Einträge mit dem Tag ‘Aktivismus’


Cry Me A River und gebt euch halt mehr Mühe

21. Mai 2015 von Hengameh

Vor ein paar Wochen besuchte ich eine Podiumsdiskussion im Hebbel am Ufer, in dem es um Privilegien ging – um männliche, heterosexuelle und weiße. Wo machen sich diese Privilegien deutlich und wie können sie abgegeben werden? Viel Spannendes kam dabei nicht herum, aber eine Passage hat sich bei mir eingebrannt. Es war ein Abschnitt, der viele mehrheitlich weiße feministische Debatten zusammenfasst. Thema war die Angst vor Fehlern: Wer sich in politischen Kontexten bewegt, weiß um das Risiko, dass mal etwas eskalieren, als problematisch eingelesen und mit einem starken Shitstorm quittiert werden kann. Dieses Gefühl kenne ich zu gut. Besonders, wenn eins den Anspruch hat, mit der eigenen Arbeit Leute aus ihrer Comfort-Zone rauszuschubsen und den flauschigen Bereich liberaler Popular Opinions zu verlassen, ist die Angriffsfläche groß.

“Du kannst eh nicht immer alles richtig machen”, behauptet gefühlt die ganze Welt, faktisch vor allem weiße Personen. Auch an diesem Abend sollte es so sein. Podiumsgast und Performerin Simone Dede Ayivi brachte dazu einen sehr wichtigen Punkt ein. Sie gestand, dass sie für sich selbst tatsächlich den Anspruch hat, stets alles richtig zu machen. Natürlich gelingt es nicht immer, aber, so sagte sie, wenn die eigene Herangehensweise frei nach dem Motto “zufrieden werden eh nicht alle sein”/”Fehler kommen so oder so vor” ist, dann ist es klar, dass irgendwas verkackt wird/problematisch ist.

Für mich war dies ein sehr wichtiger Moment in meiner aktivistischen Arbeit. Ich wusste, dass ich nicht immer alles richtig machen kann, ich wusste aber auch, dass ich mit einer ausschließenden, problematischen Praxis nicht zufrieden bin. Und wenn ich nicht einmal den Anspruch habe, keine Fehler zu machen und selbstkritisch zu sein, ist es klar, dass das Ergebnis scheiße wird.

Insbesondere, wenn es um subversiven Aktivismus geht, wünsche ich mir ein kritischeres Denkvermögen. Ja, politisches Handeln darf auch weh tun – aber wem? Denen, die von bestehenden Machtstrukturen profitieren oder jenen, die von ihnen unterdrückt werden? Und wer klopft sich schon bei 40% des möglichen Rahmens auf die Schulter und sagt sich “das reicht schon so, sind eh nicht immer alle zufrieden”? Meiner Erfahrung nach häufig weiße Feminist_innen. Mir missfiel schon letztes Jahr auf der re:publica, wie eine weiße Feministin aus sehr privilegierter Perspektive zum “Feminist Burn-Out” sprach und sich die Thematik stark aneignete. Ja, aktivistische Arbeit raubt viele Ressourcen. Aber am wenigsten von einfach betroffenen Personen wie ihr. Häufig sind es nämlich Schwarze Feminist_innen_Feminist_innen of Color, die sich in Richtung eines “Feminist Burn-Outs” hinbewegen. Zum Beispiel, weil sie nicht nur das rassistische Cis-Hetero-Patriarchat bekämpfen müssen, sondern drölftausend weiße_cis_heter@ Feminist_innen aufklären müssen. Wahrscheinlich mit einigen Spezis unter ihnen, die sich auch mal wieder dachten, der Mut zur Lücke müsse sein. Da finde ich es unerträglich, diese Endlosschleife des privilegierten “Mimimimi alle hacken auf mir rum, wenn ich mal was falsch mache”(lies: “Bei Rassismus oder anderen Diskriminierungen, von denen ich nicht betroffen bin und die ich selbst reproduziere, wird mal kein Auge zugedrückt”)-Gejammers zu hören oder zu lesen. Natürlich kommen Fehler mal vor, aber Personen können sich auch Mühe geben, nicht den gleichen Fehler trotz Kritik siebzehn Mal hintereinander zu machen.

