Einträge mit dem Tag ‘Arbeitswelten’


40 Jahre Internationaler Hurentag

2. Juni 2015 von Anna-Sarah

Heute vor 40 Jahren haben Sexarbeiter_innen eine Kirche im französischen Lyon besetzt, um auf ihre Situation – vor allem auch staatliche Repressalien, Polizeigewalt etc. – aufmerksam zu machen. Dieses Datum gilt als wichtiger Moment der Sexarbeiter_innenbewegung. Seit 1975 ist daher der 2. Juni der Internationale Hurentag/Internationale Sexarbeiter_innen Tag.

no-racism.net schreibt dazu:

Am 2. Juni 1975 streiken Sexarbeiterinnen in Frankreich und bezeichnen in diesem Zusammenhang den Staat als den größten Zuhälter. 150 Frauen besetzen 10 Tage lang die Kirche Saint-Nizier in Lyon und schaffen damit eine internationale Öffentlichkeit für ihre Situation und ihre Forderungen. Als Aktionskollektiv wenden sie sich gegen die staatliche Diskriminierung und gegen polizeiliche Repressionen, die vorgeblich dem Kampf gegen Zuhälterei dienen sollen: ständige Kontrollen und Verhaftungen, Beleidigungen, Schikanen, unverhältnismäßige Strafen, willkürliche Steuerbescheide sowie Tatenlosigkeit der Polizei gegenüber Morden, Misshandlungen und anderen Formen von Gewalt gegen Sexarbeiterinnen. Die Sexarbeiterinnenbewegung von Lyon wehrte sich damit auch gegen die Stigmatisierung von SexarbeiterInnen und gegen die staatlich institutionalisierte Doppelmoral.

Wie Verena hier bei uns im Blog anlässlich des Internationalen Hurentags 2010 schrieb, demonstrieren an diesem Tag Sexarbeiterinnen weltweit gegen Diskriminierung ihres Gewerbes und verteilen Kondome, Informationen für alle und Ratschläge für Freier. Seit 2001 gilt ein roter Regenschirm als Symbol des Widerstandes gegen Unterdrückung und Diskriminierung.


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Regelverstöße bei der Bespitzelung, Diskriminierung in der Klimaschutzbewegung, Ausbeutung im Nagelstudio – kurz verlinkt

13. Mai 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 4 von 340 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Foodwatch hat eine dickenfeindliche Kampagne gestartet, die Sophie Schimmerohn in ihrem Kommentar bei uns bereits ausführlich kritisierte (den Text gibt es auch als PDF). Foodwatch ist bestimmt auch an eurem Feedback zur Kampagne interessiert, schreibt sie an: auf twitter @foodwatch_de und Facebook.

Für eine Abschlussarbeit in Psychologie zu Auswirkungen von Mehrfachdiskriminierung auf die (psychische) Gesundheit untersucht die Marburger Uni „insbesondere Wechselwirkungen von Rassismus und Homo-⁠/⁠Biphobie auf die Gesundheit von Frauen*“.

„Im Skandal um die Polizistin, die von 2001 bis 2006 verdeckt in der linken und feministischen Szene in Hamburg ermittelt hat, mehren sich die Hinweise auf massive Regelverstöße beim Vorgehen der Polizei“, berichtet die Frankfurter Rundschau.

englischsprachige Links

Wie queere und trans Personen of Colour in der Klimaschutzbewegung unsichtbar gemacht werden und warum das gefährlich ist, beschreibt das bluestockings magazine.

Sich mal selbst was Gutes tun mit einer schönen Maniküre? Mag verlockend klingen, wenn die Ausbeutung und Misshandlungen, denen die Mitarbeiterinnen von Nagelstudios oftmals ausgesetzt sind, unsichtbar bleiben. Die New York Times berichtet.

Über die Überwachung von und ständige Verfügbarkeitserwartung an Arbeitnehmer_innen durch Arbeitgeber_innen schreibt Melissa McEwan auf Shakesville:

Termine in Hidesheim, Kiel, Berlin und Oldenburg

14. – 16. Mai, Hildesheim: Performing Back – eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Kontinuität deutscher kolonialer Vergangenheit von und mit Simone Dede Ayivi. Später im Monat auch in Oldenburg, siehe unten

15. – 17. Mai, Kiel: laDIYfest – Magda ist auch mit einem Workshop dabei!

