Einträge mit dem Tag ‘Antirassismus’


“Party Like It’s 1945…”

8. Mai 2013 von accalmie

schrieb die High-Heel-Antifa, denn heute ist der achte Mai, also Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, und des Endes der Shoah. Für Antifaschist_innen war schon immer klar, dass der Tag der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands Befreiung bedeutet(e); Eingang in einen breiteren gesellschaftlichen Diskurs fand die Idee der Befreiung vom Nationalsozialismus (und nicht einer zu betrauernden nationalkollektiven Niederlage) allerdings erst mit der Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Jahr 1985. Die Mädchenmannschaft feiert mit und wünscht allen einen kämpferischen achten Mai – alerta, alerta, antifascista!


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Bügeln Gehen mit Deniz Yücel

23. April 2013 von accalmie

Ach, Deniz, Du trollst so unkreativ. Du bist ein halbes Jahr zu spät dran und originell ist Deine letzte Kolumne auch nicht (und Deiner Verlinkung zur Mädchenmannschaft, die offenbar verdeutlichen soll, wie lächerlich Triggerwarnungen seien, fehlt auch die Pointe – das tut bei Dir aber natürlich nichts zur Sache).

Erst gestern hat Sula einen Text zu den Vorfällen beim “tazlab” des vergangenen Wochenendes und den darauffolgenden Reaktionen veröffentlicht – und schon holst Du zum verbalen Gegenschlag aus. Von einer kleinen Pause zur Selbstreflektion könnte man ja gar profitieren, also musste es schnell gehen mit der eigenen Eklat-Eskalation. Du findest nämlich, dass sich mit dem N-Wort weiterhin wunderbar provozieren lässt. Das gibt traffic (gerngeschehen!) und man bleibt im Gespräch. Das Gespräch, lieber Deniz, wird an dieser Stelle leider redundant, daher nur schnell noch was zum Abschluss:

Du schreibst, dass „alle auf dem Podium […] um den Zusammenhang von Sprache und Herrschaft,“ wüssten und dass „niemand“ das „Fortleben von Rassismus“ bestreite. Angesichts der Berichte dessen, wie die Podiumsdiskussion am Samstag unter Deiner Leitung ablief (denen Du nicht widersprichst), und angesichts dieses jetzigen Zusammenwurfs (Kolumne ist ja ein Euphemismus, wa…) ignoranter Phrasendrescherei, scheinst zumindest Du nicht gewusst noch gelernt zu haben, dass auch Du Herrschaft mithilfe von Sprache putzmunter reproduziert hast und es weiterhin tust, und dass durch sowohl Deine Verhaltensweise bei und nach der Diskussion das Fortleben von Rassismus illustriert wird. Antirassist_in zu sein ist kein Zustand – es ist ein Prozess. Zu verkünden, dass „wir“ (wer?) ja alle auf einer Seite stünden, ist nicht mehr als ein belustigendes bis erschreckendes – in Deinem Fall heuchlerisches – Lippenbekenntnis, wenn Du im gleichen Atemzug es nicht lassen kannst, trotz der Hinweise von durch Rassismus Betroffene, rassistische Sprache zu reproduzieren. Deine Handlungen zeichnen Deinen Antirassismus aus. Und gerade angesichts der Tatsache, dass Du PoC schlecht verhohlenen Essentialismus vorwirfst (der dazu führe, dass alle armen deutschen, weißen, christlichen Männer* gar nichts mehr sagen dürften in solchen Debatten – all evidence to the contrary…), mutet es geradezu absurd an, dass Du “Antirassist_in” für einen Zustand hälst, der solche rassistischen Reproduktionen nicht nur dürfen muss, sondern auch einfach “ausgehalten” werden sollte.

