Einträge mit dem Tag ‘Backlash’


Ein Buch nach dem Anderen: Literatur aus Sri Lanka sowie Bücherclubs, das FBI und gebannte Werke

7. Oktober 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 86 von 86 der Serie Die Feministische Bibliothek

Gelesen auf Papier

Vor einiger Zeit habe ich mir angewöhnt, wenn ich reise auch gleich die “passende” Literatur mitzunehmen, nämlich jene von Autor_innen aus dem betreffenden Land/Region/Stadt oder die über diese schreiben. Dementsprechend regionaleinseitig gestaltet sich auch mein Lesestappel vom September: Im Mittelpunkt stehen englischschreibende Autor_innen aus Sri Lanka.

In Writing Sri Lanka: Literature, Resitance and the Politics of Place (2007, Routledge) analysiert Minoli Salgado das Schaffen von acht Autor_innen, die alle auf Englisch publizieren. Als roter Faden ziehen sich durch die Kapitel Fragen rund um Grenzziehungen. Wer wird als zugehörig konzeptionalisiert? Wer ausgeschlossen? Wie werden Grenzen zwischen “in Sri Lanka lebend” und “Diaspora” gezogen? Welchen Einfluss hat dies auf die Rezeption? Aber auch: Welche Grenzen werden in den Werken überschritten, aufgeweicht oder doch neu gezogen? Das Buch gibt einen spannenden Einblick in die betrachteten Literaturen (vor allem auch der zweier AutorINNEN: Jean Arasanayagam und Punyakante Wijenaike)  und das Umfeld, in welchem sie publiziert und rezepiert werden. Es ist aber eine wissenschaftliche Studie, die ohne Voriwssen zu literaturwissenschaftlichen Theorien (und insbesondere postkolonialen Theoretiker_innen) schwer zu lesen ist.

Glücklichweise veröffentlicht Salgado just in diesem Monat (morgen ist die Vorstellung in London) ihren eigenen Debut-Roman A Little Dust On The Eyes, in dem sie viele der Themen, die sie in Writing Sri Lanka herausgearbeitet hat, selbst literarisch aufgreift.

Da ich selbst erst kurz vor Abreise mich erinnerte, dass ich noch Romane besorgen muss_wollte, war meine Leseliste dann abgesehen von Salgado eine männlichdominierte – denn leider ist es ja bei den meisten Literaturen schneller möglich Autoren und deren Werke ausfindig zu machen, als die von Autorinnen. Ich las Reef (2011 (erstveröffentlicht 1994), Penguin Books) und Noontide Toll: Stories (2014, Penguin Books) von Romesh Gunesekera. Ersteres gibt es auch als “Riff” in deutscher Übersetzung. Außerdem las ich Running in the Family (1993 (erstveröffentlicht 1982), Vintage) von Michael Ondaatje, besser bekannt als der Autor von “Ein englischer Patient”. Auch sein Buch wurde übersetzt (“Es liegt in der Familie”), ist zwar literarisch nicht uninteressant, da es zwischen überwiegend prosaischen und poetischen Teilen wechselt, teilweise aber fehlen die tieferen Analysen der ihn umgebenden Gesellschaft. Nicht zu Unrecht wurde dem Buch Exotismus vorgeworfen. Spannend zu lesen ist es aber in Kombination mit dem entsprechenden Kapitel in Salgados Werk, in dem sie die Feinheiten des Texts auseinandernimmt. Zuletzt wandte ich mich Funny Boy: A Novel in Six Stories (1994, Vintage) von Shyam Selvadurai zu. Selvadurai schreibt eine fesselnde Familiengeschichte, in der es um so große Themen wie Identitäten und Zugehörigkeiten, Konstruktion von ethnischen Unterschieden, politische und_oder bewaffnette Konflikte und dem Coming-of-Age eines schwulen Jungen im Colombo der 1980iger geht. Leider bisher nicht ins Deutsche übersetzt.