Selbstkritik soll natürlich nicht zermürben, aber herrschaftskritische Praxis ist nun mal keine unbeschwerte Leichtigkeit, die keck und frech über die Bühne gebracht werden kann. Siehe FEMEN. Siehe Pinkstinks. Siehe Lily Allen. Siehe, siehe, siehe. So please, dear white feminists, get your shit together!


Facebook | |


IDAHOT* – Sollten homosexuelle und transgender Personen getrennt kämpfen?

15. Mai 2015 von Jayrôme

—- English version below —

 

PRO UND KONTRA, DAS  ‘T’  AUS  ‘LSBT’  ZU ENTFERNEN

Sollten homosexuelle und transgender Personen getrennt kämpfen?

Der 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie (IDAHOT*). Das Datum erinnert an den 17. Mai 1990, jenen Tag an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus ihrem Krankheiten-Katalog strich. Bis heute aber führt die WHO transgender Identitäten als Störung auf.

Nicht nur aus diesem Grund plädieren einige transgender Aktivist_innen für eine Trennung von lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen auf der einen Seite und transgender Menschen auf der anderen. Sie möchten den Kampf lieber getrennt weiterführen.

Wir haben den Eindruck, dass die Inklusion des ‘T’s in den LSBT-Überbegriff im besten Fall verwirrend, im schlimmsten Fall nicht sehr hilfreich bei der Suche nach wirklicher Gleichberechtigung für transgender Personen ist.

sagt Frances Shiels, Vorsitzende des nordirischen transgender Vereins Focus: The Identity Trust. Und auch transgender Autor Lee Hurley erklärt, warum es Zeit ist, dass ‘T’ aus LSBT zu entfernen.

Maria Sundin, die von 2010 bis 2013 Mitglied des geschäftsführenden Vorstands von Transgender Europe (TGEU) war, widerspricht:

Nicht getrennt von einander zu arbeiten, offen zu sein für alle Formen von trans und nicht-konforme Geschlechter-Identitäten und außerdem von der LGBTQI-Familie unterstützt werden – das war auschlaggebend für unseren Erfolg.

In diesem Text werde ich das Pro und Kontra, also die gängigen Argumente, die für oder gegen Transgender-Separatismus sprechen, auflisten.

(mehr …)


Facebook | |


Gleichstellungolympiade

6. Mai 2015 von Hannah C.

“Hallo.
Ich bin Hannah, 16 Jahre alt und ich würd gern hier mitspielen…”
Seit 3 Tagen schreibe ich mal wieder in alle möglichen Richtungen Bewerbungen oder Vorstellungsschreiben. Mal hier ein Wettbewerb, mal da eine Veranstaltung. Die Antwortquote liegt bei unter 10%  – die positiven Rückmeldungen gibt es in etwa 1%  der Antworten.

Mein Bemühen um dieses ominöse “Weiterkommen im Leben™” ist olympionikisch – olympiardisch? –ohh Lymp…hozyten dieser Welt vereinigt euch, mich Fremdkörper in dieser Welt, aufzuessen! – äh ja – Faden? Ach ja: Bewerbungen und Selbstdarstellung. Schon wieder voll verkackt – wie kann ein Kopf allein nur solche Sprünge haben machen?

Wie ich hier so sitze, in meinem Destroy Fascism – T-Shirt ohne Kragen, neben dem Bett mit beulig durchgelegener Matratze vor einem Fenster, das auf ein Dach zeigt, komme ich mir vor, wie jemand, der allen Grund hat, sinnlose Selbstdarstellungstexte mit Wertlack anzusprühen und davon zu träumen, wie das wohl wäre… 2000€ für diesen Preis – zack! alle Schulden weg. 10.000€ für jenen Preis – zack! Sektchen mit Kolleg_innen und jede Menge Ausbaumöglichkeiten, die ganz ganz ganz nah rücken, greif und nutzbar werden. Lobbyarbeit galore – eine Stimme für alle – hörbar werden, angehört werden, weil man plötzlich ein bisschen mehr ist wie die, die schon weiter gekommen sind. Boooyah!