Wer zuerst gebrüllt hat am Samstag, weiß ich nicht. Sula hat geschildert, dass bei Dir nicht nur die Tonstärke, sondern vor allem die lyrics die Musik machten. Dass Du Dir widersprechenden Frauen im Publikum sagtest, sie sollten doch “bügeln gehen“, spricht in jedem Fall für sich (merkste selber, ne?). “Antisexist_in” ist leider auch kein Zustand. (weiterlesen …)


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Heute: Internationaler Tag gegen Rassismus

21. März 2013 von Anna-Sarah

Heute ist der Internationale Tag gegen Rassismus: Seit 1966 wird dieser Gedenk- und Aktionstag am 21. März begangen. Zusätzlich wurde 1979 der Tag durch die Einladung der Vereinten Nationen an ihre Mitgliedstaaten ergänzt, eine alljährliche Aktionswoche der Solidarität mit den Betroffenen und Bekämpfer_innen von Rassismus zu organisieren.

Warum der 21. März?

Sharpeville, Südafrika: Am Vormittag des 21. März 1960 finden sich an verschiedenen Orten der kleinen Stadt 50 km südlich von Johannesburg rund 20.000 Menschen zusammen. Sie folgen einem Aufruf des Pan African Congress (PAC), der eine fünftägige gewaltfreie und friedliche Protestaktion angekündigt hatte.

Die Menschen demonstrieren gegen die Passgesetze des Apartheid-Regimes. (…) Passgesetze regelten das “Aufenthaltsrecht” der schwarzen Südafrikaner, die Anzahl der Schwarzen in den Städten sollte so auf ein Minimum beschränkt werden, ihre Arbeitskraft aber weiter zur Verfügung stehen.

Die Demonstrierenden setzen sich in Richtung Polizeitstation im Sharpeviller Zentrum in Bewegung. Die Polizei hält die friedlich demonstrierende Menge mit niedrig fliegenden Flugzeugen und Tränengas in Schach. Um kurz nach 13 Uhr eskaliert dann schließlich die Situation: Angeblich als Reaktion auf Steinwerfer schießt die Polizei in die Menge. Die Menschen fliehen in Panik, die Polizei schießt weiter. 69 Menschen werden getötet, darunter acht Frauen und zehn Kinder. Viele – die Angaben variieren von 180 bis über 300 Personen – werden verletzt, teilweise schwer.

Als Gedenktag an das Massaker von Sharpeville wurde sechs Jahre später, 1966, der 21. März von den Vereinten Nationen zum “Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung” ausgerufen.

Da Rassismus trotz der politischen Umwälzungen, die in Südafrika seither erwirkt wurden, so präsent ist wie eh und je, gerade auch in Deutschland, ist es mit reinem Gedenken nicht getan. Auf den Internetseiten des Interkulturellen Rats Deutschland findet sich ein umfangreicher Veranstaltungskalender.

In Berlin lädt heute Abend das Bündnis gegen Rassismus zur Podiumsveranstaltung “Grenzenlos und unverschämt”, Titel eines Gedichts von May Ayim, über antirassistische Widerstände in Deutschland ein (auch als Facebook-Event).

Es sollte unnötig sein zu sagen, dass Rassismuskritik und entsprechende Aktivitäten jeden Tag gebraucht werden. Der 21.3. soll auch jene Privilegierten, die nicht durch ihre Lebensrealität ohnehin andauernd mit der Nase darauf gestoßen werden, daran erinnern, dass das Bewusstsein für tiefgreifende rassistische Strukturen und solidarisches Handeln gegen Alltagsrassismus sich nicht in einer Aktionswoche erschöpfen können.


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Wie produktiv ist die aktuelle Debatte um Critical Whiteness?

7. März 2013 von Nadine

Dieser Kommentar ist in der Februar-Ausgabe der an.schläge erschienen. Wir dürfen ihn hier mit freundlicher Genehmigung zweitveröffentlichen und haben das Original an einigen Stellen verändert.

Noch bevor Critical Whiteness Ansätze ihren Weg in die queer_feministische oder linke Praxis gefunden haben – von einer Kanonisierung in den kritischen Wissenschaften hierzulande ganz zu schweigen –, werden diese bereits auf ihre angeblich in die antirassistische Sackgasse führenden Annahmen hin überprüft. Bemerkenswert ist, dass dafür nicht etwa bereits diskutierte Punkte von Theoretiker_innen of Color die Grundlage bilden, sondern vornehmlich jene Kritiker_innen zitiert werden, die Critical Whiteness Ansätze von vornherein ablehnen.

