Einträge mit dem Tag ‘Aktivismus’


Unsere Welt soll offener werden

31. Oktober 2014 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 2 von 3 der Serie Die Emanzipation der Banane

Naekubi bloggt bei Danger! Bananas über das Leben von Asiat_innen in Deutschland, Kultur und Alltag, Rassismus und Feminismus, Selbstbewusstsein und Selbstverständnis. Wir freuen uns sehr, dass sie nun auch eine Kolumne bei der Mädchenmannschaft schreibt.

Ich liebe Vorher-Nachher. Ob persönliches Umstyling, die Wohnung umdekorieren, Depressionen überwinden oder aber sich endlich selbst akzeptieren: Von positiven Veränderungsprozessen kann ich nicht genug bekommen. Aus diesem Grund liebe ich Social Media, denn gerade auf Twitter und Tumblr kann man wie bei wenigen anderen Plattformen Leuten beim Denken zusehen. Und unter Umständen beobachten, wie sich Denkprozesse langsam wandeln. Aber von vorn.

Neulich schrieb jemand auf Twitter über ihre Unzufriedenheit mit ihrer eigenen Unzulänglichkeit und mangelnden Toleranz. Obwohl sie als Deutsche mit türkischen Wurzeln selbst von Rassismus betroffen ist, stellte sie fest, dass sie selbst hin und wieder noch in rassistischen Kategorien denkt. Die Machtverhältnisse und die Verteilung von Privilegien, die um uns herum existieren, reproduzieren wir bisweilen in unseren Köpfen – internalisierte -*ismen ist hier das Stichwort. Es ist ziemlich zerknirschend, wenn man offenbar keinen Deut offener oder respektvoller ist als die Leute, die man kritisiert.

Das Gefühl, eine Hochstaplerin oder Heuchlerin zu sein, kenne ich von mir selbst: Natürlich bin ich selbst Opfer von sexistischen oder rassistischen Gesellschaftsstrukturen, doch ich bin gleichzeitig in vielen anderen Aspekten Täterin, durch mir gewährte Privilegien in dieser Welt: Körperlich nicht behindert, cis, noch nicht alt, heterosexuell, im “Westen” aufgewachsen. Gehe ich wirklich immer respektvoll mit anderen um, etwa wenn sie eine Behinderung haben, nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, queer sind oder trans oder alt? Gucke ich nicht manchmal von oben herab auf Leute, die keinen Zugang zu Bildung haben/hatten? Und was denke ich tatsächlich über die Menschen, die nicht das Glück hatten, im “Westen” aufzuwachsen, und gnadenlos ausgebeutet werden? (mehr …)


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Ganz bewusst und aktivistisch shoppen gehen?

30. Juli 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 14 von 15 der Serie Ökonomie_Kritik

Jeden Tag treffen die meisten von uns – mal mehr mal weniger bewusst, mal mehr mal weniger frei – Konsumentscheidungen. Der Kaffee zum Frühstück: Bio? Fairtrade? Oder lieber ein günstigerer, der den Weg in die roten Zahlen nicht auch noch beschleunigt? Und sonst auf den Teller: Vegane Kost oder doch ein bißchen Hackfleisch? Im Kleiderschrank: Textilien von Primark oder Zara? Und wo bekomm ich eigentlich Kleidung in meiner Größe her?

In der letzten Woche erschienen ein paar Texte, die sich kritisch mit Konsumkritik auseinandersetzen und auch fragen, an wen diese Kritik denn häufig gerichtet wird. So heißt es bei RiotMango unter dem Titel “pseudo konsumkritik, my fat ass!“: “und ja, ich finde eine kapitalismus- und konsumkritische perspektive auch wichtig. aber ich finde es auch auffällig, dass… 1.) konsumkritik vor allen dingen an menschen gerichtet wird, die im kapitalismus häufig nicht mal mitgedacht werden #klassismus #fatshaming 2.) und konsumkritik sich fast nie auf zigaretten, alkohol oder drogen bezieht (würde wohl auch das linke selbstverständnis zerstören)”. Puzzlestücke fokussiert sich in ihrem Beitrag auf das beliebte Argument, dass Menschen mit weniger ökonomischen Ressourcen eben Second Hand Kleidung kaufen sollten anstatt bei billigen Bekleidungsketten wie Primark. Sie macht deutlich, dass nicht alle Menschen überhaupt Zugang zu solchen Läden haben, dort passende Kleidung finden und gleichermaßen anerkannt werden für ihren Second Hand Style.

Gerügt für ihre Konsumentscheidungen werden meistens jene, die eh schon beschränktere Auswahlmöglichkeiten haben. Menschen, deren dicke_fette Körper von der Bekleidungsindustrie selten mitgedacht werden. Die aber gerade deswegen durch gut sitzende, bequeme, schöne Mode auch Empowerment erfahren. Oder_und Personen, die aufgrund ihrer Ressourcen (ökonomischen, zeitlichen etc.) ebenfalls nicht aus dem vollen Angebot des glitzernden Kapitalismus schöpfen können. Neben empowernden Momenten, die Mode auch mit sich bringen kann (siehe auch dieses Interview zu Kleidung für Menschen, die sich außerhalb der dominanten Geschlechterbinarität bewegen), wird in solchen Diskussionen gern übersehen, dass es für Menschen (über)lebenswichtig sein kann, die “richtige” Kleidung zu tragen, das “Styling” zu perfektionieren.

