Einträge mit dem Tag ‘Aktivismus’


Russische Feministinnen rocken gegen den Staat

23. Januar 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 16 von 17 der Serie Im Osten nichts Neues?

Mit Punk gegen autoritäre Strukturen! In knall­bunten Sommer­kleidern und mit selbst­gestrickten Neon-Masken protestierte die feministische Punkband Pussy Riot in Moskau auf dem Roten Platz gegen den paternalistischen russischen Staat und seine ver­krusteten, sexistischen Strukturen. Die Musikerinnen riefen dazu auf, öffent­liche Plätze in Russland zu besetzen und für politische Reformen zu kämpfen, so die Berliner Morgenpost.

“Wir erinnern uns an die Ereignisse des Jahres 1968″, schreiben Pussy Riot in ihrem Blog [Anmerkung: mit Google Translate könnt ihr die Seite auf Deutsch oder Englisch lesen]. “Die gleichen Macht­strukturen wie bei Breschnew regieren das Land immer noch, sie sind nicht weg. Nur die Formen des Autoritarismus, der Kontrolle und des staat­lichen Terrors haben sich geändert… Bürger werden in Russland bis heute von den Macht­habern für psychisch Kranke gehalten, die keine Ent­scheidungen selbst­ständig treffen können”.

Auf dem Roten Platz spielten die Musikerinnen ihren Song “Putin Has Pissed Himself“, in dem sie den derzeitigen Minister­präsidenten und erneuten Präsident­schafts­kandidaten Wladimir Putin kritisieren. Sie singen: ”Aufstand in Russland – Charisma des Protests, Aufstand in Russland – Putin hat Schiss” (auf ihrer facebook-Seite hat Riot Grrrl Berlin den gesamten Songtext auf Englisch zum Nach­lesen).

Die Aktivistinnen wurden daraufhin von der Polizei ver­haftet und ver­prügelt, aber glück­licher­weise nach Stunden (vorerst) wieder frei­gelassen. Erschreckend, wie die russische Polizei mit feministischem Protest umgeht…

Die Band ist für ihre Protestauftritte bekannt. So spielte sie bereits auf dem Vorbau des Moskauer Unter­suchungs­gefängnisses oder auf dem Dach eines Busses. Inspiriert wurden die Punkerinnen laut eigener Aussage vom Arabischen Frühling. So geht es ihnen primär um Politik und nicht darum, Aufmerk­sam­keit für ihre Band zu erlangen. Die Aktionen zeigen auch schon erste Wirkungen: In anderen russischen Städten gibt es bereits Nach­ahmerinnen – ganz nach dem Motto der Musikerinnen: Krawall ist niemals leise!

Einen Hörbeitrag zu den Pussy Riots mit weiteren Informationen findet ihr bei Radio Bayern.


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Der Soundtrack der Riot Grrrls

20. Dezember 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 9 von 11 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

Ein bisschen sind die Riot Grrrls nun auch in Deutschland angekommen: Es gibt bereits Gruppen in Berlin (auch auf facebook), in Hamburg (nur auf facebook), im Ruhgebiet (ebenfalls auf facebook) und ganz frisch auch in Bielefeld (auch nur auf facebook). Wer sich einbringen möchte, schreibt einfach eine E-Mail und ist vielleicht schon beim nächsten Treffen dabei (ob virtuell oder real life).

Cover Design von Jenny Eckermann

Die Berliner Riot Grrrl Gruppe hat vor ein paar Monaten eine schöne Aktion ins Lebens gerufen: Gesucht wurden Künstlerinnen und Bands, die gerne auf dem ersten Riot Grrrl Sampler “Riot Grrrl is not Dead (01)” vertreten sein wollten.

