Essen mit einem als „weiblich“ konnotierten Kleidungsstück assoziiert. Dickenhass marginalisiert nicht nur Frauen*, aber Körpernormierungen betreffen als weiblich gelesene Körper durch Sexismus und sexualisierte Objektivierung noch einmal in einem besonderen, systematischen Maße. Dieses BH-„Unterstützungssystem“ ist eben kein solches – es ist der körperlich überzustreifende Prototyp-Auswuchs eines sexistischen und körpernormierenden Überwachungs- und Bestrafungssystems.

Wie Melissa McEwan bei Shakesville sarkastisch schrieb: „Wenn ich eine Stressesserin wäre, könnte ich mir gut vorstellen wie begeistert ich davon wäre, dass mein Handy mich jedes Mal bezüglich DES FETTS anpiepsen würde, wenn ich sowieso schon angespannt bin.“ All das mal ganz abgesehen davon, dass die körperliche Reaktion, die dieser Diät-BH unter „emotionale Essgefahr“ verbucht, schlicht und ergreifend durch etwas sehr Banales ausgelöst sein könnte: Hunger. Oder Ärger über den Diät-BH.


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Blumen, Brüste, Bullshit – die Blogschau

18. Mai 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 205 von 295 der Serie Die Blogschau

Vergangenen Sonntag war Muttertag. Katharina von Sich mit Worten bevorraten will nicht nur zu diesem Anlass mehr als Blumen.  Auch Melanie ist kein Fan dieses Begängnisses, reflektiert aber zu diesem Anlass ihre Sicht auf Dankbarkeit für  Mütter.

Gleich ein bunter Strauß an Berichten darüber, wie wenig mensch sich selbst in vermeintlich alternativen,  emanzipatorischen Umfeldern auf Pausen vom *istischen Alltag verlassen kann:

Kotzwürg-Sexismus galore beim BarCamp Graz.  Und mehr als genug Kackscheiße auch beim Workers Youth Festival in Dortmund.  Das erfolgreiche Modelabel American Apparel geriert sich als hipper Awareness-Laden, kommt aber seit jeher nicht ohne Sexismus aus.  An der Heidelberger Uni lacht man über NSU-Verharmlosung in Tateinheit mit Plumpsexismus von vorvorgestern. An der Düsseldorfer Uni soll ein antifeministisch dominiertes  Männerreferat gegründet werden. Und angesichts der von großem Pressetamtam begleiteten Proteste gegen die „Barbie Dreamhouse Experience“ konnte mensch sich auch nur noch an den Kopf packen.

Edward von Twidgeridoo! berichtet unter dem bitter sarkatischen Titel „Meine erste Internierung“ über erfahrene(n) Rassismus und Polizeigewalt. Mehr (Grundlagenarbeit für) rassistische Kackscheiße ist zu erwarten bei der Innenminister*innenkonferenz (IMK), die vom 22.-24. Mai in Hannover stattfindet und wo auch Asyl- und Migrationspolitik auf dem Programm steht – Protest wird bereits organisiert.

Die ständige Erwartung, verfügbar zu sein – für Diskussionen, Erklärungen oder den Wohlfühlfaktor: Frau Dingens hat genug davon. A propos Erwartungshaltung: Seitdem ich auf meinem Profilbild Tatyana Fazlalizadehs Anti-Street-Harrassment-Shirt trage, wird immer wieder gefragt, wo es dieses großartige Shirt den gebe – und auch High on Clichés kennt den Ärger über die ständige Aufforderung „Lächel doch mal!“.

Die Brust-OP von Angelina Jolie ist nicht nur ein Knaller für die Boulevardmedien, sondern auch ein Politikum. Mel gibt Kontext und findet:  „Well done, Angelina Jolie“.  Merle Stöver möchte Jolie für ihre Entscheidung respektiert sehen – gerade von Feministinnen. Und weil (gerade auch Frauen*-)Gesundheit immer ein politisches Thema ist, berichtet my myself & child über ihren „Gebärmutterschnupfen“ und lädt zur Vernetzung ein.

Und wo wir schon bei Körper und Selbstbestimmung sind: Grrrlghost hat anlässlich der Debatte um die „Pille danach“ noch ein Video beizusteuern.

Shopping ist nicht für alle ein Vergnügen – die Suche nach passenden BHs auch nicht, wie Ryuu berichtet. Außerdem ist Ryuu aus Berlin – nach wie vor Sehnsuchtsort für viele – weggezogen und erzählt, warum. Und dass auch in anderen Städten mit B am Anfang ordentlich was los sein kann, lässt sich Helgas umfangreicher Terminliste für Braunschweig entnehmen.