Neben Kleidung wird “guter” vs. “schlechter” Konsum oft am Beispiel von Ernährung ausgetragen – vegan, bio, Fairtrade, lokal (nicht unbedingt in der Kombination, gern auch als einzelne Themen). Die Problematiken, die dabei häufig außer Acht gelassen werden, sind auch hier mannigfaltig:  Unverträglichkeiten und andere körperliche Voraussetzungen, die bestimmte Ernährungsweisen bestimmen_ausschließen. (Ökonomischer und sonstiger) Zugang zu Nahrungsmitteln (Stichwort beispielsweise: Essensmarken für asylsuchende Menschen in Deutschland). Anbauauswirkungen und -umstände bestimmter (Trend-)Ernährungsmittel. Dass nicht immer alles gleichzeitig im Blick ist, liegt auch daran, dass diese Fragen komplex sind, aber nur allzuhäufig wird trotzdem “guter Konsum” als einfache Antwort angeboten.

Eine ähnlich “einfache” Antwort scheint mir ein starker Fokus auf Kritik an Werbung. Natürlich prägen große Plakate und Werbespots im TV und Kino unsere Umwelt. Sie re_produzieren und normalisieren Gewalt und_oder *Ismen am laufenden Band, bzw. im laufenden Bild. Dies einzuschränken ist wichtig. Doch sollte bei diesen konkreten Auseinandersetzungen der Kontext nicht aus dem Blick geraten. Sonst stehen wir irgendwann mit weniger *istischen Werbungen aber immer noch ausbeuterischem Kapitalismus da. Und wem ist da am Ende geholfen? Jenen, die auch jetzt schon ihre Kaufkraft (die ja auch häufig auf privilegierten Positionen in einer rassistischen_hetero_sexistischen_ableistischen Gesellschaft beruht) für den Wandel ™ einsetzen können?

Die Veränderung von Konsumgewohnheiten wird an allen möglichen Orten beschworen, von feministischen Kreise bis hin zur FAZ. In letzterer wird aber wenigstens gar nicht erst so getan, als ob es sich um eine Option für alle handelt, heißt es dort doch: ” Sie leben in einem der reichsten Länder der Erde, Sie sind hervorragend ausgebildet, Sie haben Spaß am Leben und finden sich ganz gut.” Konsum kann schnell zum Ablasshandel werden: Wer mehr zahlt, die besseren ™ Produkte wählt, kann mit guten Gewissen durch unsere kapitalistische, zerstörerische Welt gehen. (Das Auto bleibt natürlich in der Garage.)

Ich habe kein Problem mit “bewusstem Konsum” – wie auch immer dieser dann aussehen mag. Ich finde es aber problematisch, wenn dieser quasi zu Aktivismus deklariert wird und ein Lebensstil, den eine_r sich eben auch erst einmal (auf verschiedenen Ebenen) leisten können muss, zur moralischen Selbstüberhöhung instrumentalisiert wird. (Weniger/Anders) Shoppen gehen als Aktivismus-Ersatzhandlung. Eigentlich ist natürlich “bei sich selbst anfangen” ein guter Start für Veränderungen. Das Konsumverhalten zu ändern, kann gerade auch die Vorstellung (Illusion?) geben, im kleinen Rahmen etwas zu ändern. Schließlich wird doch immer wieder betont, dass die (Nicht-)Nachfrage auf den Markt wirkt. Doch wenn die Systemkritik ausbleibt, stattdessen die (Konsum)Handlungen weniger privilegierter Personen zu den Ursachen von Ausbeutung erklärt werden, dann fehlt dem “bei sich selbst anfangen” noch eine ordentliche Prise (selbst)kritischer Betrachtung.


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Äußerungen zum Nahost-Konflikt ™ und Abschließendes zur Männer-Fußball-WM – Die Blogschau

19. Juli 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 253 von 263 der Serie Die Blogschau

Die Aktionstour mit Women in Exile & Friends ist gestartet. Updates zu dieser und alle Termine gibt es auf einem Blog.

Über den Nahost-Konflikt ™ haben ja alle etwas zu sagen. Nadia hat bei Shehadistan gleich mal handliche Tipps veröffentlicht, wie diese Meinungsäußerungen besonders gelingen.

Abschließendes zur Männer-Fußball-WM gibt es bei Metalust: “Wenn Fussballdeuter Mythen nähren …“.

Es gibt so viele Gründe zu ranten findet Welcome to the Shoebox Castle! : Breitmachmacker, Anspruchshaltungen an Feministinnen, Unterrepräsentation von Wissenschaftlerinnen, allgemeiner Backlash, aber auch im Speziel “Sprachkritik” (also nicht jene von Feminist_innen, sondere solche gegen feministische Interventionen).

Different Needs hat ein Riot Grrrls ABC als Zine erstellt. Dieses kann jetzt erworben werden.

Auf umstandslos beschreibt Ina detailliert, wie lokale Netzwerktreffen für feministische Sorgetragende organisiert werden könnte: Was ist bei der Raumsuche zu beachten? Welche Termine passen? Wie erreicht eine_r die “richtigen” Leute?

Ich habe für Femgeeks ein tolles Comic gelesen und kann dies nur weiterempfehlen. Im Mittelpunkt stehen fünf Freundinnen, ein Sommercamp und allerhand Abenteuer – klingt nach einer altbekannten Mischung, wird bei Lumberjanes aber großartig als Ausgangspunkt für spannende Erzählungen jenseits der Norm genutzt.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Diskussionen über Triggerwarnungen und Mansplaining-Belege – kurz verlinkt

16. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 243 von 257 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Die russische Aktivistin und Publizistin Walerija Iljinitschna Nowodworskaja ist im Alter von 64 Jahren gestorben.

Englischsprachige Links

Der Us-amerikanische Profi-Fussballer Landon Donovan ist nicht derjenige, der in seiner Zeit als aktiver Spieler die meisten Tore schoss (wie viele Medien berichten), sondern die Fussball-Spielerin Abby Wambach. Männerfussball scheint in der Berichterstattung wohl wieder mal der Maßstab zu sein, wie die Huffington Post berichtet.

Wurde Eure Timeline auch von diesem Jack Halberstam-Text heimgesucht, der letzte Woch viral ging? Auf Teile des Ganzen gibt es einen Antworttext auf “You Are Triggering me! The Neo-Liberal Rhetoric of Harm, Danger and Trauma”, kurz und knapp: Snarking Back.