29. Mai, Berlin: Lowkick Soli-Party. Die Einnahmen ermöglichen FrauenTrans* und Mädchen eine Woche im vom Lowkick e.V. organisierten Camp Selbstverteidigung/Thai_Kickboxen zu trainieren – auch wenn sie es sich finanziell nicht leisten können.

29. – 30. Mai, Oldenburg: weitere Aufführungen von Performing Back


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Programmier-Lern-Euphorie – und wie emanzipatorisch ist das jetzt?

12. Dezember 2014 von Gastautor_in

Kathrin bloggt gelegentlich unter buildingsnbridges, wo auch der folgende Beitrag kürzlich erschienen ist – den sie uns erfreulicherweise als Crosspost angeboten hat.

Programmieren war ja mal ein frauen*dominierter Job, bevor es ein männer*dominierter Job wurde. Als erste Person, die Programme schrieb, ist Ada Lovelace in die Geschichte eingegangen. Damals, im 19. Jahrhundert, konnten Rechen-Maschinen noch nicht so viel – die Mathematikerin schuf mit ihrer Arbeit jedoch eine wichtige Grundlage für ihre Weiterentwicklung. Davor und danach sind auf dem Zeitstrahl der Informatik-Historien dann oft nur noch weiße Männer zu finden. Klar: in Geschichtsschreibung und Wissenschaft werden die Beiträge nicht männlicher, nicht weiß/westlicher Protagonist_innen routinemäßig unsichtbar gemacht. (Ich wusste bis vor ein paar Wochen nicht, woher das Wort Algorithmus kommt.)

Und nachdem einige Jahrzehnte lang die professionelle Nutzung von Computern von Frauen* geprägt worden war (Biografien u.a. hier oder hier) – ohne, dass sie dafür unbedingt viel Anerkennung bekommen hätten – wurde ihr Anteil in den 1980ern dann auch tatsächlich kleiner. Während die Rechenmaschinen zu immer mächtigeren Werkzeugen wurden. Und das Prestige, das mit ihrer Bedienung verbunden war, wuchs.

Unter anderem dieser Prestigegewinn wird dafür verantwortlich gemacht, dass Informatik – wie vieles, was als ‘Technik’ gilt – heute vielerorts ein Männerjob ist. Nicht schön, aber mächtig: das Klischee des Programmierers oder ‘Nerds’ ist das eines Typens, der nicht gut aussieht und seine nur spärlich vorhandenen sozialen Kompetenzen selten nutzt – aber durch sein Technikverständnis potenziell die Welt beherrschen kann.

Seit ich vor zwei Jahren meinen Rechner mit einem BIOS-Update kaputtgemacht habe – da wusste ich noch nicht, was eine BIOS ist und wollte verstehen, was passiert war – habe ich angefangen, mich auch technisch mit Computern zu beschäftigen. Und seitdem fällt mir auf, wie viele Institutionen und Gruppen offenbar gerade damit beschäftigt sind, Informatik aus der Nerd-Ecke zu holen. Besonders Programmieren wird zugänglicher, und es wird immer wieder betont, dass auch Menschen es lernen können, die nicht schon ihr ganzes Leben lang genau das gemacht haben. In Berlin gibt es wöchentlich mehrere kostenfreie Workshops, die ich besuchen kann, wenn ich will. (Auch, weil für mich bestimmte Barrieren keine Rolle spielen – selbstverständliches Englisch-Sprechen zum Beispiel oder Rolli-Unzugänglichkeit vieler Veranstaltungsorte.) Es gibt bergeweise Ressourcen online, darunter richtig gut konzipierte Kurse – von meinem ersten Python-Kurs zehre ich jetzt im Informatikstudium noch. Und es gibt Initiativen wie die Rails Girls, die sich besonders an Frauen richten (über die Offenheit gegenüber nicht-binären Genderidentitäten weiß ich nichts). Quasi in jeder Stadt, in der es gentrifizierende Cafés mit Free Wifi gibt.

Seit ich mich mehr mit Rechnern beschäftige, bin ich – simsalabim! – in einer neuen Erzählung über feministisches Empowerment gelandet. Als Protagonistin mit Superheldinnen-Faktor: Leute machen High Five mit mir, wenn ich erzähle, was ich studiere! Die Stimmung: yey, Frauen* lernen programmieren! Wir holen die ganze Nerdigkeit nach, die wir in unserer Jugend nicht haben konnten (oder hatten, aber dafür ausgelacht wurden) und zeigen es den Mackern. Und so übernehmen wir die Weltherrschaft dann doch noch.

