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	<title>Mädchenmannschaft &#187; Arbeitswelten</title>
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		<title>Fair gehandelt?</title>
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		<pubDate>Wed, 26 May 2010 12:11:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Verschiedenen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Weltspiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Working Girl]]></category>
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		<category><![CDATA[Fairtrade]]></category>
		<category><![CDATA[Situation von Frauen]]></category>

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		<description><![CDATA[Susanne Schäfer studiert an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Master Politikwissenschaft. Im Rahmen ihres Studiums hat sie sich mit den Genderaspekten im fairen Handel beschäftigt. Der Konsum von fair gehandelten Produkten ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Rund 270 Millionen Euro (PDF) gaben die Deutschen 2009 für Kaffee, Bananen, Schokolade oder Kleidung mit dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Susanne Schäfer studiert an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Master Politikwissenschaft. Im Rahmen ihres Studiums hat sie sich mit den Genderaspekten im fairen Handel beschäftigt.</em></p>
<p>Der Konsum von fair gehandelten Produkten ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Rund <a href="http://www.transfair.org/fileadmin/user_upload/materialien/download/download_jahresbericht0910.pdf" target="_blank">270 Millionen Euro (PDF)</a> gaben die Deutschen 2009 für Kaffee, Bananen, Schokolade oder Kleidung mit dem blau-grünen Siegel aus; das sind <a href="http://www.transfair.org/top/nachricht/?tx_ttnews[tt_news]=275&#038;tx_ttnews[backPid]=1&#038;cHash=4f57ec9a00" target="_blank">26 Prozent mehr als im Vorjahr</a>, wie der Verein TransFair e.V. Ende April in Bonn bekannt gab. Wem nützt der faire Handel – nur unserem Gewissen oder auch den Frauen in Entwicklungsländern?</p>
<p>Durch die Globalisierung wurden zahlreiche Arbeitsschritte in Entwicklungsländern verlagert. Positiv daran ist, dass dort viele Frauen in den vergangenen Jahren eine Arbeit erhalten haben. In der Bekleidungsindustrie <a href="http://www.oxfam.org.uk/resources/policy/trade/downloads/trading_rights.pdf" target="_blank">in Honduras arbeiten 65 Prozent Frauen, in Kambodscha sind es sogar 90 Prozent (PDF)</a>. Diese Jobs sind jedoch oft prekär, denn die Frauen müssen Überstunden leisten und es gibt weder Mutterschutz noch andere soziale Absicherung. So leiden sie eher unter ihrer Arbeit, als dass sie davon profitieren. </p>
<p>Frauen in Entwicklungsländern haben die unsichersten Jobs, sie sind die ersten, die entlassen werden, ihre Arbeitnehmerrechte und ihre Ausbildung sind schlecht, wie <a href="http://publications.oxfam.org.uk/display.asp?k=002R0171&#038;sf1=contributor&#038;st1=Bethan%20Emmett&#038;m=1&#038;dc=11" target="_blank">Bethan Emmett</a> 2009 für die Nichtregierungsorganisation Oxfam untersucht hat. Wenn der Arbeitsplatz unsicher ist, sind Frauen ein leichtes Opfer: <a href="http://www.oxfam.org.uk/resources/policy/trade/downloads/trading_rights.pdf" target="_blank">Viele berichten von sexueller Belästigung (PDF)</a>. Der Kostendruck den die Supermarktketten und Konsument_innen in den Industriestaaten auf die Zulieferer_innen ausüben, wird von diesen auf die Produzent_innen und Arbeiter_innen verlagert. „Workers in every country studied reported extreme pressure to work harder, faster and longer“, <a href="http://www.oxfam.org.uk/resources/policy/trade/downloads/trading_rights.pdf" target="_blank">schreibt Kate Raworth (PDF)</a> für Oxfam. </p>
