Einträge mit dem Tag ‘Betreuungsgeld’


Der Koalitionsvertrag: Eine Geschichte von “beobachten”, “in den Fokus nehmen” und einem denkwürdigen Gedenktag

28. November 2013 von Charlott

CDU/CSU und SPD haben sich geeinigt. Jedenfalls deren Führungsriegen. Diese haben in den letzten Wochen einen Koalitionsvertrag verhandelt, der gestern vorgestellt wurde. Der Vertrag umfasst 185 Seiten und es werden viele Themebereiche angeschnitten. Hier werde ich einige Schlaglichter aufwerfen.

Allgemein lässt sich zusammenfassen: Wer_welche für den Staat nützlich ™ scheint, konservativere Wertvorstellungen vertritt und möglichst wenig abweicht von der “Norm”, wird irgendwie unterstützt. Sonst bleibt vieles schwammig, soll “in den Fokus” gerückt oder “beobachtet” werden.

Bis zum 12. Dezember können nun die SPD-Mitglieder noch bei einem Mitgliederbescheid über den Vertrag abstimmen.

(Lohn)Arbeit

Als großer Erfolg gefeiert: Es kommt eine Mindestlohnregelung. Doch was heißt das in diesem Fall wirklich? Zum einen greift die Regelung erst ab 2015 und dann auch nur für die Branchen, wo es bisher keine andere Regelung gibt.  Erst ab 2017 soll der Mindestlohn flächendeckend gelten. Mit einem Betrag von 8,50€. Dieser Betrag gilt heute schon als Niedriglohn, mit der Inflation wird er in vier Jahren noch weniger Wert haben. Es gibt natürlich Arbeitnehmer_innen, für die diese Regelung eine Verbesserung darstellt, trotzdem ist es keine revolutionäre Änderung.

Zum Thema Lohndifferenzen aufgrund von Geschlecht positioniert sich die Koalition zwar (“nicht zu akzeptieren”), formuliert dann aber kaum wirkliche Verpflichtungen, sondern fordert Firmen eben auf sich zu kümmern. Zum Quotenwitz schrieb ich ja bereits letzte Woche. Der bleibt bestehen.

“Gleichstellung”

Ja, viel ist von all den SPD-Versprechen nicht übrig geblieben. Großmündig postuliert die Koalition: “Wir verurteilen Homophobie und Transphobie und werden entschieden dagegen vorgehen.” Wie diese Regierung das machen möchte, verrät sie nicht. Stattdessen nimmt sie in den Vertrag auf, dass sie “das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sukzessivadoption zügig umsetzen”. Na ganz große Leistung, wie auch schon auf karnele bemerkt wurde.

Bezeichnend ist, dass im Abschnitt “Sexuelle Identitäten respektieren” nicht zu erst darauf hingewiesen wird, welche diskriminierenden_gewaltvollen Strukturen vorherrschen, stattdessen folgender vielsagender Fokus:  “Wir wissen, dass in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften Werte gelebt werden, die grundlegend für unsere Gesellschaft sind.”

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Ich werde keine Tränen weinen, Kristina!

1. Oktober 2013 von Charlott

Im Jahr 2002 ist sie das erste mal in den Bundestag eingezogen: Kristina Schröder. Vor vier Jahren übernahm sie das Amt als Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Auch dieses Mal wurde sie als Bundestagsabgeordnete wiedergewählt. Am Wahlsonntag bestätigte sie nochmals das, was schon länger zu hören war: Für das Amt als Ministerin steht sie nicht mehr zur Verfügung. Aus familiären Gründen. Bei dieStandard heißt es dazu:

Schröder hat sich gegen den Job entschieden. Und persönlich ist ihr das auch gar nicht vorzuwerfen. Doch angesichts ihrer politischen Agenda der vergangenen Jahre liegt die Vermutung nahe, dass sie mit ihrer “persönlichen Entscheidung” einfach nur ihre politische Agenda bestätigt.