Ich glaube, in die Programmier-Euphorie spielt neben der Freude, sich vom weißen Macker nichts mehr sagen lassen zu müssen, auch das Bewusstsein rein, dass ‘Code’ die neue weltweit verstandene und bedeutsame Sprache ist – die auf allen Arbeitsmärkten gefragt ist, Tendenz steigend. Das Wissen, eine größere Absicherung in Bezug auf zukünftige Jobs zu haben, ist ziemlich angenehm – das merke ich an mir selbst und höre ich ähnlich von anderen Leuten, auch wenn es nicht für alle die gleiche Rolle spielt.

Selbstständigkeit und Zugang zu besser bezahlten Jobs können Empowerment bedeuten. Ja, in dieser Gesellschaft ist Überleben leider immer auch Überleben im Kapitalismus, und da gibt es keine ‘Chancengleichheit’. Wenn ich aber mit dem Slogan “If they can do it, I can do it as well!” zum Programmieren motiviert werden soll – wie auf der Seite der Rails Girls Berlin unter der Rubrik ‘Success Stories’ – hört sich das für mich nicht unbedingt feministisch an. Keine Erwähnung von Sexismus und anderen -ismen, mit denen Menschen davon abgehalten werden, zu lernen oder ihr Wissen anzuwenden. Sondern nur das “from zero to hero(ine)”-Motiv: trau dich, du schaffst das! Programmieren macht total Spaß, es ist leicht zu lernen und spannend und du kriegst coole Jobs!

Das mit den “coolen Jobs” ist halt auch so eine Sache. Während bestimmte Skills so viel zugänglicher werden (und sich das Berufsbild vom stereotypen Nerd, der in seinem Leben nie was anderes gemacht hat als zocken/hacken/nerden) weg bewegt, schwindet auch tatsächlich der Weltherrschafts-Faktor des Programmierens. Wenn ich mir mal anschaue, wer so alles Programmier-Kurse für Frauen und/oder die breite Masse unterstützt: Da ist zum Beispiel die Initiative Jeder kann programmieren, gefördert unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Riesen-Unternehmen Intel. Das ist nicht Zugänglichkeit, damit wir uns alle empowern können, sondern das Bemühen darum, dass wir genau das Richtige lernen – denn Programmieren ist die neue Schlüsselkompetenz, und es werden Arbeitskräfte gebraucht, die das drauf haben. Ja, auch Frauen* – und ja, auch hochmotivierte Menschen außerhalb der EU und der USA. Und gut, dass Long-Distance-Beschäftigungsverhältnisse durch das Internet so einfach sind, denn da lassen sich Kosten sparen. Wird da eigentlich irgendwas demokratisiert, oder vor allem Angestellte für boomende Branchen produziert? (Und für welche Branchen eigentlich? Die in vielen Darstellungen zweitberühmtesten Programmiererinnen sind Jean Bartnik, Grace Hopper und ihre Zeitgenossinnen – die meisten von ihnen arbeiteten für die US-Armee.)

Das “Ich kann alles lernen”-Gefühl, das sich nach dem ersten, und dem zweiten, und dem xten selbstgeschriebenen Programm einstellt, möchte ich nicht missen. Oder die Möglichkeit, selbstbewusst über Technik, die ich benutze, zu entscheiden. Und die Chance, im Informatikstudium Kompetenzsimulation von den Profis zu lernen. Aber ich weiß nicht, ob der Ort, den ich damit erreichen werde, sich irgendwie unabhängiger anfühlen wird. Oder vielleicht genauso stressig und prekär, wie Arbeitsleben bisher auch war.