Andrea Smith kontextualisiert Triggerwarnungen und schreibt über deren Bedeutungen in einer größeren Befreiungs- und Anti-Gewalt-Bewegung. Dabei zeigt sie auf, wie wichtig es ist Bewegungen zu bauen, in denen traumatisierte Menschen Platz haben.

Für alle, die noch “Beweise” benötigen: Bitch Magazine hat sieben Studien zusammengestellt, die zeigen, dass “mansplaining” existiert und wie es funktioniert.

Eine Empfehlungsliste zu Werken die sich mit Themen rund um LGBT und Judentum/jüdische Identitäten/jüdische Erfahrungen drehen, bzw. von jüdischen LGBT-Autor_innen verfasst wurden.

Im Juni war eine studentische Gruppe unter Leitung der Professorin Heidi Reneé Lewis vom Colorado College in Berlin zu Gast und veranstaltete eine Reihe von tollen Diskussionsrunden zu den Themen Feminisimus_Anti-Rassismus. Mit dabei war u.a. Sharon Dodua Otoo mit ihrer Witnessed-Reihe und Magda zu fetten Aktivismus in Deutschland.

Termine

Vom 11. bis 14. September findet in Hannover das Hip Hop-biggerthanfest statt. Infos findet Ihr hier.


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Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch lesen dürfte: Es wäre die Autobiographie von Janet Mock

10. Juli 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 82 von 87 der Serie Die Feministische Bibliothek

„Viele beschreiben den Weg einer Trans*-Person als Übergang von einem zum anderen Geschlecht, von Männlichkeit zu Weiblichkeit, vom Mann zur Frau, vom Jungen zum Mädchen. Dies stellt die komplexe Reise der Selbstentdeckung, die jenseits von Gender und Genitalien verläuft, allerdings vereinfacht dar. Mein Weg war eine Entwicklung von mir zu einem mir-noch-näher-kommen. Es ist eine Reise der Selbstoffenbarung.“ (Meine Übersetzung, Original-Zitat am Ende des Textes)

– Janet Mock (2014): Redefining Realness. Atria Books/Simon & Schuster; S. 227.

"Redefining Realness. My Path to Womanhood, Identity, Love & So Much More" - Janet Mock

Janet Mock, Aktivistin und Autorin, nimmt uns in ihrem eindrucks­vollen Buch mit auf eine Reise in ihre Vergangen­heit. Es ist ein weiter Weg des Sich-Bewusst-Werdens und des Über-sich-Hinaus-Wachsens in einer Welt, die für die Lebens­realitäten von Frauen wie Mock kaum Vorstellung besitzt und meist nur abwertende Worte übrig hat. 2011 wurde ihre Geschichte das erste Mal öffentlich erzählt – in der Marie Claire, einer Mode­zeit­schrift mit Zielgruppe „Frau“, die Mock’s Geschichte mit einem einfachen und dennoch falschen Satz betitelte „Ich wurde als Junge geboren“. Mock entschied daraufhin ihre eigene Geschichte zu erzählen, die ohne publikums­heischende Titel und ohne verein­fachte Narrative über Trans*Menschen auskommen soll.

Mit Redefining Realness hat sie dieses Buch geschrieben, das weit mehr ist als eine Aneinander­reihung von Anekdoten aus ihrem Leben: Es ist eine knall-ehrliche, überaus sympathische und analytisch brilliante Auto­biographie, in der sie „ihren Weg zu Weiblich­keit, Identität, Liebe und so viel mehr“ beschreibt.

Mock’s Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, die sie auf Hawaii, in Kalifornien und in Texas verbrachte, sind maß­geblich geprägt von Armut, Rassismus und Trans*­feindlichkeit; von sexualisierten Übergriffen, Missbrauch und der stetigen Glorifizierung von hegemonialer Männlich­keit; von ihren Erfahrungen in der Sex­arbeit und von der Präsenz starker Frauen mit unbändigem (Überlebens-)Willen, engen Freund_innenschaften und Kopf-durch-die-Wand-Entscheidungen. Steter Ausgangs­punkt: Der eigene Körper, die eigenen Kämpfe.

Auf etwas mehr als 250 Seiten präsentiert Mock eng verknüpft mit ihrer Lebens­geschichte eine Gesellschafts­analyse, die die mit­einander verwobenen Macht­verhältnisse leicht verständlich erklärt und diskutiert, ohne die individuelle Handlungs­fähigkeit aus dem Blick zu verlieren. Mock verschmilzt ihre bisherige Lebens­geschichte und ihre Visionen mit Schwarzen feministischen Theorien und nimmt immer wieder Bezug auf Autor_innen und Aktivist_innen wie zum Beispiel Audre Lorde oder Zora Neal Hurston. Und Jugend-Freund_innen wie Wendi Miyake, Make-Up-Artistin und Inspiration für Mock.

Mock stellt ihre Erfahrungen in einen gesellschaftlichen Kontext und verweist stets auf die Situation von queeren Jugendlichen (of Color) in den USA, deren Leben nicht selten geprägt sind von Obdach­losigkeit, Diskriminierung, Suizid, wenig Unter­stützung von der Herkunfts­familie oder unzureichender Gesundheits­vorsorge. Mock zentriert ihre und die Erfahrungen anderer (Ressourcen-)armen Trans*-Frauen of Color und bietet unentwegt Perspektiv­wechsel an. So wirft sie viele Frage auf: Wie kann es sein, dass Frausein an bestimmte Genitalien geknüpft wird? Wie strukturiert Gesellschaft Lebens­realitäten und Entscheidungen, die Menschen machen (müssen)? Was und wer gilt als “real” und warum?

