Einträge mit dem Tag ‘Aktivismus’


Überall rape culture und Protest gegen das Teilhabegesetz – kurz verlinkt

8. Juni 2016 von der Mädchenmannschaft

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Maria Wersig schreibt beim Gunda-Werner-Institut zur Stellung von Alleinerziehenden: „Verbesserungen für Alleinerziehende gehen nur langsam voran. Vielleicht weil sie zu über 90 Prozent Frauen sind? Während Reformen auf sich warten lassen, die zum Beispiel die Unterstützung bei ausfallendem Kindesunterhalt (ein sehr häufiges Problem für Alleinerziehende) verbessern, steht nun im Rahmen der sogenannten Rechtsvereinfachung des SGB II eine Verschlechterung der Situation Alleinerziehender und ihrer Kinder an.“ Die Kürzungen, von denen sie dort schreibt, konnten glücklichweise erst einmal abgewandt werden. (FB-Link)

Im Interview mit der Berliner Zeitung kritisiert Verena Bentele, Behindertenbeauftragte des Bundes, das geplante Teilhabegesetz. Derweil gehen auch die Proteste gegen das Gesetz weiter, berichtet konbinet unter der Überschrift „Wir kommen täglich wieder„.

Hurraki weißt darauf hin, dass es seit Mai das Buch „Fragen Sie einfach!: Deutsche Grammatik in leichter Sprache“ zu kaufen gibt.

Das Jüdische Museum Berlin sucht zum 01. September eine studentische Hilfskraft für das Outreach Programme des Bereichs Bildung. Bewerbungsschluss ist der 17. Juni.

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Accalmie hat ihre Tweets zu rape culture, konkret zur geringen Strafe für Brock Turner (dem sonst laut dem Richter ja die Zukunft verbaut wäre) in den USA und dem victim blaiming im Fall von Gina-Lisa Lohfink.

Zum Fall Brock Turner argumentiert Anne Theriault „Men See Themselves In Brock Turner—That’s Why They Don’t Condemn Him„.

Sacha’s Blog stellt die Kampagne #LawNeedsFeminismBecause vor.

Im Guardian schreibt Homa Khaleeli über Schwarze Frauen, die durch Polizeigewalt in den USA starben, und Kimberlé Crenshaws Aktivismus diese nicht vergessen zu lassen.

Catcalling Or Fatcalling? Both Suck, But Why Do We Only Talk About One?„, fragt Catherine Bouris bei The Vocal.

In den USA läuft gerade der Film Me Before You an, der auf dem gleichnamigen Roman beruht. s.e.smith analysiert im Bitch Magazine die ableistischen Grundannahmen, die der Geschichte zu grunde liegen. [CN: Diskussion von Suizid]

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Stiftung Zurückgeben, Rücktritt von Sara Ahmed und feministische Ideen zum Internet – kurz verlinkt

2. Juni 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 318 von 320 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Sankofa, eine neugegründete bilinguale Berliner Kita für Kinder zwischen 1 und 6 Jahren, die sich insbesondere für die Bedürfnisse von Kindern afrikanischer Herkunft einsetzt, ist auf der Suche nach Sponsoren und Spenden: Jede kleine Spende ist gern gesehen!

Im Auftrag des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus des Deutschen Bundestages wird derzeit eine deutschlandweite Onlinebefragung durchgeführt. Es geht um die Frage, wie Jüdinnen_Juden in Deutschland aktuell die Stimmung einschätzen und inwieweit sie gegebenenfalls Feindlichkeit wahrnehmen und erleben. Die Umfrage richtet an die jüdische Bevölkerung ab 16 Jahren, die überwiegend in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt hat.

Erneut unterstützt die Stiftung ZURÜCKGEBEN künstlerische und wissenschaftliche Vorhaben jüdischer Frauen. Jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben, können sich ab sofort für den Förderpreis 2016 der Stiftung bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Juli 2016.