Die meiste Zeit über motiviere ich mich zum Hoffen und merke mit jedem Mal mehr, wie viel Druck hinter Hoffnung ist. Es ist ein Privileg einfach immer das Beste hoffen zu können. Es ist eines dieser Privilegien, das einem anderen Privileg folgt: nämlich dem, Zweifel an die Seite von einem Order: “Guck, was schon alles geklappt hat” stellen zu können. Und das bedeutet wiederum, dass man es schon x-fach geschafft haben muss.
In aller Regel meint das: dass man schon weitergekommen sein muss im Leben ™.

Eigentlich weiß ich nicht mehr, wieso ich mich noch bewerbe. In den letzten Jahren tue ich es eigentlich nur noch, damit ich mein Schreiben über Hartz 4 – Realitäten und meinen eigenen Inklusionsaktivismus vor mir selbst rechtfertigen kann. Ich muss es bereits überall um mich herum verteidigen bzw. mindestens erklären– logisch muss ich es auch vor mir selbst.
Einfach loslegen – einfach machen und nicht drauf achten, was andere sagen, meinen, tun – das ist ein Privileg, derer, die andere Menschen nicht brauchen bzw. in Arten der Abhängigkeit sind, die dieses Handeln nicht bedroht. Einfach das Beste hoffen, ist das Privileg derer, die keine alles andere verzehrende Kraft aufwenden müssen, um ein Bestes zu tun.

“Hannah, wir haben 2015 – du bist nicht mehr 16. Änder das mal!”, rempelt mich etwas von innen an.
Ich drücke lange auf die Löschtaste. Und noch länger. Und noch eine ganze Weile.

Ich öffne meine Emails und lese, dass heute, der 5. Mai, der europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen ist.
Bei Twitter trendet die Re:publica.
Meinen Vortrag zur Inklusion und Selbstbestimmung von Personen, die zu Opfern von Gewalt wurden, wurde als irrelevant abgelehnt.

Draußen scheint die Sonne.
“Hei. Ich tue so, als wäre ich Hannah und an manchen Tagen weiß ich nicht, wo ich eigentlich die Kraft hernehme, noch auf irgendetwas zu hoffen.”, tippen meine Finger in die Open Office Textvorlage “Bewerbungsanschreiben” von 2008.
Man muss ja schließlich weiterkommen.
In diesem Leben™.


Facebook | |


Über das Gucken und Sehen: Schwarze Frauen in Deutschland an_erkennen

4. Mai 2015 von Sharon

[Die englische Fassung des Texts findet sich weiter unten.]

Gestern wäre der 55. Geburtstag von May Ayim gewesen. Anlässlich des Tages wurde der 2. May Ayim Tag am May-Ayim-Ufer gefeiert. In Rahmen dessen wurde die Ausstellung “Daima” eröffnet. Dazu habe ich einen Text vorgelesen, der hier veröffentlicht wird.

Was passiert, wenn du guckst?

Wahrscheinlich guckst du manchmal ganz unschuldig, überrascht oder aus Interesse. Manchmal wirst du einen fragenden Blick haben – vielleicht um ein Vorurteil, welches du bereits hast, zu bestätigen oder infrage zu stellen. Manchmal guckst du wohl aus Angst oder sogar Abscheu. Was passiert dann?

Meistens wenn Mitglieder einer mächtigen Gesellschaftsgruppe gucken, dann etablieren oder bestätigen sie eine bestimmte Perspektive auf etwas. Der Akt des Guckens erschafft (wieder) ein Objekt, welches angeguckt oder untersucht wird. Wenn viele Menschen auf die gleiche Sache gucken wird eine dominante Ansicht gebildet. Diese dominante Ansicht wird über viele Wege kommuniziert. Wenn ich hier also über „gucken“ schreibe, dann meine ich nicht nur den spezifischen physischen Akt, sondern jegliche Aktivität die eine Perspektive auf ein Objekt etabliert. Insgesamt erzählen die Blicke von Mitgliedern einer mächtigen Gesellschaftsgruppe eigensinnige Geschichten über ein Objekt. Mit der Zeit besitzen diese Geschichten eine größere Autorität, als was das Objekt jemals könnte. Jedoch ist die Information, die das „Gucken“ bietet, unvollständig, da die Kommunikation nur in eine Richtung geht. Gucken ist nicht das Gleiche wie Sehen. In einem Kontext, in dem der weiße männliche Blick dominiert, wurden Schwarze Frauen immer angeguckt aber selten gesehen.

