Einträge mit dem Tag ‘Alice Schwarzer’


Blumen, Brüste, Bullshit – die Blogschau

18. Mai 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 203 von 207 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Vergangenen Sonntag war Muttertag. Katharina von Sich mit Worten bevorraten will nicht nur zu diesem Anlass mehr als Blumen.  Auch Melanie ist kein Fan dieses Begängnisses, reflektiert aber zu diesem Anlass ihre Sicht auf Dankbarkeit für  Mütter.

Gleich ein bunter Strauß an Berichten darüber, wie wenig mensch sich selbst in vermeintlich alternativen,  emanzipatorischen Umfeldern auf Pausen vom *istischen Alltag verlassen kann:

Kotzwürg-Sexismus galore beim BarCamp Graz.  Und mehr als genug Kackscheiße auch beim Workers Youth Festival in Dortmund.  Das erfolgreiche Modelabel American Apparel geriert sich als hipper Awareness-Laden, kommt aber seit jeher nicht ohne Sexismus aus.  An der Heidelberger Uni lacht man über NSU-Verharmlosung in Tateinheit mit Plumpsexismus von vorvorgestern. An der Düsseldorfer Uni soll ein antifeministisch dominiertes  Männerreferat gegründet werden. Und angesichts der von großem Pressetamtam begleiteten Proteste gegen die “Barbie Dreamhouse Experience” konnte mensch sich auch nur noch an den Kopf packen.

Edward von Twidgeridoo! berichtet unter dem bitter sarkatischen Titel “Meine erste Internierung” über erfahrene(n) Rassismus und Polizeigewalt. Mehr (Grundlagenarbeit für) rassistische Kackscheiße ist zu erwarten bei der Innenminister*innenkonferenz (IMK), die vom 22.-24. Mai in Hannover stattfindet und wo auch Asyl- und Migrationspolitik auf dem Programm steht – Protest wird bereits organisiert.

Die ständige Erwartung, verfügbar zu sein – für Diskussionen, Erklärungen oder den Wohlfühlfaktor: Frau Dingens hat genug davon. A propos Erwartungshaltung: Seitdem ich auf meinem Profilbild Tatyana Fazlalizadehs Anti-Street-Harrassment-Shirt trage, wird immer wieder gefragt, wo es dieses großartige Shirt den gebe – und auch High on Clichés kennt den Ärger über die ständige Aufforderung “Lächel doch mal!”.

Die Brust-OP von Angelina Jolie ist nicht nur ein Knaller für die Boulevardmedien, sondern auch ein Politikum. Mel gibt Kontext und findet:  “Well done, Angelina Jolie”.  Merle Stöver möchte Jolie für ihre Entscheidung respektiert sehen – gerade von Feministinnen. Und weil (gerade auch Frauen*-)Gesundheit immer ein politisches Thema ist, berichtet my myself & child über ihren “Gebärmutterschnupfen” und lädt zur Vernetzung ein.

Und wo wir schon bei Körper und Selbstbestimmung sind: Grrrlghost hat anlässlich der Debatte um die “Pille danach” noch ein Video beizusteuern.

Shopping ist nicht für alle ein Vergnügen – die Suche nach passenden BHs auch nicht, wie Ryuu berichtet. Außerdem ist Ryuu aus Berlin – nach wie vor Sehnsuchtsort für viele – weggezogen und erzählt, warum. Und dass auch in anderen Städten mit B am Anfang ordentlich was los sein kann, lässt sich Helgas umfangreicher Terminliste für Braunschweig entnehmen.

Außerdem hat Helga ein Buch über Pionierinnen der Archäologie gelesen und rezensiert.

Ninia LaGrande interviewt Jasmin Mittag,  Initiatorin der Kampagne “Wer braucht Feminismus?” in Deutschland.

Nele Tabler schaut die  TV-Serie Call the Midwife (Ruf die Hebamme) und findet schwangere Heldinnen.

Anne Roth sammelt Beispiele von Fällen, bei denen feministischen Medien, Blogs, Zeitschriften, Fernseh- oder Radiosendungen von Zensur betroffen waren (oder sind).