 

Mitbringsel von der Buddhist Publication Society

Mitbringsel von der Buddhist Publication Society

Gelesen im Internet

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Äußerungen zum Nahost-Konflikt ™ und Abschließendes zur Männer-Fußball-WM – Die Blogschau

19. Juli 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 253 von 260 der Serie Die Blogschau

Die Aktionstour mit Women in Exile & Friends ist gestartet. Updates zu dieser und alle Termine gibt es auf einem Blog.

Über den Nahost-Konflikt ™ haben ja alle etwas zu sagen. Nadia hat bei Shehadistan gleich mal handliche Tipps veröffentlicht, wie diese Meinungsäußerungen besonders gelingen.

Abschließendes zur Männer-Fußball-WM gibt es bei Metalust: “Wenn Fussballdeuter Mythen nähren …“.

Es gibt so viele Gründe zu ranten findet Welcome to the Shoebox Castle! : Breitmachmacker, Anspruchshaltungen an Feministinnen, Unterrepräsentation von Wissenschaftlerinnen, allgemeiner Backlash, aber auch im Speziel “Sprachkritik” (also nicht jene von Feminist_innen, sondere solche gegen feministische Interventionen).

Different Needs hat ein Riot Grrrls ABC als Zine erstellt. Dieses kann jetzt erworben werden.

Auf umstandslos beschreibt Ina detailliert, wie lokale Netzwerktreffen für feministische Sorgetragende organisiert werden könnte: Was ist bei der Raumsuche zu beachten? Welche Termine passen? Wie erreicht eine_r die “richtigen” Leute?

Ich habe für Femgeeks ein tolles Comic gelesen und kann dies nur weiterempfehlen. Im Mittelpunkt stehen fünf Freundinnen, ein Sommercamp und allerhand Abenteuer – klingt nach einer altbekannten Mischung, wird bei Lumberjanes aber großartig als Ausgangspunkt für spannende Erzählungen jenseits der Norm genutzt.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Backlash Blues: Der Supreme Court verwirft Teile des Voting Rights Act

27. Juni 2013 von accalmie

Der er­ste der “Selma to Mont­gom­ery Mar­ches” (Sel­ma nach Mont­gomery-Mär­sche) am sieb­ten März 1965 ging als “Bloody Sun­day” (“Blutiger Sonn­tag“) in die Ge­schich­te der Schwarzen US-Bür­ger_innen­rechts­be­we­gung ein. 600 Aktivist_innen, an­ge­führt von Hosea Williams und John Lewis, hatten sich von der Stadt Selma (Alabama) auf den Weg zur Bundesstaatshauptstadt Montgomery gemacht, um der Er­mor­dung des Schwar­zen Akti­visten Jimmie Lee Jackson zu ge­denken und dem Gouver­neur George Wallace eine Peti­tion zu über­re­ichen, die die Um­setzung ei­nes un­ein­ge­schränk­ten Wahl­rechts auch für Schwarze US-Bürger_innen for­der­te. Auf der Edmund-Pettus-Brücke, die Rich­tung Mont­gomery führt, wurde der Protest­zug von der Polizei durch Schlag­stock- und Trä­nen­gas­ein­sätze ge­walt­sam auf­ge­halten und auf­ge­löst.

Sieb­zehn Akti­vist_innen wur­den teil­weise schwer ver­letzt in Kranken­häuser ge­bracht. Der Bloody Sun­day folgte Jahren an zum Groß­teil erfolg­losen Ver­suchen Schwarzer Bürger_innen­recht­sorga­nisa­tionen wie des Student Non-Violent Coordinating Committee (SNCC) und der Dallas County Voters League (DCVL), auch Schwarze US-Bürger_innen in Alabama und an­deren Süd­staaten als Wähler_innen zu registrieren. Im Gegen­satz zu z.B. deutschland muss man sich in den USA zur Aus­übung des Wahl­rechts eintragen lassen und be­kommt nicht auto­matisch eine Wahl­benach­richti­gung, wenn man das Wahlalter erreicht hat (u.a. auch daher, dass es kein “Einwohnermeldeamt” gibt).