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Prekarisierung, § 23 und der Staat als gewalttätiger Akteur – kurz verlinkt

9. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 248 von 340 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Eine bemerkenswerte Berlinerin, Zeitzeugin, Aktivistin und Antifaschistin: Inge Lammel musste als Jüdin während des Zweiten Weltkriegs nach Bristol und sagt im Interview mit der Berliner Zeitung: „Man ist achtsam geworden. Und doch, es gibt immer Menschen, denen andere egal sind. Man sieht gerade, wie die Flüchtlinge behandelt werden.“

Anfang Juni hatte in Berlin ein Bündnis ein Plakat an einem Haus angebracht, welches an den NSU-Bombenanschlag 2004 in Köln erinnern sollte. Den Spruch „NSU: Staat & Nazis Hand in Hand.“ ließ die Polizei entfernen. (Wir schrieben darüber.) Am 10.Juni stellte die Berliner Staatsanwaltschaft das von der Polizei eingeleitete Strafverfahren wegen Verunglimpfung des Staates nun ein, berichtet MiGAZIN.

Eine weitere Gerichtsentscheidung kommt aus den Niederlanden: Dort wurde nun auch gerichtlich festgeschrieben, dass es sich beim „Zwarten Piet“ um eine rassistische Karikatur handelt. (Hinweis: Abbildung von Blackface)

Das Bündniss gegen Rassismus hat einen offenen Brief an die Berliner Senatsinnenverwaltung zum §23 des Aufenthaltsgesetz verfasst, der auch noch unterzeichnet werden kann.  Es wird u.a. gefordert, den politisch aktiven Geflüchteten aus Berlin gemäß § 23 AufenthG den dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zu gewähren.

Women in Exile kritisieren den Bundestagsbeschluss zur deutschen Asylpolitik und fordern Protest, damit der Gesetzesentwurf im Bundesrat gekippt wird.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Soziologie werden im Juli und August die Autorinnen Mona Motakef, Julia Teschlade und Christine Wimbauer über Prekarisierung bloggen.

Der Bundestreffen Solifonds der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), will Menschen eine Teilnahme ermöglichen, die aufgrund ihrer finanziellen Situation sonst nicht kommen können. Auf ihrer Seite erklärt die ISD, wo der Zuschuss beantragt werden kann und wohin gespendet werden kann, um den Fonds zu unterstützen.

Das Webportal Mein Geschlecht ist online. Trans*, inter* und genderqueere Jugendliche finden dort bundesweite Anlaufstellen, können ihre Geschichte erzählen und voneinander lernen.

englischsprachige Beiträge

Sichtbarkeit – gerade auch im Internet – ist doch was tolles?! Shanley Kane zeigt auf, wie diese Annahme nicht für alle Menschen gilt, und wie oft Sichtbarkeit auch mit Gewalt einhergeht.

Fast zwei Drittel der ruandischen Parlamentarier_innen sind Frauen. Der Guardian schreibt über diesen Fakt und was das bedeutet.

Lauren Chief Elk zum International Violence Against Women Act  und Gewalt durch den Staat, denn in der weltweiten Diskussion um Gewalt gegen Frauen und Mädchen wird häufig der Staat als gewalttätiger Akteur ausgeblendet.

„Yes, obesity is ok.  The rights to life, liberty and the pursuit of happiness are not size dependent, they are inalienable.  Fat people have the right to exist in fat bodies without shame, stigma, bullying or oppression.“ – Dances with Fat antwortet auf einen New York Times Artikel, der die Frage stellte, „Is Obesity OK?“.

Wenn über sexualisierte Gewalt in Euphemismen gesprochen wird, wem nützt das etwas? Ganz sicher nicht den Betroffenen, stellt Soraya Chemaly fest.

Luvvie schreibt bei TheGrio über die aktuelle Personalpolitik beim US-amerikanischen feministischen Blog Jezebel und darüber, was diese mit Respekt und Intersektionalität zu tun hat.

Die Schauspielerin Doon Mackichan erläutert im News Statesman ihre Null-Toleranz-Haltung gegenüber Stories, in denen Gewalt gegen Frauen zur Unterhaltung dient.

Termine in Berlin, Frankfurt a.M. und Göttingen:

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Jenseits von „choosing my choice“ und „käuflichem Geschlecht“ – feministische Debatten über Sexarbeit

1. November 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 56 von 59 der Serie Meine Meinung

Es ist ein feministischer Dauerbrenner: das Thema Sexarbeit, sex work, Prostitution. Auch wenn wir hier im Blog etwas dazu schreiben oder auch nur verlinken, ist ein überdurchschnittlich hohes Kommentaraufkommen vorprogrammiert.  Die Kommentare sind oft sehr ausführlich, sehr meinungsstark, nicht selten auch emotional engagiert – das Thema bewegt. Und meistens prallen dabei relativ schnell zwei gegensätzliche Auffassungen aufeinander, unter denen in feministischen Kontexten über den emanzipatorischen Wert, die Schädlichkeit oder die Daseinsberechtigung von Sexarbeit diskutiert wird. Manchmal in Anwesenheit, häufiger in Abwesenheit von (ehemaligen) Sexarbeiter_innen, die – welch Überraschung! –  zu diesen Gelegenheiten nicht immer mit einer Stimme sprechen.

