Einträge mit dem Tag ‘Armut’


Frauenarmut in den USA: Tendenz steigend

4. Oktober 2011 von Magda

Die akuellen Erhebungen des United States Census Bureau zum durch­schnitt­lichen Haus­halts­einkommen in den USA im Jahre 2010 weisen einen deut­lichen Trend auf: Die Armuts­quote unter Frauen wächst und gipfelt in der höchsten Armutsrate seit 17 Jahren. Besonders davon be­troffen sind Women of Color: Jede vierte Schwarze Frau und jede vierte Latina lebte 2010 in Armut, so Ms. Magazine.

Von den Frauen, die eine Familie haben, lebt insgesamt jede Vierte unter der Armuts­grenze. Mehr als die Hälfte aller von Armut betroffenen Kinder – insgesamt jedes fünfte in den USA lebende Kind – wächst in Familien mit allein­er­ziehenden Müttern auf. Jede fünfte Frau unter 65 Jahren hatte 2010 keine Kranken­ver­sicherung, Tendenz steigend. Und auch der Lohn­unter­schied bewegt sich keinen Milimeter: Immer noch ver­dienen Frauen 77ct für jeden Dollar, den ein Mann nach Hause bringt, laut National Women’s Law Center. Allein­er­ziehende Mütter sind also einem enormen Armuts­risiko ausgesetzt. Zusammen­gefasst hat diese Daten Sarah Richardson für Ms. Magazine in einer Info-Grafik:

Infographik zu Frauen und Armut in den USA (mit freundlicher Genehmigung von Sarah Richardson)

Die Zahlen und Fakten sprechen eine erschreckend ein­deutige Sprache – nur die US-amerikanischen Medien scheint es kaum zu interessieren. So titelte Leslie Bennetts in The Daily Beast mit “Frauen – Die unsichtbaren Armen” und fasst die Zahlen noch einmal zusammen:

Was diese Statistiken aussagen, ist, dass mehr als 17 Millionen Frauen im letzten Jahr unter der Armuts­grenze lebten, verglichen mit 12.6 Millionen Männern. Wie immer spielt Alter eine ent­scheidende Rolle: Verglichen mit Männern lebten doppelt so viele Frauen über 65 in Armut (übersetzt aus dem Artikel).


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Ein Krieg gegen Frauen

18. Mai 2011 von Magda

Wenn ich in der letzten Zeit einen Blick über den großen Teich wage, möchte ich mir kräftig die Augen reiben und hoffen, dass dies alles nur ein schlechter Traum sei: Eine schier unglaubliche Zahl an Ge­setzes­ent­würfen wurde in den letzten Monaten in den USA von überwiegend re­publikanischen Ab­geordneten auf den Weg gebracht, die nur auf eines ab­zielen: das Recht auf kör­perliche Un­versehrt­heit und aus­reichende gesund­heitliche Ver­sorgung von Frauen ein­zu­schrän­ken. Die US-Amerikaner_innen sprechen in diesem Kon­text schon von einem War on Women (“Krieg gegen Frauen”).

Buttons für Abtreibungsrechte

So ist die teil­weise aus Bundes­mitteln finan­zierte Gesund­heits­organisation Planned Parent­hood, die sich als pro choice versteht und die nicht nur in Fra­gen Ver­hütung, Geschlechts­krank­heiten und Schwanger­schaft berät, son­dern u.a. auch Krebs­vorsorge­unter­suchungen anbietet, in mehreren Bundes­staaten stark unter Be­schuss.

Einer der wohl schwer­wiegendsten An­griffe auf re­produktive Rechte ist der im Januar ein­gereichte No Taxpayer Funding for Abortion Act (“Keine Steuergelder für Abtreibungen”), kurz: H.R. 3, der Ab­­trei­bungen enorm erschweren würde – noch mehr, als dies bereits schon der Fall ist.

Trotz der Ent­kriminalisierung von Ab­treibungen in den USA Anfang der 1970er wurde die Möglichkeit zum Schwanger­schafts­ab­bruch wenige Jahre später durch eine Zusatzklausel deutlich ein­geschränkt: Bundes­mittel dürfen seit jeher nur für Ab­treibungen verwendet werden, wenn sich eine Frau durch die Schwanger­schaft in Lebens­gefahr befindet, ver­ge­waltigt und/oder Opfer von Inzest wurde. Wer trotz­dem einen Schwanger­schafts­ab­bruch vornehmen lassen möchte, muss tief in die Tasche greifen und möglicher­weise sogar weit reisen, da in vielen Gegenden gar keine Ab­treibungs­kliniken existieren. Frauen, die keinerlei finan­zielle Mittel für einen Abbruch haben, können auf Hilfs­­pro­gramme wie Medicaid zurück­greifen (was allerdings nur in einigen Bundesstaaten überhaupt möglich ist).