Janet Mock ist einfach verdammt gut darin, den Dingen auf den Grund zu gehen. Als Autorin und als Aktivistin. Nach dutzenden Interviews anlässlich ihrer sensationellen Buch­erscheinung, in denen sie ständig mit (privaten und grenz­über­schreitenden) Fragen zu ihrem Körper und ihrem “Outing” konfrontiert war, drehte sie einmal den Spieß um und fragte eine Reporterin, wann sie sich eigentlich als cis*-Person geoutet hatte.

Das Buch ist ein Geschenk, und zwar nicht nur für Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es ist eine berührende Geschichte, ein beein­druckendes Bildungs­angebot. Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch lesen dürfte – es wäre dies.

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„People often describe the journey of transsexual people as a passage through the sexes, from manhood to womanhood, from male to female, from boy to girl. That simplifies a complicated journey of self-discovery that goes beyond gender and genitalia. My passage was an evolution from me to closer-to-me-ness. It’s a journey of self-revelation.“


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Dossier: Flucht, Asyl und Protest

7. Juli 2014 von Charlott

Vor über zwanzig Jahren fand de facto die Abschaffung des Rechts auf Asyl in Deutschland statt. Vor zehn Jahren wurde die Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (besser bekannt als Frontex) eingerichtet. Es gibt viel zu kritisieren wie beispielsweise: Fast nicht mehr vorhandenes Asylrecht, Behandlung von Asylsuchenden in Deutschland (Lagerpflicht, Arbeitsverbot, Residenzpflicht – um nur einiges zu benennen), Grenzpolitiken und Gewalt an den Grenzen, die Dritt-Staaten-Regelung, Abschiebungen, Rassismus.

In den Mainstream-Medien kommt dies zu kurz und wird wenn häufig an Einzelfällen abgehandelt und nicht als systematisches Problem analysiert. Gegen dieses Schweigen und die Tatenlosigkeit der Regierung werden die Proteste von betroffenen Menschen lauter. Im Jahr 2012 startete mit einem Hungerstreik in Würzburg eine bis heute andauernde Reihe von Protestaktionen asylsuchender Menschen in Deutschland, wie der Refugee Marsch nach Berlin (und dieses Jahr nach Brüssel), Protestcamps und Hungerstreiks. In unserem Dossier zu Flucht, Asyl und Protest versammeln wir noch einmal Texte, die zu diesem Komplex bei der Mädchenmannschaft erschienen sind:

  • 30. Oktober 2012: “Seit nunmehr sieben Tagen befinden sich auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin Flüchtlingsaktivist_innen im Hungerstreik. Nachdem sie und andere einen rund 600 km Marsch von Würzburg nach Berlin zurück­gelegt haben, ein Protest­camp auf dem Oranienplatz errichteten, eine der größten Flüchtlings­rechts­demonstrationen seit Jahren in Berlin organisierten und die nigerianische Botschaft in Berlin besetzten, harren rund ein Dutzend der Aktivist_innen bei Minusgraden vor dem Brandenburger Tor aus.” – Doch Medien interessiert dies nicht, erst als die Aktion “Brüste für Menschenrechte” ausgerufen wird, erscheinen sie plötzlich.
  • 21. Mai 2013: Unter “Flüchtlingsfrauen sagen: ‘Es reicht!’” gibt es einen Rücklick auf die im April 2013 stattgefundene Frauenflüchtlingskonferenz in Hamburg.
  • 02. Juli 2013: Dass auch Frauen sich aktiv bei den Protesten beteiligen, ist für einige Politiker fast unvorstellbar.  Als im Juni 2013 bei Protesten in München eine schwangere Frau ugeschubst wird, verkündet der Bürgermeister Ude, er hätte “schon drei Tage vorher Wetten abgeschlossen: Die Schwangere ist wahrscheinlich nur dabei, damit man hinterher erzählen kann, sie sei von der Polizei misshandelt worden sei.”
  • 12. August 2013: Während ZDF-Redakteur Dominik Rzepka den Refugee Protestmarsch nach Berlin und andere widerständige Aktionen nicht für relevant hielt und auch viele andere Mainstream-Medien zum Thema eher schwiegen, zeigte ZDFneo die  mehrteilige Sendung “Auf der Flucht – Das Experiment”, in welcher C-Promis Flucht nachspielten und tatsächlich Betroffene kaum auftauchten.
  • 20. August 2013: Währenddessen kam es zu rassistischen Übergriffen auf eine Unterkunft für asylsuchende Menschen in Berlin und auf Roma in Duisburg.
  • 28. August 2013: Ausgehend von diesen aktuellen Gewalttaten schreibt Sabine das Essay “Schöne neue Welt – ‘Hellcome to Germany’“, in dem sie die Ereignisse kontextualisiert.  Und so heißt es da: “Im EU-Behördendeutsch wird nicht über Flüchtlinge gesprochen, sondern von einer Illegalität und einer „irregulären Zuwanderung“. […] Flüchtlinge werden seit den 1990ern in der europäischen Migrations- und Asylpolitik illegalisiert, ihre Rechte verschwinden hinter der Wortschöpfung „Irregularität“, sie sind somit nicht einklagbar. Dabei sind es Menschen, die den Krieg überlebt haben, davor oder vor Verfolgung und absoluter Armut fliehen. In der Hoffnung auf ein besseres, sicheres Leben.”
  • 11. Oktober 2013: Selam Kidane schreibt das Gedicht “Nummer 92…“, welches wir im Orginal (Englisch) und Übersetzung veröffentlichen dürfen. Der Text trauert um die Toten, die im Mittelmeer bei ihren Fluchtversuchen sterben, und erinnert daran, dass diese nicht nur Nummern (wie sie auf den Särgen angebracht werden) waren, sondern Personen mit Geschichten.
  • 11. April 2014: Am 08. April wurden dann Großteile des Protestcamps am Oranienplatz in Berlin geräumt. Doch die Proteste konnten damit nicht unterbunden werden.
  • 17. und 18. Juni 2014: Wir veröffentlichen ein zweiteiliges Interview mit Women in Exile & Friends, in welchem sie zum einen von ihren Anliegen und Enstehungsgeschichte berichten und zum anderen von der für diesen Sommer geplanten Aktionstour.
  • 25. Juni 2014: Am 24. Juni hieß es, dass ein “freiwilliger Umzug” der Bewohner_innen der Gerhart-Hauptmann-Schule, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit 1,5 Jahren besetzt wurde, stattfinden sollte. Zu diesem “Umzug” rückten Hunderte Polizist_innen an.
  • 03. Juli 2014: Nach einer Woche Dauerbelagerung der Straßen rund um die Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin durch bis zu 1700 PolizistInnen ist diese vorerst beendet. Die Hauptforderung der Geflüchtetetn aber wurde nicht erfüllt. Die Kämpfe müssen weiter gehen. Und in ihrem Text erinnert Nadine: “Und auch weiße_deutsche emanzipatorische Gruppen müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie den Rahmen ihrer Möglichkeiten voll ausschöpfen. […] Wir – und damit meine ich mich und alle anderen, die sich eine Beschäftigung mit und Interventionen in rassistische Verhältnisse aussuchen können – müssen (mehr) Verantwortung übernehmen. Nicht nur, weil das Problem seit Jahrhunderten Rassismus heißt, sondern weil wir alle Entscheidungsträger_innen sind. Der Kampf gegen Lager, Deportationen, Residenzpflicht, rassistische Asylgesetze und -politik in Deutschland und Europa und für Rechte und Forderungen von Geflüchteten geht weiter. Wir entscheiden, ob und wie wir ein Teil davon sind.”