<p>Wer als Europäer_in Produkte mit dem Fairtrade-Siegel kauft, der kauft auch ein Gefühl von „Ich rette die Welt“ und will die gerade beschriebenen, schlechten Bedingungen verbessern. Wie sieht es tatsächlich auf den Kakao- oder Bananenplantagen aus, wo für Gepa, El Puente und Co. produziert wird? Geht es den Frauen dort besser als anderswo? Aus zwei Gründen lässt sich diese Frage mit einem Ja beantworten. <span id="more-11416"></span></p>
<p>Die Fairtrade-Bewegung ist sehr eng mit der <a href="http://www.internationaldevelopment.org.uk/wp-content/uploads/2009/04/4157_coop-booklet-fair-trade.pdf" target="_blank">Genossenschafts-Bewegung (PDF)</a> verbunden. Viele Firmen, die für den fairen Handel produzieren sind Genossenschaften und orientieren sich an den Prinzipien der <a href="http://www.ica.coop/coop/principles.html" target="_blank">International Cooperative Alliance</a>. Diese schrieben schon 1844, als die erste Genossenschaft in der Nähe von Manchester gegründet wurde, zumindest theoretisch die Gleichberechtigung von Frauen und Männern vor. Genossenschaften sind demokratisch organisiert und Frauen und Männer haben das gleiche Stimmrecht. Dass die Frauen gleichberechtigt sind, spiegelt sich auch in der Zusammensetzung der Angestellten wider. In der Kaffeekooperative Soppexcca sind beispielsweise 40% der Mitglieder weiblich. Generell gilt in den Firmen der Fairtrade-Handelskette der <a href="http://www.transfair.org/fileadmin/user_upload/ueber_fairtrade/fairtrade-themen/fairtrade_statement_frauenrechte.pdf" target="_blank">Mutterschutz (PDF)</a>: Keine Frau darf entlassen werden, weil sie schwanger ist.</p>
<p>Das zweite Argument, warum es Frauen durch den fairen Handel besser geht, ist die <a href="http://www.fairtrade.net/benefits_of_fairtrade.html" target="_blank">Fairtrade-Prämie</a>, die den Produzenten zusätzlich gezahlt wird. Die Kleinbauer_innen und Arbeiter_innen entscheiden selbstständig und demokratisch, wie sie die Prämie einsetzen. Einzige Vorgabe: Die Projekte müssen der Gemeinschaft zu Gute kommen und dürfen nicht nur für das Unternehmen eingesetzt werden. Die <a href="http://www.soppexcca.org/de/schule.html" target="_blank">Kooperative Soppexcca</a> ermöglicht mit der Fairtrade-Prämie beispielsweise Schulbesuche für Jungen und Mädchen. Die Schulbildung der Kinder reduziert Geschlechterungerechtigkeiten auf lange Sicht. Eine Investition in Schulen, Krankenhäuser und andere soziale Infrastruktur trägt dazu bei, den Müttern mehr Beteiligungsmöglichkeiten zu gewähren, weil der Zeitkonflikt zwischen Arbeit und Familie reduziert wird. </p>
<p>Doch je mehr Studien und Artikel über die Auswirkungen des fairen Handels man liest, desto mehr wird das Ja zu einem Jein, denn auch bei diesem Thema gilt: Es ist nicht alles schwarz und weiß.</p>
<p>Wenn man positive Beispiele, wie das der Genossenschaft Soppexcca nennt, muss man auch auf die <a href="http://www.gepa.de/p/index.php/mID/2.9/lan/de" target="_blank">Kooperative Alto Sajama</a> aus Bolivien hinweisen. Unter deren 71 Mitgliedern sind nur drei Frauen. Denn durch fairen Handel alleine ändert sich die Situation der Frauen nicht. <a href="http://www2.ilo.org/images/empent/static/coop/gender/genderissues.PDF" target="_blank">Anne-Brit Nippierd schreibt (PDF)</a>, dass auch in Genossenschaften “gender imbalances” existieren, da sie schließlich Teil der gesamten Gesellschaft seien. Und in vielen Gesellschaften ist die Frau nun nach wie vor verantwortlich für Haushalt und Kindererziehung – egal ob sie einen Beruf ausübt oder nicht. Die Frauen kommen dadurch in Zeitkonflikte: Wenn sich die Mitglieder der Genossenschaft treffen, auf denen auch die Frauen ihre Stimme nutzen könnte, müssen sie sich daheim um Kinder und Haushalt kümmern. Außerdem darf man trotz der Erfolgsmeldungen das Gesamtbild nicht ignorieren. Der Umsatz ist zwar gestiegen, aber Fairtrade-Produkte fristen in Deutschland noch immer ein Nischendasein, wie die <a href="http://www.deutsche-welle.de/dw/article/0,,5513858,00.html" target="_blank">Deutsche Welle</a> berichtet.</p>