Als am 30. Mai auf einer Fachveranstaltung der SPD Bundestagsfraktion über das geplante Bundesteilhabegesetz diskutiert wurde – wie zumeist ohne Menschen, die von diesem Gesetz direkt betroffen sind, nahmen Sigrid Arnade und Raul Krauthausen die Bühne ein und fragten „Für wen ist dieses Gesetz eigentlich?“:

Die österreichische Hochschulschüler_innenschaft hat ein Positionspapier zum Umgang mit Geschlechtseintrag und Namen von inter* und trans Personen an Hochschulen verfasst. Auf dem Tumblr NaGeH, dem dazugehörigen Twitter-Account und unter dem Hashtag #NaGeH werden zu dem Erfahrungen von inter* und trans Personen geteilt.

Im Sommer geht Women in Exile wieder auf Bootstour, um auf die anhaltende Forderung zur Abschaffung der Lager für Geflüchtete hinzuweisen. Im Missy Magazine schreibt die Gruppe über die Idee der Tour, geplante Aktionen und Hintergründe.

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Professorin für Race and Cultural Studies Sara Ahmed verlässt die Goldsmiths Universität in London: „Sometimes we have to leave a situation because we are feminists.“

Mashable berichtet über die neue Kollektion von Bindern der LGBTQ-geführten Firma GC2b, die es nicht nur in den Größen XXS bis 5XL gibt, sondern auch noch in fünf verschiedenen Hauttönen von hellem beige zu dunklem braun.

GenderIT hat eine Ausgabe zusammengestellt, die sich mit „Feminist Principles of the Internet“ beschäftigt ausgehend von Diskussionen der Konferenz „Imagine a Feminist Internet“, die 2014 in Manila stattgefunden hatte. Im Editorial guckt Dhyta Caturani auf die Ergebnisse dieser Konferenz und was seit dem geschah. Carolin Tagny schreibt zu „Feminism online in West and Central Africa: Identities and digital colonisation„, Florencia Goldsman zu „The Do-It-Yourself Feminist Internet: Cyber feminist actions from Latin America“ und Anita Gurumurthy mit Nandini Chami zu „Data: The new four-letter word for feminism„.

Termine in Augsburg und Berlin
(mehr …)


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„Wir schaffen alle Nächte, wir wollen gleiche Rechte!“ – Protest gegen das Prostituiertenschutzgesetz und Sexarbeiter_innen-Aktivismus weltweit

31. Mai 2016 von Charlott

Am 2. Juni findet im Bundestag die erste Lesung des Prostituiertenschutzgesetzes statt. Ein Aktionsbündnis gegen dieses Gesetz ruft deshalb unter dem Motto „Mein Körper, Mein Bettlaken, Mein Arbeitsplatz!“ zum Protest ab 11 Uhr auf. In einer Stellungnahme zum Gesetzesentwurf stell Hydra e.V. fest:

Doch auch wenn dem vorliegenden Gesetzesentwurf gut gemeinte Ansätze zugrunde liegen mögen, so werden die dort formulierten Maßnahmen nicht dazu führen, das Leben und die Arbeit von Sexarbeiterinnen sicherer zu machen und ihre beruflichen Perspektiven (in oder außerhalb der Sexarbeit) zu verbessern, sondern vielmehr im Gegenteil zu einer weiteren Stigmatisierung führen, Sexarbeit unsicherer machen und teilweise illegalisieren, sowie die Hürden für berufliche Neuorientierung erhöhen.

Dass die Lesung (und der geplante Protest) am 2. Juni stattfindet, ist zu dem äußerst symbolträchtig, denn an diesem Tag wird eigentlich seit 1976 der Internationale Hurentag/ International Sex Worker’s Day begangen. Dieser erinnert an einen Sex-Arbeiter_innenstreik in 1975, als Sexarbeiter_innen in Lyon, Frankreich, die Saint-Nizier-Kirche besetzen und gegen Polizeirepressionen protestierten.

