Einträge mit dem Tag ‘Beziehungen’


Erschwerte Bedingungen

29. September 2014 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 29 von 31 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Katrin bloggt bei Reizende Rundungen über Plus Size Fashion, Fat Acceptance und alltäglichen Flitterkram, und twittert auch unter @fresheima. Mit ihrer freundlichen Genehmigung dürfen wir ihren Blogpost hier zweit-veröffentlichen.

Ich habe den ganzen Tag überlegt, ob ich das jetzt wirklich zerreden will, oder es einfach ad acta lege, aber irgendwie lässt mich diese Mail, die heute in mein Postfach flatterte nicht los. Nicht, weil ich mich davon persönlich beleidigt fühle, sondern weil hinter der Annahme ein ganzer Rattenschwanz an Dingen steckt, die mir total quer gehen. Ich schaute also in mein Blog Postfach, und sah etwas mit dem Titel „Anfrage für Fernsehproduktion“, meine Erwartungen waren dank verfangender Erlebnisse recht tief, und ach was solls, ich kopiere es eins zu eins und versehe es gleich mal mit meinen Korrekturgedanken.

Liebe Katrin
ich schreibe Dich an, weil wir Dich gerne für eine Fernsehsendung gewinnen würden. Es geht um folgendes: wir produzieren für das Deutsche Fernsehen eine Real Live Reportage.  

Aha. Für welchen Sendern denn? Und Real Live Reportage, das klingt wie ein Wort, das gerne nach mehr klingen will als es ist… Mitten im Leben und so, das waren bestimmt auch Real Life Reportagen. oder?

Wir zeigen die Menschen so wie sie sind – ihre Ziele, ihre Schicksale, ihre Erfolge oder ihr Scheitern. Die Reportage eröffnet dem Zuschauer einen unverstellten Blick auf das Geschehen – intensiv und informativ. 

Ha, ich wusste es doch. Intensiv und informativ klingt definitiv nach RTL!

Für eine kommende Folge möchten wir Singles begleiten, die auf der Suche nach einem Partner sind. (aha?!) Hierbei geht um Singles mit erschwerten Bedingungen. So haben wir für die Folge z.B. bereits einen Mann aus dem Allgäu begleitet,…

… Moment mal eben. Erschwerte Was? Erschwerte Bedingungen? Ich gucke in diesem Moment irritiert von meinem Handy hoch und blickte kurz meine Mama an, weil ich mich frage, ob ich nicht versehentlich in irgendeine Paralellwelt abgedriftet war.

…der sehr abgeschieden lebt und für den es daher schwer ist jemand neues kennenzulernen. Nun möchten wir für diese Folge auch eine übergewichtige Frau begleiten, die Single ist. Unsere Reporterin wäre dabei an ihrer Seite.

Danach ging die Mail noch ein bisschen weiter. Dies das Ananas, wie toll mein Blog wäre, dass ich Mut mache, und bestimmt total ausgebucht bin, wenn ich keine Zeit hätte, wäre es toll “wenn Du (also ich) uns bei der Suche nach Protagonistinnen unterstützen könntest - Interesse anyone? Ich weiß immer noch nicht so genau, was ich sagen soll, weil so vieles an dieser Mail so un-fass-bar ist. Fangen wir mal damit an, dass ich die Produktionsfirma googlte und diese zwar auch für WDR oder NDR produziert, ich aber nicht glaube, dass dieses Format für die Öffentlich Rechtlichen, sondern eher für andere Kunden wie RTL oder Sat1 produziert wird. Ich meine, jede_r die_der schon mal “Schwiegertochter gesucht“ oder „Schwer verliebt“ geschaut hat, kann sich ein ungefähres Bild davon machen was einen bei dieser Produktion wohl erwartet. Und überhaupt, was ist das eigentlich für ein Thema? Schaut euch die Freaks an, auch sie brauchen Liebe? (mehr …)


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Eitelkeiten, Betreuungsarbeit und Beziehungen – Die Blogschau

27. September 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 257 von 263 der Serie Die Blogschau

Ein neuer Modeblog erscheint am Horizont: Queer Vanity! Gleich in einem der ersten Posts geht es um die Verbindungen von Mode und Politik, aber es gibt natürlich auch wunderbare Outfit-Posts.