<p>Von den positiven Auswirkungen des fairen Handels profitieren Frauen zwar theoretisch, in der Praxis müsste man dies eher für jeden Betrieb einzeln analysieren. Bisher gibt es aber nur wenig Forschung in diesem Bereich.</p>
 <p><a href="http://maedchenmannschaft.net/?flattrss_redirect&amp;id=11416&amp;md5=ad09c0ff38f6afbab405364b6e723fca" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://maedchenmannschaft.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Der Kommentar]]></series:name>
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		<title>Kurz gefreut, geärgert oder hinterfragt</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Mar 2010 13:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>der Mädchenmannschaft</dc:creator>
				<category><![CDATA[1a-Schnecken]]></category>
		<category><![CDATA[Der Feminismus ist schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenfakten]]></category>
		<category><![CDATA[Ist das so?]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitswelten]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Frauenpreis]]></category>
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		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Indien]]></category>
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		<description><![CDATA[Wir gratulieren: Am 8. März wurde Anke Domscheit mit dem Frauenpreis des Landes Berlin ausgezeichnet (wir berichteten). Im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel sagt sie: &#8220;Eine Frau gilt entweder als Mäuschen – oder als karrieregeil und aggressiv. Ich entscheide mich definitiv für aggressiv und karrieregeil“. In einem Artikel im Guardian schaut Charlotte Raven in die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir gratulieren: Am 8. März wurde <a href="http://maedchenmannschaft.net/berichte-aus-der-barefoot-school/" target="_self">Anke Domscheit</a> mit dem <strong>Frauenpreis des Landes Berlin</strong> ausgezeichnet (<a href="http://maedchenmannschaft.net/frauenpreis-berlin/">wir berichteten</a>). <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/Berliner-Frauenpreis-Anke-Domscheit;art270,3052044#kommentare" target="_blank">Im Gespräch</a> mit dem Berliner <em>Tagesspiegel</em> sagt sie: &#8220;Eine Frau gilt entweder als Mäuschen – oder als karrieregeil und aggressiv. Ich entscheide mich definitiv für aggressiv und karrieregeil“.</p>
<p>In einem Artikel im <em>Guardian</em> <a href="http://www.guardian.co.uk/books/2010/mar/06/charlotte-raven-feminism-madonna-price" target="_blank">schaut</a> Charlotte Raven in die 1990er zurück, wo ihre Generation dem Feminismus den Rücken kehrte und <strong>kritisiert die heutige Generation an Frauen</strong>, die im Sinne von <em>Sex Sells</em> denken, sie könnten alles tun.</p>
<p>Ebenfalls im <em>Guardian</em> <a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2010/mar/10/betty-mad-men-feminine-mystique" target="_blank">diskutiert</a> Lionel Shriver die <strong>Relevanz von </strong><a href="http://maedchenmannschaft.net/wer-war-betty-friedan/" target="_blank"><strong>Betty Friedan</strong></a><strong>s&#8217; 1963 erschienenen Beststellers </strong><em><strong>The Feminine Mystique</strong></em> in Hinblick auf Betty Draper, eine Figur der US-amerikanischen Serie <em>Mad Men</em>.</p>
<p>Laut einem <a href="http://www.zeit.de/2010/10/Niedriglohnsektor?page=all" target="_blank">Artikel</a> in der<em> Zeit</em> scheint der Preis für die Eingliederung von Frauen in die Arbeitswelt darin zu bestehen, dass die neuen Frauenjobs oft schlechter bezahlt und abgesichert sind: <strong>Zwei von drei Niedriglohnstellen sind &#8220;Frauenjobs&#8221;</strong>.</p>
