Einträge mit dem Tag ‘Antje Schrupp’


Burka-Verbot, Burka-Verbot, Burka-Verbot

22. Juli 2010 von Barbara

Das Verbot, in der Öffentlichkeit eine Burka zu tragen bzw. sich mit einem anderen Ganzkörper-Schleier zu verhüllen, ist in einigen europäischen Ländern bereits gesetzlich verankert worden. Das französische Parlament hat kürzlich dafür gestimmt (wir haben berichtet), ebenso in Belgien (wir haben berichtet) wurde dafür votiert. In Spanien wurde der Verbots-Vorschlag gerade knapp abgelehnt, das Thema scheint aber auch hier noch nicht vom Tisch.

Über das Burka-Verbot hat Martha Nussbaum, Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago, in der FR geschrieben; sie behandelt das Thema aus rechtsphilosophischer Sicht:

… Gesetzt den Fall, die Burka ließe sich statistisch mit Gewalt gegen Frauen eng in Verbindung bringen: Könnte die Regierung sie aus diesem Grund rechtmäßig verbieten? Der Oberste Gerichtshof der USA hat geurteilt, dass das Nackttanzen aufgrund seiner gelegentlichen Verbindung mit Verbrechen (auch gegen Frauen) verboten werden kann, aber es ist nicht klar, ob dieses Urteil richtig war. Burschenschaften am College weisen eine enge Verbindung zu Gewalt gegen Frauen auf, und einige Universitäten haben deshalb alle oder einige Burschenschaften verboten. Private Institutionen dürfen solche Regelungen treffen; ein völliges Verbot männlicher Trinkclubs (oder anderer Orte, an denen Männer sich betrinken, wie Fußballspiele) von Regierungsseite wäre aber eine groteske Einschränkung der Versammlungsfreiheit. …

Über das Burka-Verbot hat auch Antje Schrupp für die Jungle World geschrieben. Sie hält das Burka-Verbot für ein falsches Signal (eine Meinung, die ich absolut teile).

… Schließlich wäre ein Burkaverbot auch ein falsches Signal an die westlichen Milieus und an die nicht-muslimischen Migrationscommunities, die selten so liberal und frauenfreundlich sind, wie sie sich gerne darstellen. Gewalt gegen Frauen gibt es überall, die Beschränkung ihrer Freiheit auch. Das lässt sich nicht an äußerlichen Symbolen ablesen. Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, die Freiheit der Frauen könne per Gesetz sichergestellt werden. Sie muss sich im Konkreten bewähren: Wie unterstütze ich das Mädchen, das gegenüber ihren Brüdern benachteiligt wird? Wie argumentiere ich gegenüber einer Frau, die meint, der Ganzkörperschleier bringe sie näher zu Gott? Was ist mit der Frau, die von ihrem Mann geschlagen wird, ihn aber partout nicht verlassen will? …

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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

9. Februar 2010 von Barbara

In München hält Antje Schrupp am Mittwoch, 10. Februar 2010 ab 19.30 Uhr einen Vortrag zum Reizthema Lohndifferenz. Ein kurzer Auszug aus dem Programm:

Obwohl die alte Forderung der Frauenbewegung nach “gleichem Lohn für gleiche Arbeit” heute von niemandem mehr ernsthaft bestritten wird, verdienen Frauen immer noch im Schnitt 22 % weniger als Männer. Liegt es an der Starrheit des Systems? Ergreifen Frauen die “falschen” Berufe? Welche Rolle spielt die Kinderbetreuung? Und wie verhält sich die Forderung nach gleicher Bezahlung zu der sich immer stärker öffnenden Einkommensschere allgemein?

Atelierhaus, Baumstraße 8 b, München
Eintritt EUR 9 / EUR 7, mehr Infos bei den Frauenstudien


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Die Zukunft der Frauenbewegung

8. März 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 24 von 44 der Serie Die Feministische Bibliothek

Um die “Zukunft der Frauenbewegung” geht es der 1964 geborenen Journalistin und Politologin Antje Schrupp in ihrem gleichnamigen Buch von 2004. Vor der Zukunft steht die Gegenwart, und so beantwortet Schrupp erst mal die Frage: “Wo stehen wir heute?”. Das Patriarchat, jene “schlechte” Ordnung, die die Dinge regelte, sei heute zerfallen. Es herrsche nun eine Unordnung, nach dem “Verlust der väterlichen Autorität” der “Väter, Chefs, Vorgesetzten” ist nun die “Macht der Brüder” an oberster Stelle. Hier bezieht sich Schrupp auf die Italienerin Chiara Zamboni aus der Philosophinnen-Gemeinschaft Diotima und erklärt anhand deren Schrift “Das Patriarchat ist zu Ende”:

Die Brüder … halten nicht mehr das Ideal der Hierarchien hoch, sondern das der Gleichheit … die Brüder, die ‘zerstritten, aggressiv, gewalttätig sind und zugleich schwach und narzisstisch” … müssen sich auf andere Weise [als die Figur des Vaters, die Autorität und Macht verband] in den Vordergrund spielen, und sie tun das auf der Bühne der Öffentlichkeit.

Eben diese Bühne ist nun auch für Frauen zugänglich: in der Politik, in den Medien, im Berufsleben. Doch die dort herrschenden Regeln sind die der Brüder.

Vielleicht liegt hier eine Erklärung für die Tatsache, dass trotz AGG und der Bereitschaft von privatwirtschaftlichen Unternehmen, Frauen nun doch in die Führungsetagen zu lassen (auf dem Frauenpolitischen Forum der Grünen in Stuttgart vor ein paar Tagen hörte ich, dass sowohl die Deutsche Bank als auch Daimler über eine Quote für die oberste Etage immerhin nachdenkt), nicht alle Frauen auch wirklich dazu bereit sind, Karriere zu machen. “Karriere” – dieses Wort ist ein in der Öffentlichkeit höchst männlich konnotierter Begriff, der viele Frauen abschreckt. 14-Stunden-Arbeitstage, Netzwerke beim Bier bis spät in die Nacht, der Kontakt zur Familie nur über die Fotos auf dem Schreibtisch.

Doch gerade weil aus dem “Patriarchen” eine “Gruppe Piraten” geworden ist, sei es an der Zeit, dass “die Frauenbewegung nun in die Phase der ‘Regeln der Partizipation’” eintrete, schreibt Schrupp. Und: “Es ist notwendig, dass sich weibliche Autorität nicht nur im privaten Kreis äußert, sondern dass sie sich öffentlich zu Wort meldet.” Und dabei hilft der Feminismus, “die Welt und die eigene Rolle darin besser zu verstehen und in Freiheit den Weg des persönlichen Begehrens zu finden”.

Antje Schrupps Buch regt zum Nachdenken, zum Weiterdenken an. Wer sind wir Feministinnen heute? Welche Aufgaben warten heute auf uns, welche Möglichkeiten haben wir und welche nicht? Wichtiger denn je bleibt die Lebendigkeit der Frauenbewegung, der politische Austausch und die Bereitschaft, Autorität sowohl zu akzeptieren als auch zu übernehmen. Der Blick in die Zukunft stimmt Schrupp optimistisch, denn schließlich gehe es dabei um die “Liebe zur Freiheit”.

Antje Schrupp, “Zukunft der Frauenbewegung”. Christel Göttert Verlag, 2004. Taschenbuch, 84 Seiten. 5 Euro.


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