Es ist es natürlich ein sehr starkes Zeichen, wenn gerade eine Politikerin in einem Spitzenamt (und dann auch noch gerade dem, wo genau solche Thematiken eine besondere Rolle spielen sollten) eben dieses Amt aufgibt, um sich mehr um die Familie zu kümmern. Doch auch etwas anderes ist sicher: Um Kristina Schröders Ausrichtung des BMFSFJ werde ich keine Träne weinen – nicht um ihren Antifeminismus, Jungenförderungsträume, Reden von “umgekehrtem Rassismus” und der Extremismusklausel. Wir erinnern uns:

Kristina Schröder und Feminismus

Wie Kristina Schröder zu Feminismus steht, hat sie von Anfang an sehr klar gemacht. Anfang November 2010 gab sie dem Spiegel ein Interview (welches auch von der Führung her kritisiert werden kann), in dem nochmals deutlich wurde, dass sie ein sehr eingeschränktes Verständnis von feministischen Ideen hat, Feminusmus für ein Ding der Vergangenheit und Jungenförderung für das größte vernachlässigte Thema hält. In Erinnerung blieb die Frage: “Schreiben wir genug Diktate mit Fußballgeschichten?”. (Darüber hinaus war das Gespräch gespickt von Heterosexismus, Klassismus, antifeministischen Klischees jeglicher Art etc.)

Alice Schwarzer, die anlässlich dieses Interviews Schröder noch sämtliche Qualifikation absprach und dafür mal wieder in antimuslimischen Rassismus verfiel, ließ sich schon wenige Monate später besänftigen als Schröder den FrauenMedienTurm quasi rettete. Die Mädchenmannschaft fragte: “Schwarzer und Schröder: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?“. Natürlich hielt das nicht lange, denn Schröders Position war in dieser Hinsicht immer sehr klar und so strafte sie 2012 auf einem Männerkongress (ja…) wieder Schwarzer ab. Auffällig und bezeichnend bleibt ebenfalls, dass die einizigen feministischem Positionen, an denen sich Schröder überhaupt abarbeitete, jene von Schwarzer und der EMMA waren.

Die Angst vor der Quote

Auch zur Quote hatte sich Schröder im besagten Spiegel-Interview geäußert. Die Freiheit der Wirtschaft stand dort ganz oben und wenn überhaupt, dann würde sie eine Mütter-Quote wollen. Auf jeden Fall gibt es einiges daran zu kritisieren, wie derzeit Quotenvorhaben diskutiert werden, aber eine wirklich tiefgehende Auseinandersetzung mit Mehrfachdiskriminierungen und Kapitalismus liegt Kristina Schröder natürlich äußerst fern. Stattdessen Ablehnung oder das Wischi-Waschi-Konzept der “Flexiquote”. Wieder und wieder. Im Januar dieses Jahres protestierte sie gar auf dem Cover des Magazins Focus gegen eine Quote.

An den Herd

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Betreuungsgeld, wie geht’s uns heute? feat. Rassismus-Bumerang der Taz – kurz verlinkt

12. September 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 203 von 231 der Serie Kurz notiert

Die wirklich Diskriminierten seien nicht die Sexarbeiter_innen, sondern die Opfer von Menschenhandel. Das sei ein verhängnisvoller Irrtum, schreibt die Taz. Es geht um das Prosititutionsgesetz.

Wie ist es um die Gleichheit von “Doppel-Karriere”-Paaren bestellt, wenn  sie Kinder haben? Es gibt auch einen Unterschied zwischen West und Ost. Westväter inszenieren sich häufiger.

Kennt ihr die Geschichten von lesbischen Frauen, der Lesbenbewegung, stellt Euch selbst identitäre Fragen oder fehlt die Sichtbarkeit von Lesben in ihrer Vielfalt?

Die Taz feiert. Sie feiert sich selbst und ihren “kritischen Journalismus”. Die Netzschau zeigt ein anderes Bild: Nämlich den Rassismus-Bumerang der Taz.