<p>Fünf lesbische Frauen <a href="http://diestandard.at/1267743426311/10-Jahre-dieStandardat-Die-vielen-Arten-lesbisch-zu-sein" target="_blank">sprachen</a> mit <em>dieStandard.at </em>über ihr Selbstverständnis, nervige Fragen, Vorurteile und Geschlechterklischees: <strong>Die vielen Arten lesbisch zu sein.</strong></p>
<p><strong>Indiens erstes Lesbenmagazi</strong><strong>n</strong> heißt <em>Jiah &#8211; For the Woman with Heart.</em> Seit Januar 2010 ist es auf dem virtuellen Markt erhältlich und soll viermal im Jahr erscheinen, ab kommenden Jahr auch in Druckform (<a href="http://www.l-mag.de/news/erstes-lesbenmagazin-in-indien-erschienen.html" target="_blank">via</a> <em>L-Mag)</em></p>
<p>Rudi Assauer hat nichts gegen Homosexuelle, aber im Fußball hätten sie doch nichts zu suchen, so die <em>taz</em>. <a href="http://taz.de/1/sport/artikel/1/schwule-sollen-nicht-fussballer-werden/" target="_blank">Warum sagt er nicht genau</a>, aber in der <strong>Debatte um schwule Schiedsrichter</strong> hat seiner Meinung nach anscheinend die Homosexualität dem Ansehen des DFB geschadet &#8211; und nicht der Missbrauch und die Belästigung von Kollegen.</p>
<p>Der <strong>Einfluss von Hormonen und Genen auf die (sexuelle) Entwicklung</strong> ist bis heute ein Feld mit vielen Fragezeichen. Nach der Untersuchung eines Halbseitenzwitterhuhns <a href="http://science.orf.at/stories/1641262/" target="_blank">tragen die Gene nun einen Punktsieg davon</a>, berichtet <em>orf.at</em>. Halbseitenzwitter haben jeweils eine weibliche und eine männliche Körperhälfte und das unabhängig vom Hormonspiegel, sondern aufgrund der in den Zellen vorhandenen Geschlechtschromosomen.</p>
 <p><a href="http://maedchenmannschaft.net/?flattrss_redirect&amp;id=9147&amp;md5=af545ba9e023c4d4f8425fe1a2351820" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://maedchenmannschaft.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Kurz notiert]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Frauen und Kinder zuletzt</title>
		<link>http://maedchenmannschaft.net/frauen-und-kinder-zuletzt/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Oct 2009 08:36:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Feminismus ist schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Familienleben]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenfakten]]></category>
		<category><![CDATA[Gendertrouble]]></category>
		<category><![CDATA[Working Girl]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitswelten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterdemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder kriegen]]></category>
		<category><![CDATA[neue Männer]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn die Wirtschaft ihre Erwartungen an Männer nicht ändert, wird es nichts mit der Emanzipation. Wir brauchen mehr Menschen, die Teilzeit arbeiten. „Wenn Frauen frei wählen könnten, würden sie die Kinder wählen“ Dieser Satz ist von 1981 und stammt aus der Feder Gesine Strempels, Mitbegründerin der Neuen Frauenbewegung. In der Tat ist meine Erfahrung deckungsgleich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Wenn die Wirtschaft ihre Erwartungen an Männer nicht ändert, wird es nichts mit der Emanzipation. Wir brauchen mehr Menschen, die Teilzeit arbeiten.</h3>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 420px"><img src="http://farm4.static.flickr.com/3541/3449762086_24ae21de7a.jpg?v=0" alt="" width="410" height="332" /><p class="wp-caption-text">(C) Frl. Zucker - fraeuleinzucker.blogspot.com/</p></div>
<p><strong>„Wenn Frauen frei wählen könnten, würden sie die Kinder wählen“</strong></p>
