Einträge mit dem Tag ‘#ausnahmslos’


Gutmenschen, behinderte Mütter und nicht befragte NSU-Zeugen – kurz verlinkt

13. Januar 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 307 von 340 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

„#ausnahmslos – ein neuer Aufschrei nach Köln“, berichtet die Süddeutsche Zeitung und interviewt dazu Kübra Gümüşay.

„Gutmensch“ ist das Unwort des Jahres 2015, „weil es das Engagement für „Geflüchtete“ diffamiert,“ so tagesschau.de. Ebenso gibt es dort einen Artikel über die Bildung rassistischer, sexistischer „Bürgerwehren“ durch (extrem) rechte Männer nach den sexualisierten Gewaltübergriffen in Köln und anderen Orten an Silvester.

In Neukölln wurden zwei junge Migranten erschossen. Die Familien klagen die Ermittler an, rassistischen Motiven unzureichend nachzugehen,“ schildert die taz.

In einem spannenden Interview der beiden behinderten Mütter Franziska und Mareike geht es um Familienalltag mit Behinderung und professionelle Elternassistenz. (Der Artikel ist auch als Hörversion hinterlegt.)

Das lesbische Stadtmagazin „weird“ hat Julia Maria Zimmermann aus Luxemburg ausführlich zum Thema „Asexualität“ interviewt.

Lioba Hirsch, Jamie C. Schearer und Sinthujan Varatharajah haben das Institute of Contemporary Diasporas gegründet. Auf ihrer Webseite könnt ihr nachlesen, was sie vorhaben. Außerdem könnt ihr ihnen bei Twitter und Facebook folgen. (Einen ersten Text des Instituts durften wir diese Woche auch bei der Mädchenmannschaft crossposten: „Zur Medienreaktion auf die sexuellen Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof in der Nacht auf den 1. Januar 2016„.)

„Mit Informationen des V-Manns “Tarif” hätte sich womöglich die NSU-Serie verhindern lassen. Seine Akte wurde geschreddert. Nun verzichtet das Gericht auf die Möglichkeit, den Mann selbst zu befragen.“, berichtet die ZEIT.

Des weiteren zu rechtsextremer Gewalt in Deutschland: Der Tagespiegel schreibt über aktuelle Statistiken und vermeldet, dass die „Zahl rechter Gewalttaten um 40 Prozent gestiegen“ sei. Unterdessen heißt es beim Spiegel: „Hunderte Neonazis wurden im vergangenen Jahr per Haftbefehl gesucht – aber nicht verhaftet. Offenbar verschwinden immer mehr rechte Straftäter im Untergrund.“ und bei neues deutschland geht es um extreme Rechte in Hessen, die sich immer mehr bewaffnen.

englischsprachige Links

Bei The Feminist Wire erklärt Christine Asseta, warum der sogenannte „All Lives Matter Act“ in Missouri, der auf die Illegalisierung von Abtreibungen zielt, vor allem ein Angriff auf Schwarze Frauen dieses Bundesstaates ist.

Das Unternehmen Intel verspricht, sich stärker gegen Online-Belästigung zu engagieren als Teil seines Diversitäts-Programms für die Technologie-Branche, schreibt Venture Beat.

Über kalifornische Heimkinder, die aus teilweise hahnebüchenen Gründen (und den üblichen Gründen wie Rassismus und all jenen anderen *ismen, denen bedürftige junge Menschen ausgesetzt sind) über Jahre hinweg mit Medikamenten „behandelt“ wurden, gibt es ein sehr lesenswertes Longread bei mecurynews.

Termine in Weinheim und Berlin

15.01. 2016 in Weinheim: Die Amadeu-Antonio-Stiftung veranstaltet die Fachtagung „Rechtspopulistischen und rechtsextremen Mobilisierungen entgegentreten, Willkommenskultur für Flüchtlinge und Asylsuchende etablieren.“ Hier könnt ihr euch anmelden und findet ebenso das Programm.

18.01. bis 22.01.2016 in Berlin: Die Alice Salomon Hochschule veranstaltet eine Fokuswoche zu Flucht, Migration, Rassismus und Inklusion mit Diskussionen, Wokshops, Filmen und mehr.

24.01. 2016 in Berlin: „Lust auf Regler schieben und Technik verkabeln? Hier lernt ihr wie ein Mischpult funktioniert, ihr Bands abmischt und Technik für ein Konzert aufbaut!“ FLTI* Tontechnikworkshop für Einsteiger_innen – zur Anmeldung geht es hier entlang.


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Möglichkeiten und Grenzen aktivistischer, emanzipatorischer Arbeit – Fragen zu #ausnahmslos

12. Januar 2016 von Nadia

Gestern startete mit ausnahmslos.org eine Initiative, die gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus eintritt. Das Statement, das ihr auch unterzeichnen könnt über dieses Online-Formular, wird derzeit auch mit dem Hashtag ‪#‎ausnahmslos‬ in den sozialen Netzwerken verbreitet. Personen, deren Arbeit ich sehr schätze und die ich für sehr fähig halte, haben bei der Vorbereitung und Formulierung dieser Kampagne viel Kraft und Zeit investiert. Mit über 700 Unterstützer_innen ist die Kampagne auch erfolgreich gestartet, wozu man ohne Frage gratulieren kann. Angesichts des Statements brennen mir (weitere) Fragen auf den Nägeln; einige davon beschäftigen mich in Bezug auf die Möglichkeiten emanzipatorischer Arbeit teilweise auch schon länger. Insofern bezieht sich natürlich nicht jede meiner Überlegungen stringent auf Inhalte des Positionspapiers.