Uuund – Trommelwirbel!! – gestern ist sie nun erschienen: Die Compilation beinhaltet insgesamt 53 Bands aus verschiedenen Teilen der Welt (u.a. aus den USA, Grrrlmany, Spanien, Australien, Brasilien…) mit über  2,5 Stunden Musik aus fast allen erdenklichen Musikrichtungen, wie z.B. Punk, Rock, Pop, Electro, Spoken Words und Country. (Zum Öffnen der runtergeladenen .rar-Datei braucht mensch übrigens ein Programm zum Entpacken, falls ihr das noch nicht habt, findet ihr das online, z.B. bei chip oder für Mac-User_innen bei softonic)

Falls du als Künstlerin oder mit deiner eigenen Band Lust hast auf einer zukünftigen Compilation zu sein, findest du alle Infos auf tumblr oder auf facebook. Die zweite Sammlung wird schon im Februar erscheinen.


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Feministische Bloggerin in Syrien verhaftet

9. Dezember 2011 von Hannah

Am 4. Dezember haben syrische Sicherheitskräfte die Bloggerin Razan Ghazzawi verhaftet. Helga und ich trafen Razan im Mai bei einer Blogger-Konferenz in Kairo.

„Blogger werden überschätzt“, schrieb Razan Ghazzawi im Oktober auf ihrem Blog razanghazzawi.com. Razan ist eines der Gesichter der Revolte in Syrien: Scharfzüngig formuliert sie ihre Thesen und fährt gerne ihren Gastgebern über den Mund. Wenn das Essen nicht schmeckt genauso wie wenn sie sich von westlichen NGOs benutzt fühlt. Das kam in letzter Zeit häufiger vor.

Links Razans Gesicht, eine junge Frau mit braunen Locken, rechts auf gelb-weißem Hintergrund FREE RAZAN - Freedom Advocate Detained in Syria

Sie reiste von Konferenz zu Konferenz, sah aber zunehmend kritisch, dass gerade sie mit ihrem perfekten Englisch dorthin eingeladen wurde. „Aus irgendeinem Grund glauben die Leute, meine Anwesenheit auf Konferenzen sei nützlich“, schreibt sie. „Der arabische Frühling macht viele NGOs reich und diese NGOs müssen sich engagieren.“

Andere, mutigere sollten an ihrer Stelle auf den Konferenzen sitzen, fand Razan und verwies auf all die syrischen Aktivisten, die unbekannt in syrischen Gefängnissen gefoltert werden. Laut Amnesty International sind mindestens 180 politische Häftlinge seit Beginn der Revolte im Februar zu Tode gekommen.

Dabei war sie von Anfang an eine der Mutigsten. Als eine der wenigen benutzte sie ihren Klarnamen. Bis die Menschen in Syrien gegen das Assad-Regime auf die Straße gingen, schrieb sie in ihrem Blog über feministische Themen, auch über Homosexualität und wagte sich damit an ein Tabu in der syrischen Gesellschaft. Viele ihrer Freunde reagierten damals ablehnend. „Ich denke mittlerweile, dass es ein Fehler war über Lesben- und Schwulenthemen zu sprechen, bevor man Gender und Sexualität thematisiert, besonders in einem Land, wo es keinen Raum gibt, Tabus und Fehlinterpretationen zu dekonstruieren,“ sagte sie im Sommer in Kairo.

Seit Beginn der Revolte bloggt sie über das neue Syrien, das sie sich wünscht und setzt sich für die Opfer des Regimes ein. Eins ihrer wichtigsten Anliegen ist die Überwindung nationaler und ethnischer Identitäten. „Wenn wir uns als Syrer definieren, fördern wir damit nicht eine rassistische, nationale Identität als reine Araber?“ schreibt sie. Zusammen mit ihrem Mitstreiter Hussein Ghrer, der gerade nach einer 37tägigen Haft entlassen wurde, diskutierte sie in Kairo, wie man die Allawiten in die Revolte einbeziehen könne.