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Die Sexismusdebatte™ im TV – wo lauter(bacher) Fleischh-, äh, Kalauer mit großer Kelle ausgeschenkt werden

19. April 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 3 von 4 der Serie Feminist Fun Friday

Nach unserer Replik auf Ulmen TV und ein paar “Meinungen aus modern-feministischer Sicht” nun endlich ein neuer Beitrag unserer inoffiziellen Rant-Reihe “Fun Friday” a.k.a. “Feminist Revenge Friday”.

Sabine hat eigentlich schon alles wichtige zur Maischberger-Sendung dieser Woche geschrieben. Aber da wir finden, dass diese Show die perfekte Quintessenz der Sexismusdebatte  im deutschen Fernsehen abgab, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, nochmal die bezeichnendsten Statements in dieser “Diskussion” zu kommentieren. Da die O-Töne eigentlich für sich sprechen, fallen unsere Kommentare jedoch kurz und knapp aus: GIF-Parade!

 

Maischberger: “Wir wollen ein Thema aufgreifen, bei dem man zwischendurch das Gefühl hatte, es gibt ein grundsätzliches Missverständnis zwischen Männern und Frauen.”

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Was hat die Sexismus-Debatte gebracht?

17. April 2013 von Sabine

Das wollte Sandra Maischberger gestern Abend von ihren Gästen nicht wissen. Reingelegt. Die Dramaturgie lag in der Auswahl. Allerdings gab es trotzdem einen Höhepunkt. Nämlich die Analysen und Interventionen von Anna-Katharina Meßmer.

Zu den Menschen bei Maischberger: Da war der Schauspieler Heiner Lauterbach, der außer seinem ehemals Macho-Dasein nicht viel zur Debatte beizutragen hatte. Breitbeinig, Arme ausgeweitet, saß er da auf seinem Sessel und sonnte sich im Status des geläuterten Paulus. Man bekam das Gefühl, dass er die inhaltliche Leere mit körperlicher Präsenz füllen wollte.

Dann war da noch Spiegel-Journalist Jan Fleischhauer, der, seitdem er einen Kollegen um eine statistische Auswertung des Hashtags #Aufschrei auf Twitter gebeten hat, in Talkshows gerne erzählt, es handle sich bei der Sexismus-Debatte nicht um einen Sturm, sondern um ein Stürmchen. Oft überfällt eine das Gefühl, dass dieser weiße, privilegierte Mann sich selbst zu den Talkshows einlädt, aber auch dass er seine Nische gefunden hat. Experte für Sexismus- und Rassismus-Debatten.

Gegenüber sitzt Birgit Kelle, die konservative Journalistin, die sich unentwegt um die Geschichten der Männer sorgt. Etwa wenn sich eine Sekretärin einfach auf den Schoß ihres Chefs setzt: Wo soll er, der Chef, mit seinen Händen hin? Joa mei. Und was die Frauen betrifft, macht einfach die Bluse zu. Ihr Hauptproblem sind Flirts. Sie befürchtet, dass durch diese Debatte die Männer nicht mehr mit Frauen flirten. Die Logik dahinter, sexy und Sexismus sind ein und dieselbe Medaille.

Da passte die Femen-Aktivistin Klara Martens mit ihrer Natürlichkeit super in die Runde. Femen reißen die Blusen nämlich auf und zeigen ihre Brüste. Gegen das Patriarchat, Prostitution und den Islam ähm, die Religion. Also eine zweite Emma-Auflage nur in nackt.

“Die Mutter des deutschen Feminismus” (Zitat: Sandra Maischberger), Alice Schwarzer, findet Femen toll und streichelt Martens bestärkend über den Arm als sie spricht. Und sowieso, schien Schwarzer eigentlich am besten gelaunt. Ihre Rolle als die Vorzeige-Feministin ist in den Mainstream-Medien kaum mehr wegzudenken, so dass Sandra Maischberger fragt, braucht es neben Alice Schwarzer noch eine weitere radikale Feministin? Die Frage geht an Martens, leider nicht mehr an Meßmer, sie sitzt wieder im Publikum.