Im Folgenden möchte ich meine Überlegungen teilen. Diese sind mit Sicherheit nicht vollständig und ebenfalls an vielen Stellen korrektur- und ergänzungsbedürftig. Mir geht es in einem ersten Impuls um folgende Fragen, und zwar in Bezug auf die Möglichkeiten und Grenzen von aktivistischer, emanzipatorischer Arbeit:

Was kann von Polizei, Justiz und Staat im Kampf gegen Sexismus und Rassismus und jegliche andere -ismen realistisch erwartet werden? Was hat uns die Politik der letzten Jahre gelehrt? Was ist mit der Rassifizierung und Kriminalisierung durch den Staat? Was ist mit Racial Profiling, den Einigungen auf eine weitere Verschärfung der Asylpolitik, unserer derzeitigen Sozialpolitik? Was ist mit Hartz IV bzw. insgesamt der Grundsicherung und dem Sozialabbau? Wo können wir angesichts dieser Instrumente, von denen es noch unzählige weitere gibt, auf Allianzen und Kooperationen hoffen? Können wir überhaupt darauf hoffen?

Was ist mit der systematischen und institutionalisierten Benachteiligung und Diskriminierung von marginalisierten Personengruppen? Was ist mit struktureller Gewalt? Was ist mit Täterschutz, und wenn er bisher aufgrund spezifischer Interessenlagen besteht, kann darauf gehofft werden, dass er abgeschafft wird? Was ist mit der sekundären Viktimisierung von Gewaltopfern durch die Polizei und anderen Instanzen? Was ist mit Polizeigewalt im Allgemeinen?

Was lehren uns Skandale wie die NSU-Mordserie? Was ist mit der (auch sexualisierten) Gewalt, die geflüchtete Frauen tagtäglich erleben müssen? Wann finden unsere Aufschreie statt, und wie heterosexistisch und weiß-feministisch sind sie? Was ist mit der systematischen ökonomischen, kulturellen und sozialen Benachteiligung von Personen?

Ist ein feministisches Consulting und/oder Coaching unserer Institutionen sozialer Kontrolle ein Teil der Lösung, wenn genau diese Institutionen oft auch Teil des Problems sind? Können wir mit guter Hoffnung an Apparate appelieren, die seit Jahrhunderten zur Standswahrung von Privilegien und Abhängigkeiten funktionieren? Was lehrt uns die Ethnisierung sozialer Missstände und die Befeuerung von Entsolidarisierungstendenzen? Was ist mit der Dethematisierung von Armut? Was ist mit Chancenungleichheit? Müssen wir über Kapitalverteilung sprechen?

Was ist mit unseren Beratungsstellen? Wie thematisieren wir die Reproduktionen von Rassismus, Ableismus, Klassismus, Transfeindlichkeit und auch Sexismus vieler Beratungsstellen in Deutschland? An wen richtet sich das Beratungsnetz in Deutschland? Wie divers ist es? Wann basiert es eher auf stereotypen Vorstellungen von Lebenswelten? Wer wird exkludiert? Und warum? Welche (historischen/politischen/sozialen) Interessenlagen bestehen an der Arbeit unserer Beratungsstellen und Initiativen? Was wird gefördert und was nicht oder weniger, und warum? Haben wir im Hinterkopf, dass die Arbeiten unserer Beratungsstellen nicht nur kontextlos und rein idealistisch-karitativ funktionieren, sondern immer auch in ein kulturelles System eingebunden sind? Wer profitiert von diesem kulturellen System (zum Beispiel bei der Vergabe von Fördergeldern), und wer wird marginalisiert? Wer profitiert bisher von den Beratungsangeboten und warum und wer nicht? Wie trägt unser Beratungsnetz zur Reproduktion von Marginalität und Privilegien bei? Wer berät und warum, und welche Macht- und Gewaltstrukturen, welche Paternalismen werden dadurch reproduziert?

Wie muss eine öffentliche Aufklärungsarbeit, eine geschlechtersensible Pädagogik aussehen, die Gewalt vermeiden kann, vor allem, wenn: siehe oben? Wie kann dafür gesorgt werden, dass eine solche Arbeit nicht nur kontextlos und fernab unserer historischen, sozialen und politischen Entwicklungen und Realitäten stattfindet? Was ist mit der Stärkung von Gegenkultur und wie kann diese aussehen? Wie kann eine anti-istische Arbeit aussehen, die nicht nur auf die „Gewissensberuhigung der Mehrheitsgesellschaft“ (Noah Sow) abzielt?

(Ich möchte bei dieser Gelegenheit auch transparent machen, dass ich selbst das Statement (noch) nicht unterzeichnet habe.)


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