Auf der einen Seite findet sich eine Position wie die Alice Schwarzers.  Diese hat gerade, supportet von inzwischen an die 1700 teilweise prominenten Mitstreiter_innen, einen „Appell gegen Prostitution“ verfasst, wo unter anderem zu lesen ist:

Doch genau das tut Deutschland mit der Prostitution: Es toleriert, ja fördert diese moderne Sklaverei (international „white slavery“ genannt). […] Das System Prostitution degradiert Frauen zum käuflichen Geschlecht und überschattet die Gleichheit der Geschlechter. Das System Prostitution brutalisiert das Begehren und verletzt die Menschenwürde von Männern und Frauen – auch die der sogenannt „freiwilligen“ Prostituierten.

Allein dass Schwarzer sich dafür entschieden hat, Prostitution pauschal als „moderne Sklaverei (international „white slavery“ genannt)“ zu bezeichnen, spricht Bände: ahistorischer, verharmlosender und ignoranter kann wohl selbst die Axt im Walde nicht zu Werke gehen.  „White slavery“ – laut Wikipedia „A term for sexual slavery, used to distinguish it from the system of slavery that had been imposed on black people in the Americas“. Das ist in etwa zu übersetzen mit  „ein Ausdruck für sexuelle Sklaverei, der verwendet wird, um diese von dem System der Sklaverei zu unterscheiden, welchem Schwarze Menschen auf dem amerikanischen Kontinent unterworfen wurden“. Diese Definition sowie Schwarzers Bezug auf diesen Begriff sind bezeichnend und strotzen nur so vor white supremacy, denn sexualisierte Ausbeutung und Gewalt stellten einen Grundpfeiler des Systems der Sklaverei in den Staaten der heutigen USA (und sicher genauso anderswo) dar – nachzulesen z.B. aktuell in Akiba Solomons Filmbesprechung zu “12 Years A Slave”. Und als ob sowohl  heutige Sklaverei und Menschenhandel als auch Sexarbeit nur weiße Personen betreffen würden… Als ob eine Gleichsetzung von Sklaverei und bezahlter Arbeit überhaupt Sinn ergeben könnte. Abgesehen davon, wie geflissentlich ignoriert wird, dass Sexarbeiter_innen weltweit sich immer wieder gegen eine solch undifferenzierte Darstellung aussprechen. (mehr …)


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Sex-arbeitende Mütter

5. Dezember 2012 von Lisa

Der folgende Text erschien letzten Sonntag bei fuckermothers.

Die feministischen Sex-Kriege waren lang und blutig. Naja, wirklich blutig waren sie nicht, aber ich fand den Eingangssatz so schön dramatisch. Lang, das waren sie jedenfalls. Sie begannen Ende der 1970er Jahre, endeten offiziell  in den neunzigern, einzelne Scharmützel gibt es aber heute noch. Eine verkürzte Darstellung der Fronten: Auf der einen Seite standen diejenigen, die gegen Pornographie und Prostitution waren, weil diese per se ein Ausdruck patriarchaler Unterdrückungsverhältnisse und männlicher Sexualität darstellen sollten. Zu ihnen gehörte unter anderem Catherine MacKinnon und auch Alice Schwarzer mit ihrer PorNo-Kampagne.

Auf der anderen Seite standen die sex-positiven Feministinnen, zu denen unter anderem Gayle Rubin gehörte. Sie betonten Individualismus, Handlungsfähigkeit und Selbstbestimmtheit von Frauen. Während erstere Prostituierte in erster Linie als beklagenswerte Opfer sahen, waren sie in den Augen der zweite Gruppen (meist) aktiv entscheidende und handelnde.