Außerdem hat Helga ein Buch über Pionierinnen der Archäologie gelesen und rezensiert.

Ninia LaGrande interviewt Jasmin Mittag,  Initiatorin der Kampagne „Wer braucht Feminismus?“ in Deutschland.

Nele Tabler schaut die  TV-Serie Call the Midwife (Ruf die Hebamme) und findet schwangere Heldinnen.

Anne Roth sammelt Beispiele von Fällen, bei denen feministischen Medien, Blogs, Zeitschriften, Fernseh- oder Radiosendungen von Zensur betroffen waren (oder sind).

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Brüste! Eine kleine Lektion im BH-Kaufen

5. Mai 2011 von Gastautor_in

Unsere Gastautorin ist unter den Namen „Puzzle“ und „puzzlestuecke“ im Internet unterwegs und betreibt seit Dezember 2010 ihr privates Blog „Puzzlestücke„, in welchem sie ihre Gedanken – vorrangig zu den Themen Gender, Sexualität und Identität – niederschreibt.

Ha! Ich wollte schon immer mal einen Eintrag so betiteln. :) Und tatsächlich will ich auch über Brüste schreiben, allerdings nicht, wie toll sie sind, sondern darüber, dass mensch sie nicht nur mögen, sondern auch richtig »einpacken« sollte.

Brüste kommen in den vielfältigsten Formen vor – groß, klein, straff, weich, spitz, rund, hängend… es lässt sich in der Regel wenig daran ändern, zumindest nicht ohne hormonelle und/oder chirurgische Eingriffe. Das von den Medien und Wissenschaftler_innen zelebrierte Bild der »perfekten Brust« ist daher eher lästig, denn sie ist nur eine von vielen Brustformen, lässt aber (vor allem junge) Frauen oft an ihren eigenen Brüsten zweifeln.

Mir selbst ging es jahrelang genauso. Als Jugendliche bzw. Fast-noch-Kind war es mir super-peinlich, dass mein Körper plötzlich damit begann, vorher nicht dagewesene Dinge wie Brüste und Schamhaare wachsen zu lassen (zumal meine Mutter ständig darauf hinweisen musste, auch in Gegenwart von anderen). Da ich in diesem Alter leider ein nicht gerade positives Körpergefühl hatte, war dies der absolute Horror! Ich fing an, nur noch weite Hemden zu tragen und ging zwischenzeitlich sogar so weit, mir die Brüste abzubinden; letzteres hatte ich allerdings schnell wieder aufgegeben, weil es unbequem war und ich das in der Sportumkleide kaum hätte rechtfertigen können. In dieser wurde übrigens nicht selten über die Brüste aller Mädchen getuschelt, und gerade bei größeren Brüsten fielen schnell Begriffe wie »Hängetitten« oder »Pornomöpse« – letzterer vor allem, wenn jemand einen Schalen-BH oder gar Push-Up trug. Dazu später noch mal was.

Meine Mutter, pragmatisch und unsensibel, wie sie zu der Zeit noch war (heute ist sie toller <3), meinte irgendwann zu mir »Kauf dir doch mal ’nen BH!«, bot mir aber keine wirkliche Hilfe an. Ich kaufte mir also selbst Bustiers, dann bügellose BHs und später Bügel-BHs, von denen aber keiner so saß, wie ein BH eigentlich sitzen müsste – nur wusste ich das leider zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Tatsächlich habe ich das erst viele Jahre(!) später durch eine Freundin an der Uni erfahren, die als Einzige in meinem Freundinnenkreis wusste, auf was bei einem BH-Kauf geachtet werden muss – und auch nur, weil sie sehr große Brüste hat und ihr Gynäkologe sie darauf hingewiesen hatte.

Zu dieser Zeit hatte ich glücklicherweise schon viele nackte Körper gesehen und ein besseres eigenes Körpergefühl bekommen, sodass es mir nicht unangenehm war, mit einer kleinen Gruppe von Freundinnen zu einem Dessous-Fachgeschäft zu gehen. Wir ließen uns alle ausmessen und kippten fast hintenüber, als jeder von uns mitgeteilt wurde, dass wir unser bisheriges Leben lang für unsere Wünsche (nämlich, die Brust zu stützen und zu entlasten) völlig falsche BH-Größen getragen hatten. Wir stiegen alle in der Körbchengröße auf, und zwar beachtlich – ich selbst hatte ein »Upgrade« von 75C auf 70F, was mich im ersten Augenblick annehmen ließ, ich hätte »unnatürlich« große Brüste. Und das ist natürlich totaler Quatsch!!