Dieses und weitere Dossiers findet ihr auch auf unserer Übersichtsseite.


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Zur Räumung der Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin – Refugee Proteste unterstützen!

25. Juni 2014 von Charlott

Gestern morgen wurde sehr überrschend mit der Räumung der Gerhart-Hauptmann-Schule, die seit knapp 1,5 Jahren von Refugees besetzt wird, in Berlin-Kreuzberg begonnen. Die Polizei twitterte fröhlich von einem “freiwilligen Umzug” der organisiert würde – und rückte mit etwa 900 Polizist_innen (aus mehreren Bundesländern) an. Nachdem das Gebäude massiv von Polizei umstellt worden war, sollten Informationszettel an die Bewohner_innen ausgeteilt werden, um diese davon zu “überzeugen” in Heime zu ziehen.

In einem Interview mit der taz machte Ahmad Al-Nour gestern deutlich, dass der Umzug in ein Heim für viele gleichbedeutend mit der Abschiebung ist. Auch betonte er, dass Orte wie die besetzte Schule Möglichkeiten zur politischen Organisation böten – in den Heimen käme es wieder zur Vereinzelung. Ein Teil der Bewohner_innen hat gestern das Gebäude verlassen, ein anderer Teil befindet sich weiterhin in der Schule – teilweise auf dem Dach, wo sie auch die Nacht verbracht haben. Von dort aus gaben sie gestern Abend ihre Forderungen bekannt (FB-Link):

For us it is clear why we are staying here. We know how Kolat did it at O-Platz. Nothing changed. Abolish Lagers. Abolish Residenzpflicht. We want documents for us. We are not leaving the roof before we have our demands. And if there is a person who want to, they jump from here. All of the politicians have to take the responsibility for it. We want the right to work. Even we do not get only one chance. We want asylum. We are all together about 80 people. Today in the morning the mothers were not allowed to go inside the school for looking after their children and collect the things. And the children were also not allowed to go to the school.

Für uns ist klar, dass wir hier bleiben. Wir wissen, was [Integrationssenatorin] Kolat am O-Platz gemacht hat. Nichts hat sich verändert. Lager abschaffen! Residenzpflicht abschaffen! Wir wollen Ausweise für uns. Wir werden das Dach nicht verlassen, bis unsere Forderungen erfüllt sind. Und falls eine Person gehen will, dann springt sie. Alle Politiker_innen werden die Verantwortung dafür tragen. Wir wollen Recht auf Arbeit. Auch wenn wir keine einzige Chance bekommen. Wir wollen Asyl. Wir sind über 80 Personen. Heute morgen [24.06.2014] wurde den Müttern nicht erlaubt, in die Schule zu gehen, um nach ihren Kindern zu sehen und ihre Sachen zusammen zu sammeln. Und den Kindern wurde nicht erlaubt, in die Schule zu gehen.

Heute Vormittag sollte eigentlich auf dem Dach der Schule eine Pressekonferenz stattfinden, doch diese wurde verhindert. Pressevertreter_innen wurden gar nicht erst in die Schule gelassen. Das Bezirksamt wollte eine Pressekonferenz erst erlauben, wenn die Refugees das Dach verlassen. Letztenendes konnte wenigstens mit Hilfe von Telefon und Skype die Pressekonferenz beginnen. Auf dieser machten die Bewohner_innen noch einmal deutlich, dass sie das Dach erst verlassen, wenn es für alle in der Ohlauer und auf dem Oranienplatz Bleiberecht gibt. Innensenator Henkel ist derweil nicht erreichbar.

Unterstützen vor Ort

Es werden weiterhin Unterstützer_innen rund um die Ohlauer-Straße und aber auch am Oranienplatz benötigt. So hieß es heute morgen zum Oranienplatz bei der ISD Berlin:

Am Oranienplatz wird dringend Unterstützung benötigt! Der #OPlatz ist heute ab 10 Uhr nicht mehr besetzt. Es werden Menschen gesucht, die kurzfristig Schichten übernehmen können.
Bitte meldet euch beim Infotelefon:
015210653380
Auch wird täglich ein warmes Frühstück (Grießbrei, usw.) und Obst benötigt… Bringt Schirme vorbei, denn es regnet!