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The Ada Initiative, Vergewaltigungsmythen und Christina Street Day – die Blogschau

12. März 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 99 von 143 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Diese Woche hat uns vor allem der 100. Frauenkampf- und Feminist_innentag beschäftigt. Einige Texte dazu findet ihr rechts in unserem Dossier. Die Buttkicking Babes stellten zum Jubiläum Frauen vor, “die die Filmgeschichte rockten.” Juliane Wiedemeyer hat sich die Bebilderung der medialen Berichterstattung vorgeknöpft.

Elke Brüns vom Gespenst der Armut führte mit Barbara Unmüßig, Mitglied im Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, ein Interview über weibliche Armut. Sehenswert!

Das Missy Magazine weist noch einmal ausführlich auf das Raw/War-Netzprojekt hin mit der Aufforderung, sich daran zu beteiligen.

Heterosexuelle Beziehungen und deren konstruierte Normalität bringen auch die Kinder von Frau Ziefle ins Grübeln.

Susen Werner hat ihre Diplomarbeit über Vergewaltigungsmythen verfasst. Die Denkwerkstatt befragte sie zu ihren Ergebnissen.

Queernews.at berichtet, dass der südafrikanische Schauspieler, Schriftsteller und Radiomoderator Frank Malaba die Initiative “It will get better Africa” gestartet hat, um “Menschen zu zeigen, dass es in Afrika LGBT-Menschen gibt, die ein positives Leben in relativer Freiheit leben”. Das Vorhaben orientiert sich an der Kampagne “It gets better“.

Welche inneren Konflikte die tägliche Auseinandersetzung mit Geschlechterfragen mit sich bringen, schreibt Sideglance auf.

Über sexualisierte Übergriffe, mit der sich eine Messe-Hostesse konfrontiert sehen muss, berichtet The Critical Witness.

Der Münchener CSD wird dieses Jahr in “Christina Street Day” umbenannt, um sich solidarisch mit Lesben zu zeigen, die in der homosexuellen Community oft nur mitgemeint oder gänzlich ignoriert werden, wenn es um politische Forderungen und Aktionen geht. Schwule Männer protestierten vehement gegen diesen einmaligen Umbenennungsakt, ergossen sich zum Teil leider auch in antifeministischen und frauenfeindlichen Tiraden, weiß allophilia.

Helga weist in ihrem Blog auf die Ada-Initiative hin, eine Umfrageaktion, um Frauen in der Open Technology Szene sichtbar zu machen. Anne Roth stellt das Projekt ausführlich vor und bei Vera Bunse gibt’s das Ganze in englischer Sprache. Mitmachen!

Zum Schluss noch der Hinweis auf feministische Termine im März, der 8. März war schließlich keine einmalige Aktion!

Die Mädchenmannschaft freut sich jederzeit über Links zu spannenden Blogs und Texten. Eigenlob ist ausdrücklich erwünscht. Nutzt dazu die Kommentarfunktion oder unser Kontaktformular!


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Wenn Tradition auf moderne Armut trifft

7. Januar 2011 von Helga

Entgegen der patriachalen Traditionen wagen sich Pakistans Frauen auf neues Territorium – aus dem Haus und ins Arbeitsleben. Sie sehen sich Ärger mit Familienmitgliedern, Belästigungen auf dem Weg zur Arbeit und durch Kunden ausgesetzt, doch ohne das extra Einkommen droht die Armut. Nach einem Anstieg der Inflation von 1,4 auf 12,7 Prozent innerhalb von sieben Jahren können sich viele Familien nicht mehr darauf verlassen, dass ein Mann genügend Geld verdient um alle zu ernähren, berichtet die New York Times.