In Deutschland ist die Situation nicht anders. Obwohl Schwarze Menschen seit gut über 300 Jahren in dieser Region leben, haben die meisten weißen Deutschen erstaunlich wenig Wissen über die Anwesenheit und den Einfluss Schwarzer Menschen in diesem Land. Und selbst in Schwarzen Communities in Deutschland sind die bekanntesten Beispiele für Schwarze deutsche Selbstbestimmung und Widerstand gegen Rassismus vor den Mit-1980ern üblicherweise männlich: Zum Beispiel Anton Wilhelm Amo, ein Schwarzer Mann, der 1736 der erste Professor afrikanischer Herkunft wurde, der an einer deutschen Universität studierte und arbeitete. Und Rudolf Duala Manga Bell, ein in Kamerun geborener König und Aktivist, der sich in seinem Heimatland Anfang des 20. Jahrhunderts der deutschen Kolonialherrschaft widersetzte und darum 1914 wegen Hochverrats hingerichtet wurde.
Ähnlicher Weise sind Simone de Beauvoir und Clara Zetkin innerhalb der deutschen feministischen Bewegung und zum Teil auch in der deutschen Mehrheitsgesellschaft bekannte und respektierte Persönlichkeiten. Beide Frauen sind weiß. Jedoch verdienen Schwarze Frauen wie Emily Duala Manga Bell, eine anti-koloniale Aktivistin, die ihren (oben genannten) Ehemann überlebte oder Fasia Jansen, eine Friedensaktivistin und Überlebende des Neuengamme Konzentrationslagers, ebenfalls Ansehen und Anerkennung für ihre jeweiligen Beiträge zur anti-rassistischen Bewegung und Frauenbewegung in Deutschland.
Der deutsche Kontext ist einer, in welchem historisch die Existenz Schwarzer Deutscher rechtlich verleugnet wurde und selbst heute gibt es keine rechtlichen Möglichkeiten sie statistisch zu erfassen; ein Kontext, in dem zahllose Schwarze Kinder mit ausschließlich negativen Begriffen zur Selbstbeschreibung aufwuchsen; einer, in dem viele genau dieser Kinder aufgrund von rassistischen Nazi-Gesetzen zur „Rassenmischung“ sterilisiert wurden; und einer, wo Schwarze Individuen oftmals ihr ganzes Leben verbrachten ohne andere Menschen zu kennen, die so aussahen wie sie selbst. In diesem Kontext, wo die kulturelle Repräsentation von weißen und männlichen Idealen dominiert wird, und wo kritische Positionen dagegen entweder Schwarz männlich oder weiß weiblich waren, sehen sich Schwarze deutsche Lesben_Frauen vielfachen Hürden gegenüber. Es war in diesem Kontext, dass Audre Lorde, eine afro-amerikanische Lesbe, Feministin, Dichterin, Aktivistin, Wissenschaftlerin und Mutter, erstmals Berlin im Jahr 1984 besuchte, um an der Freien Universität zu unterrichten und Verbindungen zu jungen Schwarzen Frauen, die hier lebten, aufzubauen.

(mehr …)


Facebook | |


Expert_innen, Nicht_Bezahlungs-Politiken und Ängste – Die Blogschau

2. Mai 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 274 von 275 der Serie Die Blogschau

Malifuror widmet sich der Schein-Dichotomie zwischen den Begriffen „Betroffene“, „Aktivist_in“, und „Expert_in“ und fragt, wem wann wie Wissen zu- oder abgesprochen wird.

Es erschien die neuste Folge von LESgenden. Dieses Mal wird die Musikerin, Produzentin und Aktivistin Ipek Ipekçioğlu vorgestellt.