Das ist schade, denn sie war mit Abstand diejenige, die eine Differenzierung lieferte und eine kritische Bilanz aus der Sexismus-Debatte zog. Ihr fehlte das Gegenüber. Nein, wir drehen uns nicht im Kreis, was die Debatte beträfe, aber es zeige sich eine Ambivalenz in der Rezeption. In den klassischen Medien würde oftmals mit Sterotypen zum Geschlechterkampf aufgerufen: Frauen gegen Männer. Als Beispiel nennt sie etwa das Fernsehen und die Talkshow selbst. Wo Männer(tm) und Frauen(tm) sogar im Publikum getrennt voneinander säßen. Darum gehe es aber nicht, sondern vielmehr um die Diskriminierungserfahrungen von Betroffenen und eine Sensibilisierung für das Thema, weil es nach wie vor relevant ist. In den Zeitungen und vor allem im Netz, in den Blogs zeige sich ein anderes Bild, wo über parteipolitische Grenzen, Generationen hinweg diskutiert, analysiert und Geschichten sichtbar wurden. Ähnliche wie etwa die sexistischen Erfahrungen, die auch Birgit Schrowange beim Berufseinstieg vor etwa dreißig Jahren als Fernsehansagerin beim ZDF gemacht habe. Da wurde es spannend.

Zu diesem Zeitpunkt meldet sich Jan Fleischhauer wieder zu Wort. Und als er das Weiterleben der schwarz-gelben Koalition als ein Ergebnis dieser Sexismus-Debatte nennt, waren wir wieder dort angelangt, was Meßmer kurz zuvor als Derailing bezeichnete, das Ablenken vom Thema. Sie fragt ihn direkt: „Merken Sie was sie gerade machen? Sie lenken vom Thema ab“.

Die Debatte geht weiter, weg vom Generalverdacht, aber sie verlief sich bei Maischberger in Banalitäten und Fragen des Flirts. „Es geht um Macht, es geht um Macht“, ruft Schrowange noch. Richtig. Aber schon wenige Sekunden später musste auch die Frage gestellt werden, what about the men? Sexismus ist immer eine Machtfrage und zeigt Hierarchien auf. Gerade dann wird es auch mit dem Wehren oder den schlagfertigen Sprüchen schwierig. Es sind einzelne Geschichten, aber alle weisen auf ein kollektives Problem/Phänomen hin, wie Meßmer sagt. Sie haben wenig mit Flirts zu tun.

Was bleibt nach dieser Parodie? Es ist ein schaler Nachgeschmack und die Platzanweisung: hier wird nicht über Sexismus geredet, analysiert, Lösungen angesprochen. Es wird romantisiert, bagatellisiert und ohne Kenntnis baldowert. Lauterbachs Haltung zu den armen Männern, die keine sexuellen Kontakte bekämen und deshalb Bordelle aufsuchen müssten, den Terror, den Frauen in Beziehungen ausüben (Fleischhauer), die vermeintlichen Dating-Regeln in den USA sind nur Beispiele dieser ziellosen anekdotischen Evidenzen.

Die öffentlich-rechtlichen Anstalten versagen wieder in ihrem Auftrag und verweigern eine Debatte über den Heterosexismus in dieser Gesellschaft. Sie sind in diesen Momenten die Glotze, die peinlich berührt.


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Ein lauter #Aufschrei gegen Sexismus

28. Januar 2013 von Magda

Seit mehreren Tagen ist in Deutschland ein #aufschrei zu hören, insbesondere in dem sozialen Netzwerk twitter und in den Mainstream-Medien: Deutschland diskutiert (mal wieder), ob es hier­zulande ein Sexismus-Problem gäbe – wie auch gestern auf ARD bei Günter Jauch. Aber mal von vorn: Um was geht es bei der Aktion #aufschrei? Gibt’s da was zu kritisieren? Und was war bei Jauch gestern Abend so los? Ich versuche mich mal an einer Ein­schätzung:

#aufschrei

Von Donnerstag auf Freitag fingen Frauen* auf twitter an, ihre Erfahrungen mit Sexismus, Grenz­über­schreitungen und sexualisierter Gewalt zu teilen – alles in 140 Zeichen, denn mehr Zeichen sind in einer Twitter­nachricht nicht erlaubt. Alle diese Nach­richten sind ein­sehbar unter dem Schlag­wort #Aufschrei. Zehn­tausende Geschichten mit teils sehr gewalt­vollem Inhalt sprechen eine unmiss­verständliche Sprache: Sexismus, sexualisierte Gewalt und Über­griffe waren und sind Alltag in Deutschland. Wer das leugnet, ist entweder nicht betroffen oder offen antifeministisch.