Dabei beschränken sie sich in Karachi nicht mehr nur auf Textilfabriken und Mädchenschulen, wo Frauen unter sich bleiben. Gerade in Jobs, die wenig Qualifikation erfordern, finden sich immer mehr Arbeiterinnen, etwa bei Kentucky Fried Chicken oder in Supermärkten. Pakistans Doppelstandards machen ihnen das Leben aber weiter schwer, so dass einige Firmen ihnen sogar Busse stellen, die sie zur Arbeit und zurück fahren. Andere Geschäfte stellen weiter keine weiblichen Angestellten ein, um jeden Ärger zu vermeiden. Mit gerade einmal 20 Prozent weiblicher Beteiligung am Arbeitsmarkt liegt Pakistan auch unter muslimischen Ländern weit hinten.

Die meisten Frauen gaben an, dem Arbeitsleben wieder den Rücken zu kehren, sobald sie verheiratet sind. Doch die Erfahrung, selbst zu arbeiten, fremde Menschen zu treffen und im öffentlichen Leben selbstständig zurecht zu kommen, wollen sie nicht missen.


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Bloggen, um Armut sichtbar zu machen

3. Januar 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 60 von 94 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Gespenst der Armut

Wie heißt du?
Elke Brüns (im Pass steht: Dr. Elke Brüns)

Seit wann bloggst du?
Seit März 2010.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich forsche gegenwärtig zur Armut. Der, die, das Blog ermöglicht mir, sich aktuell vollziehende Konstruktionsprozesse von Armut, aber auch verwandte Themen schneller zu kommentieren, als dies wissenschaftlich möglich wäre, denn dort dauert alles bekanntlich länger. Außerdem kann ich die vielfältigen Facetten des Themas Armut kommentieren, darunter auch solche, über die als Literaturwissenschaftlerin sonst nicht oder nur selten schreiben würde (Musik, Filme, Videos etc.). Und last but not least: Ich habe angefangen zu bloggen, weil ich gerne schreibe und Dinge gestalte.

Worüber schreibst du?
Über die kulturellen Konstruktionen von Armut. Also die Diskurse, Bilder, Symbole und auch Praktiken, die wir mit Armut verbinden. Es geht mir darum, wie wir über Armut sprechen, wie wir sehen und konstruieren: Es geht um Deutungsmuster – und damit um Deutungsmacht. Diese Bilderwelten des Sozialen zeitigen ja Realitätseffekte und schaffen unsere soziale Wirklichkeit mit. Ich blogge darüber, weil diese soziosymbolische Dimension in den Armutsdiskussionen kaum thematisiert wird, aber gerade darum gesellschaftlich, politisch, sozial immens wirksam und wichtig ist. Gegenwärtig stellt sich z.B. die Frage, ob es, wie manche behaupten, eine „Kultur der Armut“ gibt. Das bedeutet, dass nicht mehr materielle Resourcen und Gerechtigkeit debatiert werden, sondern eine quasi „vererbte“ Disposition zur Armut postuliert wird. Die Armen müssten aus dieser Sicht dann erst einmal „umerzogen“ werden.
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Feminismus macht fett?

29. September 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 1 von 42 der Serie Meine Meinung

Feministinnen sind hässlich, kinderlos, sexlos, humorlos (alles -los!) und Männer ihr Feindbild Nr. 1 – dicht gefolgt von BHs, High Heels und Bügelbrettern. Irgendwas vergessen? Ach ja: Feministinnen produzieren auch fetten Nachwuchs! So argumentiert zumindest Rose Prince, die in ihrem Text Has Feminism Killed the Art of Home Cooking? den Niedergang der weiblichen Kochkunst konstatiert.

Verziert mit charmanten Hobby-Köchinnen-Fotos beklagt Prince in ihrem Artikel, dass die Frauen von heute ihrem “natürlichen Mutterinstinkt” nicht mehr nachkommen können, weil unsere emanzipierten Mütter neben der Hausarbeit auch auf die Straße gingen und fleißig Bewerbungen schrieben. Selbstredend bleibt dann wenig Zeit, um Rezepte auszutauschen und Tipps&Tricks zum Thema Kochen an die Töchter weiterzugeben. So sei der Feminismus und in der Konsequenz die Frauen Schuld an der stetig wachsenden Zahl an Fast Food Ketten und den adipösen Kindern. Helfen kann da nur, wenn Frauen die “sanfte Art des femininen Kochens” wieder erlernen und schleunigst einen Topf Tomatensauce ansetzen, denn diese kann “in mehr als zehn Variationen” genutzt werden. C’mon- Problem gelöst!