Antrag abgelehnt. Viele Eltern fühlen sich betrogen, weil sie nach dem Stichtag ohne Kita und ohne Betreuungsgeld dastehen.

Neben den fehlenden Kitaplätzen ist die Arbeitssituation für Erzieher_innen ebenfalls prekär, schreibt die Frankfurter Rundschau. 90 Prozent geben an, ihre Aufgaben aufgrund der hohen Arbeitsbelastung nur noch unvollständig ausfüllen zu können.

Hier findet ihr ausführliche Hintergrundinformationen inklusive Medienanalyse zu der Situation in Duisburg, aber auch zu Antiziganismus wie Antiromaismus.

PorNo? PorYes? “Für den Ko-Autor Hald zeige die Studie damit eindeutig, dass es erhebliche individuelle Unterschiede in der Rezeption und den Wirkungen von Pornografie gebe, was künftig möglicherweise stärker in der Prävention, der Erziehung aber auch bei klinischen Interventionen berücksichtigt werden sollte.”

Die Musikerin Adwoa Hackmann, die wir in unserer Musik-Reihe “Wanna Disco? Listen Up!” vorgestellt haben, geht bald in Deutschland auf Tour (Termine, PDF).

Am Samstag, den 14. September findet in Mülheim “Genderterror” statt, eine  antikommerzielle Queerparty im Autonomen Zentrum Mülheim

“Es gibt Menschen, die glauben, dass ich allein durch meine Erscheinung als Rollstuhlfahrerin eine Inspiration sei”, schreibt Laura Gehlhaar.

Dürfen wir vorstellen? Die ägyptische Hijabi-Heroine im großartigen Comic zum Alltagssexismus und wie sie dagegen ankämpft. Bäm.

Wie sieht eigentlich die Bibel für die Mädchen aus? Wie sehen Pralinen für die Männer aus? Eine Ansammlung dieser gegenderten Produkte findet ihr hier. Warum? Pointless.

Eine kritische Rezension erfährt Laury Pennys Buch ” Cybersexism: Sex, Gender and Power in the Internet

Anya Josephs analysiert Mary Lamberts neue Single “She keeps me warm” und weshalb es ein wichtig für die Abbildung queerer Realitäten ist. Lambert sagt, sie wollte nur eine lesbische Beziehung sichtbar machen.

Musst Du Dich fett nennen? Warum es sich beim Begriff fett auch um ein zurückerobern handelt.

Eine österreichische Studie hat herausgefunden, dass sich die Leistungen von Kindern mit Migrationsgeschichte erheblich schmälern, wenn sie kurz zuvor rassistische Plakate gesehen haben. Was fehlt eine Studie zur Sarrazin-Debatte.

Eine weitere Studie besagt, schlau sei das neue sexy. Liebe Frauen(tm) nun wisst ihr Bescheid, Männer stehen auf schlaue Frauen. Well.


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Backlash Blues? Der Jahresrückblick mit der Mädchenmannschaft

17. Dezember 2012 von der Mädchenmannschaft

Am 9. Dezember hat sich ein Teil der Mädchenmannschaft – nämlich accalmie, Charlott, Magda, Nadine und Sabine – zusammengefunden, und wir haben gemeinsam auf das Jahr 2012 zurückgeblickt. Bei Tee und Muffins sprechen wir über Aktionen aus dem Jahr 2012, die uns gefallen haben, stellen fest, dass sich das vergangene Jahr auf jeden Fall sehr nach Backlash anfühlte – und erklären warum.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Download (2h 32min 50s, mp3, 140 MB)

Nach dem Klick findet ihr unsere Themenübersicht mit Links und Inhaltswarnungen für bestimmte Themen. Falls wir beim Reden noch weitere Links versprochen haben und diese hier nicht zu finden sind, macht uns doch bitte einfach in den Kommentaren darauf aufmerksam.