Der BH mag jetzt größer sein, aber die Brüste sind natürlich nicht größer geworden.

Die Körbchengröße (also die Differenz zwischen Brustumfang und Unterbrust) sagt gar nichts über die Größe einer Brust aus, sondern nur, wie sie sich in Relation zum Brustkorb verhält! (Und wieso selbst das noch sehr vereinfacht ausgedrückt ist, zeigt diese bebilderte Erklärung sehr gut). Vorher hab ich einfach zu große Unterbrustbänder (die Zahl vor dem Buchstaben, wird bestimmt vom Umfang des Brustkorbes) getragen, sodass sich ein Teil der Brust quasi gar nicht IM Körbchen befand – nur deshalb »passten« diese BHs trotzdem.

Jedenfalls waren wir alle etwas schockiert (weil: damals noch unwissend), ließen uns aber weiter beraten und probierten gefühlte 50 BHs an. Anfangs gefiel mir das enge Gefühl um den Brustkorb nicht wirklich, aber mir wurde mitgeteilt, dass das Unterbrustband dazu da ist, die Brust zu stützen – und nicht die Träger, wie ich immer annahm; diese sind vor allem zum besseren Halt des BHs da (es gibt ja schließlich auch trägerlose BHs). Ich habe das mal grob skizziert (anklicken für größeres Bild):

Unterschied zwischen nicht-stützend und stützend sitzendem BH

In der Mitte abgebildet ist ein »Standard-BH«, wie ich gerne sage, also BHs der Größen 75B/C oder 80B/C – die Brüste sind darin zwar eingepackt und leicht gehalten, aber kaum gestützt, denn das Unterbrustband ist zu locker und daher nach oben gerutscht; die gesamte Last liegt auf den Trägern, also den Schultern. Rechts daneben ist ein angepasster BH, hier mit leicht gefütterten Körbchen (Schalen-BH), weil sie meiner Meinung nach besser stützen. Aber auch ohne gefütterte Körbchen ist es wichtig, dass das Unterbrustband parallel zum Boden verläuft und die Brust selbst dann gestützt wird, wenn mensch die Träger von der Schulter streift. Ein solcher BH sitzt gut, entlastet den Rücken (gerade bei großen Brüsten) und formt zudem eine schicke Büste. :) Zwar wirkt die Brust bei stützend sitzenden BHs oft größer, aber das liegt meist ja nur am Vergleich zu vorher, behaupte ich. Schalen-BHs vergrößern optisch noch einen Tick mehr, sind aber dennoch keine Push-Ups, denn diese sind noch einmal extra an bestimmten Stellen gepolstert.

Unterschied zwischen Bügel-BH und Schalen-BH

Ich erwähnte den Push-Up daher, weil ich lange Zeit dachte, dieser – und auch formende Schalen-BHs – wären zum »Schummeln« erfunden worden… aber diese Einstellung kommt größtenteils daher, weil ich selbst meine Brüste verstecken wollte und weil ich das Gefühl habe, dass große Brüste in der Gesellschaft oft etwas Anrüchiges haben, woher auch die Porno-Assoziationen in der Schule herrührten. Dabei soll doch jede Person ihre Brüste so präsentieren (oder eben nicht), wie sie mag! Im Endeffekt ist es ja eh so, dass diejenigen, die mich nackt sehen, mich nicht aufgrund meiner Brustform mögen – hat sich auch noch keine_r beschwert. ;)

Ein weiterer »Vorteil« von Schalen-BHs sei auch noch genannt: darunter zeichnen sich nicht oder kaum die Brustwarzen ab, die bei einigen immer, bei anderen nur bei Kälte oder anderen Stimulationen hervortreten. (Ich habe »Vorteil« in Anführungsstriche gesetzt, weil ich es total bescheuert finde, dass auch dies oft tabuisiert oder lächerlich gemacht wird! Es sind Brustwarzen, verdammt noch mal! Ich mache ich doch auch nicht über Gänsehaut lustig!! Unsere Gesellschaft, ey…)