Oder auch nicht. Jessica Reed kommentiert im Guardian die “wirren, aber recht unterhaltsamen” Anschuldigungen in Princes Text (eine deutsche Übersetzung gibt es beim Freitag). Reed ärgert sich nicht nur darüber, dass Prince ganz offensichtlich die unzähligen ernährungsbewussten Feminist_innen ignoriert, die tagtäglich kreatives und abwechslungsreiches Essen auf den Tisch zaubern, sondern kritisiert auch, dass Männer zu hilflosen Opfern eines ungesunden feministischen Speiseplans degradiert werden – insbesondere angesichts der Tatsache, dass heute viele Männer ganz selbstverständlich für ihre Kinder und Freund_innen kochen und auf deren Speiseplan Einfluss haben.

Noch ärgerlicher ist allerdings, dass Prince ökonomische Realitäten völlig außer Acht lässt: Väter wie Mütter haben heute oftmals mehrere Jobs oder ackern zusätzliche Überstunden, weil Niedriglöhne bittere Realität sind. Der Gang zum (weit entfernten) Bio-Laden und das Kochen inklusive Lehrstunden für die Kinder kommt da – leider – oftmals zu kurz. Oder aber das Geld reicht hinten und vorne nicht für eine ausgewogene warme Mahlzeit am Tag, geschweige denn für den Sportclub. Klingt so dramatisch? Ein Anruf bei Hilfsorganisationen wie die Berliner Tafel wird genügen, um zu erfahren, dass die Zahl der Hilfebedürftigen von Jahr zu Jahr wächst. Hinzu kommt, dass zumindest in Großbritannien und in den USA es nicht ungewöhnlich ist, dass Schulen von Limonadenherstellern oder Fast Food Ketten gesponsert werden, die fetten Absatz mit dem Verkauf ihrer Kalorienbomben machen.

Vielleicht gibt ein Blick auf ökonomische Verhältnisse mehr Aufschluss darüber, warum Kinder heute weniger Chancen auf eine ausgewogene und gesunde Mahlzeit mit ihrer Familie haben. Vielleicht ist der ganze Hype um die “dicken, faulen Kinder und ihr dicken, faulen Mütter” aber auch nur eins: Pure Hysterie.


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Im Namen der Freiheit: Neun Jahre Afghanistan-Krieg

9. September 2010 von Magda

Der Spiegel berichtet in einem aktuellen Artikel über ein Frauenhaus in Masar-i Sharif (Nord-Afghanistan) und gibt einen düsteren Einblick in die Situation afghanischer Frauen knapp neun Jahre nach Einmarsch der US-amerikanischen Truppen im Oktober 2001. Der so genannte “Krieg gegen den Terror” und die im Rahmen dieses Krieges durchgeführte Operation Enduring Freedom (“Operation andauernde Freiheit”) hat so einige ihrer hoch angepriesenen Ziele nicht erreicht. Die unter dem Deckmantel von Menschen- und ja, insbesondere Frauenrechten! – eingesetzte Strategie hat den Afghanerinnen, wenn überhaupt, nur theoretisch genutzt. Der systematischen Entrechtung der Frauen durch das Taliban-Regime (1996 – 2001) wurde zwar mit der neuen Verfassung von 2004 entgegengesteuert (sogar eine Frauenquote gibt es im Parlament), aber “es sind vor allem die Frauen in den Städten, die von den Entwicklungen profitieren”, so Reinhard Erös, Gründer der Entwicklungshilfe-Organisation “Kinderhilfe Afghanistan”, in einem Artikel der Sueddeutsche. Mehr als 85 Prozent der afghanischen Bevölkerung lebt allerdings in ländlichen Gebieten.

