Einträge mit dem Tag ‘Beratung’


Möglichkeiten und Grenzen aktivistischer, emanzipatorischer Arbeit – Fragen zu #ausnahmslos

12. Januar 2016 von Nadia

Gestern startete mit ausnahmslos.org eine Initiative, die gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus eintritt. Das Statement, das ihr auch unterzeichnen könnt über dieses Online-Formular, wird derzeit auch mit dem Hashtag ‪#‎ausnahmslos‬ in den sozialen Netzwerken verbreitet. Personen, deren Arbeit ich sehr schätze und die ich für sehr fähig halte, haben bei der Vorbereitung und Formulierung dieser Kampagne viel Kraft und Zeit investiert. Mit über 700 Unterstützer_innen ist die Kampagne auch erfolgreich gestartet, wozu man ohne Frage gratulieren kann. Angesichts des Statements brennen mir (weitere) Fragen auf den Nägeln; einige davon beschäftigen mich in Bezug auf die Möglichkeiten emanzipatorischer Arbeit teilweise auch schon länger. Insofern bezieht sich natürlich nicht jede meiner Überlegungen stringent auf Inhalte des Positionspapiers.

Im Folgenden möchte ich meine Überlegungen teilen. Diese sind mit Sicherheit nicht vollständig und ebenfalls an vielen Stellen korrektur- und ergänzungsbedürftig. Mir geht es in einem ersten Impuls um folgende Fragen, und zwar in Bezug auf die Möglichkeiten und Grenzen von aktivistischer, emanzipatorischer Arbeit:

Was kann von Polizei, Justiz und Staat im Kampf gegen Sexismus und Rassismus und jegliche andere -ismen realistisch erwartet werden? Was hat uns die Politik der letzten Jahre gelehrt? Was ist mit der Rassifizierung und Kriminalisierung durch den Staat? Was ist mit Racial Profiling, den Einigungen auf eine weitere Verschärfung der Asylpolitik, unserer derzeitigen Sozialpolitik? Was ist mit Hartz IV bzw. insgesamt der Grundsicherung und dem Sozialabbau? Wo können wir angesichts dieser Instrumente, von denen es noch unzählige weitere gibt, auf Allianzen und Kooperationen hoffen? Können wir überhaupt darauf hoffen?

Was ist mit der systematischen und institutionalisierten Benachteiligung und Diskriminierung von marginalisierten Personengruppen? Was ist mit struktureller Gewalt? Was ist mit Täterschutz, und wenn er bisher aufgrund spezifischer Interessenlagen besteht, kann darauf gehofft werden, dass er abgeschafft wird? Was ist mit der sekundären Viktimisierung von Gewaltopfern durch die Polizei und anderen Instanzen? Was ist mit Polizeigewalt im Allgemeinen?

Was lehren uns Skandale wie die NSU-Mordserie? Was ist mit der (auch sexualisierten) Gewalt, die geflüchtete Frauen tagtäglich erleben müssen? Wann finden unsere Aufschreie statt, und wie heterosexistisch und weiß-feministisch sind sie? Was ist mit der systematischen ökonomischen, kulturellen und sozialen Benachteiligung von Personen?

Ist ein feministisches Consulting und/oder Coaching unserer Institutionen sozialer Kontrolle ein Teil der Lösung, wenn genau diese Institutionen oft auch Teil des Problems sind? Können wir mit guter Hoffnung an Apparate appelieren, die seit Jahrhunderten zur Standswahrung von Privilegien und Abhängigkeiten funktionieren? Was lehrt uns die Ethnisierung sozialer Missstände und die Befeuerung von Entsolidarisierungstendenzen? Was ist mit der Dethematisierung von Armut? Was ist mit Chancenungleichheit? Müssen wir über Kapitalverteilung sprechen?