Polizeirepression, Stigmata, viele der Themen, die rund ums Prostituiertenschutzgesetz diskutiert werden (Meldepflicht, Gesundheitsfürsorge, mögliche Arbeitsplätze) und Sexarbeiter_innen-Aktivismus thematisiert auch Melissa Gira Grant in ihrem 2014 bei Verso erschienenem Buch Playing the Whore: The Work of Sex Work. (Das Buch erschien auf Deutsch unter dem Titel Hure Spielen: Die Arbeit der Sexarbeit bei Edition Nautilus.) In Kapiteln, die schlicht überschrieben sind mit Titeln wie „The Police“, „The Work“ oder „The Debate“, analysiert Grant, wie über Sexarbeit und Sexarbeiter_innen gesprochen wird, konkrete Lebenssituationen, verfehlte „Rettungsversuche“ und Gesetzesdiskussionen. Dabei gelingt ihr ein guter Debatenüberblick, der auch für Einsteiger_innen zum Thema zu empfehlen ist, verbunden mit komplexeren Diskussionen. So hinterfragt sie beispielsweise kritisch Diskussionen, die (un)mögliches Empowerment von Sexarbeiter_innen in den Mittelpunkt rücken und versucht Debatten eher in einen Kontext von Arbeiter_innenrechte und Kapitalismus zu stellen.

Im gesamten Buch stehen Perspektiven von Sexarbeiter_innen im Mittelpunkt, die letzten beiden Kapitel aber beschäftigen sich nochmals ausdrücklich mit Aktivismus. Zunächst beschreibt Grant unter „The Saviour“ „Rettungsversuche“ von Personen wie New York Times Kolumnist Nicholas Kristof und weiteren Aktivismus, der an den konkreten Bedürfnissen von Sexarbeiter_innen vorbeigeht, um dann im darauffolgenden Kapitel „The Movement“ die Geschichte von Sexarbeiter_innen-Aktivismus (vor allem in den USA) nachzuzeichnen. Allein für dieses Kapitel, in dem Akteur_innen, Gruppen und Ideen vorgestellt werden, lohnt sich das Buch.

Chi Adanna Mgbako hat ein Buch geschrieben, welches sich ausschließlich mit Sexarbeiter_innen-Aktivismus auseinandersetzt. Auf der Grundlage von vielen Interviews mit Sexarbeiter_innen in Südafrika, Kenia, Nigeria, Namibia, Botswana, Uganda und Mauritius, zeichnet Mgbako in To Live Freely in This World: Sex Worker Activism in Africa (NYU Press, 2016) ein differenziertes Bild von unterschiedlichen Lebensrealitäten und Aktivismus-Ansätzen. Mgbako zeigt Zusammenarbeiten (mal besser mal schlechter funktionierend) mit anderen Bewegungen (Feminismus, Arbeiter_innen, HIV/Aids, LGBTQ) auf und verdeutlicht dabei thematische Überschneidungen, mögliche Kooperationen und Herausforderungen. Sie schafft es auf Material aus unterschiedlichen Ländern zurückzugreifen ohne zu leicht zu verallgemeinern, stattdessen macht sie immer wieder die unterschiedlichen Kontexte aber eben auch Ähnlichkeiten beispielsweise in Gesetzeslagen oder religiösen Diskursen deutlich. Das Buch verbindet sehr detaillierte Beschreibungen der konkreten Arbeit von Peer-to-Peer-Berater_innen mit übersichtlichen Darstellungen der Entwicklungen von Sexarbeiter_innen-Bewegungen in einigen der oben genannten Länder; sie verbindet die Analyse von allgemeinen Themenkomplexen mit den lebens- und aktivismusgeschichtlichen Erzählungen von Sexarbeiter_innen. Obwohl das Buch aus einem akademischen Kontext stammt, ist äußerst gut zu lesen.

Wenn es jetzt immer noch an Lesestoff zur Vor- und Nachbereitung des 2.Junis mangelt, empfehle ich die Bücherliste von Grant, die diese im März anlässlich des International Sex Workers Rights Day zusammengestellt hatte.


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Hartz IV Sanktionen abschaffen, #TeamStillFat und Straßenumbenennungen – kurz verlinkt

24. März 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 312 von 320 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

HartzIV ist ein furchtbares System und die Abschaffung sollte das große Ziel sein. Bis dahin wäre es ja schon einmal super gegen die Sanktionen vorzugehen, die tagtäglich Menschen schikanieren. Das Projekt „Sanktionsfrei“ will dies tun und sammelt noch sieben Tage lang Geld. Falls es euch irgendwie möglich ist, unterstützt diese Kampagne!