Ich finde das wichtig, um die Debatte um sex-arbeitende Mütter einordnen zu können. Denn Eva Schless richtet sich in ihrem Artikel ‘Sex worker & mother‘ gegen die erste Position. Ausgangspunkt des Textes war ein Bemerkung, dass Sex-Arbeit Ausbeutung sei und nie wirklich selbstbestimmt sein könne, da eine sex-arbeitende Mutter schließlich niemals ihrer Tochter zu diesem Job raten würde. Schless erklärt, sie wolle ihre Tochter ermutigen den Beruf zu ergreifen, den sie sich wünsche.

Ihre Ansicht: “ I cannot stand the uninformed and ignorant rant that sex work is not empowering or a real ‘choice’. I am going to put it in a very simple way: I love sex. I f*cking LOVE it. I have loved it before I even knew what it was or that there was such a thing as the patriarchy. All I knew was that something down there felt really good. As I grew up and learned more about it – I loved it even more. And as I started to do it… I realised I was really, really good at it. So, something I really enjoy, am good at and can be paid to do is somehow NOT my choice?”

Eine ähnliche Meinung  vertritt ‘ThisIsYourDaughter’: “Es gibt Menschen, die wollen Sexarbeiter sein. Und es gibt Menschen, die diese Dienstleistung in Anspruch nehmen. Und wenn diese Menschen miteinander Verträge schliessen, wenn Dienstleistungen gegen eine angemessene Vergütung zu fairen Konditionen erbracht und bezahlt werden, wenn das zwischen zwei erwachsenen Menschen bewusst und klar umrissen geschieht, dann ist für mich nichts Schlimmes daran. Im Gegenteil. Das ist anständige Arbeit gegen anständiges Geld, und damit ist es in meinen Augen eine gute Sache.Das ist anständiger, als Leiharbeiter für sechs, sieben Euro auszubeuten. Das ist anständiger, als Frauen, weil sie Kinder haben immer nur von einem befristeten Arbeitsverhältnis ins nächste zu hetzen.”

‘Mutterseelenalleinerziehend’ sieht das mit der Wahl dennoch k0mplizierter und betont gesellschaftliche Strukturen: “Die heterosexuelle Prostitution ist in der Regel weiblich und sie bedeutet, dass das Geld eines Anderen über den Körper einer anderen verfügen darf. (…) Ich respektiere diese Frauen als Menschen. Ich will sie weder stigmatisieren, noch für verkehrt erklären. Aber ich bin eine Visionärin und möchte klarstellen, dass es in einer Welt mit größerer Statusgleichheit und weniger Geldsorgen vermutlich gar keine Prostitution geben würde. Das ist in meinen Augen die einzig wichtige Frage: Würdest Du diesen Beruf auch machen, wenn ich Dir jeden Monat 8000 Euro überweise?”

Ich frage mich, ob man bei der Diskussion um ‘Sex-Arbeit’ weniger auf den ‘Sex’ und mehr auf die ‘Arbeit’ und deren Bedingungen schauen sollte. Wenn die Arbeitsbedingungen allein von Kapitalismus und Ausbeutung geprägt sind, ist die Arbeit wohl kaum selbstbestimmt und empowering. In anderen Kontexten jedoch ist sicherlich eine freie und befriedigende Arbeit möglich. Ich schliesse also mit einer Banalität: Sex-Arbeit ist nicht gleich Sex-Arbeit und sollte, wie alles, differenziert betrachtet werden.


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Feiern, Fußball, facepalmen – kurz verlinkt

20. September 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 175 von 340 der Serie Kurz notiert

Wir können bei unserem 5. Jubiläum am kommenden Samstag eine Kinderbetreuung von 13 bis 19 Uhr anbieten und suchen noch nach Freiwilligen, die bei der Schicht 17-19 Uhr aushelfen möchten – meldet euch einfach unter veranstaltung[at]maedchenmannschaft.net. Falls ihr Kinderbetreuung benötigt, meldet euch am Tag der Party einfach am Mädchenmannschaft-Infostand, dort bekommt ihr alle Infos! Ihr könnt uns auch schon vorher eine E-Mail schreiben, wenn ihr Fragen habt: veranstaltung[at]maedchenmannschaft.net.

Wow: L-Talk hat zu Ehren unseres Jubiläums gleich mal eine ganze Mäd­chen­mann­schafts-Woche ausgerufen. Wir freuen uns auf spannende, solidarisch-kritische Beiträge!