Ein hier gern angeführtes Argument ist das “Übertragbarkeitsproblem”: Aus vermeintlich historischen Gründen würde weiß als kritisch zu betrachtende Norm und Folie, auf der die anderen rassifiziert und entwertet werden, nur in einem US-amerikanischen, nicht aber in einem deutschen bzw. europäischen Kontext Sinn machen. Dieses Argument sagt viel darüber aus, wie weit die Aufarbeitung eigener Kolonialgeschichte vorangeschritten ist (oder auch nicht). Dieses Argument zeigt auch, wie weiß und damit eklatant unzureichend und eindimensional das Verständnis von Rassismus ist: Rassismus als ausschließliches Problem der Institutionen Nationalstaat und EU und ihren Behördenapparaten, die über Zugehörigkeiten und Teilhabe von “Ausländern” entscheiden und Rassismus dabei als Rechtfertigungsideologie für supra_nationalökonomische Verwertungsinteressen funktioniert. Rassismus als Problem von “Prügelbullen”, Nazis und populistisch argumentierenden Einzelpersonen wie Gauck, Sarrazin und Buschkowsky. Unberücksichtigt bleibt, wie diese Politiken, Ideologien, “Meinungen” und “Argumente” miteinander zusammenhängen, an welche kolonialrassistischen Praktiken und Diskurse sie anknüpfen, auf welchen Normsetzungen sie beruhen und wie fundamental Weißsein für die Konstituierung von “Deutsch” und Nation nach wie vor ist.

Die Debatte um die Streichung rassistischer Begriffe aus Kinderbüchern zeigt: weißes Überlegenheitsdenken findet auch jenseits von Nazis und Polizeistaat statt. (Kolonial)Rassismus spielt auch heute noch eine Rolle. Die ihm zugrunde liegenden Normen und Konstruktionsprozesse sind nach wie vor diskursiv wirkmächtig und strukturbildend.

Um in rassistische Diskurse und Strukturen intervenieren zu können, ist sicherlich mehr als eine einzige Perspektive und ein Bezugspunkt nötig. Nur so können Rassismus, seine Argumentations- und Realisierungsformen überhaupt verstanden werden. Trotzdem ist Rassismus ein Machtverhältnis, das Hierarchien benötigt und soziale Positionen hervorbringt, die diskriminiert oder privilegiert sind. Und dass die privilegierte Position weiß zugleich die unhinterfragbare und permanent entnannte Norm dieses Machtverhältnisses bildet, mit der Individuen ständig konfrontiert sind und sich immer zu ihr verhalten.

Der Sinn von Critical Whiteness Ansätzen besteht unter anderem darin, diese Norm als solche an_zu_erkennen und ihre Auswirkungen als weißes Subjekt in der eigenen rassismuskritischen Praxis mitzudenken, sich als weißes Subjekt in Bezug zu Rassismus zu setzen und aufgrund rassistischer Privilegierungen den Fokus ebenfalls auf diese Aspekte von Rassismus zu richten. Sonst sind struktureller Rassismus und weiße Dominanz auch innerhalb feministischer Bewegungen weder kritisier- noch veränderbar.

Warum beobachte ich in letzter Zeit, dass in weiß dominierten feministischen und linken Kontexten eine kritische Besprechung von Critical Whiteness stattfindet, während Rassismus kein selbstverständliches Thema ist, selten interdependent zu Sexismus gedacht wird und weiß nie benannt wird? Was wären die Reaktionen, würde anstatt Critical Whiteness die Legitimität von Feminismus diskutiert? Was sagt das über die weiße Normsetzung innerhalb feministischer Ansätze aus?