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Backlash Blues? Der Jahresrückblick mit der Mädchenmannschaft

17. Dezember 2012 von der Mädchenmannschaft

Am 9. Dezember hat sich ein Teil der Mädchenmannschaft – nämlich accalmie, Charlott, Magda, Nadine und Sabine – zusammengefunden, und wir haben gemeinsam auf das Jahr 2012 zurückgeblickt. Bei Tee und Muffins sprechen wir über Aktionen aus dem Jahr 2012, die uns gefallen haben, stellen fest, dass sich das vergangene Jahr auf jeden Fall sehr nach Backlash anfühlte – und erklären warum.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Download (2h 32min 50s, mp3, 140 MB)

Nach dem Klick findet ihr unsere Themenübersicht mit Links und Inhaltswarnungen für bestimmte Themen. Falls wir beim Reden noch weitere Links versprochen haben und diese hier nicht zu finden sind, macht uns doch bitte einfach in den Kommentaren darauf aufmerksam.

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Unterstützen statt vereinnahmen – die Blogschau

8. Dezember 2012 von Viruletta
Dieser Text ist Teil 185 von 207 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Letzte Woche hatte Alice Schwarzer Geburtstag. Nadine hat das auf ihrem Blog Medienelite zum Anlass genommen, den Personenkult um Schwarzer einer kritischen Analyse zu unterziehen und zu erklären, worum sie dabei nicht mitmachen kann und will: “Wieso muss ich denn einen Personenkult befördern, der nicht viel mehr bringt, als Feminismen und ihre Vertreter_innen unsichtbar zu machen?”.

Nadia hat sich auf Shehadistan daraufhin die Frage gestellt, wie die EMMA sich die idealen Leser*innen wohl vorstellt und kam zu dem Schluss: “Die EMMA braucht mich nicht, weil sie weiterhin ihr latent-rassistisches, orientalistisches, stark begrenztes Weltbild braucht. Und deswegen brauche ich die EMMA und auch Alice Schwarzer nicht.” Kotzendes Einhorn stimmt ihr da zu.

(Triggerwarnung: symbolische Gewalt gegen Frauen*.) Auf Total Quality Women findet ihr einen Buchtipp, der gleichzeitig mit gängigen orientalistischen Vorstellungen von >dem patriarchalen Orientalen< und der wahlweise unterdrückten und/oder erotisierten >Orientalin< aufräumt. (teilweise englisch)

glücklich scheitern zeigt auf, dass die angeblichen Reformvorschläge Kristina Schröders für den “Wiedereinstieg” von Müttern ins Berufsleben höchstens in den 1970er Jahren modern gewesen wären, und gibt Anregungen, was stattdessen wirklich helfen könnte.

Wie schwer es ist, den eigenen, nicht normgerechten Körper als das wertzuschätzen, was er ist, nämlich wunderbar, erzählt Steinmädchen anhand ihrer eigenen Geschichte. Und fügt hinzu: “Ich möchte unendlich viele Herzen verteilen an alle die Menschen, die über body-acceptanz und Besonders über fatpositiv schreiben. Danke. Ich lese und sauge es in mich hinein und manchmal – da lache ich den body-shaming-troll in mir einfach aus”. (weiterlesen …)


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Entweder… Oder?

5. Dezember 2012 von accalmie
Dieser Text ist Teil 52 von 53 der Serie Meine Meinung
 
Dieser Text erschien gestern auf Englisch bei “Stop! Talking.” Für die wunderbare Übersetzungs-Zusammenarbeit vielen Dank an Anna-Sarah!