Von der Pressekonferenz an der Ohlauer twitterte @Sassyheng: “Essen, Klopapier und Planen werden an der Schule benötigt.” Wenn ihr mehr wisst zu den Bedarfen, bzw. diese sich ändern, schreibt uns doch bitte einfach in die Kommentare.

Und dazu passend: (a gentle nudge)* – Ein Gedicht von Sharon Otoo zu den Protesten und (fehlenden) Unterstützer_innen.

Zum Weiterlesen/informieren (weitere_neue Texte gern ergänzen!):

  • Der March for Freedom hat ebenfalls eine Erklärung veröffentlicht und die Räumung in einen weiteren Protest-Kontext gestellt. Protestierende wurden in Brüssel heute verhaftet.
  • “Der Flüchtlingsrat Berlin fordert Senat und Bezirk auf, den heute begonnenen Polizeieinsatz sofort zu beenden und den BewohnerInnen der Schule sowie den Oranienplatz-Flüchtlingen ein faires und transparentes Angebot zu unterbreiten. Dazu gehört ein Aufenthaltsrecht in Berlin.”, schreibt der Berliner Flüchtlingsrat in seiner Pressemitteilung.
  • Es auch eine Erklärung des Refugee Schul- und Unistreiks. Das Bündnis ruft am 1.Juli um 10:00 Uhr am Roten Rathaus in Berlin zu einer Demonstration in Solidarität mit den Geflüchteten auf.
  • Ein Kampf um alles oder nichts“, konstatiert Christian Jakob in einem Kommentar bei der taz.
  • Bereits gestern erschien ein Interview mit Ahmad Al-Nour  in der taz: “Das hier ist kein Spiel für uns. Wir gehen nicht zurück in die Lager. Wir wollen unsere Freiheit, keine Abschiebung.
  • Ebenfalls gestern schrieb die Berliner Zeitung über die Räumung und Proteste.
  • Bilder der gestrigen versuchten Räumung und abendlichen Demo.
  • Aktuelles lässt sich unter dem Twitter-Hashtag #ohlauer nachverfolgen. (Obwohl sich dort natürlich auch Menschen mit rassistischen und anderen diskriminierenden Aussagen versuchen breitzumachen.)

Offensichtlich überschlagen sich seit gestern die Ereignisse. Schon während ich das hier geschrieben habe, sind parallel sicher einige Dinge passiert. Darum nutzt die Kommentare um Informationen zu teilen.


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Aktionstour quer durch Deutschland! Women in Exile & Friends im Interview, Part 2.

18. Juni 2014 von Charlott

Gestern war hier bereits an dieser Stelle der erste Teil des Interviews mit Elisabeth Ngari und Dorothea Lindenberg von “Women in Exile & Friends”. In diesem ging es um die Entstehung der Organisation und den grundlegenden Zielen. Im zweiten Teil steht die geplante Aktionstour im Fokus und wie bei dieser noch unterstützt werden kann.

Von Juli bis August habt ihr eine große Aktionstour geplant. Wie ist diese Idee entstanden?

Die Idee zu dem Projekt stammt nicht von uns, wir haben zufällig erfahren, dass der Musiker und Flüchtlingsaktivist Heinz Ratz mit seiner Band Strom & Wasser eine Floßtour und Konzertreihe zum Thema Frauen und Flucht plant, die in Verbindung mit einem Rahmenprogramm in den Flüchtlings­unterkünften stattfinden soll. Wir fanden die Idee super und außerdem dachten wir, dass so ein Projekt nicht ohne die Beteiligung von Flüchtlingsfrauen stattfinden sollte. Deshalb haben wir mit Heinz Ratz Kontakt aufgenommen und sind zu Kooperationspartnerinnen geworden.

Welche Ziele habt ihr mit der Tour?

Auf verschiedenen Ebenen wollen wir diese Reise dazu nutzen, um uns mit ande­ren Flüchtlings- und Frauenorganisationen zu vernet­zen und mit Flücht­lingsfrauen in ganz Deutsch­land zu sprechen. Damit wollen wir eine bundesweite Vernetzung von Flüchtlingsfrauen und AktivistInnen, die aus queer-feministischer Perspektive flüchtlingspolitisch aktiv sind, vorantreiben und Flüchtlingsfrauen in ganz Deutschland motivieren aktiv zu werden und sich selbst für ihre Rechte zu engagieren.

Mit den Flößen wollen wir als schwimmende Demonstration auf die Situation von fliehenden Frauen und Kindern aufmerksam machen und lautstark unsere For­derungen nach Abschaffung aller Gesetze, die unserer Men­schenwürde als Asylsuchende entgegen stehen, in die Öffentlichkeit tragen.

Die abendlichen Konzerte sollen zu Begegnungen zwi­schen Flüchtlingsorganisatio­nen, einer interessierten Öffentlichkeit und Flüchtlingsfrauen werden. Dazu wollen wir mit Informationsmaterialien und anderen Inputs aus Sicht von Flüchtlingsfrauen beitragen.

Über unsere Erleb­nisse, unsere Begegnungen mit Flüchtlingsfrauen und Flüchtlingsorga­nisationen und die Lager, die wir besuchen, werden wir während der Tour auf einem Web­blog in einem ‘Logbuch’ be­richten. Damit soll eine Dokumentation der Situation von Flüchtlingsfrauen in Deutschland entstehen, und ihre Anliegen und ihr Widerstand öffentlich ge­macht werden.

Welche Themen und Probleme wollt ihr sichtbar machen?

Natürlich unsere Kampagne „Keine Lager für Frauen und Kinder! Alle Lager abschaffen!”, mit der wir ei­nes der dringendsten Probleme von Flüchtlingsfrauen aufgegriffen haben und exemplarisch die Verschränkun­gen von Rassismus und Sexismus deutlich machen, unter denen Flüchtlingsfrauen zu leiden haben. Aber auch zu anderen Gesetzen, die Asylsuchende ausgrenzen und entrechten, wie dem Asylbewerberleistungsgesetz oder zu Dublin III, wollen wir aus der Perspektive von Flüchtlingsfrauen Stellung nehmen.