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Hamsterrad der Ignoranz – Wenn Weiße mit sich selber über Rassismus reden

29. Januar 2013 von Gastautor_in

Rassismus in Kinderbüchern: In diesem Text, den wir freundlicherweise veröffentlichen dürfen, setzt Sula als Schwarze Kunstwissenschaftlerin, Aktivistin und Mutter einen Punkt unter die unsäglichen Debatten im Pfuilleton und drumrum.

Und als ob es in den letzten Wochen nicht bereits deutlich genug geworden wäre, dass sich jene Schriftsteller_innen und Journalist_innen, die sich zur Zeit in Panik an das eine Wort klammern, das scheinbar konstitutiv für den Erhalt deutscher Kultur und Identität ist, es sorgfältig vermeiden, irgendeine wie auch immer geartete Recherche bezüglich des Wortes oder der Debatte zu betreiben, musste die ZEIT noch einen weiteren Kommentar veröffentlichen, der die Stimmen Schwarzer Menschen, die immerhin vereinzelt, der Ursuppe weißer Mainstreammeinung zum Trotz, sichtbar geworden sind, in guter imperialistischer Tradition ausblendet.

 Auch Frau Christine Nöstlinger muss sich zur Debatte äußern. Das Ganze wird noch völlig unnötigerweise verziert von rassistischen Abbildungen und Texten aus “Der Struwwelpeter”. Schade, dass man Bücher nicht entlesen kann. Irgendwie sehe ich es nicht mehr ein, dass ich mir die Mühe machen soll, mir noch irgendetwas anzuhören, durchzulesen oder anzuschauen, was von weißen Deutschen (oder wie in diesem Fall Österreicherinnen) ganz offensichtlich sowieso nur für weiße Deutsche produziert wird, während die “geistige Elite” dieses Landes in zwei Wochen zermürbendem Sich-im-Kreise-Drehen um die eigene Argumentation im luftleeren Raum es offensichtlich nicht geschafft hat, auch nur einen der vielen Texte anzufassen, die die vielen Irrtümer, unfundierten Behauptungen und apokalyptischen Verschwörungsfantasien, die sich auch in Frau Nöstlingers Text wieder tummeln, ausnahmslos entschärfen. (weiterlesen …)


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Rassismus raus aus Kinderbüchern

15. Januar 2013 von Lisa

Dieser Text erschien am Sonntag bei fuckermothers.

Eine Be­mer­kung zu der un­säg­lichen ‘O-My-God-unsere-Kinder-dürfen-das-N*-Wort-nicht-mehr-in-Kinderbüchern-lesen-Debatte’. Aus­löser war die An­kündi­gung des Thienemann-Verlages, dis­krimi­nieren­de Sprache in Kinder­buch-Klassikern wie Die kleine Hexe auszutauschen

‘Zeter! und Mordio! Kultur­verfall! Und Sprach­polizei! Und Säu­berungs­kam­pagne! Und sowieso, Political! Correct­ness!’ regt sich die Presse von FAZ über Deutsch­land­funk bis Spiegel auf. (Die Artikel wurden ab­sicht­lich nicht ver­linkt, am harm­losesten ist noch dieses Interview mit Paul Maar.) In all dieser Auf­regung, wird, so oft es sich ir­gend­wie unter­bringen lässt, genussvoll das diskriminierende N*Wort geschrieben, am besten schon in der Überschrift. Dabei offenbart sich, neben teilweise erschreckend reaktio­närem Ge­danken­gut, eine un­glaub­liche Ignoranz und Un­sensi­bili­tät.

Erstens. Das N*-Wort kommt aus der Ko­lo­nial­ge­schichte, es war von An­fang an eine diskrimi­nierende Be­zeichnung, die mit Mord, Unter­drückung und Skla­verei ver­bunden war. Erinnert sei hier etwa an den deutschen Völkermord an den Herero und Nama An­fang des zwanzig­sten Jahr­hunderts.