Herzlichen Glückwunsch an unsere Autorin Julia Roßhart! Gerade ist im w_orten & meer Verlag ihr Buch erschienen: „Klassenunterschiede im feministischen Bewegungsalltag. Anti-klassistische Interventionen in der Frauen- und Lesbenbewegung der 80er und 90er Jahre in der BRD.“

Nach jahrelangem Einsatz von Aktivist_innen sollen nun endlich im Berliner Bezirk Wedding drei Straßen umbenannt werden, die immer noch die Namen von Personen tragen, die Teil des kolonialistischen Systems waren. Für die Umbenennung können Vorschläge eingereicht werden. Es sollen mit den neuen Namen „Persönlichkeiten, insbesondere Frauen, der (post)kolonialen Befreiungs- und Emanzipationsbewegung aus Ländern Afrikas“ geehrt werden.

Feministische Sachbeschädigung in Dresden. Bekenner_innenschreiben und Pressespiegel“ – e*vibes berichtet und sammelt.

Nach den Ergebnissen der letzten Landtagswahlen schrieb der Migrationsrat Berlin-Brandenburg: „Wir fordern eine diskriminierungsfreie Gesellschaft! Schluss mit der Banalisierung der AfD!„.

Englischsprachige Links

„The Power of Putas“: Zur Sexworker_innen-Bewegung in Brasilien schreiben Thaddeus Blanchette und Laura Murray bei Open Democracy.

Musik, Spaß und Kreativität kann es auch im Klassenraum geben! Ein Hoch auf die Mathelehrerin aus New Orleans, die ihren Schüler_innen mit Beyoncé das Lernen versüßt.

„The upcoming biopic about [Nina Simone] proves that the world still isn’t ready to tell her story.“, schreibt Ta-Nehisi Coates beim Atlantic darüber, dass Zoe Saldana die Sängerin spielt.

Discwoman ist ein New Yorker Elektronik-Kollektiv. Die Selbstbeschreibung: „platform, collective, and booking agency — representing and showcasing cis women, trans women, and gender queer talent in electronic music.“ i-D hat eine der Gründer_innen interviewt.

Okay Africa interviewt den Künstler Tahir Carl Karmali zu seiner Reihe Jua Kali, in welcher Arbeiter_innen des informellen Sektors in futuristischen Collagen porträtiert werden.

Everything Water Touches“ ist ein interaktives Video von Zackary Canepari und Jessica Dimmock, veröffentlicht bei The New Yorker, welches die Auswirkungen des vergifteten Wassers auf die Bevölkerung in Flint aufzeigt.

Auf ihrer Facebookseite schreibt Ashleigh Shackelford unter dem Hashtag #TeamStillFat über Vorher- und Nachher-Bilder.

Termine

Es gibt einen Call for Papers für die Feministische FrühlingsUni 2016: Eure Beiträge könnt Ihr noch bis Ende März einreichen. Es geht in der Ausschreibung um drei Achsen: „[:Bewegung*en:] von Körper|normen, [:Bewegung*en:] in Arbeit und [:Bewegung*en:] in Geschichte*n“.

In Wien: Premiere! Und zwar: „Meine Nase läuft. Deine Stars hautnah“, am 25. April in der Bar&Co des Theater Drachengasse. Die Performer_innen Banafshe Hourmazdi, Frederik Müller und Golschan Ahmad Haschemi unternehmen in ihrem Stück einen  Streifzug zwischen Politik und Aktivismus und kritisieren den massentauglichen Nationalismus sowie die Verharmlosung von rassistischen Strukturen in Österreich aus einer feministischen und queeren Perspektive.