Die Ereignisse sorgten für (inter)nationales Aufsehen, und dieser sowie zwei weitere Marschversuche von Selma nach Montgomery, organisiert von Martin Luther King, Jr. und Diane Nash,  trugen dazu bei, dass der damalige US-Präsident Lyndon B. Johnson nur wenige Tage später dem Kongress eine “Voting Rights Bill” (Wahlrechtsgesetzesvorlage) vorschlug, die im August 1965 zum Gesetz, dem Voting Rights Act, verabschiedet wurde.

Am Dienstag verwarf der Supreme Court der USA in einem knappen Urteil (5:4) den Paragraphen Vier des Voting Rights Act und stellte damit die gesamte Schlagkraft des Gesetzes in Frage. In der Urteilsbegründung hieß es unter anderem, dass “die Zeiten sich geändert” hätten und solche Provisionen nicht mehr gerechtfertigt seien. Scharfe Kritik kam von sowohl der US-Bundesregierung als auch zahlreichen Bürger_innenrechtsaktivist_innen der 1950er und 1960er und heute. Bereits im Februar, bei der ersten Anhörung des nun entschiedenen Falls Shelby County v. Holder, wies Melissa Harris-Perry auf die rassistische Argumentationsweise des konservativen Supreme Court-Richters Antonin Scalia hin: (mehr …)


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Lesestoff für das ganze Wochenende – die Blogschau

26. Januar 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 189 von 260 der Serie Die Blogschau

Im Pfuilleton (danke, Sabine :) ) wird ja derzeit ständig behauptet, man könne Kindern rassistische Begriffe doch einfach “erklären”.  Schwarze Kinder hat dabei offenbar kaum jemand im Sinn…
Bei Bühnenwatch hat sich Anneke Gerloff  die Mühe gemacht, viele der in der Kinderbuchdebatte breitgetretenen white-supremacy-Argumente  auseinander zu nehmen. Auch Anarchistelfliege schreibt über den rassistischen Backlash, verlinkt gute Beiträge  und fasst nochmal einiges zusammen. Außerdem gibt es dort noch ein paar erläuternde Gedanken zum Unterschied zwischen Befindlichkeit und Betroffenheit.

Body policing und body shaming sind machtvolle Facetten von Sexismus – damit einher geht das oftmals komplett verinnerlichte Bewusstsein, dass der eigene Körper permanent von anderen wahrgenommen, reguliert, be- und abgewertet wird.  Nahezu alle Frauen* sind davon betroffen. Besonders krass erfahren das allerdings dicke Frauen*, denen ihr  “Versagen” im Kampf um das Erfüllen bestimmter Normen permanent vor Augen geführt wird.  Riotmango rantet gegen das Verleugnen von Privilegien, die schlanke Menschen in diesem Kontext gegenüber dicken haben.

Kotzen über das Erzbistum Köln und Verhütungspolitik:  ein offener Brief mit Hintergrundinfos.

Kinder und Jugendliche werden von Erwachsenen mit einer Menge Ansprüchen und Erwartungen konfrontiert – auch in links-alternativen Umfeldern, wie Somlu beschreibt.

Warum sie sich die offenbar obligatorische Diät zum Jahresanfang getrost spart, schreibt Katrin auf Reizende Rundungen. Toll aussehen geht sowieso auch hervorragend ohne.

Eine Taxifahrerin lehnt die Beförderung eines Fahrgastes ab, der sie bei einer vorherigen Fahrt sexuell belästigt hat. Bald darauf folgt die Kündigung, sie sei nicht „hart genug für diesen Beruf“ – das Mädchenblog berichtet über den unfassbaren Vorfall.

A propos unfassbar: Khaos.Kind schreibt einen offenen Brief an die EMMA, die sich in ihrer letzten Ausgabe in Sachen Bullshit selbst übertroffen hat.