“Wir bezahlen nichts und zwar kein_en” – Das Blog in_frage_stellen: musik widmet sich den Nicht_Bezahlungs-Politiken in vor allem linken und/ oder queer_feministischen Räumen und fragt danach, welche Auswirkungen es hat, wenn immer erwartet wird, dass beispielsweise Musiker_innen umsonst “für die Sache ™” auftreten.

Schwarz Rund schreibt über die Herzschlag-Differenz zwischen Schwarz und weiss, gerade in weiß-dominierten Räumen wie der Universität.

Ängste sind nicht nur etwas rein individuelles, nein, “Ängste sind politisch” heißt es bei Respect My Fist.

InFatStyle stellt das Buch “Sahneschnittchen” vor, in welchem es Schnittmustern von Größe 46 – 56 zum Nachnähen gibt.

Und zum Schluss: Vom 04. bis 06. Juni wird das LADY*FEST Heidelberg stattfinden, welches noch mit Spenden unterstützt werden kann.


Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


Facebook | |


Verarmungsmaschine Hartz IV, Hologramm-Proteste und Hillary Clinton – kurz verlinkt

15. April 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 275 von 278 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Eine neue Ausgabe der an.schläge ist erschienen. Im Mittelpunkt steht diesmal “Zehn Jahre Hart IV“. Online könnt ihr bereits das Interview “Verarmungsmaschine Hart IV” mit der Politikwissenschaftlerin Karin Lenhart lesen.

Für 2014 zählte die Polizei 162 rechts motivierte Angriffe auf Unterkünfte für Geflüchtete, fast dreimal so viele wie 2013, berichtet die tagesschau. Und 2015 wird offensichtlich nicht besser: Allein gestern schrieb die ZEIT über (bisher noch ungeklärte) Feuer in Berlin und Hamburg und die Frankfurter Rundschau schreibt über Ermittlungen nach Schüssen auf ein Geflüchteten-Unterkunft in Hofheim.

In Spanien gibt es seit Ostern hohe Geldstrafen für Proteste vor dem Regierungsgebäude, Twittern von unangemeldeten Demos und dem Fotografieren von Polizist_innen im Einsatz. Dagegen richtete sich in Madrid eine Demonstration – die aus Hologrammen bestand!

Geld von euch möchte das Missy Magazine, wofür verraten die Macher_innen bei startnext.

englischsprachige Links

Letzte Woche verwiesen wir auf einen Bericht über fünf chinesische Aktivist_innen, die festgenommen worden waren. Nun sind die “Bejing Five” nicht mehr im Gefängnis, sondern ‘frei’ unter “conditional release”. Das berichtet The Mary Sue.

Ein Webcomic zu queeren 50er-Jahre Girl-Gangs? Ja, genau! Autostraddle stellt Rock and Riot vor.

Hillary Clinton hat diese Woche verkündet wieder für das Amt der_des US-Präsident_in kandidieren zu wollen. Feministing hat erste Reaktionen zusammengetragen. Racism Review schreibt: “Hillary Clinton: Good for White Feminism, Bad for Racial Justice“.

Termine in Berlin, Bochum, Eberswalde und Kiel:

(mehr …)


Facebook | |


Unterstützung für das TRANS*FESTIVAL in Krakau

13. April 2015 von Charlott

Vom 28. bis 31. Mai findet in Krakau das Trans*Festival statt. Im Rahmen von diesem werden eine Reihe von Foto-Ausstellungen präsentiert, Diskussionsrunden organisiert, Workshops gegegeben und Filme gezeigt (u.a. die Dokumentation Trans-akcja über die polnische Politikerin Anna Grodzka, mit der wir hier im Februar ein Interview veröffentlichten).

Bei Indiegogo läuft nun noch bis zum 29. April eine Crowdfunding-Aktion, wo ihr das Festival unterstützen könnt und dafür sogar noch Dinge wie das extra für das Festival erstelle trans*ZINE erhaltet. Das Geld wird vor allem für die Unterstützung bei Reisekosten und dem Transport einer weiteren Ausstellung benötigt.