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Der Sound zum Frauenkampftag! Eine Playlist

8. März 2016 von Charlott

Was macht den Frauenkampftag noch besser? Der passende Soundtrack! Falls dieser hier für euch nicht so funktioniert, haben wir im Archiv auch immer noch Magdas Playlist zum Frauenkampftag – Beyoncé-Style!, Nadias International Women`s Day: Frauen*kampftag-Playlist, Sabines Top 20 – Weil Ihr GROSSARTIG seid! (feminist playlist nr. 2) und Anna-Sarahs Beitrag Ist es lachen, ist es weinen / Lass es ungehorsam sein. Die deutschsprachige Playlist. Und falls ihr noch Pläne für den heutigen Tag braucht: Wir haben einiges in unserer Terminliste zusammengetragen und in den Kommentaren wurde fleißig weiter ergänzt.

1. Nina Simone – Revolution

2. The Indelicates – Our Daughters Will Never Be Free

3. Eekwol – Kisay’s Song (Iskeweak Iskotew Tapwewin)

4. Tracy Chapman – Subcity

5. Naomi Wachira – Witness

6. SOAK – Reckless Behaviour

7. Queen Latifah – U.N.I.T.Y.

8. X-Ray Spex – Oh Bondage! Up Yours!

9. Destiny’s Child – Survivor

10. Dessa – Fighting Fish

11. Against Me! – True Trans Soul Rebel

12. Laura Mvula – That’s Alright

13. Salt ’n‘ Pepa – None of Your Business


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„Mehr als bloß Leichen in den Videos von ISIS“

22. Februar 2016 von Jayrôme

Am 14. Februar fand in Istanbul der erste Mr. Gay Syria-Wettbewerb statt. Organisiert wurde er vom  Journalisten Mahmoud Hassino, der „es satt hatte, dass syrische Queers bloß als Leichen in den Videos von ISIS oder als Opfer der Verbrechen des Assad-Regimes dargestellt werden“. Auch wollte Hassino mit dem gängigen Klischee des armen Geflüchteten brechen und „das Positive in den Vordergrund rücken: starke Menschen, die Talente haben, starke Menschen, die für etwas einstehen, die etwas können und wollen.“

Gegen vier andere Kandidaten setzte sich am Valentinstag der 23-jährige Hüseyin aus Aleppo durch.

Nun wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um Hüseyins Teilnahme am Mr. Gay World-Wettbewerb zu unterstützen.

 

> Das Interview mit Mahmoud Hassino auf queer.de lesen 

> Jetzt die Crowdfunding-Kampagne unterstützen


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Germany’s Next Top Model, Black Metal und heteronormative Fortpflanzungspolitiken – die Blogschau

13. Februar 2016 von accalmie
Dieser Text ist Teil 3 von 295 der Serie Die Blogschau

Neben dem Schreiben an ihrem Roman übt sich Schwarz-Rund gerade im Colorieren – hier gibt es erste Eindrücke.

„Was mir besonders am Herzen liegt ist die Ansicht, dass sozialer Wandel nicht kalkulierbar ist. Revolution ist nicht kalkulierbar. Soziale Bewegungen sind nicht kalkulierbar. Widerstand ist nicht kalkulierbar“: Diaspora Reflektionen schreibt über Aktivismus, Motivationen und Hierarchien.

techno candy hat sich „Germany’s Next Top Model“ gewidmet und resümiert: „Der queere zauber der letzten staffel ist weg, hat keine spuren hinterlassen.“

femtastics führen ein Interview dazu, wie Penelope Kemekenidou die Tamponsteuer abschaffen will.

„Everly und die Frage nach der emanzipatorischen Gewalt“: Lara bei den femgeeks rezensiert den Film.

Den „Fettnapf der konservativen, hetero-zentrierten, ehebasierten bundesdeutschen Fortpflanzungsmedizinpolitik“ – deren ausgesprägter Cissexismus aber leider nicht zur Sprache kommt – kommentiert Maria Wersig auf dem Blog des Gunda-Werner-Instituts.