Fuckermothers verweist zum einen auf ein Zitat von Nancy Fraser zu “universeller Betreuungsarbeit” und einen Text der Intersex-Aktivistin Thea Hillman im ‘Mutha Magazine’.

Das What the Fuck-Bündniss hat Redebeiträge des Protests gegen christlichen Fundamentalismus und Abtreibungsvorbot verlinkt, sowie die Stellungnahme des ZDF zu Übergriffen der fundamentalistischen Protestierenden.

Das Blog Class Matters feiert den dritten Geburtstag.

65 Warnzeichen für schlechte Behandlung in Beziehungen wurden auf dem Blog High on Clichés zusammengetragen. Außerdem gibt es dort viele weiterführende Links zum Thema.

Auf dem Tumblr Und egal, was mal war… gibt es Poesie.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Konsens – Basis jeder Form von Beziehung?

19. November 2013 von Nadine

Ich gehöre ehrlicherweise nicht zu den Menschen, die sich viele Gedanken um Konsens machen. Ich verstehe Konsens breiter als nur bezogen auf Sex_ualität, körperliche Nähe. In meinen Beziehungen habe ich oft die Grenzen anderer überschritten, konnte oft eigene nicht (gut) wahrnehmen, artikulieren und wahren, wurden meine Grenzen überschritten. Auch heute passiert mir das noch (wenn auch sehr viel seltener als früher). Mit dem Unterschied, dass Gespräche und Auseinandersetzungen darüber meistens möglich sind. Ich glaube nicht daran, dass Grenzüberschreitungen komplett aus Beziehungen verbannt werden können.

Leah hat für unser gemeinsames Buch einen Text über Beziehungen verfasst. Sie schreibt darin:

“für mich ist die basis jeder beziehung konsens. und das will gelernt werden, denn konsens ist nicht teil mehrheitsgesellschaftlicher vorstellungen von der ausgestaltung von kommunikation. […] welche machtverhältnisse und hierarchien strukturieren unsere […]beziehung_en? welche dynamiken entstehen daraus? wie können wir gemeinsam damit umgehen? wie wollen wir kommunizieren? wie kommen wir dahin, so miteinander kommunizieren zu können, wie wir es gerne wollen?”

Ergänzen möchte ich hier, dass Leah und ich eine breite Definition von Beziehungen haben, also nicht nur Liebes/romantische Beziehungen meinen, sondern auch die zu Freund_innen oder genereller formuliert: Menschen, die Teil unseres Lebens sind und auf die wir uns in unserem Alltag und in unserem Handeln immer wieder beziehen. Sei es referierend (im Sinne von: to refer to sb.), in der Interaktion und Austausch miteinander, durch Impulse, Ideen, Gedanken, oder oder… Also Menschen, die immer wieder “mitlaufen” im eigenen Handeln, ohne in der jeweiligen Situation physisch anwesend sein zu müssen und auch erstmal ungeachtet dessen, welche “interne” miteinander geteilte Position sie für mich innehaben (bspw. Partner_in, Freund_in, politische Verbündete, etc.) und wieviel und welche Form der Nähe ich mit ihnen teile. Menschen, zu denen wir uns in Beziehung setzen und mit denen wir zueinander in Beziehung stehen.