Facebook | |


It’s my party and I cry if I want to – Zum Tod von Lesley Gore

17. Februar 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 45 von 47 der Serie Wer war eigentlich …

Gestern verstarb die Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin und Aktivistin Lesley Gore im Alter von 68 Jahren an Krebs. Dies teilte ihre Partnerin Lois Gatton mit: “Sie war ein wunderbarer Mensch – fürsorglich, großherzig, eine großartige Feministin, eine großartige Frau, ein großartiger Mensch, eine großartige Philanthropin.”

Mit 16 Jahren nahm Gore Gesangsunterricht in New York. Tapes, die sie aufnahm, gelangten zum Produzenten Quincy Jones und er wollte mit ihr arbeiten. Gleich ihre erste Single “It’s my Party (And I’ll Cry If I Want To)” (1963) wurde zum Nummer-1-Hit in den USA. Trotz des großen Erfolgs besuchte Gore weiter die Highschool – und vor ihrem Wohnhaus campten Fans. Einen weiteren Hit (und ihre letzte Top-10-Single) landete sie mit “You Don’t Own Me”, der 1996 als Abschlussong im Film The First Wives Club (Der Club der Teufelinnen) gesungen von Diane Keaton, Bette Midler and Goldie Hawn, noch einmal groß an Beliebtheit gewann. Über den Song, der ihr persönlicher Liebling war, sagte Gore selbst:

When I first heard that song at the age of 16 or 17, feminism wasn’t quite a going proposition yet. Some people talked about it, but it wasn’t in any kind of state at the time. My take on that song was: I’m 17, what a wonderful thing, to be able to stand up on a stage and shake your finger at people and sing you don’t own me.

Gore nahm 12 Alben auf und es erschienen eine Reihe von Compilations. Ihr letztes Album mit neuem Material brachte sie 2005 heraus, “Ever Since”, woraus Songs für Soundtracks für Serien wie CSI und The L Word übernommen wurden. Für den Film Fame (1980) schrieb sie gemeinsam mit ihrem Bruder Michael Gore den Song “Out Here on My Own“, welcher für einen Oscar nominiert wurde.

Neben ihrer Musikkarriere (und einigen Schauspielabstechern) beendete sie außerdem ein Studium am Sarah Lawrence College und engagierte sich politisch. Im Jahr 1968 war sie als Freiwillige aktiv in der Präsidentschaftskampagne von Robert Kennedy. Es verband sie außerdem eine Freundschaft mit der feministischen Aktivistin und Politikern Bella Abzug. Auch für diese setzte sie sich ein. Darüberhinaus war sie immer wieder in verschiedenen Projekten und Aktionen aktiv. In den 2000ern trat sie im Fernsehen als Gastgeberin des LGBT-Newsmagazins In The Life auf.

I’m young and I love to be young
I’m free and I love to be free
To live my life the way I want
To say and do whatever I please


Facebook | |


Die Weißwaschung und Aneignung von Black Studies in Deutschland – Ein Community-Statement

9. Februar 2015 von accalmie

New Black Diaspora Studies, Black Bremen Studies, African American Research – was zunächst als längst überfällige Forschung und Lehre in Deutschland zu Schwarzer Geschichte, Kultur, Literatur, etc. erscheint, entpuppt sich schnell als Teil des Problems: Black Studies, auch die “Black Knowledges Research Group” (“Schwarzes Wissen”-Forschungsgruppe) in Bremen, sind weiss, sowohl personell als auch von der Heran­gehens­weise, dass Schwarze Menschen oft als Forschungs-“Objekte” und auszuschöpfende Infor­mationsquellen, nicht aber als Kol­leg_in­nen, Impulssetzer_in­nen und Wis­sens­pro­du­zent_in­nen be­trach­tet wer­den. Schwarze Wissenschaftler_innen, Aktivist_innen und Künstler_innen haben am vergangenen Freitag ein Statement veröffentlicht, das gegen die Weißwaschung und Appropriation (Aneignung) von Black Studies in Deutschland protestiert. Mitgezeichnet und unterstützt wird dieses Statement unter anderem vom Braunen Mob e.V., der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), ADEFRA e.V. (Schwarze deutsche Frauen und Schwarze Frauen in Deutschland), dem Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen, Prof. Dr. Angela Davis, Prof. Dr. Maisha Eggers, Dr. Peggy Piesche, Noah Sow und Sharon Otoo.