Nun ist sie selbst verhaftet worden. Ausgerechnet auf dem Weg zu einer Konferenz über Medienfreiheit in Amman, wurde sie an der syrisch-jordanischen Grenze festgenommen und am Mittwoch in das berüchtigte Adra Gefängnis in Damaskus überstellt. Dort wurde ihr Prozess erstmal auf morgen verschoben. Die Kampagne Free Razan ruft zu ihrer Freilassung auf.


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Ob Ägypten oder Pakistan, Frauen kämpfen für ihre Rechte

23. November 2011 von Helga

Am Dienstag hat in Tunesien die neu gewählte Nationalversammlung ihre Arbeit aufgenommen. Nachdem die islamische Partei Ennahda stärkste Kraft geworden ist, fragen sich viele Frauen, wie es um ihre Rechte in Zukunft bestellt sein könnte. Die New York Times sieht „gemischte Zeichen“, dieStandard.at zeigt sich optimistischer, da die tunesische Frauenbewegung gut organisiert sei.

Nach den jüngsten Protesten gegen das Militärregime, sieht es im benachbarten Ägypten wieder düsterer aus. Unter dem Hashtag #egywomen organisieren sich Ägypterinnen zu Frauenblöcken und menschlichen Schutzschilden auf dem Tahrir­platz, Videos (Triggerwarnung) und Fotos demonstrieren die Gewalt, die derzeit herrscht.

Eine Gruppe ägyptischer Frauen, die ein Plakat hochhalten. Auf arabisch steht: Wir werden Tantawi eine neue Revolution zeigen.

Egywomen mit Schild: Wir werden Tantawi (Vorsitzender der herrschenden Militärrats) eine neue Revolution zeigen. Foto via Twitpic

Vor allem im Westen löste dagegen das Nacktbild der Bloggerin Aliaa Elmahdy Aufregung aus. 40 israelische Frauen zogen sich aus Protest mit aus, allerdings nicht ganz. Selbst die BILD berichtet über Elmahdy – ihr Fall ist inzwischen vor allem ein Lehrstück für die Unfreiheit der Körper westlicher Frauen, wie der Stern zutreffend erläutert. Mit einer anderen ägyptischen Aktivistin hat dieStandard.at gesprochen: Heba Habib ist eine der Gründerinnen von harassmap.org, einem Webprojekt das sexuelle Belästigung sichtbar macht.

Auch im Jemen gibt es weiter Proteste gegen Diktator Saleh. Zuletzt wurde wieder einmal die Gewalt gegen Frauen und Kinder angeprangert, so Bikya Masr. Außerdem solle die Mitgliedschaft des Jemen in der Arabischen Liga eingefroren werden, wie es gerade mit Syrien gemacht wurde.

Ganz anders sieht die Situation der Frauen in Malaysia aus. Dort gibt es inzwischen mehr Studentinnen als Studenten der Islamischen Studien. Mit Zaleha Kamaruddin steht seit kurzem erstmals eine Frau an der Spitze einer islamischen Universität und auch im Fernsehen ist der Trend angekommen. Gleich zwei Sendungen suchen die „muslimische Superpriesterin“ und spiegeln damit auch die immer stärkere Rolle von Frauen im öffentlichen Leben wieder, so die New York Times.

Zum Schluss noch eine direkt skurrile Nachricht: Enthalten SMS Schimpfwörter, sollen sie in Pakistan künftig blockiert werden, aber auch Wörter wie „Periode“, „Vagina“ und „Kondom“, berichtet heise. Ein Ende der Obsession mit weiblichen Körpern fordert daher Kolumnistin Urooj Zia in Pakistan Today. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, scheint die Liste ursprünglich aus den USA zu stammen. Genauer gesagt handelt es sich weitestgehend um ein Plagiat der „1.159 Naughty Words“ (Unanständigen Wörtern) der Football-Liga NFL. Ob die Liste deswegen noch einmal überarbeitet werden soll?