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Wurzelbehandlung und Menstruation – Die Blogschau

1. Dezember 2012 von Charlott
Dieser Text ist Teil 183 von 242 der Serie Die Blogschau

Auf consume. be silent. die. schreibt Dani über Menstruation, Tabus und Frust. Wir freuen uns schon sehr auf den versprochenen zweiten Teil!

Passend, um beim Thema zu bleiben: Auf High on Clichés gibt es Tipps für alle Menschen, die unter Menstruationsschmerzen leiden. Und in den Kommentaren wird noch viel ergänzt.

Auf anders deutsch wird gezeigt, wie eine Pressemitteilung missverständlich wird, wenn Männer als Standard gesehen werden.

Feministisch erziehen ist schwierig. Auf Zehenspitzen schreibt darüber, wie es ist “inkonsequent konsequent ” zu sein.

[Inhalts-Warnung: sexualisierte Gewalt] Merle hat eine Frau getroffen, die sexualisierte Gewalt erlebt hat. Sie lässt sie auf ihrem Blog zu Wort kommen.

Speakerinnen 2.0 ist der (Arbeits)Titel für eine neue angedachte Plattform, wo demnächst die Arbeit losgehen soll. Mitstreiter_innen noch sehr erwünscht. Was es mit der Plattform genau auf sich hat und über das geplante Treffen in der nächste Woche blogt annalist.

Auf denkwerkstatt wird das neue Buch “Gewalt und Handlungsmacht. Queer_Feministische Perspektiven” besprochen.

Vom 19.-25. November fand die #InWoche statt. Eine kleine Nachlese gibt es auf dem Blog der Aktion.

Was bedeutet eigentlich radikal? Auf Gedankensalat… gibt es dazu einige Ideen und die Schlussfolgerung: Radikales Denken ist wie eine Wurzelbehandlung.

Meike von Mutterseelenallein sucht anwaltliche Unterstützung für eine Sammelklage für die Schaffung von Kita-Plätzen, denn ihre Analyse: Dass das Betreuungsgeld gleichzeitig kommt mit dem eigentlichen Recht auf Betreuung ist kein Zufall. So werden wohl Eltern, die trotz des rechts keinen Kitaplatz bekommen lieber das Trostpflaster beantragen anstatt zu klagen.

Ninia LaGrande nimmt an der Aktion “Wer braucht Feminismus?” teil und veröffentlicht einige Fotos auf ihrem Blog.

Kristin und Julia von hollaback! Berlin sprechen in einem Video für “One Billion Rising” über Gewalt gegen Frauen.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Ab an den Herd oder kocht ihr schon?

9. November 2012 von Sabine

So jetzt ist es beschlossen, die Herdprämie ist da*. Ab dem 1. August 2013 soll das Betreuungsgeld an Eltern bezahlt werden, die ihre Kinder zwischen dem 13. und 36. Lebensmonat nicht in staatliche Kitas geben, sondern zu Hause betreuen oder privat betreuen lassen von Oma, Opa, Au-Pair, Verwandte oder sonst wem.

Die FDP wollte zuerst nicht so recht, weil ihr das Betreuungsgeld nicht zeitgemäß erschien, auch innerhalb der CDU konnten einige mit der Herdprämie nichts anfangen. Mal abgesehen von der Opposition, und vor allem der Mehrheit der deutschen Bevölkerung, die gegen die Einführung des Betreuungsgelds ist. Aber dann gab es wieder einen dieser berüchtigten Deals innerhalb der Koalition: „Du gibst Herd, ich geb’ dir 10-Euro-Kassen-Erlass.“ Und da lässt sich die bedeutungslose FDP nicht lumpen. Hauptsache Mövenpick und segnet ab. Kristina (CDU) und Horst (CSU) müssen gestrahlt haben, waren sie doch die größten Befürworter des antifeministischen Projekts.