Alice Schwarzer ist gerade 70 Jahre alt geworden. Alice Schwarzer ist die offizielle Ikone der deutschen Frauen­bewegung der 1970er Jahre und ist seit einigen Jahr­zehn­ten die Chef­redak­teurin der EMMA, dem ält­esten fe­mi­nisti­schen Ma­ga­zin in Deutsch­land. Alice Schwarzer hat un­be­streit­bare femi­ni­sti­sche Ver­dienste, zum Bei­spiel den öffent­lichen und wirk­samen Kampf gegen §218, der im deutschen Straf­recht Ab­trei­bungen il­lega­lisiert. Sie hat maß­geb­lich dazu bei­ge­tragen, dass femi­nistische Per­spek­tiven in Deutsch­land auf die poli­tische und mediale Agenda kamen. Alice Schwarzer ist 40 Jahre lang heftigst kritisiert, auf das Übelste beschimpft und beleidigt, bedroht und angeschrien worden. Dass sie noch immer eine feministische Aktivistin ist, halte ich für ein Zeichen von Mut und Behar­rlic­hkeit, und Kritik an ihren politischen Posi­tionen und Prak­tiken sollte all dies nicht zunichte machen.

Allerdings ist Alice Schwarzer auch eine Aktivistin, die die Bevor­mundung anderer Frauen zu einem zentralen Bestandteil ihres Femi­nismus’ gemacht hat, und die in­zwischen fast zu einer Art Kari­katur einer reue­losen Zweite-Welle [sic]-Femi­nistin geworden ist, die darauf besteht, dass alle Frauen auf­grund ihres Geschlechts die gleichen grund­legenden Lebens­er­fahr­ungen teilen und dass Femi­nismus™ eine komplett ein­heit­liche Be­we­gung sein kann und sollte, die alle Frauen auf diesem Planeten umfasst und für sie spricht (…ob sie wollen oder nicht). In ihrem neuesten Blog-Artikel, „Wieder mal zurück auf Null?“, beklagt Schwarzer die „sektiererischen“ Ten­denzen einiger femi­nistischer Strö­mungen und glaubt, dass anti­ras­sisti­sche Aktivist_innen versuchten, die femi­nistischen zu sabotieren.

Schwarzer glaubt, es gäbe Feminist_innen (die Guten) auf der einen Seite, und auf der anderen Seite Gruppen von Frauen (die Bösen), die versuchen, die Feministinnen zum Schweigen zu bringen. So weit, so vielleicht nachvollziehbar. Allerdings findet Schwarzer, dass diese Gruppen von Frauen, insbesondere die Blogger_innen der Mäd­chen­mann­schaft (ja, schon wieder, wie immer, bla… – Nadia hat auf Shehadistan einen tollen Kommentar zu einem anderen EMMA-Artikel veröffentlicht, der in die gleiche Kerbe haut) sowie andere feministische Blogger_innen und Aktivist_innen in Berlin (auch wenn die meisten jener Blogger_innen überhaupt nicht in Berlin leben, aber dann käme ja das Bild ins Wanken, das andere Zeitungen und Zeitschriften bereits aufgebaut haben, insofern…) versuchen, feministischen Aktivismus zum Schweigen zu bringen, indem sie besagte Feminist_innen nach dem Gießkannenprinzip des Rassismus’ bezichtigten (einen Vorwurf, den Schwarzer abstreitet), und dass selbst­er­klärte PoC darauf be­stünden, “erstmal Recht” zu haben, während “alle Weißen” automatisch falsch lägen (ich übertreibe nicht, sie hat es so geschrieben).

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Hallo, ich bin Feministin und mich gibt es nicht.

3. Dezember 2012 von Charlott

Heute wird Alice Schwarzer 70 Jahre alt und eigentlich wollte ich dazu nicht viel sagen. (Um genau zu sein hat Nadia das schon perfekt zusammengefasst.) Aber andere haben zu dem Anlass natürlich ganz viel zu erzählen. Zum Beispiel im Radio.

Gleich zwei Mal habe ich so heute erfahren, dass es mich nicht gibt. Das hat mich verwundert. Nicht,  dass dies in den deutschen Medien verbreitet wird. Aber als ich so an mir herunterschaute, auf meinen Bauch, meine Beine, mich in den Oberarm kniff, da fühlte ich mich doch sehr existent.