In unzähligen Interviews aus der Dokumentation Rethink Afghanistan (Teil 5: The Women of Afghanistan) wird deutlich, wie es um die Mehrzahl der afghanischen Frauen im Jahre 2010 steht: Die Frauenquote im Parlament von 25% ist zwar von der Verfassung vorgeschrieben, verhindert allerdings nicht, dass Kandidatinnen, die sich um ein politisches Amt bemühen, mit teils gewalttätigem Widerstand rechnen müssen. Unter dem Taliban-Regime wurden Afghaninnen bekanntlich zu Menschen zweiter Klasse. Eine Verbesserung ist aber auch heute und insbesondere in ländlichen Gebieten nicht festzustellen. Im Gegenteil: Hinzugekommen ist ein Krieg, der neben einer ungeheuerlichen Armut eine Vielzahl an neuen sozialen Problemen hervorbrachte. Selbstmordattentate waren noch vor der amerikanischen Invasion gänzlich unbekannt. Die Mehrzahl der Ehen wird erzwungen; Vergewaltigungen bleiben ungeahndet oder enden mit der Bestrafung des Opfers; häusliche Gewalt hat zugenommen und die Kindersterblichkeit ist unverändert hoch. Einige, wie Reinhard Erös, sprechen von einer Verschlechterung der humanitären Situation seit 2001. Der Human Rights Watch Bericht (2009) zum Thema Frauenrechte in Afghanistan skizziert ein trauriges Bild in allen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere in Bildung und Rechtssprechung.

Time Cover 08/2010: "Was passiert, wenn wir abziehen"

Die Situation der afghanischen Bevölkerung in dem nun offiziell teuersten und längsten Krieg in der Geschichte der USA findet weltweit Aufmerksamkeit: Auf dem August-Titel des US-Magazins Time prangte das Bild einer afghanischen Frau ohne Nase. Daneben war zu lesen: “Was passiert, wenn wir abziehen.” Die 19jährige Bibi Aisha, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann floh und der zur Strafe Nase und Ohren abgeschnitten wurden, gab diesem Krieg ein erschreckendes Gesicht. Die Überschrift ist angesichts der Realitäten in Afghanistan der reinste Hohn. Aishas Geschichte ereignete sich zu einer Zeit, in der amerikanische und auch deutsche Truppen schon jahrelang in Afghanistan stationiert waren. Weder die Militärpräsenz noch die unzähligen Hilfsorganisationen konnten die Lage der afghanischen Bevölkerung radikal verändern. Operation Enduring Freedom? Die Tatsachen sprechen dagegen.


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Punk, Kiana Ferouz, Burkinis&Bikinis, Eva Herman, Abtreibung, Geeks, Experimente und Niedriglöhne

28. Juli 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 53 von 138 der Serie Kurz notiert

The F-Word hat eine bisher 4-teilige Serie über Frauen in der Punkmusik.

Der Asylantrag der iranischen Schauspielerin Kiana Ferouz wurde nun doch angenommen. Obwohl Homosexualität im Iran verfolgt wird, bedurfte es erst einer Online-Petition, damit die britischen Behörden ihre Ablehnung überdachten (s.a. Artikel und Kommentar).

Mehr Burka-Neuigkeiten: Der Telegraph berichtet über den Rauswurf zweier Burkini tragenden Frauen aus einem französischen Schwimmbad. Und: In syrischen Schulen ist die Burka bzw. der Nikab nun auch verboten.

Frau Herman: Sie  nerven! Gnurpsnewoel kommentiert Hermans letzten Totalausfall mit den Worten: ”Ich will in Eva Hermans Welt nicht leben müssen.“ Auch auf Philibuster schreibt Nadia Shehadeh über den geistigen Absturz der Eva Herman.

Der Freitag über den Bikini, “Alptraum in zwei Teilen“: “Im Namen quasi atomar belastet, stand er zunächst für sexuelle Befreiung. Heute ist er Instrument weiblicher Selbstkontrolle.”

Sechs Frauen bekamen in Guanajuato in Mexiko 25 – 30jährige Haftstrafen, weil sie Abtreibungen vornehmen ließen. Schuldig gesprochen wurden sie wegen Totschlag, wie feministing berichtet.

Jamie Keiles ist eine High School Absolventin in Pennsylvania in den USA, die mit ihrem Blog TheSeventeenMagazineProject ein interessantes Experiment startete: Wie sieht das Leben aus, wenn frau nach den Regeln des Seventeen Magazine lebt?

DieStandard konstatiert, dass jede_r Fünfte in Deutschland im Niedriglohnsektor arbeitet: “Besonders stark von Niedriglöhnen betroffen sind junge Beschäftigte unter 25 Jahren, AusländerInnen, gering Qualifizierte, befristet Beschäftigte und Frauen.”

Geekfeminism hat einen interessanten Artikel über Computer Geeks und Privilegien: “If you were hacking since age 8, it means you were privileged.