Bei der Einführung der Prämie gibt es für die Zweijährigen in Muttis Obhut zuerst 100 Euro und ab 2014 gibt es für Kinder im dritten Lebensjahr 150 Euro Taschengeld. Das Geld ist ein lächerlicher Betrag, und deckt vielleicht das Windelgeld und ein, zwei Dosen Babybrei ab. Kristina Schröder nennt das Wahlfreiheit, dabei ist es eine rechts-konservative Ideologie, die heute verabschiedet wurde. 100 oder 150 Euro monatlich sind keine Alternative zu einer Arbeitsstelle, der Abhängigkeit vom erwerbstätigen Elternteil (meist dem Partner), der erschwerten Rückkehr in die Arbeitswelt und einer Zementierung von Geschlechterrollen. Der Spagat zwischen Kinder und Erwerbstätigkeit, der oftmals von Frauen* thematisiert wird, wird hiermit ganz einfach gelöst.

Durch das Betreuungsgeld werden Anreize gesetzt zu Hause zu bleiben, sich um Kinder, Küche und Partner zu kümmern. Es sind Anreize für eine Hetero-Kleinfamilie: Frau, Mann, 2 Kinder. Kein Spagat, kein gar nichts. Es ist sozusagen das Dessert des heterosexuellen Ehegattensplittings, wo es von steuerlichem Vorteil ist, wenn der Mann mehr verdient als die Frau. Und Hartz-IV Empfänger_innen gehen de facto leer aus, wieder mal. Zwar soll ihnen das Betreuungsgeld ausgezahlt werden, doch soll die Leistung in vollem Umfang auf das Arbeitslosengeld II angerechnet werden. Queer_Feministische Alternativen? Forget it!

Und weil Kleinvieh auch Mist macht, kommt da ein Betrag von satten 1,2 Milliarden Euro zusammen. 1,2 Milliarden Euro, die auch in den Ausbau von den staatlichen Kitas hätte investiert werden können. Da gibt es nämlich Baustellen, die haben auch eine Hausnummer: 220.000. So viele Kita-Plätze fehlen nämlich. Vielleicht ist es ja auch das Beiwerk, denn wenn es sowieso keine Plätze gibt, warum nicht zu Hause bleiben und kochen? Ich koche zumindest. Und ihr, wie wollt ihr leben?

*Abstimmung: 310 Abgeordnete dafür, 282 dagegen, 2 Stimmenthaltungen.


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Zur Einstimmung auf den Sommer: Politik statt Bikinis

15. Juni 2012 von Helga

Allerorten weisen „so kommen Sie zur Strandfigur“ und „die 132 knappsten Bikinis“ bereits auf den Sommer hin. Vielleicht liegt es am wenig sommerlichen Wetter – aber von Frauenzeitschriften einmal abgesehen, scheint Frauenpolitik vor der Sommerpause das heißeste Thema dieses Jahr zu sein.

Wenig geschickt stellte sich da die Koalition von Angela Merkel an, die vor besagter Sommer­pause „noch schnell“ und möglichst unbemerkt das Betreuungsgeld durchdrücken wollte. Nach dem zahlreichen Protest im Internet (Nein zum Be­treuungs­geld!), hat die Opposition die Situation grundlegend gedreht. Sie nutzte die Freitagsleere auf den Rängen von CDU und FDP und ließ die Be­schluss­un­fähig­keit des Bundes­tages feststellen. Klar: Ein parlamentarischer Trick. Daraus einen „Anschlag auf den Parlamentarismus“ zu zimmern, wie es der Parlamentarische Ge­schäfts­führer der FDP, Jörg van Essen, tat ist allerdings verfehlt.

Viel fragwürdiger ist die geplante Einführung des Betreuungs­geldes selbst. Seit November hat sich die Ablehnung in der Bevölkerung von 53 auf 71 Prozent ge­steigert. Anhänger_innen aller Parteien sind dagegen und auch im Parlament zeichnete sich zumindest heute keine Mehrheit ab. Auch die Vorwürfe von CDU-General­sekretär Hermann Gröhe, die Opposition hätte den Austausch im Parlament suchen sollen, sind Irrlichter. So berichtete der Tagesspiegel, dass eben jene Opposition erst am Mittwoch gefordert hatte, mehr Zeit für die Vorbereitung der Debatte zu bekommen. Erst fundierte Diskussionen verhindern und dann einfordern – na besten Dank Herr Gröhe.