Doch welchen besseren Anlass hätten die Medien finden können als den Geburtstag “der deutschen Feministin”, um alle anderen Feminist_innen wegzuschreiben und wegzureden. Eine Taktik, die ja sowieso nicht unbeliebt ist: Alice Schwarzer wird zu einem Thema interviewt und schon ist die feministische Perspektive da.

Wahrscheinlich gab es einige Jubelsprünge in den Redaktionen dieses Landes, dass ganz hilfreich für die Medien auch noch ein Buch herauskommt, in dem eine Autorin über Alice Schwarzer schreibt und das nichts mehr ist von “der Frauenbewegung”. Das Buch heißt “Alice im Niemandsland, Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor” und die Autorin Miriam Gebhardt. Deutschland Radio Kultur nahm dankend den hingeworfenen Köder an und rezensierte heute. Radio Eins hatte gleich Gebhardt zu Besuch.

In Deutschland, weiß Gebhardt, haben wir eine Monokultur, wo es nur Alice Schwarzer gibt. Eigentlich wiederspricht sie sich auch, wenn sie zugesteht, dass ab und an einmal “junge Frauen” Bücher veröffentlichen würden (scheinbar auch die einzig legitime Form als Feminist_in), aber diese hätte keine Relevanz. Es gibt also keine Feminist_innen nach Schwarzer. Und die, die es gibt, haben keinen Einfluss. Vielleicht muss ich das nicht verstehen. Aber ich sehe genau, was hier passiert: Verschiedene Medien nehmen genau die Narrative auf, die gut ins Bild passt. Und da wird dann bei Deutschland Radio Kultur geschrieben:

Miriam Gebhardt fordert deshalb eine Abkehr vom “Schwarzer-Feminismus” und plädiert dezidiert für eine echte Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Problemen.

Und wieder blicke ich mich um. Da sehe ich Blogs, huch ich tippe gerade sogar in einem, die sich täglich mit “zeitgenössischen Problemen” beschäfftigen. Da sehe ich LaDIY-Feste und Zines. Ich höre feministische Bands. Alles sehr aktuell. Alles sehr real. Und alles sehr abkehrend von vielen von Schwarzers Thesen. Nur sehr anders, als was sich das Gebhardt vielleicht vorstellt.

Denn statt Radikalität wünscht sie sich bei Radio Eins  lieber kleinere Forderungen zu stellen und schiebt da den Feminist_innen der 70iger Jahre in die Schuhe, dass wir bis heute die Abtreibungsregelungen haben, die wir haben. Sie haben eben damals zu viel gewollt. Und die heutigen Gegner_innen werden mal wieder erst gar nicht benannt. Außerdem solle doch auch den Männern gezeigt werden, dass Feminismus toll für sie ist. Denn Feminismus bringe ja für beide Geschlechter etwas. (Bzw. für alle. “Einige sprechen ja heute sogar von mehr Geschlechtern”. Danke für diese aktuelle Einsicht).

Ein bißchen “Was ist mit den Männern?”, ein wenig “Früher war eben auch alles so krass, kein Wunder, dass  das heute keine_r mehr gut findet”. Eine gut verdauliche Dosis für die Mainstream-Medien. Gut kalkuliert von Gebhardt.

Aber mich gibt es trotzdem. Und ich weiß, dass es schon immer unterschiedliche feministische Gedankenströmungen in Deutschland gab. Weiß, dass das Wellenmodell, wie es ja auch von Gebhardt runtergebetet wird, unzureichend und ausschließend ist. Weiß um meine Existenz, meine Kämpfe. Und die vieler anderer Feminist_innen unterschiedlichster Hintergründe. Ideen und Kämpfe, die nicht immer zusammenpassen. Die sich mal ausschließen. Eben Vielfalt. Und wenn ich davon nichts in den Mainstream-Medien finde, dann auch deshalb, weil sie statt die These, dass es keine andere Feminismen gibt, zu überprüfen, lieber dazu beitragen, dass dieses Bild in der breiten Öffentlichkeit so bleibt.