Lineare Fortschrittserzählungen sind stets mit Vorsicht zu genießen, so auch in Sachen Sexismus. Wie dieser von Generation zu Generation weitergegeben wird, steht im Independent (auf Englisch).

Der Spiegel Online befasst sich mit Asexualität – ob sachkundig oder nicht, könnt ihr hier überprüfen.

Eine Gruppe junger Frauen hält ein Plakat hoch: We need feminism because we are NOT your mail order brides, the CURE to your YELLOW fever, your fantasy SEX TOYS or your subservient housewives. We are STRONG, INDEPENDENT and CAPABLE ASIAN AMERICAN WOMEN

Wir brauchen Feminismus, weil wir nicht deine Bräute aus dem Katalog, die Heilung für dein Gelbfieber, deine Sexspielzeuge oder deine unterwürfigen Hausfrauen sind. Wir sind starke, unabhängige und kompetente asiatisch-amerikanische Frauen. (via facebook)

Jessica Valenti, Gründerin von feministing.com, hat kürzlich ein Baby bekommen. Die vordringlichste Frage, die gewisse Medien daraufhin an die profilierte feministische Journalistin hatten: Wie sei sie eigentlich ihr „Schwanger­schafts­ge­wicht“ wieder losgeworden? (auf Englisch)

Julia Niemann rückt in der taz mal ein paar Dinge bezüglich der un­säg­lichen De­batte um früheres Kinderkriegen zurecht. Leider kommt auch ihr Artikel nicht ohne Bezugnahme auf den Mythos, dass Frauen* „früher“ glücklicher gewesen seien, aus (auf Englisch).

Geringes Einkommen, keine Aufstiegsmöglichkeiten, Teilzeit, Diskriminierung: Öster­reich­ische Frauen fühlen sich in der Arbeits­welt nicht wert geschätzt. Außer­dem, die Wissenschaft hat festgestellt: Inter­sektionalität is a thing. Die Huffington Post berichtet über eine Studie, nach der es Schwarzen Frauen beim beruflichen Aufstieg doppelt schwer gemacht wird – denn sie sind weder männlich noch weiß (auf Englisch). (mehr …)


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Vulkane, Weltreisen, weniger Stress – die Blogschau

23. Juni 2012 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 167 von 295 der Serie Die Blogschau

Karnele sieht Verbesserungsbedarf in Sachen Kampagnenarbeit und fordert auf: Frauen, lernt Social Media!

Nach Dänemark will nun auch Frankreich die Ehe für „gleichgeschlechtliche“ Paare ermöglichen, berichtet queernews.at.

Melanie von glücklich scheitern macht sich Gedanken über den Umgang mit Kinder­fotos im Internet und weiß selbst noch nicht, wohin das alles führen soll. Danach erklärt sie dann noch, wie Feminismus und Gender Studies eigentlich zusammen hängen – ist nämlich bei weitem nicht dasselbe, auch wenn manche das zu meinen scheinen.

Mierk Schwabe von den SciLogs hat  auf dem Vulkan nicht getanzt, sondern dort astronomische Beobachtungen gemacht. Und zwar auf dem Mauna Kea auf Hawai’i.

Michaela Werner berichtet – auch per Video – über neue Wege im Leistungs­schutz­recht und die ganz konkreten Auswirkungen auf die tägliche Informations- und Meinungs­bildung im Internet – und warum das ganze Thema relevant für alle Netz­nutzer­_innen. ist. (mehr …)


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Fair gehandelt?

26. Mai 2010 von Gastautor_in

Susanne Schäfer studiert an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Master Politikwissenschaft. Im Rahmen ihres Studiums hat sie sich mit den Genderaspekten im fairen Handel beschäftigt.

Der Konsum von fair gehandelten Produkten ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Rund 270 Millionen Euro (PDF) gaben die Deutschen 2009 für Kaffee, Bananen, Schokolade oder Kleidung mit dem blau-grünen Siegel aus; das sind 26 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Verein TransFair e.V. Ende April in Bonn bekannt gab. Wem nützt der faire Handel – nur unserem Gewissen oder auch den Frauen in Entwicklungsländern?