Zweitens. Das Wort ist nicht nur auf Grund der rassi­sti­schen Ge­schich­te ein Problem, sondern auch wegen dem an­dauernd grassier­enden All­tags­rassis­mus. Weiter­hin werden Schwarze Menschen mit dieser Be­zeichnung be­lei­digt. Weiter­hin sind als nicht-Weiß-klassi­fizierte Menschen hier­zu­lande der Ge­fahr von Diskrimi­nierung und Ge­walt aus­ge­setzt. Davor schützt nicht die deutsche Poli­zei, sondern ganz im Gegen­teil. Fälle wie Derege Wevelsiep, der dieses Jahr – ohne auch nur das geringste Ver­gehen – von der Frank­fur­ter Poli­zei ver­prügelt wurde, sind leider keine Aus­nahme. Von den NSU-Morden oder dem brutalen Tod Oury Jallohs ganz zu schweigen.

Drittens. Kaum über­raschend empfinden viele Schwarze Menschen dieses Wort als diskrimi­nierend und wehren sich gegen seine Ver­wen­dung. Seit mehreren Jahr­zehnten bringen Schwarze Deutsche dies immer und immer wieder zum Aus­druck. Die Gründe wurden lang und breit erklärt und sind in sehvielen Büchern nachzulesen. Diese Stimmen zu igno­rieren ist, besonders für Journalist_innen, über­raschend un­infor­miert. In einem Artikel immer wieder und wieder ‘N*’ zu schreiben, bedeutet bewusst zu ver­letzen.

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Backlash Blues? Der Jahresrückblick mit der Mädchenmannschaft

17. Dezember 2012 von der Mädchenmannschaft

Am 9. Dezember hat sich ein Teil der Mädchenmannschaft – nämlich accalmie, Charlott, Magda, Nadine und Sabine – zusammengefunden, und wir haben gemeinsam auf das Jahr 2012 zurückgeblickt. Bei Tee und Muffins sprechen wir über Aktionen aus dem Jahr 2012, die uns gefallen haben, stellen fest, dass sich das vergangene Jahr auf jeden Fall sehr nach Backlash anfühlte – und erklären warum.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Download (2h 32min 50s, mp3, 140 MB)

Nach dem Klick findet ihr unsere Themenübersicht mit Links und Inhaltswarnungen für bestimmte Themen. Falls wir beim Reden noch weitere Links versprochen haben und diese hier nicht zu finden sind, macht uns doch bitte einfach in den Kommentaren darauf aufmerksam.

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Entweder… Oder?

5. Dezember 2012 von accalmie
Dieser Text ist Teil 52 von 53 der Serie Meine Meinung
 
Dieser Text erschien gestern auf Englisch bei “Stop! Talking.” Für die wunderbare Übersetzungs-Zusammenarbeit vielen Dank an Anna-Sarah!

Alice Schwarzer ist gerade 70 Jahre alt geworden. Alice Schwarzer ist die offizielle Ikone der deutschen Frauen­bewegung der 1970er Jahre und ist seit einigen Jahr­zehn­ten die Chef­redak­teurin der EMMA, dem ält­esten fe­mi­nisti­schen Ma­ga­zin in Deutsch­land. Alice Schwarzer hat un­be­streit­bare femi­ni­sti­sche Ver­dienste, zum Bei­spiel den öffent­lichen und wirk­samen Kampf gegen §218, der im deutschen Straf­recht Ab­trei­bungen il­lega­lisiert. Sie hat maß­geb­lich dazu bei­ge­tragen, dass femi­nistische Per­spek­tiven in Deutsch­land auf die poli­tische und mediale Agenda kamen. Alice Schwarzer ist 40 Jahre lang heftigst kritisiert, auf das Übelste beschimpft und beleidigt, bedroht und angeschrien worden. Dass sie noch immer eine feministische Aktivistin ist, halte ich für ein Zeichen von Mut und Behar­rlic­hkeit, und Kritik an ihren politischen Posi­tionen und Prak­tiken sollte all dies nicht zunichte machen.