Leahs Fragen sind für die Ausgestaltung meiner Beziehungen fundamental. Sie eröffnen Raum für das Nachdenken über Konsens. Ein Konsens, der mehr umfasst als das “Vermeiden” oder den Umgang mit (sexualisierten, emotionalen, verbalen, physischen) Grenzüberschreitungen, Übergriffen und Gewalt innerhalb von Beziehungen. Trotzdem habe ich gemerkt, dass diese Fragen für mich kein bzw. selten ein “Thema” sind, das ich am Anfang und während und innerhalb einer Beziehung immer wieder auf die Agenda setze. Kein “Thema”, über das ich zunächst mit der Person gesprochen haben muss, um mich “danach” auf sie und Nähe einlassen zu können.

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Vom Scheiden und Scheitern

1. Juli 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 52 von 55 der Serie Meine Meinung

Liebe Medien, liebe Familienpolitiker_innen, liebe Menschen so im allgemeinen,

ich wollte mal kurz aber nachdrücklich eins festhalten: Meine letzte Beziehung ist nicht gescheitert. Sie ist vorbei, aber nicht gescheitert.

Wobei, lasst mich vielleicht doch ein bisschen weiter ausholen.

Wenn ich hier “Beziehung” schreibe, meine ich damit eigentlich nur eine ziemlich klar festgelegte Form dessen, nämlich eine “herkömmliche” Paarbeziehung, zwei Personen (oftmals sind 1 Frau* und 1 Mann* gemeint), Romantik/Liebe/Erotik, verbindliches, meistens exklusiv zweiermäßiges Miteinander. Das ist ja schon so das, was landläufig meistens mit “Beziehung” gemeint ist. Warum es gerade im Kontext feministischen Handelns wichtig ist solche Eingrenzungen zu hinterfragen, dazu wird immer wieder viel Kluges gesagt, ich kann mir das an dieser Stelle also sparen, zumal ich mich hier jetzt auf Diskurse beziehe, die sich überwiegend um das oben beschriebene Beziehungskonzept drehen.

Worauf ich dabei hinaus will: Trennung und Scheitern sind nicht dasselbe. Jedenfalls für mich nicht, und ich weiß inzwischen dass es vielen so geht. (mehr …)


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Sexistische Beziehungsdynamiken, Rollenerwartungen und rassistische “Heimat” – die Blogschau

30. März 2013 von Nadine
Dieser Text ist Teil 195 von 263 der Serie Die Blogschau

Nicole von Horst analysiert auf ihrem Blog die Komplexität von Komplimenten.

Eine Nachricht an Spiegel Online und den Werberat für sexistische und gewaltverherrlichende Werbung schreibt Helga.

Madameadammusic macht sich Gedanken über die Riot Grrrl Bewegung in Deutschland. Wo steht sie heute? Was ist von ihr übrig geblieben und wie kann Riot Grrrl intersektional gedacht werden?

Riot Trrrans* hat über cissexistische Grenzüberschreitungen geschrieben und musste nicht lange warten, bis sich die Relativier_erinnen eingefunden haben. Darauf gibt’s dann auch noch die passende Antwort.

Wer darf Familien mit Kindern verlassen ohne gesellschaftliche Sanktionen zu befürchten? In erster Linie der (“biologische”) Vater. Frauen hingegen “lassen ihre Kinder im Stich“, wenn sie sich nach der Geburt aus verschiedenen Gründen temporär oder dauerhaft gegen ein Leben mit Kindern entscheiden, kritisiert talentfreischön.

Auf anarchie & lihbe stellt sich Andy Misandry den gesellschaftlichen Erwartungshaltungen an Menschen, die als Frauen eingelesen und behandelt werden sowie den daraus resultierenden Zurichtungsprozessen und Umgängen damit.

Julia von Mein Augenschmaus hat das Hilfetelefon des Bundesfrauenministeriums auf seine Zugänglichkeit für Gehörlose und Schwerhörige und andere Barrieren hin geprüft und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.

Jay fragt im Virtual Retreat Center, was Solidarität bedeutet und wie emotional belastend das Ringen um Solidarität sein kann.

Undercover of Color macht einen Ausflug in die “Heimat”, nach Deutschland, und muss feststellen, dass hier nicht alle Menschen mit offenen Armen empfangen werden.