Dass die „Schuld“ am Scheitern nun wirklich nicht alleine bei SPD, Grünen und der Linken zu finden ist, zeigt nicht zuletzt, dass auch Familien- und Frauenministerin Kristina Schröder nicht anwesend war!


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Ein lautes Nein zum Betreuungsgeld – Jetzt unterschreiben!

6. Juni 2012 von Maria
Dieser Text ist Teil 6 von 18 der Serie Feminismus im Recht

Das Betreuungsgeld für Eltern, die keine öffent­lichen Kinder­tages­betreuungs­angebote nutzen, soll ab 2013 kommen. Heute ist der Gesetz­entwurf von Kristina Schröder Thema im Regierungs­kabinett, die Ver­abschiedung im Bundes­tag soll sogar noch vor der Sommer­pause erfolgen. Dieses hoch­umstrittene Projekt soll nun also schnell und möglichst lautlos ab­geschlossen werden.

Die Mädchenmannschaft hat mit neinzumbetreuungsgeld.de einen über­parteilichen und von verschiedenen Organisationen unter­stützten Aufruf unter­schrieben, der den Abgeordneten der Regierungs­koalition ein lautes Nein zum Betreuungsgeld zuruft. Wir wollen das Geld lieber in gute öffentliche Kinder­tages­betreuungs­angebote investiert sehen.

Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungs­platz ab dem 1. Geburtstag, der ab Oktober 2013 gilt, kann nach momentanem Stand nicht für jedes Kind, das einen Platz braucht, ein­gelöst werden. Statt­dessen sieht der Gesetz­entwurf von Kristina Schröder bereits ab Januar 2013 die Zahlung von 100 Euro vor, wenn Eltern keinen Krippen­platz und keine vom Jugendamt bezahlte Tages­pflege in Anspruch nehmen. Ein klares familien­politisches Ver­sagen und keineswegs ein Beitrag zu mehr Wahl­freiheit, als der es gern ver­kauft wird. Eine familien­politische Not­wendigkeit für das Betreuungs­geld besteht also nicht. Familien im „Hartz IV“ Bezug wird das Betreuungs­geld keine finanzielle Anerkennung ihrer Betreuungs­leistung bringen, jedenfalls keine spürbare im Portemonnaie, denn das Betreuungs­geld wird in voller Höhe als Einkommen angerechnet.

Das Betreuungsgeld will niemand – außer der CSU. Auch viele Abgeordnete aus CDU und FDP, zum Beispiel die Gruppe der Frauen in der CDU, haben in der Vergangen­heit ebenfalls laut Kritik am Betreuungs­geld geäußert. Vielleicht kann öffentlicher Druck einige davon über­zeugen, das Betreuungs­geld nicht einfach zu schlucken oder durch­zuwinken.


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Hauptsache Anti Anti – die Blogschau

5. Mai 2012 von Verena
Dieser Text ist Teil 159 von 242 der Serie Die Blogschau

Eine Nachlese zur Verschenkaktion ihres Buches hält Cronenburg und stellt fest, dass die Diskussion um Urheberrechte in dem Zusammenhang lebhaft, aber sachlich geführt wurde.

Babykram und Kinderkacke kotzt sich übers Betreuungsgeld aus. Nicht zum ersten Mal, aber manchmal hält die Übelkeit eben an. Und Achtung: Satire!

Das feministische Magazin an.schläge berichtet im Mai unter anderem über Intersexualität, Playboy-Fantasien und Louise Bourgeois.

Auf ryuus hort findet ihr einen Beitrag zu Femininität und Bisexualität in der Gothic-Szene.