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Bristol Palin über Teenagerschwangerschaften

13. April 2010 von Magda

Bristol Palin, Tochter von Sarah Palin, Ex-US-Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikanischen Partei, wurde Ende 2008 mit knapp 18 Jahren Mutter eines Sohnes und ist seit dessen Geburt in der US-amerikanischen Abstinenzbewegung aktiv. Sex vor der Ehe? Kommt für Bristol nicht (mehr) in Frage. Im Mai 2009 ließ sich Bristol dann für die Candie’s Foundation verpflichten, eine gemeinnützige Organisation, die sich die Bekämpfung von Teenagerschwangerschaften auf die Fahnen schreibt.

Auch wenn die Aussage dieses aktuellen Videos der Candie’s Foundation wohl gut gemeint ist, hinterlässt es doch einen schlechten Nachgeschmack: Teenagerschwangerschaften sind insbesondere dann zu verurteilen, wenn die jungen Mütter arm sind. Reiche (berühmte) Mädchen hingegen müssen sich kaum Sorgen machen. Auch wenn dies wohl der gesellschaftlichen Realität entspricht, ist die Tatsache, dass diese moralische Lehrstunde von jemanden wie Bristol Palin kommt, doch irgendwie, hmm… bevormundend? Wie Sociological Images passend titelt: “Teenagerschwangerschaften sind ätzend – es sei denn, du bist Bristol Palin”

What if I didn’t come from a famous family?
What if I didn’t have all their support?
What if I couldn’t finish my education?
What if I didn’t have all these opportunities?

Believe me, it wouldn’t be pretty.
Pause… before you play.

(Zu Deutsch: Was wäre, wenn ich nicht aus einer berühmten Familie käme? Was wäre, wenn ich nicht deren Unterstützung hätte? Was wäre, wenn ich meine Ausbildung nicht beenden könnte? Was wäre, wenn ich nicht all diese Möglichkeiten hätte? Glaube mir, es wäre nicht schön. Warte, bevor du ‘spielst’.)

Was denkt ihr?


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12jährige Kinderbraut im Jemen tot

12. April 2010 von Magda

Vor einiger Zeit berichteten wir über einen Gesetzesentwurf im Jemen, welches ein Mindestalter für Heiratende vorsah. Dieses Gesetz hätte Elham Madhi al Assi vor dem Tod bewahren können: Nachdem die 12- oder 13-Jährige (genaues Alter nicht bekannt) zwangsverheiratet wurde, verblutete sie nach mehrfacher Vergewaltigung und verstarb zwei Wochen nach Eheschließung. Die Ehe wurde vom Bruder des Mädchen mit dem 23jährigen Al-Hikmi arrangiert, der ihm im Gegenzug dazu seine Schwester versprach.

Auch nachdem die eigene Mutter ihre Tochter aus Angst vor “Schande” dazu drängte, mit dem über zehn Jahre älteren Ehemann zu schlafen, verweigerte sich Elham ihm, woraufhin dieser von einem Arzt Beruhigungsmittel verlangte. Der Arzt lehnte dies ab, so dass Al-Hikmi dem Mädchen eigenhändig Medikamente verabreichte und sie wiederholt vergewaltigte. Daraufhin musste Elham ins Krankenhaus, wo eine Ärztin den Mann anwies, sie auf Grund ihrer katastrophalen Verletzungen für mindestens zehn Tage nicht anzufassen. Er hielt sich nicht daran, woraufhin Elham an den Folgen einer wiederholten Vergewaltigung starb.

Nojoud Ali wurde zum Gesicht des Kampfes gegen Zwangsheirat im Jemen. Sie setzte 2008 zehnjährig die Scheidung ihrer Zwangsehe mit einem 22 Jahre älteren Mann durch.

Nojoud Ali wurde zum Gesicht des Kampfes gegen Zwangsheirat im Jemen. Sie setzte 2008 zehnjährig die Scheidung ihrer Zwangsehe mit einem 22 Jahre älteren Mann durch.

Ein Viertel der Mädchen werden im Jemen, dem ärmsten Land im Nahen Osten, vor ihrem 15. Lebensjahr verheiratet. Viele Familien bevorzugen junge Bräute, weil sie “gefügsamer seien und erwartungsgemäß mehr Kinder zur Welt bringen”. Eine arrangierte Hochzeit der Töchter sei für viele arme Familien die einzige Möglichkeit, einen Weg aus der Armut zu finden.


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