Maria beschäftigt sich mit den sexistischen Dynamiken, die sich einschleichen, wenn mensch auch Beziehungen mit Typen führt und wie schwer es ist, aus diesen auszubrechen.

Don’t degrade Debs Darling ist glücklich. Doch dieses Gefühl und sein Verbleiben muss immer wieder hart erkämpft werden. Trotz und gerade wegen vieler gesellschaftlicher Einsprüche dagegen.

Miss Temple beantwortet in ihrem FAtQ dickenfeindliche Fragen und stellt damit viele Selbstverständlichkeiten in Frage.

Das österreichische feministische Gemeinschaftsblog Sugarbox nimmt den Fall Steubenville und das “Mutter-Töchter-Argument” unter die kritische Lupe.

Nochmal Helga: Sie hat eine Liste von Speakerinnen aus den verschiedensten Bereichen zusammengestellt. Für alle, die mal wieder nach Ausreden suchen, warum ihre Panel männerdominiert sind.

Viel mehr verlinkten Lesestoff aus dem geekigen Bereich gibt es bei Femgeeks.

Vom 17. bis 20. Mai findet das Lesbenfrühlingstreffen in München statt. Workshops, Vorträge, Filme und Podiumsdiskussionen zu Lesbengeschichte und Lesbenpolitik, Empowerment, Spaß, Gesundheit, Dialog der Generationen, Sexualität, verschiedenen Feminismen, Sport, eine Demonstration in der Innenstadt, internationalen Aktivistinnen, Bands und vieles mehr erwartet euch.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Unterstützung zum anrufen, Sexismus zum anziehen – die Blogschau

9. März 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 193 von 263 der Serie Die Blogschau

Mehr Monoagapanie und die Möglichkeit diese zu genießen!  Moment: Monowas?  Don’t degrade Debs, Darling! erklärt, was es damit auf sich hat und welcher Zusammenhang zur allgegenwärtigen Paarnormativität besteht: “Ich habe Liebeskummer, weil die Liebe wie sie in unserer Gesellschaft verlangt und erwartet wird, in mir diesen Kummer verursacht!”

Zwei algerische Feministinnen im Dialog über Solidarität, Bündnismöglichkeiten, weiße Dominanzen und Aneignungen: Global sisterhood – work in progress.

Selbstfürsorge: Kniffs & Tricks & Tipps – Melanie schreibt bei den femgeeks über feministisches Burnout und aktivistische Erschöpfung.

A propos: Eine praktische Idee, wie sich Menschen in Online-Debatten gegenseitig unterstützen und Kräfte gespart werden könnten, baldowert derzeit Dr. Indie aus. Wer macht mit?

In einer Pressemitteilung anlässlich des gestrigen Internationalen Frauen(kampf)tags ergeht vom Netzwerk female:pressure ein dringender Appell: Mehr Raum für Frauen in elektronischer Musik und digitaler Kunst! Die Initiative:  “Nach der kürzlich entbrannten Sexismusdebatte ruft female:pressure zur gründlichen Revision weiblicher Beteiligung in elektronischer Musik und digitaler Kunst auf. Dazu wollen wir mit einer Analyse unserer Arbeitsbedingungen beitragen.”

Dr. Daniele Daude hat für kritisch-lesen.de eine Rezension zu bell hooks’  Standardwerk Black Looks verfasst.

OTTO? Find ich nicht gut. Mit einem sexistischen Kinder(!)-T-Shirt begibt sich der bekannte Versand gepflegt ins Stereotypen-Aus.

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Leben auf Diät, Hunger nach Wörtern – die Blogschau

10. November 2012 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 180 von 263 der Serie Die Blogschau

Ist es eine Kunst, eine feministische, gleichberechtigte Beziehung/Partner*innenschaft zu führen? Ist es schwer? Ist es möglich? Khaos.kind teilt Erfahrungen aus dem eigenen Beziehungsalltag.

