Einträge mit dem Tag ‘AIDS-Prävention’


Im Schatten der WM. Genderthemen in Südafrika

29. Juni 2010 von Nicole

Nach dem kleinen Blick auf die mediale Aufbereitung der Kombination Frauen & Fußball heute einige Lesetipps unter der Rubrik Genderthemen in Südafrika, die eher wenig mit der WM und dem Ball zu tun haben. Oder vielleicht doch ein bisschen. Die aktuelle Ausgabe des L.Mag berichtet über Frauenorganisationen in den Townships, die sich gegen sexuelle Gewalt insbesondere gegen lesbische Frauen und Mädchen – und auch gemeinsam Fußball spielen. Eine der Gruppen, die u.a. Opfer von Vergewaltigungen unter der zynischen Bezeichnung „corrective rape“ unterstützt, ist Luleki Sizwe.

In dem im April 2010 von Jens Erik Ambacher und Romin Khan bei der Assoziation A herausgegebenen Sammelband Südafrika. Die Grenzen der Befreiung gibt es ebenfalls einige Beiträge rund um das Thema Gender: Shireen Hassim analysiert die Frauenbewegung im Südafrika nach der Apartheid, Rita Schäfer stellt Strategien der Frauenrechtsorganisationen gegen geschlechtsspezifische Gewalt dar und Mandisa Mbali schildert die Geschichte der „Treatment Action Campaign“ im südafrikanischen AIDS-/HIV-Aktivismus. Rita Schäfer hat zudem in der aktuellen Ausgabe Nr. 117 der Peripherie. Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt, die sich schwerpunktmäßig mit der WM befasst, einen Text zum Thema Prostitution während der Weltmeisterschaft 2010 veröffentlicht.


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Von Katholiken lernen? DFB & AIDS

13. Mai 2010 von Nicole

Der Deutsche Fußball-Bund engagiert sich auch in sozialen Projekten und schickt seine Nationalspieler los, um sich bei entsprechenden Aktionen und Projekten zu zeigen und Werbung zu machen. Das ist erst einmal eine gute Sache. Kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft in Südafrika gibt es gleich eine ganze Palette von Themen und Initiativen, die sich anbieten. Eines davon ist AIDS. Südafrika gilt als eines der Länder mit der größten Ausbreitung von HIV-Infektionen und AIDS und so ist es gut, dass der DFB vor diesem Thema nicht die Augen verschließt.

Für die entsprechende PR-Aktion vor dem heutigen Länderspiel wurde als Kooperationspartner mit „missio“ allerdings ausgerechnet ein katholisches Hilfswerk ausgewählt, um vier der für die WM nominierten Spieler in seinem „AIDS-Truck“ über seine Projekte in Afrika zu informieren. Vor einem Jahr  hatte der Papst auf einer Afrika-Reise die Haltung der katholischen Kirche zur Kondomfrage noch einmal deutlich gemacht: Kondome würden das AIDS-Problem nicht lösen, sondern sogar verschärfen. Eine Meinung, die – natürlich – auch missio-Präsident Klaus Krämer, der den deutschen Kickern in Sachen AIDS und Afrika Nachhilfe gibt, teilt.

Die konkrete Hilfsarbeit katholischer Initiativen vor Ort mag anders aussehen, von mehr Pragmatismus und Einsicht in die realen Lebensbedingungen und Zwänge, gerade auch der betroffenen Frauen, geprägt sein und demzufolge darin bestehen, Kondome nicht zu verdammen, sondern zu verteilen. Bei der Organisation öffentlichkeitswirksamer Aktionen zum Thema AIDS in Afrika hätte der DFB sich jedoch ruhig noch etwas weiter umschauen und über den missio-Truck hinausblicken dürfen.


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seulement avec…

21. Januar 2010 von Verena

Wenn wir uns vor einiger Zeit über die dämliche AIDS-Präventions-Werbung der Initiative Regenbogen e.V. geärgert haben, hier nun ein trés positives Beispiel aus Frankreich, wie sich humorvoll und frei von Sexismus auf Kondome hinweisen lässt…

Besonders schön der Errektionsschub, wenn der Penis in die Klokabine einbiegt:


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Staatliches Bordell

22. Oktober 2009 von Verena

Eine ungewöhnliche Forderung stellte jetzt die Schweizer Aidshilfe: Um die gesundheitlichen Risiken für Prostituierte einzuschränken, sollen staatliche Bordelle für verbesserte Arbeitsbedingungen sorgen.