<p>Dieser Satz ist von 1981 und stammt aus der Feder Gesine Strempels, Mitbegründerin der Neuen Frauenbewegung. In der Tat ist meine Erfahrung deckungsgleich mit dieser einfach scheinenden, doch in Wahrheit schwerwiegenden Feststellung: Wäre Mutterschaft frei von den Attributen einer „Einzelhaft“, wie Strempel es in ihrem Aufsatz „Muttertägliche Wut“ nennt, würden sich dann nicht vielleicht mehr Frauen dafür entscheiden?</p>
<p>Die Realität hingegen zermürbe Mütter mit der Aufgabe, sich weitgehend allein und ohne Unterstützung um kleine Kinder zu kümmern. Schlaflose Nächte, die ständige Kommunikation mit einem immer wieder quäkendem kleinen Menschen… &#8211; das alles sei im Grunde menschenunwürdig, für Mütter unzumutbar, letztendlich aber auch für die Kinder, die von genervten, frustrierten und von Schuldgefühlen zerfressenen Müttern betreut würden.</p>
<p><strong><span>Gebärstreiken bis es besser ist?</span></strong></p>
<p>Der Aufsatz Strempels ist ein brisantes Politikum, denn sie fordert darin indirekt einen Gebärstreik der Frauen, bis sich die Bedingungen für Mütter und Kinder gebessert hätten. Eine folgenschwere Forderung, denn bis heute wird es den „Emanzen“ angelastet, für die angeblich zu geringe Geburtenrate in Deutschland verantwortlich zu sein. Was die Gesellschaft aus der Forderung der Frauenbewegten machte: Frauen, die sich emanzipieren kriegen keine Kinder mehr. Die Forderung nach einer Verbesserung der Bedingungen für Mütter und Kinder wurde unter den Teppich gekehrt – Kind und Karriere als Entweder-Oder-Prinzip hochstilisiert.<span id="more-5590"></span></p>
<p>„Erfolgreich, einsam, kinderlos“ ist der Unter-Titel von Susanne Gaschkes Buch <em>Die Emanzipationsfalle</em>, eines von vielen Horrorszenarienbüchern, die seit Jahren in Wellen auf den Markt kommen. Frank Schirrmachers <em>Methusalem-Komplott</em> schlägt ebenso wie Eva Hermans <em>Eva-Prinzip</em> in dieselbe Kerbe. Die Frauen, die sich Kind und Berufsleben gleichermaßen wünschen, werden von vielen bis heute stigmatisiert. Eine Frau, die Macht will, gilt schnell als karrieregeiles Mannweib. Wünschen sich Feministinnen mehr Frauen in die Führungsetagen, werden sie als neoliberal abgestempelt. Und stellen Gender-Forscher die angeblich „natürlichen, biologischen“ Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die bis heute das Fundament der Geschlechter-getrennten Arbeitsteilung darstellen, infrage, werden sie als Ideologen gebrandmarkt und als unwissenschaftlich in die Ecke gestellt.</p>
<p><strong><span>Geschlechterdemokratie muss man sich leisten können</span></strong></p>
<p>Wer aber redet schon über die Männer? Das Normalarbeiterverhältnis ist für den gemeinen Mann bis heute selbstverständlich. Niemand stellt in Frage, dass Männer ganz natürlich 40 Stunden oder mehr arbeiten. Im Gegenteil: Es wird von ihnen erwartet und wenn sie etwas anderes fordern, dann werden sie schlimmstenfalls ausgegrenzt. Walter Hollstein beschreibt in <em>Geschlechterdemokratie </em>sehr ausgiebig, wie dieses Dogma, die gesellschaftliche Norm, welcher sich Männer ausgesetzt sehen, den „neuen“ Typ Mann verhindert wie nichts sonst.</p>
<p>In der Tat: Die Frauen können so viel für ihre Emanzipation kämpfen, wie sie wollen. Wenn sie heterosexuell sind, mit einem Mann zusammen leben und mit ihm Kinder bekommen wollen, werden sie nur dann eine gleichwürdige Gemeinschaft erlangen können, wenn ihr Mann eben nicht in einem Normalarbeiterverhältnis angestellt ist – sprich: nicht Vollzeit arbeitet. Diese Männer gibt es. Diese Beziehungen gibt es. Und sie funktionieren erstaunlich gut. Ihnen ist nur in der Mehrzahl eines gemeinsam: Sie spielen sich fast ausschließlich in den höheren Schichten dieser Gesellschaft ab. Denn die Männer müssen es sich leisten können, ihre „untypische“ Prioritätensetzung, die darauf basiert, Familie und Arbeit gleich wichtig – vielleicht sogar die Familie wichtiger – zu finden, mit weniger Karrierechancen, weniger Auswahl an Stellen, weniger Privilegien (Stichwort Ehegattensplitting) zu bezahlen.</p>