Am 19. Oktober 2012 lud die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „10 Jahre Prostitutionsgesetz“ ins Jakob-Kaiser-Haus ein. Menschenhandel heute berichtet über die Veranstaltung.

Einen weiteren Veranstaltungsbericht gibt es bei der Denkwerkstatt: Brigitte war bei der zweiten Enquete der 20000frauen. Frauen.Körper.Politik lautete diesmal der Titel.

Wie es so sein kann, wenn frau relativ klein ist, berichtet Ryuu.

Yay: ein sexpositives Zine über A_sexualität! Ja, sowas gibt’s. Denn wer A sagt, muss noch lange nicht B sagen.

Heute und hier gleich zweimal Karnele: Fassungslos über die Unsichtbarkeit der Millionen von Geschichten sexualisierter Gewalt an Frauen aus der Generation “unserer” Großmütter, nicht minder wütend über den Umgang der ARD mit Kritik an homophoben, heterosexistischen TV-Darstellungen.

Über sprachliche Sichtbarkeit durch begriffliche Vielfalt schreibt Somlu und findet: “Allein die Existenz dieser Begriffe erzeugt ein Klima des Infrage stellens. Und das ist richtig klasse. Diese Begriffe brechen althergebrachte Selbstverständlichkeiten auf.

Noah Sow benennt die alltäglichen Erfahrungen, die sie als Musikerin macht – “als Künstlerin in Deutschland durchweg rassifiziert, nicht als Person gesehen zu werden, sondern als Körper, an dem sich die weißdeutsche Fantasie abspulen dürfen soll”. Hoffnung, dass es jemals anders werden könnte? Eher nicht.

Call for Papers: Die HerausgeberInnenschaft der Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien ruft zur Einreichung von Beiträgen auf, die Körper, Körpersprache, Macht und Geschlecht aus unterschiedlichen Perspektiven behandeln.

Irgendwie sind immer alle auf Diät. Merle Stöver nicht. Doch auch sie weiß bereits: “Frau sein [heißt] auch immer ein Stück weit, sich scheiße zu finden.”

Viruletta macht sich Gedanken über die Funktion(en) ihres Studiums: “Ich will mir keinen Platz in einem System erkämpfen, das auf Ungerechtigkeiten aufgebaut ist und in dem Ausschlüsse von vornherein vorgesehen sind. Aber die Werkzeuge, die will ich sammeln und behalten. Ich will sie teilen und zweckentfremden.”

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I Throw Myself At Men

27. Januar 2012 von Helga

Lilly McElroy ist Künstlerin und Fotografin. In den Bildern des Projekts “I Throw Myself At Men” schmeißt sie sich auf fremde Männer. Die Bilder stellen Fragen zu Geschlechterbildern, Beziehungen und sozialen Verbindungen.

Eine weiße Frau in schwarzem Shirt und Rock springt auf einen stämmigen weißen Mann zu, der bewegungslos in einem Diner steht.

Was hat Dich inspiriert, das Projekt zu starten?

Ich mache Kunst über das Verlangen, mit anderen Verbindungen einzugehen. Vorher habe ich schon Fremde ohne ihre Einwilligung umarmt und mich an Cowboys gedrückt. Dieses Projekt war eine natürliche Weiterentwicklung. Es schien mir wichtig zu sein, etwas über das Verlangen nach romantischen Verbindungen zu machen.

Wie haben die Männer reagiert, nachdem Du die Anzeigen geschaltet hast?

Ich bekam eine handvoll Antworten auf die Anzeigen und die Männer schienen wirklich interessiert, was ich da mache und warum. Trotzdem bin ich dann schnell übergangen, einfach Männer in Bars anzusprechen. Es war natürlicher und erlaubte es mir, schneller zu arbeiten.

Wie hast Du dann überhaupt Fotos gemacht, Du selbst bist ja in der Luft?