Durch die Globalisierung wurden zahlreiche Arbeitsschritte in Entwicklungsländern verlagert. Positiv daran ist, dass dort viele Frauen in den vergangenen Jahren eine Arbeit erhalten haben. In der Bekleidungsindustrie in Honduras arbeiten 65 Prozent Frauen, in Kambodscha sind es sogar 90 Prozent (PDF). Diese Jobs sind jedoch oft prekär, denn die Frauen müssen Überstunden leisten und es gibt weder Mutterschutz noch andere soziale Absicherung. So leiden sie eher unter ihrer Arbeit, als dass sie davon profitieren.

Frauen in Entwicklungsländern haben die unsichersten Jobs, sie sind die ersten, die entlassen werden, ihre Arbeitnehmerrechte und ihre Ausbildung sind schlecht, wie Bethan Emmett 2009 für die Nichtregierungsorganisation Oxfam untersucht hat. Wenn der Arbeitsplatz unsicher ist, sind Frauen ein leichtes Opfer: Viele berichten von sexueller Belästigung (PDF). Der Kostendruck den die Supermarktketten und Konsument_innen in den Industriestaaten auf die Zulieferer_innen ausüben, wird von diesen auf die Produzent_innen und Arbeiter_innen verlagert. „Workers in every country studied reported extreme pressure to work harder, faster and longer“, schreibt Kate Raworth (PDF) für Oxfam.

Wer als Europäer_in Produkte mit dem Fairtrade-Siegel kauft, der kauft auch ein Gefühl von „Ich rette die Welt“ und will die gerade beschriebenen, schlechten Bedingungen verbessern. Wie sieht es tatsächlich auf den Kakao- oder Bananenplantagen aus, wo für Gepa, El Puente und Co. produziert wird? Geht es den Frauen dort besser als anderswo? Aus zwei Gründen lässt sich diese Frage mit einem Ja beantworten. (mehr …)


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Kurz gefreut, geärgert oder hinterfragt

12. März 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 86 von 340 der Serie Kurz notiert

Wir gratulieren: Am 8. März wurde Anke Domscheit mit dem Frauenpreis des Landes Berlin ausgezeichnet (wir berichteten). Im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel sagt sie: „Eine Frau gilt entweder als Mäuschen – oder als karrieregeil und aggressiv. Ich entscheide mich definitiv für aggressiv und karrieregeil“.

In einem Artikel im Guardian schaut Charlotte Raven in die 1990er zurück, wo ihre Generation dem Feminismus den Rücken kehrte und kritisiert die heutige Generation an Frauen, die im Sinne von Sex Sells denken, sie könnten alles tun.

Ebenfalls im Guardian diskutiert Lionel Shriver die Relevanz von Betty Friedans‘ 1963 erschienenen Beststellers The Feminine Mystique in Hinblick auf Betty Draper, eine Figur der US-amerikanischen Serie Mad Men.

Laut einem Artikel in der Zeit scheint der Preis für die Eingliederung von Frauen in die Arbeitswelt darin zu bestehen, dass die neuen Frauenjobs oft schlechter bezahlt und abgesichert sind: Zwei von drei Niedriglohnstellen sind „Frauenjobs“.

Fünf lesbische Frauen sprachen mit dieStandard.at über ihr Selbstverständnis, nervige Fragen, Vorurteile und Geschlechterklischees: Die vielen Arten lesbisch zu sein.

Indiens erstes Lesbenmagazin heißt Jiah – For the Woman with Heart. Seit Januar 2010 ist es auf dem virtuellen Markt erhältlich und soll viermal im Jahr erscheinen, ab kommenden Jahr auch in Druckform (via L-Mag)

Rudi Assauer hat nichts gegen Homosexuelle, aber im Fußball hätten sie doch nichts zu suchen, so die taz. Warum sagt er nicht genau, aber in der Debatte um schwule Schiedsrichter hat seiner Meinung nach anscheinend die Homosexualität dem Ansehen des DFB geschadet – und nicht der Missbrauch und die Belästigung von Kollegen.

Der Einfluss von Hormonen und Genen auf die (sexuelle) Entwicklung ist bis heute ein Feld mit vielen Fragezeichen. Nach der Untersuchung eines Halbseitenzwitterhuhns tragen die Gene nun einen Punktsieg davon, berichtet orf.at. Halbseitenzwitter haben jeweils eine weibliche und eine männliche Körperhälfte und das unabhängig vom Hormonspiegel, sondern aufgrund der in den Zellen vorhandenen Geschlechtschromosomen.


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