Allerdings ist Alice Schwarzer auch eine Aktivistin, die die Bevor­mundung anderer Frauen zu einem zentralen Bestandteil ihres Femi­nismus’ gemacht hat, und die in­zwischen fast zu einer Art Kari­katur einer reue­losen Zweite-Welle [sic]-Femi­nistin geworden ist, die darauf besteht, dass alle Frauen auf­grund ihres Geschlechts die gleichen grund­legenden Lebens­er­fahr­ungen teilen und dass Femi­nismus™ eine komplett ein­heit­liche Be­we­gung sein kann und sollte, die alle Frauen auf diesem Planeten umfasst und für sie spricht (…ob sie wollen oder nicht). In ihrem neuesten Blog-Artikel, „Wieder mal zurück auf Null?“, beklagt Schwarzer die „sektiererischen“ Ten­denzen einiger femi­nistischer Strö­mungen und glaubt, dass anti­ras­sisti­sche Aktivist_innen versuchten, die femi­nistischen zu sabotieren.

Schwarzer glaubt, es gäbe Feminist_innen (die Guten) auf der einen Seite, und auf der anderen Seite Gruppen von Frauen (die Bösen), die versuchen, die Feministinnen zum Schweigen zu bringen. So weit, so vielleicht nachvollziehbar. Allerdings findet Schwarzer, dass diese Gruppen von Frauen, insbesondere die Blogger_innen der Mäd­chen­mann­schaft (ja, schon wieder, wie immer, bla… – Nadia hat auf Shehadistan einen tollen Kommentar zu einem anderen EMMA-Artikel veröffentlicht, der in die gleiche Kerbe haut) sowie andere feministische Blogger_innen und Aktivist_innen in Berlin (auch wenn die meisten jener Blogger_innen überhaupt nicht in Berlin leben, aber dann käme ja das Bild ins Wanken, das andere Zeitungen und Zeitschriften bereits aufgebaut haben, insofern…) versuchen, feministischen Aktivismus zum Schweigen zu bringen, indem sie besagte Feminist_innen nach dem Gießkannenprinzip des Rassismus’ bezichtigten (einen Vorwurf, den Schwarzer abstreitet), und dass selbst­er­klärte PoC darauf be­stünden, “erstmal Recht” zu haben, während “alle Weißen” automatisch falsch lägen (ich übertreibe nicht, sie hat es so geschrieben).

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Veranstaltungshinweise: Schwarze deutsche Geschichte in Berlin

14. November 2012 von Gastautor_in

Unsere Leserin Kristin hat ein paar spannende Veranstaltungshinweise für die nächsten Wochen in Berlin zusammen getragen. Vielen Dank dafür!

In den nächsten Wochen gibt es in Berlin eine ganze Reihe an interessanten (empowernden) Veranstaltungen für/von/mit/über Schwarze Menschen in Deutschland. Sie finden zum Teil unabhängig voneinander statt, obwohl sie vieles verbindet, weshalb sie imho zumindest einen gemeinsamen Blogpost verdienen. Besonders die Geschichte(n) Schwarzer Frauen bekommen durch diese Veranstaltungen wunderbar viel Raum und sie bieten die Möglichkeit sich (noch) einmal mit nicht-weißen Perspektiven auf deutsche Geschichte und Feminismus auseinander zu setzen. Außerdem geben sie Gelegenheit für Eltern und/oder Bezugspersonen etc. sich auszutauschen und sich selbst und die nächste Generation zu stärken.

Termin eins ist am Donnerstag, 15.11.: Die Frauenkreise Berlin zeigen um 19 Uhr den Film “Hoffnung im Herzen. Mündliche Poesie – May Ayim” mit anschließender Lesung von Ika Hügel-Marschall – hier der Link zum Facebook-Event.

Samstag darauf (17.11.) gibt es an selber Stelle von 11-15 Uhr einen Empowerment Workshop für Schwarz – Weiße Familien mit Jamie da Silva (bitte anmelden)

Praktisch im Anschluss daran (aber mit genug Zeit dazwischen um von einem Ort zum anderen zu kommen und noch was zu essen o. ä.) zeigt das Frauenzentrum Schokofabrik um 17 Uhr, in der Alten Feuerwache Kreuzberg, den Dokumentarfilm “Audre Lorde – The Berlin Years 1984 – 1992″ von Dagmar Schultz, die ebenfalls anwesend sein wird.