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Schwarzer und Schröder: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

27. Februar 2012 von Jennifer
Dieser Text ist Teil 42 von 53 der Serie Meine Meinung

Sie hätten beide lachen müssen, berichtet Deutschlands bekannteste Feministin, EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer, in ihrem Blog von ihrem ersten Telefonat mit Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Kein Wunder, schließlich verlief das Gespräch doch für beide Seiten außerordentlich positiv: Kristina Schröder sicherte der Publizistin zu, dass ihr Ministerium künftig den 1984 auf Schwarzers Initiative als Feministisches Archiv und Dokumentations­zentrum” gegründeten FrauenMediaTurm in Köln fördern wird. Denn nachdem ausgerechnet die rot-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die bis­herigen Fördermittel von 210.000 Euro auf 70.000 Euro gekürzt hatte, fürchtete Alice Schwarzer öffentlich um den Fortbestand des Archivs. Diese Sorge ist sie nun los: CDU-Politikerin Schröder sagte eine Förderung zu, mit der die von Rot-Grün ver­ur­sachte Finanzierungslücke genau geschlossen werden kann: exakt 150.000 Euro, vier Jahre lang.

Im Gegenzug wird die Bundesministerin für Familie, Frauen, Senioren und Jugend endlich auch von höchster feministischer Instanz von dem Vorwurf freigesprochen, sich zu wenig für Frauenrechte und Gleichstellung einzusetzen. Mehr noch: Schwarzer, die der jungen Politikerin noch im Jahre 2010  jegliche Befähigung für ihr Amt abgesprochen hatte (hier Schwarzers offener Brief an die Ministerin), weil diese sich zuvor in einem SPIEGEL-Interview ziemlich abschätzig über den Feminismus geäußert hatte, betont in ihrem Blog ausdrücklich, dass Schröder es gewesen sei, die angerufen und Hilfe angeboten habe.

Das sollte doch Wiedergutmachung genug sein für das bisherige Desinteresse der dafür zuständigen Ministerin an der weiteren tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern in dieser Gesellschaft, nicht wahr? Frauenquote in den Vorstandsetagen der großen Unternehmen? Brauchen wir nicht! Betreuungsgeld? Nicht so schlimm! Hauptsache, das Feministische Archiv ist gerettet! (weiterlesen …)


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Sexismus, Strauß-Kahn und feministische Konzerte – Kurz Notiert

9. November 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 129 von 194 der Serie Kurz notiert

Slutwalk Toronto äußerte sich zu den aktuellen Kontroversen in der Slutwalk Bewegung: “Racism and Anti-Racism: Why they matter to SlutWalks“.

Ein schönes US-amerikanisches Fotoprojekt mit tollen Fotos von Feminist_innen hat @amymmmmmkay ins Leben gerufen: Feminist Photo Blog Project.

Ein sich ständig wiederholendes Motiv in der Werbung: Frauen, die irgendwie nicht ihren Mund treffen, wenn sie trinken.

Alice Schwarzer war in Paris und fand heraus: “Strauss-Kahn steht in dem massiven Verdacht, dass ein mafiöser Zuhälterring dem zweitmächtigsten Mann Frankreichs über Jahre Hotels, Gelage und Prostituierte bezahlt hat (…)”.

Lawsonry fragt: Kann ein Mann ein Feminist sein?

Großer Applaus für die Linksjugend: Die hatte sich ein Plakatmotiv mit dem Spruch „Sexistische Rollenklischees haben so einen Barth“ ausgedacht. Mario Barth will jetzt klagen.

In The Nation findet ihr einen Artikel über die Zukunft des (Online)Feminismus.

Morgen, am 10. November um 20 Uhr findet ein Netzfeministischer Chat statt. Weitere Infos bekommt ihr beim Missy Magazine – auch, wie mensch sich im IRC Channel anmelden kann.

Die Chancen, dass die Anzeige einer Vergewaltigung auch zu einer Verurteilung führt, sind im letzten Jahrzehnt gesunken, so dieStandard.

Ein weiterer Beitrag zur feministischen Perspektive auf die Occupy-Bewegung kommt von Soraya Chemaly. (Wir hatten selbst einen feministischen Blick auf die Bewegung gewagt.)

Von Freiburg über Konstanz bis Bremen sind diese Woche an vielen Hochschulen die „Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie“. Mit Vorträgen, Workshops und Ausstellungen. Vielleicht auch in Deiner Stadt?

Weitere Termine nach dem Klick

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