Aktuell haben die meisten Flüchtlingsfrauen damit zu kämpfen, dass Deutschland sie und die Verantwortung für ihren Schutz ganz einfach abschiebt: Die Herkunftsländer aus denen die meisten asylsuchenden Frauen kommen, Serbien, die Russische Förderation und Mazedonien sind gleichzeitig die Länder bei denen die Schutzquoten verschwindend gering sind. Serbien und Mazedonien sollen nun gleich per Gesetz zu “sicheren Herkunftsstaaten” definiert werden. Und das obwohl Angriffe, existenzbedrohende Diskriminierung auf Minderheiten und Homosexuelle und geschlechtsspezifische Verfolgung dort gut dokumentiert sind. Die allermeisten Asylanträge aus der Russischen Förderation werden mit der Dublin III Verordnung “erledigt” Die schutzsuchenden Frauen werden einfach in ein anderes EU-Land abgeschoben. Auch das obwohl Menschenrechtsverletzungen an Asylsuchenden zum Beispiel in Italien, Ungarn oder Polen gut dokumentiert sind.

Wie können euch Menschen bei der Tour unterstützen?

Vor und während der Aktionstour werden noch viele Helfer*Innen gesucht:

Wir suchen so schnell wie möglich jemand, der/die den Aufruf für uns auf Serbisch übersetzen kann. Wir brauchen Frauen, die bereit sind (ab 20.6.) ein Info-(Mobil)telefon in Russisch, Serbisch oder Arabisch zu betreuen. Wir hoffen auf Frauen, die während der Tour einige Tage mitfahren können, um zu übersetzen. Wir wünschen uns Freund*Innen, die während der Tour das Begleitfahrzeug (9-Sitzer) fahren können. (Das Begleitfahrzeug wird dringend benötigt, weil aus versicherungstechnischen Gründen Kinder nur sehr begrenzt mit auf das Floß dürfen.) Und wir freuen uns über Freund*Innen, die uns während der Tour bei der Kinderbetreuung unterstützen wollen. Sehr wichtig sind auch Freund*Innen, die für uns Schlafplätze während der Tour organisieren. Wann wir ungefähr wo sein werden findet man auf unserer Webseite.

Und last but not least, wir brauchen dringend Unterstützung beim Spendensammeln für die Tour. Das alles kostet viel Geld, das wir im Moment noch nicht haben: Gebraucht werden Fahrtkosten zur An- und Abreise, das Begleitfahrzeug und ganz wollen die Frauen sich nicht darauf verlassen, dass sich unterwegs genug solidarische Unterbringungsmöglichkeiten finden. Benötigt wird außerdem eine existenzsichernde Teilzeitstelle für eine Flüchtlingsfrau zur Koordination.

Bitte kommentiert und verlinkt unseren Spendenaufruf bei Betterplace, verbreitet ihn per Mail, auf Facebook, Twitter oder was auch immer…Denn auch viele kleine Spenden helfen viel!

Interview auf Englisch:

(mehr …)


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“Es wurde offensichtlich, dass neben den diskriminierenden Gesetzen, die alle Asylsuchende betreffen, Frauen und Kinder noch andere Probleme haben.” Women in Exile & Friends im Interview, Teil 1.

17. Juni 2014 von Charlott

In den letzten Jahren durch viele Aktionen, aber auch sich verschärfenden Zuständen, mehr in den Fokus gerückt: Proteste von Geflüchteten. Die Organisation “Women in Exile & Friends” nimmt die spezifischen Lebensumstände von geflüchteten Frauen und Kindern in den Blick. Ich habe mit Elisabeth Ngari und Dorothea Lindenberg in einem ersten Teil über die Organisation und ihre Ziele gesprochen. In den nächsten Tagen erscheint ein zweiter Teil über eine kommende Aktionstour und wie diese unterstützt werden kann. Unten ist das Interview auch in Englisch zu finden.

Wann habt ihr Women in Exile gegründet und aus welchem Anlass?

Im Jahr 2002 haben viele Aktivistinnen aus unterschiedlichen “Heimen” in Brandenburg in der gemischten Flüchtlingsselbstorganisation FIB (Flüchtlingsinitiative Brandenburg) gekämpft. Es wurde aber offensichtlich, dass neben den diskriminierenden Gesetzen, die alle Asylsuchende betreffen, Frauen und Kinder noch andere Probleme haben. Diese Probleme liegen vor allem auch an dem zwangsmäßigen Gemeinschafts-Unterbringungssystem, welches einher geht mit fehlender Privatssphäre, sexueller Belästigung und Gewalt in den “Heimen”.

Einige der Aktivistinnen kamen so auf die Idee eine Initiative zu gründen, die Frauen einen Raum gibt zusammenzukommen. Hier konnten sie ihre Ängste sowie Bedürfnisse ausdrücken, und sie konnten versuchen politische und soziale Lösungen zu finden. So haben sie sich also zusammen gefunden und beschlossen sich selbst als die Gruppe “Women in Exile” zu organisieren.

Wie viele Personen sind bei euch aktiv und was macht ihr?