„Rückgriff auf nordische Mythen “ – Blick Nach Rechts rezensiert den Sammelband „National Socialist Black Metal“ , der Einblicke in (extrem) rechte Ideologien innerhalb der Black-Metal-Szene gibt.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blogs etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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zu „Suffragettes – Taten statt Worte“

11. Februar 2016 von Hannah C.
Dieser Text ist Teil von 25 der Serie Die Feministische Videothek

Glücklicherweise kenne ich Menschen, die mit mir in “so einen Film” gehen. Feminist_innen. Menschenrechtler_innen. Gemochte.
Wir treffen uns, die Taschen voller Süßigkeiten und neugierig auf den Film “Suffragettes – Taten statt Worte”. Am Nebentisch sitzen drei andere Menschen, vielleicht auch Feminist_innen. Menschenrechtler_innen. Einander mögende. Nur 20 bis 30 Jahre älter. Mit einem Weinglas vor sich.

Wir wissen, dass wir uns auf eine weiße Geschichtserzählung einlassen, wagen aber die Hoffnung, den Rassismus der Zeit auf der Leinwand abgebildet zu finden. Wir, ich, als eine von drei Einsmenschen im Bunde, bilde mir ein, viel über die Suffragettenbewegung zu wissen. Weil ich weiß, dass es weiße privilegierte Frauen waren, die dort, damals vor mehr als hundert Jahren für ein Frauenwahlrecht auf die Straßen gingen. Weil ich in den letzten zweieinhalb Jahren viel über feministische Geschichte gelernt habe und noch immer lerne.
Ich bilde mir Offenheit ein, bilde mir ein zu merken, wo mein Horizont endet und wo ich mich hinbewegen muss, wenn ich mehr sehen möchte.

Am Ende sitze ich in diesem Film und merke: einen Scheiß weiß ich.
Es wird keine Geschichte von einer gelangweilten unglücklichen Frau* erzählt, die eingesperrt im goldenen Käfig nicht im Kopf aushält, was um sie herum passiert und nach und nach auf die Idee kommt: “Och – Wahlrecht wäre nett. Gib mal!”, sondern die Geschichte einer Wäscherin, die sich nach und nach den bereits aktiven Suffragetten in ihrer Stadt anschließt und darüber Ehemann und Kind verliert. Die Geschichte von verschiedenen Frauen, die ins Gefängnis kommen, weil sie Briefkästen sprengten und Telegrafenleitungen kappten. Wo sie hungerstreikten. Zwangsernährt wurden. Nicht als politische Gefangene anerkannt wurden. Bei der Entlassung mit Blumen von der “Women’s Social and Political Union” empfangen wurden.

Der Kinofilm spielt 50 Jahre nach Beginn der eigentlichen Bewegung, die 1867 mit der  Gründung der “National Union of Women’s Suffrage” durch Millicent Fawcett verortet wird. Ich fand aber auch noch andere Anfänge. Ob das alle sind oder ob es nur diese Geschichte ist, die es bis heute geschafft hat sich zu halten, weiß ich nicht und finde das schade. Einfach, weil ich es in den letzten 2 Jahren an jedem neuen Hashtag, jedem neuen Diskursherd erlebe, wie Geschichten sozialer Bewegungen geschrieben werden.

Der Film beginnt mit Einstellungen harter körperlicher Arbeit. Schaltet dann aber doch zügig zu den ersten eingeschlagenen Fenstern. Da steht eine Frau, holt faustgroße Steine aus ihrem Kinderwagen, wirft diese in ein Schaufenster und ruft: “Wahlrecht für Frauen!” und die Hölle bricht los.
Es gibt einen Tumult und das ist die erste Begegnung.
Das sind also diese Suffragetten. Steineschmeißerinnen mit Ausruf. Aha.

Während die Geschichte weiterplätschert und nach und nach mehr Charaktere einfädelt, merke ich, dass ich mich frage, was genau mich gerade an der Gewalt, die ich dort vor mir sehe, eigentlich nun so verwirrt.
Wir sehen wie die Frauen, denen durch Arbeiter_innenbefragungen des Parlamentes Hoffnungen auf ein Wahlrecht gemacht wurden, erneut enttäuscht werden – nach Jahrzehnten friedlicher Auseinandersetzung mit logischen Argumenten um die Herren der Schöpfung erst recht davon zu überzeugen, dass es sich bei Frauen erstens um Menschen handelt, die, zweitens, so eine verantwortungsvolle Sache, wie eine politische Wahl, verantwortungsbewusst und vernünftig ausführen können.
Sie sind wütend. Und werden deshalb von Polizisten niedergeschlagen und verhaftet.
Sie sind einfach nur wütend und enttäuscht und werden deshalb verprügelt und verhaftet – hallo? (mehr …)