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Facebook löscht gewaltverherrlichende Seiten

9. November 2011 von Magda

Seit einigen Monaten ist facebook stark in feministische Kritik geraten, weil sich das soziale Netz­werk weigert(e), Seiten zu löschen, die Ver­ge­waltigungen oder Ge­walt (gegen Frauen) ver­harmlosen oder gar dazu animieren. Bereits im August schrieb ich über eine englisch­sprachige facebook-Seite, die über­setzt so viel heißt wie “Du weißt, dass sie sich ziert, wenn du ihr bis in die Gasse hinter­herjagen musst”, die nun – endlich! – nicht mehr er­reichbar ist.

Eine Petition auf change.org, zahlreiche Blogposts und ein wahrer feministischer Shitstorm* auf dem sozialen Netzwerk twitter, in dem angemeldete Twitter-User_innen @facebook direkt mit dem hashtag #notfunnyfacebook anschrieben und mitteilten, dass sie die gewalt­ver­herr­lichenden Seiten nicht lustig (“not funny”) finden, bewirkten letzt­endlich, dass facebook einige der widerlichen Seiten löschte, z.B. auch folgende: What’s 10 inches and gets girls to have sex with me? My knife (zu deutsch: “Was ist 30cm lang und bringt Mädels dazu, mit mir zu schlafen? Mein Messer”). Auf zdnet.com finden sich noch weitere ekel­hafte Bei­spiele von Seiten, die nun endlich ent­fernt wurden. MsMagazine mahnt allerdings an, dass facebook bis heute noch kein offizielles Statement ver­lauten ließ und hat eine Liste an For­derungen an facebook auf­geschrieben.

Noch immer sind zahlreiche gewalt­ver­herr­lichende Seiten auf facebook für alle an­gemeldeten Nutzer_innen zu­gänglich, so wie auch diese englischsprachige Seite. Solch einen menschenverachtenden Mist könnt ihr aber melden, in dem ihr auf die Seite klickt, runterscrollt und links auf “Seite melden” bzw. “Report Page” klickt. So könnt ihr facebook mitteilen, dass die Seite gegen ihre eigenen (!) Richt­linien verstößt (z.B.: Abschnitt 3: Sicher­heits­punkt 7).

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* Was ein feministischer Shitstorm ist, hatte Helga Hansen mit Kathrin Ganz auf der dies­jährigen re:publica erklärt.


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Solidarität, aber bitte ohne Sexismus – ein paar Gedanken zur Occupy-Bewegung

2. November 2011 von Magda

Ich muss ja gestehen, dass mein Herz ein wenig aufging, als die Occupy Wall Street Proteste in den USA los­gingen. Ich schaute mir herz­zerreißende Videos an, die Massen an Menschen zeigten, die in einem gemeinsamen Protest die unterschiedlichsten gesell­schaft­lichen Miss­stände an­prangerten: Die Hin­richtung von Troy Davis, die exemplarisch für das rassistische Justiz­systems der USA steht; die Kriege, in denen die USA ver­strickt sind; eine banken- und wirtschafts­freundliche Politik; ein Kapitalismus, der nie allen Menschen nützen kann; die Polizei­gewalt gegen die Demonstrierenden etc. Die simple Bot­schaft: “Wir sind die 99% und nehmen die ‘Gier’ der 1% nicht mehr hin”. Nun ja, extrem ver­kürzt und populistisch, aber: eine Bot­schaft muss einfach ver­daulich sein, höre ich ja immer wieder.

Doch als ich mich durch die Solidaritäts­bekundungen der Demonstrierenden klickte, die in Video- oder Fotoform durch das Internet schwirren, kamen die ersten Zweifel auf: Wer ist das eigentlich genau, diese 99%? Was fordern sie denn? In Hin­blick auf die deutsche Occupy Wallstreet Bewegung fasst Nadia mein ungutes Gefühl auf Philibuster zusammen:

“Mir persönlich fehlt der Inhalt, die Positionierung, der theoretische oder zumindest der intellektuelle Überbau”.