Jedenfalls waren wir alle nach dieser ersten großen Einkaufstour etwas baff, aber auch froh darüber, worauf wir in Zukunft achten sollten, damit ein BH zu unseren Körpern und Vorstellungen passt. Leider sind gute BHs ziemlich teuer (30 Euro sind eher selten, 50-70 Euro Standard, nach oben ist wie immer noch viel offen), doch BHs über Körbchengröße D oder mit schmalem Unterbrustband (z. B. 60) sind im regulären Handel leider oft nicht erhältlich. Solange viele Menschen mangels besserer Aufklärung die handelsüblichen »Standard-BHs« kaufen, wird dieser Teufelskreis wohl auch nicht aufbrechen… daher hoffe ich, dass ihr alle dieses Wissen weiterverbreitet, selbst wenn ihr selbst gar keine BHs tragt (viele Menschen mit Brüsten tun das aus den verschiedensten Gründen nicht, und keine_r sollte dazu gezwungen werden)! Inzwischen ist es mir auch nicht mehr unangenehm, bei Fragen zu sagen, dass ich eine 70F trage – denn wenn diese »großen« Größen tabuisiert werden, dann wird sich nie etwas an der Gesamtsituation ändern. Viel wichtiger ist es, so vielen Leuten wie möglich klarzumachen, dass »Standard-BHs« längst nicht mehr das Maß aller Dinge sind. Vielleicht kommen dann auch irgendwann auch günstige Läden wie H&M, Orsay, Pimkie & Co. auf den Trichter, andere BH-Größen ins Sortiment aufzunehmen, sodass mensch nicht spezielle (und oft teure) Läden suchen muss, von denen es selbst in Berlin – wo auf gefühlt jede 50. Person ein Schuhladen kommt – nur eine Handvoll existieren.

Hier noch ein paar nützliche Links:

Aber der Weisheit letzter Schluss bleibt für mich trotzdem dies:


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Nippelfreie Zone

23. Juli 2010 von Susanne

In den letzten Tagen wurde es immer unvorstellbarer, das Wochenende ohne Besuch am See überleben zu können. Ich brauchte dringend einen neuen Bikini, mein alter ist zehn Jahre alt. Also versuchte ich, einen zu kaufen. Bei dem Versuch blieb es allerdings. Dabei habe ich keinen ausgefallenen Geschmack und auch keine überzogenen Preisvorstellungen. Ich habe nur nicht den Wunsch, meinem Busen eine Rundumabdichtung zu verpassen – gepolstert und abgeschirmt gegen Gefahren jeder Art, die am See auf mich warten.

Aber das Designvorhaben der Bekleidungsindustrie scheint zu sein: meine Brüste zu beschützen. Warum sonst gibt es nur noch dick gepolsterte Bikinioberteile? Oder Büstenhalter. Auch hier das gleiche Bild, zum Beispiel im Prospekt, der mir aus der Zeitung entgegenflattert. Vermutlich wurden durch den frustrierenden Shoppingversuch meine Sensoren geschärft, normalerweise schmeiße ich Prospekte einfach ungesehen weg. Aber diesmal starren wir uns gegenseitig an: die gepolsterten Brüste mich und ich sie. Stramm stehen sie da, durch die unveränderliche Form der Schalen, wie eine Armee. Und neben den Dekolletés der Models steht die Erklärung für die Erfindung gepolsterter Unterwäsche: Es geht nicht um Schutz, sondern darum, etwas „unsichtbar“ zu machen. Wer sich die Worte „T-Shirt-BH“ und „Pulli-BH“ ausgedacht hat, sollte mit ebensolchen geknebelt werden, der Erfinder von „unsichtbar“ für seine Doofheit gleich mit. Ein unsichtbarer BH wäre: kein BH.

Brauner Hintergrund mit 2 Bäumen und 3 Pilzen. Ein Wolf liegt blutend auf dem Boden. Im Vordergrund steht ein Mädchen mit lila Käppchen und einem blutigen Messer in der Hand. Es sagt: I don't need to be saved. I can do that myself.

(c) Frl. Zucker

Deswegen kann diese Erfindung nur heißen: Irgendjemand hat ein Problem mit Brüsten, wie die Natur sie wachsen lässt. Weibliche Nippel sollen unsichtbar werden. Und in wattierte Förmchen eingepackt, wird die weibliche Brust normiert. Kleine, große, spitze, hängende, runde, schiefe, lustige oder flache Brüste sieht man immer weniger. Mit Pulli- und T-Shirt-BH sieht jede Brust, die einem auf der Straße entgegenkommt, gleich aus: fest, rund und mittelgroß. So wird Frauen eingeredet, das, was sie schon haben, sei nicht ganz so super wie das, was sie haben können. Und ihnen wird auch eingeredet, auf keinen Fall dürfe man unter dem T-Shirt oder Pulli „etwas“ sehen. Ein Pulli-BH muss her, denn egal ob normaler BH oder kein BH, solange keine Watteschicht eingebaut ist und auch nur ein kleiner Wind weht, sieht man bei Brüsten Nippel. Bei Frauen wie bei Männern. (mehr …)


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