Was ist mit unseren Beratungsstellen? Wie thematisieren wir die Reproduktionen von Rassismus, Ableismus, Klassismus, Transfeindlichkeit und auch Sexismus vieler Beratungsstellen in Deutschland? An wen richtet sich das Beratungsnetz in Deutschland? Wie divers ist es? Wann basiert es eher auf stereotypen Vorstellungen von Lebenswelten? Wer wird exkludiert? Und warum? Welche (historischen/politischen/sozialen) Interessenlagen bestehen an der Arbeit unserer Beratungsstellen und Initiativen? Was wird gefördert und was nicht oder weniger, und warum? Haben wir im Hinterkopf, dass die Arbeiten unserer Beratungsstellen nicht nur kontextlos und rein idealistisch-karitativ funktionieren, sondern immer auch in ein kulturelles System eingebunden sind? Wer profitiert von diesem kulturellen System (zum Beispiel bei der Vergabe von Fördergeldern), und wer wird marginalisiert? Wer profitiert bisher von den Beratungsangeboten und warum und wer nicht? Wie trägt unser Beratungsnetz zur Reproduktion von Marginalität und Privilegien bei? Wer berät und warum, und welche Macht- und Gewaltstrukturen, welche Paternalismen werden dadurch reproduziert?

Wie muss eine öffentliche Aufklärungsarbeit, eine geschlechtersensible Pädagogik aussehen, die Gewalt vermeiden kann, vor allem, wenn: siehe oben? Wie kann dafür gesorgt werden, dass eine solche Arbeit nicht nur kontextlos und fernab unserer historischen, sozialen und politischen Entwicklungen und Realitäten stattfindet? Was ist mit der Stärkung von Gegenkultur und wie kann diese aussehen? Wie kann eine anti-istische Arbeit aussehen, die nicht nur auf die „Gewissensberuhigung der Mehrheitsgesellschaft“ (Noah Sow) abzielt?

(Ich möchte bei dieser Gelegenheit auch transparent machen, dass ich selbst das Statement (noch) nicht unterzeichnet habe.)


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Rassistische Gesetze, „gleichgeschlechtliche“ Ehe, Nobelpreisgewinnerinnen – kurz verlinkt

8. Oktober 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 257 von 340 der Serie Kurz notiert

Heute feiern wir die 250. Ausgabe unserer wöchentlichen Reihe „Kurz Verlinkt“ – Glitzerkonfetti :)!!!

deutschsprachige Links

Was machen Frauen auf der Bühne? Ganz klar: lieben! Um dann meistens ruckzuck zu sterben (Drama) oder zu heiraten (Komödie), während es anderen überlassen bleibt, sich an der Welt aufzureiben. Warum eigentlich? Die Debüt-­
Arbeiten von drei Nachwuchsregisseurinnen geben scheppernde Antworten auf die dröhnende Frage, wer warum welche Rolle spielt – nicht nur im Theater. Am 18., 20., 21. und 22. Oktober 2014 in Berlin im Ballhaus Naunynstraße.

Das Rollstuhlfräulein sucht im Bereich Social Media einen Job in einem Unternehmen in Bochum und Umgebung, das barrierefrei ist.

Angsichts der jüngst bekannt gewordenen Gewalttaten gegen Geflüchtete stellt die taz fest: „Das Bürgertum führt die Situationen herbei, in denen Gewalt ausgeübt wird, und zeigt dann auf die, die es zu diesem Zweck rekrutiert“.

Hendrik Cremer legt anhand von Rechtsnormen und Gesetzen in der BRD dar, warum verdachtsunabhängige Personenkontrollen nicht nur rassistische Polizeipraxis nach sich ziehen (racial profiling) und Rassismus gesamtgesellschaftlich stabilisieren, sondern auch bereits ihre festgeschriebene gesetzliche Legitimation im Kern rassistisch ist.

Am 3. Oktober wurden zwei Kneipen und deren Besucher_innen in Bonn von extrem rechten „Fußballfans“ angegriffen.

#FergusonIsEverywhere: Jamie Schearer, Julius Franklin und Tahir Della von der ISD haben mit dem Freitag über Racial Profiling und alltägliche Diskriminierung in Deutschland gesprochen.

Die Süddeutsche berichtet aus den USA: Über­ra­schend hat es der Su­preme Court ab­ge­lehnt, über die Recht­mäßig­keit sog. gleich­ge­schlecht­licher Ehen in fünf US-Bundes­staaten zu ent­scheiden – da­durch blei­ben die Gesetze und somit die bestehenden Ehe(möglichkeite)n dort in Kraft.