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das Problem an „Sei doch lauter“

28. Januar 2016 von Hannah C.
Dieser Text ist Teil 1 von 58 der Serie Meine Meinung

Immer wieder mal wird das an mich herangetragen. “Sei doch lauter”, während es eigentlich darum geht auszudrücken, dass man sich mehr von mir wünscht. Mehr (von dieser Person als so wahrnehmbar) Aktivismus. Mehr Aktion. Mehr Bäng. Mehr Pow. Mehr KRWÄÄÄÄM. With the Faust in the Gesicht of Patriarchy, Racism und überhaupt aller Kackscheiße.
Ich lese solche Ansprüche und halte mir dabei die Ohren zu. Weil diese Ansprüche für mich laut sind. Sie stehen vor mir und brüllen mich an. Schreien mich nieder und machen die Begegnung zum Schlachtfeld.

Es ist mir gegenüber ein ableistischer bis schlicht ignoranter Anspruch. Obwohl – ich mag es nicht so individualisieren – vielleicht gibt es noch mehr Menschen, die einfach nicht als laut wahrgenommen werden, obwohl sie sich selbst als sehr laut und aktiv(istisch) erleben und merken, dass es ihnen viel Kraft und viele Verluste bedeutet, überhaupt von anderen Personen ganz allgemein bemerkt zu werden. Und sei es als leises Stimmchen ohne Bäng ohne Pow ohne KRWÄÄÄM.

Ich verstehe, dass bestimmte Bemühungen mehr erfordern als Twitternachrichten zu formulieren oder Blogposts zu schreiben. Anastasia Umrik beschreibt das in ihrem letzten Blogpost und kaum eine andere Schrift, die sich mit “dem Feminismus ™” in “diesem Internet” befasst, kommt ohne diese Spitze aus.
“Nänänä n Tweet schreiben kann ja jede_r – (aber mich zu überzeugen (“die Massen ™” bewegen), DAS ist doch das, worum es geht = gehen muss … ODER?”)”

Ganz ehrlich? Nein.
Kann eben nicht jede_r. Kann sich eben nicht jede_r erlauben. Kann eben nicht jede_r schaffen.

Ich erlebe es auch nicht so, dass laut sein alles ist. Ich erlebe es auch nicht (mehr) so, dass es aktivistischer oder auch selbstvertretender Anspruch sein muss, möglichst viele Menschen für oder gegen etwas zu mobilisieren. Für mich ist das zwar ein tolles Gefühl zu mehreren in einem Thema vereint zu sein – ich weiß aber auch, warum es sich so toll anfühlt.
Weil man sich überlegen oder mindestens weniger schwach fühlen kann. Heimlich. Ein bisschen für sich allein.

Für mich persönlich ist genau das aber nicht, wie ich Menschen begegnen will. Ich will mich niemandem gegenüber unter- oder überlegen fühlen. Ganz generell nicht. Weil ich das als ganz großen Anteil der ganz alltäglich passierenden Gewalten erlebe zum Einen und zum Anderen, weil ich weder Kraftreserven noch Fähigkeiten habe, solche Dynamiken lange durchzuhalten.

Ich mag es nicht, wie es gelesen wird, wenn ich schreibe: “Mein Leben ist schon schwer genug” – aber mehr kann ich nicht anführen, wenn ich begründen will, warum es nicht mein oberstes Ziel ist, für alle und immer gleich “laut” oder “aktiv(istisch)” vernehmbar zu sein.
Hier ne Demo, da ne Veranstaltung – hier ein Scharmützel bei Twitter, da eine Kommentarschlacht und im Backend noch schnell die Schultern der Verbündeten klopfen und während all dem nicht vergessen, wer mit wem wann mal welchen Streit warum hatte und welche Positionen von wem warum gar nicht gehen und überhaupt gar keine Beachtung mehr ever verdienen … – sorry kann ich nicht. Will ich nicht. Ist nicht, was ich mir wünsche für später, wenn …