<p>Hollstein schreibt: Diese Männer müssten „eine erworbene Verhaltensstabilität aufweisen, die sie in die Lage versetzt, mit Vorurteilen und Spott ebenso souverän umzugehen wie mit Karriereknick und Einkommenseinbußen“. Diesen Preis zu zahlen sind die meisten Männer nicht bereit – oder in der Lage.</p>
<p><strong><span>Die Überstundengesellschaft ist männlich</span></strong></p>
<p>Wie tief verinnerlicht der vermeintlich „hohe Wert“ des normalarbeitenden Mannes ist, zeigen Kommentare von sogenannten &#8220;Maskulisten&#8221; in Diskussionen über die Ungerechtigkeit der Lohnschere zwischen den Geschlechtern: Diese sei vollkommen gerechtfertigt – schließlich seien es die Männer, die die meisten Überstunden in diesem Land erbrächten. Überstunden – sie sind in Deutschland so etwas wie eine Verdienstmedaille, man sammelt sie und gibt mit ihnen gegenüber den Kollegen an. Seht, wie viel ich ackere – hier steht es schwarz auf weiß.</p>
<p>Wer fragt nach dem „wie“? Wie ist die Beziehung dieser Männer zu Frau und Kindern? Wer fragt nach dem „wer“? Wer ist die ganze Zeit für die Familie, den Haushalt und die Steuerklärung da, wenn er in seinem Büro hockt? Wer fragt nach dem „was“? Was bleibt der Frau anderes übrig, als den Preis für diese Prestige-trächtigen Überstunden ihres Mannes zu bezahlen: In Zeit und mit Nerven? Und: Was entgeht eigentlich diesen Männern Tag für Tag mit ihrer Fokussierung auf Arbeit?</p>
<p><strong><span>Eine neue Arbeitsgesellschaft muss her</span></strong></p>
<p>Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Ich mache diesen Männern keinen großen Vorwurf. Natürlich würde ich mir wünschen, dass sie sich mehr für die Belange einsetzten, für die Frauen in den verschiedenen Wellen der Feminismen weltweit seit Jahrzehnten kämpfen. Natürlich wünschte ich mir, dass sie reagierten, wenn ihre Frauen und Kinder ihnen signalisieren, dass sie sich mehr von ihnen zu Hause – und weniger auf der Arbeit wünschen. Doch ich sehe es wie Susan Faludi, die in Männern ein „betrogenes Geschlecht“ sieht: „Wenn Männer nicht reagieren, liegt es vielleicht daran, dass ihre Gesellschaft ihnen keinen Weg gewiesen hat, auf dem sie zu gehen wagen.“</p>
<p>Dass dieser Weg für Männer immer noch fehlt ist sicherlich einer der Hauptgründe dafür, dass die Emanzipation der Frauen noch in so manche „Falle“ geraten wird. Ein erster Schritt, der notwendiger Weise aus dieser Erkenntnis folgen muss, ist die konsequente und breite gesellschaftliche Infragestellung des Normalarbeiterprinzps an sich – von Männern wie von Frauen. Denn kritische Männerstimmen fragen uns Feministinnen zu Recht: Was wollt ihr denn mit einem dieser schrecklichen 60-80-Stunden-Jobs?</p>
<p>Doch viele hartnäckige Dogmen liegen auf dem steinigen Weg einer koalierenden Bewegung aus Männern und Frauen – sie müssen zur Disposition gestellt werden. Dazu gehört es, Arbeit zu teilen, die bislang unhinterfragt nur von einer einzigen Person allein gemacht wird – oder anders gesagt: Dazu gehört ein Wirbelsturm der Veränderungen auf dem gesamten Arbeitsmarkt. Damit auch die Männer in Zukunft nicht mehr so „erfolgreich, einsam, [und faktisch] kinderlos“ sind.</p>
<p><strong><em><span>Literatur</span></em></strong><br />
<em>Die neue Frauenbewegung in Deutschland: Abschied vom kleinen Unterschied</em>; ausgewählte Quellen/Ilse Lenz (Hrsg.). Wiesbaden, 2009</p>
<p><em>Geschlechterdemokratie: Männer und Frauen: besser miteinander leben</em> Walter Hollstein. Wiesbaden, 2004</p>
<p><em>Männer &#8211; das betrogene Geschlecht</em> Susan Faludi. Deutsch von Ursula Locke-Gross. Reinbek bei Hamburg, 2001</p>
<p><em>(Dieser Text erschien ursprünglich als <a href="http://www.freitag.de/community/blogs/katrin" target="_blank">Kolumne auf Freitag.de</a>)</em></p>
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