Einträge mit dem Tag ‘Berufsleben’


She-Boss

7. Dezember 2009 von Barbara

Das äußerst lesenswerte Buch “Die Räuberbraut” von Margaret Atwood (Erstausgabe erschienen 1993) erzählt von drei Frauen, die alle von einer vierten, der “Räuberbraut” böse verarscht werden: Diese skrupellose, wahnsinnig attraktive Frau spielt ihnen die Freundin vor, die Hilfe und Rat sucht, sie lügt aber nach Strich und Faden und verrät die Freundschaft aufs Übelste. Die drei Frauen verlieren durch den Verrat einen großen Teil ihres Selbstbewusstseins, viel Geld – und ihre Männer.

Margaret Atwoods Bücher haben immer einen feministischen Touch (besonders zu empfehlen ist auch “Der Report der Magd” von ihr), und sie beschreibt Gedanken, die ich kenne. So zum Beispiel diese:

Es ist kompliziert, ein weiblicher Boss zu sein. Frauen sehen einen nicht an und denken Boss. Sie sehen einen an und denken Frau, wie in: Nur eine Frau, genau wie ich, und was bildet sie sich eigentlich ein? Ihre kleinen Sextricks funktionieren nicht bei dir, deine eigenen kleinen Tricks funktionieren nicht bei ihnen; große blaue Augen sind kein Vorteil. Wenn du ihre Geburtstage vergisst, bist du der letzte Dreck, wenn du sie kritisierst, heulen sie, und sie tun es nicht einmal auf der Toilette, wie sie es bei einem Mann machen würden, sondern vor deinen Augen, wo du sie sehen kannst, sie erzählen dir ihre unglückseligen Geschichten und erwarten Verständnis, aber versuch nur ein einziges Mal, eine Tasse Kaffee von ihnen zu bekommen. Leck deine Briefmarken gefälligst selbst, Lady. Sie bringen dir den Kaffee, das schon, aber er ist kalt, und dazu hassen sie dich auf immer und ewig. Bin ich dein Dienstmädchen?, hat sie selbst immer zu ihrer Mutter gesagt, sobald sie groß genug war, um widerspenstig zu sein.

Genau.

Wohingegen genau dieselben Frauen für einen männlichen Vorgesetzten ganz selbstverständlich springen würden. Sie würden die Geburtstagsgeschenke für seine Frau kaufen, sie würden die Geburtstagsgeschenke für seine Geliebte kaufen, sie würden Kaffee kochen, sie würden ihm die Pantoffeln im Mund nachtragen wie ein gut trainiertes Hündchen, Überstunden kein Problem.

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Kriegst du weniger? Oder mehr?

22. August 2008 von Barbara

Dieses Thema hatten wir hier schon öfter: “Frauenlohnspiegel: Frauen verdienen 22 Prozent weniger als Männer”. Die Umfrage der Internetseite “Frauenlohnspiegel”, an der sich 2007 rund 68.000 Beschäftigte in Deutschland beteiligt haben, ergab einen durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst von Frauen, der rund 22 Prozent unter dem der Männer liegt.

Nun lehrt die Erfahrung, trau keiner Statistik, es sei denn, du hast sie selbst gemacht. Auch darüber wurde hier schon öfter diskutiert. Deswegen ganz direkt: Wer hier weiß, dass sie weniger verdient als ein Kollege in derselben Position mit derselben Qualifizierung, bzw. dass er mehr verdient als eine Kollegin in derselben Position mit derselben Qualifizierung?

Über die Gründe dieses hohen Unterschieds wird auch viel gesprochen: Häufigere Berufsunterbrechung, kürzere Berufserfahrung, die geringere Zahl von Führungspositionen für Frauen und die partiell noch geringere Qualifikation werden bei der Hans-Böckler-Stiftung genannt. “Zahlreiche Studien zeigen jedoch: Es gibt immer noch eine Lohndiskriminierung. Nach wie vor bekommen Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld als Männer”, so auch dort der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Dr. Reinhard Bispinck.

Also: Kriegst du weniger? Oder mehr? Oder wie?


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