Unsere Organisation hat sich entwickelt: Women in Exile e.V. wurde 2011 in Potsdam gegründet und ist nun als non-profit Organisation anerkannt. Im gleichen Jahr haben wir die Gruppe “Women in Exile & Friends” gegründet. Heute führen wir die meisten unserer Aktivitäten, wie unsere Kampagne “Keine Lager für Frauen und Kinder! Alle Lager abschaffen!” in diesen Gruppen. Wir beziehen uns aufeinander und arbeiten zusammen ungeachtet all unserer Unterschiede wie Alter, Religion, Status, Sexualität und andere Faktoren. Heute kann man nicht genau sagen, wie viele von uns bei Women in Exile aktiv sind, ehrenamtlich den Verein unterstützen oder wie viele “Friends” ohne Fluchthintergrund sind. Insgesamt aber etwa 10-15 Frauen. Wir bemühen uns, dass die Gruppe zu etwa gleichen Teilen aus Frauen mit und ohne Fluchthintergrund besteht. Aber im Verhältnis zu dem, was wir planen, sind wir nie genug… Ihr seid also eingeladen mitzumachen!

Was wir machen:

  • Wir besuchen die „Gemeinschaftsunterkünfte“ in Brandenburg, um Flüchtlingsfrauen proaktive Unterstützung aus der Sicht der Betroffenen anzubieten, um Informationen darüber auszutauschen, was gerade los ist, und um Informationen über die Bedürfnisse von Frauen, die in den „Heimen“ leben, zu erhalten.
  • Wir nehmen an verschiedenen Vernetzungstreffen teil, um zusammen mit anderen antirassistischen und feministischen Gruppen Aktionen zu planen.
  • Wir demonstrieren, geben den Medien Interviews und halten Reden auf politischen Veranstaltungen, um die Gesellschaft mit den Problemen und Forderungen von Flüchtlingsfrauen zu konfrontieren.
  • Wir organisieren Seminare und Workshops für Flüchtlingsfrauen, die sie dabei unterstützen, Perspektiven zu entwickeln, um ihre schwierige Lebenssituation zu verbessern, für ihre Rechte im Asylverfahren kämpfen und sich gegen sexualisierte Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung zu verteidigen.
  • Und auf unserer Webseite stellen wir in vielen Sprachen Informationen für asylsuchende Frauen und andere Aktivist_innen zusammen. Auf Deutsch und Englisch informieren wir außerdem aus feministischer Perspektive über aktuelle flüchtlingspolitische Ereignisse und Aktionen.
  • Seit Herbst 2013 geben wir mit ähnlicher Zielsetzung einen (vorerst nur) deutsch- und englischsprachigen Newsletter heraus, der auch zur Mobilisierung von asylsuchenden Frauen zu unseren Aktionen dient.

Das Interview auf Englisch:

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“Songs of Gastarbeiter”, Gewaltandrohungen und Kriminialisierung antifaschistischer Proteste – kurz verlinkt

11. Juni 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 239 von 257 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Josef S. sitzt seit vier Monaten in Untersuchungshaft in Wien, weil er als angeblicher “Rädelsführer” der antifaschistischen Proteste gegen den im Januar durchgeführten Burschenschaftlerball angeklagt ist. Über den Mangel an Beweisen und fabrizierte Vorwürfe, die für das Gericht trotzdem keine Schwierigkeit darzustellen scheinen, berichtet Der Spiegel.

Aktivistinnen veranstalteten in der Wiener Secession eine Intervention gegen Kolonialismus, Rassismus und Sexismus und sprachen mit dieStandard.at über die Notwendigkeit, anwesend zu sein.

Der Frauenverband Courage war bei der Präsentation des 18. Grundrechte-Reports dabei, wo es auch um die Aberkennung des Gemeinnützigeitsstatus des Verbands ging.

Die Frauenstiftung filia ruft angesichts der aktuellen Flutverheerungen auf zur Unterstützung für Frauengruppen auf dem Balkan.

Die Purple Velvet International Female Hip Hop Tour mit Sookee, Shirlette Ammons, Lex LaFoy & DJ Doowap, nobigbutL & DJ Boogie Dan ist zu Ende gegangen. Ein Video fasst ein paar Eindrücke zusammen.

Ein Mann hat die taz aufgrund einer Ausschreibung, die sich ausschließlich an Frauen mit Migrationshintergrund richtete, verklagt – und Recht bekommen. Das Arbeitsgericht Berlin hat der Klage des Mannes tatsächlich entsprochen, berichtet der Tagesspiegel.

Hengameh Yaghoobifarah hat für das Migrazine die Musik-Compilation “Songs of Gastarbeiter” besprochen.

englischsprachige Beiträge

“Wenn Du aufhörst, etwas zu fühlen”: Reni Eddo-Lodge schrieb über Depressionen und Angstzustände.

Gerade läuft in den USA die zweite Staffel der Serie “Orange Is The New Black” an. Der New Yorker schreibt über die katastrophalen Zustände in einem der realen Gefängnisse (Riverhead), in dem gedreht wurde, und die Kampagne “Humanity Is The New Black”.

Reporting Around R. Kelly’s Child Shows Depth of Trans Ignorance” stellt Kat Callahan fest und zeigt anhand eines Artikels auf, wie Medienberichterstattung gewaltvoll misgendered und Stereotype re_produziert.

Shakesville wendet sich gegen die Rhetoriken a la “Beachte die Drohungen im Netz doch einfach nicht”, “Wenn du darauf eingehst, dann machst du doch nur, dass sie weiter machen”; stattdessen fordert sie: “And because I can talk about it, I’m going to. We need to talk about this. Those of us who can.” [Inhaltshinweis: Beschreibung von Gewalt(androhungen)]

Die Autorin und Cartoon-Zeichnerin Alison Bechdel hat für den The New Yorker ein Skizzenbuch angefertigt. Es geht um eine verflossene Liebe und wie diese Erinnerungen Jahre später eine immer noch treffen. Eine schöne Skizze für den Sommer.

Termine in Berlin und Hamburg:

Am 12.06.2014 in Hamburg: Vom Recht auf Selbstbestimmung – Sexarbeit und Migration. Vortrag und Diskussion.

Vom 14. 06. bis 10.08.2014 in Berlin: What is queer today is not queer tomorow. Ausstellung und Veranstaltungen.


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