Bei CDU-Watch hat mensch wahrscheinlich täglich etwas zu Lachen. Zuletzt über die Aussage des CDU-Stadtrates in Plauen, Dieter Blechschmidt, Schwule und Lesben könnten nichts für ihre Krankheit.

Kai ist jetzt auch mit dabei zählt seine ihre persönlichen Höhepunkte des Films “Miss Representation” auf, der die misogynistische Darstellung von Frauen in Medien thematisiert und welche Konsequenzen dies für die Gesellschaft hat.

Afrika Wissenschaft ärgert sich über das hashtag “firstworldproblems” und klärt über den”first world”-Begriff auf.

Mitgemacht werden kann auch beim Kreativwettbewerb von Terre de Femmes. Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahre sind aufgerufen, mit der eigenen kreativen Superheldin gegen Zwangsheirat aktiv zu werden. Einsendeschluss ist der 30. Juni.

Ein Klick auf das Blog Ich hab nicht angezeigt lohnt sich. Hier geht es um von sexualisierter Gewalt Betroffene, die keine Anzeige erstattet haben.

Back to the Basics: Grundsätzliche Gedanken zum Feminismus macht sich Johannas Blog.

Pin Up Kunst für Queers gibt es bei off the rocket.

Andreas Kemper verlinkt zum pdf einer Analyse von Anfang des Jahres, die den Androzentrismus bei Wikipedia dokumentiert.

andersdeutsch ist irritiert, dass die Deutsche Welle über die “Best Social Activism Campaign” als Antwort auf die Verhaftung der syrischen Bloggerin Razan Ghazzawi im Dezember 2011 berichtet, ohne zu erwähnen, dass Ghazzawi erneut inhaftiert wurde.

Am 6. Mai ist Internationaler Anti-Diät Tag. Bereits Ende April traf sich die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung zur Tagung. ARGE Dicke Weiber berichtet.

Infos zum Internationalen Anti-Diät Tag findet ihr auch unter unseren Terminen: (mehr…)


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Betreuungsgeld nur für die “Guten”

25. April 2012 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 44 von 55 der Serie Meine Meinung

Warum das sogenannte Betreuungsgeld nur aus einer sehr bestimmten Perspektive ein gutes Konzept ist, sollte inzwischen klar sein. Und es wird immer klarer. Heute morgen, als das Kind und ich gerade dabei waren, uns mehr oder weniger fröhlich und freiwillig (danke, emanzipiert sind wir nämlich selber, meine Familie und ich!)  für Fremdbetreuung und Erwerbsarbeit fertig zu machen, hörte ich es im Radio: Die Regierungskoalition hat sich auf einen “Kompromiss” geeinigt, was die Auszahlung des geplanten Betreuungsgeldes angeht. Und die Lösung ist total super und  einleuchtend, wenn auch kein Stück überraschend, passt auf.  Nämlich, Bezieher_innen von Alg II (“Hartz IV”) sollen das Geld zwar ausgezahlt kriegen. Wow! Es soll dann jedoch mit dem monatlichen Regelsatz verrechnet, sprich: davon abgezogen werden. Was also bedeutet, das Arbeitsministerium spart sich was ein, aber diese Familien können damit faktisch überhaupt nichts anfangen.

Sollen sie aber auch nicht. Denn wie wir ja wissen:  Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht komplett mittels eigener Erwerbstätigkeit erwirtschaften (oder halt nicht irgendwie von selber ganz viel Geld haben, geerbt oder so, was ja auch eine enorme Leistung ist, und Leistung muss sich bekanntermaßen lohnen, ist schließlich zugunsten der Gesellschaft), machen das auch nicht so gut mit ihren Kindern. Also, das sind halt prekäre Familien, die sind bildungsfern und können oft auch nicht ordentlich Deutsch und so, und da ist es auf jeden Fall besser, wenn man die nicht auch noch durch NOCH MEHR Geld dazu ermutigt, ihre Kinder rund um die Uhr selbst zu betreuen. (mehr…)


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