Auch auf Stop! Talking gibt es einen sehr lesens­werten (englischen) Artikel, der mein Unbehagen gut zusammen­fasst. Darin beschreibt accalmie die möglichen Probleme, die auf­treten können, wenn eine Bewegung so “offen” und ver­meintlich inklusiv organisiert ist, wie dies bei Occupy-deine-Stadt der Fall ist: Wenn alle an­gesprochen werden sollen und der einzige gemeinsame Nenner die Wut auf die “1%” sein soll, klingt das selbstverständlich wie ein Protest für alle. In der Theorie ist das toll, aber für die Praxis heisst das: Dann müssen auch gewisse Standards (z.B. ein anti-sexistischer Anspruch) verankert sein, um gesamt­gesellschaft­lichen sexistischen Tendenzen ent­gegen­zu­wirken.

Interessiert, was die deutsche Occupy-Bewegung so macht, klickte ich mich also durch die Occupy-Germany Seite und fand auch flugs den Hinweis, dass es “keine Hierarchien” in der Bewegung gäbe. Meine Alarm­glocken glühten dunkelrot, denn eine Bewegung, die gesell­schaftliche Miss­stände anprangert und von nicht-existenten Hierarchien schwafelt, offenbart leider, dass sie keine gesell­schaftliche Analyse hat. Ich kenne keine Gruppe, keine Vereinigung, keine Bewegung, die frei von Hierarchien ist, denn diese sind gesell­schaftlich verankert, formen unser Handeln, bestimmen unsere Sprech­position. Auch bekleckert sich die Occupy-Bewegung nicht mit Ruhm, wenn sie eigentlich nur die männliche Form kennt, Frauen aber auf einmal doch auf­tauchen:

“Wir sind Wissenschaftler, Politiker, Studenten, Schüler und Haus­frauen.”

Puh. Als Feministin schlackern mir da gewaltig die Ohren. Die Haus­frau am Ende der Auf­zählung zeigt erst, wie wenig das Paradigma “In der männlichen Form sind doch alle mitgemeint!” zutrifft. Und bevor ich jetzt die ersten “Spalterinnen!”-Rufe höre von Menschen, die genervt davon sind, dass Feminist_innen linke Bewegungen auf ihr feministisches Potential abklopfen, stelle ich mal die rhetorische Frage: Sollten feministische Ziele nicht selbst­verständlich Teil linker Kämpfe sein?

(weiterlesen …)


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Kackscheiße des Monats: das N.-Wort auf dem Slutwalk

11. Oktober 2011 von Magda

In diesem Sommer bestimmten die SlutWalks die feministische Berichterstattung – vorbei sind sie noch nicht, denn die nächsten Demonstrationen stehen in Bielefeld, Leipzig und Münster, sowie in Wien (Österreich) an. Dass feministische For­derungen wieder massen­medial rezipiert werden und tausende von solidarischen Menschen in zahl­reichen Städten weltweit auf die Straße gehen, lässt zahlreiche feministische Herzen höher schlagen. Eine Mischung aus einer Sehnsucht nach feministischer Sichtbarkeit, erstarktem Selbst­bewusstsein und einer gehörigen Portion Wut schwappte durch das Internet bis auf die Straße, begleitet von konstruktiver, aber auch ver­­nichtender Kritik.

Auf US-amerikanischer Seite war einer der größten Kritik­punkte das unmarkierte Weißsein der Bewegung und die teils unkritische Verwendung des Wortes “Slut” (wir berichteten, aktuellster Debattenbeitrag: “Open Letter from Black Women to the SlutWalk“). Auch in Deutschland kritisierten Aktivist_innen von LesMigraS und Hydra die hiesigen SlutWalks und forderten eine komplexere Aus­einandersetzung mit Mehrfach­diskriminierungen und dem unkritischen Aneigungs­gedanken des Begriffs, sowie einen selbst­kritischen Umgang mit den inhärenten klassistischen und rassistischen Ausschluss­mechanismen der Bewegung.