Ich alleine atme mit jedem Tweet durch. Beruhige mich nach jedem Blogpost. Für mich ist jedes Rausgehen und vor Menschen sprechen ein BÄNGPOWKRWÄÄÄÄNMEGADING – auch dann, wenn “die Massen ™” es für etwas halten, dass angeblich jede_r (und natürlich auch besser, lauter, krawalliger) kann und deshalb als beliebig und wenig relevant, wahrnehmen.

Am Ende spreche ich hier nicht nur von Wertschätzung dessen, was andere Menschen zu einem Thema beitragen, sondern auch davon, dass Aktivismus letztlich vor allem Aktivität meint, die für sich als Spektrum anerkannt werden muss.

Auch ein leiser Widerspruch ist ein Widerspruch.


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Aktivismus und Alter: „Aging Fiercely While Trans“

25. Januar 2016 von Magda

Auf vielen US-amerikanischen Blogs las ich in den letzten Monaten: 2015 war ein großartiges Jahr für Trans-Sichtbarkeit! Oft erwähnt werden die Schauspielerin Laverne Cox (Orange is the New Black), die konservative Sport- und TV-Persönlichkeit Caitlyn Jenner (und ihr Vanity Fair Cover) oder Rapper_in Angel Haze – Haze bevorzugt als Pronomen „they“ und identifiziert sich als agender.

Sichtbarkeit ist eine wichtige Komponente von Aktivismus. Mit Sichtbarkeit erhöht sich (manchmal) auch die Diskussion um die sozialen Ungleichheiten, die jene Gruppen betreffen: Armut, Gewalt und Ausschlüsse. Diskussionen führen zu Aktionen führen zu Veränderung (hoffentlich). Zwischen jener (oftmals gefeierten) Sichtbarkeit und der anhalten Gewalt, die Menschen erfahren, die aus einem zweigeschlechtlich organisierten, rassistischen System fallen, positioniert sich das Projekt AGING FIERCELY WHILE TRANS (frei übersetzt: „Leidenschaftlich und unerschütterlich Altern als Transperson“).

Screenshot der Diskussion AGING FIERCELY WHILE TRANS with Kate Bornstein, Sheila Cunningham, Miss Major, & Jay Toole, moderiert von Reina Gossett.

Screenshot der Diskussion AGING FIERCELY WHILE TRANS with Kate Bornstein, Sheila Cunningham, Miss Major, & Jay Toole, moderiert von Reina Gossett.

Visual AIDS und das NYC Trans Oral History Project haben es sich zur Aufgabe gemacht, die langen und geschichtenreichen Leben von vier Aktivist_innen festzuhalten, die die Grenzen der Zweigeschlechtlichkeit sprengen: Aktivistin, Performerin und Autorin Kate Bornstein (schrieb u.a. A Queer and Pleasant Danger), Stonewall-Aktivistin Miss Major (arbeitet u.a. beim Transgender GenderVariant Intersex Justice Project), „super-butch“ Jay Toole (gründete u.a. Queers for Economic Justice) und Sheila Cunningham (leider keine Infos auffindbar).

Bereits im letzten Sommer sprachen die vier über ihre Lebensgeschichten und über gesellschaftliche Verhältnisse vor 30, 40 Jahren. Die Erzählungen drehen sich um erlebte Gewalt, Alleinsein, Obdachlosigkeit, körperliche Veränderungen, Krebs und das Nachdenken über Tod; es geht um sprachliche Veränderungen in den letzten Jahrzehnten, um Respekt, Begehren und den Wunsch nach mehr Zugewandtheit über Generationen hinweg. Harte Themen, aber es ist sehr angenehm – und lehrreich – den Aktivist_innen zuzuhören.

Alle Redebeiträge inklusive einer Gesangsperformance von Mizz June findet ihr auf visualaids.org. Die Videos sind in englischer Sprache und ohne Untertitel und teilweise leider recht leise.


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