Verharmlosung und Relativierung von sexistischen Übergriffen, Teil 6748: FDP-Politiker Rainer Brüderle hat eine Journalistin belästigt, und wer steht im Fokus der Kritik?  Na, ratet mal (Lösung bei Merle Stöver).
Die im Zuge des Vorfalls entstandene Twitterkampagne #aufschrei betrachtet das Antiblog und gibt praktische Hinweise, wie es weitergehen könnte. Auf Zehenspitzen sucht für sich einen Umgang mit Street Harrassment. Auch Frau Dingens erträgt den Normalzustand rape culture nicht mehr.

Ein neuer Stern am Bloghimmel:  Don’t degrade Debs, darling! startet mit wichtigen Fragen zur eigenen Identität:  “Habe ich das Recht Attribute die mir gefallen, die sich für mich erstrebenswert anfühlen anzunehmen oder muss ich dafür etwas erfüllen? Was ist entscheidend? Wie mich andere wahrnehmen? Wohl kaum! Wie ich mich selbst wahrnehme oder was ich mir wünsche zu sein? Kann ich Begrifflichkeiten entwerten oder ihnen die Schlagkraft nehmen, weil ich nicht genug irgendwas bin? Ab wann darf ich mich mit Dingen identifizieren?”

accalmie erklärt auf ihrem Blog noch mal das mit dieser Zensur und wer hier eigentlich wen ausschließt (auf Englisch).

Wie sich diskriminierendes Verhalten erkennen und bekämpfen lässt, darüber schreibt Zweisatz  – inzwischen bereits Teil 6.
Dazu passt eine anonyme Online-Umfrage, die Nejra Drljevic im Rahmen ihrer Bachelorarbeit in Sozialer Arbeit durchführt. Diese Befragung richtet sich an Frauen islamischer Religionszugehörigkeit und fragt u.a. nach Diskriminierungserfahrungen und Umgangsformen damit. Die Forscherin freut sich über rege Teilnahme.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Backlash Blues? Der Jahresrückblick mit der Mädchenmannschaft

17. Dezember 2012 von der Mädchenmannschaft

Am 9. Dezember hat sich ein Teil der Mädchenmannschaft – nämlich accalmie, Charlott, Magda, Nadine und Sabine – zusammengefunden, und wir haben gemeinsam auf das Jahr 2012 zurückgeblickt. Bei Tee und Muffins sprechen wir über Aktionen aus dem Jahr 2012, die uns gefallen haben, stellen fest, dass sich das vergangene Jahr auf jeden Fall sehr nach Backlash anfühlte – und erklären warum.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Download (2h 32min 50s, mp3, 140 MB)

Nach dem Klick findet ihr unsere Themenübersicht mit Links und Inhaltswarnungen für bestimmte Themen. Falls wir beim Reden noch weitere Links versprochen haben und diese hier nicht zu finden sind, macht uns doch bitte einfach in den Kommentaren darauf aufmerksam.

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Neues Quotenargument: weibliche Schönheit beflügelt den männlichen Konzernchef!

8. Februar 2011 von Nadine

Dass Feminist_innen und Aktivist_innen für soziale Gerechtigkeit auf nicht viel (zuweilen gar keine) Unterstützung der vermeintlichen Qualitätsmedien hoffen können, dürfte hinreichend bekannt sein. Auch zur Quotendebatte trug die selbsternannte vierte Gewalt im Staat nichts Neues oder Konstruktives bei. Während Zeit Online erst im Nachhinein an der peinlichen “Zickenzoff”-Überschrift (aka. drei Politikerinnen gehen ihrer Arbeit nach) herumdoktorte, schaffte es die Tagesschau, populistisch und plump Stimmung gegen Quotierungsregelungen zu machen. Die FAZ suhlte sich mal wieder in ihrem neoliberalen Duktus und fand doch tatsächlich heraus, dass staatliche Interventionen für mehr Chancengleichheit irgendwie gegen die Logik des freien Marktes seien (ach nee?!) und deshalb ungerecht. Gerechtigkeit ist also ungerecht. Hä?  Außerdem seien die Quotenuschis der Ursula von der Leyen eigentlich gar nicht richtig qualifiziert. Diskriminierung gegen männliche Leistungsträger! An dieser Stelle habe ich als Feministin logischerweise wenig Verständnis für die Belange einzelner Privilegierter.