Mitten in die anhaltenden Debatten zu (An-)Sprache und Ausschlüssen der SlutWalk Bewegung tauchte letzte Woche folgendes Bild einer Demonstrantin beim SlutWalk in New York City auf:

Triggerwarnung: Rassistische Sprache nach dem Klick (weiterlesen …)


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Feminismus mit oder ohne Männer? Falsche Frage!

6. Oktober 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 18 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Ich wohnte neulich als Diskussionsteilnehmerin einer Veranstaltung bei, auf der unter anderem die Frage vor feministischem Publikum erörtert wurde, ob sich Feminismus mit Männern organisieren bzw. solidarisieren solle. Eine ziemlich alte Streitfrage, an der sich auch heutzutage die feministischen Geister scheiden. Je nach feministischer Politik wird sie sich mit guten Argumenten anders beantworten lassen. Ob Männer feministisch aktiv sein sollen, steht dabei nicht zur Debatte. Richtig so, denn der Kampf gegen (Hetero)Sexismus, Trans*phobie, Rassismus und andere Herrschaftsverhältnisse ist einer, der alle angeht, auch wenn Menschen unterschiedlich von unterdrückerischen Strukturen betroffen sind.

Vielmehr ging es während der Veranstaltung darum, Erfahrungen über feministischen Aktivismus, seine Organisierung und die Arbeit einzelner Gruppen auszutauschen. Dabei gilt es zunächst zu unterscheiden, von welcher Position diese Frage gestellt wird. Während der Slutwalks war von Journalist_innen öfter die gleiche Frage zu hören. Die Implikation ist relativ eindeutig: Antifeministische Klischees der “männerhassenden Emanzen” sollen bitte nicht gefüttert werden. Feminismus heute muss sexy sein und männerfreundlich (was viele wohl unter “modern” verstehen). Aber warum eigentlich?

Spannend an dieser Fragestellung, die der zuweilen antifeministische oder feministisch uninformierte Mainstream an Feminist_innen richtet, ist das zu Grunde liegende männerzentrierte (und gleichermaßen heteronormative) Denken. Die Gunst der Männer als Norm, an der sich der Erfolgsgrad feministischer Bewegungen messen ließe?! Mal abgesehen davon, dass Feminismus noch immer mit Politik von Frauen für Frauen gleichgesetzt wird, verwundert es angesichts fortwährender feministischer Kämpfe, warum gerade die Männerfrage immer wieder in den Mittelpunkt gerückt wird. Als ob es im Feminismus nichts Wichtigeres gäbe, als die Befindlichkeiten einer dominanten Gruppe zu berücksichtigen.

In feministischen Kontexten diskutiert es sich da schon auf ganz anderem Niveau. Hier geht es darum, Frauen/Lesben/Trans*-Schutzräume (FLT*) neben offenen Gruppen zu etablieren, Netzwerke auf- bzw. auszubauen, auf bestehende (autonome) Strukturen zurückzugreifen und diese womöglich von innen heraus zu verändern, um feministischen Aktivismus auf breitere Füße zu stellen. Dennoch machte es auf der Veranstaltung den Eindruck, als sei es “cooler” in männeroffenen Gruppen zu arbeiten, als seien Schutzräume für FLT* überkommen, unnötig und teilweise einer breiten Solidarität sogar hinderlich.

Nach einigem Überlegen kam ich zu dem Schluss, dass es reichlich zynisch ist, darüber zu diskutieren, ob Männer mitmachen sollen/dürfen, solange feministischer Aktivismus nach wie vor anderen marginalisierten Gruppen den Zugang verwehrt oder die eigene homogene Zusammensetzung nicht mal bemerkt. Zumal es sich in einer männeroffenen Gruppe als Feminist_in auch nicht immer leicht arbeitet, wie feministische Aktivist_innen aus Wien vor kurzem mit scharfen Worten anprangerten.