Das gesamte Statement und die umfassende Auflistung der Unterstützer_innen könnt ihr beim Present_Tense Scholars Network: Black Perspectives and Studies Germany lesen. Weitere Infos findet ihr auch auf Noah Sows Blog (…generell: Eine ständige Lektüreempfehlung!).

Ein Auszug:

Wir, die hier Unterzeichnenden, verurteilen die Art und Weise, in der Black Studies an der Universität Bremen mobilisiert und in Dienst genommen werden. […]

Angesichts der offenkundigen, proaktiv praktizierten Ausschließungen, den mehr oder minder feststehenden inhaltlichen Ausrichtungen der Arbeitsgruppen der Creative Unit, den diversen personellen Überschneidungen und den bereits laufenden bzw. angegliederten Forschungsprojekten stellen sich außerdem die Fragen, wie und von wem über die im Proposal beantragten Stellen und Gelder entschieden wird und auf welchen Auswahlkriterien diese Entscheidungen beruhen. Immerhin handelt es sich dabei um 1 Postdok-Stelle, 4 Doktoranden-Stipendien, 2 halbe Promotionsstellen und 4 Stellen […] für wissenschaftliche Hilfskräfte. […]

Es ist ein Skandal, dass Schwarze deutsche Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen im Zuge der Gestaltung der Unit nicht konsultiert worden sind und ihre Arbeit umfassend entnannt wird, jedoch ihre Namen im Proposal auftauchen, wo sie ohne ihre Zustimmung als aktuelle oder „prospektive“ Kooperationspartner_innen gelistet wurden. Überdies werden die Forschungen von Schwarzen deutschen Wissenschaftler_innen, die in Deutschland seit vielen Jahren zu diesen Themen arbeiten und publizieren, ausschließlich „im Zusammenhang eines basisdemokratischen Aktivismus schwarzdiasporischer Autoren“ verortet.  […]

Mit anderen Worten: Während die finanziellen Ressourcen der Creative Unit dazu genutzt werden, um Stellen für weiße Wissenschaftler_innen zu finanzieren, werden die Namen von Schwarzen Wissenschaftler_innen / Aktivist_innen, wenn sie denn überhaupt Erwähnung finden, ohne die entsprechende Erlaubnis als Token verwendet. Eine solche Vorgehensweise ist nicht nur ungeheuerlich und unethisch, sondern bekräftigt das koloniale Modell der Enteignung: Schwarze Deutsche dürfen weißen Akademiker_innen gern als „Rohmaterial“ und „native informants“ dienen, es wird ihnen allerdings nicht erlaubt, als eigenständige Wissenschaftler_innen zu agieren. Weiße deutsche Akademiker_innen und Aufbaustudierende hingegen stehen bereit, um von noch mehr ökonomischem und symbolischem Kapital als Teil der geplanten Creative Unit zu profitieren. […]

In den USA sind Departments für Black Studies einst ins Leben gerufen worden, weil studentische und community-Gruppen politischen Druck auf die Universitäten ausübten, um die Wissensproduktion über und vor allen Dingen von (!) Schwarzen Menschen anzuerkennen, finanziell zu unterstützen sowie strukturell und personell zu etablieren.

Übrigens: Die Forschungsgruppe “Black Knowledges Research Group” an der Universität Bremen hat sich im Zuge der Kritik nun innerhalb von zwei Tagen aufgelöst. Hier findet ihr die Stellungnahme (auf Englisch).


Facebook | |


Konsens Karneval – Ein Kostüm ist keine Einladung

5. Februar 2015 von Melanie

Alaaf und Helau liebe Jeck_innen! Oder was man sonst so bei Euch ruft, wenn Karneval/Fasching ist. Als ich vor über 5 Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Köln zog, hat mich diese Omnipräsenz des Karnevals, der hier ja schon am 11.11. beginnt, geschockt. Und wie ich – damals noch im Ruhrgebiet arbeitend – versuchte, an Weiberfastnacht mit öffentlichen Verkehrsmittel aus Köln heraus zu kommen…