Immer, wenn die Quotendebatte aufflammt, weil die EU Druck macht, Deutschland im internationalen Vergleich in Sachen Geschlechtergerechtigkeit peinlich weit hinten platziert ist, Frauenministerin Schröder auch mal was sagen will oder die Telekom sich als furchtbar progressiv inszeniert, schmeiße ich mein Mixtape “vermeintliches Geschlechterwissen meets MC Phrasenschwein” in den Player, drücke auf Play und widme mich Dingen, die Spaß machen. Zum Beispiel Theorien und Studien, die all das widerlegen, was da so aus den schlauen Köpfen vieler Journalist_innen purzelt, die allein aufgrund ihres Besitzes eines Geschlechts der Meinung sind, Expert_in auf dem Gebiet der Gleichberechtigung zu sein. Wie weit sind wir schon gekommen, dass Geschlecht als einziges Qualifikationsmerkmal zählt!

Heute morgen flatterte mir die neueste Zote von Josef Ackermann auf den Desktop, der sich nicht dafür schämt, Frauen allein deshalb in die Unternehmen schubsen zu wollen, weil sie gut aussehen und den Sugar Daddy der Finanzkrise kreativ befördern. Da werden sogar die konservativen Damen Aigner und Koch-Mehrin ausfällig. Und als ob all das, was da in den letzten Wochen an Absurdem im Namen des Alltagswissens und der Meinungsfreiheit hinauspostuliert wurde, zusammengenommen nicht schon Grund genug wäre, soziale Gerechtigkeit und Sensibilität in Genderfragen hierzulande für gescheiterte Projekte zu erklären, schwingt sich nun die Welt auf, den Geschlechterbacklash in astronomische Höhen zu katapultieren:

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Männer mögen so etwas

15. Juli 2009 von Barbara

In der Süddeutschen Zeitung erschöpft sich Georg Diez über die neue ARD-Serie “Geld.Macht.Liebe”. Die hält, was ihr Titel verspricht – eine Serie über Bankenimperien, Geld und reiche, gelangweilte Menschen. Was Diez aber übel aufgestoßen ist, war eine Szene aus der zweiten Folge. Die Tochter sagt über das Bild, das ihr Mann gekauft hat, das sei einem “kranken Hirn” entsprungen. Sie mag offensichtlich keine moderne Kunst. Ihre Mutter gibt ihr Recht, merkt aber auch an, dass sie, wenn sie klug seie, ihrem Mann trotzdem recht gäbe in Sachen Kunstgeschmack und auch sonst, denn, “Männer mögen so etwas.”

Tja. Die ARD. Ist das ein Test? Ob wir den Fehler finden? Ob wir uns aufregen? Ob wir schon eingeschlafen sind? Ob wir überhaupt fernsehen? Öffentlich-rechtlich? Der SZ-Autor ist aufgebracht:

Als Zuschauer ist man dann kurz unschlüssig, ob man lachen oder weinen oder einfach weiterschalten soll. Aber weil einem selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht alle Tage so ein Schauspiel geboten wird, bleibt man mal dran – und wird belohnt: Irgendein Dramaturgiegott im Ersten hat sich etwas ausgedacht, das den frauenverachtenden Irrwitz nochmal eine Stufe weiter-, also zurückdreht. Mahlzeit Deutschland heißt das, was nun montags im Anschluss kommt, eine leicht beschwingte serielle Hungerfeier der harten Jahre nach dem Krieg, vor allem aber eine Hommage an die Hausfrau. Es stellen sich die wirklich wichtigen Fragen: “Wie werden wir satt, das ist die größte Herausforderung für uns Deutsche.” Oder: “Die Menschen lernen, sich an den kleinen Dingen zu freuen.” Noch besser: “Die Trümmerfrauen trotzen den Problemen mit guten Ideen.”

Ja, oder eher: Mahlzeit ARD. Die Folgen kann man auf der ARD-Website nachschauen.


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