Über die ak­tuel­le Aus­stel­lung der süd­afri­kani­schen Foto­grafin_Akti­vi­stin_Profes­sor­in Za­ne­le Mu­ho­li be­rich­tet (in ei­nem mittel­guten Ar­ti­kel) die Augs­bur­ger All­gemei­ne – siehe auch weiter unten unsere Termine.

In der Jungle World stellen Eike Sanders, Ulli Jentsch und Felix Hansen, Mitarbeiter des Antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrums Berlin (apabiz), ihr neues Buch „Deutschland treibt sich ab“ vor und geben Antworten zur Bewegung der antifeministischen „Lebensschützer_innen“.

„Eine gerechte Gesellschaft sollte anders aussehen“: der Bayrische Rundfunk interviewt Anne Wizorek zu ihrem Buch „Weil ein #Aufschrei nicht reicht.“

Frauen helfen Frauen e.V. sammeln in Mecklenburg-Vorpommern gerade Unterschriften für einen „Zugang für alle!“ zum Beratungs- und Hilfenetz in Fällen häuslicher und sexualisierter Gewalt.  3.000 Unterschriften werden noch gebraucht. Am 25.11.2014 ist eine Demo dazu in Schwerin geplant – siehe weiter unten bei den Terminen.

englischsprachige Links

Wie US-Bundes­staats­ge­setze konsti­tu­tio­nel­le Ab­trei­bungs­rech­te aus­he­beln, berichtet Andrew Rosenthal in der New York Times.

Die Sängerin Mary Lambert schreibt auf ihrer Website über grenzüberschreitende Fans und Interviewer_innen, eigene (sexualisierte) Gewalterfahrungen und Retraumatisierung.

„A Her­story of the #BlackLivesMatter Move­ment“ und über die Ver­ein­nah­mung von Theorie­bil­dung und Akti­vis­mus schreibt Ali­cia Gar­za bei The Femi­nist Wire.

Buzzfeed porträtiert die chinesisch-US-amerikanische Schauspielerin Anna May Wong. So fähig sie in ihrem Beruf war, so häufig wurde sie nur als „exotische Lotusblume“ besetzt, und selbst dann konkurrierte sie mit weißen Schauspielerinnen in Yellowface.

Kein Nobelpreis ist für besonders hohe Frauenanteile bekannt, aber um den Nobelpreis für Physik ist es besonders schlecht gestellt. In den letzten 50 Jahren gewann keine einzige Frau. Slate stellt einige vor, die es verdient hätten.

Termine in Berlin, München, Ulm und Schwerin (mehr …)


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Arbeit der Bremer Lesben- und Schwulenberatung RAT&TAT gefährdet

28. Mai 2013 von Nadine

Nachdem die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit vor ein paar Wochen ankündigte, der Lesbenberatung Berlin e.V. und dem Familienplanungszentrum Balance insgesamt 30.000 Euro zu kürzen (wir berichteten), zückt nun auch der Bremer Senat den Rotstift. Gesundheitssenator Schulte-Sasse, der erst wenige Monate im Amt ist, will ab diesem Jahr insgesamt 150.000 Euro einsparen. Der Betrag soll in voller Höhe beim Zentrum für Lesben und Schwule e.V., RAT&TAT, gestrichen werden. Damit würde die komplette Zuwendungshöhe für RAT&TAT wegfallen. Die Einrichtung, die seit 30 Jahren Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*Personen unter anderem in Konflikt- und Krisensituationen zur Seite steht, wäre somit von der Schließung bedroht.

SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe kündigte an, den Plänen des Gesundheitssenators nicht zuzustimmen, wie Radio Bremen heute berichtete. Dies könnte zwar die Schließung der Einrichtung abwenden, dass das Kürzungsvorhaben mit dem Veto vom Tisch ist, ist allerdings unwahrscheinlich. Somit steht auch in Zukunft die Arbeit von RAT&TAT auf wackeligen Füßen, egal wie die Bremer Haushaltsplanung letztendlich ausfallen wird.

Um gegen die geplanten Streichungen zu protestieren, hat das Beratungszentrum eine Online-Petition eingerichtet, die ihr mitzeichnen könnt.


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