Das ist aber nicht das Problem mit Karneval. Sich Verkleiden, Feiern, Fröhlich sein – ok. Gern. Und in diesem Beitrag geht es auch erst mal nicht um die militärischen/katholischen-was-auch-immer Bezüge, die Karneval hat. An dieser Stelle geht es auch nicht um Rassismus in Sachen Verkleidung. In diesem Beitrag geht es darum, dass Sexismus und sexuelle Gewalt im Karneval einer die Feierei ganz schön vermiesen können, dass Frauen* darauf achten müssen, wie sie sich verkleiden, wie viel sie trinken… also alles, was an victim blaming und rape culture auch sonst existiert, im (Kneipen)Karneval dann noch mal geballt auftaucht.

Oder kurz: Ich möchte auf meine Kampagne “KonsensKarneval – Ein Kostüm ist keine Einladung” aufmerksam machen (hier zur facebook-Seite und zum twitter-Account). Vorbild war die Kampagne “I frog di“, die sich auf das Oktoberfest konzentriert.

Für diejenigen, die mit Karneval/Fasching eher wenig zu tun haben: Beim (Kneipen)Karneval ist es durchaus gang und gebe, dass Menschen offener als sonst auf andere Menschen zu gehen. Oder schlicht: dass diese Kontaktaufnahme dank Kostümierung und Alkohol leichter von statten geht. Hier in Köln ist das so gang und gebe, dass “Seitensprünge” an Karneval normalisiert sind (die werden bei der Nubbelverbrennung an Karnevalsdienstag gebeichtet und gesühnt. Dafür wird stellvertretend eine Strohpuppe – der Nubbel – verbrannt. Parallelen zur Hexenverbrennung sind an den Strohhaaren herbei gezogen). Ich war auf einer Hochzeit, auf der der Pfarrer den Hochzeits-/Treueschwur “treu sein, einander lieben und ehren” mit einem augenzwinkernden “Karneval ausgenommen” ergänzte. Für manche Touristen ist Karneval einzig dazu da, “Sexabenteuer” zu erleben.

Nun gut, so lange das in beiderseitigem Einverständnis erfolgt ist daran nichts falsch. Aber kommt es zu Übergriffen, wird es insbesondere den Frauen angelastet: Zu viel getrunken, zu freizügiges Kostüm und dann hat sie (™) auch noch mit einem “Bützchen” angefangen! (Bützchen sind Küsschen auf die Wange, die gerne auch als Gegenleistung für ein “Strüßje” erwartet werden, also Blümchen, das überreicht wird).

Hier möchte die Kampagne KonsensKarneval – Ein Kostüm ist keine Einladung ansetzen: Darauf aufmerksam machen, dass NIE die Betroffenen Schuld sind und dafür sensibilisieren, dass Vorsichtsmaßnahmen eher bei den “Tätern” gefragt sind.

Ihr wollt mitmachen? Sehr gerne! Wenn ihr selber Karneval feiert, schickt mir Fotos von Euch in Verkleidung, die ich mit dem Text “Mein Kostüm ist keine Einladung!” auf dem tumblr veröffentlichen werde. (WIE ihr verkleidet seid, ist völlig egal und ihr teilt mir mit, ob ihr eine Veröffentlichung mit oder ohne Namen wollt oder ob ich noch einen Balken über die Augen machen soll. Ich kann auch sehr gut nachvollziehen, wenn man KEIN Foto von sich veröffentlicht sehen möchte). Gerne könnt ihr mir auch Berichte über Erfahrungen (anonym, wenn ihr wollt) mit übergriffigen Menschen, abweisenden Beratungs-/Polizeidienststellen an konsens.karneval@gmail.com schicken. Oder ihr sammelt mit mir Ideen, wie das “Kölsche Grundgesetz” oder Karnevalssprüche/-lieder umgetextet werden können in Sätze, die sich insbesondere an “Täter” richten. Z.B. mit Postkarten auf denen “Darf ich Dich bütze*? (*küssen) steht und lediglich die Antwortmöglichkeiten: “Ja, aber nicht mehr” und “Nein” enthalten. Oder ihr teilt, liked und verbreitet einfach die Kampagne.

Ein Kostüm ist keine Einladung!


Facebook | |



Anzeige