Ich habe mit mehreren anderen Fotograf_innen zusammengearbeitet. Wir haben die Szene vorbereitet und sie haben dann den Auslöser gedrückt.

Du wolltest ja Verbindungen formen, ist das passiert?

Ich hoffe doch! Ich hatte eine Menge kurzer und lustiger Momente mit Menschen und ich fand sie sehr positiv. Es hat sich nichts längerfristiges entwickelt, aber ich denke, das ist ok. (mehr …)


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Nice Guy. Oder wie das Patriarchat unsere Beziehungs- und Begehrensformen einschränkt

12. Januar 2012 von Nadine
Dieser Text ist Teil 38 von 55 der Serie Meine Meinung

Was mich an Nice Guy, Friendzone und Pick-Up extrem nervt (neben der patriarchalen Anspruchshaltung, eine Frau* habe irgendwie die Bedürfnisse eines Typen zu befriedigen – wie auch immer sich diese Bedürfnisse artikulieren), ist der heterosexistische und androzentrische Gehalt an der Sache.

Offenbar kommt es vielen Typen nicht in den Sinn, dass es Menschen gibt, die einfach wenig mit Typen anfangen können, sie nicht begehren, sexuell attraktiv finden oder sonst wie mit ihnen sozial interagieren wollen. Das mag verschiedene Gründe haben (Gewalterfahrungen, Formulierung eigener autonomer Sexualität – Bisexualität, Asexualität, Homosexualität, Unlust, lieber Masturbation statt Körperlichkeit mit einem Typen) und diese werden einfach negiert. Stattdessen liegt der Fokus auf dem armen Mann, der keine Frau abbekommt.

Die meisten Menschen kennen das Gefühl, einen anderen Menschen zu begehren (muss ja nicht immer sexuell sein) und dieses Begehren nicht erwidert zu bekommen. Ich habe in meiner Jugendzeit ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich habe mich schlecht und ungeliebt gefühlt, ich wurde depressiv (mag sicherlich auch mit anderen Faktoren zusammengehangen haben), zog mich zurück, ich entwickelte Hass und Wut (manchmal sogar Aggressionen) gegen die Person, die mich nicht wollte und stattdessen lieber mit diesem Vollpfosten durch die Gegend zog, der sie zudem schlecht behandelte. Ich wurde sogar von diesen Vollpfosten verspottet. Ich kenne also die Gedanken- und Gefühlswelt eines “Nice Guys”, obwohl ich eine Frau bin. Für viele der Macker, Sexisten und Machos unter den sogenannten Nice Guys mag das vielleicht nicht vorstellbar sein. Dass es außer ihrer egozentrischen und selbstverliebten Perspektive noch andere Erfahrungswelten gibt.

Ich denke, dass wir durch diese Erfahrungen lernen (können), wie sich partnerschaftliche, romantische Beziehungen, Liebe und Sex, Freund_innenschaften artikulieren können und dass zu einer erfüllten Beziehung zu einem oder mehreren Menschen (egal wie diese aussiehen) noch mehr gehört als Befriedigung eigener Bedürfnisse. Diese Erfahrungen sind kostbar, denn sie machen uns zu sozialen Wesen (selbst, wenn wir uns selbst als “beziehungsunfähig”, “asozial” oder “inkompetent” labeln).

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Sex in Filmen, Vodka-Tampons und sabotierte Kondome – die Woche im Rückblick

31. März 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 101 von 257 der Serie Kurz notiert

Nachdem uns neulich schon die Nachricht einer Userin erreichte, Vodka-Tampons seien ein Trend, der spontane Kopfschüttelreflexe auslöst, bestätigt der Südkurier dessen Aktualität. Die Pimpettes berichteten bereits 2008 drüber.

