Einträge mit dem Tag ‘Anarchismus’


Mehr Anarchie, mehr Liebe

22. September 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 82 von 94 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

anarchie & lihbe

Wie heißt du?
Ich heiße Franziska Apollonia, im Internet auch Raupe und auf Twitter bin ich @franziska_.

Seit wann bloggst du?
Ich schreibe Tagebuch seit ich 13 oder 14 bin, habe mich in der Schulzeit in der Provinz immer mal wieder in Foren rumgetrieben, verteile manchmal selbstgebastelte Zeitungen aus Papier und schreibe meinen Blog anarchie&lihbe seit März 2011.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich bin vor einem Jahr aus Berlin weggezogen nach Süddeutschland und hatte plötzlich nicht mehr die Möglichkeit, mich über die Themen und Probleme, die mir begegnen und über die ich nachdenke politisch mit anderen auszutauschen. Irgendwann war mein Bedürfnis nach einer Plattform, über die ich bestimme und die mir keine_r abspricht größer, als die Unsicherheit über meine Fähigkeit und Legitimation dazu und ich veröffentlichte den ersten Text.

Worüber schreibst du?
Über Anarchie und Lihbe – ich schreibe aus meinem (anarcha-)feministischen Blickwinkel über Themen, die mir im Alltag begegnen, über Kultur und Medien aber auch über aktuelle Nachrichten, die mir nicht aus dem Kopf gehen und bei denen ich das Gefühl habe, meine Ansicht zur Lage hat gerade noch gefehlt. Kurz gesagt: Linksradikale Hetze und Genderkram gewürzt mit dem romantischen Idealismus privilegierter junger Leute.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Ich kann mir nicht vorstellen, wie mein Leben ohne Internet verlaufen wäre. Ich bin jetzt 22 und vermutlich online, seit ich 12 bin. Das heißt, bei fast allem, was ich tue, spielt das Internet irgendeine Rolle, und sei es, dass ich mich über Studium, Kochrezepte oder den Busfahrplan informiere. Ohne das Internet wäre ich vermutlich nicht halb so schlau wie ich es jetzt bin. Viel feministische Theorie habe ich mir aus Blogs und so zusammengesucht und wenn ich Zeit habe, lese ich alle politisch relevanten Links aus meiner Twittertimeline. Es ist auch bestärkend, nach einem langen Tag mit vielen sexistischen Zwischenfällen ein bisschen auf Twitter rumzuschimpfen und von Leuten verstanden zu werden, die mir nicht erstmal meine Wut absprechen wollen, sondern wissen, wieso ich sie habe und vielleicht einen fiesen Spruch über böse Machos beisteuern.

Wovon braucht das Internet mehr:
Anarchie und Liebe.

Frauen* im Web…
…haben mir eine Vielzahl von Role Models beschert, eine riesige, wunderschöne Vielfalt an starken, tollen, eigenständigen Frauen*, die tausende von Erfahrungen machen und mit mir teilen und eines Tages vielleicht die Welt mit Glitzer und Feminismus überfluten werden… oder so ähnlich.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Ich gucke jeden Tag, ob es bei euch was Neues gibt, dann bei lipstick-feminists.org, bleib-passiv.de, für Nachrichten außer den Üblichen noch english.aljazeera.net, zum Anziehen lese ich gerne thestylerookie.com, außerdem bin ich viel bei Facebook & Twitter und gehe den Links meiner Freund_innen nach.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.


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Für den langen Winterabend: Die Autobiographie von Emma Goldman

27. Dezember 2010 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 48 von 58 der Serie Die Feministische Bibliothek

Maike Landwehr, 1983 geboren und alleinerziehenderweise vom Vater großgezogen, erkannte schon früh die Idiotie von Geschlechterrollen. Auf die Verweigerung mit Puppen zu spielen und sich “niedlich” anzuziehen, folgte schließlich ein Studium in Hamburg, bei dem sie sich mit Männerphantasien und Frauenbildern in Geschichte und Literatur beschäftigt hat. Maike wird uns heute die Autobiographie „Gelebtes Leben“ von Emma Goldman vorstellen.

„Gelebtes Leben“ (im Original: Living my Life) – der Titel passt: Emma Goldman (1869-1940) hat ihr Leben gelebt, oft kompromisslos, häufig uneigennützig und immer unangepasst. Mit 20 Jahren betrat eine junge Frau die Großstadt New York, sie selbst zählte ihre Lebensjahre später von diesem Zeitpunkt an, denn die Stadt und die Menschen, die sie hier traf und kennenlernte, politisierten sie stark und weckten einen äußerst rebellischen Geist in ihr. In den damals noch jungen Vereinigten Staaten herrschte eine politische Realität, gegen die sie ihr Leben lang ankämpfen sollte.

Der so genannte Haymarket Riot war brutal und für mehrere der Mitorganisatoren tödlich niedergeschlagen worden und veranlasste neben Goldman noch viele andere, sich gegen die menschenverachtende Arbeitssituation in Fabriken und Betrieben zu wehren. Goldman war es dabei wichtig, nicht in einen starren Dogmatismus zu verfallen, sondern stets auch die Meinungen ihrer Mitstreiter_innen wie die ihrer Gegner_innen anzuhören. Ihr besonderes Anliegen war die Durchsetzung der Redefreiheit in ihrem Land. Einem Land, das sich selbst als Demokratie bezeichnete, dessen ständige Missachtung demokratischer Rechte Goldman jedoch täglich registrierte. (weiterlesen …)


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Wer war… Emma Goldman?

27. Juni 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 17 von 28 der Serie Wer war eigentlich …

Emma Goldman war eine russisch-amerikanische Anarchistin, die am 27. Juni 1869 im heutigen Litauen (damals Russisches Reich) als Tochter eines jüdischen Theaterdirektors geboren wurde.

Emma Goldmanm (1911) via Wikimedia Commons

Als Emma 13 Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Sankt Petersburg. Dort arbeitete sie in einer Fabrik als Korsettmacherin und kam erstmals mit revolutionär gesinnten Kreisen in Berührung.

Mit 17 emigrierte Goldman mit ihrer älteren Schwester Helene in die USA nach New York, wo sie einige Jahre in einer Textilfabrik arbeitete und so die Lebensverhältnisse der amerikanischen Arbeiter_innen kennenlernte. Die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt sie durch die Heirat mit einem Arbeitskollegen, von dem sie sich im Jahr darauf scheiden ließ. Nach der Hinrichtung von vier Anarchisten nach der Haymarket Affäre radikalisierte sich Goldman und begann auf Demonstrationen und Veranstaltungen zu sprechen.

Ihre Themen, die sie auf unzähligen Vortragsreisen durch sämtliche Bundesstaaten vortrug, waren der Kampf für die Redefreiheit, für die damals illegale Geburtenkontrolle, für sexuelle Freiheit, gegen Nationalismus und kapitalistische Ausbeutung, ab 1914 auch gegen Militarismus und den Kriegseintritt der USA. (Antje Schrupp)

Goldman wurde mehrere Male in ihrem Leben verhaftete, u.a. wegen “Anstiftung zur Aufruhr” oder wegen Verteilung von Information zur Geburtenkontrolle. Sie befürwortete Abtreibung, da viele Frauen auf Grund ihrer prekären Situation keine andere Wahl bliebe. (weiterlesen …)


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