Nächste Woche Mittwoch, den 21.11. stellen ADEFRA e.V. und der Orlanda Verlag das neue Buch “‘Euer Schweigen schützt Euch nicht’ – Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland” vor. Es lesen und diskutieren mit der Herausgeberin Peggy Piesche: Katharina Oguntoye, Prof. Dr. Maisha Eggers sowie Raja Lubinetzki, Dr. Marion Kraft und Noah Sow. Beginn 20 Uhr im Grünen Salon.

Zum brasilianischen “Tag des Schwarzen Bewusstseins” am 24.11. feiern die Frauenkreise Berlin in Kooperation mit der Academia Jangada von 14.30 – 16 Uhr ein Kinderfest mit Mini-Workshops zu afrobrasilianischer Kultur & Geschichte, zum Zuschauen und Mitmachen.

Und am ersten Dezemberwochenende dann bietet ManuEla Ritz ein zwei-tägiges Empowerment Training für Eltern nicht-weißer Kinder an – Anmeldung hier.

(Leider) nicht in Berlin aber bis März 2013 in verschiedenen Deutschen Städten zu sehen, ist die Ausstellung Homestory Deutschland – Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart.

Mehr Info zu den jeweiligen Veranstaltungen findet ihr unter den Links. Über Ergänzungen etc. in den Kommentaren freue ich mich natürlich auch sehr.


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Die Einkaufsgenossenschaft antirassistischen Widerstandes EDEWA öffnet ihre Pforten

5. November 2012 von Anna-Sarah

Am 02.11. eröffnete in Berlin die Ausstellung Einkaufsgenossenschaft antirassistischen Widerstandes EDEWA. Das Wort “Einkaufen” und diese Abkürzung, da kommt euch irgendwas bekannt vor? kein Zufall: Obwohl Supermärkte trivialer kaum sein können, spiegeln sie wie kein anderer Ort die Alltäglichkeit von Rassismen und Sexismen wider. EDEWA möchte wirkmächtige Herrschafts- und Ungleichheitsverhältnisse, die Herstellung und Verkauf bestimmen, sichtbar zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig verfolgt sie das Ziel, den langjährigen antirassistischen und antisexistischen Widerstand einzelner Gruppen und die historischen Kämpfe einzelner Feministinnen wahrnehmbar und erfahrbar zu machen.

Die Macher_innen schreiben:

Grundlegendstes Ziel unserer Ausstellung ist es, Rassismen und damit verbundene Sexismen innerhalb unserer mehrheitlich weißen Gesellschaft aufzudecken. Oftmals werden diskriminierende und rassistische Konzepte völlig unreflektiert und unwissend im Alltag verwendet.

Es ist unser höheres Ziel, unsere Besucher_innen dazu zu ermutigen nicht einfach ihre Teilhabe an besagten rassistischen Strukturen zu erkennen, sondern sich darüber hinaus zu fragen, was sie im Alltag tun können um Widerstand zu leisten beziehungsweise rassismus-frei zu handeln. Sie sollen in der Lage sein Rassismen nicht mehr weiter durch ewige Unwissenheit und Reproduktion am Leben zu erhalten. Wir möchten ihnen Wissen vermitteln, welches für sie das grundlegende Werkzeug hierfür bildet. Zudem möchten wir, dass sich unsere Besucher_innen ungeachtet ihrer sozial-politischen Positionierung als Akteur_innen verstehen, die durch ihre Handlungen Veränderung bewirken können.

Zur Ausstellung, die aus einem Seminar von Natasha A. Kelly hervor gegangen ist, gibt es ein Begleitprogramm mit Workshops und Performances.

EDEWA Einkaufsgenossenschaft antirassistischen Widerstandes
noch bis Mittwoch in der Trautenaustr. 5, Berlin. Ab dem 9.11. dann Roma Aether Theater, Boddinstr. 5, Berlin
Anmeldung für Workshops und Führungen: edewa@gmx.de


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