Wie die Basler Zeitung berichtet, sind besonders Frauen, die sich illegal in der Schweiz aufhalten, von Nötigungen und Misshandlungen betroffen. Dabei sind es vor allem wirtschaftliche Ursachen, wie hohe Zimmermieten, die die Frauen psychischer und körperliche Gewalt aussetzen und immer wieder unter Druck setzen, auf Kondome zu verzichten.

Aus diesem Grund müsste Sexarbeit als Arbeit definiert werden, fordern nicht nur Schweizer Sozialwissenschaftlerinnen, sondern auch Nicole Wehrle von der Baseler Aidshilfe. Wehrle, zuständig für die Aidsprävention im Sexgewerbe, schlägt ein staatliches Bordell vor,

mit Kondomen auf den Zimmern, Handtüchern und Duschen. Für die Sexarbeiterinnen müsste es faire Zimmerpreise geben und Präventionsmaterial bereitliegen. Natürlich müssten auch rechtliche Bedingungen geschaffen werden, damit die Sexarbeiterinnen legal arbeiten können. Schweizerinnen und Ausländerinnen aus EU-Staaten können dies bereits. {…} Mit einer Legalisierung der Sexarbeiterinnen – zumindest für eine gewisse Zeit – könnten diese auch zu staatlichen Abgaben verpflichtet werden.

Und weiter:

Wehrles Hoffnung ist, dass die Bordellbetreiber mitziehen und ihre Standards anpassen würden. Ihr schwebt so etwas wie ein Gütesiegel für Bordelle vor. Sie sei sich im Klaren darüber, dass der Kanton kein Bordell betreiben könne. Aber mit ihrem Vorschlag möchte sie die Bildung einer Arbeitsgruppe aus Behördmitgliedern, Aidshilfe-Mitarbeitern, Leuten aus dem Milieu und Freiern forcieren. «Ich kenne Freier, die bei den Prostituierten gerne auf ein Label setzten würden.» Wie beim Bio-Gemüse.

Auch wenn der Vergleich mit dem Bio-Gemüse ziemlich hinkt, eine gute Idee, auch über die Schweizer Grenze hinaus.


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Nekrophile AIDS-Prävention

8. September 2009 von Verena

Die Initiative Regenbogen e.V., ein Verein für AIDS-Prävention, hat sich eine neue Kampagne ausgedacht. Weil die Anzeigen mit in Verhüterlis gekleidetem Obst und Gemüse nicht mehr richtig auffielen, musste was Radikales her. Unter dem Motto „Aids ist ein Massenmörder“ werden nun Schurken der Geschichte zum personalisierten HIV-Virus. Egal ob Saddam Hussein, Josef Stalin oder Adolf Hitler – auf Plakaten und im Video zeigen sich heiße nackte Girls in geschlechtlicher Umarmung mit dem Bösen.

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Spiegel Online berichtet, dass die Kampagne vor allem in Großbritannien und den USA für Proteste sorge:

Der Spot “stigmatisiere die Menschen, die HIV-positiv sind und die ohnehin einer großen Diskriminierung und Ignoranz ausgesetzt” seien, sagte eine Sprecherin des National Aids Trust, der die Aktionen zum Welt-Aids-Tag in Großbritannien koordiniert.
Die Organisation befürchtet, dass die Botschaft des Spots die Menschen davon abhalte, sich testen zu lassen – die HIV-Positiven sowie die Erkrankten würden selbst zu Massenmördern stigmatisiert. Zudem wird kritisiert, dass die Videos keine Informationen über Präventionsmöglichkeiten enthielten

Nicht nur liefert die Anzeige keine Informationen, wie man sich schützen kann, auch impliziert sie eine massive Geschlechterdiskriminierung: Die Frau ist Opfer der Ansteckung, der Mann der böse Überträger. Gleichzeitig assoziieren die Bilder und vor allem der Spot eine heiße, unverbindliche Sexnacht – als seien nur unvorsichtige One-Night-Stand-Fans gefährdet, sich mit HIV zu infizieren. Dass das Virus auch auf anderen Wegen und durchaus in Partnerschaften übertragen werden kann, wird hier außer Acht gelassen. Und bitte, wenn es schon um Sex geht, dann müssen Brüste und Hintern der Frau genauso in Szene gesetzt werden, wie ihre lustverzerrte Mimik… als ob Nekrophilie, also Sex mit Toten, Spaß mache…

Wie aber kann gute Anti-AIDS Werbung aussehen? Der Hinweis auf die Nutzung von Kondomen erscheint in diesem Zusammenhang unerlässlich. Und den Ernst des Themas mit Aufmerksamkeit und gegebenenfalls Humor zu paaren, ist nicht leicht. Aber vielleicht ist die Orientierung an die AIDS-Prävention Werbung der 90er Jahre lohnenswerter, als der missglückte Griff in historische Mottenkisten.


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