Sollte nicht vielmehr darüber diskutiert werden, wie Feminismus möglichst inklusiv gestaltet werden kann unter besonderer Berücksichtigung der Repräsentation verschiedenster Gruppen und entgegen etablierter Machtstrukturen? Dann ließe sich nämlich sehr leicht feststellen, dass die Männerfrage nach wie vor unter weißen, heterosexuellen, cis- (und anderen normgerechten) Maßstäben besprochen wird und es nicht um die Bekämpfung der mitunter eigenen Dominanzkultur geht. Die Männerfrage positiv zu beantworten, bedeutet für Feminismus also nicht, per se selbstkritisch zu sein, sondern sich (auch) unter mehrheitsgesellschaftliche Erwartungen zu assimilieren.


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Volles Staatsbürgerrecht für saudische Frauen

5. Oktober 2011 von Nadia

In einem Video fordern Aktivistinnen das volle Staatsbürgerrecht für saudische Frauen. Unter anderem wird die formelle Anerkennung aller Bürgerrechte innerhalb des Landes – ergo: alle bürgerlichen, politischen, sozialen und juristischen Pflichten und Rechte, die auch Männern zugestanden werden – gefordert. Außerdem wird für die Einrichtung einer offiziellen Institution plädiert, die die Entwicklung, Umsetzung und Sicherung der Frauenrechte im Land beaufsichtigt und fördert.

Darüber hinaus geht es in dem Clip im Detail um die folgenden fünf Punkte:

1. Frauen sollen als eigenständige Person vor dem Gesetz und somit vor der Gesellschaft anerkennt werden – und zwar mit denselben Rechten wie alle männlichen Mitbürger gleichen Alters. Dazu zählt beispielsweise Unterschriftenrecht sowie das Recht, sich in juristischen, ökonomischen sowie sozialen Angelegenheiten selbständig zu vertreten.

2. Die Implementierung eines Familienrechts, das u.a. die Formalitäten einer Scheidung regelt. Sämtliche Fragen des Unterhalts, des Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrechts sowie des Kontaktes zu den geschiedenen Elternteilen sollten gesetzlich zu regeln sein. Das Gesetz soll Strafen für häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch und Belästigung im Allgemeinen vorsehen.

3. Die Öffnung des Arbeitsmarktes sowie die gesetzlich geregelte Hilfe durch Sozialleistungen, Aus- und Fortbildung – und zwar auch für geschiedene Frauen, Witwen, sozial Benachteiligte und körperlich eingeschränkte Menschen. Zudem wird die Entwicklung von öffentlichem Nahverkehr und staatlichen Kindertagesstätten gefordert.

4. Einführung einer Frauenquote in sämtlichen Gremien und Beiräten sowie dem Shura-Rat, um die Interessenvertretung sowie die Umsetzung der Frauenrechte zu fördern und den Status als vollwertige Staatsbürger zu untermauern.

5. Die Möglichkeit, die Nationalität an Ehepartner und Kinder weiterzugeben.

Vielen Dank an Rasha, die uns auf das Video aufmerksam machte und in ihrem Blog den Clip übersetzte. Über das Frauenwahlrecht in Saudi-Arabien hatten wir bereits letzte Woche berichtet.

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Slutwalks gehen weiter: In Bielefeld, Leipzig und Münster

26. September 2011 von Magda

Gerade erholt von den ersten SlutWalks im August geht es im Oktober endlich weiter, und zwar am 15. Oktober in Bielefeld und Leipzig und am 29. Oktober in Münster:

  • SlutWalk Bielefeld: BlogFacebook und E-Mail: slutwalkbielefeld[at]yahoo.de
  • SlutWalk Leipzig: BlogFacebook und E-Mail: slutwalkleipzig[at]web.de
  • SlutWalk Münster: Blog und Facebook


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