Dass eine junge Irakerin vor einer Zwangsheirat flüchtet und fürchtet, von ihrer Familie umgebracht zu werden, ist für das Hamburger Verwaltungsgericht kein Asylgrund. Weiter, so die taz, empfiehlt ihr das Gericht, sich das Jungfernhäutchen einfach wieder zunähen zu lassen, ”dass es zur Täuschung für die Hochzeitsnacht genügt“. Von Biologie hat man dort jedenfalls keine Ahnung.

„Hilfe, wir haben eine ‚Mencession‘“ hieß es mit dem Beginn der Krise – denn da verloren vor allem Männer ihre Jobs. Mit dem Aufschwung finden sie aber in Massen neue, während Frauen selbst in „weiblichen“ Branchen wie dem Dienstleistungssektor kaum eingestellt und teilweise sogar weiter entlassen werden. Die Toledo Blade hat Zahlen zum US-amerikanischen Arbeitsmarkt.

Den Einzug in den Landtag hat die NPD in Sachsen-Anhalt verpasst. Im Wahlkampf hatte ihr Spitzenkandidat noch Ratschläge zum Bombenbau gegeben und zur Vergewaltigung der Frauen in der Linkspartei aufgerufen, so die tagesschau.

Druck, gemeinsam ein Baby zu bekommen oder Sabotage von Kondomen und Pillenpackungen. Auch dies sind Formen von Gewalt in Beziehungen, die bisher oft übersehen werden. Laut RH Reality Check sollten Frauenärzt_innen ihre Patientinnen fragen, ob sie derartige Nötigung in ihrer Beziehung erleben. In einer Studie sank danach die Zahl der Übergriffe, während das Problembewußtsein stieg.

Der ehemalige Chefredakteur des Schwulenmagazins “Männer“, Peter Rehberg, holt im Freitag zum Rundumschlag gegen Judith Butler aus. Offenbar kann Rehberg nicht akzeptieren, dass Homosexuelle nicht vor rassistischen Allianzen gefeit sind, die Butler im vergangenen Jahr öffentlich angeprangert hatte. Besonders bemerkenswert sind seine lückenhaften Kenntnisse von Judith Butler, Michel Foucault, Queer Theory und postkolonialer Kritik im Artikel, weil er diese als Argumentation heranzieht, um Butlers Aussagen zu entkräften.

Ebenfalls vergangene Woche im Freitag erschienen: Katrin Rönickes persönliche Erfahrungen im Umgang mit Geschlechternormen bei der Kindererziehung. Nicht immer gehen Mutterschaft und das feministische Dasein problemlos zusammen.

Nach wie vor sind Jungen gegenüber Mädchen in der Schule benachteiligt, doch nicht mehr aus den immer wieder genannten Gründen. Die Feminisierung im Bildungsbereich, also dass Lehrkräfte heutzutage meist Frauen sind, hätte keine Auswirkungen auf die schulische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, so eine neue Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mehr seien strukturelle Gründe für den Nachteil anzuführen, berichtet lizzynet.de.

Armes Italien. Berlusconi, Mafia und ein deppertes Frauenbild. Aber Gianna Nannini tickt nach ihrer eigenen Uhr, auch biologisch. Über ihre Mutterschaft mit 54 und die italienischen Reaktionen darauf spricht sie im Interview mit Spiegel.online.

Ältere Frauen wollen ihre sexuellen Bedürfnisse stärker dargestellt sehen, Latinos und Schwarze finden dagegen, sie würden übersexualisiert: Das sind die Ergebnisse einer Umfrage des UK Film Council, die im Guardian nachzulesen sind.

Queer/feministische Termine für diesen Monat findet ihr in unserer Übersicht für April, die ihr gern in den Kommentaren weiter ergänzen dürft. Wir suchen übrigens für den kommenden Monat wieder queer/feministische Partys, Proteste, Lesungen, Filme, Aktionen… Veranstaltungshinweise könnt ihr über unser Kontaktformular an uns senden, auf unsere Facebook-Wall posten oder per Twitter an @grrrls_team schicken.


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